{"id":94850,"date":"2023-03-10T10:00:07","date_gmt":"2023-03-10T09:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94850"},"modified":"2023-03-10T13:51:33","modified_gmt":"2023-03-10T12:51:33","slug":"das-privatisierungswerk-der-troika-ab-2010-in-griechenland-traegt-bis-heute-fruechte-und-hat-folgen-beispiel-ein-schweres-zugunglueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94850","title":{"rendered":"Das Privatisierungswerk der Troika ab 2010 in Griechenland tr\u00e4gt bis heute Fr\u00fcchte und hat Folgen \u2013 Beispiel: ein schweres Zugungl\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Das Zugungl&uuml;ck, das folgenschwerste in seiner Geschichte, ersch&uuml;ttert Griechenland, die Menschen dort und &uuml;berall, die diese Nachricht aus den vergangenen Tagen vernahmen. Medien verbreiten neben der mit 57 Menschen gro&szlig;en Opferzahl Informationen zum mutma&szlig;lichen Verursacher der Katastrophe, einem Bahnhofsangestellten, ebenso Berichte, die den Ursachen des Ungl&uuml;cks auf den Grund gehen. So erf&auml;hrt die &Ouml;ffentlichkeit, dass der einzige angeklagte Stationsvorsteher zur Ungl&uuml;cksstunde vier Tage Dauerdienst hinter sich hatte und gerade mal einige Monate zuvor in einem Crashkurs auf seine Aufgabe vorbereitet worden war. Tiefer blickend kommen weitere Stichworte zur Ursachensuche wie Privatisierung Personalabbau, Profit, Austerit&auml;t ans Licht. An den Universit&auml;ten wird gestreikt und die Staatstraueranordnung der Regierung von den Studenten als Heuchelei verurteilt. Sowas kommt von sowas, denkt man an 2010, an das Jahr, in dem vor allem aus dem &bdquo;starken&ldquo; Deutschland gegen das &bdquo;schwache&ldquo; Griechenland ausgeteilt wurde, als g&auml;be es kein Morgen. Das Morgen ist heute und die Lage schlimm. Ein Kommentar von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8522\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-94850-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230310-Griechenland-Privatisierungswerk-Zugunglueck-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230310-Griechenland-Privatisierungswerk-Zugunglueck-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230310-Griechenland-Privatisierungswerk-Zugunglueck-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230310-Griechenland-Privatisierungswerk-Zugunglueck-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=94850-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230310-Griechenland-Privatisierungswerk-Zugunglueck-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230310-Griechenland-Privatisierungswerk-Zugunglueck-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Eine Troika f&auml;llt ein<\/strong><\/p><p>2010. Wir Deutschen erinnern uns, Griechenland wird als Land, das pleite ist, betitelt. Um im S&uuml;den bei den Griechen aufzur&auml;umen und die Konkursmasse aufzuteilen, kommt eine von der EU eingesetzte Truppe ins &bdquo;Spiel&ldquo;, die Troika genannt wird. Wir flei&szlig;igen Deutschen schimpfen derweil &uuml;ber die faulen Griechen. Obwohl wir doch so gern in den S&uuml;den fahren und die entspannte Atmosph&auml;re, die freundlichen Leute usw. lieben. Aber erstmal wird mit harten Bandagen ausgeteilt. Unser Finanzminister Sch&auml;uble, der sich mit Geld ja ziemlich gut auskennt und als Christdemokrat das Leistungsprinzip und sicher auch das alttestamentarische Sprichwort &bdquo;Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen&ldquo; kennt, mischt mit arroganter deutscher Dominanz in der EU ordentlich mit.<\/p><p>In Sachen Treuhand machte er sich schon in den 1990er Jahren im Osten der Bundesrepublik verdient. 2010 plus folgende Jahre agiert er als Befeuerer dieser mit eisernem Besen kehrenden Truppe, der Troika. Der Name klingt melodisch, die Dreierbande agiert gr&uuml;ndlich unromantisch. Man muss halt den G&uuml;rtel enger schnallen. Griechenland kann tats&auml;chlich seine Kredite nicht ohne Unterst&uuml;tzung bedienen. Auf die Idee, den Hellenen ein Schuldenmoratorium anzubieten, kommen progressive Europ&auml;er, die EU-Entscheider, nicht. Eine Variante w&auml;re, dass die Griechen erst dann einen Teil der Zinsen aufbringen m&uuml;ssen, wenn ihre Wirtschaft wieder w&auml;chst. Bis dahin w&uuml;rden sie in Ruhe gelassen.<\/p><p><strong>Das Ungl&uuml;ck auf den Gleisen der OSE<\/strong><\/p><p>2023. Die Rosskur in Griechenland ist gelungen, die Beute verteilt, die Folge ist, dass das Land (also die Bev&ouml;lkerung fern der Eliten) solide arm, latent ersch&ouml;pft und permanent sich ausgepresst f&uuml;hlend das Leben dennoch irgendwie meistert. Und sei es mit Crashkursen und tapferen Dauerdiensten &hellip; Bei all den K&uuml;rzungen und Privatisierungen scheint es aber kein Wunder, dass ein Ungl&uuml;ck wie in Larisa passiert musste, weil ein ersch&ouml;pfter Bahnhofsvorsteher eine Weiche falsch gestellt hat. Zwei Z&uuml;ge prallen aufeinander, trotz dass die Strecke eigentlich zweigleisig ist. Der Crash zweier Z&uuml;ge der Gesellschaft OSE steht wie ein Symbol f&uuml;r den bestehenden Zustand der griechischen Gesellschaft. Die Troika und ihre Fr&uuml;chte tragenden &bdquo;Ma&szlig;nahmen&ldquo; geraten wieder ins Blickfeld. Zur Erl&auml;uterung des Zusammenhangs sei ein Ausschnitt aus einem Artikel der Tageszeitung &bdquo;junge welt&ldquo; zitiert:<\/p><blockquote><p>\nDie OSE war 2013 unter der rechten Regierung der Nea Dimokratia und deren Ministerpr&auml;sident Antonis Samaras zerschlagen worden, um Teile des bis dahin 100prozentigen Staatsbetriebs privatisieren zu k&ouml;nnen. Dies war damals eine Forderung der sogenannten Troika &ndash; ein von EU-Kommission, Europ&auml;ischer Zentralbank und Internationalem W&auml;hrungsfonds nach Athen ausgesandtes, finanzkapitalistisches Aufsichtsgremium &ndash;, die zusammen mit der Taiped, einem Pendant der deutschen Treuhandgesellschaft, die Privatisierung &ouml;ffentlichen griechischen Eigentums durchzusetzen hatte. Im September 2017 schlie&szlig;lich wurde die OSE f&uuml;r nach allgemeiner Auffassung l&auml;cherliche 45 Millionen Euro an die &ndash; ebenfalls schon teilprivatisierte &ndash; italienische Ferrovie dello Stato Italiane verscherbelt. W&auml;hrend Gleisk&ouml;rper und s&auml;mtliche technischen Einrichtungen an die Italiener &uuml;berschrieben wurden, blieb der gr&ouml;&szlig;te Teil der Fahrzeuge &ndash; Lokomotiven und Waggons &ndash; in griechischer Hand. Es folgten Personalabbau und v&ouml;llig unzureichende Investitionen in Zugtechnik und Kontrollsysteme.\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert<\/strong><\/p><p>Nach dem Zugungl&uuml;ck h&auml;lt man inne. Die Aufarbeitung beginnt. Die Emp&ouml;rung &uuml;ber die Ursachen w&auml;chst. Fest steht, die Austerit&auml;t packte in Griechenland zu, die Ma&szlig;nahmen zielten auf L&ouml;hne, Arbeitszeiten, Sozialausgaben. Werte des Landes, H&auml;fen, Bahnen, Infrastruktur und und und, also alles, mit dem Geld zu machen ist, wurde privatisiert. Alternativen wurden den Griechen keine angeboten, auch wenn es die gab und bis heute gibt. Doch Memoranden, Schuldenerlasse, Aufbauprogramme, die den Namen verdienen, sind im gro&szlig;en Spiel des Kapitalismus nicht vorgesehen. Geld zu beschaffen, das klappt, wenn Banken gerettet werden und wie bei uns in Deutschland eine ganze Armee mit Unsummen auf Vordermann gebracht werden soll.<\/p><p>Griechenlands Volk steht nicht allein als Objekt von beschriebenen Ma&szlig;nahmen und Strategien: Man schaue nach Lateinamerika, nach Afrika &ndash; in zahlreichen L&auml;ndern dort sind Weltbank, Investoren, m&auml;chtige Nachbarstaaten aus dem Norden t&auml;tig, die sagen, wo es lang geht. Vor allem f&auml;llt ein Prinzip auf: Gewinne werden privatisiert, Defizite vergesellschaftet, also Schulden an die &ouml;ffentliche Hand weitergereicht. Doch Eigentum verpflichtet. Wo kam also die OSE, die private Bahngesellschaft, ihrer Pflicht nach? Die Klage an sie ist in Griechenland un&uuml;berh&ouml;rbar, ebenso, dass sie ihr Eigentum auf Verschlei&szlig; fuhr. Warum wohl? Profitgier hei&szlig;t das Zauberwort. Es fallen einem Zug-Beispiele dieses Neoliberalismus ein: die Bahn in Gro&szlig;britannien. Deutschland nicht zu vergessen &hellip;<\/p><p><strong>Wie mit der Bahn so auch mit dem Wasser<\/strong><\/p><p>So wie griechische Unternehmer und Banker im Verbund mit internationalen Investoren mit der Bahn umgehen, so klappt(e) das auch oder auch nicht mit dem Wasser. Siehe Frankreich und Deutschland. Ende des vergangenen Jahrhunderts stand die Wasserprivatisierung bei unseren Nachbarn ganz gro&szlig; auf dem Plan von sogenannten Versorgungskonzernen wie Veolia. Die Folgen waren: steigende Wasserpreise und sinkende Qualit&auml;t des Trinkwassers. Tats&auml;chlich schmeckte das Trinkwasser aus Leitungen in Paris mehr nach Chlor als nach Erfrischung. Grund war, dass man die Leitungen nicht reparierte, sondern es beim &bdquo;Sp&uuml;len mit chlorhaltigen Reinigungsmitteln&ldquo; belie&szlig;. Das kostete nicht die Welt.<\/p><p>Die gleiche Masche Privatisierung erlebte Deutschland: Franz&ouml;sische Versorger hatten ihren Fu&szlig; in der T&uuml;r. Die Stadt Berlin verkaufte etwa die H&auml;lfte ihrer Wasserversorgung. Die Preise stiegen nun auch in der deutschen Hauptstadt, w&auml;hrend knausrig Geld f&uuml;r Investitionen und Instandhaltung der Infrastruktur zur Verf&uuml;gung gestellt wurde. Der Rendite wegen.<\/p><p><strong>Vergesellschaften statt Privatisieren<\/strong><\/p><p>Doch siehe da: Dank eines Volksbegehrens musste die Stadt 2013 die privaten Anteile zur&uuml;ckkaufen, also rekommunalisieren, wobei die Zeche die Berliner &uuml;ber den Wasserpreis abstottern m&uuml;ssen: 1,2 Milliarden Euro. Zahlreiche franz&ouml;sische St&auml;dte taten es genauso wie Berlin, ihre Wasserversorgung holten sie in eigene Verantwortung zur&uuml;ck. Bei Bahnen ginge das auch &hellip;<\/p><p>Titelbild: Ververidis Vasilis\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Zugungl&uuml;ck, das folgenschwerste in seiner Geschichte, ersch&uuml;ttert Griechenland, die Menschen dort und &uuml;berall, die diese Nachricht aus den vergangenen Tagen vernahmen. Medien verbreiten neben der mit 57 Menschen gro&szlig;en Opferzahl Informationen zum mutma&szlig;lichen Verursacher der Katastrophe, einem Bahnhofsangestellten, ebenso Berichte, die den Ursachen des Ungl&uuml;cks auf den Grund gehen. 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