{"id":95274,"date":"2023-03-21T10:00:17","date_gmt":"2023-03-21T09:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95274"},"modified":"2023-03-24T07:36:46","modified_gmt":"2023-03-24T06:36:46","slug":"pck-schwedt-droht-das-aus-dann-ist-hier-wieder-wueste-eine-betriebsraetin-ueber-ursachen-und-folgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95274","title":{"rendered":"PCK Schwedt droht das Aus: \u201eDann ist hier wieder W\u00fcste\u201c \u2013 Eine Betriebsr\u00e4tin \u00fcber Ursachen und Folgen"},"content":{"rendered":"<p>Obwohl die Erd&ouml;lraffinerie PCK in Schwedt eine der ostdeutschen &bdquo;Erfolgsgeschichten&ldquo; darstellt, ist sie seit Mitte 2022 in existenzbedrohenden Schwierigkeiten. Inzwischen wurde sie unter die Treuhand-Verwaltung durch die Bundesnetzagentur gestellt. Dem Mehrheitseigner, dem russischen Konzern &bdquo;Rosneft&ldquo;, droht, enteignet zu werden &ndash; &uuml;brigens auf polnischen Wunsch, wie Medien berichten. Eine Klage dagegen wurde j&uuml;ngst vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig abgewiesen. Peggy Lindemann arbeitet im PCK-Labor und ist Mitglied des Betriebsrates im Unternehmen. F&uuml;r sie ist klar, dass sich Unternehmen und Besch&auml;ftigte wehren m&uuml;ssen. Das sagt sie bei einem Gespr&auml;ch in Schwedt. Zugleich wei&szlig; sie, dass die Chancen, die Raffinerie in Schwedt aus eigener Kraft zu retten, kaum vorhanden sind. Von <strong>Tilo Gr&auml;ser<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_10\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-95274-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230323_PCK_Schwedt_droht_das_Aus_Dann_ist_hier_wieder_Wueste_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230323_PCK_Schwedt_droht_das_Aus_Dann_ist_hier_wieder_Wueste_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230323_PCK_Schwedt_droht_das_Aus_Dann_ist_hier_wieder_Wueste_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230323_PCK_Schwedt_droht_das_Aus_Dann_ist_hier_wieder_Wueste_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=95274-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230323_PCK_Schwedt_droht_das_Aus_Dann_ist_hier_wieder_Wueste_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230323_PCK_Schwedt_droht_das_Aus_Dann_ist_hier_wieder_Wueste_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=88650\">Wie EU- und NATO-Partner Polen die Raffinerie PCK Schwedt als Spielball f&uuml;r eigene &ouml;konomische und politische Interessen nutzt<\/a> <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92419\">&bdquo;Ein Trauerspiel&ldquo; &ndash; Sondersitzung des Energieausschusses offenbart erschreckende Planlosigkeit des Bundeswirtschaftsministeriums beim &Ouml;l-Embargo<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93471\">Kein Schiff wird kommen &ndash; Polen l&auml;sst PCK Schwedt austrocknen und gef&auml;hrdet damit die Energieversorgung Ostdeutschlands<\/a>\n<\/p><\/div><p>Anlass f&uuml;r die Krise der Raffinerie sind nicht irgendwelche wirtschaftlichen Probleme. Die Ursache ist politischer Natur: Die Bundesregierung hatte im Fr&uuml;hjahr 2022 wegen des Ukraine-Krieges beschlossen, kein russisches &Ouml;l mehr zu beziehen. Das kam bei PCK bisher &uuml;ber die &bdquo;Druschba&ldquo;-Leitung an, schon seit etwa 60 Jahren, gebaut noch in der Zeit der DDR. Seitdem das &Ouml;l-Embargo angek&uuml;ndigt und beschlossen wurde, zeigt sich, die Bundesregierung hat keinen &bdquo;Plan B&ldquo; f&uuml;r Schwedt. Es gibt nur Versprechungen, keine schriftlichen Zusagen und eine unsichere Zukunft als vermeintlicher Standort f&uuml;r neue Technologien. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat nur das Prinzip Hoffnung zu bieten.<\/p><p>Seit die &Ouml;l-Zufuhr aus Russland Anfang des Jahres gestoppt wurde, ist die Raffinerie nur noch bis maximal 60 Prozent ausgelastet, wird berichtet. Peggy Lindemann verweist darauf, dass zugesagte Ersatz-&Ouml;l-Lieferungen aus dem polnischen Hafen Gdansk &ndash; neben solchen aus Rostock &ndash; nur &bdquo;tr&ouml;pfchenweise&ldquo; eintreffen. &bdquo;Da liegt wohl noch ein Schiff, das wird nicht entladen.&ldquo; Nach ihrem Eindruck wird die Lieferung boykottiert, so die Betriebsr&auml;tin.<\/p><p>Das EU-Embargo richtet sich gegen russisches &Ouml;l aus Tankern. Kommt es aus anderen Quellen, kann es &uuml;ber die H&auml;fen Rostock und Gdansk nach Schwedt geliefert werden. Allerdings sind im konkreten Fall die Tanker von &bdquo;Rosneft&ldquo;, was das Problem sein k&ouml;nnte. Lindemann berichtet, dass der geplante Neubau eine Pipeline vom Rostock zu PCK vom Bundeswirtschaftsministerium abgesagt worden ist. Das w&auml;re notwendig gewesen, um die Lieferkapazit&auml;t zu erh&ouml;hen. <\/p><p>Aber auch die von Bundeskanzler Olaf Scholz <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/kanzler-olaf-scholz-zu-pck-belegschaft-in-schwedt-hier-wird-noch-lange-oel-verarbeitet-rosneft-nennt-treuhandverwaltung-zwangsenteignung-li.267981\">bei einem Besuch vor Ort<\/a> im September 2022 zugesagte EU-F&ouml;rdergelder f&uuml;r die &bdquo;Transformation&ldquo; der Raffinerie kommen nicht. Die 400 Millionen Euro w&uuml;rden nicht lockergemacht, weil der EU-Embargo-Beschluss nicht f&uuml;r &Ouml;l-Pipelines gilt, wei&szlig; Lindemann. &bdquo;Die EU hat ja nicht die &sbquo;Drushba&lsquo;-Leitung sanktioniert. Demzufolge sehen sie nicht ein, warum sie uns dieses Geld f&uuml;r den Transformationsprozess geben sollen.&ldquo; <\/p><p><strong>Absurde Situation<\/strong><\/p><p>So gibt es die absurd anmutende Situation, dass Deutschland kein russisches &Ouml;l aus Pipelines mehr nimmt, w&auml;hrend andere EU-Staaten das weiterhin machen &ndash; weil das Embargo daf&uuml;r gar nicht gilt. Der EU-Beschluss bedeutet nur, Tanker-&Ouml;l wird nicht genommen. &bdquo;Ich vermute, weil Herr Scholz eben sehr Biden-nah ist&ldquo;, sagt die Betriebsr&auml;tin dazu. &bdquo;Man muss ja nur gucken, wem n&uuml;tzt grad der Zustand?&ldquo; Die Belegschaft sei &bdquo;ziemlich erbost&ldquo; gewesen, als Wirtschaftsminister Habeck bei seinen Besuchen in Schwedt im Mai und Juni 2022 das Embargo und die Folgen f&uuml;r die Raffinerie ank&uuml;ndigte. Sie selbst ist der Meinung, &bdquo;dass wir uns nicht mehr schaden sollten als dem Land, gegen das die Sanktionen gelten&ldquo;.<\/p><p>Der Grundtenor unter den Besch&auml;ftigten sei, dass es egal w&auml;re, welches Roh&ouml;l verarbeitet wird: &bdquo;Hauptsache, wir verarbeiten Roh&ouml;l. Sie w&uuml;rden sehr gerne das russische Roh&ouml;l weiterverarbeiten, weil wir damit noch nie Probleme hatten. Aber sie w&uuml;rden auch anderes &Ouml;l nehmen. Hauptsache, wir sind voll ausgelastet.&ldquo; Sie selbst f&uuml;gt hinzu: &bdquo;Das ist ja auch gar nicht unser Krieg, warum wir da &uuml;berhaupt so mit reingezogen werden.&ldquo; Es k&ouml;nne nicht sein, dass Schwedt von seiner &bdquo;Lebensader&ldquo; abgetrennt und dann sich selbst &uuml;berlassen werde.<\/p><p>Laut Lindemann ist es f&uuml;r die Raffinerie nicht egal, woher das Roh&ouml;l kommt: &bdquo;Die &Ouml;le sind unterschiedlich in ihrer Beschaffenheit und in ihrer Zusammensetzung. Das russische Roh&ouml;l ist sehr schwer und ist auch sehr schwefelhaltig. Unsere Anlagen sind auf dieses Roh&ouml;l ausgerichtet, das man schon seit 60 Jahren hier verarbeitet. Mit diesen anderen &Ouml;len, die viel leichter sind in ihrer Zusammensetzung, haben wir auch keine Chance mehr, Bitumen herzustellen zum Beispiel.&ldquo; PCK habe bisher ein Drittel des Bitumens f&uuml;r ganz Deutschland produziert. Doch das geht nun <a href=\"https:\/\/deutsche-wirtschafts-nachrichten.de\/702563\/PCK-Raffinerie-Schwedt-kann-kein-Bitumen-mehr-produzieren\">ohne das russische &Ouml;l nicht mehr<\/a>, was f&uuml;r die ostdeutsche Bauwirtschaft Probleme bringt. <\/p><p>Bei den Habeck-Auftritten hatten PCK-Mitarbeiter noch eine Ausnahme vom Embargo f&uuml;r die Raffinerie gefordert. Doch obwohl die m&ouml;glich gewesen w&auml;re, hat die Bundesregierung das abgelehnt. Der Wirtschaftsminister wollte dar&uuml;ber erst gar nicht reden, weil ja Russland bestraft werden m&uuml;sste. Betriebsr&auml;tin Lindemann hatte Habeck schon am 9. Mai 2022 an seinen Amtseid erinnert, nach dem er Schaden vom deutschen Volk abzuwenden habe.<\/p><p><strong>Politisches Desinteresse<\/strong><\/p><p>Der Gr&uuml;nen-Minister habe ihre Bedenken &uuml;ber die Folgen sogar best&auml;tigt, erinnert sie sich: &bdquo;Ja, wir schaden uns wahrscheinlich mehr, und Russland wird weiterhin sein &Ouml;l verkaufen an die L&auml;nder, die sich nicht beteiligen an den Sanktionen. Aber wir m&uuml;ssen in diesen sauren Apfel bei&szlig;en. Und wir m&uuml;ssen Russland Schaden zuf&uuml;gen, egal wie wir letztendlich dastehen.&ldquo; <\/p><p>Die Betriebsr&auml;tin hatte sich auf die Begegnung vorbereitet und den Minister darauf hingewiesen, dass es kaum m&ouml;glich sei, schnell neues &Ouml;l f&uuml;r Schwedt zu bekommen. Die bestehenden Liefervertr&auml;ge seien meist f&uuml;r zehn, 20 Jahre abgeschlossen. &bdquo;Und auch die Tanker auf der Welt sind ausgebucht. Das funktioniert alles nicht so, wie er sich das denkt. Das habe ich ihm alles so vorgerechnet.&ldquo; Doch Habeck und sein zust&auml;ndiger Staatssekret&auml;r Michael Kellner interessieren sich bis heute nicht daf&uuml;r, wie die weitere Entwicklung zeigt.<\/p><p>Die Raffinerie hatte bis Fr&uuml;hjahr 2022 keine wirtschaftlichen Probleme, wie die Betriebsr&auml;tin betont. Die seien erst durch die politischen Entscheidungen entstanden. &bdquo;Wir hatten mit Russland &uuml;berhaupt noch nie ein Problem. Wenn &uuml;berhaupt, dann ist das immer von unserer Regierung ausgegangen. Frau Merkel wollte auch schon mal die Russen sanktionieren.&ldquo; <\/p><p>Auf die Frage, warum Schwedt mit der Raffinerie PCK &ndash; die Abk&uuml;rzung stammt vom einstigen Namen &bdquo;Petrolchemisches Kombinat&ldquo; in der DDR &ndash; so wichtig ist, antwortet Lindemann nach eigener Aussage inzwischen skeptisch: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Bis vor einem Jahr h&auml;tte ich gesagt: Wir sind unglaublich wichtig und ohne uns funktioniert hier &uuml;berhaupt nichts, weil neun von zehn Autos in Berlin und Brandenburg mit unserem Sprit fahren. Und teilweise liefern wir nach Mecklenburg-Vorpommern und nach Polen und haben bis jetzt Waren in die Schweiz und nach &Ouml;sterreich verkauft. Mittlerweile bin ich da ein bisschen n&uuml;chterner geworden, weil das durchaus funktionieren kann, wenn die anderen Anlagen in Westdeutschland ihre Produktion einfach hochfahren und auch die Anlagen in Polen hochfahren und man den Rest einkauft, wie man jetzt ja den Diesel in Indien einkauft. Dann kann man uns durchaus ersetzen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Trostloser Ausblick<\/strong><\/p><p>Wenn das PCK dichtmachen muss, &bdquo;dann wird hier wieder W&uuml;ste&ldquo;, sagt die Betriebsr&auml;tin. Schwedt sei um das PCK herum gebaut worden. Vorher habe es dort vor allem Tabakanbau gegeben. Nach den Industrieanlagen wurden die vielen Plattenbauten aus dem Boden gestampft. &bdquo;Wir hatten zu unseren besten Zeiten 50.000 Einwohner. Jetzt sind wir knapp 30.000, haben aber die ganzen D&ouml;rfer und die ganzen Gemeinden im Umfeld eingemeindet, dass wir &uuml;berhaupt auf diese Summe kommen.&ldquo;<\/p><p>Schwedt habe dank des PCK auch ein Theater bekommen und ein gro&szlig;es Einkaufscenter, obwohl es keine Kreisstadt war. Das sei alles gef&auml;hrdet bei einem Aus f&uuml;r die Raffinerie. Und: &bdquo;Dann werden die jungen Menschen mit Familie wegziehen, dann br&auml;uchten wir auch keine Schulen mehr, dann w&uuml;rden die Lehrer wegfallen.&ldquo; Das Theater werde vom PCK mitfinanziert und k&ouml;nne sich nicht allein tragen. Das gelte auch f&uuml;r die Sportvereine in Schwedt, die von dem Unternehmen unterst&uuml;tzt w&uuml;rden.<\/p><p><strong>Leere Versprechungen<\/strong><\/p><p>Habeck hat in Schwedt den Berichten zufolge viel versprochen: Jobsicherheit f&uuml;r die Zukunft. Doch die Belegschaft hat das nicht schriftlich, wie die Betriebsr&auml;tin auf eine entsprechende Frage sagt. Sie ist skeptisch. W&auml;re der politische Wille da, die Raffinerie in Schwedt zu erhalten, w&auml;re das auch m&ouml;glich, ist sie sich sicher. &bdquo;Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Aber die wollen das gar nicht.&ldquo; Der Belegschaft sei eine Gehaltsgarantie f&uuml;r zwei Jahre zugesagt worden. Das bedeute, dass es auch ohne Arbeit oder mit Kurzarbeit 100 Prozent des Gehaltes gebe. &bdquo;Diese Versprechen haben wir f&uuml;r zwei Jahre. Also f&uuml;r mich ist das ein Tod auf Raten.&ldquo; Der Minister habe garantiert, den Standort zu erhalten. Doch das gelte ja auch, wenn aus der Raffinerie nur noch ein Tanklager gemacht wird. &bdquo;Dann w&uuml;rden hier noch zw&ouml;lf Mann arbeiten.&ldquo; Zu den vermeintlichen Zukunftsaussichten laut Habeck dank &bdquo;gr&uuml;ner&ldquo; Technologien wie dem &bdquo;gr&uuml;nen Wasserstoff&ldquo; meint Lindemann nur: &bdquo;Es passiert nichts und kein Mensch wird hier Geld investieren.&ldquo;<\/p><p><strong>Ruhige Belegschaft<\/strong><\/p><p>Gefragt, wie die Belegschaft darauf reagiert, sagt sie: &bdquo;Zu ruhig. Die nehmen das so hin.&ldquo; Viele h&auml;tten Angst und bef&auml;nden sich dann in einer Schockstarre: &bdquo;Dann machen die einfach nichts in ihrer Panik oder unter Schock. Viele h&auml;tten &bdquo;diese irre Hoffnung&ldquo; und w&uuml;rden den Regierenden glauben, dass die &bdquo;sich schon k&uuml;mmern, die werden das schon machen, weil sie es versprochen haben&ldquo;. Sie sage darauf, &bdquo;in zwei Jahren brauchen wir nicht mehr auf die Stra&szlig;e gehen, wenn das Ding hier tot ist, da m&uuml;ssten wir jetzt was machen&ldquo;. Einige h&auml;tten inzwischen bemerkt, dass sie belogen und get&auml;uscht werden. &bdquo;Aber im Grunde glauben die immer noch, irgendwie wird es schon gehen. Irgendeiner wird sie schon retten, der kommt uns erl&ouml;sen.&ldquo;<\/p><p>Die etablierten und vor allem die regionalen Medien berichten &uuml;ber die Vorg&auml;nge in und um die PCK-Raffinerie relativ ausf&uuml;hrlich. Aber oft werden haupts&auml;chlich die Sicht und die Aussagen der Regierungsvertreter wiedergegeben. Vielen Zitaten von Habeck und anderen Vertretern von Bund und Land stehen kaum welche von den Besch&auml;ftigten gegen&uuml;ber. <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/wie-geht-es-weiter-fur-schwedt-wenn-unsicherheit-die-burger-wutend-macht-536157.html\">Ein Bericht<\/a> der Zeitung &bdquo;Der Tagesspiegel&ldquo; vom Juli 2022 &uuml;ber die Stimmung in Schwedt behauptete, &bdquo;Misstrauen und Verschw&ouml;rungstheorien machen sich breit&ldquo;. Die Autorin verstieg sich zu folgender &Auml;u&szlig;erung: &bdquo;F&uuml;r Au&szlig;enstehende scheint, als bef&ouml;rdere die Druschba-Pipeline nicht nur &Ouml;l, sondern auch ein wenig russische Propaganda nach Schwedt. Und die nimmt vielen die Hoffnung auf eine gute Zukunft.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Sobald wir uns irgendwie anders &auml;u&szlig;ern, sind wir sofort die &sbquo;Russen-Freunde&lsquo;, die &sbquo;Russen-Versteher&lsquo; und &sbquo;Putin-Versteher&lsquo;&ldquo;, kommentierte Betriebsr&auml;tin Lindemann das. Zum Vorwurf, den Krieg in der Ukraine nicht zu verstehen, sagte sie: &bdquo;Wenn man so ein bisschen in die Geschichte guckt, dann hat der Krieg ja eben nicht erst jetzt angefangen. Der l&auml;uft ja schon eine ganze Weile und er wurde sehr stark provoziert.&ldquo; F&uuml;r sie ist klar: &bdquo;Man muss eigentlich immer nur gucken, wem nutzt es, wem nutzt gerade die Situation. Mehr muss man nicht machen.&ldquo;<\/p><p>Es gebe im PCK Mitarbeiter, die &bdquo;vollstes Verst&auml;ndnis&ldquo; f&uuml;r die bundesdeutsche Embargo-Politik h&auml;tten. &bdquo;Die w&uuml;rden auch eher das &Ouml;l kappen, als den Putin zu unterst&uuml;tzen. Da habe ich leider kein Verst&auml;ndnis f&uuml;r. Das sind halt eben auch die, die sich nicht wirklich informieren, die nur das, was sie in den Nachrichten h&ouml;ren, nachplappern.&ldquo;<\/p><p><strong>Polnisches Interesse<\/strong><\/p><p>Meldungen zufolge hat der polnische staatsnahe Konzern PKN Orlen Interesse an der Raffinerie in Schwedt. Wenn das Unternehmen bei PCK einsteige, mache sich Deutschland von der polnischen Regierung abh&auml;ngig, bef&uuml;rchten Beobachter. Warschau geh&ouml;rt auch zu den treibenden Kr&auml;ften, die den bisherigen Mehrheitseigner Rosneft enteignet sehen wollen. Lindemann kommentiert das mit &bdquo;Bauchschmerzen&ldquo;. Polen geh&ouml;re bisher zu den Gro&szlig;abnehmern des in Schwedt produzierten Benzins. Doch als es um die Roh&ouml;l-Ersatzlieferungen &uuml;ber Gdansk ging, habe Warschau viele Bedingungen gestellt, bis hin zum Ausschluss von Rosneft. <\/p><p>&bdquo;Wir haben noch gar nicht miteinander gearbeitet und jetzt werden 1.000 Bedingungen gestellt&ldquo;, emp&ouml;rt sich die Betriebsr&auml;tin. Von russischer Seite sei nicht eine Bedingung gestellt worden &ndash; &bdquo;die haben uns 60 Jahre lang beliefert, ohne mit der Wimper zu zucken, egal, wie die geopolitische Situation war&ldquo;. Trotz aller politischen Krisen sei immer aus Russland geliefert worden. &bdquo;Die Polen sind noch gar nicht drin und stellen schon 1.000 Bedingungen.&ldquo;<\/p><p>Sie hoffe immer noch auf ein Wunder, gesteht sie im Gespr&auml;ch in einem Caf&eacute; in Schwedts Einkauf-Center nahe dem Bahnhof. &bdquo;Ich hoffe immer noch, dass die &bdquo;Druschba&ldquo;-Leitung wieder aufgemacht wird.&ldquo; Doch sie bef&uuml;rchtet angesichts der Gesamtentwicklung, &bdquo;dass Deutschland deindustrialisiert werden soll&ldquo;. Das habe sie auch Bundeskanzler Scholz bei dessen Besuch vor Ort im September 2022 gesagt. Durch die Sanktionspolitik w&uuml;rden die Firmen aus Deutschland abwandern, weil Strom und Gas nicht mehr bezahlbar seien.<\/p><p><strong>Bedr&uuml;ckende Erinnerungen<\/strong><\/p><p>Der drohende Untergang von PCK und die damit verbundenen Folgen erinnern an die desastr&ouml;se Deindustrialisierung der DDR und dann Ostdeutschlands ab 1990. Die PCK-Betriebsr&auml;tin kennt das nur aus den Erz&auml;hlungen &auml;lterer Kollegen und Nachbarn. &bdquo;Da war ich noch ein bisschen jung, da war ich zehn oder elf Jahre. Sp&auml;ter, als ich im PCK gelernt habe, haben viele erz&auml;hlt, wie es war, weil das ja ein einschneidendes Erlebnis war.&ldquo; Damals sei den Menschen auch in Schwedt Angst vor der Zukunft gemacht worden, weil die einstigen DDR-Betriebe und -Kombinate in der Marktwirtschaft keine Chancen h&auml;tten.<\/p><p>Viele h&auml;tten freiwillig gek&uuml;ndigt und sich lieber gleich was Neues gesucht, &bdquo;bevor nachher alle auf der Stra&szlig;e sitzen und dann alle einen neuen Job suchen. Die haben das aber teilweise auch bereut, weil sie dann nie wieder die Chance hatten, einen Fu&szlig; ins PCK zu setzen. Ja, das war schlimm.&ldquo; Durch die Angst sei das Konkurrenzdenken untereinander sehr stark geworden: &bdquo;Die haben sich dann gegenseitig angeschw&auml;rzt beim Chef und haben daf&uuml;r gesorgt, dass die Leute entlassen wurden. Hauptsache, sie haben den Job behalten. Also, das war eine Katstrophe.&ldquo;<\/p><p>Wegzugehen aus der Stadt, gar aus dem Land, wie es immer mehr Menschen machen, ist f&uuml;r die Betriebsr&auml;tin keine Alternative. Das komme f&uuml;r sie schon aus famili&auml;ren Gr&uuml;nden nicht in Frage. &bdquo;Da ich drei Kinder habe und die ja auch noch einen Papa haben, w&auml;re das wohl nicht so einfach.&ldquo; Aber: &bdquo;Wenn die mal auf eigenen F&uuml;&szlig;en stehen, k&ouml;nnte ich es mir vorstellen.&ldquo; <\/p><p>Titelbild: &copy; PCK Schwedt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl die Erd&ouml;lraffinerie PCK in Schwedt eine der ostdeutschen &bdquo;Erfolgsgeschichten&ldquo; darstellt, ist sie seit Mitte 2022 in existenzbedrohenden Schwierigkeiten. Inzwischen wurde sie unter die Treuhand-Verwaltung durch die Bundesnetzagentur gestellt. Dem Mehrheitseigner, dem russischen Konzern &bdquo;Rosneft&ldquo;, droht, enteignet zu werden &ndash; &uuml;brigens auf polnischen Wunsch, wie Medien berichten. 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