{"id":95461,"date":"2023-03-26T15:00:59","date_gmt":"2023-03-26T13:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95461"},"modified":"2023-03-26T18:16:46","modified_gmt":"2023-03-26T16:16:46","slug":"proteste-und-lohnforderungen-in-venezuela-soziale-gerechtigkeit-oder-destabilisierungskampagne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95461","title":{"rendered":"Proteste und Lohnforderungen in Venezuela: Soziale Gerechtigkeit oder Destabilisierungskampagne?"},"content":{"rendered":"<p>In Venezuela finden zunehmend Proteste f&uuml;r Lohnerh&ouml;hungen statt, die eine gro&szlig;e Debatte innerhalb der Regierung und des Chavismus ausgel&ouml;st haben. Verschiedene Sektoren der venezolanischen Arbeiterklasse in mehreren Bundesstaaten setzen sich f&uuml;r Lohnforderungen ein, die meisten stehen auf der staatlichen Gehaltsliste. Dies hat zu einer erneuten Belebung der Lohndebatte gef&uuml;hrt, sowohl innerhalb der Regierung als auch unter den breiten Mehrheiten im Land. Die Diskussion dreht sich um die Verbesserung der Einkommen der Arbeiter. Eine kritische Analyse der von einem Teil der Linken vertretenen Positionen. Von <strong>Carlos D&uuml;rich<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Positionen<\/strong><\/p><p>Wie zumindest seit 2020 &uuml;blich, f&uuml;hrt die Debatte zu einem merkw&uuml;rdigen Ph&auml;nomen nicht nur politischer, sondern auch ideologischer Polarisierung. Das hei&szlig;t, der Streit entwickelt sich nicht unbedingt von linken oder rechten Positionen aus, sondern von orthodoxen monetaristischen und eher heterodoxen Positionen her, die jeweils beiden politischen Spektren zuzuordnen sind.<\/p><p>Auf der einen Seite gibt es diejenigen, die behaupten und argumentieren, dass es zumindest vorl&auml;ufig unm&ouml;glich ist, die so sehr ersehnte L&ouml;sung f&uuml;r die L&ouml;hne im &ouml;ffentlichen Sektor zu erreichen. Diese Auffassung verweist auf die imperialistischen Praktiken der Blockade und der Sanktionen als Hauptschuldige f&uuml;r die Mangelsituation, die den Staatseinnahmen schweren Schaden zugef&uuml;gt hat.<\/p><p>Diese Apologeten der Blockade als Ursache der Wirtschaftskrise halten es f&uuml;r selbstverst&auml;ndlich, den G&uuml;rtel enger zu schnallen bis neue Ressourcen generiert werden, die eine angemessene Lohnpolitik erm&ouml;glichen.<\/p><p>Dieselben Verteidiger der gro&szlig;en &ldquo;Mission&rdquo;, mit &ldquo;der Wahrheit&rdquo; zu evangelisieren, warnen auch vor dem schrecklichen Fehler, den es bedeutet, dem Imperium, der Rechten, der CIA, dem Mossad und den niedertr&auml;chtigen Gegenspielern des &ldquo;S&uacute;per Bigote&rdquo; (Comicfigur in einem Zeichentrickfilm, die Nicol&aacute;s Maduro darstellt) in die H&auml;nde zu spielen, indem eine offene und informierte Diskussion und Debatte in den betroffenen Sektoren &uuml;ber die Wirtschaftspolitik bez&uuml;glich der L&ouml;hne der venezolanischen Arbeiter gef&uuml;hrt wird. Denn gem&auml;&szlig; der Philosophie der belagerten Festung ist jede gegenteilige Meinung ein unvorstellbarer Verrat.<\/p><p>Wir meinen, dass wir aus Respekt vor den grundlegendsten Prinzipien der Solidarit&auml;t mit den Arbeitern nicht in die Falle der Erpressung, der Zustimmung und der Anbiederung an offizielle Versionen tappen d&uuml;rfen. Daf&uuml;r fordern wir die R&uuml;ckkehr zu den Prinzipien des Protagonismus und der demokratischen Beteiligung an der Gestaltung der Politik. Ein Prinzip, das uns die bolivarische Bewegung eingeimpft hat.<\/p><p>Wir, die der Meinung sind, dass der Klassenkampf kein M&auml;rchen ist, sondern das offensichtlichste Element unseres t&auml;glichen Lebens, und die wir die Kosten des &ldquo;&ouml;konomischen Friedens&rdquo; (Pax econ&oacute;mica) kennen, weil wir ihn erleben und erleiden, sind verpflichtet, unsere Stimme zu erheben. Nicht aus demagogischen Gr&uuml;nden, wie manche behaupten, sondern aufgrund der Tatsachen selbst, oder wie einer der Verfechter der Finanzwahrheit sagt, &ldquo;aufgrund der konkreten Analyse der konkreten Realit&auml;t&rdquo;.<\/p><p><strong>Klare Abmachungen erhalten die Freundschaft<\/strong><\/p><p>Wie so oft stellen die Wahrheitsspekulanten ihre Behauptungen auf, ohne Fakten zu pr&auml;sentieren. Sie nehmen nur technokratische und opportunistische Positionen ein. Das zeigt, wie d&uuml;nn ihre Beweise sind.<\/p><p>Was uns betrifft, so wollen wir das Thema ernster nehmen. Dazu werden wir auf offizielle Daten zu einigen wirtschaftlichen Aspekten zur&uuml;ckgreifen, die wir in Bezug auf die Lohndebatte f&uuml;r wichtig halten. Sei es aus dem Jahresbericht und der Bilanz, die der Pr&auml;sident [Nicol&aacute;s Maduro] in seinem Rechenschaftsbericht 2022 in der Nationalversammlung vorgestellt hat, sowie aus einigen Statistiken der venezolanischen Zentralbank (BCV) und des venezolanischen Industriellenverbandes (Conindustria).<\/p><p>Als erstes m&ouml;chten wir feststellen, dass wir den durch die Blockade verursachten Schaden f&uuml;r die Staatskasse voll und ganz anerkennen. Wir leugnen nicht die mehr als 230 Milliarden US-Dollar an Verlusten, die die Blockade f&uuml;r [den staatlichen &Ouml;lkonzern] PDVSA verursacht hat, oder die mehr als 20 Milliarden Dollar an Verm&ouml;genswerten, die auf verschiedenen internationalen Konten und Fonds der Republik eingefroren sind. Deshalb setzen wir uns mit Nachdruck f&uuml;r die Forderung nach einem Ende der Blockade und die bedingungslose R&uuml;ckgabe der eingefrorenen Verm&ouml;genswerte ein.<\/p><p>Diese anklagende Haltung bleibt jedoch ohne ein gewisses Ma&szlig; an Widerstand und Offensive wirkungslos gegen&uuml;ber der Realit&auml;t. In diesem Fall muss man zun&auml;chst die immensen Anstrengungen anerkennen, die die Regierung unternommen hat, um die Handelsschranken f&uuml;r unser Hauptexportgut &Ouml;l zu &uuml;berwinden.<\/p><p>Daher muss man auch anerkennen, dass die &Ouml;leinnahmen im Jahr 2022 fast sechsmal h&ouml;her waren als im Jahr 2020. In jenem Jahr tiefer Verzweiflung wurden nur 743 Millionen Dollar f&uuml;r die Vermarktung von Kohlenwasserstoffen verzeichnet. Im Jahr 2022 dagegen waren die Einnahmen mit &uuml;ber 4,7 Milliarden Dollar fast genauso hoch wie im Jahr 2018.<\/p><p>Diese letzte Zahl ist wirklich bemerkenswert, denn Ende 2018 lag der Mindestlohn bei 28 Dollar und Ende 2022 bei sieben Dollar. Ob das wohl daran liegt, dass die Ressourcen auf andere Weise genutzt werden?<\/p><p>Andererseits haben sich die Bem&uuml;hungen des Staates um h&ouml;here Steuereinnahmen ebenfalls ausgezahlt. Im Jahr 2022 kamen die Steuereinnahmen auf 4,744 Milliarden Dollar und verdreifachten sich damit fast gegen&uuml;ber dem Jahr 2020, als sie nur 1,571 Milliarden Dollar ausmachten. Merkw&uuml;rdigerweise lag der Mindestlohn im Januar 2020 bei 6,7 Dollar, jetzt sind es sieben, obwohl die Einnahmen des Staates in beiden Jahren sehr unterschiedlich ausfielen.<\/p><p>Diese Daten verdienen zumindest einen Aufruf zur Aufmerksamkeit und eine Vertiefung und Untermauerung der von den Predigern der Wahrheit aufgestellten Hypothese des Mangels an Ressourcen. Hier w&auml;re es auch angebracht, mehr Informationen &uuml;ber die in die Republik eingebrachten Mittel aus dem Verkauf von Edelmetallen aus dem &ldquo;Arco Minero&rdquo; zu verlangen, die im Rechenschaftsbericht f&uuml;r 2022 nicht eindeutig ausgewiesen sind.<\/p><p>Ebenso fehlen in dem Rechenschaftsbericht Angaben zu den Ertr&auml;gen aus den zahlreichen Vereinbarungen, die im Rahmen des &ldquo;Anti-Blockade-Verfassungsgesetzes f&uuml;r die nationale Entwicklung und die Gew&auml;hrleistung der Menschenrechte&rdquo; gemacht wurden. In Artikel 18 dieses Gesetzes hei&szlig;t es: &ldquo;Die zus&auml;tzlichen Einnahmen, die durch die Anwendung der Bestimmungen dieses Verfassungsgesetzes entstehen, werden nach Abzug von Kosten, Ausgaben, Investitionen und Mitteln f&uuml;r die Verwaltung von Verbindlichkeiten gesondert als Teil der liquiden Mittel der Staatskasse verbucht&rdquo;.<\/p><p>Dies w&uuml;rde eine besondere finanzielle Aufschl&uuml;sselung erforderlich machen. Wir betonen die Verantwortung der Exekutive, Instanzen zu schaffen, welche die Daten &uuml;ber die rechtlichen Mechanismen, die in den verschiedenen von der Republik im Rahmen dieses Gesetzes unterzeichneten Vereinbarungen verwendet werden, sowie &uuml;ber die Einnahmen, die der Staat dank dieser Vereinbarungen erhalten hat, offenlegen. Solche Instanzen gibt es derzeit nicht.<\/p><p><strong>Einige wichtige theoretische Aspekte<\/strong><\/p><p>Im Rahmen der Ziele f&uuml;r 2023 hat der Pr&auml;sident die Notwendigkeit betont, die wirtschaftliche Ungleichheit zu bek&auml;mpfen. Eine Ungleichheit, die nach den Worten Maduros auch durch die Blockade und den Wirtschaftskrieg verursacht wird. Letzterer ist eng mit dem Lohnsystem und der Einkommensdynamik verbunden.<\/p><p>Per Definition bedeutet die Ungleichheit im wirtschaftlichen Bereich eine ungleiche Teilhabe an der Verteilung des Profits oder des Reichtums. Damit einher geht eine ungleiche F&auml;higkeit zur Erzielung von Rentabilit&auml;t, die im Prozess der Zirkulation und Verwertung dem Kapital gegen&uuml;ber der Arbeit zugutekommt. Kurz gesagt handelt es sich um einen Akt der Ausbeutung im produktiven Bereich, der eine st&auml;rkere Beteiligung von konstantem (Maschinen, Kapital, Technologie usw.) als von variablem Kapital (L&ouml;hne) mit sich bringt.<\/p><p>Alle oben genannten Dynamiken sind &uuml;berdeterminiert, daher k&ouml;nnen sie ihre sich wiederholende Dynamik der Erzeugung von Ungleichheit nicht aufgeben. Man kann sich nicht einfach auf den Markt, auf die Pl&auml;ne eines versorgenden Gottes oder auf die selbstgef&auml;llige Zustimmung einer revolution&auml;ren Bourgeoisie verlassen, um die Ungleichheit abzubauen. Es handelt sich um Klassenkampf, und folglich kann auch nur ein Klassenkampf diese Dynamik durchbrechen.<\/p><p>In diesem Rahmen gibt es zwei Handlungsm&ouml;glichkeiten. Die erste ist die Aneignung der Produktionsmittel durch das Proletariat. Die zweite ist die Nutzung der Mechanismen des b&uuml;rgerlich-liberalen Staates, um einen indirekten oder konjunkturellen Kampf gegen die Ungleichheit zu f&uuml;hren. Da wir nicht als linke Spinner, radikal, desorientiert oder unpragmatisch abgestempelt werden wollen, werden wir uns nicht mit der ersten M&ouml;glichkeit aufhalten, sondern uns mit der zweiten befassen und dabei die j&uuml;ngst entbrannte Liebe einiger f&uuml;hrender Politiker zum b&uuml;rgerlich-liberalen oder Wohlfahrtsstaat nutzen.<\/p><p>Die Staaten (einschlie&szlig;lich des venezolanischen) verf&uuml;gen &uuml;ber einige Instrumente zur Bek&auml;mpfung der Ungleichheit. Die g&auml;ngigsten sind die Steuern oder Steuer- und Abgabenpolitiken (im Makro&ouml;konomieunterricht wird dies mit dem wohlklingenden Namen &ldquo;Einkommenstheorie&rdquo; bezeichnet). Diese Politiken k&ouml;nnen progressiv sein. Das&nbsp;bedeutet, dass der Staat durch die Besteuerung der reicheren Sektoren mehr Steuereinnahmen generiert, um sie an die am meisten benachteiligten Sektoren zu verteilen. An dieser Stelle bekr&auml;ftigen wir den vorherigen Gedanken, dass diese Mechanismen indirekt oder konjunkturell gegen die Ungleichheit wirken, aber nicht deren strukturelle Beseitigung garantieren.<\/p><p>Eine progressive Verteilung kann direkt erfolgen, durch Lohnzahlungen oder Pr&auml;mien, oder indirekt durch soziale Investitionen in Gesundheit, Bildung, Wohnraum usw.<\/p><p>Andererseits k&ouml;nnen auch regressive Ma&szlig;nahmen ergriffen werden. Das hei&szlig;t, solche, die weniger oder keine Steuern von den wohlhabenderen Bev&ouml;lkerungsschichten erheben, oder solche, die die Sozialausgaben reduzieren.<\/p><p>Zu bedenken ist, dass je gr&ouml;&szlig;er die Ungleichheit in einer Gesellschaft ist, eine progressive Steuerpolitik umso notwendiger wird. Nicht nur aus moralischer Verpflichtung, sondern es ist auch (Unternehmer aufgepasst!) eine strategische Wirtschaftsfrage. Eine sehr ungleiche Einkommensverteilung l&auml;sst die progressive Angleichung der Produktivit&auml;tsindizes der verschiedenen Wirtschaftssektoren, die eine Begleiterscheinung der wirtschaftlichen Entwicklung ist, nicht zu. Oder um es in marxistischen Begriffen auszudr&uuml;cken: Der Produktionsprozess braucht den Konsum, um den Verwertungsprozess in Gang zu setzen.<\/p><p>Abgesehen von der Moral also, die dem Umverteilungsprinzip innewohnt, gibt es ernsthafte strukturelle Gr&uuml;nde innerhalb der Marktwirtschaft, um eine progressive Steuerpolitik zu betreiben.<\/p><p>Diese Vorbemerkung zum Problem der Ungleichheit ist durchaus verdienstvoll. Denn die Lohnkontroverse muss sich in mehr oder weniger starkem Ma&szlig;e auch auf das Problem der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums erstrecken.<\/p><p>Ein Beleg f&uuml;r das regressive Problem unserer Steuerpolitik ist, dass durchschnittlich 50 Prozent der Steuereinnahmen &uuml;ber die Mehrwertsteuer und weniger als 30 Prozent&nbsp;&uuml;ber die Einkommensteuer eingenommen werden. Hinzu kommt die gro&szlig;e Zahl von Z&ouml;llen und Steuern, die dem Privatsektor in den letzten Jahren erlassen wurden. Dies scheint &uuml;ber das Lohnproblem hinauszugehen, aber ich werde im Folgenden zeigen, dass es Teil desselben ist.<\/p><p>In Artikel 96 des Arbeitsgesetzes mit Verfassungsrang hei&szlig;t es: &ldquo;Der Reichtum ist ein soziales Produkt, das in erster Linie von den Arbeitern und Arbeiterinnen im sozialen Prozess der Arbeit geschaffen wird. Seine gerechte Verteilung muss ein menschenw&uuml;rdiges Leben mit der Familie garantieren&nbsp;und die materiellen, sozialen und intellektuellen Bed&uuml;rfnisse decken&rdquo;. Unter gerechter Umverteilung ist hier nicht nur der Nominallohn zu verstehen, sondern auch die vom Staat erbrachten sozialen Garantien, wie Gesundheit, Bildung und andere. Es ist wahrscheinlich, dass ein aufrichtiger Freund jetzt von seinem Stuhl aufspringt und uns vorwirft, wir seien Demagogen, weil wir soziale Garantien fordern, die nicht finanzierbar sind.<\/p><p>In diesem Fall m&uuml;sste man auch den Pr&auml;sidenten der venezolanischen Nationalversammlung, Jorge Rodr&iacute;guez, der Demagogie bezichtigen, wenn er sagt, dass sich mit etwas mehr als drei Milliarden Dollar (viel weniger als die Steuereinnahmen des Jahres 2022) 2.300 Schulen im ganzen Land wiederherstellen lie&szlig;en, der gesamte Impfplan f&uuml;r all unsere Kinder im Land erf&uuml;llt w&uuml;rde und Medikamente f&uuml;r die Versorgung von 60.000 Krebs-, HIV- und Aids-Patienten zu beschaffen w&auml;ren, dazu noch das gesamte Strahlentherapiesystem auf nationaler Ebene, elf Blutbanken, sowie alle Entbindungs- und Kinderkrankenh&auml;user wiederhergestellt und die Erh&ouml;hung der Stromerzeugung um 465 Megawatt bewerkstelligt werden k&ouml;nnten.<\/p><p>Es sieht zwar wie ein Wahlkampf-Flyer aus, es geht aber um die vorgeschlagenen Ziele f&uuml;r die Investition der 3,3 Milliarden Dollar, die nach dem Dialog zwischen der Opposition und der Regierungspartei in Mexiko&nbsp;<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2022\/11\/261331\/vneezuela-regierung-opposition-abkommen\">wiedererlangt<\/a>&nbsp;werden konnten. Aber man fragt sich, wenn all dies mit 3,3 Milliarden Dollar getan werden kann, was kann man dann erst mit mehr als 4,7 Milliarden Dollar machen?<\/p><p><strong>Dem Beispiel folgen, das die Unternehmer gegeben haben<\/strong><\/p><p>Man w&uuml;rde erwarten, dass eine regressive Steuer- und Fiskalpolitik zu einer aktiveren Beteiligung des privaten Unternehmenssektors an der wirtschaftlichen Dynamik des Landes f&uuml;hrt. Letztendlich br&auml;uchte unsere Bourgeoisie doch nur einen kleinen Ansto&szlig; vom Staat, um revolution&auml;r und patriotisch zu werden, oder nicht?<\/p><p>Die Wahrheit ist, dass dies nicht der Fall ist. Nach den von Conindustria herausgegebenen Daten best&auml;tigten Ende 2022 63 Prozent der Industrieunternehmen, dass sie ihre Ums&auml;tze zwischen dem dritten Quartal 2021 und dem dritten Quartal 2022 gesteigert haben. Mehr als 54 Prozent der Unternehmen best&auml;tigten jedoch auch, ihre Investitionen nicht erh&ouml;ht, und fast 23 Prozent gaben sogar zu, sie <a href=\"https:\/\/www.conindustria.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Presentacion-EC-ITRI-2022-V1105.pdf\">gesenkt<\/a> zu haben. <\/p><p>Au&szlig;erdem gestanden 68 Prozent der Unternehmen ein, die Zahl der Besch&auml;ftigten in ihren Produktionsbetrieben nicht erh&ouml;ht und zehn Prozent, ihre Belegschaft sogar reduziert zu haben.<\/p><p>Dieser Studie zufolge verzeichnete der Privatsektor in den ersten neun Monaten des Jahres schlie&szlig;lich sogar einen Preisanstieg seiner Produkte von rund 120 Prozent, w&auml;hrend die L&ouml;hne im gleichen Zeitraum trotzdem nur um 32 Prozent stiegen. <\/p><p>Das hei&szlig;t, die venezolanischen Unternehmer wollen trotz steigender Ums&auml;tze nicht investieren, sie schaffen trotz ihrer Gewinne keine Arbeitspl&auml;tze, sie verteuern vielmehr ihre Produkte und zahlen real schlechtere L&ouml;hne.<\/p><p>Obwohl die Einkommen des privaten Unternehmenssektors besser sind als die des Staatssektors, zeigen die Belege, dass sie bei den Produktionskosten sogar weit hinter ihrem eigenen Industriesektor zur&uuml;ckbleiben. Der Industriearbeiter lieferte am Ende einen gr&ouml;&szlig;eren Mehrwert als zuvor und das in vielerlei Hinsicht zu schlechteren Bedingungen.<\/p><p><strong>Was also ist zu tun?<\/strong><\/p><p>Lenin empfahl stets, zun&auml;chst zu ermitteln, welche Dynamik der Kr&auml;fte besteht, welche Subjekte sich mobilisieren und welche Widerspr&uuml;che sich manifestieren. Es ist offensichtlich, dass dieser neue &ldquo;&ouml;konomische Frieden&rdquo; durch die kontinuierliche &Uuml;bergabe der Macht an die Unternehmerschaft aufrechterhalten wird, entweder durch bessere Akkumulationsbedingungen oder durch das Verschwinden jeglicher Art von Beschr&auml;nkungen f&uuml;r ihre Gesch&auml;fte.<\/p><p>Auf diese Art und Weise ist es dazu gekommen, dass der Staat selbst seine eigenen Arbeitsnormen verletzt. Dies macht es&nbsp;plausibel, dass die Konflikte zwischen der venezolanischen Arbeiterschaft und der neuen technokratischen Unternehmerklasse, die die Finanzen des Landes verwaltet, zunehmen.<\/p><p>Das mobilisierte Subjekt ist der Arbeiter im staatlichen Sektor, aber er kann auch den Arbeiter des privaten Sektors mitrei&szlig;en, weil beide ausgebeutet werden, trotz des unterschiedlichen Einkommens. Sie k&ouml;nnen unterschiedliche L&ouml;hne verdienen, aber Elend und Ungleichheit verbinden sie miteinander.<\/p><p>Viele Genossinnen und Genossen sind&nbsp;<a href=\"https:\/\/tatuytv.org\/venezuela-una-nueva-etapa-en-la-lucha-social\/\">besorgt<\/a>&nbsp;&uuml;ber die sehr reale M&ouml;glichkeit, dass die Rechte Kapital schl&auml;gt aus dem ehrlichen Kampf der Arbeiter f&uuml;r ihre Forderungen. Man k&ouml;nnte jedoch folgende Frage stellen: Was tut die Linke angesichts der Mobilisierungen? Schafft sie Politisierung oder gar eine Politik zur Kanalisierung der Unzufriedenheit? Zumindest in weiten Teilen der Regierungslinken bestand die Reaktion in vielerlei Hinsicht einfach darin, den Protest zu kriminalisieren oder den Kampf zu ignorieren.<\/p><p>Wenn die Rechte aus der Unzufriedenheit der Arbeiter Kapital schl&auml;gt, dann nicht unbedingt, weil sie eine gro&szlig; angelegte Verschw&ouml;rung betreibt, sondern einfach, weil wir nicht in der Lage sind, die Forderungen des Volkes in dringenden Momenten zu begleiten.<\/p><p>Wenn wir nicht verstehen, was Rosa Luxemburg treffend sagte, dass angesichts von Verwirrung und Orientierungslosigkeit, politische K&uuml;hnheit die einzige Antwort ist; wenn wir dieses Prinzip nicht begreifen, sind wir dazu verurteilt, von den Widerspr&uuml;chen dieser Zeit zerrissen zu werden und nicht von der Wirkungskraft der Rechten.<\/p><p>Dieser Artikel hat die Absicht, Elemente der Analyse zu liefern, die im Rahmen der Lohndebatte zu reflektieren sind, von der Dynamik und Transparenz, mit der die Finanzdaten des Landes gehandhabt werden, bis hin zur Art der neuen Finanzstrategien der Exekutive. Alles im Rahmen der Revolution, immer von der notwendigen fundierten Kritik ausgehend und mit dem Gebot, den Opportunismus zu entlarven. Es besteht kein Zweifel, dass wir die Mobilisierungen und ihre Forderungen unterst&uuml;tzen m&uuml;ssen, immer unter der Pr&auml;misse, die Arbeiterk&auml;mpfe f&uuml;r die gerechte Umverteilung des Reichtums zu begleiten.<\/p><p>Der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=LiMJLpbY15Q&amp;list=PLYUxslawumCtiVhQHs9XaL1Xs-DGgr82F\">Kampf<\/a>&nbsp;f&uuml;r einen w&uuml;rdigen Lohn ist mehr als ein Kampf. Er ist die wesentliche Voraussetzung f&uuml;r die Aufrechterhaltung des Modells eines Landes, eine Voraussetzung f&uuml;r den Wiederaufbau oder die Vertiefung einer echten Revolution auf demokratischen Grundlagen im wirtschaftlichen und sozialen. Wie Ch&aacute;vez selbst betonte, als er am 30. April 2012 das Dekret &uuml;ber das Arbeitsgesetz (Ley Org&aacute;nica del Trabajo, los Trabajadores y las Trabajadoras,&nbsp;<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/nachrichten\/2012\/05\/51925\/arbeitsgesetz-venezuela\">Lott<\/a>) unterzeichnete : &ldquo;Keine Errungenschaft der Arbeiterinnen und Arbeiter ist ohne einen langen Prozess des Widerstands, des Kampfes und sogar des Leidens erreicht worden&rdquo;.<\/p><p>&Uuml;bersetzung: Klaus E. Lehmann, <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/263205\/venezuela-kaempfe-fuer-bessere-loehne\">Amerika21<\/a><\/p><p>Titelbild: Shutterstock \/ JBula_62<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92739\">Stimmen aus Lateinamerika: Die Einmischung der USA geht unvermindert weiter<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91106\">&ldquo;Die Klassenidentit&auml;t ist entscheidend, um so ziemlich alles in Venezuela zu verstehen&rdquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92786\">Wie blickt die lateinamerikanische Linke auf den Krieg in der Ukraine?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90265\">Venezuela: Der aufsteigende Pfad der Revolte<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/82acc57eec644b14b63caf9b74aca922\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Venezuela finden zunehmend Proteste f&uuml;r Lohnerh&ouml;hungen statt, die eine gro&szlig;e Debatte innerhalb der Regierung und des Chavismus ausgel&ouml;st haben. 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