{"id":95316,"date":"2023-03-22T10:00:02","date_gmt":"2023-03-22T09:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95316"},"modified":"2023-03-29T13:34:29","modified_gmt":"2023-03-29T11:34:29","slug":"nebeneinkuenfte-sind-nicht-gleich-nebeneinkuenfte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95316","title":{"rendered":"Nebeneink\u00fcnfte sind nicht gleich Nebeneink\u00fcnfte"},"content":{"rendered":"<p>Die Kritik an den gestern von verschiedenen Medien ver&ouml;ffentlichten Nebeneink&uuml;nften der (Noch-)Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht ist an Absurdit&auml;t kaum zu &uuml;bertreffen. Schlie&szlig;lich stammen die &ndash; durchaus f&uuml;rstlichen &ndash; Gelder nicht aus T&auml;tigkeiten, die potenziell im Konflikt mit ihrer politischen T&auml;tigkeit stehen, sondern nahezu ausschlie&szlig;lich aus den Honoraren ihres erfolgreichen Buches &bdquo;Die Selbstgerechten&ldquo;. Das ist sowohl moralisch als auch rechtlich ein himmelweiter Unterschied zur millionenschweren Vorteilsnahme eines Peer Steinbr&uuml;ck von der Finanzindustrie oder den millionenschweren Eink&uuml;nften zahlreicher Unionsabgeordneter aus illegalen Maskendeals oder Lobbyt&auml;tigkeiten f&uuml;r Aserbaidschan. Doch bei der Personalie Wagenknecht gelten offenbar andere Regeln. Auch ihre (Noch-)Parteichefin Wissler nutzt die <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/sahra-wagenknecht-linken-chefin-janine-wissler-kritisiert-hohe-nebeneinkuenfte-a-f7af7c39-fbe9-4226-9005-d46f31737ee7\">Meldung<\/a>, um die innerparteiliche Kampagne gegen Wagenknecht am Laufen zu halten und den Medien Futter f&uuml;r neue Schlagzeilen zu geben. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7870\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-95316-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230323_Nebeneinkuenfte_sind_nicht_gleich_Nebeneinkuenfte_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230323_Nebeneinkuenfte_sind_nicht_gleich_Nebeneinkuenfte_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230323_Nebeneinkuenfte_sind_nicht_gleich_Nebeneinkuenfte_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230323_Nebeneinkuenfte_sind_nicht_gleich_Nebeneinkuenfte_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=95316-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230323_Nebeneinkuenfte_sind_nicht_gleich_Nebeneinkuenfte_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230323_Nebeneinkuenfte_sind_nicht_gleich_Nebeneinkuenfte_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Es ist wirklich abstrus, ernsthaft &uuml;ber die &bdquo;Rechtm&auml;&szlig;igkeit&ldquo; von Autorenhonoraren zu streiten. Wagenknechts im April 2021 erschienenes Buch &bdquo;Die Selbstgerechten&ldquo; war immerhin 45 Wochen in der Bestsellerliste und im Jahr 2021 laut <a href=\"https:\/\/www.boersenblatt.net\/thema\/jahresbestseller-2021\">dem B&ouml;rsenblatt<\/a> das am dritth&auml;ufigsten verkaufte Sachbuch &ndash; &uuml;brigens hinter dem Buch &bdquo;Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit&ldquo; der ZDF-Journalistin Mai Thi Nguyen-Kim. Dass Wagenknecht daf&uuml;r Honorare in H&ouml;he von fast 721.000 Euro (vor Steuern) bekam, ist freilich eine Meldung wert. Diese Honorare aber ernsthaft mit denen von Karl Lauterbachs geflopptem Buch &bdquo;Bevor es zu sp&auml;t ist&ldquo; und Annalena Baerbocks uninspiriertem &bdquo;Jetzt&ldquo; (Lesen Sie <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=73405\">hier die Rezension<\/a>), dem noch nicht einmal die Plagiatsdebatte zu einer nennenswerten Auflage verhalf, zu vergleichen, ist haneb&uuml;chen. Da k&ouml;nnte man auch das Gehalt eine Regionalkickers mit dem eines Christiano Ronaldo vergleichen. Doch warum sollte man das tun? <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/sahra-wagenknecht-nebeneinkuenfte-betrugen-seit-2021-792-961-43-euro-a-c7890c4f-8af7-4144-8c8b-564567bbb47f\">Der SPIEGEL<\/a> und das Boulevardblatt <a href=\"https:\/\/www.mopo.de\/news\/politik-wirtschaft\/sahra-wagenknecht-kassierte-fast-800-000-euro-fuer-nebentaetigkeiten\/\">Hamburger Morgenpost<\/a> scheinen das anders zu sehen. <\/p><p>&bdquo;Wenn Politiker B&uuml;cher schreiben, kann jeder ganz leicht sehen, wof&uuml;r das Honorar &uuml;berwiesen wird und ob es Abh&auml;ngigkeiten gibt. Da gibt es keine Geheimnisse&ldquo; &ndash; dem ist eigentlich nichts hinzuzuf&uuml;gen. Sie denken jetzt, dieser Satz stammt von einem &bdquo;Wagenknecht-Freund&ldquo;? Weit gefehlt. Der Satz stammt von <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2012-11\/steinbrueck-nebeneinkuenfte-buecher\">Sigmar Gabriel<\/a> und nat&uuml;rlich bezieht er sich nicht auf Wagenknechts Buchhonorare, sondern auf die Honorare seines Genossen Peer Steinbr&uuml;ck. Der war als Autor auch nicht ganz erfolglos und <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2012-11\/steinbrueck-nebeneinkuenfte-buecher\">erhielt &uuml;ber eine halbe Million Euro Honorare<\/a> f&uuml;r sein Buch &bdquo;Unter dem Strich&ldquo;. Quod licet Peer, non licet Sahra? <\/p><p>Wenn man die Buchhonorare von den publizierten Nebeneink&uuml;nften Wagenknechts abzieht, ist die Luft erst mal raus. Es bleiben dann noch 48.307 Euro f&uuml;r mehr als zwei Jahre &uuml;brig. Die verteilen sich auf eine Handvoll Veranstaltungen und Vortr&auml;ge, die allesamt nicht mit ihrer politischen T&auml;tigkeit kollidieren. Auch das ist sehr viel Geld, aber f&uuml;r Spitzenpolitiker keineswegs ungew&ouml;hnlich. Wir erinnern uns: Peer Steinbr&uuml;ck kassierte 1,25 Millionen Euro <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/steinbruck-verdiente-sogar-zwei-millionen-2232460.html\">an Vortragshonoraren<\/a>. Diese Honorare mit denen von Sahra Wagenknecht zu vergleichen, w&auml;re jedoch nicht nur angesichts der unterschiedlichen Dimensionen nicht statthaft. Anders als bei Wagenknecht gab es bei Steinbr&uuml;ck n&auml;mlich sehr wohl einen direkten Interessenkonflikt zwischen den kassierten Honoraren und der politischen T&auml;tigkeit. Steinbr&uuml;ck kassierte Geld von Unternehmen, die direkt von seinen Entscheidungen als Bundesfinanzminister profitierten &ndash; Banken, Versicherungen, internationale Gro&szlig;kanzleien. Und das nicht erst als &bdquo;Politrentner&ldquo;, sondern vor seiner Kanzlerkandidatur. Man k&ouml;nnte die f&uuml;rstlichen Honorare von Steinbr&uuml;ck also durchaus als ein &bdquo;Dankesch&ouml;n&ldquo; der Finanzbranche f&uuml;r politisches Entgegenkommen bewerten. Bei den wenigen Vortr&auml;gen von Sahra Wagenknecht fehlt selbst ihren Kritikern die Fantasie, einen &auml;hnlichen Zusammenhang zu konstruieren. <\/p><p>Warum also all die Aufregung? Die Antwort liegt auf der Hand. Man nutzt jede noch randseitige Gelegenheit, um die Kampagne gegen Sahra Wagenknecht am K&ouml;cheln zu halten. Und da passen fast 800.000 Euro Nebeneink&uuml;nfte nat&uuml;rlich gut ins Konzept &ndash; zumal Wagenknecht, wie RTL es <a href=\"https:\/\/www.rtl.de\/cms\/800-000-euro-nebenbei-sahra-wagenknecht-gehoert-zu-spitzenverdienern-im-bundestag-5035537.html\">formuliert<\/a>, doch eigentlich &bdquo;die Rechte der Menschen mit kleinem Einkommen vertreten will&ldquo;. Von solchen Summen &bdquo;k&ouml;nnen die Menschen nur tr&auml;umen, f&uuml;r die sie sich angeblich einsetzt&ldquo; &ndash; so RTL. Da war es wieder; das immer wieder als rhetorische Kampfansage von der B&uuml;rgerlich-Rechten ins Spiel gebrachte M&auml;rchen, dass Politiker, die gegen Armut und soziale Ungerechtigkeit k&auml;mpfen, ja &bdquo;logischerweise&ldquo; selbst arm sein m&uuml;ssten. Wasser predigen und Wein saufen, so etwas geht aber nun wirklich nicht. Dabei wissen wir gutgl&auml;ubigen Medienkonsumenten doch, dass so ein linker Kommunist in der Platte wohnen, seine privaten Reisen mit dem Sozialticket des &ouml;ffentlichen Personennahverkehrs unternehmen und seinen Urlaub &ndash; wenn u&#776;berhaupt! &ndash; auf einem Campingplatz in der N&auml;he von Bitterfeld verbringen muss. Wer gegen Armut ank&auml;mpft, muss selbst arm sein &ndash; alles andere sprengt schlie&szlig;lich unser kleinbu&#776;rgerliches Weltbild.<\/p><p>Aber wer sagt eigentlich, dass ein &bdquo;Linker&ldquo; arm sein und allen weltlichen Vergnu&#776;gungen abschw&ouml;ren muss? Ist die Linkspartei etwa ein Bettelorden? Darf man nur dann linke Positionen vertreten, wenn man sich in Sack und Asche hu&#776;llt? Wann darf man eigentlich neoliberale Positionen vertreten? Muss ein FDP-Abgeordneter mindestens 100.000 Euro pro Jahr bei seinen Nebent&auml;tigkeiten verdienen, um glaubwu&#776;rdig zu sein? Karl Marx war Angeh&ouml;riger des Bildungsbu&#776;rgertums, Friedrich Engels, Ferdinand Lassalle, Lenin und Che Guevara waren sogar waschechte Gro&szlig;bu&#776;rger. Wer k&auml;me auf die Idee, ihnen ihre &bdquo;linke Gesinnung&ldquo; qua Klassenzugeh&ouml;rigkeit abzusprechen? Wahrscheinlich der Vorstand der Linkspartei. Okay, keine weiteren Fragen. <\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95643\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Titelbild: photocosmos1\/shutterstock.com<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/c716a36699c74be89cc7b2df09dbe302\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kritik an den gestern von verschiedenen Medien ver&ouml;ffentlichten Nebeneink&uuml;nften der (Noch-)Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht ist an Absurdit&auml;t kaum zu &uuml;bertreffen. Schlie&szlig;lich stammen die &ndash; durchaus f&uuml;rstlichen &ndash; Gelder nicht aus T&auml;tigkeiten, die potenziell im Konflikt mit ihrer politischen T&auml;tigkeit stehen, sondern nahezu ausschlie&szlig;lich aus den Honoraren ihres erfolgreichen Buches &bdquo;Die Selbstgerechten&ldquo;. 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