{"id":95149,"date":"2023-03-17T11:34:27","date_gmt":"2023-03-17T10:34:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95149"},"modified":"2023-03-20T07:36:10","modified_gmt":"2023-03-20T06:36:10","slug":"wir-muessen-unsere-krankenhaeuser-unbedingt-selbst-verteidigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95149","title":{"rendered":"\u201eWir m\u00fcssen unsere Krankenh\u00e4user unbedingt selbst verteidigen!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und seine Berater verkaufen den geplanten Gro&szlig;umbau der deutschen Kliniklandschaft als &bdquo;alternativlos&ldquo; und verschweigen sowohl das Ausma&szlig; als auch die Profiteure des intendierten Kahlschlags. Kein Blatt vor den Mund nimmt <strong>Carl Wa&szlig;muth<\/strong> vom Verein Gemeingut in B&uuml;rgerInnenhand. Seine Warnung im Interview mit den NachDenkSeiten: &bdquo;Diese Reform wird t&ouml;dlich!&ldquo; Im wahrsten Sinne des Wortes lebenserhaltend wirkt dagegen das von ihm pr&auml;sentierte Gegenkonzept. Mit ihm sprach <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2533\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-95149-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230317_Wir_muessen_unsere_Krankenhaeuser_unbedingt_selbst_verteidigen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230317_Wir_muessen_unsere_Krankenhaeuser_unbedingt_selbst_verteidigen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230317_Wir_muessen_unsere_Krankenhaeuser_unbedingt_selbst_verteidigen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230317_Wir_muessen_unsere_Krankenhaeuser_unbedingt_selbst_verteidigen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=95149-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230317_Wir_muessen_unsere_Krankenhaeuser_unbedingt_selbst_verteidigen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230317_Wir_muessen_unsere_Krankenhaeuser_unbedingt_selbst_verteidigen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Wa&szlig;muth, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wird nicht m&uuml;de zu behaupten, Kern seiner geplanten gro&szlig;en Krankenhausreform w&auml;re die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/krankenhausreform-lauterbach-gutachten-101.html\">&bdquo;Ent&ouml;konomisierung&ldquo;<\/a> der Versorgungsstrukturen. Nehmen Sie ihm das ab?<\/strong><\/p><p>Was Karl Lauterbach mit Ent&ouml;konomisierung meint, soll er noch einmal erkl&auml;ren. Sein Vorhaben ist an Niedertracht kaum zu &uuml;berbieten. Hunderte Krankenh&auml;user sollen geschlossen werden, damit private Anbieter noch mehr Marktanteile bekommen und im Personal&uuml;berschuss der gek&uuml;ndigten Besch&auml;ftigten abgewickelter Kliniken baden, sich also die Leute aussuchen und die L&ouml;hne dr&uuml;cken k&ouml;nnen. Aber Lauterbach und seine Berater trauen sich nicht, eine Liste zu erstellen, auf der steht: &bdquo;Diese 700 Kliniken schaden unserem Gesundheitssystem. Erst wenn sie weg sind, werden die Leute besser versorgt.&ldquo;<\/p><p><strong>Das w&uuml;rde ja auch keinem Mensch einleuchten.<\/strong><\/p><p>Genau. Und deshalb veranstaltet der Minister ein gigantisches Tribute-von-Panem-Spiel: Die Schraubzwinge wird so zugedreht, dass 700 Kliniken ihr Angebot drastisch reduzieren m&uuml;ssen und die meisten davon pleitegehen. Krankenh&auml;user werden als Markt angesehen und in dieser Reformrunde geht es brutal um Marktanteile. Die &ouml;ffentlichen und freigemeinn&uuml;tzigen Tr&auml;ger sollen verdr&auml;ngt werden. Kern der Reform ist die ordnungspolitische Abschaltung hunderter Kliniken zugunsten privater Konzerne. Man k&ouml;nnte auch den Autofirmen sagen: &bdquo;Die H&auml;lfte eurer Autos ist zu gef&auml;hrlich. Die d&uuml;rft ihr nicht mehr bauen. Betreibt stattdessen Tankstellen.&ldquo; Die IG Metall w&uuml;rde Sturm laufen. Im Bereich der Krankenh&auml;user sind viel mehr Besch&auml;ftigte betroffen, mindestens 150.000.<\/p><p><strong>Was Sie beschreiben, ist ein Teil der Reform. Der zweite Vorschlag der von Lauterbach eingesetzten Krankenhauskommission zielt darauf, das Fallpauschalensystem entlang der sogenannten Diagnosis Related Groups (DRGs) zumindest zu beschr&auml;nken und durch ein System der Vorhaltepauschalen zu erg&auml;nzen. Kommt das f&uuml;r Sie nicht &uuml;berraschend? Schlie&szlig;lich war es Lauterbach selbst, der die Fallpauschalen vor 20 Jahren an der Seite von Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) durchgedr&uuml;ckt hatte. Ist der SPD-Mann wenigstens um ein bisschen Wiedergutmachung bem&uuml;ht? <\/strong><\/p><p>Herr Lauterbach geh&ouml;rt inzwischen zu einer neuen Kategorie von Politikern. Wir hatten in Deutschland durchaus schon das Ph&auml;nomen, dass bei Reformen herumgedruckst wurde, um davon abzulenken, worum es eigentlich geht. Aber die Begleitprosa hatte doch noch irgendetwas mit dem Thema zu tun. Bei Herrn Lauterbach ist das anders: Er hat kein Problem damit, das Gegenteil vom Offensichtlichen zu behaupten. Auch sich selbst zu widersprechen, macht ihm nichts aus, so wenig wie Donald Trump oder Boris Johnson.<\/p><p>Im vorliegenden Fall verhilft er den privaten Kliniken und Anlegern in Medizinische Versorgungszentren, sogenannte MVZ, &uuml;ber reformierte Fallpauschalen zu neuen Renditen. Im Sinne seiner Klientel agiert er v&ouml;llig stringent und rational, es ist knallharte &Ouml;konomie, die er bedient. Er sagt, die Preise f&uuml;r die DRGs w&uuml;rden etwas ver&auml;ndert, aber das Geld sei gedeckelt, es gebe keinen Cent mehr. Der entscheidende Trick im System ist ja der, dass private Kliniken und MVZ ihre Einnahmen steuern k&ouml;nnen und &ouml;ffentliche Kliniken nicht. Die, die sich die Patienten und Behandlungen aussuchen k&ouml;nnen, sch&ouml;pfen ab, die anderen bluten aus. Die Vorhaltepauschalen sind der gr&ouml;&szlig;te Werbeschwindel von Lauterbachs Reform. Denn gleichzeitig wird ja definiert, dass Hunderte Krankenh&auml;user weg sollen, also nicht mehr vorgehalten werden!<\/p><p><strong>Das gro&szlig;e Kliniksterben erledigt sich aber doch auch so schon von ganz allein &ndash; beschleunigt noch durch die Corona-Krise. Seit Beginn der Pandemie haben <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/440872.gesundheitssystem-b%C3%BCndnis-klinikkahlschlag.html?sstr=klinikkahlschlag\">mindestens 40 Standorte<\/a> dichtgemacht. Und dann ist es ja gerade das erkl&auml;rte Ziel der anstehenden Reform, diesen Prozess zu stoppen &hellip; <\/strong><\/p><p>Unausgesprochenes Ziel der Reform ist es, in einem viel gr&ouml;&szlig;eren Umfang als bisher Krankenh&auml;user und Stationen zu schlie&szlig;en. Zuletzt haben &ndash; schlimm genug &ndash; zehn bis 20 Kliniken pro Jahr dichtgemacht. Mit dieser Reform werden es 100 pro Jahr. Das glauben Sie nicht? Aber so steht es in der Auswirkungsanalyse von Professor Boris Augurzky, selbst Mitglied von Lauterbachs Kommission. Den Krankenh&auml;usern wird einfach par ordre du mufti ihr faktischer Status als Krankenhaus abgesprochen. Dazu gibt es frischen Neusprech: die sogenannten Level. Von 1.880 Krankenh&auml;usern sollen mindestens 657 Kliniken k&uuml;nftig nur noch Gesundheitszentren sein. Das bedeutet Pflegestationen ohne durchgehende &auml;rztliche und ohne Notfallversorgung.<\/p><p>Augurzky hat sogar noch 183 Standorte vergessen, die h&auml;lt er pers&ouml;nlich wohl schon heute nicht mehr der Bezeichnung Krankenhaus f&uuml;r w&uuml;rdig. Von denen droht ebenfalls vielen die Degradierung. Aber das ist noch nicht alles. Hunderte weitere Kliniken d&uuml;rfen k&uuml;nftig nicht mehr das anbieten, was dort heute noch behandelt wird. Dabei haben viele in den letzten Jahren Hunderte Millionen Euro investiert, um eine Grundversorgung auf medizinisch h&ouml;chstem Niveau anzubieten. Ein Teil davon wird ihnen verboten, damit geraten sie finanziell noch mehr in Schwierigkeiten. Dann geht die ganze teure Technik demn&auml;chst an die Insolvenzverwalter. Wer auf dem Land wohnt, wird es im Notfall oft nicht mehr in einer halben Stunde in die n&auml;chste Rettungsstelle schaffen. Und in der Stadt droht den bestehenden Krankenh&auml;usern der Kollaps, wenn sich alle wegen der andernorts geschlossenen Kliniken in den Fluren dr&auml;ngeln &hellip;<\/p><p><strong>In einem <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/drehscheibe\/drehscheibe-vom-13-maerz-2023-100.html\">ZDF-Beitrag<\/a> hie&szlig; es neulich, &bdquo;alle Experten&ldquo; seien sich einig, dass es zu viele Kliniken in Deutschland gebe. Dabei kam auch ein Vertreter Ihres B&uuml;ndnisses zu Wort &hellip; <\/strong><\/p><p>Auch ein Arzt einer Neonatologie durfte sprechen. Er berichtete davon, dass man nicht genug Betten habe und manchmal Fr&uuml;hchen abweisen m&uuml;sse &ndash; faktisch eine Form von Triage. Das ZDF spricht trotzdem von &bdquo;allen Experten&ldquo; und ignoriert die Experten, die es selbst interviewt hat. Wir wissen, dass es Framing gibt, die versteckt inszenierte Einrahmung eines &ouml;ffentlichen Diskurses, um au&szlig;erhalb des Rahmens liegende Positionen als absurd erscheinen zu lassen. Die Bertelsmann Stiftung hat 2019 begonnen, zu behaupten, es g&auml;be zu viele Kliniken. Aber wir sind nicht bereit, das zu akzeptieren. Wir hatten zwei Jahre lang immer Lockdowns, Kinder durften oft nicht in die Schule, damit die Krankenh&auml;user nicht &uuml;berlaufen. Auch das haben uns Experten geraten. Eine Umfrage hat ergeben: 88 Prozent der Bev&ouml;lkerung wollen keine Krankenhausschlie&szlig;ungen. Nahezu ebenso viele lehnen es ab, dass der Bund Schlie&szlig;ungen finanziell f&ouml;rdert.<\/p><p><strong>Haben 88 Prozent der Bev&ouml;lkerung vielleicht einfach keine Ahnung? <\/strong><\/p><p>Und die sogenannten Experten haben die Weisheit mit L&ouml;ffeln gefressen? Mehr als die H&auml;lfte der Geburtsstationen in Deutschland soll verschwinden. Was ich mich frage: Werden wir dann auch nur halb so viele Geburten haben? Bei der interventionellen Kardiologie soll die Zahl der Abteilungen von 603 auf 223 sinken. Also gibt es weniger Interventionen bei schweren Herzproblemen? Es wird versch&auml;mt von &bdquo;Verschiebungen&ldquo; der Behandlungen gesprochen. Aber verschoben werden Menschen, in Kliniken, in denen es auf Jahrzehnte hinaus nicht die Kapazit&auml;ten gibt, um sie zeitnah aufzunehmen. Nur wer viel Geld hat und sich privat behandeln l&auml;sst, kann noch die volle medizinische Versorgung beanspruchen. Um es klar zu sagen: Diese Reform wird t&ouml;dlich! Wir m&uuml;ssen uns darauf einstellen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland zur&uuml;ckgeht. In den USA haben Klinikprivatisierungen zu einer Zunahme der Mortalit&auml;t in den betreffenden Bereichen gef&uuml;hrt. Es ist kein Selbstl&auml;ufer, dass die Menschen mit jedem neuen Jahrzehnt durchschnittlich l&auml;nger leben, es geht auch andersherum.<\/p><p><strong>Immerhin regt sich Widerstand bei Verb&auml;nden und einzelnen Bundesl&auml;ndern. Man wolle sich nicht in die Krankenhausplanung hineinregieren lassen, verlautet aus Bayern und Nordrhein-Westfalen, die die Pl&auml;ne gemeinsam mit Schleswig-Holstein per Rechtsgutachten auf ihre <a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/deutschland\/schleswig-holstein\/bundeslaender-lassen-gutachten-zu-krankenhausreform-erstellen-zr-92139974.html\">Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit pr&uuml;fen<\/a> lassen. Haben Sie sich solche &bdquo;Verb&uuml;ndeten&ldquo; gew&uuml;nscht? <\/strong><\/p><p>Die Bundesl&auml;nder, und zwar alle, haben eine schwere Last auf dem Gewissen: Sie haben ihre Aufgabe, f&uuml;r eine ad&auml;quate Geb&auml;udeinstandhaltung der Kliniken zu sorgen, krass vernachl&auml;ssigt. Knapp die H&auml;lfte des Geldes, das f&uuml;r Erhalt und Investitionen erforderlich war, haben sie einbehalten. Und so gibt es jetzt einen gewaltigen Investitionsstau. Der Aufschrei ist also vom Wortlaut her oft richtig. Aber wir d&uuml;rfen nicht darauf vertrauen, dass die Bundesl&auml;nder diese Kahlschlagsreform aus eigenem Antrieb stoppen. Die L&auml;nder brauchen Geld vom Bund, was sie erpressbar macht. Auch die Krankenkassen und die Krankenhausgesellschaften werden nicht als Wei&szlig;e Ritter angeritten kommen. Dieser angebliche Widerstand, das prophezeie ich Ihnen jetzt, wird kurz vor Gesetzesbeschluss in einen radikalen Kompromiss umschlagen, nach dem Muster: &bdquo;nur 350 Kliniken schlie&szlig;en statt 700&ldquo;.<\/p><p><strong>Gleichwohl sorgt man sich aber auch in Bayern, dass insbesondere die l&auml;ndlichen Versorgungsstrukturen wegbrechen werden, sofern die Krankenhausreform in der geplanten Form kommt. Und im Herbst wird in Bayern gew&auml;hlt. <\/strong><\/p><p>Ja, vielleicht kann es den Menschen in Bayern endlich gelingen, der Politik den Marsch zu blasen. Die Folgen des Kliniksterbens sind dort schon heute besonders drastisch. Der aktuelle bayerische CSU-Gesundheitsminister Klaus Holetschek hat sich im Widerstand gegen die Schlie&szlig;ungen allerdings noch nicht mit Ruhm bekleckert. Wie ernst die aktiven Gruppen das Problem Kliniksterben nehmen, das macht Hoffnung. Selbst an Orten, wo die Klinik schon seit Jahren zu ist, rei&szlig;t der Widerstand nicht ab.<\/p><p><strong>Laut ver&ouml;ffentlichter Meinung ist eine umfassende und &bdquo;schmerzhafte&ldquo; Umstrukturierung der Versorgungslandschaft mehr oder weniger &bdquo;alternativlos&ldquo;. Wer gibt hier in der Diskussion den Ton vor? <\/strong><\/p><p>Als Margaret Thatcher in Gro&szlig;britannien die Gewerkschaften zerschlagen hat, da war das angeblich auch schmerzhaft und alternativlos. Das TINA-Prinzip, &bdquo;there is no alternative&ldquo;, &bdquo;da gibt es keine Alternative&ldquo;, begleitet neoliberale Brachialma&szlig;nahmen schon seit 40 Jahren. Lauterbach hat eine Kommission zusammengestellt, die einseitig die Interessen der Anleger vertritt, schlie&szlig;lich geht es in der Gesundheitsbranche um deutlich mehr Geld als in der Automobilindustrie. B&uuml;rger, Besch&auml;ftigte, Patientenvertreter, Kommunen mussten drau&szlig;en bleiben. Daf&uuml;r wurden gleich mehrere der extremsten Bef&uuml;rworter von Klinikschlie&szlig;ungen in die Kommission berufen. Heraus kamen dann Behauptungen von einer angeblichen &Uuml;berversorgung. Und dass der Status quo nicht bezahlbar w&auml;re &ndash; wohlgemerkt nicht der Status quo vom privaten Geldabfluss, sondern die noch verbliebene &ouml;ffentliche Erbringung von Leistungen der Daseinsvorsorge.<\/p><p><strong>Ihr Verein Gemeingut in B&uuml;rgerInnenhand (GiB) hat dieser Tage ein Gegenkonzept zu den Regierungspl&auml;nen vorgelegt. <\/strong><\/p><p>Diese Reform ist so komplex, dass vielen Menschen schwindlig wird bei den ganzen Begriffen und Querbez&uuml;gen. Dem halten wir entgegen: Das Gute in dieser Sache ist einfach. Und damit man das nachvollziehen kann, haben wir es aufgeschrieben. Wir nennen es <a href=\"https:\/\/www.gemeingut.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/2023-03-13_Buendnis-Klinikrettung_Modell_bedarfsgerechte_Krankenhausstruktur.pdf\">&bdquo;Bedarfsgerechte Krankenhausstruktur&ldquo;<\/a>. Wir h&auml;tten es auch klinische Daseinsvorsorge nennen k&ouml;nnen. Wir behaupten nicht, das Rad neu erfunden zu haben, wir haben nur elementare und im Grunde bekannte Grunds&auml;tze festgehalten. Aber dagegen wird seit Jahren versto&szlig;en und mit Lauterbachs Reform droht jetzt quasi der Versto&szlig; im Quadrat.<\/p><p><strong>Wie also s&auml;hen Ihre Alternativen konkret aus? <\/strong><\/p><p>&bdquo;Zu viele Krankenh&auml;user&ldquo; beziehungsweise &bdquo;das ist alles zu teuer&ldquo; &ndash; das ist keine seri&ouml;se Analyse, wirklich nicht. Wir ben&ouml;tigen aus Sicht der Menschen Mindeststandards in der klinischen Versorgung, die allen in maximal 30 Fahrzeitminuten zustehen. Wo das nicht der Fall ist, muss die n&auml;chstliegende Klinik aufgewertet werden. Zus&auml;tzliche kommunale &Auml;rztezentren brauchen wir, wo die ambulante &auml;rztliche Versorgung aktuell unzureichend ist. Statt nur noch wenige Maximalversorger &uuml;brig zu lassen, schlagen wir vor, das Behandlungsangebot der Allgemeinkrankenh&auml;user auszuweiten. Die Erfahrung hat gezeigt: Kleine Klinken machen die Therapien, auf die sie sich spezialisieren, meistens sehr gut. Dabei sollte man sie unterst&uuml;tzen, statt ihnen zu verbieten, den Menschen ihrer Region zu helfen.<\/p><p><strong>Und sobald diese Mindeststandards nicht erf&uuml;llt werden, m&uuml;ssen neue Standorte entstehen? <\/strong><em> <\/em><\/p><p>Lauterbachs Reform ist ein &bdquo;race to the bottom&ldquo;, ein Unterbietungswettlauf, der in eine t&ouml;dliche Abw&auml;rtsspirale f&uuml;hrt. Die n&auml;chste Klinik ist f&uuml;r viele danach mehr als 30 Minuten entfernt, bald werden es mehr als 40 Minuten sein und so weiter. Wir sagen: Wo ein Krankenhaus nicht binnen einer halben Stunde erreichbar ist, muss eines neu oder wiederer&ouml;ffnet werden. Dazu muss die Krankenhausplanung und Steuerung demokratisiert werden, Anwohner und Besch&auml;ftigte sind einzubeziehen.<\/p><p><strong>Wer soll das bezahlen, wo doch schon jetzt Hunderten Kliniken das Wasser bis zum Hals steht? Laut <a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/politik\/kliniken-erwarten-einschraenkungen-fuer-patienten-wegen-schlechter-wirtschaftlicher-lage-HVP7IWSKTFE4NIFVR4B3VXXJQM.html\">&bdquo;Krankenhaus-Index&ldquo;<\/a> der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) rechnet &uuml;ber die H&auml;lfte aller Standorte damit, innerhalb des kommenden halben Jahres einzelne Betten oder zeitweise ganze Stationen schlie&szlig;en zu m&uuml;ssen, sechs Prozent bef&uuml;rchten die Schlie&szlig;ung kompletter Standorte.<\/strong><\/p><p>Das Vern&uuml;nftige zu machen, ist nicht teurer, sondern g&uuml;nstiger, einfach weil allgemeine Gesundheit g&uuml;nstiger ist als Krankheit zugunsten von Renditen. Wenn Krankenh&auml;user keine Maschinen zur Gelderzeugung mehr sein m&uuml;ssen, k&ouml;nnen sie Gesundheitsh&auml;user werden, also Einrichtungen, mit deren Hilfe wir ein Leben in W&uuml;rde f&uuml;hren k&ouml;nnen, auch mit grunds&auml;tzlich verletzlichen und verg&auml;nglichen K&ouml;rpern. Deswegen muss die Krankenhausfinanzierung auf die Selbstkostendeckung umgestellt werden. Das w&uuml;rde Verluste ebenso unm&ouml;glich machen wie die Zweckentfremdung von Krankenkassenbeitr&auml;gen in Form privatisierter Gewinne.<\/p><p><strong>Womit wir wieder bei Lauterbachs &bdquo;Ent&ouml;konomisierung&ldquo; w&auml;ren, aber irgendwie anders verstanden &hellip; <\/strong><\/p><p>Lauterbach sagt &bdquo;Ent&ouml;konomisierung&ldquo; und benutzt f&uuml;r seine sogenannte Revolution die kalkulierte finanzielle Pleite als Guillotine. Ich kann nur hoffen, dass die Menschen zu Zehntausenden auf die Stra&szlig;e gehen gegen diesen infamen Plan. So viele sind betroffen, die Hunderttausenden in der Pflege und beim &auml;rztlichen Personal, auch die ganzen potentiell abgeh&auml;ngten Regionen. Wir vernetzen, wo wir k&ouml;nnen. Wer sich f&uuml;r die Krankenh&auml;user interessiert, kann unseren Infobrief <a href=\"http:\/\/www.gemeingut.org\/infobrief\">gemeingut.org\/infobrief<\/a> abonnieren, in dem wir alle vier bis sechs Wochen Aktuelles berichten und Angebote zum aktiven Widerstand machen. Ich kann nur davor warnen, auf Lauterbachs vermeintliche Widersacher in der Politik zu vertrauen. <a href=\"http:\/\/www.gemeingut.org\/infobrief\">Wir m&uuml;ssen unsere Krankenh&auml;user unbedingt selbst verteidigen! <\/a><\/p><p><em><strong>Zur Person <\/strong><\/em><\/p><p><em>Carl Wa&szlig;muth, Jahrgang 1969, ist Bauingenieur und Infrastrukturexperte. Er ist Mitbegr&uuml;nder, Vorstandsmitglied und Sprecher beim Verein Gemeingut in B&uuml;rgerInnenhand (GiB), der sich f&uuml;r die Demokratisierung aller &ouml;ffentlichen Institutionen, insbesondere der Daseinsvorsorge, und f&uuml;r die gesellschaftliche Verf&uuml;gung &uuml;ber G&uuml;ter wie Wasser, Bildung, Mobilit&auml;t und Gesundheit einsetzt. GiB ist der Tr&auml;ger des &bdquo;B&uuml;ndnisses Klinikrettung&ldquo;, das den sofortigen Stopp von Krankenhausschlie&szlig;ungen fordert und f&uuml;r eine gemeinwohlorientierte Versorgungslandschaft fernab kommerzieller Gewinninteressen wirbt. <\/em><\/p><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/6f24784e5fed4b0ab1f4ad94efc820c0\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und seine Berater verkaufen den geplanten Gro&szlig;umbau der deutschen Kliniklandschaft als &bdquo;alternativlos&ldquo; und verschweigen sowohl das Ausma&szlig; als auch die Profiteure des intendierten Kahlschlags. Kein Blatt vor den Mund nimmt <strong>Carl Wa&szlig;muth<\/strong> vom Verein Gemeingut in B&uuml;rgerInnenhand. 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