{"id":95378,"date":"2023-03-23T12:05:56","date_gmt":"2023-03-23T11:05:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95378"},"modified":"2023-03-23T15:03:25","modified_gmt":"2023-03-23T14:03:25","slug":"zwischenruf-eines-richters-nord-stream-1-und-2-der-schwierige-kampf-um-die-wahrheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95378","title":{"rendered":"Zwischenruf eines Richters &#8211; Nord Stream 1 und 2, der schwierige Kampf um die Wahrheit"},"content":{"rendered":"<p>Wenn Sie, lieber Leser, liebe Leserin, eine abschlie&szlig;ende Antwort auf die Frage erwarten, wer f&uuml;r die Zerst&ouml;rung der Gaspipelines in der Ostsee verantwortlich ist, dann lesen Sie nicht weiter. Denn diese Frage kann derzeit noch nicht seri&ouml;s beantwortet werden. Aber schon jetzt l&auml;sst sich am Beispiel der Sprengung von Nord Stream 1 und 2 zeigen, wie die Wahrheitssuche fehlgeleitet wird. Grund&uuml;bel ist die Ein&auml;ugigkeit westlicher Au&szlig;enpolitik. Sie wird beg&uuml;nstigt durch die servile Haltung eines Gro&szlig;teils der deutschen Medien. Von <strong>Peter Vonnahme<\/strong>, ehemals Richter am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Im Zweifel immer der Russe&hellip;<\/strong><\/p><p>Bekanntlich ist im Krieg die Wahrheit das erste Opfer, so auch im Ukraine-Krieg. Politik und der Mainstream in Presse, Rundfunk und TV betreiben seit Kriegsbeginn in der Ukraine ein beispielloses Verwirrspiel, verbunden mit Desinformation und Hetze. Dem Szenario liegt ein schlichtes Weltbild zugrunde. Im Zweifel ist immer Putin der B&ouml;sewicht, zumindest aber ist sein Land schuld an den politischen Krisen der Gegenwart.<\/p><p>Das war nicht immer so. Es gab eine Zeit, da flogen die deutschen Herzen dem Russen Michail Gorbatschow zu. Die Leute erkannten dankbar an, dass die Sowjetunion die deutsche Wiedervereinigung erm&ouml;glicht hat. &Auml;u&szlig;ere Zeichen des politischen Tauwetters waren der Abzug der sowjetischen Besatzungstruppen aus der fr&uuml;heren DDR und der Beginn einer fruchtbaren wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Die l&auml;hmende Nachkriegszeit war zwar nicht vergessen, aber die Sowjetunion war f&uuml;r das Deutschland der ausklingenden Kohl-&Auml;ra ein respektabler Partner geworden. Die Sowjetb&uuml;rger ihrerseits waren bereit, dem Nachkriegsdeutschland die Verbrechen der Nazizeit mit 27 Millionen Toten nicht nachzutragen. Unter Kanzler Schr&ouml;der wurden die Beziehungen zwischen beiden L&auml;ndern weiter vertieft &ndash; sehr zum Missfallen der USA. Die freundliche Grundstimmung zwischen Deutschland und Russland war nicht von Dauer. Unter amerikanischer Anleitung wurde bald wieder an Russland herumgen&ouml;rgelt und alte Vorbehalte wurden reaktiviert. Allerdings machte es Putin den Kritikern auch nicht schwer.<\/p><p>Im letzten Jahrzehnt wurde uns Deutschen eingebl&auml;ut, dass die Russen kriegss&uuml;chtig seien und ihnen jede Schandtat zuzutrauen sei. Dieses Bild sitzt heute tief in den K&ouml;pfen vieler Menschen und beeinflusst ihre Sicht &ndash; auch auf die Sprengung von Nord Stream 1 und 2. Wenn es hier um die T&auml;tersuche geht, richtet sich der Blick unwillk&uuml;rlich Richtung Russland. Umgekehrt bedeutet das, dass die westlichen Staaten und ihr H&auml;tschelkind Selenskyj vorschnell aus dem Kreis der Verd&auml;chtigen ausscheiden. Denn &ndash; so haben wir gelernt &ndash; sie stehen f&uuml;r das Gute und Richtige, immer und &uuml;berall.<\/p><p><strong>Wahrheitsfindung<\/strong><\/p><p>Doch so einfach gestrickt ist die Welt nicht. Wer verstehen will, muss sich die M&uuml;he machen, etwas genauer hinzuschauen. Bei der Wahrheitssuche ist es hilfreich, bew&auml;hrte richterliche &Uuml;berpr&uuml;fungsroutinen zu beachten. Zun&auml;chst gilt es, m&ouml;glichst viele und breit gestreute Informationen zu sammeln. Dann m&uuml;ssen diese auf ihre Plausibilit&auml;t hin &uuml;berpr&uuml;ft und nach ihrer Bedeutung gewichtet werden. Es ist unerl&auml;sslich, dass bei Bewertungen immer die gleichen Ma&szlig;st&auml;be angelegt werden. Beispiel: Wenn Russlands &Uuml;berfall auf die Ukraine am V&ouml;lkerrecht gemessen wird, gilt das selbstredend auch bei allen Kriegen unter amerikanischer F&uuml;hrung. Andernfalls wird man unglaubw&uuml;rdig. Bei der Wahrheitssuche spielen naturgem&auml;&szlig; pers&ouml;nliche &Uuml;berzeugungen eine Rolle. Das ist jedoch dann kein Schaden, wenn der Suchende erkennen l&auml;sst, wo er aufgrund seiner Lebenserfahrung und Wertvorstellungen steht, denn dann k&ouml;nnen die anderen Beteiligten die &Uuml;berzeugungskraft seiner Argumente kritisch &uuml;berpr&uuml;fen.<\/p><p><em>Ich habe meine Position im Konflikt Ukraine\/Russland\/Deutschland\/USA mehrfach deutlich gemacht, insbesondere in den Essays <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=81623\">&bdquo;Schlussbilanz eines &bdquo;Putin-Verstehers&ldquo;&ldquo;<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=82403\">&bdquo;Selenskyj &ndash; Held oder Z&uuml;ndler?&ldquo;<\/a> oder zuletzt in <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93923\">&bdquo;Zeitenwende &ndash; Das falsche Wort zur falschen Zeit vom falschen Mann&ldquo;<\/a>. Diese und weitere Texte lassen sich im Internet unschwer auffinden. Ich bem&uuml;he mich um Objektivit&auml;t und nehme f&uuml;r mich nicht in Anspruch, in allen Streitfragen die letzte Wahrheit zu kennen. Denn ich bin noch auf der Suche und nehme in Kauf, dass ich mich mit meiner heutigen Einsch&auml;tzung angreifbar mache.<\/em><\/p><p><strong>Was geschah am 26. September 2022?<\/strong><\/p><p>In dieser Nacht wurden nahe der d&auml;nischen Ostsee-Insel Bornholm drei von vier Str&auml;ngen der von Russland nach Deutschland f&uuml;hrenden Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 durch Explosionen zerst&ouml;rt. Nord Stream ist ein russisch-deutsches Gemeinschaftsprojekt unter ma&szlig;geblicher Beteiligung des Konzerns Gazprom und deutscher Firmen. Mit einem zweistelligen Milliardenaufwand sollte die langfristige Energieversorgung Deutschlands gesichert werden. Daf&uuml;r standen Schr&ouml;der und Merkel und die deutsche Wirtschaft. Das hat auch jahrelang zum Vorteil beider Staaten funktioniert (Versorgungssicherheit, Qualit&auml;t, g&uuml;nstiger Preis). Das verfolgten die Ukraine, Polen, die baltischen Staaten und vor allem die USA mit wachsendem Unbehagen.<\/p><p>Dann &uuml;berfiel Russland v&ouml;lkerrechtswidrig die Ukraine. Es folgten Sanktionen gegen Russland und am 26. September schlie&szlig;lich die Zerst&ouml;rung der Pipelines in der Ostsee &ndash; T&auml;ter unbekannt. Ob eine Reparatur des R&ouml;hrensystems infrage kommt, ist unklar. Der durch die Sprengung eingetretene Gasmangel wurde in Deutschland mit Kohle, teurem LNG-Gas aus den USA und Katar sowie mit der Laufzeitverl&auml;ngerung &uuml;beralterter Atomkraftwerke gedeckt &ndash; ein ebenso umweltsch&auml;dliches wie kostspieliges Unterfangen.<\/p><p><strong>T&auml;tersuche<\/strong><\/p><p>Bis heute hat sich niemand zur T&auml;terschaft an dem Anschlag bekannt. Schwedische Experten sind sicher, dass der Sabotageakt F&auml;higkeiten voraussetzt, die nur Staaten zur Verf&uuml;gung stehen, wie etwa U-Boote, gro&szlig;e Mengen Sprengstoff, Marinetaucher und Expertise.<\/p><p><em>Version 1: T&auml;ter Russland<\/em><br>\nAls das aus dem gesprengten R&ouml;hrensystem str&ouml;mende Gas noch die Ostsee aufwirbelte, lie&szlig; Selenskyj umgehend erkl&auml;ren, das Gasleck sei Folge &bdquo;eines von Russland geplanten Terroranschlags&ldquo;. Beweise hierf&uuml;r wurden bis heute nicht vorgelegt. Wie nicht anders zu erwarten, schoben auch westliche Leitmedien die Schuld an dem Anschlag umgehend Russland zu. Das war zwar unseri&ouml;s, aber es folgte dem bew&auml;hrten Muster, &bdquo;Der Russe war&lsquo;s&ldquo;. Ein Mindestma&szlig; an analytischem Denken h&auml;tte gen&uuml;gt, um zu erkennen, dass diese Erkl&auml;rung unlogisch ist: Weshalb sollte Russland seine eigenen, mit Milliardenaufwand gebauten Leitungen zerst&ouml;ren? Das ist schon deshalb abwegig, weil Putin &ndash; h&auml;tte er das gewollt &ndash; Deutschland viel schneller und einfacher durch ein Zudrehen der Gash&auml;hne in Russland vom russischen Gas h&auml;tte abkoppeln k&ouml;nnen. Und warum sollte Moskau ohne Not seine Option auf eine Wiederbelebung des lukrativen Gasgesch&auml;fts aufgeben?<\/p><p>Fazit: T&auml;terschaft Russlands ist wenig wahrscheinlich.<\/p><p><em>Version 2: T&auml;ter USA<\/em><br>\nDie Suche nach dem T&auml;ter muss also weitergehen. Wer &bdquo;Tatort&ldquo; im TV sieht, wei&szlig;, wie das geschieht. Ermittlungsbeh&ouml;rden fragen &ndash; wie schon die alten R&ouml;mer vor 2.000 Jahren &ndash; in einer solchen Situation: Cui bono? Wer hat einen Vorteil aus der Tat? Tut man das versuchsweise auch hier, dann wird deutlich, dass die USA der gro&szlig;e Nutznie&szlig;er einer Zerst&ouml;rung von Nord Stream sind. Die Gedankeng&auml;nge der US-Administration liegen auf der Hand: Zum einen w&uuml;rden dem russischen Milit&auml;rhaushalt die Milliarden aus dem Gasgesch&auml;ft entzogen und die Wahrscheinlichkeit einer russischen Niederlage auf dem ukrainischen Schlachtfeld erh&ouml;hen. Die Folge hiervon w&auml;re, dass Russland als Konkurrent im strategischen Wettstreit der Gro&szlig;m&auml;chte zur&uuml;ckf&auml;llt.<\/p><p>Daneben spielen &ouml;konomische Interessen eine wichtige Rolle. US-Au&szlig;enminister Tony Blinken r&auml;umte es wenige Tage nach den Sprengungen selbst ein. Er sagte n&auml;mlich, dass die USA nun &bdquo;der f&uuml;hrende Lieferant von LNG-Gas f&uuml;r Europa&ldquo; sind und dass &bdquo;eine enorme Chance besteht, die Abh&auml;ngigkeit Europas von russischer Energie ein f&uuml;r alle Mal zu beenden&ldquo;. Die amerikanischen LNG-Ausfuhren nach Europa sind denn auch seit 2021 von 19 Prozent auf 60 Prozent gestiegen.<\/p><p>Doch im Grunde muss man &uuml;ber die Motive der USA gar nicht spekulieren, denn US-Pr&auml;sident Joe Biden hat am 7. Februar 2022 beim Antrittsbesuch von Bundeskanzler Olaf Scholz Klartext geredet. Er sagte ohne Umschweife, wenn Russland die Ukraine angreife, werde Washington Nord Stream 2 ein Ende bereiten. Auf die Frage einer Journalistin, wie er das anstellen wolle, erwiderte Biden knapp, &bdquo;Ich versichere Ihnen, wir werden dazu in der Lage sein&ldquo;. Der deutsche Kanzler sa&szlig; daneben und grinste. Ob er in Bidens Plan, die Hauptschlagader der deutschen Energieversorgung zu zerst&ouml;ren, eingeweiht war, ist nicht bekannt. Das wirft schwerwiegende Fragen nach der strafrechtlichen Verantwortlichkeit der Genannten auf; bezeichnenderweise wurden diese Fragen von der Bundesanwaltschaft nicht gestellt.<\/p><p>Das alles ist selbstverst&auml;ndlich kein Beweis f&uuml;r die T&auml;terschaft der USA und die Mitwisserschaft von Scholz, aber es begr&uuml;ndet einen schwerwiegenden Verdacht. Andere waren mit ihren Schlussfolgerungen nicht so vorsichtig. Der polnische Ex-Au&szlig;enminister Radek Sikorski kommentierte die Nachricht von der Sprengung der R&ouml;hren lakonisch mit &bdquo;Thank you, America!&ldquo;. Die seinerzeitige britische Regierungschefin Liz Truss belie&szlig; es bei einem trockenen und vielsagenden &bdquo;It&rsquo;s done&ldquo;.<\/p><p>Fazit: Es spricht viel f&uuml;r die Verantwortlichkeit der USA, sei es als T&auml;ter oder Anstifter oder Gehilfe.<\/p><p><strong>Das gro&szlig;e Schweigen<\/strong><\/p><p>Die bundesdeutsche Politik gab sich bedeckt. Der mediale Mainstream, der mit Schuldzuweisungen an die Adresse Russlands sonst immer schnell bei der Hand ist, reagierte mit bemerkenswerter Zur&uuml;ckhaltung. Man beschwor die Unschuldsvermutung und einigte sich auf die Formel, man m&uuml;sse die Ermittlungsergebnisse abwarten. Aber diese lie&szlig;en auf sich warten. Monat f&uuml;r Monat verstrich, bis ein Ereignis wie eine Bombe einschlug.<\/p><p><strong>Hersh-Report: Die Amis waren es<\/strong><\/p><p>Der legend&auml;re amerikanische Investigativjournalist Seymour Hersh (Tr&auml;ger des Pulitzer-Preises, Enth&uuml;ller von US-Kriegsverbrechen im Vietnamkrieg und im Irakkrieg) bezichtigte am 8. Februar 2023 die USA der T&auml;terschaft an dem Sabotageakt. Nach Darstellung von Hersh wollte die US-Regierung verhindern, dass Deutschland im Falle eines Energiemangels die (gesperrten) Pipelines wieder in Betrieb nimmt und damit der Ukraine in den R&uuml;cken f&auml;llt. Deshalb habe die Regierung entschieden, &bdquo;Deutschland frieren [zu] lassen&ldquo;. Hersh untermauerte seinen Tatvorwurf mit Bidens unmissverst&auml;ndlicher Ank&uuml;ndigung einer Zerst&ouml;rung (siehe oben).<\/p><p>Laut Hersh haben US-Marinetaucher unter dem Deckmantel eines NATO-Ostseeman&ouml;vers im Juni 2022 heimlich an den Nord-Stream-Gasleitungen Sprengs&auml;tze angebracht. Diese seien dann mittels einer aus einem norwegischen Aufkl&auml;rungsflugzeug abgeworfenen Funkboje zeitverz&ouml;gert und ferngesteuert gez&uuml;ndet worden. Au&szlig;er Biden seien sein Nationaler Sicherheitsberater Jake Sullivan, Au&szlig;enminister Tony Blinken, Abteilungsleiterin Victoria Nuland und CIA-Direktor William Burns in die Planungen involviert gewesen. Au&szlig;erdem seien D&auml;nemark und Offiziere des NATO-Kandidaten Schweden &uuml;ber die Planungen informiert gewesen. Hersh beruft sich auf eine Quelle &bdquo;mit direkter Kenntnis der operativen Planung&ldquo;, Namen k&ouml;nne er verst&auml;ndlicherweise nicht nennen. Amerikanische und norwegische Stellen wiesen den Hersh-Bericht als Erfindung zur&uuml;ck. Sie werfen Hersh eine Verletzung journalistischer Sorgfaltsstandards vor, weil er sich nur auf eine einzige anonyme Quelle gest&uuml;tzt habe. Westliche Medien &uuml;bten sich zun&auml;chst betroffen in Schweigen.<\/p><p>Ob Hershs Enth&uuml;llung stimmt, wei&szlig; ich nicht. Ich kann jedoch beurteilen, dass sein Bericht faktenreich, detailgenau und in sich schl&uuml;ssig ist, ein starkes Indiz f&uuml;r Glaubhaftigkeit. Da Hersh international hohes Ansehen genie&szlig;t und sich seine fr&uuml;heren Recherchen zu heiklen Themen als belastbar erwiesen haben, gibt es keinen erkennbaren Grund, ihm hier zu misstrauen.<\/p><p>Fazit: Die USA stehen im Verdacht und befinden sich unter massivem Rechtfertigungsdruck.<\/p><p><strong>Neu entfachtes Interesse<\/strong><\/p><p>Herrschte vor dem Hersh-Report monatelanges Schweigen, ging es nun Schlag auf Schlag. Am 21. Februar erstattete Jeffrey D. Sachs, Wirtschaftsprofessor an der Columbia University, vor dem Weltsicherheitsrat ein Gutachten zur Zerst&ouml;rung der Nord-Stream-Pipeline. Er bezeichnete das als einen Akt des internationalen Terrorismus und als Bedrohung des Weltfriedens. Es gebe nur wenige Akteure, die &uuml;ber die technischen Kapazit&auml;ten f&uuml;r eine solche Tat und den notwendigen Zugang zur Ostsee verf&uuml;gten, n&auml;mlich Russland, die Vereinigten Staaten, das Vereinigte K&ouml;nigreich, Polen, Norwegen, Deutschland, D&auml;nemark und Schweden; die Ukraine geh&ouml;re nicht dazu. Es liege in der Verantwortung des UN-Sicherheitsrates, den T&auml;ter ausfindig zu machen und ihn vor die internationale Justiz zu bringen.<\/p><p>Berichten zufolge haben D&auml;nemark, Deutschland und Schweden Untersuchungen zum Anschlag durchgef&uuml;hrt. Ergebnisse wurden jedoch nicht ver&ouml;ffentlicht. Schweden weigerte sich, seine Erkenntnisse mit Russland zu teilen und eine gemeinsame Untersuchung mit D&auml;nemark und Deutschland durchzuf&uuml;hren.<\/p><p>Am 7. M&auml;rz warteten deutsche und US-amerikanische Medien (&bdquo;New York Times&ldquo; und ein Rechercheteam von ARD, SWR und &bdquo;Zeit&ldquo;) mit einer alternativen Tatversion zum Anschlag auf. Die Berichte st&uuml;tzen sich auf anonyme US-Regierungsquellen und auf unbest&auml;tigte Ermittlungen deutscher Beh&ouml;rden. Danach soll eine sechsk&ouml;pfige &bdquo;pro-ukrainische Gruppe&ldquo; f&uuml;r die Tat verantwortlich sein. Das Team &ndash; bestehend aus Kapit&auml;n, einer &Auml;rztin, zwei Tauchern und zwei Tauchassistenten &ndash; habe die Tat mithilfe einer in Rostock gemieteten Segeljacht im Alleingang begangen. Die Jacht geh&ouml;re einer ukrainischen Firma mit Sitz in Polen. Auf dem Schiff seien Spuren von Sprengstoff nachgewiesen worden. Ausdr&uuml;cklich betont wurde, dass es weder Hinweise auf eine Verwicklung des ukrainischen Pr&auml;sidenten Selenskyj und seines engen Umfelds gebe, noch darauf, dass irgendein <em>Staat<\/em> mitgewirkt habe.<\/p><p><strong>Versuch einer Einordnung<\/strong><\/p><p>Beweise haben weder Seymour Hersh noch die Rechercheteams vorgelegt. Es muss also weiter ger&auml;tselt werden. Die Tatsache, dass die Rechercheure selbst einr&auml;umten, dass keine Hinweise auf staatliche Akteure gefunden worden seien, nimmt ihrer Tatversion viel an &Uuml;berzeugungskraft. Denn bisher waren sich die Experten einig, dass der Sabotageakt F&auml;higkeiten voraussetzt, die nur Staaten haben. Es ist deshalb wenig plausibel, dass die angegebene Jachtbesatzung diese F&auml;higkeiten aufwies. Selbst wenn es so w&auml;re, bliebe immer noch die Frage offen, ob bzw. in welchem Auftrag sie gehandelt haben. Deshalb ist die Hersh-Geschichte wesentlich einleuchtender. Irgendwie dr&auml;ngt sich der Verdacht auf, dass die alternative Tatversion vor allem einem Zweck diente &ndash; die unter dringendem Tatverdacht stehende US-Regierung aus dem Feuer zu nehmen. Daf&uuml;r spricht auch die zeitliche Abfolge: zuerst langes eisiges Schweigen und dann punktgenau zum richtigen Zeitpunkt ein durchsichtiges Ablenkungsman&ouml;ver. Befremdlich ist auch, dass in den Medien zwar &uuml;ber die M&ouml;glichkeiten der technischen Durchf&uuml;hrung der Sprengung spekuliert wurde, der sonst &uuml;bliche Hinweis, dass es sich bei der vors&auml;tzlichen Zerst&ouml;rung fremden Eigentums um eine schwere Straftat handelt, unterblieb v&ouml;llig. Der Umstand, dass es den unbekannten T&auml;tern offensichtlich darum ging, Russland schwer zu sch&auml;digen, macht sie nicht zu Helden. Sie sind und bleiben Verbrecher.<\/p><p>Zusammenfassend ist festzustellen, dass wir immer noch im Bereich der Mutma&szlig;ungen sind. Wir w&auml;ren schon weiter, wenn Politik und Medien ihre Aufgabe, auch unbequeme Wahrheiten zu suchen, ernst nehmen w&uuml;rden. Das haben sie unterlassen. Wahrscheinlich f&uuml;rchteten sie, dass durch allzu genaue Recherche am Lack der Guten gekratzt werden m&uuml;sse.<\/p><p>Titelbild: Mikhail Mishunin\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Sie, lieber Leser, liebe Leserin, eine abschlie&szlig;ende Antwort auf die Frage erwarten, wer f&uuml;r die Zerst&ouml;rung der Gaspipelines in der Ostsee verantwortlich ist, dann lesen Sie nicht weiter. Denn diese Frage kann derzeit noch nicht seri&ouml;s beantwortet werden. Aber schon jetzt l&auml;sst sich am Beispiel der Sprengung von Nord Stream 1 und 2 zeigen,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95378\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":95379,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[11,166],"tags":[3291,1460,3260,2076,3227,2608,259,260,1556],"class_list":["post-95378","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-strategien-der-meinungsmache","category-terrorismus","tag-anschlag","tag-biden-joe","tag-feindbild","tag-hersh-seymour","tag-lng","tag-nord-stream","tag-russland","tag-ukraine","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/230323_titel2.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/95378","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=95378"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/95378\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":95388,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/95378\/revisions\/95388"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/95379"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=95378"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=95378"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=95378"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}