{"id":95442,"date":"2023-03-26T14:00:20","date_gmt":"2023-03-26T12:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95442"},"modified":"2023-03-26T15:49:35","modified_gmt":"2023-03-26T13:49:35","slug":"bekenntnisse-eines-feldschreibers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95442","title":{"rendered":"Bekenntnisse eines Feldschreibers"},"content":{"rendered":"<p>Michael A. aus B. &ndash; mehr sag&rsquo; ich nicht. Ich verteidige meine Berufsehre und kann leider nicht behaupten, ich spr&auml;che f&uuml;r meinen ganzen Stand. Ich bin Journalist, d.h.: Ich <em>liebe<\/em> alle Menschen und bin ihnen <em>gut<\/em>. Den im Sumpf politisch unkorrigierter Inhalte versinkenden Mitb&uuml;rgern winde ich Rettungsringe gecheckter Fakten und helfe sie ihnen wohlwollend &uuml;ber &ndash; wie ein leichtes Joch, um sie aus dem Treibsand unbetreuten Denkens heim in den Westen zu f&uuml;hren. Eine Satire von <strong>Michael Andrick<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nF&uuml;r <em>sie<\/em> ziehe ich aus ins Feld der Fakten, den Fake zu finden und dem querschwurbelnden Drachen mit Tatsachen den Garaus zu machen; diese Gesinnung ist meine Qualifikation, mein Anrecht auf Respekt.<\/p><p>Man schm&auml;ht in der <em>Berliner Zeitung<\/em> und anderswo nun den &bdquo;Kampagnenjournalismus&ldquo; etwa des <em>Tagesspiegels<\/em>, des <em>Spiegels<\/em> oder der <em>FAZ<\/em>, der insbesondere danach trachte, Friedensdemonstrant*innen und -ierende zu Extremist*innen und -isierenden zu stempeln. Dem halte ich entgegen: Eine <em>Kampagne<\/em>, das ist wortgeschichtlich ein <em>Feldzug<\/em>. Und wo der Feind erkannt ist, da wird der Feldzug zur Pflicht, aus der sich nur elternlandslose Gesell*innen herauszureden versuchen. <\/p><p>Der Journalistendienst der Liebe &ndash; und hier komme ich zu meinem eigentlichen Thema &ndash; ist nun ein <em>Wehrdienst<\/em> geworden: &bdquo;Der Westen&ldquo;, wo die Sonne untergeht, k&auml;mpft wieder einen edlen Kampf gegen &bdquo;den Osten&ldquo; &ndash; f&uuml;rwahr ein Ringen, bei dem es keine R&uuml;cksicht auf tote M&auml;nner, Frauen und Kinder und zerbombte St&auml;dte geben darf, sondern bei dem wir allein auf das Schicksal <em>unserer<\/em> <em>Werte<\/em> zu sehen haben. <\/p><p>Warum? Weil es nur vordergr&uuml;ndig irgendwelche Menschen sind, die angegriffen werden; <em>unsere Werte<\/em> sind die <em>wahren<\/em> Opfer dieses Krieges. <em>Denn<\/em> &ndash; so frage ich und kenne Ihre Antwort schon &ndash; <em>was w&auml;re eine Welt noch wert, in der Russen und Ukrainer in Wohlstand eintr&auml;chtig zusammenleben &ndash; aber die westlichen Werte h&auml;tten sie nicht?<\/em> Es m&uuml;sste ihnen ergehen wie den &bdquo;Wilden&ldquo;, von denen Rousseau uns berichtet, sie lebten zwar ohne Streit und Mangel wie in <em>einer<\/em> gro&szlig;en Familie zusammen &ndash; &bdquo;Allein was hilft`s?&ldquo;, fragt dieser Weise des Westens: &bdquo;Sie tragen keine Beinkleider!&ldquo;<\/p><p>Unsere Geschichte ist dank dieses untr&uuml;glichen Sinns f&uuml;rs Wesentliche, dank dieser Priorisierung von<em> Werten<\/em> &uuml;ber die banalen Lebensinteressen der Menschen, nicht erst seit Rousseau die Geschichte europ&auml;ischen Ruhms, europ&auml;ischer Herrschaft, ja <em>ruhmreicher<\/em> europ&auml;ischer Herrschaft. Haben wir nicht mit <em>unseren Werten <\/em>der ganzen Welt so lange schon die Prosperit&auml;t weniger auf Kosten aller gesichert? Und dabei &bdquo;den Finanzmarkt&ldquo; stets intakt belassen, f&uuml;r das Gemeinwohl der Absch&ouml;pfer der Wertsch&ouml;pfung &uuml;berall? <\/p><p>Die Strahl- wie Anziehungskraft <em>unserer Werte<\/em> zeigt sich allerorten; hier nur ein Beispiel: unser Freihandel mit den Rohstoffen fast schon schuldenfreier Weltbank-Kolonien. Deren Einwohner bergen f&uuml;r unsere Telefone ihre seltenen Erden frohgemut mit blo&szlig;en H&auml;nden aus der schlammigen Krume &ndash; und &uuml;berlassen sie uns so g&uuml;nstig, weil sie <em>unsere Werte<\/em> ja lieben und einen ersten Vorgeschmack aufs Paradies &bdquo;Werte-Westen&ldquo; gekostet haben: Die in der Werte-EU &uuml;berz&auml;hligen H&uuml;hnerschenkel, die dort billig zu kaufen sind. <\/p><p>W&uuml;rden sie ohne die Verstrahlkraft <em>unserer Werte<\/em> deutsche Gesetze f&uuml;r <em>ihre<\/em> Lieferkette in den Werte-Westen mit solchem Stolz einhalten &ndash; ganz so, wie bei uns Lehrer pflichttreu und mit dem Stolz solidarischer T&auml;terschaft ihre Sch&uuml;ler depressiv maskieren und die unabh&auml;ngigen Richter in Rotten f&uuml;r die Grundrechte aufstehen, sich freitesten und sich wieder ins Plexiglasgeh&auml;use niedersetzen? <\/p><p>Nein, das w&uuml;rden sie nicht. Aber sie wissen eben: Auf den Routen dieses freien Handels freier Menschen weht auch der Wind der Freiheit, markig untermalt vom Pulverduft, den sternenbeflaggte Zerst&ouml;rer verstr&ouml;men, deren Schutz und Schirm &ndash; <em>Sie ahnen es!<\/em> &ndash; unseren Nordseekrabben gilt, die, immer den g&uuml;nstigen L&ouml;hnen nach, schwer&ouml;lgetrieben zum Ausgepultwerden nach Marokko und dann zur&uuml;ck zum Supermarkt nach Wanne-Eickel fahren &ndash; <em>alles<\/em> <em>im Frieden des Imperiums der Freiheit<\/em>, das seine tausend Milit&auml;rbasen &uuml;berall in den Dienst <em>dieser Menschlichkeit<\/em> stellt &ndash; und nicht blo&szlig; irgendwelcher Menschen. <\/p><p>Das ist ein Erbe, f&uuml;r das es sich ins Feld zu ziehen, im Felde zu schreiben und hinter der Front im Hotel sp&auml;rlich mit den Freundestruppen aus dem Land zu leben lohnt. Ohne Schonung von Leib und Leber in der Lobby zu recherchieren, ist nicht leicht, aber man tut es aus Liebe. <\/p><p>Denn der so eingebettete Feldschreiber wei&szlig;: Nur <em>seine Worte<\/em> stehen wie eine Armee tintener Soldaten zwischen der Selbstbehauptung <em>unserer Werte<\/em> und der verfr&uuml;hten Vereitelung dieses gesegneten Krieges durch die Friedensteufelinnen vom Brandenburger Tor und ihr elternlandloses Gefolge von Extremist*innen und Kriegsabtreiber*innen. <\/p><p><strong>Autoreninformation:<\/strong> Michael Andrick ist Philosoph und Publizist. Sein Text &bdquo;War dies m&ouml;glich, so ist alles m&ouml;glich&ldquo; gab den Ansto&szlig; zu einer &bdquo;Corona-Debatte&ldquo; der <em>Berliner Zeitung<\/em>. Aktuell arbeitet er an einem Essay &uuml;ber die politische Kultur, die sich an der extremen Politik der letzten Jahre offenbart hat.<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema: <\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83163\">Satire: Annalena Baerbock: &bdquo;Was k&uuml;mmern mich denn die Ukrainer?&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=93716\">Seymour Hersh ist widerlegt: Die CIA hat dementiert<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89018\">Moskau: &bdquo;Als n&auml;chstes sprengen wir den Kreml in die Luft&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91357\">Reichsb&uuml;rger-Razzien: Zu wenig Personal &ndash; Polizei rekrutiert Journalisten, um Staatsstreich gerade noch abzuwenden!<\/a><\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/b68fe20ee3a14543ab218c5acfef2a52\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael A. aus B. &ndash; mehr sag&rsquo; ich nicht. Ich verteidige meine Berufsehre und kann leider nicht behaupten, ich spr&auml;che f&uuml;r meinen ganzen Stand. Ich bin Journalist, d.h.: Ich <em>liebe<\/em> alle Menschen und bin ihnen <em>gut<\/em>. Den im Sumpf politisch unkorrigierter Inhalte versinkenden Mitb&uuml;rgern winde ich Rettungsringe gecheckter Fakten und helfe sie ihnen wohlwollend &uuml;ber<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95442\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":89019,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[3295,161],"tags":[895,441,1544],"class_list":["post-95442","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachdenksatire","category-wertedebatte","tag-freihandel","tag-freiheit","tag-kampagnenjournalismus"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/NDS-NachDenkSatire-Titelbild-Versal.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/95442","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=95442"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/95442\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":95513,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/95442\/revisions\/95513"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/89019"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=95442"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=95442"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=95442"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}