{"id":95818,"date":"2023-04-03T09:00:00","date_gmt":"2023-04-03T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95818"},"modified":"2023-04-03T19:00:25","modified_gmt":"2023-04-03T17:00:25","slug":"wie-starben-die-menschen-in-dem-keller-in-douma-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95818","title":{"rendered":"Wie starben die Menschen in dem Keller in Douma 2018?"},"content":{"rendered":"<p>Debatte im UN-Sicherheitsrat &uuml;ber die Risiken der Politisierung der OPCW. F&uuml;nf Jahre ist es her, dass Aktivisten der &bdquo;Wei&szlig;helme&ldquo;, die sich selber auch als &bdquo;Syrischer Zivilschutz&ldquo; bezeichnen, schreckliche Bilder um die Welt schickten. Ort des Geschehens war der Ort Douma, es war der 8. April 2018. Ganze Familien seien vergast worden, so die &bdquo;Wei&szlig;helme&ldquo; &uuml;ber ihren Twitter-Account. Die Menschen h&auml;tten Schutz in einem Keller gesucht und seien dort an giftigem Gas erstickt. Die Zahl der Toten liege bei 40, der Syrische Zivilschutz versuche weiter, &bdquo;zu retten und zu bergen&ldquo;. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_172\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-95818-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230403-Wie-starben-Menschen-in-Douma-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230403-Wie-starben-Menschen-in-Douma-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230403-Wie-starben-Menschen-in-Douma-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230403-Wie-starben-Menschen-in-Douma-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=95818-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230403-Wie-starben-Menschen-in-Douma-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230403-Wie-starben-Menschen-in-Douma-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>&bdquo;Soziale Medien&ldquo;, westliche Nachrichtenagenturen und Medien, die den Twitter-Account der &bdquo;Wei&szlig;helme&ldquo; seit Jahren abonniert hatten, <a href=\"https:\/\/english.alarabiya.net\/News\/middle-east\/2018\/04\/08\/Horrific-pictures-show-entire-families-gassed-to-death-in-Syria-s-Douma\">sorgten<\/a> f&uuml;r <a href=\"https:\/\/vid.alarabiya.net\/images\/2018\/04\/08\/03660161-49fc-480a-b12f-934f2e874ded\/03660161-49fc-480a-b12f-934f2e874ded.jpg?width=801&amp;format=jpg\">rasche Verbreitung der Bilder<\/a>. Unter der kurzen Botschaft der &bdquo;Wei&szlig;helme&ldquo; waren sechs Fotos von Leichen eingef&uuml;gt. Vier Bilder zeigten Frauenleichen, ein Bild zeigte ein Baby, ein Bild zeigte Leichen, die &uuml;bereinander lagen. Die Bilder waren offenbar einem Video entnommen, das von den Toten aufgenommen worden und ebenfalls verbreitet worden war. Die Toten sahen aus, als h&auml;tten sie nach Luft geschnappt. Aus den M&uuml;ndern quoll wei&szlig;er Schaum.<\/p><p>Die &bdquo;Wei&szlig;helme&ldquo; beschuldigten die syrische Regierung, &uuml;ber Douma Fassbomben mit giftigen Chemikalien auf die Zivilbev&ouml;lkerung abgeworfen zu haben. Um ihre Angaben zu unterstreichen, verbreiteten sie neben den beschriebenen Bildern auch Aufnahmen aus einem Krankenhaus. Zu sehen waren M&auml;nner, die mit Kindern auf den Armen in einen Untersuchungsraum st&uuml;rzten und begannen, den Kindern die Kleidung vom Leib zu rei&szlig;en. Sie spritzten die weinenden und hustenden Kleinen mit kaltem Wasser ab und dr&uuml;ckten ihnen Atemmasken auf die Gesichter. Medizinisches Personal, das mit der Versorgung anderer Menschen besch&auml;ftigt war, stand abseits und beobachtete das Geschehen.<\/p><p>Die syrische Regierung wies die Anschuldigungen zur&uuml;ck und forderte, ein Untersuchungsteam der Organisation f&uuml;r das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) nach Damaskus zu entsenden, um den Fall zu untersuchen. Russland schloss sich der syrischen Forderung an. Am 10. April <a href=\"https:\/\/www.opcw.org\/media-centre\/news\/2018\/04\/opcw-will-deploy-fact-finding-mission-douma-syria\">erkl&auml;rte<\/a> die OPCW, ein Untersuchungsteam werde nach Douma geschickt.<\/p><p>Diese Entwicklung ging in einem Tsunami von Anschuldigungen gegen die syrische Regierung und Armee weitgehend unter. Die Hilfsorganisation der &bdquo;Syrisch-Amerikanischen Medizinischen Gesellschaft&ldquo; (SAMS) erkl&auml;rte, eine Bombe mit Chlorgas habe das Krankenhaus von Douma getroffen und 6 Personen get&ouml;tet. Eine zweite Bombe &bdquo;mit verschiedenen Giftgasen&ldquo;, darunter auch Nervengas, habe ein nahegelegenes Geb&auml;ude getroffen. Man habe die UNO, die US-Regierung und europ&auml;ische Regierungen kontaktiert.<\/p><p>Das US-Au&szlig;enministerium <a href=\"https:\/\/eg.usembassy.gov\/statement-by-heather-nauert-spokesperson-on-the-chemical-attack-in-douma\/\">forderte<\/a> eine &bdquo;umgehende Antwort der internationalen Gemeinschaft&ldquo;, sollte der Giftgasangriff sich als wahr erweisen. Die Sprecherin des US-Au&szlig;enministeriums, Heather Nauret, sagte, die syrische Regierung und ihre Unterst&uuml;tzer m&uuml;ssten zur Rechenschaft gezogen werden. Russland m&uuml;sse seine anhaltende Unterst&uuml;tzung (f&uuml;r Syrien) sofort stoppen und &bdquo;mit der internationalen Gemeinschaft kooperieren, um weitere barbarische Chemiewaffenangriffe zu verhindern&ldquo;.<\/p><p>Zu dem Zeitpunkt war das OPCW-Untersuchungsteam bereits auf dem Weg und kam am 14. April 2018 in Beirut an. Ihre Weiterfahrt nach Damaskus wurde gestoppt, weil die USA, Gro&szlig;britannien und Frankreich in der Nacht vom 14.\/15. April einen gro&szlig;angelegten Luftangriff auf Syrien starteten. Danach <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55809\">verz&ouml;gerten<\/a> sich die Untersuchungen vor Ort wegen der prek&auml;ren Sicherheitslage in Douma.<\/p><p>Nach der R&uuml;ckkehr nach Den Haag wurden alle in Douma genommenen Proben an zwei verschiedene Labors geschickt, was der protokollierten Vorgehensweise der OPCW bei entsprechenden Untersuchungen entspricht. Eines der Labors, das die originalen Douma-Proben untersuchte, best&auml;tigte die Schlussfolgerungen, zu denen das urspr&uuml;ngliche Douma-Untersuchungsteam gekommen war. Der Schaum, den die Toten auf den Fotos zeigten, m&uuml;sse von einem Nervengas stammen, hie&szlig; es. Doch keine der Proben aus Douma enthielt Spuren von giftigem Chlorgas noch von Nervengasen wie Sarin. Nach weiteren Untersuchungen verfasste das urspr&uuml;ngliche Douma-Untersuchungsteam einen ersten Zwischenbericht, der die Laboruntersuchungen enthielt. Dann geschah nichts, bis das Douma-Untersuchungsteam feststellte, dass ein neuer Zwischenbericht auftauchte, deren Autoren unklar waren. Ihr urspr&uuml;nglicher Bericht kam nicht mehr vor. Wesentliche Informationen des urspr&uuml;nglichen Zwischenberichts waren nicht mehr enthalten oder waren ver&auml;ndert worden. Bitten, die Auslassungen und Ver&auml;nderungen zu diskutieren, wie es bei der OPCW vorgesehen ist, wurden abgewiesen. Das Team wurde seiner Aufgaben entbunden.<\/p><p><strong>OPCW entfernt sich von eigenen Untersuchungsergebnissen<\/strong><\/p><p>Am 1. M&auml;rz 2019 <a href=\"https:\/\/www.opcw.org\/media-centre\/news\/2019\/03\/opcw-issues-fact-finding-mission-report-chemical-weapons-use-allegation\">ver&ouml;ffentlichte<\/a> die Organisation zum Schutz vor Chemiewaffen (Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons, OPCW) den Abschlussbericht der &bdquo;Fact Finding Mission&ldquo; (FFM) Douma. Darin hie&szlig; es unter Punkt 2.17: &bdquo;Hinsichtlich des angeblichen Einsatzes von giftigen Chemikalien als Waffe am 7. April 2018 in Douma, Syrische Arabische Republik, haben die Auswertung und die Analyse aller Informationen, die von der FFM (d.h. Fact Finding Mission) zusammengetragen wurden, (&hellip;) ausreichende Begr&uuml;ndungen erbracht, dass eine giftige chemische (Substanz) als Waffe eingesetzt wurde. Diese giftige chemische (Substanz) enthielt reaktives Chlor. Die giftige Chemikalie war vermutlich molekulares Chlor.&ldquo;<\/p><p>Das aber hatte das Untersuchungsteam in Douma gerade nicht herausgefunden. Aufzeichnungen eines der Inspektoren gelangten auf unbekanntem Weg an die &Ouml;ffentlichkeit, woraufhin der Inspektor von Sicherheitskr&auml;ften aus dem OPCW-Geb&auml;ude entfernt wurde. Im Oktober 2019 wandte sich dann ein weiterer Inspektor mit seinen abweichenden Untersuchungsergebnissen an eine kleine &Ouml;ffentlichkeit. Die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55809\">Nachdenkseiten berichteten<\/a>.<\/p><p><strong>Wie starben die Menschen in einem Keller in Douma?<\/strong><\/p><p>Am 24. M&auml;rz <a href=\"https:\/\/media.un.org\/en\/asset\/k1p\/k1p3rz8a4w\">befasste sich<\/a> erneut der UN-Sicherheitsrat mit dem Thema. Die Sitzung fand im &bdquo;Arria-Format&ldquo; statt, das Thema lautete &bdquo;Risiken, die sich aus der Politisierung der Aktivit&auml;ten der Organisation f&uuml;r das Verbot chemischer Waffen ergeben&rdquo;. Eingeladen waren zwei Redner. Ali Asghar Soltanieh, ehemaliger UN-Botschafter des Iran und heute Pr&auml;sident des Internationalen Instituts f&uuml;r Studien des Mittleren Ostens (Wien), und Aaron Mat&eacute;, Journalist von der Internetplattform Grayzone, der bereits fr&uuml;her vor dem Gremium &uuml;ber seine Recherchen gesprochen hatte .<\/p><p>Ali Asghar Soltanieh, der seit vielen Jahren auf internationaler Ebene im Bereich der Abr&uuml;stung t&auml;tig ist, <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Wer-steckt-hinter-dem-syrischen-Giftgas-Angriff-3376329.html\">beriet<\/a> die syrische Regierung im Jahr 2013. Anlass waren ungekl&auml;rte Giftgasanschl&auml;ge im Umland von Damaskus mit Hunderten Toten.<\/p><p>Soltanieh ging im Wesentlichen auf die Umsetzung der Chemiewaffenkonvention und des OPCW-Protokolls w&auml;hrend der Untersuchungen in Syrien ein. In dem Zusammenhang verwies der Diplomat u.a. darauf, dass es der syrischen Regierung nicht in jedem Teil des Landes m&ouml;glich ist, ehemalige Chemiewaffenlager zu kontrollieren. Weite Teile des Landes, besonders nach 2012 und tats&auml;chlich bis heute, werden von ausl&auml;ndischen Truppen besetzt gehalten, so Soltanieh. Auch Douma und anliegende Orte &ouml;stlich und s&uuml;dlich von Damaskus wurden bis 2018 von verschiedenen bewaffneten Gruppen kontrolliert. Douma wurde von 2012 bis 2018 von der &bdquo;Armee des Islam&ldquo; sozusagen regiert.<\/p><p>Der Journalist Aaron Mat&eacute; <a href=\"https:\/\/thegrayzone.com\/2023\/03\/24\/aaron-mate-un-opcw-justice-syria\/\">wies darauf hin<\/a>, dass in all den Jahren nichts getan worden sei, um das wirkliche Geschehen in Douma im April 2018 aufzukl&auml;ren. Niemand wisse bis heute, wie, warum und wann die Menschen gestorben seien, die in einem Keller in Douma fotografiert und gefilmt worden waren. Stattdessen habe die Organisation f&uuml;r das Verbot chemischer Waffen die Untersuchungsergebnisse des eigens nach Douma entsandten Inspektorenteams unterdr&uuml;ckt.<\/p><p>Mat&eacute; erinnerte daran, dass das, was nach der R&uuml;ckkehr des urspr&uuml;nglichen OPCW-Untersuchungsteams Douma geschah, kaum die &Ouml;ffentlichkeit erreichte. Nachdem die Inspektoren den Widerspruch best&auml;tigt sahen, dass die Toten in dem Keller vermutlich an Nervengas gestorben waren, sich aber in den genommenen Proben weder R&uuml;ckst&auml;nde von Nervengas noch von Chlorgas fanden, holten sie laut Mat&eacute; erneut Expertise ein.<\/p><p>Dieses Mal baten sie Milit&auml;r-Toxologen in einem deutschen Labor um deren Einsch&auml;tzung. Diese seien &bdquo;einhellig&ldquo; zu dem Ergebnis gekommen, dass die Symptome der Opfer auf den Douma-Bildern, der Schaum, nicht auf Chlorgas zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden k&ouml;nne. Einer der OPCW-Inspektoren &ndash; der anders als zwei seiner Kollegen &ndash; &ouml;ffentlich keine abweichende Meinung zu den sp&auml;teren offiziellen OPCW-Douma-Berichten &auml;u&szlig;erte und an dem Treffen mit den deutschen Milit&auml;r-Toxikologen beteiligt war, schrieb sp&auml;ter in einer E-Mail, dass einer der Deutschen den Gedanken aufgebracht habe, es k&ouml;nne sich um einen &bdquo;inszenierten Angriff&ldquo; gehandelt haben. &bdquo;Die Umst&auml;nde des Todes der Opfer stimmen nicht mit Chlorgas &uuml;berein.&rdquo;<\/p><p>Doch auch diese Informationen verschwanden &ndash; wie der urspr&uuml;ngliche Zwischenbericht des urspr&uuml;nglichen Douma-Teams &ndash; aus den sp&auml;teren, offiziellen OPCW-Berichten. Stattdessen wurden weitere Toxikologen befragt, deren Ergebnisse ebenfalls nicht mitgeteilt wurden. Schlie&szlig;lich wurde eine Art Sondermission eingerichtet, die in der Chemiewaffenkonvention nicht vorgesehen ist.<\/p><p>Das neu gegr&uuml;ndete &bdquo;Untersuchungs- und Identifikationsteam&ldquo; IIT erhielt gegen erheblichen Widerspruch einer Minderheit der OPCW-Mitglieder das Mandat, Individuen und Institutionen, Gruppen und Regierungen zu identifizieren, wenn sie direkt oder indirekt Chemiewaffen eingesetzt haben sollen. Der Anlass der IIT-Gr&uuml;ndung war offensichtlich Syrien. Syrien erkl&auml;rte, nicht mit IIT kooperieren zu wollen, weil die Gr&uuml;ndung nicht den OPCW-Statuten und der Chemiewaffenkonvention entspreche. Syriens Mitgliedschaft in der OPCW wurde schlie&szlig;lich wegen &bdquo;Nichterf&uuml;llung seiner Mitgliedspflichten&ldquo; suspendiert.<\/p><p>Das &bdquo;Untersuchungs- und Identifikationsteam&ldquo; pr&auml;sentierte im Januar 2023 einen dritten <a href=\"https:\/\/www.opcw.org\/media-centre\/news\/2023\/01\/opcw-releases-third-report-investigation-and-identification-team\">Douma-Bericht<\/a>. Danach soll es &bdquo;vern&uuml;nftige Gr&uuml;nde daf&uuml;r geben, die syrischen Luftstreitkr&auml;fte als T&auml;ter f&uuml;r den Chemiewaffenangriff auf Douma 2018 zu identifizieren&ldquo;.<\/p><p>Neben zahlreichen Widerspr&uuml;chen, auf die Aaron Mat&eacute; in seiner Stellungnahme einging, sticht besonders heraus, dass das IIT-Team gar nicht in Syrien, geschweige denn in Douma war. Es pr&auml;sentierte allerdings einen neuen Beweis, den die OPCW bereits im Juli 2018 von einer dritten, namentlich nicht benannten Seite erhalten haben will. In fr&uuml;heren Beweisst&uuml;cklisten kommt dieses Beweisst&uuml;ck nicht vor, so Mat&eacute;. Der IIT-Bericht weise mehr Fragen als Antworten auf.<\/p><p><strong>Augenzeugen berichten Journalisten in Damaskus<\/strong><\/p><p>Anfang Februar, wenige Tage vor dem schrecklichen Erdbeben in der T&uuml;rkei und Syrien, wurde der IIT-Bericht vom syrischen Botschafter bei der OPCW, Milad Attia, scharf kritisiert. Bei einer Pressekonferenz in Damaskus warf er der OPCW vor, sich dem Druck aus Gro&szlig;britannien, Frankreich und den USA zu beugen und Berichte zu verbreiten, die &bdquo;von westlichen L&auml;ndern und Israel gegen Syrien vorbereitet&ldquo; w&uuml;rden. Die Vorw&uuml;rfe gegen Syrien hielten an, obwohl das Land nachweislich und von der OPCW 2016 best&auml;tigt, seine Chemiewaffen abgegeben habe. Die letzten seien in Texas, USA, vernichtet worden.<\/p><p>Attia warf den USA, Gro&szlig;britannien und Frankreich vor, die OPCW zu manipulieren, um sich der Verantwortung f&uuml;r den v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriff auf Syrien im April 2018 zu entziehen. Die drei westlichen Veto-M&auml;chte im UN-Sicherheitsrat hatten die damals z&uuml;gig eingeleitete OPCW-Untersuchung mit ihrem nicht autorisierten &bdquo;Vergeltungsschlag&ldquo; <a href=\"https:\/\/taz.de\/Alliierte-greifen-aus-der-Luft-an\/!5498553\/\">verz&ouml;gert<\/a>.<\/p><p>Bei der Pressekonferenz in Damaskus (2.2.2023) kamen Bewohner aus Douma zu Wort, die als Augenzeugen &uuml;ber die Geschehnisse des 7. April 2018 berichteten. Der Arzt Dr. Hassan Eyon, der an dem Tag im Krankenhaus von Douma Dienst hatte, berichtete, dass die &bdquo;Armee des Islam&ldquo; &ndash; die damals Douma und auch das Krankenhaus kontrollierte &ndash; die Ambulanzkr&auml;fte bereits am Tag vor dem Vorfall auf ein m&ouml;gliches &bdquo;Ereignis&ldquo; vorbereitet habe. 40 Personen seien mit Atembeschwerden gekommen, niemand habe Anzeichen chemischer Vergiftung gehabt. Es habe keine Toten gegeben. Die angeblich vergifteten Kinder, die in einem Film zu sehen waren, seien unsachgem&auml;&szlig; von M&auml;nnern behandelt worden, die nicht zum Krankenhaus geh&ouml;rt h&auml;tten. Die Kinder seien ver&auml;ngstigt gewesen und mit kaltem Wasser abgespritzt worden, so seien die Bilder entstanden. Keines der Kinder sei gestorben.<\/p><p>Scheich Ratib Naji, Imam der Moschee von Douma, sagte, er sei zu den Verantwortlichen der &bdquo;Armee des Islam&ldquo; gegangen, um die Opfer des Chemiewaffenangriffs, &uuml;ber den gesprochen worden sei, abzuholen und den Familien zur Beerdigung zu &uuml;bergeben. Er sei abgewiesen worden, die Leichen seien verschwunden. Niemand wisse, wo sie beerdigt worden seien.<\/p><p><strong>Grund zur Besorgnis<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend westliche Regierungen, Diplomaten und Medien nicht auf diese Stimmen eingehen, haben sich zahlreiche OPCW-Inspektoren und hochrangige ehemalige UN-Diplomaten in einer <a href=\"https:\/\/berlingroup21.org\/\">&bdquo;Erkl&auml;rung der Besorgnis&ldquo;<\/a> zu Wort gemeldet. Auch sie werden von westlichen Medien gemieden oder gar diffamiert.<\/p><p>Der ehemalige stellvertretende UN-Generalsekret&auml;r Hans von Sponeck, ehemaliger Leiter des UN-Programms &bdquo;&Ouml;l f&uuml;r Nahrungsmittel&ldquo; (2000 aus Protest gegen die Folgen der UN-Sanktionen gegen den Irak zur&uuml;ckgetreten), konnte &uuml;ber seine Bedenken zu den Vorg&auml;ngen um die OPCW vor dem UN-Sicherheitsrat im April 2021 <a href=\"https:\/\/thegrayzone.com\/2021\/04\/19\/in-un-speech-veteran-diplomat-issues-moving-call-for-action-on-opcws-syria-cover-up\/\">sprechen<\/a>.<\/p><p>Dem ersten Generalsekret&auml;r der OPCW, dem Brasilianer Jos&eacute; Bustani, wurde dagegen wenige Monate zuvor (Oktober 2020) von den Vertretern der USA, Gro&szlig;britanniens, Frankreichs und Deutschlands im UN-Sicherheitsrat das Rederecht <a href=\"https:\/\/thegrayzone.com\/2020\/10\/05\/ex-opcw-chief-jose-bustani-reads-syria-testimony-that-us-uk-blocked-at-un\/\">versagt<\/a>.<\/p><p><strong>Die Schieflage wird gr&ouml;&szlig;er<\/strong><\/p><p>Die USA sind im UN-Sicherheitsrat dazu &uuml;bergangen, alle Versuche Russlands, die Situation in der OPCW und das unerkl&auml;rte Vorgehen in Sachen des angeblichen Giftgasangriffes auf Douma zu besprechen und transparent zu machen, als &bdquo;Desinformation&ldquo; abzutun. Das Ausw&auml;rtige Amt in Berlin teilt bei Anfragen in der Sache mit &ndash; beispielsweise ob Berlin bereit sei, die Inspektoren mit abweichenden Meinungen zu den OPCW-Douma-Berichten dabei zu unterst&uuml;tzen, sich OPCW-intern &uuml;ber die widerspr&uuml;chlichen Angaben austauschen zu k&ouml;nnen -, es handele sich um Versuche, die OPCW zu diskreditieren.<\/p><p>Je weniger allerdings andere Einsch&auml;tzungen geh&ouml;rt oder als &bdquo;Desinformation&ldquo; abgetan oder gar &ndash; wie mit russischen Medien geschehen &ndash; verboten werden, desto gr&ouml;&szlig;er wird die Schieflage. Desto mehr sinkt das Vertrauen in die UNO und deren v&ouml;lkerrechtlich bindende Abkommen und Institutionen. Versch&auml;rft wird das durch eine nicht definierte, von westlichen Staaten propagierte &bdquo;regelbasierte Ordnung&ldquo;, die sich zunehmend an die Stelle von UN-Charta und internationalem Recht setzen will.<\/p><p>Was Douma betrifft: Damals wie heute ist die Frage nicht beantwortet, wie die Menschen im April 2018 in dem Keller in Douma ums Leben kamen. Die Symptome weisen auf den Einsatz von Nervengas hin, das von dem urspr&uuml;nglichen OPCW-Untersuchungsteam weder in dem Geb&auml;ude noch drumherum gefunden wurde. Die OPCW-Berichte und der j&uuml;ngste IIT-Bericht behaupten, die Menschen seien bei einem Angriff der syrischen Armee mit Chlorgas get&ouml;tet worden. Aber es wurde auch kein Chlorgas in den vor Ort genommenen Proben gefunden. Die Opfer und ihre Familien warten auf Gerechtigkeit.<\/p><p>Titelbild: esfera\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Debatte im UN-Sicherheitsrat &uuml;ber die Risiken der Politisierung der OPCW. 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Ganze Familien seien vergast worden, so die &bdquo;Wei&szlig;helme&ldquo; &uuml;ber<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95818\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":95819,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,123,171],"tags":[1409,2359,1553,2329,2360],"class_list":["post-95818","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-kampagnentarnworteneusprech","category-militaereinsaetzekriege","tag-gifteinsatz","tag-opcw","tag-syrien","tag-weisshelme","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Shutterstock_494452501.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/95818","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=95818"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/95818\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":95856,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/95818\/revisions\/95856"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/95819"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=95818"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=95818"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=95818"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}