{"id":94991,"date":"2023-03-14T10:00:06","date_gmt":"2023-03-14T09:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94991"},"modified":"2023-03-14T10:19:39","modified_gmt":"2023-03-14T09:19:39","slug":"ende-der-eiszeit-zwischen-saudi-arabien-und-dem-iran-ein-cleverer-chinesischer-schachzug-und-eine-neue-lage-fuer-den-westen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94991","title":{"rendered":"Ende der Eiszeit zwischen Saudi-Arabien und dem Iran: Ein cleverer chinesischer Schachzug und eine neue Lage f\u00fcr \u201eden Westen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Am 10. M&auml;rz 2023 haben die Au&szlig;enminister von Iran und Saudi-Arabien, Ali Schamchani und Musaed bin Muhammad Al-Aiban, unter der Vermittlung Chinas in Peking vereinbart, das Verh&auml;ltnis der beiden L&auml;nder auf eine neue Basis zu stellen und innerhalb der n&auml;chsten zwei Monate wieder diplomatische Beziehungen aufzunehmen. In diesem Zusammenhang stellt sich nicht nur die Frage, welche Absichten China mit der &Uuml;bernahme der Vermittlerrolle verbindet, sondern auch, wie diese neue Situation aus westlicher Sicht zu beurteilen ist. Von <strong>J&uuml;rgen H&uuml;bschen<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die beiden Regionalm&auml;chte und ihre wesentlichen Interessenkonflikte<\/strong><\/p><p>Das Verh&auml;ltnis zwischen Iran und Saudi-Arabien war bislang im Wesentlichen von folgenden Aspekten, Differenzen und Streitigkeiten gepr&auml;gt: Die gr&ouml;&szlig;ten Anrainer-Staaten des Persisch-Arabischen Golfes, Saudi-Arabien und der Iran, befinden sich in einem direkten Konkurrenzkampf um die Vorherrschaft in der Region. Das K&ouml;nigreich ist als Bewahrerin der Heiligen St&auml;tten Mekka und Medina die dominierende sunnitische Macht am Golf, w&auml;hrend der Iran weltweit und einzigartig sozusagen die Mutter aller Muslime schiitischen Glaubens ist.<\/p><p>Das Verh&auml;ltnis zwischen den beiden muslimischen Staaten ver&auml;nderte sich grunds&auml;tzlich nach dem Sturz des Schahs und der Umwandlung Persiens in den islamischen Gottesstaat Iran 1979 durch den Revolutionsf&uuml;hrer Ayatollah Khomeini. Diese zun&auml;chst religi&ouml;s begr&uuml;ndete Rivalit&auml;t versch&auml;rfte sich entscheidend 1987, als 400 schiitische Pilger aus dem Iran bei dem Hadsch in Mekka ihr Leben verloren und die weitere Teilnahme iranischer Pilger f&uuml;r drei Jahre untersagt wurde. Imam Khomeini verk&uuml;ndete damals vor der ganzen Welt, dass er der Herrscherfamilie Saoud niemals verzeihen w&uuml;rde. 2016 wurden der schiitische Prediger Nimr al-Nimr und andere schiitische Geistliche in Saudi-Arabien hingerichtet. Daraufhin st&uuml;rmten aufgebrachte Iraner die saudische Botschaft in Teheran und setzten diese teilweise in Brand. Es kam zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden L&auml;ndern.<\/p><p>In ihrem politisch-religi&ouml;sen Bestreben, die Region zu dominieren, stehen die beiden Staaten de facto in allen Konflikten der Region auf der jeweils anderen Seite. In dem von Saudi-Arabien 2015 vom Zaun gebrochenen B&uuml;rgerkrieg im Jemen unterst&uuml;tzt Riad die rechtm&auml;&szlig;ige Regierung von Maeen Abdul Malek und des Leiters des pr&auml;sidialen F&uuml;hrungsrates, Rashad al-Alimi, die sich mit der Regierung im saudischen Exil befinden, w&auml;hrend der Iran &ndash; wenn auch nicht offiziell &ndash; auf der Seite der rebellierenden Huthis steht, die ihre Raketen auch immer wieder auf saudisches Territorium abschie&szlig;en. Nach dem v&ouml;lkerrechtswidrigen Krieg der USA gegen den Irak, in dem der sunnitische Herrscher Saddam Hussein gest&uuml;rzt wurde, ist der Iran zum engsten Verb&uuml;ndeten der nunmehr schiitischen Regierung des Iraks geworden, was in Riad ein st&auml;ndiger Anlass zur Sorge ist. Im Libanon sieht sich der sunnitische und von Saudi-Arabien gest&uuml;tzte Premierminister Nadschib Miqati nicht nur einer mittlerweile mehrheitlich schiitischen Bev&ouml;lkerung gegen&uuml;ber, sondern befindet sich in einem Dauerkonflikt mit der Hisbollah, die eng verb&uuml;ndet ist mit dem Iran und als st&auml;rkste politische und vor allem auch milit&auml;rische Kraft des Libanons an der Regierung beteiligt werden muss.<\/p><p>In Syrien bem&uuml;ht sich der alawitische und damit religi&ouml;s den Schiiten nahestehende Pr&auml;sident Bashar al-Assad zwar um ein gutes Verh&auml;ltnis mit Saudi-Arabien, d&uuml;rfte sich aber wohl dar&uuml;ber im Klaren sein, dass die jahrelange CIA-geleitete Operation &bdquo;Timber Sycamore&ldquo;, die seinen Sturz zum Ziel hatte oder vielleicht immer noch hat, zu einem gro&szlig;en Teil von Saudi-Arabien finanziert wurde und wird. Sie ist Teil der amerikanischen Doppelstrategie in Syrien. Der Iran steht seit 2011, dem Beginn der Auseinandersetzungen, eindeutig auf der Seite des syrischen Pr&auml;sidenten und unterst&uuml;tzt diesen, in einem engen B&uuml;ndnis mit der Hisbollah, durch iranische Milizen und die Pasdaran, die Revolutionsgarden Teherans. Es gibt Hinweise, dass auch regul&auml;re iranische Soldaten an der Seite der syrischen Armee k&auml;mpfen. Ohne die Unterst&uuml;tzung Russlands und des Irans w&auml;re Assad bereits vor Jahren gest&uuml;rzt worden, w&auml;hrend er heute mit Hilfe dieser seiner wichtigsten Verb&uuml;ndeten den gr&ouml;&szlig;ten Teil Syriens wieder kontrolliert.<\/p><p>Last but not least gibt es zwischen dem Iran und Saudi-Arabien auch noch einen Interessenkonflikt in Bahrain, wo Riad behauptet, Teheran w&uuml;rde die schiitische Bev&ouml;lkerungsmehrheit zum Sturz des sunnitischen Herrscherhauses anstiften, w&auml;hrend Iran Saudi-Arabien vorwirft, den selbsternannten K&ouml;nig von Bahrain, Hamad bin Isa Al Chalifa, dabei zu unterst&uuml;tzen, eben diese schiitische Mehrheit zu unterdr&uuml;cken und politisch und gesellschaftlich nicht zu beteiligen.<\/p><p><strong>Die USA und ihre Beziehungen zu Saudi-Arabien und Teheran<\/strong><\/p><p>Neben den wesentlichen Interessenkonflikten zwischen den beiden Regionalm&auml;chten spielen nat&uuml;rlich auch ihre Beziehungen zu den USA eine wichtige Rolle. Der britische R&uuml;ckzug &bdquo;&ouml;stlich von Suez&ldquo;<strong> <\/strong>ab 1966 konfrontierte die USA mit einer v&ouml;llig neuen Lage, weil sie durch den Abzug der britischen Truppen praktisch keine milit&auml;rischen Verb&uuml;ndeten mehr in der Region hatten, und das auf der H&ouml;he des Kalten Krieges mit der Sowjetunion auf der einen Seite und dem Vietnamkrieg andererseits. Das erforderte f&uuml;r die US-Regierung unter Pr&auml;sident Nixon die Entwicklung eines v&ouml;llig neuen sicherheitspolitischen Konzeptes f&uuml;r die Region und war letztlich die Geburtsstunde der sogenannten &bdquo;Twin Pillar Strategy&ldquo;. Die eine S&auml;ule wurde der Iran unter dem westlich orientierten Schah und die zweite Saudi-Arabien unter seinem damaligen Herrscher K&ouml;nig Faisal. Beide Staaten wurden von den USA in der Hauptsache durch massive Waffenlieferungen unterst&uuml;tzt und in Saudi-Arabien wurden zus&auml;tzlich amerikanische Milit&auml;reinrichtungen geschaffen und US-Soldaten stationiert.<\/p><p>Diese Strategie funktionierte bis zur iranischen Revolution 1979, in der die eine S&auml;ule mit der Geiselnahme amerikanischer Staatsb&uuml;rger in der US-Botschaft in Teheran umgehend und vollst&auml;ndig zusammenbrach. Diese Geiselnahme war der Beginn einer ausgesprochen emotionalen Beziehung zwischen den USA und Teheran. Praktisch bis zum heutigen Tag versuchen die USA, auch wenn Washington das offiziell bestreitet, einen ihrer &bdquo;ber&uuml;chtigten Regime Changes&ldquo; im Iran durchzusetzen. Vor allem durch immer sch&auml;rfere Sanktionen wollte und will man auch &uuml;ber innenpolitischen Druck erreichen, dass die iranische Bev&ouml;lkerung sich gegen das System auflehnt.<\/p><p>Das einseitige Aufk&uuml;ndigen des Atomvertrages durch die USA hat das Verh&auml;ltnis schwer belastet und dazu gef&uuml;hrt, dass der Iran sich nicht mehr an die Auflagen des Vertrages gebunden f&uuml;hlt. Die Absicht der USA, den islamischen Staat als Ganzes in der westlichen Staatengemeinschaft zu isolieren, scheint, zumindest teilweise, Erfolg zu haben, allerdings mit der Konsequenz, dass sich der Iran deshalb zunehmend in Richtung Russland orientiert und Moskau z.B. in seinem Krieg gegen die Ukraine unterst&uuml;tzt. Neben Sanktionen kam es auch zu Gewaltaktionen wie z.B. der Liquidierung des iranischen Generals Suleimani durch eine amerikanische Drohne bis hin zum Abschuss einer amerikanischen &bdquo;Global Hawk&ldquo;-Drohne durch die iranische Luftverteidigung. Es herrscht quasi bis heute auf allen Ebenen ein unerkl&auml;rter Krieg zwischen den USA und dem Iran.<\/p><p>Washington versuchte 1979, den Ausfall des ehemaligen Verb&uuml;ndeten Iran durch verst&auml;rkte Waffenlieferungen an Saudi-Arabien auszugleichen und dar&uuml;ber hinaus mit Hilfe Israels zu kompensieren, musste aber erkennen, dass dies wegen der Differenzen Jerusalems mit den arabischen Staaten letztlich keine L&ouml;sung war. So setzte man auf den irakischen Herrscher Saddam Hussein und unterst&uuml;tzte diesen in seinem Krieg gegen den Iran. Mit dem &Uuml;berfall Saddam Husseins auf das Emirat Kuwait brach 1990 auch diese &bdquo;Ersatz-S&auml;ule&ldquo; zusammen. Das war de facto das endg&uuml;ltige Ende der &bdquo;Twin Pillar&ldquo;-Strategie. Der v&ouml;lkerrechtswidrige Krieg der USA gegen den Irak belastet das Verh&auml;ltnis zu den arabischen Staaten immer noch, wenn auch nicht ganz so entscheidend wie die einseitige Politik Washingtons gegen&uuml;ber Israel.<\/p><p>Die US-Regierung von Pr&auml;sident Biden schien Saudi-Arabien &ndash; unter anderem wegen Riads Krieg im Jemen und der Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi &ndash; zun&auml;chst nicht mehr vorbehaltlos zu unterst&uuml;tzen. Das &auml;nderte sich aber im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. So war der Besuch des US-Pr&auml;sidenten im Sommer 2022 der Versuch, das Verh&auml;ltnis zu Saudi-Arabien auf eine neue Basis zu stellen, muss aber letztlich als gescheitert angesehen werden. Dem Wunsch Pr&auml;sident Bidens, die &Ouml;lf&ouml;rderung wegen der durch den Ukrainekrieg ausgel&ouml;sten Energiekrise zu steigern, wurde nicht entsprochen. Stattdessen wurde bekannt, dass Saudi-Arabien billiges russisches Erd&ouml;l f&uuml;r den heimischen Bedarf importiert und das eigene wesentlich teurere &Ouml;l auf dem Weltmarkt verkauft.<\/p><p>Trotzdem erkl&auml;rte der US-Pr&auml;sident auf dem Gipfel des Golfkooperationsrates im Juli 2022:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Lassen Sie mich klar sagen, dass die Vereinigten Staaten ein aktiver, engagierter Partner im Nahen Osten bleiben werden. Wir werden nicht weggehen und ein Vakuum hinterlassen, das von China, Russland oder dem Iran ausgef&uuml;llt wird.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Ob diese Aussage auch den Vorstellungen der Saudis entsprach, sei dahingestellt. Nicht zuletzt die Entwicklungen in den Beziehungen zu den USA scheinen in Teheran und Riad zu der Erkenntnis gef&uuml;hrt zu haben, dass es durchaus sinnvoll sein k&ouml;nnte, ihr bilaterales Verh&auml;ltnis auf eine neue Basis zu stellen und damit die Abh&auml;ngigkeit von Washington zu verringern.<\/p><p><strong>Ende der Eiszeit zwischen Saudi-Arabien und Iran?<\/strong><\/p><p>Vor diesem Hintergrund entwickelten Riad und Teheran eine Initiative, die im Oktober 2019 im saudischen Jidda begonnen hatte. Damals trafen sich der damalige pakistanische Premierminister Imram Khan und der saudische Kronprinz Mohammed Bin Salman (MBS), der De-facto-Herrscher Saudi-Arabiens. In diesem Gespr&auml;ch soll der Kronprinz den pakistanischen Premier mit den Worten, <em>&bdquo;I<\/em><em>ch will verhindern, dass es Krieg gibt&ldquo;<\/em>,<em> <\/em>gebeten haben, mit dem Iran zu sprechen. Wenige Tage sp&auml;ter traf sich Imram Khan am Rande der UN-Vollversammlung mit dem damaligen iranischen Pr&auml;sidenten Rohani. Dieser wandte sich sp&auml;ter in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung an die arabischen Staaten mit den Worten: <em>&bdquo;<\/em>Es ist die Islamische Republik Iran, die Ihr Nachbar ist&ldquo;, und er erg&auml;nzte in Richtung Amerika: <em>&bdquo;<\/em>Am Ende des Tages werden Sie und wir allein sein. Wir sind die Nachbarn des jeweils anderen, nicht Amerika.&ldquo;<\/p><p>Wenige Tage nach dem pakistanischen Regierungschef besuchte der damalige irakische Premierminister Adel Abdul Mahdi Saudi-Arabien und sprach mit dem saudischen Kronprinzen ebenfalls &uuml;ber das Verh&auml;ltnis Saudi-Arabiens zum Iran und erkl&auml;rte nach seiner R&uuml;ckkehr vor Journalisten in Bagdad:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es gibt eine gro&szlig;e Resonanz aus Saudi-Arabien und aus dem Iran, und ich denke, dass diese Bem&uuml;hungen eine gute Wirkung haben werden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Antwort gab wenige Tage sp&auml;ter Ali Larijani, der damalige Sprecher des iranischen Parlaments:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Iran ist offen f&uuml;r die Aufnahme eines Dialogs mit Saudi-Arabien und anderen L&auml;ndern in der Region. Ein iranisch-saudischer Dialog k&ouml;nnte viele der sicherheitspolitischen Probleme in der Region l&ouml;sen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Danach hatte man lange nichts mehr &uuml;ber die Entwicklung der Beziehungen zwischen Teheran und Riad geh&ouml;rt, wahrscheinlich, weil die Diskussion &uuml;ber den iranischen Atomvertrag die Schlagzeilen beherrschte. Erst 2021 wurde bekannt, dass es am 9. April in Bagdad unter Vermittlung des damaligen irakischen Premierministers Mustafa al Kadhimi ein Treffen zwischen hochrangigen Delegationen der Geheimdienste und Au&szlig;enministerien aus Teheran und Riad gegeben hat, das nur eine Woche sp&auml;ter fortgesetzt werden sollte. Nach einer Quelle, die nicht genannt werden wollte, soll Hauptthema die Wiederaufnahme der 2016 abgebrochenen diplomatischen Beziehungen und die Wiederer&ouml;ffnung der Botschaften und Konsulate gewesen sein. Nachdem die Thematik, nicht zuletzt wegen des Ukrainekrieges, aus den Schlagzeilen verschwunden war, wei&szlig; man jetzt, dass die positive Entwicklung der Beziehungen zwischenzeitlich offensichtlich weitergegangen war und mit der Vereinbarung von Peking zu einem konkreten Ergebnis gekommen ist, das aber durch die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen quasi noch offiziell best&auml;tigt werden muss.<\/p><p><strong>Welche konkreten Ver&auml;nderungen k&ouml;nnten sich in der Region durch das neue Verh&auml;ltnis zwischen dem Iran und Saudi-Arabien ergeben?<\/strong><\/p><p>Die f&uuml;r die betroffenen Menschen wichtigste Konsequenz aus der Normalisierung der Beziehungen zwischen Iran und Saudi-Arabien k&ouml;nnte eine Beendigung des seit fast acht Jahren andauernden Krieges im Jemen sein, einem Krieg mit Millionen von toten Zivilisten in einem Land, in dem die Bev&ouml;lkerung entsetzlich unter Hunger und fehlender medizinischer Versorgung leidet. Entscheidend wird dabei sein, dass der Iran die Huthis dazu bringt, Verhandlungen zu akzeptieren und dass auch die Verb&uuml;ndeten Saudi-Arabiens, n&auml;mlich &Auml;gypten, Bahrain, Jordanien, Marokko, Katar, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und auch der Sudan, die Regierung Saudi-Arabiens dabei unterst&uuml;tzen, zun&auml;chst einmal den im Oktober 2022 nicht verl&auml;ngerten Waffenstillstand wieder einzuhalten.<\/p><p>Der zweite Krisenherd, der ganz wesentlich von den Spannungen zwischen Teheran und Riad bestimmt wird, ist der Libanon. Hier kommt es vor allem darauf an, dass Teheran seinen Einfluss auf die Hisbollah daf&uuml;r nutzt, sich konstruktiv an einer stabilen Regierung zu beteiligen, und der Iran und Saudi-Arabien auf die Schiiten und Sunniten im Libanon einwirken, das aktuelle politische und in seiner Folge wirtschaftliche Chaos im Land zu beenden.<\/p><p>Der dritte &bdquo;Kriegsschauplatz&ldquo;, auf dem Iran und Saudi-Arabien auf der jeweilig gegnerischen Seite stehen, ist Syrien. Iran hat bislang die K&auml;mpfer der schiitischen Hisbollah unterst&uuml;tzt und zus&auml;tzlich durch den Einsatz von Kr&auml;ften der Revolutionsgarden und mit Hilfe russischer Luftunterst&uuml;tzung den Sturz des syrischen Pr&auml;sidenten verhindert. Auf der Gegenseite hat Saudi-Arabien &uuml;ber Jahre die verdeckte Operation der CIA &bdquo;Timber Sycamore&ldquo; unterst&uuml;tzt, die das Ziel eines Regime Change in Damaskus hatte oder vielleicht immer noch hat, obwohl Washington behauptet hat, sie sei beendet. Sollten sich der Iran und Saudi-Arabien darauf einigen, diese Krisenherde nicht nur zu entsch&auml;rfen, sondern die Auseinandersetzungen wirklich zu beenden, so h&auml;tte das wohl nur dann Erfolg, wenn Washington diese Bem&uuml;hungen unterst&uuml;tzt und in Bezug auf den Libanon und Syrien auch Israel in eine L&ouml;sung einbindet.<\/p><p><strong>Das ver&auml;nderte Verh&auml;ltnis zwischen Saudi-Arabien und Iran und die Konsequenzen f&uuml;r die USA<\/strong><\/p><p>Diese fundamentale Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden L&auml;ndern, die einmal die St&uuml;tzen der US-Politik in der Region waren, wird in den USA sicherlich mit gemischten Gef&uuml;hlen zur Kenntnis genommen, vor allem, weil eine damit verbundene Distanzierung gegen&uuml;ber den USA nicht zu &uuml;bersehen war. Die Vision der USA eines &bdquo;New Middle East&ldquo; ist zerplatzt und die Folge ist eine v&ouml;llig destabilisierte Region, in der die Staaten jetzt offensichtlich die<strong> <\/strong>Gestaltung ihrer Zukunft selbst in die Hand nehmen.<\/p><p>Ein erster Schritt dazu ist das Beenden einer Rivalit&auml;t zwischen Iran und Saudi-Arabien um die Vorherrschaft in der Region. Damit stoppen sie die Verschwendung von Ressourcen und reduzieren gleichzeitig die amerikanische Dominanz. Um ein offizielles Scheitern ihrer bisherigen Strategie zu vermeiden, setzen die USA jetzt offensichtlich auf &bdquo;interne Probleml&ouml;sung&ldquo; durch die Staaten der Region, bei der Iran und Saudi-Arabien eine Schl&uuml;sselrolle zukommt. Washington verlangt einen Stopp des B&uuml;rgerkriegs im Jemen, der aber nur in enger Abstimmung zwischen Teheran und Riad zu erreichen ist. Dasselbe gilt f&uuml;r den Irak, den die USA zerst&ouml;rt haben, f&uuml;r dessen Zukunft Washington aber offensichtlich ein Konzept fehlt. Die zurzeit auf Eis liegenden Verhandlungen &uuml;ber den Atomvertrag mit dem Iran k&ouml;nnten einen positiven Impuls bekommen, wenn Saudi-Arabien sich von Teheran nicht mehr bedroht f&uuml;hlt. Gleichzeitig d&uuml;rfte Washington allerdings nicht der Versuchung unterliegen, weiterhin auf die Kassandra-Rufe des erneut wiedergew&auml;hlten Premierministers Netanjahu zu h&ouml;ren.<\/p><p>Was Syrien angeht, muss Washington sein doppeltes Spiel aufgeben und gemeinsam mit Assad, Russland, Saudi-Arabien und Iran eine Zukunftsperspektive entwickeln. Dazu geh&ouml;rt sicherlich auch der Abzug der v&ouml;lkerrechtswidrig stationierten amerikanischen Truppen aus der &Ouml;lregion im Nordosten Syriens. Dar&uuml;ber hinaus w&auml;re Washington gut beraten, sich am Wiederaufbau des auch von amerikanischen Streubomben zerst&ouml;rten Jemen zu beteiligen und sich auch im Libanon mit umfangreicher Wirtschaftshilfe zu engagieren.<\/p><p><strong>Chinas Engagement bei der Auss&ouml;hnung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran<\/strong><\/p><p>Ein Blick auf die Landkarte zeigt, welche Vorteile China zum Beispiel durch eine engere Zusammenarbeit mit dem Iran hat, nachdem Peking erst im Januar dieses Jahres ein umfangreiches Abkommen mit den Taliban in Afghanistan geschlossen hat, einem Land, das im Westen eine 950 km lange Grenze zum Iran hat. Dabei spielt vor allem die weitere Realisierung der chinesischen &bdquo;Belt and Road Initiative&ldquo; (BRI) als Nachfolgerin des Konzeptes der Seidenstra&szlig;e eine wichtige Rolle. Diese &Uuml;berlegung gilt auch f&uuml;r Saudi-Arabien, das die Gegenk&uuml;ste des Iran am Persisch-Arabischen Golf beherrscht. Wenn es Peking gelingt, in einem von Iran und Saudi-Arabien stabilisierten Jemen Einfluss zu gewinnen, h&auml;tte China nicht nur Zugang in Richtung der Ostk&uuml;ste Afrikas, sondern &uuml;ber die Stra&szlig;e von &bdquo;Bab al Mandab&ldquo; eine m&ouml;gliche Nutzung von zehn jemenitischen H&auml;fen zum Indischen Ozean und durch das Rote Meer auch zum Mittelmeer. Neben den geostrategischen Aspekten sind nat&uuml;rlich auch die &Ouml;l- und Gasvorkommen im Iran und in Saudi-Arabien f&uuml;r China von Bedeutung.<\/p><p><strong>Zusammenfassende Bewertung<\/strong><\/p><p>Das Engagement Chinas bei der Normalisierung des Verh&auml;ltnisses zwischen Saudi-Arabien und dem Iran ist eindeutig positiv zu bewerten, weil es zur Stabilisierung der genannten Krisenherde beitragen kann und hoffentlich auch wird. Dass die Initiative Chinas nicht v&ouml;llig selbstlos erfolgt, ist legitim und nicht zu beanstanden, solange sie friedlich umgesetzt wird und vor allem die Lebenssituation der Bev&ouml;lkerung in den betroffenen L&auml;ndern verbessert.<\/p><p>Leider war es zu erwarten, dass die USA das Abkommen zwar grunds&auml;tzlich begr&uuml;&szlig;en, aber sofort auch ihre Skepsis ausdr&uuml;cken hinsichtlich der Vermittlerrolle Chinas und der Einhaltung der Verpflichtungen durch den Iran. So sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby: <em>&bdquo;Wir hoffen auf ein Ende des Krieges im Jemen &ndash; das Abkommen k&ouml;nnte dazu f&uuml;hren.&ldquo; <\/em>Es bleibe aber abzuwarten, ob Teheran seinen Teil des Abkommens einhalten werde. Sollte das Abkommen Bestand haben, <em>&bdquo;begr&uuml;&szlig;en wir das&ldquo;<\/em> &ndash; ganz gleich, wie oder durch wen es zustande gekommen sei, sagte Kirby. Die USA w&uuml;rden Versuche Chinas, &bdquo;<em>in seinem eigenen egoistischen Interesse Einfluss zu nehmen und anderswo auf der Welt Fu&szlig; zu fassen&ldquo;,<\/em> aber weiter beobachten.<\/p><p>Washington hat offensichtlich nicht rechtzeitig erkannt, dass der eigene Einfluss und der &bdquo;des Westens&ldquo; in der Welt auf Grund einer verfehlten Politik, gepr&auml;gt von einer unilateralen oder gar hegemonialen Zielf&uuml;hrung, abnimmt und sich die Machtverh&auml;ltnisse zu Gunsten Chinas verschieben. Bleibt zu hoffen, dass die USA und &bdquo;der Westen&ldquo; auf diese, aus der eigenen Sicht nat&uuml;rlich kritisch zu bewertenden Entwicklung kooperativ und &ndash; im handfesten eigenen Interesse &ndash; vor allem auch konstruktiv reagieren und man nicht versucht, diese Entwicklung milit&auml;risch wieder umzudrehen oder sogar zu stoppen.<\/p><p>Titelbild: shutterstock\/Claudio Divizia<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94432\">Chinas &bdquo;Friedensplan&ldquo; und was der Westen daran nicht versteht oder verstehen will<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71956\">Israels Staatsterrorismus gegen den Iran<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92632\">Emmanuel Todd: &bdquo;Der 3. 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