{"id":9492,"date":"2011-05-18T16:23:21","date_gmt":"2011-05-18T14:23:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9492"},"modified":"2014-09-01T10:24:28","modified_gmt":"2014-09-01T08:24:28","slug":"guy-burgel-strauss-kahn-war-nicht-der-retter-griechenlands","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9492","title":{"rendered":"Guy Burgel: Strauss-Kahn war nicht der Retter Griechenlands"},"content":{"rendered":"<p>Inhalte eines am 18. Mai 2011 in der franz&ouml;sischen Tageszeitung Le Monde erschienenen <a href=\"http:\/\/www.lemonde.fr\/idees\/article\/2011\/05\/17\/non-m-strauss-kahn-n-est-pas-le-sauveur-de-la-grece_1523299_3232.html\">Artikels von Guy Burgel<\/a>, Professor an der Pariser Universit&auml;t Paris-Ouest-Nanterre-la D&eacute;fense.<br>\nOriginaltitel: &bdquo;Non, M.Strauss-Kahn n&rsquo;est pas le sauveur de la Gr&egrave;ce&ldquo;.<br>\nBurgel ist Autor eines Buches &uuml;ber die Entwicklung Griechenlands im 20. Jahrhundert (&bdquo;Miracle ath&eacute;nien au XXe si&egrave;cle, Verlag CNRS Editions 2002&ldquo;). &Uuml;bertragen von Gerhard Kilper<br>\n<!--more--><br>\nDer Fall Strauss-Kahn wirft ganz grunds&auml;tzlich die Frage der Koh&auml;renz der weltweit betriebenen Finanzpolitik und deren Auswirkungen auf die Zukunft der Bev&ouml;lkerung  betroffener L&auml;nder auf, Griechenland ist lediglich ein exemplarischer Fall.<\/p><p>Der sozialistische griechische Ministerpr&auml;sident ist bereit, den ihm von internationalen Instanzen &ndash; mit dem IWF an der Spitze &ndash; verordneten Kreuzweg zur Sanierung der &ouml;ffentlichen Finanzen zu beschreiten. Das Paradoxe an diesem linken Politiker ist seine Bereitschaft, in Griechenland seit Jahrzehnten praktizierte Politikirrt&uuml;mer mit Mitteln korrigieren wollen, die bisher allgemeine Dom&auml;ne erzkonservativer Regierungen waren: Lohnsenkungen, Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters, Einfrieren der Pensionen, Erh&ouml;hung der Umsatzsteuer, Verl&auml;ngerung der Arbeitszeit und vor allem das Ende von Neu-Einstellungen in den &ouml;ffentlichen Dienst (verbunden mit der R&uuml;cknahme &ouml;ffentlicher Leistungsangebote).<\/p><p>Die Liste unpopul&auml;rer Ma&szlig;nahmen, die in anderen Zeiten zu Massendemonstrationen, zu verst&auml;rktem &ouml;ffentlichen Engagement entr&uuml;steter Gewerkschaften und zu unkontrollierbaren Aktionen von Extremisten gef&uuml;hrt h&auml;tten, werden im von der Krise ausgel&ouml;sten innenpolitischen Klima allgemeiner Best&uuml;rzung und L&auml;hmung hingenommen. <\/p><p>Der Kranke stirbt vor seiner Genesung &ndash; darin besteht das Risiko der von internationalen Institutionen Griechenland verordneten Medizin. Unbestreitbar ist, dass sich rechte wie linke Politiker in Griechenland in der Vergangenheit aus den Pfr&uuml;nden eines &uuml;berdimensionierten Staatsapparats bedient haben. <\/p><p>Dem &ouml;ffentlichen Dienst Griechenlands fehlt heute in erschreckendem Ma&szlig; qualifiziertes Personal im medizinischen Bereich, an den Schulen, im Bereich sozialer Dienstleistungen und im Bereich der Aufrechterhaltung &ouml;ffentlicher Sicherheit.<\/p><p>Die verst&auml;rkte Eintreibung von Steuern ist eine gute Sache, doch m&uuml;sste auch daf&uuml;r gesorgt werden, dass das in der Volkswirtschaft zirkulierende Geld in Umlauf bleibt, dass nicht Gesch&auml;fte in den Hauptgesch&auml;ftsstra&szlig;en griechischer St&auml;dte nacheinander schlie&szlig;en. Wer diese Entwicklung nicht zur Kenntnis nehmen will, ignoriert, dass die Konsumnachfrage  privater Haushalte schon immer  Hauptmotor realen Wachstums war (unter der Hand &auml;u&szlig;ern &bdquo;&uuml;berzeugte&ldquo; Liberale, es k&auml;me ihnen nicht ungelegen, sollte eine autorit&auml;re Regierung endlich Ordnung sowohl im Land als auch bei der illegalen Einwanderung schaffen).<br>\nGrundirrtum des IWF und seiner Strategen ist, nicht verstanden zu haben, dass der griechische Staat nicht geschw&auml;cht, sondern als solcher und im sozialen Bereich neu begr&uuml;ndet werden muss. Der IWF und sein Generaldirektor &auml;u&szlig;erten wiederholt, die Reduktion des griechischen Defizits m&uuml;sse allererste Priorit&auml;t haben. Mit drastischen Ausgabenk&uuml;rzungen werden jedoch nicht, wie behauptet, k&uuml;nftige Generationen entlastet. Ausgabenk&uuml;rzungen als K&uuml;rzungen von Ausgaben f&uuml;r Bildung und Gesundheit verbauen vielmehr die Zukunft k&uuml;nftiger Generationen  und mindern deren Arbeitsplatz-Chancen in der realen Wirtschaft.<\/p><p>Der Irrweg, in den Griechenland derzeit getrieben wird, ist jedoch nicht Schicksal irgendeines Landes, die griechische Sackgasse ist auch Ausdruck eines grunds&auml;tzlichen Scheiterns der europ&auml;ischen Linken! <\/p><p>Nur wenn die Krise bewirken kann, dass sich die europ&auml;ische Linke zu einem alternativen Wachstumsprojekt mit gerechterer Reichtums-Verteilung durchringen kann, w&auml;re das Opfer der Griechen nicht umsonst.<\/p><p>Da die franz&ouml;sischen Sozialisten im Jahr 2012 nicht nur Pr&auml;sidentschaftswahlen gewinnen, sondern auch einen zivilisatorisch-kulturellen Wandel im Land schaffen wollen, ist es f&uuml;r die Linke noch nicht zu sp&auml;t, in der Finanzpolitik zwischen sachlich gebotener Haushaltsdisziplin und dem &uuml;blich gewordenen Finanz-Rigorismus, zwischen angenommener &Ouml;konomie-Rationalit&auml;t und der Logik des tats&auml;chlichen Funktionierens von Gesellschaften zu unterscheiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inhalte eines am 18. Mai 2011 in der franz&ouml;sischen Tageszeitung Le Monde erschienenen <a href=\"http:\/\/www.lemonde.fr\/idees\/article\/2011\/05\/17\/non-m-strauss-kahn-n-est-pas-le-sauveur-de-la-grece_1523299_3232.html\">Artikels von Guy Burgel<\/a>, Professor an der Pariser Universit&auml;t Paris-Ouest-Nanterre-la D&eacute;fense.<br \/> Originaltitel: &bdquo;Non, M.Strauss-Kahn n&rsquo;est pas le sauveur de la Gr&egrave;ce&ldquo;.<br \/> Burgel ist Autor eines Buches &uuml;ber die Entwicklung Griechenlands im 20. 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