{"id":9502,"date":"2011-05-19T09:16:47","date_gmt":"2011-05-19T07:16:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9502"},"modified":"2014-09-01T10:25:23","modified_gmt":"2014-09-01T08:25:23","slug":"sachverstandigenrat-2070-rente-erst-ab-ableben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9502","title":{"rendered":"Sachverst\u00e4ndigenrat &#8211; 2070: Rente erst ab Ableben"},"content":{"rendered":"<p>Zu diesem Ergebnis w&uuml;rde man vermutlich kommen, wenn man die &bdquo;Prognosen&ldquo; des j&uuml;ngsten <a href=\"http:\/\/www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de\/fileadmin\/dateiablage\/Expertisen\/2011\/expertise_2011-demografischer-wandel.pdf\">Gutachtens des sog. &bdquo;Sachverst&auml;ndigenrats&ldquo; [PDF &ndash; 2.6 MB]<\/a> fortschriebe. 2060 ist der SVR immerhin schon bei einem gesetzlichen Renteneintrittsalters von 69 Jahren angekommen.<br>\nWenn man von vorneherein unterstellt, dass alle anderen Stellschrauben zur Bew&auml;ltigung des demografischen Wandels festgezurrt sind, dann bleibt eben nur der Ausweg, dass eine &auml;lter werdende Bev&ouml;lkerung eben l&auml;nger arbeiten muss, egal ob sie das will oder kann. Um die vom SVR ausgemachte &bdquo;Tragf&auml;higkeitsl&uuml;cke&ldquo; f&uuml;r die Sozialen Sicherungssysteme endg&uuml;ltig zu schlie&szlig;en, folgt nach dieser fixen Idee in absehbarer Zeit unausweichlich der Vorschlag den Renteneintritt erst kurz vor dem Ableben festzusetzen. Von Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Eine Horrorprognose &uuml;ber die demografische Entwicklung folgt der anderen. Nun haben sich auch noch die sog. &bdquo;Wirtschaftsweisen&ldquo; dieses Themas angenommen. <\/p><p>Da wird schon gleich am Anfang herumspekuliert: Bei einem Wanderungssaldo von Null, werde die Bev&ouml;lkerungszahl in Deutschland von derzeit knapp 82 Millionen bis 2060 um fast 24 Millionen abnehmen. Wollte man die Bev&ouml;lkerungszahl konstant halten m&uuml;ssten j&auml;hrlich 350.000 Menschen zuwandern. (S. 1) Na also, es ginge doch, k&ouml;nnte man meinen. Aber dem SVR ist es lieber das Renteneintrittsalter der Deutschen erh&ouml;hen, als mehr Zuwanderung zuzulassen. So k&ouml;nnte man die banale Alternative auch beschreiben.<\/p><p>Die &bdquo;Sachverst&auml;ndigen&ldquo; unterstellen weiter, dass die im Jahr 2060 (also in 50 Jahren) Geborenen nicht nur wie die 2010 Geborenen 78 Jahre (als Jungen) und 83 Jahre (als M&auml;dchen) alt werden sondern dann nochmals 7 Jahre l&auml;nger leben und erst im Jahre 2145 bzw. 2150 ableben. Vielleicht erreicht man ja sogar am Ende des 22. Jahrhunderts endlich die Unsterblichkeit? <\/p><p>Der Statistiker Gerd Bosbach hat zuletzt in seinem Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.randomhouse.de\/book\/edition.jsp?edi=351192\">L&uuml;gen mit Zahlen<\/a>&ldquo; dargelegt, dass schon 50-Jahres-Prognosen nichts anderes als <a href=\"\/upload\/pdf\/gbosbach_demogr.pdf\">&bdquo;moderne Kaffeesatzleserei&ldquo; sind [PDF &ndash; 183 KB]<\/a>. Prognosen &uuml;ber 100 oder gar 150 Jahre kann man entweder nur noch als Schwachsinn abtun oder man muss davon ausgehen, dass die Prognostiker damit eine Panikmache betreiben, um politische Absichten mittels der Demografie durchzusetzen. Da man unseren &bdquo;Wirtschaftsweisen&ldquo; Ersteres nicht unterstellen will, bleibt nur Letzteres &uuml;brig. <\/p><p>Wie unsinnig solche &bdquo;Prognosen&ldquo; sind, hat gerade dieser Tage einmal mehr, selbst das HWWI dargestellt, dessen Direktor Straubhaar gewiss ein Verfechter der Anhebung des Renteneintrittsalters ist. Dort hei&szlig;t es: <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Eine zentrale Determinante des Arbeitsangebots ist die demografische Entwicklung. Dabei ist die Bev&ouml;lkerungsentwicklung nur mit hoher Unsicherheit zu prognostizieren. So gibt es insgesamt zw&ouml;lf Varianten der Bev&ouml;lkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts. Die Sch&auml;tzunsicherheit nimmt dabei im Zeitablauf zu. F&uuml;r das Jahr 2020 liegt zwischen der h&ouml;chsten und niedrigsten Variante eine Bev&ouml;lkerungsdifferenz von &uuml;ber 800.000 Personen. Dies entspricht auch etwa der Differenz der Sch&auml;tzung der Personen im erwerbsf&auml;higen <a href=\"\/upload\/pdf\/110517_studie_vollbeschaeftigung.pdf\">Alter (20 bis 65 Jahre).&ldquo; (S. 7) [PDF &ndash; 1.4 MB]<\/a><\/em><\/p><\/blockquote><p>Aber unsere obersten &Ouml;konomen wissen es nat&uuml;rlich besser. Sie wissen ganz genau, welches der &bdquo;Rechenmodelle&ldquo; vom Statistischen Bundesamt zur Bev&ouml;lkerungsvorausberechnung die Wirklichkeit des Jahres 2060 trifft. Es ist nat&uuml;rlich das Modell mit der h&ouml;chsten Alarmstufe. <\/p><p>Bosbach hat belegt, dass die &bdquo;Lebensdauer&ldquo; von neun zur&uuml;ckliegenden koordinierten Bev&ouml;lkerungsvorausberechnungen im Schnitt 4 Jahre betrug, aber die &bdquo;Wirtschaftsweisen&ldquo; kennen die Lebensdauer der Deutschen in 150 Jahren. <\/p><p>Schaut man einmal 100 Jahre zur&uuml;ck, so hat sich die Lebenserwartung bei Geburt von 1900 bis 2004 von 46,4 (Jungen) bzw. 52,5 (M&auml;dchen) auf 84,9 bzw. 90,4 Jahren <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Presse\/pm\/2006\/04\/PD06__167__12621.psml\">nahezu verdoppelt<\/a>. Es ist nicht bekannt, dass die Deutschen unter dieser &bdquo;Vergreisung&ldquo; besonders gelitten h&auml;tten oder  dass die Wirtschaft und der Lebensstandard eingebrochen w&auml;ren. Aber w&auml;re dann eigentlich ein Anstieg der Lebenserwartung um gerade nochmals 7 Jahre in den n&auml;chsten 150 Jahren eine Bedrohung f&uuml;r das Wirtschaftswachstum und den Wohlstand. <\/p><p>Wenn es so weiter geht wie in den vergangenen zwanzig Jahren ist dies aus der Luft gegriffene Behauptung der steigenden Lebenserwartung ohnehin obsolet. Es ist schlie&szlig;lich bekannt die Lebenserwartung der unteren <a href=\"\/upload\/pdf\/091202_hinweis_gesundheitskosten.pdf\">Schichten weniger hoch ausf&auml;llt [PDF &ndash; 569 KB]<\/a>. Und gerade der SVR hat ja mit seinen Ratschl&auml;gen des vergangenen Jahrzehnts m&auml;chtig dazu beigetragen, dass die Unterschicht erheblich gr&ouml;&szlig;er geworden ist. Mit seinen Vorschl&auml;gen zur Ausweitung des Niedriglohnsektors, zu st&auml;ndigen Lohnsenkungen und zur Flexibilisierung des Arbeitsmarkts mit immer unsicheren Arbeitspl&auml;tzen hat er doch einen beachtlichen Beitrag dazu geleistet, dass sich immer mehr junge M&auml;nner und junge Frauen nicht mehr trauen und es sich auch nicht mehr erlauben k&ouml;nnen Kinder in die Welt zu setzen. Die Fortschreibungen der demografischen Entwicklungen der letzten zwanzig Jahre durch die Statistiker bilden also nur ab, was gerade die Empfehlungen dieser &bdquo;Wirtschaftsweisen&ldquo; an &ouml;konomischen Zw&auml;ngen gegen die Kinderw&uuml;nsche vieler Familien mitgeschaffen haben. <\/p><p>Die 12. koordinierte Bev&ouml;lkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes berechnet unter Zugrundelegung der Basisvariante (warum wird gerade diese angenommen?), wenn sich sonst nichts &auml;ndert, eine Verringerung der Anzahl der Erwerbspersonen zwischen 2010 und 2060 von rund 43 Millionen auf etwa 31 Millionen Personen. <\/p><p>Rechnen wir einmal ganz grob dagegen:<br>\nHeute r&uuml;hmen wir uns, dass die Zahl der Erwerbst&auml;tigen auf &uuml;ber 40 Millionen zugenommen hat. Wir haben aber nach wie vor 3 Millionen registrierte Arbeitslose, &uuml;ber eine Million nicht gez&auml;hlte Arbeitslose und eine sog. &bdquo;stille Reserve&ldquo; von 1,2 Millionen. Wir haben etwa 5 Millionen Teilzeitbesch&auml;ftigte und 4,2 Millionen Unterbesch&auml;ftigte. Rund neun Millionen Menschen w&uuml;nschen sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Navigation\/Publikationen\/STATmagazin\/2010\/Arbeitsmarkt2010__06,templateId=renderPrint.psml__nnn=true\">mehr Arbeit<\/a>.<br>\nEurostat rechnet vor, dass Deutschland im Jahre 2009 ein ungenutztes Arbeitskr&auml;ftepotenzial <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Grafiken\/Publikationen\/STATmagazin\/Arbeitsmarkt\/ErwerbslosenquoteEUVergleich,templateId=renderLarge.psml\">von 20,1 Prozent hat<\/a>. <\/p><p>&Uuml;bertr&auml;gt man nun &ndash; ceteris paribus &ndash; dass im Jahre 2060 alle die Millionen Personen die derzeit ohne Arbeit sind und die Millionen, die heute gerne mehr Arbeiten w&uuml;rden auch arbeiten k&ouml;nnten und unterstellt man ferner dass sich (wohlgemerkt) die Vollzeiterwerbst&auml;tigkeit von Frauen auf das Niveau skandinavischer L&auml;nder (D&auml;nemark hat eine Frauenerwerbsquote von 73 Prozent) anheben lie&szlig;e, dann w&auml;re die statistisch errechnete Verringerung der Erwerbspersonen um fast ein Drittel doch nahezu kompensiert. <\/p><p>Sie, liebe Leserin und lieber Leser, werden mir nun vorhalten, dass das eine Milchm&auml;dchenrechnung ist. Damit haben Sie v&ouml;llig Recht. Wenn Sie aber konsequent sind, dann m&uuml;ssten sie diesen Vorwurf auch gegen&uuml;ber den Rechnungen des SVR erheben.<br>\nIm Gegensatz zu den &bdquo;Wirtschaftsweisen&ldquo; sind meine hier angef&uuml;hrten Zahlen f&uuml;r meine Hochrechnung jedoch aktuell real und eben nicht wie bei den &bdquo;Wirtschaftsweisen&ldquo; eine Spekulation dar&uuml;ber, wie sich das Erwerbspersonenpotential in 50 Jahren darstellen k&ouml;nnte. Was w&auml;re daran so schlimm, wenn es im Jahr 2060 wirklich keine Arbeitslosigkeit g&auml;be, wenn alle, die arbeiten wollten auch arbeiten k&ouml;nnten und wenn alle die mehr arbeiten wollten, sich diesen Wunsch auch erf&uuml;llen k&ouml;nnten?<br>\nUnd warum sollte es nicht gelingen k&ouml;nnen, durch entsprechende Ma&szlig;nahmen die Frauenerwerbsquote auf skandinavisches Niveau anzuheben? <\/p><p>Wenn man aber wie der SVR auch noch in 50 Jahren von einer Erwerbslosenquote zwischen 3 und 4 Prozent ausgeht (S. 9) und wenn man &auml;lter werdenden Arbeitnehmern nur ein gleichbleibendes Niveau der Arbeitsproduktivit&auml;t unterstellt (S.8) &ndash; gerade so als ob der technische Fortschritt nicht auch altersbedingt abnehmende Arbeitskraft steigern k&ouml;nnte &ndash; und wenn man dar&uuml;ber hinaus annimmt, dass das Wachstumspotential noch unterhalb der Zuw&auml;chse des vergangenen Jahrzehnts (<em>&bdquo;mit denen Deutschland im Vergleich zu anderen Industriestaaten meistens an vorletzter Stelle lag&ldquo;<\/em> (S. 9)) liegen wird (n&auml;mlich bei nur 0,5 bis maximal 1,2 %), dann ist das Ergebnis einer solchen &bdquo;Prognose&ldquo; vorgegeben: Der Absturz kommt, wenn man nicht die Rente mit 69 einf&uuml;hrt.<\/p><p>Immerhin meinen auch die &bdquo;Wirtschaftsweisen&ldquo;, dass sich bei einer Zunahme der &bdquo;totalen Faktorproduktivit&auml;t&ldquo; mit einer Rate von (nur) 1 Prozent der R&uuml;ckgang des Arbeitsvolumens zumindest soweit kompensieren lie&szlig;e, dass es bis zum Jahr 2060 zu keinem R&uuml;ckgang des Bruttoinlandproduktes kommen werde. Der &bdquo;Kuchen&ldquo; w&uuml;rde also nicht kleiner, ja er k&ouml;nnte sogar unter weniger Menschen aufgeteilt werden, so dass praktisch jeder und jede ein etwas gr&ouml;&szlig;eres St&uuml;ckchen abbekommen k&ouml;nnte. <\/p><p>Aber das setzte nat&uuml;rlich eine gerechte Verteilung dieser Wertsch&ouml;pfung voraus und bevor man so etwas Undenkbares vorschl&auml;gt, da ist f&uuml;r den SVR die Rente mit 69 die viel realistischere Forderung. <\/p><p>Geradezu paradox ist es, wenn gerade diese Sachverst&auml;ndigen ihre Drohkulisse auf dem &bdquo;im Vergleich zu anderen L&auml;ndern der Europ&auml;ischen Union ohnehin schon niedrigen Wachstumspfad&ldquo; (S. 2) seit Mitte der 90er Jahre aufbauen, wo doch die Politik weitgehend den immer gleichen Vorschl&auml;gen dieses h&ouml;chsten Beratungsgremiums gefolgt ist und wo der SVR die von ihm angemahnten &bdquo;Reformen&ldquo; doch immer als so erfolgreich gelobt hat. Jetzt, wo es gerade so sch&ouml;n passt, die relativ niederen Wachstumsraten zu beklagen, das ist schon ein starkes St&uuml;ck. Hat nicht der Sachverst&auml;ndigenrat seit Jahren regelm&auml;&szlig;ig verk&uuml;ndet, dass der Staat blo&szlig; nichts f&uuml;r eine Ankurbelung der Konjunktur und damit f&uuml;r einen h&ouml;heren Wachstumspfad tun solle? Hat er nicht noch im Jahr 2000 kurz vom dem Platzen der Internet-Blase verk&uuml;ndet, die Konjunktur &bdquo;<a href=\"\/?p=1788%20\">laufe rund<\/a>&ldquo; und damit Hans Eichels Sparwahn ausgel&ouml;st. Haben diese &bdquo;Weisen&ldquo; in ihrem Jahresgutachten vor dem Ausbruch der Finanzkrise auch nur den Schimmer einer Ahnung gehabt, dass die Wirtschaft ein Jahr sp&auml;ter um fast 5 Prozent einbrechen w&uuml;rde? <\/p><p>Aber wie die wirtschaftliche Entwicklung bis 2060 verl&auml;uft das wissen Deutschlands angebliche Spitzen&ouml;konomen ganz genau. Sie wissen z.B., dass &bdquo;in den n&auml;chsten Dekaden, das Pro-Kopf-Einkommen j&auml;hrlich zwischen 0,7 vH und 1,3 vH zunehmen wird (S. 2). F&uuml;r solche grotesken Aussagen, sollte man dem SVR seine v&ouml;llig daneben liegenden Wachstumsprognosen aus der Vergangenheit sprichw&ouml;rtlich um die Ohren hauen. <\/p><p>Handlungsbedarf sieht der SVR nicht etwa in der Wirtschaftspolitik. Diese ist ja nach seiner Meinung, wenn man nur die bisherigen &bdquo;Reformen&ldquo; energisch fortsetzt, bestens aufgestellt. Den gr&ouml;&szlig;ten Handlungsbedarf sehen die f&uuml;nf Propheten im Bereich der Sozialen Sicherung, also der Gesetzlichen Rentenversicherung und der Gesetzlichen Krankenversicherung (S. 3). Ohne Konsolidierungsschritte auf diesem Feld &bdquo;l&auml;ge die Schuldenstandsquote im Jahr 2060 bei etwa 270 vH.&ldquo;! (S. 3) <\/p><p>Wahrscheinlich haben die &bdquo;Weisen&ldquo; sogar die seherische F&auml;higkeit die staatlichen Schulden f&uuml;r die Bankenrettung, die Bad Banks und die Euro-Rettung einzukalkulieren. <\/p><p>Egal wie sich das tats&auml;chliche Rentenzugangsalter (derzeit etwa 63 Jahre) entwickelt, &bdquo;gilt es zun&auml;chst zwingend, die vorgesehene Erh&ouml;hung des gesetzlichen Renteneintrittsalters auf 67 Jahre im Jahr 2029 umzusetzen.&ldquo; (S. 3) Im Jahre 2045 sei eine &bdquo;Anpassung&ldquo; auf 68 Jahre und im Jahr 2060 auf 69 Jahre erforderlich. <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Die allm&auml;hliche Heraufsetzung des Rentenzugangsalters stellt einen unerl&auml;sslichen Schritt dar, zum einen zur Stabilisierung der Gesetzlichen Rentenversicherung und zum anderen zur st&auml;rkeren Aussch&ouml;pfung des Arbeitskr&auml;ftepotenzials. Dies muss &uuml;ber die bereits beschlossene &bdquo;Rente mit 67&ldquo; hinausgehen.&ldquo; (S. 4)<\/em><\/p><\/blockquote><p>Und weil sich unsere Propheten so sicher sind, ist f&uuml;r die im Hinblick auf das Jahr 2060 &bdquo;notwendigen Ma&szlig;nahmen&ldquo; zwingend, &bdquo;keine Zeit zu verlieren&ldquo;. (S. 5) <\/p><p>In allen sonstigen Feldern f&uuml;hrt der technische Fortschritt zu Rationalisierungsgewinnen und Kosteneinsparungen, nur der medizinisch-technische Fortschritt f&uuml;hrt nach dem Urteil der &bdquo;Weisen&ldquo; auch im Gesundheitswesen weiter zu stark steigenden Kosten. <\/p><p>Woran werden diese Kosten eigentlich gemessen? Der Vergleich der Steigerung der Gesundheitskosten im Vergleich zum BIP zeigt, dass es keine &bdquo;Explosion&ldquo; der Kosten im Gesundheitswesen gegeben hat. 1991 betrugen die Gesundheitsausgaben nominal 9,1% des BIP, <a href=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/tl_files\/sozialpolitik-aktuell\/_Politikfelder\/Gesundheitswesen\/Datensammlung\/PDF-Dateien\/abbVI11.pdf\">2008 lag der Anteil bei 10,5% [PDF &ndash; 84.7 KB]<\/a>.<\/p><p>Wenn man nur auf die Rente und das Gesundheitssystem schielt und alle anderen Variablen ausblendet, dann kommt man automatisch zu einer &bdquo;Tragf&auml;higkeitsl&uuml;cke&ldquo;, die durch die Sozialen Sicherungssysteme verursacht wird. <\/p><p>Diese L&uuml;cke entsteht vor allem auch dadurch, dass man vor allem auf die Ausgabenseite der &ouml;ffentlichen Haushalte abstellt und von der Einnahmeseite nur die Steuern und Abgaben auf die Einkommen und den Konsum und nat&uuml;rlich nicht auf Kapital- und Verm&ouml;genseink&uuml;nfte in den Blick nimmt.<\/p><p>So sehr sich der SVR abm&uuml;ht die Belastungen f&uuml;r die Sozialen Sicherungssysteme schwarz zu malen, so wenig Anstrengungen unternimmt er, umgekehrt die Einsparungen f&uuml;r die bei einer &auml;lter werdenden Bev&ouml;lkerung &bdquo;nat&uuml;rlich&ldquo; geringer werdenden Ausgaben f&uuml;r die &ndash; &uuml;brigens wie die Alten &ndash; erwerbslosen Jungen gegen zu rechnen. Das banale und bis heute nicht widerlegte <a href=\"\/?p=2798\">Mackenroth-Theorem<\/a>, wonach in jeder Gesellschaft und in jeder Generation die arbeitsf&auml;hige Generation die Rentner <strong>und<\/strong> die Kinder-\/Jugendlichen-Generation versorgen muss, wird mit der lapidaren Bemerkung au&szlig;er Kraft gesetzt, dass die Einsparungen bei Kinderg&auml;rten, Bildung, Familienf&ouml;rderung etc. die Ausgabensteigerungen f&uuml;r die Kosten der Alten &bdquo;bei weitem&ldquo; nicht kompensieren k&ouml;nnten. <\/p><p>Unter all diesen, wie zwischen Scheuklappen getroffenen Annahmen errechnet der SVR eine &bdquo;Tragf&auml;higkeitsl&uuml;cke&ldquo; von 3,1 Prozent im Verh&auml;ltnis zum Bruttoinlandsprodukt und diese L&uuml;cke auf 50 Jahre hochgerechnet f&uuml;hrt dann rechnerisch eben auf die schreckenerregende Schuldenstandsquote im Jahr 2060 von 270 %. (Nur als Nebenbemerkung Japan hat derzeit schon eine solche Quote von 200 %.). Bei diesem gro&szlig;artigen Rechenkunstst&uuml;ck kommt der SVR ganz logischerweise auf sein Lieblingsthema, der Konsolidierung der Haushalte:<\/p><blockquote><p> &bdquo;<em>Eine unmittelbare Schlie&szlig;ung der Tragf&auml;higkeitsl&uuml;cke w&uuml;rde die Schuldenstandsquote bis ins Jahr 2060 vollst&auml;ndig zur&uuml;ckf&uuml;hren<\/em>.&ldquo; (S. 10)<\/p><\/blockquote><p>F&uuml;r eine solche R&uuml;ckf&uuml;hrung der Schuldenstandsquote sei jedoch eine Anhebung der Einkommensteuers&auml;tze unrealistisch. Das w&uuml;rde ja nach Angaben des SVR unter anderem eine Anhebung des Spitzensteuersatzes von 42,0% auf 46,9% und des Reichensteuersatzes von 45,0 % 50,2% bedeuten. Oh Schreck, das w&auml;re ja eine R&uuml;ckkehr in die Zeiten Helmut Kohls, wo der Spitzensteuersatz sogar noch bei 53% lag. Eine Anhebung der Erbschafts- oder die Wiedereinf&uuml;hrung der Verm&ouml;genssteuer ist f&uuml;r die &bdquo;Wirtschaftsweisen&ldquo; derart unrealistisch, dass sie nicht einmal mehr denkbar erscheinen. <\/p><p>Eine Anhebung der Beitragss&auml;tze f&uuml;r die Sozialen Sicherungssysteme von derzeit 37,35 % (15,5% Krankenversicherung, 19,9% Rentenversicherung, 1,95% Pflegeversicherung) auf (wie auch immer errechnete) 45,2 % im Jahr 2060 ist nat&uuml;rlich deshalb schon Tabu, weil das ja getreu dem Mythos der &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; &bdquo;ung&uuml;nstige Anreizwirkungen auf dem Arbeitsmarkt und f&uuml;r die Investitionst&auml;tigkeiten&ldquo; h&auml;tte. Wohlgemerkt auf der Unternehmerseite fielen bei weiterhin parit&auml;tischer Finanzierung gerade mal eine Steigerung von unter 4% an (bis 2060). Nein, so etwas geht einfach nicht, meinen die Sachverst&auml;ndigen.  <\/p><p>Und h&ouml;here L&ouml;hne, die zu steigenden Einnahmen der Sozialen Sicherungssysteme f&uuml;hren w&uuml;rden, gehen schon gleich gar nicht. All das k&ouml;nnte ja unsere Wettbewerbsf&auml;higkeit und unsere Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse gef&auml;hrden. <\/p><p>Nein, f&uuml;r den SVR bietet sich &bdquo;vornehmlich eine weitere Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters f&uuml;r eine Schlie&szlig;ung der Tragf&auml;higkeitsl&uuml;cke&ldquo; an. (S. 12)<\/p><p>Wer s&auml;mtliche andere Stellschrauben f&uuml;r eine Kompensation des (wie auch immer angenommenen) demografischen Wandels als festgeklemmt betrachtet und andere Variablen ganz aus dem Gesichtsfeld nimmt, der landet auch nach 200 Seiten geradezu zwanghaft auf der fixen Idee, dass eine &auml;lter werdende Bev&ouml;lkerung l&auml;nger arbeiten muss.<br>\nWenn man diesem Wahn folgt, dann landet man halt im Jahr 2070 oder ein paar Dekaden sp&auml;ter bei der Rente erst kurz vor dem Ableben.<br>\nDann w&auml;re die &bdquo;Tragf&auml;higkeitsl&uuml;cke&ldquo; mit Sicherheit geschlossen, egal ob das tragf&auml;hig w&auml;re oder nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu diesem Ergebnis w&uuml;rde man vermutlich kommen, wenn man die &bdquo;Prognosen&ldquo; des j&uuml;ngsten <a href=\"http:\/\/www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de\/fileadmin\/dateiablage\/Expertisen\/2011\/expertise_2011-demografischer-wandel.pdf\">Gutachtens des sog. &bdquo;Sachverst&auml;ndigenrats&ldquo; [PDF &ndash; 2.6 MB]<\/a> fortschriebe. 2060 ist der SVR immerhin schon bei einem gesetzlichen Renteneintrittsalters von 69 Jahren angekommen.<br \/> Wenn man von vorneherein unterstellt, dass alle anderen Stellschrauben zur Bew&auml;ltigung des demografischen Wandels festgezurrt sind, dann bleibt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9502\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,155,39],"tags":[376,487,301,405,455],"class_list":["post-9502","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-demografische-entwicklung","category-rente","tag-bosbach-gerd","tag-produktivitaet","tag-rentenalter","tag-statistisches-bundesamt","tag-wirtschaftsweise"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9502","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9502"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9502\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9504,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9502\/revisions\/9504"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9502"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9502"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9502"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}