{"id":95657,"date":"2023-03-30T09:32:28","date_gmt":"2023-03-30T07:32:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95657"},"modified":"2023-03-30T16:42:56","modified_gmt":"2023-03-30T14:42:56","slug":"ein-neuer-kampfbegriff-polarisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95657","title":{"rendered":"Ein neuer Kampfbegriff (?): \u201ePolarisierung\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wie bereits Jugendliche indoktriniert werden, zeigt beispielhaft ein aktuelles Sch&uuml;ler-F&ouml;rderprogramm, von dem ich als Mutter Kenntnis bekommen habe: Nur gem&auml;&szlig;igte Meinungen sind demnach &bdquo;gut&ldquo; f&uuml;r die Gesellschaft, &bdquo;gef&auml;hrlichen Extremen&ldquo; m&uuml;sse vorgebeugt werden<strong>. <\/strong>Ein Erfahrungsbericht und Schlussfolgerungen f&uuml;r die St&auml;rkung der mentalen Souver&auml;nit&auml;t von <strong>A. Wolf<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7920\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-95657-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230330-Neuer-Kampfbegriff-Polarisierung-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230330-Neuer-Kampfbegriff-Polarisierung-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230330-Neuer-Kampfbegriff-Polarisierung-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230330-Neuer-Kampfbegriff-Polarisierung-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=95657-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230330-Neuer-Kampfbegriff-Polarisierung-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230330-Neuer-Kampfbegriff-Polarisierung-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Zuweilen finde ich es anregend und lehrreich, mich aufmerksam umzublicken und Manipulation festzustellen &ndash; um zu reflektieren, was ich mit den Begriffen verbinde, wie Meinungsbildung vonstatten geht und um (auch mich selbst) zu hinterfragen und mich anschlie&szlig;end umso klarer zu verorten. Ich habe den Eindruck, dazu mit dem n&ouml;tigen R&uuml;stzeug ausgestattet zu sein, ganz zu schweigen davon, dass ich das &bdquo;Spiel&ldquo; aus einer nicht-involvierenden Distanz betrachten kann. Etwas v&ouml;llig anderes ist es, als Kind inmitten von Manipulation aufzuwachsen, insbesondere, wenn diese von Vertrauenspersonen ausgeht oder in den Alltag ma&szlig;geblich pr&auml;genden Institutionen wie der Schule stattfindet. Durch das Vorleben von Modellen und die stetige Wiederholung von Themen in vielf&auml;ltigen Kontexten werden normierte Vorstellungswelten (davon, was &bdquo;richtig&ldquo; ist) vermittelt. Erleben die Heranwachsenden keine Alternativen, werden sie diese sehr wahrscheinlich unkritisch integrieren und so unbewusst &uuml;bernehmen.<\/p><p>Vor einigen Wochen erhielt ich als Mutter eines intellektuell sehr begabten Kindes ein Informationsschreiben. Darin wurde im Rahmen eines au&szlig;erschulischen Sch&uuml;ler-F&ouml;rderprogramms (unterst&uuml;tzt von Bildungsministerien) ein interdisziplin&auml;rer Kurs beworben zum Thema &bdquo;Polarisierung&ldquo;. Ich war neugierig, hier ein Thema zu finden, welches die Autoren in den Fachbereichen Politik- und Kommunikationswissenschaften, Psychologie und Soziologie verorten &ndash; und war schockiert &uuml;ber die Vorstellungen und die Absicht, die sich mir in der Kursbeschreibung vermittelten. Aber: Jede Erfahrung kann konstruktiv genutzt werden. Und so haben mich dieses &bdquo;pars pro toto&ldquo;-Beispiel f&uuml;r die Indoktrination junger Menschen und die &bdquo;sch&ouml;ne neue Vorstellungswelt&ldquo; zum Schreiben dieses Artikels bewegt.<\/p><p>Zun&auml;chst wird in den ersten S&auml;tzen eine neutrale Definition des Begriffs versucht: Polarisierung sei ein Prozess, bei dem sich Unterschiede herauskristallisieren (wobei mir diese Definition nicht im Kern treffend scheint &ndash; bedeuten Unterschiede allein doch noch keine Polarisierung). Auf unsere Gesellschaft bezogen wird festgestellt, dass es in dieser verschiedene Meinungen und Parteien gibt, wodurch es zu einem vielf&auml;ltigen und dynamischen Miteinander komme. Die Neutralit&auml;t wird gleich darauf aufgegeben, indem zun&auml;chst eine Wertung in die Frage gekleidet wird, ab welchem Punkt dies zu einem Problem oder sogar zur Gefahr werden k&ouml;nne, und dann in der Aussage gipfelt, dass es kritisch werde, &bdquo;sobald Extreme &uuml;berwiegen und das Gleichgewicht ins Schwanken ger&auml;t&ldquo;.<\/p><p>Welche Botschaft wird hier vermittelt? Nur gem&auml;&szlig;igte Meinungen sind &bdquo;gut&ldquo; f&uuml;r die Gesellschaft, &bdquo;Extremen&ldquo; muss vorgebeugt werden, sie sind zu verhindern, ergo: zu bek&auml;mpfen. Aber: Wenn von &bdquo;gef&auml;hrlichen Extremen&ldquo; die Rede ist, muss es einen Bezugsrahmen geben. Wer bestimmt diesen? Wer legt den Referenzpunkt einer &bdquo;gem&auml;&szlig;igten Meinung&ldquo; fest? Und: Inwieweit ist das Vorhandensein &bdquo;extremer Meinungen&ldquo; gef&auml;hrlich? Warum? Was ist eigentlich gemeint: bedeutet &bdquo;extrem&ldquo; &bdquo;maximal unterschiedlich&ldquo; oder die Opposition zu einer (erw&uuml;nschten) Referenzmeinung? Ist damit gemeint, Opposition (zu wem und zu was?) sei per se gef&auml;hrlich? Finden die Autoren schon die Existenz unterschiedlicher oder gegens&auml;tzlicher Meinungen unertr&auml;glich?<\/p><p>Ich m&ouml;chte zur Verdeutlichung ein Beispiel anf&uuml;hren: zwei gegens&auml;tzliche Meinungen bez&uuml;glich der Farbe Blau (&bdquo;Blau ist die sch&ouml;nste Farbe&ldquo; versus &bdquo;Blau ist die schrecklichste Farbe&ldquo;). Wo ist das Problem? Ich dachte immer, Meinungsvielfalt bedeute, jedem seine individuelle Meinung zuzugestehen. Ich muss die Meinung eines anderen nicht teilen. Sie verletzt mich nicht. Ihre Existenz tut mir keine Gewalt an, solange daraus nicht eine aggressive Handlung gegen mich abgeleitet wird. Eine solche w&auml;re, um bei dem Beispiel zu bleiben, die Farbe Blau zu verbieten oder, diese Farbe allem aufzuzwingen, oder Menschen auszuschlie&szlig;en (oder gar zu bek&auml;mpfen), welche sich zu dieser Farbe bekennen. Wenn ich mich NICHT egozentrisch zum Ma&szlig;stab aller Dinge erkl&auml;re, dann kann ich einen anderen individuellen, m&ouml;glicherweise sogar entgegengesetzten Standpunkt wahrnehmen und ertragen, ohne ihn als Angriff auf mein Sein zu verstehen. Das setzt voraus, meine eigene Individualit&auml;t und Subjektivit&auml;t sowie die Gleichwertigkeit der Menschen UND ihre Verschiedenartigkeit anzuerkennen. Diese Verschiedenartigkeit bezieht sich eben nicht nur auf Geschlecht, Herkunft und &Auml;u&szlig;erlichkeiten, sondern auf alles, was zum Menschen geh&ouml;rt, also explizit auch alles Psychische, seine geistige, innere Erlebens- und Vorstellungswelt. Dagegen stellt eine verordnete Verengung des Meinungskorridors einen Akt der Gewalt dar: Nicht ich, sondern ein anderer setzt mir den Rahmen und urteilt mich ab, verbietet &ndash; agiert, wo vorher kein Agieren war.<\/p><p>Noch einmal zur&uuml;ck zum &bdquo;Ansto&szlig;&ldquo; dieser Reflexion. Der Terminus &bdquo;Polarisierung&ldquo; war in meiner Wahrnehmung bislang neutral. Tats&auml;chlich war er im Psychologiestudium kein Thema. Um sicherzugehen, hier keinen &bdquo;blinden Fleck&ldquo; zu &uuml;bersehen, habe ich meine alten Sozialpsychologie-Unterlagen hervorgeholt: Fehlanzeige. Als Beispiel kann das Lehrbuch &bdquo;Sozialpsychologie&ldquo; von Aronson, Wilson und Akert (Ausgabe von 2008) dienen. So taucht dort der Begriff im Stichwortverzeichnis nicht auf (an der entsprechenden Stelle folgt auf &bdquo;pluralistische Ignoranz&ldquo; gleich &bdquo;politische Konkurrenz&ldquo;).<\/p><p>Und nein, meine Kritik ist keine hysterische Spitzfindigkeit. Als Psychologin wei&szlig; ich: Sprache vermittelt Vorstellung, sie erzeugt Bilder und Gedanken, erschafft und begrenzt (siehe dazu auch das Forschungsfeld NLP &ndash; Neurolinguistische Programmierung). Eine solche Formulierung transportiert Information, eine Vorstellung. Das an solcher Stelle zu lesen, autorisiert von Bildungsministerien, ist keine Kleinigkeit. Dieser Kurs richtet sich an Heranwachsende. Sie sollen das Thema Polarisierung unter Anleitung erarbeiten, wobei klar ein Rahmen gesetzt wird (Stichwort: Framing).<\/p><p>Kritisch betrachtet verstehe ich die Ausf&uuml;hrungen als Ausdruck der Vorstellung, nur eine &bdquo;gem&auml;&szlig;igte&ldquo;, von offizieller Seite (Staat und Medien) als Richtwert definierte propagierte &bdquo;Meinung&ldquo; sei zul&auml;ssig. Meinungsvielfalt (!) ist (nur) gut, solange sich diese in ebenjenem festgesteckten Korridor bewegt. Dieser ist eng, denn: &bdquo;Extreme&ldquo; (Meinungen) bedeuten eine Gefahr (&bdquo;Spaltung der Gesellschaft&ldquo;&hellip;).<\/p><p>Ich bin erschrocken dar&uuml;ber, wie sehr diese &bdquo;neue&ldquo; Denkweise in der Bildungslandschaft und in den K&ouml;pfen angekommen ist. Ist es nur Selbstzensur oder handelt es sich um eine absichtliche Neubesetzung eines (zuvor unbedeutenden) Themas? Wird hier (bewusst oder unbewusst) ein Instrument geschaffen, um ein &bdquo;neues&ldquo; Demokratieverst&auml;ndnis zu implementieren, welches das &bdquo;alte&ldquo; pervertiert? Wird damit ein Werkzeug geschaffen f&uuml;r die Begr&uuml;ndung von Gegenma&szlig;nahmen? Spontan f&uuml;hle ich mich an die Argumentation f&uuml;r ein Auftrittsverbot von Daniele Ganser erinnert.<\/p><p><strong>Eine andere Position<\/strong><\/p><p>F&uuml;r mich ist Meinungsvielfalt ein hohes Gut, ebenso Meinungsfreiheit. Beides bedingt einander. In meiner Wahrnehmung f&ouml;rdert es die Demokratiekompetenz (Demokratie im alten Sinne), wenn wir uns bewusst machen, dass Urteile immer subjektiv sind, dass alle Menschen unterschiedlich (n&auml;mlich von ihrem einzigartigen Standpunkt aus) auf die Welt blicken, und dass dies gut und nat&uuml;rlich ist. Nur im wertsch&auml;tzenden, respektvollen Austausch, im Erm&ouml;glichen der Existenz des anderen, im Zuh&ouml;ren liegt die M&ouml;glichkeit zu einer Weiterentwicklung, zu Kreativit&auml;t fern von einem &bdquo;alles weiter wie bisher&ldquo;. Menschen wie Galileo Galilei, Martin Luther oder Mahatma Gandhi vertraten f&uuml;r ihre Zeit eine &bdquo;extreme Meinung&ldquo;. Heute profitieren wir davon, dass ihre Ideen &uuml;berlebt haben, und verurteilen r&uuml;ckblickend die kirchliche Inquisition und historische Zensur. Werden Meinungen in &bdquo;gut&ldquo; und &bdquo;b&ouml;se&ldquo; oder als &bdquo;extrem&ldquo; im Sinne von &bdquo;gef&auml;hrlich&ldquo; eingeordnet, ist dies nicht Ausdruck von Demokratie, sondern Ankn&uuml;pfung an dunkle Kapitel der menschlichen Geschichte.<\/p><p><strong>&Uuml;ber &bdquo;Polarisierung&ldquo; hinaus: Wissen versus &bdquo;Be-Greifen&ldquo; versus Weisheit<\/strong><\/p><p>Was sagt dieses Beispiel aus &uuml;ber das Bildungswesen und die eingeschlagene Richtung? Ein wesentlicher Auftrag der meisten Schulen und assoziierter Institutionen im Bildungssektor ist die Vermittlung von Wissen. Konstruktive Alternativen sind nicht &uuml;berall verf&uuml;gbar und erscheinen mir bis dato gesellschaftlich weniger pr&auml;gend. Nat&uuml;rlich gibt es immer wieder auch an &bdquo;traditionellen&ldquo; Schulen P&auml;dagogen mit einem anderen Anspruch, so wie es umgekehrt aber auch an Schulen mit offeneren, alternativen Konzepten im Einzelfall konservative Elemente oder eher traditionell arbeitende Lehrkr&auml;fte geben kann (wobei das Versagen in der Corona-Zeit ein eigenes Thema ist). Was macht Schulwissen 2023 mehrheitlich aus? &Uuml;berspitzt k&ouml;nnte man formulieren: auswendig gelernte Informationen entsprechend des staatlich abgesegneten, zeitgem&auml;&szlig; gesetzten Lehrplans; mit dem Effekt, auch aufgrund des hohen zeitlichen Aufwands (Schulunterricht, Hausaufgaben, Lernen zur Vor- und Nachbereitung) nicht nur diese Vorstellungsbilder zu festigen, sondern gleichzeitig Zeit und Ressourcen zu binden. Damit schwinden die Kapazit&auml;ten, um sich tiefer mit anderen Sichtweisen und Ideen auseinanderzusetzen (Bsp. Quantenphysik oder Weisheitslehren indigener V&ouml;lker).<\/p><p>Weiter ist das in der Schule transportierte Wissen verschiedenen Kategorien zuzuordnen: Neben reinem Datenwissen (Bsp. Geburts- und Jahrestage, oder &bdquo;meine Katze ist eine europ&auml;ische Kurzhaarkatze&ldquo; oder &bdquo;Europa befindet sich auf der n&ouml;rdlichen, Australien auf der s&uuml;dlichen Halbkugel&ldquo; etc.) werden auch Theorien und Interpretationen (gerade in Ethik, Geschichte und Politik) sowie Verhaltens- und Denknormen (Bsp. Gendern, Virusangst, soziale Distanzierung) vermittelt und auch die Leseweise von Begriffen gepr&auml;gt (interpretativ-bewertend, z.B. &bdquo;Solidarit&auml;t&ldquo;, &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo;).<\/p><p>Vorgegebene Informationen auswendig zu lernen, um sie exakt wiedergeben zu k&ouml;nnen, mag f&uuml;r eine Klassenarbeit gen&uuml;gen. Solches Wissen muss weder zu einem tieferen Verst&auml;ndnis f&uuml;hren noch zu Erkenntnissen und F&auml;higkeiten. Auch kann ein Kind nicht beurteilen, ob eine Information &bdquo;wahr&ldquo; ist oder ob es sich lediglich um eine Theorie, eine Sichtweise (von vielen m&ouml;glichen) handelt, ob die Information aktuell ist oder schon &uuml;berholt. Ein solches Wissen ist lediglich eine weitergegebene Information, die rational-sprachlich abgespeichert und wieder abgerufen werden kann, nicht mehr. Es hat nicht den gleichen Wert wie die eigene Erfahrung, wie ein sprichw&ouml;rtliches Be-Greifen, das andere Sinne mit einbezieht. Es ist NICHT gleichzusetzen mit Weisheit. Es besteht sogar die Gefahr, den Spielraum und die Ressourcen f&uuml;r tats&auml;chliche, tiefe Erkenntnisse vermittelnde Erfahrungen zu begrenzen.<\/p><p><strong>Schlussfolgerung: Die Herausforderung annehmen<\/strong><\/p><p>Probleme zu erkennen und zu benennen gen&uuml;gt nicht, ist aber der erste Schritt. Der beschriebene Fall ist nur ein Beispiel. Ist es f&uuml;r Erwachsene schon schwierig, Manipulation und Beeinflussung zu erkennen, so gilt dies umso mehr f&uuml;r Kinder und Jugendliche. Die Heranwachsenden waren schon immer formbar. In der heutigen Zeit von Fremdbetreuung und digitaler Einfluss- und Informationsflut, in der Eltern immer seltener als Modell und Mentor ihre Kinder begleiten, hat dies eine besondere Brisanz.<\/p><p>Bildung, Schule, Lehrkr&auml;fte, &bdquo;Vater Staat&ldquo; &ndash; Erwachsene assoziieren damit meist Positives. Wir vertrauen den Institutionen, vertrauen ihnen unsere Kinder an, geben Verantwortung ab. Wom&ouml;glich achten wir sie als Autorit&auml;ten. Die Kinder lernen meist erst in der Schule Lesen, Schreiben, Rechnen. Wir sind erleichtert, ihnen nicht selbst diese Wissensf&uuml;lle nahebringen zu m&uuml;ssen. Wir vertrauen darauf, dass ihnen dort auch Werte und Normen vermittelt werden, darauf, dass sie in unserem Sinne erzogen werden.<\/p><p>Sp&auml;testens nach den Erfahrungen der letzten Jahre und nach den Erkenntnissen der letzten Monate stellt sich mir die Frage, ob die &bdquo;schulische Erziehung und Bildung&ldquo; tats&auml;chlich in unserem Sinne und im Sinne der Kinder ist. Anzuf&uuml;hren w&auml;ren auszugsweise das Wiedererstarken einer schwarzen P&auml;dagogik (Coronama&szlig;nahmen), eine zunehmende Propaganda im eigentlichen Wortsinn (z.B. in Schulb&uuml;chern und via Wikipedia, siehe dazu M. Fiedler, NDS-Artikel) und eine schleichende Indoktrination (z.B., wenn schon in der Grundschule Gendern zur Norm wird). Gleichzeitig nimmt die Qualit&auml;t der Betreuung und Lehre ab, wenn Lehrer h&auml;ufiger ausfallen und die anwesenden immer st&auml;rker gefordert sind, auch durch zus&auml;tzliche Aufgaben und steigende Belastungen im Klassensaal (durch z.B. die Integration von Fl&uuml;chtlingskindern mit mangelnden Sprachkenntnissen oder die Zunahme von gesundheitlichen und anderen Einschr&auml;nkungen bei den Kindern, wie ADHS, LRS, Autismus, Diabetes etc.).<\/p><p>Eltern fehlen h&auml;ufig die Kapazit&auml;ten, Defizite auszugleichen oder sich n&auml;her mit Problemen auseinanderzusetzen und aktiv L&ouml;sungen zu suchen (was oft eine Konfrontation mit der Schule bedeuten w&uuml;rde): Sie sind gestresst durch die eigene Berufst&auml;tigkeit und eigene &Auml;ngste und Sorgen. Weitere Faktoren, welche Probleme verst&auml;rken, sind Helikoptertum und eine anerzogene, autorit&auml;tengehorsame Unselbstst&auml;ndigkeit. Manche Eltern haben auch Angst davor, in der Auseinandersetzung mit staatlichen Stellen aufgrund der Macht von Schule\/Staat zwangsl&auml;ufig zu unterliegen oder die Familie unbeabsichtigt einer Gefahr auszusetzen (z.B. Einbindung des Jugendamtes, Drohung mit Kindesentzug etc.).<\/p><p>Es stellt sich im zweiten Schritt die Frage, was es braucht, um dieser Herausforderung zu begegnen. Denn um eine Herausforderung handelt es sich, wenn man die erkannten Probleme nicht im Sinne eines &bdquo;so ist es nun mal jetzt!&ldquo; oder als alternativlos akzeptieren will.<\/p><p>Das Erste w&auml;re, ein Bewusstsein daf&uuml;r zu schaffen, dass das von anderen Menschen weitergegebene, nur sprachlich-rational aufgenommene Wissen subjektive Elemente beinhaltet und nicht losgel&ouml;st ist von der eigenen Kultur, von Zeit und Raum, dem gesellschaftlichen Kontext und der Absicht des Senders. Wichtig w&auml;re weiter, ein Bewusstsein daf&uuml;r schaffen, dass Wissen nicht automatisch die Wahrheit abbildet, ja, dass es oftmals gar nicht m&ouml;glich ist, eine absolute Wahrheit zu erfassen. Viele Aspekte von Wissen beziehen sich auf eine Theorie, wobei eine Theorie immer nur genau das ist: eine Theorie &ndash; welche im Angesicht k&uuml;nftiger neuer Erkenntnisse und Betrachtungsweisen wom&ouml;glich sp&auml;ter als &uuml;berholt gelten und durch eine bessere Theorie ersetzt werden wird (Bsp.: die Vorstellung, dass die Erde eine Scheibe und Mittelpunkt des Universums sei). Auch geh&ouml;rt dazu, Kindern beizubringen, verwendete Begriffe, ihre Konnotation und Verwendung zu hinterfragen. Um dies leisten zu k&ouml;nnen, ist aber noch fr&uuml;her anzusetzen: am Vertrauen in die eigene Wahrnehmung.<\/p><p>Wesentlich ist in meinen Augen die St&auml;rkung der Eltern, auch in ihrer Position als die Verantwortlichen f&uuml;r ihr Kind und dessen Erziehung. Sie m&uuml;ssen entlastet werden, um gen&uuml;gend Kapazit&auml;ten aufwenden zu k&ouml;nnen, um zu reflektieren und sich tiefer mit den Dingen auseinanderzusetzen und so ihre ureigene Verantwortung &uuml;bernehmen und leben zu k&ouml;nnen. Wir, die Eltern, m&uuml;ssen uns unserer eigenen Konditionierungen bewusst werden und entscheiden, was wir f&uuml;r unsere Kinder m&ouml;chten. Wir m&uuml;ssen uns selbst kritisch reflektieren und anfangen, auf unser eigenes Gef&uuml;hl zu h&ouml;ren, unserer Intuition, unserem Herzen zu vertrauen und entsprechend zu handeln. Wir selbst m&uuml;ssen unsere Verantwortung &uuml;bernehmen, Kinder nicht als l&auml;stige Anh&auml;ngsel, Karriereproblem, Statussymbol, S&uuml;ndenbock, Fu&szlig;abtreter oder gar als Verantwortliche f&uuml;r unser eigenes Wohlbefinden betrachten, sondern als unsere Schutzbefohlenen, ausgestattet mit einer eigenen Pers&ouml;nlichkeit und W&uuml;rde.<\/p><p>Wir m&uuml;ssen die Kinder besch&uuml;tzen, nicht umgekehrt. Wir m&uuml;ssen handeln, anstatt darauf zu warten, dass sich die Dinge von allein &auml;ndern oder andere vorausgehen.<\/p><p>Und ja, es gibt neue L&ouml;sungsans&auml;tze, neue Ideen. Sicher sind diese noch nicht immer ausgereift, aber es sind Anf&auml;nge. Wie sie sich weiterentwickeln, h&auml;ngt von uns ab, ob wir neue Wege beschreiten, ausprobieren, aus Fehlern lernen. Gerade auch in den Zeiten von schulischem Lockdown haben sich lokal Zusatzangebote entwickelt, von Eltern und von P&auml;dagogen, die nicht l&auml;nger den alten Weg verfolgen, sondern der Normierung etwas entgegensetzen wollen. Hier w&auml;re auch ein st&auml;rkeres Vernetzen wichtig und eine gr&ouml;&szlig;ere Sichtbarkeit, damit sich mehr Eltern finden, beteiligen und austauschen k&ouml;nnen.<\/p><p>Und sicherlich Mut, den es immer braucht, um aus Altem auszubrechen und ungewohnte Pfade zu betreten. Betreten wir sie!<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Quellen und Hinweise<\/strong><\/p><p>Themen Manipulation, Indoktrination, Bildungssystem, Kinder&ldquo;schutz&ldquo;:<\/p><p>Kl&ouml;ckner, M. (2020, Februar 12). <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=58399\">Ein Blick in die dunklen Ecken der Kindeserziehung.<\/a> <em>NachDenkSeiten &ndash; Die kritische Website<\/em>.<\/p><p>Rainer Mausfeld:<\/p><ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=VXhK8uN6WyA\">youtube.com\/watch?v=VXhK8uN6WyA<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.uni-kiel.de\/psychologie\/mausfeld\/pubs\/Mausfeld_Die_Angst_der_Machteliten_vor_dem_Volk.pdf\">uni-kiel.de\/psychologie\/mausfeld\/pubs\/Mausfeld_Die_Angst_der_Machteliten_vor_dem_Volk.pdf<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-kLzmatet8w\">youtube.com\/watch?v=-kLzmatet8w<\/a><\/li>\n<\/ul><p>Reuse, Sandra. (2020). <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=65147\">Corona: Die R&uuml;ckkehr der schwarzen P&auml;dagogik<\/a> <em>NachDenkSeiten &ndash; Die kritische Website<\/em>.<\/p><p>Reuse, Sandra, &amp; Lankau, Ralf. (2021, April 26). <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=71910\">Forum Schule &ndash; wie weiter? Erste Zwischenbilanz.<\/a> <em>NachDenkSeiten &ndash; Die kritische Website<\/em>.<\/p><p>Riegel, T. (2020, November 25). <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=67324\">Liebe Sch&uuml;ler: Vorsicht vor den Andersdenkenden!<\/a> <em>NachDenkSeiten &ndash; Die kritische Website<\/em>.<\/p><p>Riegel, T. (2021, Oktober 6). <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76671\">Corona: Nehmt die Kinder vor den &bdquo;Besch&uuml;tzern&ldquo; in Schutz.<\/a> <em>NachDenkSeiten &ndash; Die kritische Website<\/em>.<\/p><p>Riegel, T. (2022, Januar 26). <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=80147\">Corona und Kinder: Verwerfliche Tatenlosigkeit.<\/a> <em>NachDenkSeiten &ndash; Die kritische Website<\/em>.<\/p><p>Von Garrel, M. (2016, September 16). <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=35027\">Schulen im W&uuml;rgegriff &ndash; &Uuml;berlegungen zur staatlichen und privatwirtschaftlichen Umklammerung des &ouml;ffentlichen Schulwesens.<\/a> <em>NachDenkSeiten &ndash; Die kritische Website<\/em>.<\/p><p>zur Gef&auml;hrlichkeit und Einflussnahmen von Internetportalen am Beispiel Wikipedia:<\/p><p>Berger, J. (2021, Februar 4). <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69475\">&bdquo;Ich lasse mir von der Wikipedia nicht meine Identit&auml;t stehlen&ldquo;.<\/a> <em>NachDenkSeiten &ndash; Die kritische Website<\/em>.<\/p><p>Berger, J. (2021, Februar 16). <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69849\">Das Wikipedia-Problem ist auch ein Journalismus-Problem.<\/a> <em>NachDenkSeiten &ndash; Die kritische Website<\/em>.<\/p><p>Fiedler, Markus (2023, Februar 26). <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=NmN78gNKPfQ\">Geschichten aus wikihausen.<\/a> <em>Der m&uuml;ndige B&uuml;rger zwischen Indoktrination und Falschinformation in Schule und Wikipedia<\/em>.<\/p><p><em>Wikipedia: Eine Desinformations-Operation?<\/em> Swiss Policy Research. Abgerufen 9. M&auml;rz 2023, von <a href=\"https:\/\/swprs.org\/wikipedia-eine-desinformations-operation\/\">swprs.org\/wikipedia-eine-desinformations-operation\/<\/a><\/p><p>PS: Um Nachteile f&uuml;r das Kind auszuschlie&szlig;en, wurde auf eine genaue Quellenangabe des besprochenen Schreibens verzichtet.<\/p><p>Titelbild: ibreakstock \/ Shutterstock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie bereits Jugendliche indoktriniert werden, zeigt beispielhaft ein aktuelles Sch&uuml;ler-F&ouml;rderprogramm, von dem ich als Mutter Kenntnis bekommen habe: Nur gem&auml;&szlig;igte Meinungen sind demnach &bdquo;gut&ldquo; f&uuml;r die Gesellschaft, &bdquo;gef&auml;hrlichen Extremen&ldquo; m&uuml;sse vorgebeugt werden<strong>. <\/strong>Ein Erfahrungsbericht und Schlussfolgerungen f&uuml;r die St&auml;rkung der mentalen Souver&auml;nit&auml;t von <strong>A. Wolf<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":95660,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,34,126,11,161],"tags":[2269,1163],"class_list":["post-95657","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-bildung","category-erosion-der-demokratie","category-strategien-der-meinungsmache","category-wertedebatte","tag-konformitaetsdruck","tag-meinungspluralismus"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/shutterstock_295376369.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/95657","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=95657"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/95657\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":95699,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/95657\/revisions\/95699"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/95660"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=95657"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=95657"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=95657"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}