{"id":95986,"date":"2023-04-06T10:30:55","date_gmt":"2023-04-06T08:30:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95986"},"modified":"2023-04-07T09:12:10","modified_gmt":"2023-04-07T07:12:10","slug":"uebersterblichkeit-auf-rekordniveau-ein-rueckblick-auf-drei-jahre-corona-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95986","title":{"rendered":"\u00dcbersterblichkeit auf Rekordniveau \u2013 ein R\u00fcckblick auf drei Jahre Corona (2\/2)"},"content":{"rendered":"<p>Im gestern auf den NachDenkSeiten erschienenen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95937\">ersten Teil<\/a> seiner Studie untersuchte der Statistiker G&uuml;nter Eder die Entwicklung der &Uuml;bersterblichkeit in den letzten drei Jahren und wies nach, dass sich vor allem deren zeitweiliger massiver Anstieg im letzten Jahr nur schwerlich mit den Coronaerkrankungen erkl&auml;ren l&auml;sst. Im zweiten Teil der Studie soll nun die &Uuml;bersterblichkeit im Jahresverlauf n&auml;her betrachtet werden. Mit der Auswertung der Wochenwerte verbindet sich die Hoffnung, dass statistische Zusammenh&auml;nge sichtbar werden, die aus den hochaggregierten Jahreswerten nicht ablesbar sind. Von <strong>G&uuml;nter Eder<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8827\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-95986-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230406_Uebersterblichkeit_auf_Rekordniveau_ein_Rueckblick_auf_drei_Jahre_Corona_2_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230406_Uebersterblichkeit_auf_Rekordniveau_ein_Rueckblick_auf_drei_Jahre_Corona_2_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230406_Uebersterblichkeit_auf_Rekordniveau_ein_Rueckblick_auf_drei_Jahre_Corona_2_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230406_Uebersterblichkeit_auf_Rekordniveau_ein_Rueckblick_auf_drei_Jahre_Corona_2_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=95986-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230406_Uebersterblichkeit_auf_Rekordniveau_ein_Rueckblick_auf_drei_Jahre_Corona_2_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230406_Uebersterblichkeit_auf_Rekordniveau_ein_Rueckblick_auf_drei_Jahre_Corona_2_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Dieser Artikel liegt auch als <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/flyer\/230405-Guenter-Eder-Corona-Rueckblick-NDS-JB.pdf\">gestaltetes PDF<\/a> vor. Wenn Sie ihn ausdrucken oder weitergeben wollen, nutzen Sie bitte diese M&ouml;glichkeit.<\/em><\/p><p><strong>Auswertung von Wochenwerten<\/strong><\/p><p>Analog zum Vorgehen bei den Jahreswerten ben&ouml;tigt man einen Referenzma&szlig;stab (erwartete Zahl von Sterbef&auml;llen), um die H&ouml;he der w&ouml;chentlichen &Uuml;bersterblichkeit quantitativ zu bewerten. Das Statistische Bundesamt empfiehlt, den mittleren Verlauf der Sterbedaten der vorausgegangenen vier Jahre als Basislinie (Referenzma&szlig;stab) zu verwenden. Ein solches Vorgehen, das im Prinzip durchaus sinnvoll ist, ist mit dem hier gew&auml;hlten Modellansatz nicht vereinbar. Da die Jahresprognose f&uuml;r die zu erwartende Zahl an Todesf&auml;llen keine Grippetoten beinhaltet, muss dies aus Gr&uuml;nden der Konsistenz auch f&uuml;r die Basislinie gelten. Das kann man sicherstellen, indem man die Basislinie ausschlie&szlig;lich aus grippefreien bzw. grippearmen Jahren ableitet. Von den vier Jahren vor Corona trifft das nur auf die Jahre 2016 und 2019 zu. Berechnet man auf dieser Grundlage die Basislinie, so erh&auml;lt man die in Abbildung&nbsp;3 dargestellte Saisonfigur.<\/p><p>Die Basislinie resultiert aus der regressionsanalytischen Einpassung eines trigonometrischen Polynoms dritter Ordnung in die Wochendaten der Jahre 2016 und 2019. Zum Vergleich ist die Verlaufskurve, die man erh&auml;lt, wenn man das arithmetische Mittel aus den Einzelwerten der Jahre 2016 bis 2019 bildet, mit eingezeichnet.<\/p><p>Abbildung 3<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230405-CoronaRueckblick-03.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230405-CoronaRueckblick-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Die Basislinien stimmen &uuml;ber weite Strecken recht gut &uuml;berein, auch wenn die auf Mittelwerten beruhende Variante st&auml;rkeren zuf&auml;lligen Schwankungen unterliegt. Der gr&ouml;&szlig;te Verlaufsunterschied ist im Winter zu verzeichnen. Dadurch, dass in die regressionsanalytisch ermittelte Basislinie nur grippefreie Jahre eingegangen sind, steigt die Kurve im Winter nicht so stark an wie bei dem Mittelwertverfahren, das neben den grippefreien Jahren auch zwei Jahre mit Grippewellen beinhaltet.<\/p><p>Die regressionsanalytisch ermittelte Basislinie weist Ende Februar \/ Anfang M&auml;rz die h&ouml;chsten und Ende August die niedrigsten Sterbezahlen auf. Der Verlauf entspricht der erwarteten Saisonfigur.<\/p><p>Um keine &uuml;berh&ouml;hten Sch&auml;tzwerte f&uuml;r die &Uuml;bersterblichkeit zu erhalten, muss in einem weiteren Schritt noch das Niveau der Basislinie an die demographische Entwicklung angepasst werden. Denn wie man aus Abbildung&nbsp;1 ersehen konnte, steigt die Zahl der Sterbef&auml;lle Jahr f&uuml;r Jahr an. Dem wird Rechnung getragen, indem die Basislinie auf die im Prognosejahr zu erwartende Zahl an Sterbef&auml;llen angehoben wird. Das Verfahren liefert f&uuml;r die Coronazeit den in Abbildung&nbsp;4 dargestellten &Uuml;bersterblichkeitsverlauf. Aufgetragen sind die prozentualen Abweichungen der tats&auml;chlichen Sterbefallzahlen von der erwarteten Anzahl.<\/p><p>Abbildung 4<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230405-CoronaRueckblick-04.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230405-CoronaRueckblick-04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Im Kurvenverlauf kommen gleicherma&szlig;en zufallsbedingte wie systematische Effekte zum Ausdruck. Die meisten der vielen abrupten Ausschl&auml;ge d&uuml;rften dem Zufall geschuldet sein und sind f&uuml;r die vorliegende Untersuchung nicht von Bedeutung. Hinter Ausschl&auml;gen, die l&auml;nger anhalten, verbergen sich hingegen meist konkrete, im Idealfall auch benennbare Ursachen. Als Beispiel f&uuml;r einen systematischen Effekt k&ouml;nnen die hohen &Uuml;bersterblichkeitswerte am Jahresende, also in der kalten Jahreszeit, gesehen werden. Warum das Maximum der &Uuml;bersterblichkeit in den Coronajahren allerdings bereits gegen Ende des Jahres auftritt und nicht, wie man es von der Grippe her gewohnt ist, erst im Februar\/M&auml;rz des Folgejahres, l&auml;sst sich nicht sagen (vgl. Abb.&nbsp;3).<\/p><p>Der h&ouml;chste w&ouml;chentliche &Uuml;bersterblichkeitswert ist mit 40,2 Prozent erstaunlicherweise erst Ende 2022 zu beobachten. Und wie der Zufall es will, ruft Christian Drosten ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt das Ende der Pandemie aus. &bdquo;Wir erleben in diesem Winter die erste endemische Welle mit Sars-CoV-2, nach meiner Einsch&auml;tzung ist damit die Pandemie vorbei&ldquo;, sagte er am 26. Dezember 2022 in einem Interview mit dem &bdquo;Tagesspiegel&ldquo;. [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Er h&auml;tte kaum einen ung&uuml;nstigeren Zeitpunkt f&uuml;r diese Aussage w&auml;hlen k&ouml;nnen.<\/p><p>Die Coronajahre werden im Weiteren einzeln betrachtet, um m&ouml;gliche Einflussgr&ouml;&szlig;en, die den Verlauf gepr&auml;gt haben k&ouml;nnten, aufzudecken. Erg&auml;nzend ist jeweils die Zahl der Coronatoten mit aufgetragen.<\/p><p><strong>2020<\/strong><\/p><p>Das Sterbegeschehen im Jahr 2020 ist gekennzeichnet durch zwei Coronawellen, eine relativ schwache Welle im Fr&uuml;hjahr und eine extrem ausgepr&auml;gte zum Jahresende. W&auml;hrend der ersten Welle sterben knapp 8.000&nbsp;Menschen an Corona, w&auml;hrend der zweiten Welle sind es (jahres&uuml;bergreifend) 67.000.<\/p><p>Abbildung 5<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230405-CoronaRueckblick-05.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230405-CoronaRueckblick-05.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Der pl&ouml;tzliche und starke Anstieg der &Uuml;bersterblichkeit im Hochsommer d&uuml;rfte auf die Hitzewelle in der 33. Woche zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sein. In dieser Woche sterben etwa 2.800&nbsp;Menschen mehr, als eigentlich zu erwarten gewesen w&auml;re. In den Coronasterbezahlen macht sich die Hitzewelle nicht bemerkbar.<\/p><p>Der Verlauf der &Uuml;bersterblichkeit ist ansonsten eng verkn&uuml;pft mit der Zahl der Coronatoten. Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Coronawelle stimmen die Kurven hinsichtlich der H&ouml;he der Maximalwerte sowie des Zeitpunktes, zu dem diese auftreten, vollkommen &uuml;berein. Das muss nicht zwangsl&auml;ufig so sein, wie die nachfolgenden Jahre zeigen werden. Die gute &Uuml;bereinstimmung kann als Best&auml;tigung f&uuml;r die Richtigkeit der Sterbedaten angesehen werden, also sowohl der ermittelten &Uuml;bersterblichkeitswerte als auch der Coronasterbedaten des RKI.<\/p><p>Ein R&uuml;ckgang der Sterbezahlen setzt in der 52.&nbsp;Woche ein. Der Zeitpunkt f&auml;llt zusammen mit dem Impfbeginn in Deutschland. Aufgrund des zeitlichen Zusammentreffens k&ouml;nnte man vermuten, dass das Impfen den R&uuml;ckgang bewirkt hat, doch das trifft nicht zu. In der Studie &bdquo;Chancen und Risiken der Coronaimpfung&ldquo; habe ich zeigen k&ouml;nnen, dass die Sterbezahlen auch ohne Impfung zur&uuml;ckgegangen w&auml;ren, weil das Infektionsgeschehen seinen Zenit &uuml;berschritten hatte. Ein positiver Effekt des Impfens auf die Coronasterbezahlen ist erst in der nachfolgenden dritten Coronawelle nachweisbar. [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p><strong>2021<\/strong><\/p><p>Im Jahr 2021 stimmen die Verl&auml;ufe f&uuml;r die &Uuml;bersterblichkeit und f&uuml;r die Zahl der Coronatoten nicht mehr so gut &uuml;berein. Starke Abweichungen sind vor allem im Fr&uuml;hjahr und gegen Ende des Jahres zu verzeichnen. Im Fr&uuml;hjahr 2021 liegen die &Uuml;bersterblichkeitswerte weit unterhalb der Zahl der Coronatoten, w&auml;hrend sie im letzten Quartal des Jahres zum Teil weit dar&uuml;ber liegen.<\/p><p>Nach &Uuml;berschreiten des Sterbemaximums in der zweiten Coronawelle beginnen die Sterbekurven auseinanderzulaufen. Sie entfernen sich so weit voneinander, dass die &Uuml;bersterblichkeit, trotz der zahlreichen Coronatoten, sogar hohe negative Werte annimmt. Was k&ouml;nnte den divergierenden Verlauf der Sterbekurven ausgel&ouml;st haben? Das Impfen kommt als Ursache eher nicht in Betracht, da sich eine Reduktion der Sterbef&auml;lle gleicherma&szlig;en in der &Uuml;bersterblichkeit wie in den Coronasterbezahlen bemerkbar machen m&uuml;sste. Untersterblichkeitsphasen sind im Fr&uuml;hjahr hingegen h&auml;ufig zu beobachten und werden meist mit ausgebliebenen Grippewellen in Verbindung gebracht. Im vorliegenden Fall greift diese Erkl&auml;rung allerdings zu kurz, da die Basislinie bereits grippefrei konstruiert ist (vgl. Abb.&nbsp;3). Bei ausbleibenden Grippewellen ist folglich eher mit einem &Uuml;bersterblichkeitsverlauf um die Nulllinie herum zu rechnen als mit einer ausgepr&auml;gten Untersterblichkeit.<\/p><p>Die Untersterblichkeit k&ouml;nnte jedoch eine indirekte Folge der vielen Coronatoten sein, die in der zweiten Welle zu beklagen waren. Wenn man davon ausgeht, dass viele Verstorbene bereits vor der Infektion sehr krank waren und unabh&auml;ngig von Corona nicht mehr lange gelebt h&auml;tten, dann k&ouml;nnte die Infektion dazu gef&uuml;hrt haben, dass viele dieser Menschen einige Wochen oder Monate fr&uuml;her gestorben sind, als es sonst der Fall gewesen w&auml;re. Als Folge davon w&auml;re nach Abklingen der Sterbewelle mit einem starken R&uuml;ckgang der &Uuml;bersterblichkeit zu rechnen, der durchaus in eine Phase der Untersterblichkeit m&uuml;nden k&ouml;nnte. Die Untersterblichkeit w&uuml;rde umso st&auml;rker ausfallen, je mehr Menschen der Infektion zum Opfer gefallen sind und je h&ouml;her der Anteil derjenigen war, die auch ohne die Infektion nur noch kurze Zeit gelebt h&auml;tten. Die Zeitspanne zwischen dem H&ouml;hepunkt der &Uuml;bersterblichkeit und dem H&ouml;hepunkt der Untersterblichkeit k&ouml;nnte dann als Hinweis auf die verlorene Lebenszeit durch Corona gedeutet werden.<\/p><p>Eine solche Erkl&auml;rung w&uuml;rde voraussetzen, dass es sich bei den Verstorbenen meist um alte und gesundheitlich stark geschw&auml;chte Menschen handelt. Und beides ist tats&auml;chlich der Fall. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt mit 83&nbsp;Jahren etwa drei Jahre &uuml;ber dem allgemeinen Sterbealter in Deutschland, und mittels Obduktion s&auml;mtlicher Coronatoten in Hamburg hat Professor P&uuml;schel bereits 2020 herausgefunden, dass fast alle Verstorbenen mit einer oder mehreren Vorerkrankungen belastet waren. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Das st&uuml;tzt die These, dass die Untersterblichkeit eher eine Folge der vorhergehenden hohen &Uuml;bersterblichkeit ist, als dass sie von einer ausgebliebenen Grippewelle herr&uuml;hrt.<\/p><p>Abbildung 6<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230405-CoronaRueckblick-06.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230405-CoronaRueckblick-06.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Genau andersherum stellt sich die Situation zum Jahresende hin dar. In den letzten vier Monaten des Jahres &uuml;bertrifft die &Uuml;bersterblichkeit durchg&auml;ngig die Zahl der Coronatoten. Da diese Situation &uuml;ber mehrere Monate anh&auml;lt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass dies dem Zufall geschuldet ist. Wahrscheinlicher ist, dass &auml;u&szlig;ere Einfl&uuml;sse den Effekt ausgel&ouml;st haben.<\/p><p>Am gr&ouml;&szlig;ten ist die Differenz in der 48. Woche. In dieser Woche sterben fast 2.000&nbsp;Menschen mehr, als man nach der Zahl der Coronatoten erwarten w&uuml;rde. Das Statistische Bundesamt schreibt hierzu in einer Pressemitteilung:<\/p><blockquote><p>&bdquo;F&uuml;r den zus&auml;tzlichen Anstieg der Sterbefallzahlen sind mehrere Ursachen denkbar: So k&ouml;nnen hier unerkannte Covid-19-Todesf&auml;lle (Dunkelziffer) oder die zeitliche Verschiebung von Sterbef&auml;llen innerhalb eines Jahres infolge der zum Jahresbeginn ausgefallenen Grippewelle eine Rolle spielen. M&ouml;glicherweise zeigen sich auch die Folgen verschobener Operationen und Vorsorgeuntersuchungen. Der Beitrag einzelner Effekte l&auml;sst sich allerdings derzeit nicht beziffern.&ldquo; [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><\/blockquote><p>Die Spekulationen, die die Beh&ouml;rde anstellt, um die H&ouml;he der &Uuml;bersterblichkeit zu erkl&auml;ren, m&ouml;gen zutreffen oder nicht. Was auff&auml;llt, ist, dass eine Ursache, die als Erkl&auml;rung durchaus infrage k&auml;me, gar nicht in Erw&auml;gung gezogen wird, n&auml;mlich das Impfen. Dabei lassen sich gerade in dieser Zeit au&szlig;ergew&ouml;hnlich viele Menschen ein drittes Mal impfen. Seit der 36.&nbsp;Woche werden w&ouml;chentlich mehr als 100.000&nbsp;Menschen geboostert, und in der 45.&nbsp;Woche wird die Millionenmarke &uuml;berschritten. Danach steigt die Impfkurve steil an und erreicht mit 6,4&nbsp;Millionen Geimpften in der 50.&nbsp;Woche einen absoluten H&ouml;hepunkt. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] Zu keinem fr&uuml;heren oder sp&auml;teren Zeitpunkt sind derart viele Menschen in so kurzer Zeit geimpft worden. Und bei keiner der vorhergehenden Impfkampagnen war das Unwissen um m&ouml;gliche Folgewirkungen so gro&szlig; wie bei den Auffrischimpfungen. Ob die Impfung f&uuml;r den Anstieg der Sterbezahlen tats&auml;chlich verantwortlich ist, l&auml;sst sich auf Basis des hier betrachteten Datenmaterials nicht abschlie&szlig;end sagen &ndash;&nbsp;aber der zeitliche Zusammenhang ist auff&auml;llig.<\/p><p><strong>2022<\/strong><\/p><p>Auch im Jahr 2022 weichen die Coronasterbekurve und der &Uuml;bersterblichkeitsverlauf stark voneinander ab. Zudem unterscheiden sich die Verl&auml;ufe grundlegend von denen der Vorjahre.<\/p><p>Die Coronasterbekurve weist, abgesehen von der eher schwach ausgepr&auml;gten f&uuml;nften Coronawelle, kaum noch saisonale Effekte auf. Weder steigt sie zum Jahresende hin stark an, noch geht sie im Sommer auf Werte nahe der Nulllinie zur&uuml;ck. Scheinbar unbeeinflusst von &auml;u&szlig;eren Faktoren m&auml;andert die Kurve durch die zweite Jahresh&auml;lfte.<\/p><p>Abbildung 7<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230405-CoronaRueckblick-07.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230405-CoronaRueckblick-07.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>&Auml;u&szlig;erst ungew&ouml;hnlich ist, dass die Zahl der Coronatoten im Sommer nicht auf Werte nahe Null zur&uuml;ckgeht, wie es in den Vorjahren der Fall war. Im Sommer 2020 war die Sterbekurve &uuml;ber einen Zeitraum von 17&nbsp;Wochen praktisch identisch mit der Nulllinie, und im Jahr 2021 war das immerhin noch in sieben Wochen der Fall. Im Sommer 2022 hingegen geht die Sterbekurve nicht nur nicht bis zur Nulllinie zur&uuml;ck, sondern steigt zwischendurch sogar wieder an. Der h&ouml;chste Sommerwert mit &uuml;ber eintausend Coronatoten ist in der 30.&nbsp;Woche zu verzeichnen (Ende Juli).<\/p><p>Tabelle&nbsp;3 gibt Auskunft &uuml;ber die Gesamtzahl der jeweils im Sommer an Corona verstorbenen Menschen. Im Sommer 2020 starben insgesamt 456&nbsp;Menschen an Corona. Im darauffolgenden Jahr waren es mit 2.193&nbsp;Verstorbenen fast f&uuml;nfmal so viele. Und der Anstieg setzt sich ungebrochen fort, sodass im Sommer 2022 kaum glaubliche 8.198&nbsp;Coronatote zu beklagen sind, also 18-mal mehr Tote als im ersten Jahr der Pandemie. Allein in der 30.&nbsp;Woche 2022 sterben mehr als doppelt so viele Menschen an Corona wie w&auml;hrend des gesamten Sommers 2020 (1.009&nbsp;Verstorbene gegen&uuml;ber 456&nbsp;Verstorbenen). Woher r&uuml;hrt diese eigenartige und erschreckende Entwicklung? Eine nachvollziehbare medizinische Erkl&auml;rung gibt es hierf&uuml;r bisher nicht.<\/p><p>Tabelle 3<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230405-CoronaRueckblick-08.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230405-CoronaRueckblick-08.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Die extrem hohe Zahl Coronatoter im Sommer 2022 ist umso unverst&auml;ndlicher, als sich mittlerweile eine Coronavariante (Omikron) durchgesetzt hat, die als wesentlich ungef&auml;hrlicher gilt als die Vorg&auml;ngertypen (Urtyp, Alpha und Delta). Zudem sind die meisten Menschen geimpft und sollten dadurch eigentlich gut gesch&uuml;tzt sein. Im ersten Coronajahr war dagegen noch niemand geimpft, sodass die Menschen gezwungen waren, ihrem nat&uuml;rlichen Immunsystem zu vertrauen. Und Gott sei Dank konnten sie das auch, wie die Sterbezahlen zeigen.<\/p><p>Der Sachverhalt ist auch dem RKI aufgefallen. &bdquo;Im vergangenen Sommer (gemeint ist das Jahr 2022, d.V.) sind zum ersten Mal erh&ouml;hte Anzahlen von Sterbef&auml;llen durch Coronavirus Disease 2019 (Covid-19) w&auml;hrend der Hitzeperiode aufgetreten.&ldquo; In einer Studie ist das Institut der Frage nachgegangen, ob m&ouml;glicherweise die au&szlig;ergew&ouml;hnlich lange und extreme Hitzeperiode den Effekt verursacht haben k&ouml;nnte, und kommt zu dem Schluss, dass es &bdquo;keine Hinweise auf einen m&ouml;glicherweise verst&auml;rkenden Effekt hoher Au&szlig;entemperatur auf die Covid-19-Mortalit&auml;t&ldquo; gibt. [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] Damit bleibt offen, woher der starke Anstieg der Sterbezahlen r&uuml;hrt.<\/p><p>Die mRNA-Impfstoffe sind neuartige Impfstoffe, die in der K&uuml;rze der Zeit, die f&uuml;r die Entwicklung zur Verf&uuml;gung stand, bei Weitem nicht so umfassend und gr&uuml;ndlich erforscht werden konnten, wie das sonst bei Impfstoffen &uuml;blich und vorgeschrieben ist. Unerw&uuml;nschte oder &uuml;berraschende Nebenwirkungseffekte kann daher niemand ausschlie&szlig;en. Folgerichtig besitzen mRNA-Vakzine bis heute keine regul&auml;re Zulassung, sondern sind nur bedingt zugelassen. Zudem hat die Bundesregierung (und damit letztlich der Steuerzahler) die alleinige Verantwortung und Haftung bei eventuell auftretenden Impfsch&auml;den &uuml;bernommen. Man kann nur hoffen, dass die Rechnung nicht allzu hoch ausfallen wird.<\/p><p>Die &Uuml;bersterblichkeitskurve weist in der ersten H&auml;lfte des Jahres 2022 einen recht unauff&auml;lligen Verlauf auf (vgl. Abb.&nbsp;7). Zun&auml;chst verl&auml;uft die Kurve etwa auf dem Niveau der Nulllinie, steigt dann etwas an und orientiert sich ab der 14.&nbsp;Woche, mit leicht sinkender Tendenz, an der Coronasterbekurve. Mit Beginn des Sommers &auml;ndert sich die Situation dann schlagartig. Jetzt l&ouml;st sich die &Uuml;bersterblichkeit vollst&auml;ndig vom Coronasterbegeschehen ab und pr&auml;gt drei au&szlig;ergew&ouml;hnlich hohe &Uuml;bersterblichkeitsbuckel aus. Zweimal steigt der Verlauf abrupt auf Werte von etwa 3.000 Verstorbenen pro Woche an, verbleibt f&uuml;r einige Zeit auf dem Niveau und f&auml;llt dann ebenso pl&ouml;tzlich wieder ab (erster und zweiter &Uuml;bersterblichkeitsbuckel). Es folgt ein dritter Buckel, bei dem die &Uuml;bersterblichkeit dann geradezu explodiert. In der 51.&nbsp;Woche 2022 sterben 8.000 Menschen mehr, als unter normalen Umst&auml;nden zu erwarten gewesen w&auml;re. Es ist der h&ouml;chste &Uuml;bersterblichkeitswert der gesamten Coronazeit und entspricht etwa der Anzahl der Coronatoten in der ersten Coronawelle.<\/p><p>Warum die &Uuml;bersterblichkeit in der zweiten Jahresh&auml;lfte pl&ouml;tzlich so stark ansteigt und einen so eigenartigen, dreibuckligen Verlauf aufweist, ist unklar, zumindest was den zweiten und dritten Buckel betrifft. Als Erkl&auml;rung f&uuml;r den ersten Buckel kommt der au&szlig;ergew&ouml;hnlich hei&szlig;e Sommer in Betracht. Zwischen der 29. und 33. Woche gab es eine der l&auml;ngsten und extremsten Hitzeperioden, die das Land in den letzten Jahrzehnten erlebt hat. Und da Hitzewellen erfahrungsgem&auml;&szlig; mit steigenden Sterbezahlen einhergehen, ist es sehr wahrscheinlich, dass die &Uuml;bersterblichkeit gro&szlig;teils daher r&uuml;hrt.<\/p><p>In einer Schwerpunktstudie ist das RKI dieser Frage nachgegangen und kommt zu dem Schluss, dass es im Jahr 2022 deutschlandweit rund 4.500 hitzebedingte Sterbef&auml;lle gab. [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] Damit l&auml;sst sich die &Uuml;bersterblichkeit von insgesamt 18.559&nbsp;Verstorbenen zwar nicht vollst&auml;ndig erkl&auml;ren, aber zusammen mit der Zahl der Coronatoten doch zu immerhin 60 Prozent (vgl. Tab.&nbsp;4).<\/p><p>Zu den Ursachen f&uuml;r den Anstieg der &Uuml;bersterblichkeit w&auml;hrend des zweiten und dritten Buckels liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. Und offizielle Stellungnahmen, die dem Ernst der Situation angemessen w&auml;ren, gibt es bisher weder von medizinischer noch von politischer Seite.<\/p><p>Tabelle 4<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230405-CoronaRueckblick-09.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230405-CoronaRueckblick-09.png\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>In den letzten vier Monaten des Jahres 2022, genauer gesagt zwischen der 37. und 52.&nbsp;Woche, sind 47.842&nbsp;Menschen mehr gestorben, als unter normalen Umst&auml;nden zu erwarten gewesen w&auml;re. Das ist eine be&auml;ngstigend hohe Zahl. Doch was unterscheidet diesen Zeitabschnitt von &bdquo;normalen&ldquo; Zeiten? Das RKI weist in den letzten ARE-Wochenberichten des Jahres 2022 auf &uuml;berdurchschnittliche Werte f&uuml;r akute Atemwegserkrankungen hin, die &uuml;ber dem Niveau der Vorjahre und zum Teil sogar &uuml;ber dem Niveau der Vorjahre zum H&ouml;hepunkt schwerer Grippewellen liegen. K&ouml;nnte dies die hohen Sterbezahlen erkl&auml;ren?<\/p><p>Die ARE-Wochenberichte basieren auf Daten zu respiratorischen Erkrankungen, die dem RKI regelm&auml;&szlig;ig von ausgew&auml;hlten Krankenh&auml;usern und &Auml;rzten &uuml;bermittelt werden. Zu den &uuml;bermittelten Parametern z&auml;hlen unter anderem Todesf&auml;lle mit Influenzavirusinfektion. Da nur ein kleiner Teil der &Auml;rzteschaft in das Sentinel einbezogen ist, lassen die Meldungen keinen direkten R&uuml;ckschluss auf die Gesamtzahl der Influenzatoten zu.<\/p><p>F&uuml;r die Zeit von der 40. Woche 2022 bis zum Ende des Jahres sind dem RKI insgesamt 286&nbsp;Todesf&auml;lle mit Influenzavirusinfektion &uuml;bermittelt worden. Das ist f&uuml;r diesen fr&uuml;hen Zeitpunkt ein ungew&ouml;hnlich hoher Wert. Vor 2020 traten Werte dieser Gr&ouml;&szlig;enordnung nicht vor Mitte bis Ende Februar auf, also etwa zwei Monate sp&auml;ter. [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>] Ob die fr&uuml;h zu beobachtende hohe Zahl an Influenzatoten ausreicht, die extreme &Uuml;bersterblichkeit zum Jahresende 2022 zu erkl&auml;ren, ist ungewiss und nicht sehr wahrscheinlich. Man wird abwarten m&uuml;ssen, wie sich die Meldezahlen weiter entwickeln, und m&ouml;glicherweise erst Ende 2023 Genaueres &uuml;ber die Ursachen sagen k&ouml;nnen, wenn die Todesursachenstatistik vom Statistischen Bundesamt ver&ouml;ffentlicht wird.<\/p><p>Doch unabh&auml;ngig davon, ob die hohen Sterbezahlen im dritten &Uuml;bersterblichkeitsbuckel durch den Anstieg der Influenzatodesf&auml;lle vollst&auml;ndig oder teilweise erkl&auml;rt werden k&ouml;nnen, bleibt die Frage nach dem Warum weiter offen. Warum sterben zu einem so fr&uuml;hen Zeitpunkt so viele Menschen an einer Grippeerkrankung? Ein R&auml;tsel bleibt auch die hohe &Uuml;bersterblichkeit im zweiten Buckel. F&uuml;r eine Hitzewelle ist Mitte September \/ Ende Oktober ein zu sp&auml;ter Zeitpunkt, und f&uuml;r eine Grippewelle liegt er eindeutig zu fr&uuml;h. Letzteres wird auch durch das Sentinel gest&uuml;tzt, das f&uuml;r diese Zeit keine ungew&ouml;hnlich hohe Zahl an Grippetoten ausweist. Woran sind die 11.000 Menschen, die im zweiten &Uuml;bersterblichkeitsbuckel &uuml;ber das zu erwartende Ma&szlig; hinaus verstorben sind, ohne coronainfiziert zu sein, stattdessen gestorben? Dieser Frage sollte das RKI dringend nachgehen und dabei die Impfung als m&ouml;gliche Ursache nicht von vornherein ausschlie&szlig;en.<\/p><p><strong>Schlussbetrachtung<\/strong><\/p><p>Im ersten Coronajahr starben dem RKI zufolge insgesamt 43.826&nbsp;Menschen an oder mit Corona. Damals beherrschte die gef&auml;hrliche Wuhan-Variante das Infektionsgeschehen und niemand (von wenigen Ausnahmen abgesehen) war geimpft. Zwei Jahre sp&auml;ter hat sich die ungef&auml;hrlichere Omikron-Variante durchgesetzt, und 72 Prozent der Bev&ouml;lkerung sind zweimal geimpft, viele sogar drei- oder viermal. Zudem hat ein Gro&szlig;teil der ungeimpften Bev&ouml;lkerung eine Infektion durchgemacht und so einen Immunschutz aufgebaut. Man kann folglich davon ausgehen, dass &uuml;ber 80 Prozent der Bev&ouml;lkerung gut gegen Corona gesch&uuml;tzt sein sollten. Und wenn man die besonders gef&auml;hrdete Altersgruppe der &uuml;ber 60-J&auml;hrigen betrachtet, liegt der Anteil sogar weit &uuml;ber 90 Prozent. Trotzdem sind im Jahr 2022 mit 46.426&nbsp;Personen mehr Coronatote zu beklagen als im Jahr 2020. Wie ist das m&ouml;glich? Warum hat es keinen R&uuml;ckgang der Zahl der Coronatoten gegeben? Und warum weichen die Verlaufskurven f&uuml;r die &Uuml;bersterblichkeit und f&uuml;r die Zahl der Coronatoten im Jahr 2022 so extrem stark voneinander ab? <\/p><p>Im Jahr 2020 sind beide Kurven noch eng miteinander verwoben, verlaufen phasenweise nahezu deckungsgleich, und der Korrelationskoeffizient als statistisches Ma&szlig; zur Beurteilung der St&auml;rke des Zusammenhangs weist einen hohen Wert von 0,93 auf (m&ouml;gliches Maximum:&nbsp;1,0). Zwei Jahre sp&auml;ter ist von dieser &Uuml;bereinstimmung nichts mehr geblieben. Steigende Coronasterbezahlen haben keine steigenden &Uuml;bersterblichkeitswerte mehr zur Folge. Das dr&uuml;ckt sich in einem Korrelationskoeffizienten von lediglich 0,04 aus.<\/p><p>An welcher Stelle ist der Zusammenhang zwischen der &Uuml;bersterblichkeit und der Zahl der Coronatoten, den man doch (zumindest so lange viele Menschen an Corona sterben) f&uuml;r selbstverst&auml;ndlich erachten w&uuml;rde, verloren gegangen? Haben verschobene Operationen, abgesagte Vorsorgeuntersuchungen, Lockdowns, Schulschlie&szlig;ungen, fehlende soziale Kontakte oder das st&auml;ndige Tragen der Maske eine solche Entwicklung bef&ouml;rdert? Man wei&szlig; es nicht, kann diesbez&uuml;glich allenfalls Vermutungen anstellen. Warum sind Fragen dieser Art in den zur&uuml;ckliegenden drei Jahren nicht gr&uuml;ndlich erforscht worden? Angesichts der insgesamt unbefriedigenden Datenlage, angesichts fehlender wissenschaftlicher Untersuchungen und angesichts eines mangelnden Aufkl&auml;rungswillens von Seiten der Politik kann es nicht verwundern, wenn Menschen anfangen, sich eigene Gedanken zu m&ouml;glichen Ursachen und Zusammenh&auml;ngen zu machen.<\/p><p>Kanzlerin Merkel entschied im April 2020, dass die Pandemie nur durch Impfen zu &uuml;berwinden sei. [<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>] Im November 2020 pr&auml;zisierte sie ihre Einsch&auml;tzung und sagte, dass das Virus als besiegt gelten k&ouml;nne, wenn 60 Prozent bis 70 Prozent der Bev&ouml;lkerung geimpft seien oder eine Infektion durchgemacht h&auml;tten. [<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] Seit &uuml;ber zwei Jahren gibt es nun Impfstoffe, und &uuml;ber 70 Prozent der Bev&ouml;lkerung sind geimpft, aber das Coronasterben hat kein Ende und die &Uuml;bersterblichkeit schl&auml;gt Purzelb&auml;ume. Mit einem Wert von 8,65 Prozent erreicht die &Uuml;bersterblichkeit im Jahr 2022 ein Niveau, wie es bis dahin kaum vorstellbar war.<\/p><p>Trotzdem hat Christian Drosten am zweiten Weihnachtstag 2022 das Ende der Pandemie verk&uuml;ndet. [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Das ist, wenn man die Coronasterbezahlen isoliert betrachtet, eine durchaus logische und richtige Schlussfolgerung, denn erstmals seit der Ausbreitung von Sars-CoV-2 steigen die Coronasterbezahlen mit Beginn der kalten Jahreszeit nicht stark an. Was er allerdings &uuml;bersehen oder nicht beachtet hat, ist das &Uuml;bersterblichkeitsgebirge, das sich mittlerweile &uuml;ber den Coronatoten auft&uuml;rmt und f&uuml;r das es keine befriedigende Erkl&auml;rung gibt.<\/p><p>Das Sterbegeschehen in Deutschland scheint in den drei Jahren der Coronapandemie einen grundlegenden Wandel erfahren zu haben. Und die entscheidende Frage ist m&ouml;glicherweise gar nicht mehr, ob die Pandemie vorbei ist oder nicht, sondern, ob die nat&uuml;rlichen Abwehrkr&auml;fte und damit die Gesundheit der Menschen Schaden genommen haben &ndash; m&ouml;glicherweise als Folge einer durchgemachten Coronaerkrankung, sehr viel wahrscheinlicher aber aufgrund der massenhaften mRNA-Impfungen. Falls das zutreffen sollte, kann man nur hoffen, dass das Immunsystem aus sich heraus in der Lage ist bzw. mittels medizinischer Unterst&uuml;tzung in die Lage versetzt wird, sich vollst&auml;ndig zu regenerieren und zu einem Zustand zur&uuml;ckzufinden, wie er im ersten Jahr der Pandemie noch bestand, als mehr als 99,6 Prozent aller infizierten Menschen, trotz fehlender Impfung, eine Coronainfektion &uuml;berlebten. [<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>]<\/p><p>Titelbild: Cryptographer\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/gesellschaft\/corona-pandemie-drosten-101.html\">&bdquo;Die Pandemie ist vorbei&ldquo;<\/a> &ndash; Interview mit Christian Drosten im Tagesspiegel vom 26.12.2022, Berlin<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wissen\/Fast-alle-Corona-Toten-waren-vorerkrankt-article22371530.html\">Obduktionen in Hamburg &ndash; Fast alle Corona-Toten waren vorerkrankt.<\/a> NTV vom 30. Februar 2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2022\/01\/PD22_014_126.html\">Statistisches Bundesamt: Sterbefallzahlen im Dezember 2021: 22% &uuml;ber dem mittleren Wert der Vorjahre.<\/a> Pressemitteilung Nr. 014 vom 11. Januar 2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Content\/Infekt\/EpidBull\/Archiv\/2022\/Ausgaben\/42_22.pdf?__blob=publicationFile\">Robert Koch-Institut &ndash; Hitzebedingte Mortalit&auml;t in Deutschland 2022. Epidemiologisches Bulletin 42\/2022<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] <a href=\"https:\/\/influenza.rki.de\/Wochenberichte\/2022_2023\/2022-52.pdf\">Arbeitsgemeinschaft Influenza &ndash; ARE-Wochenbericht. Aktuelles zu akuten respiratorischen Erkrankungen<\/a>, Kalenderwoche 51 und 52 (19.12.2022 bis 1.1.2023). Robert Koch-Institut (Hrsg.) 2023<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76248\">G&uuml;nter Eder &ndash; Die Coronapandemie im Spiegel der amtlichen Sterbefallstatistik<\/a>. NachDenkSeiten vom 22. September 2021<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article207167375\/Merkel-zu-Corona-Solange-wir-keinen-Impfstoff-haben-wird-das-gelten.html%20\">Merkel zur Coronalage: &bdquo;Pandemie wird nicht verschwinden, bis wir wirklich einen Impfstoff haben.&ldquo;<\/a> Welt vom 9. April 2020<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/merkel-rechnet-noch-lange-mit-corona-einschraenkungen-17042582.html\">Merkel rechnet noch lange mit Coronaeinschr&auml;nkungen. FAZ vom 8. November 2020<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.uni-bonn.de\/de\/neues\/111-2020\">Universit&auml;t Bonn: Ergebnisse der &bdquo;Heinsberg-Studie&rdquo; ver&ouml;ffentlicht. Bonner Forschungsteam ermittelt Sterblichkeitsrate der SARS-CoV-2-Infektion. 4. Mai 2020<\/a>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im gestern auf den NachDenkSeiten erschienenen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95937\">ersten Teil<\/a> seiner Studie untersuchte der Statistiker G&uuml;nter Eder die Entwicklung der &Uuml;bersterblichkeit in den letzten drei Jahren und wies nach, dass sich vor allem deren zeitweiliger massiver Anstieg im letzten Jahr nur schwerlich mit den Coronaerkrankungen erkl&auml;ren l&auml;sst. 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