{"id":96018,"date":"2023-04-09T11:45:11","date_gmt":"2023-04-09T09:45:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96018"},"modified":"2023-04-09T18:21:27","modified_gmt":"2023-04-09T16:21:27","slug":"ost-suedostasien-us-militaers-in-manoevermanie-die-einkreisung-chinas-gewinnt-an-konturen-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96018","title":{"rendered":"Ost- &#038; S\u00fcdostasien: US-Milit\u00e4rs in Man\u00f6vermanie \u2013 die Einkreisung Chinas gewinnt an Konturen (Teil I)"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Geradewegs hinter den Philippinen liegen Chinas schier unermessliche M&auml;rkte. Wir werden unseren Teil in der Mission unserer von Gott gesch&uuml;tzten Rasse bei der Zivilisierung der Erde beitragen. Wo werden wir die Abnehmer unserer Produkte finden? Die Philippinen geben uns einen St&uuml;tzpunkt am Tor zum Osten.&ldquo; So lautete einer der Kerns&auml;tze aus dem Munde des aus dem US-Bundesstaat Indiana stammenden republikanischen Senators Albert Jeremiah Beveridge, den dieser in seiner Rede am 9. Januar 1900 vor dem US-Kongress sagte. Beveridge verk&ouml;rperte den knallharten Apologeten einer imperialistischen Strategie, die in messianischem Wettstreit mit den europ&auml;ischen Kolonialm&auml;chten nicht zu kurz kommen wollte. Die in dieser seinerzeit hitzig gef&uuml;hrten inneramerikanischen Debatte unterlegenen Isolationisten z&auml;hlten in ihren Reihen u. a. den Erfolgsautor Mark Twain, der mehrfach &ouml;ffentlich davor gewarnt hatte, dass &bdquo;der US-amerikanische Adler seine Krallen auf fremdes Territorium setzt&ldquo;. Nicht nur ist dieser &bdquo;Adler&ldquo; auch reichlich ein Jahrhundert sp&auml;ter in der Region pr&auml;sent. Seine &bdquo;Krallen&ldquo; sind mittlerweile auf ein &bdquo;fremdes Territorium&ldquo; gesetzt, das weitaus gr&ouml;&szlig;er ist, als Beveridge es sich jemals ertr&auml;umt h&auml;tte. Gemeinsam mit ihren Verb&uuml;ndeten und Vasallen versch&auml;rfen Washington und die NATO ihre Konfrontation mit der VR China &ndash; das nicht nur, um westliche B&uuml;ndnisse zu st&auml;rken und Abh&auml;ngigkeiten von Moskau und Beijing zu reduzieren. Ein Hintergrundbericht unseres Ost- und S&uuml;dostasienexperten <strong>Rainer Werning<\/strong>, dessen abschlie&szlig;ender zweiter Teil morgen erscheint.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Rege Pendeldiplomatie &amp; verst&auml;rkte Milit&auml;rman&ouml;ver<\/strong><\/p><p>Seit der Jahreswende 2022\/23 herrscht in den Regionen Ost- und S&uuml;dostasien eine Pendeldiplomatie, wie es sie schon lange nicht mehr in dieser H&auml;ufigkeit und Intensit&auml;t gab. Vieles deutet dabei darauf hin, dass sich nach dem Krieg in der Ukraine die internationale Aufmerksamkeit verschiebt und auf ebendiese Regionen fokussiert, wo sich Konfliktpotenziale im Gleichklang mit konfrontativen, vor allem gegen die VR China gerichteten Spitzen auff&auml;llig erh&ouml;hen. Begleitet wird all das von signifikant aufgestockten R&uuml;stungsetats und martialischen Drohgeb&auml;rden in Form von Milit&auml;rman&ouml;vern, die es ebenfalls in diesem Umfang und in dieser L&auml;nge seit zig Jahren nicht mehr gegeben hat.<\/p><p><strong>Philippinen &ndash; Amerikas &bdquo;kleiner brauner Bruder&ldquo;<\/strong><\/p><p>Ely S. Ratner, stellvertretender US-Verteidigungsminister f&uuml;r indo-pazifische Sicherheitsfragen, erkl&auml;rte im Dezember vergangenen Jahres vor einem Publikum des konservativen Think Tanks <em>American Enterprise Institute<\/em>, dass &bdquo;das Jahr 2023 wahrscheinlich das umw&auml;lzendste Jahr f&uuml;r die US-Streitkr&auml;fte in der [indo-pazifischen] Region seit einer Generation sein wird&ldquo;. Bereits einen Monat sp&auml;ter begann dieser Wandel mit der Ank&uuml;ndigung, dass Japan das erste vorw&auml;rts verlegte Marine-K&uuml;stenregiment beherbergen wird, was Teil eines intensiven Modernisierungsprozesses der Allianz zwischen Washington und Tokio ist.<\/p><p>Vor allem das traditionell enge B&uuml;ndnis zwischen den USA und den Philippinen befindet sich in einem historischen Modernisierungsprozess. &Uuml;ber Nacht haben Verteidigungsminister Lloyd Austin III. und sein philippinischer Kollege Carlito Galvez Jr. nach einem Treffen in Manila den n&auml;chsten Schritt in der regionalen Streitkr&auml;ftelage der USA angek&uuml;ndigt. Demnach werden die US-Streitkr&auml;fte im Rahmen des 2014 geschlossenen<em> Abkommens &uuml;ber erweiterte Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich (EDCA) <\/em>Zugang zu vier weiteren philippinischen Milit&auml;rst&uuml;tzpunkten erhalten, womit nunmehr neun solcher Basen der philippinischen Streitkr&auml;fte (AFP) jederzeit auf Rotationsbasis von GIs genutzt werden k&ouml;nnen. Damit erhalten die US-Streitkr&auml;fte in Washingtons einziger und einstiger Kolonie (1898-1946) in S&uuml;dostasien eine bedeutsame strategische Basis am s&uuml;d&ouml;stlichen Rand des S&uuml;dchinesischen Meeres in der N&auml;he des selbstverwalteten Taiwan.<\/p><p>Anl&auml;sslich seines Manila-Besuchs erkl&auml;rte Lloyd Austin am 2. Februar, die USA und die Philippinen seien weiterhin entschlossen, ihre gegenseitigen Kapazit&auml;ten zur Abwehr bewaffneter Angriffe zu st&auml;rken. Mit Blick auf die verst&auml;rkte Pr&auml;senz der VR China in den Gew&auml;ssern nahe den Philippinen erkl&auml;rte der Ex-General:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Das ist nur ein Teil unserer Bem&uuml;hungen, unser B&uuml;ndnis zu modernisieren. Und diese Bem&uuml;hungen sind besonders wichtig, da die Volksrepublik China ihre illegitimen Anspr&uuml;che im Westphilippinischen Meer weiter vorantreibt.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Bereits am 29. Juni 2022 hatten die sogenannten <em>Rim of the Pacific (Rimpac)-Kriegs&uuml;bungen 2022<\/em> begonnen, die am 4. August endeten und zwischenzeitlich von der Kontroverse &uuml;berschattet worden waren, die der bewusst auf Provokation angelegte Besuch der Sprecherin des US-Repr&auml;sentantenhauses, Nancy Pelosi, in Taiwan ausl&ouml;ste. Die Philippinen nahmen an diesen Kriegs&uuml;bungen teil, indem sie eine Fregatte, die <em>BRP Antonio Luna<\/em>, entsandten, die sich den 38 Schiffen, vier U-Booten, mehr als 170 Flugzeugen und 25.000 Personen aus insgesamt 26 teilnehmenden L&auml;ndern anschloss, von denen acht Mitglieder der NATO sind.<\/p><p>Angesichts der aktuellen strategischen Doktrin der USA, der zufolge die VR China als <em>die<\/em> Hauptbedrohung ihrer globalen Vorherrschaft gilt, bedeutete allein diese gewaltige maritime Demonstration der St&auml;rke unter US-F&uuml;hrung eine milit&auml;rische Provokation gegen&uuml;ber China. Die NATO, die in einem Strategiepapier China ihrerseits als &bdquo;systemische Bedrohung&ldquo; bezeichnet, zeigt mittlerweile auch verst&auml;rkt Flagge im Indopazifik, wie <em>Rimpac 2022<\/em> es deutlich unter Beweis stellte. Ihre europ&auml;ischen Mitglieder sind regelm&auml;&szlig;ig im S&uuml;dchinesischen Meer pr&auml;sent und berufen sich auf die &bdquo;Freiheit der Schifffahrt&ldquo;. Die NATO hat sich zu einem Milit&auml;rb&uuml;ndnis mit globalem interventionistischen Zuschnitt entwickelt, was allein in Jugoslawien, Syrien und Libyen demonstriert wurde.<\/p><p>Aus Sicht der USA waren und bleiben die Philippinen ein geostrategisches Schlachtfeld, wie es erst j&uuml;ngst wieder der philippinische Politikwissenschaftler und Milit&auml;rexperte Prof. Roland G. Simbulan in einem Interview mit diesem Autor konstatierte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die imperialen Interessen der USA, die das S&uuml;dchinesische Meer lange Zeit als Teil des &sbquo;Amerikanischen Meeres&lsquo; dominiert haben, sind nun durch die Herausforderung der defensiven Seemacht China in der Region bedroht, da die VR China ihre eigenen Ost- und S&uuml;dk&uuml;sten sowie die Seewege f&uuml;r den Handel sch&uuml;tzt. F&uuml;r die USA ist China zum Haupthindernis f&uuml;r ihre globale Vorherrschaft geworden, ungeachtet der Angriffe Russlands in der Ukraine.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>W&auml;hrend der sechsj&auml;hrigen Amtszeit (2016-22) von Rodrigo R. Duterte, dem Vorg&auml;nger des seit Sommer letzten Jahres in Manila regierenden Pr&auml;sidenten Ferdinand Marcos Jr., hatte es zeitweilig den Anschein, als schickte sich das s&uuml;dostasiatische Land an, eine Kehrtwende in seiner traditionell pro-US-amerikanischen Au&szlig;enpolitik zu vollziehen. Anl&auml;sslich seines ersten Staatsbesuchs in der VR China im Herbst 2016 hatte Duterte den Amerikanern mit der Aufk&uuml;ndigung bilateraler Milit&auml;rman&ouml;ver und der Revision bestehender Milit&auml;rabkommen gedroht. Duterte ging gar so weit, von einer neuen <em>&bdquo;Achse Manila-Beijing-Moskau&ldquo;<\/em> zu schwadronieren. Wie so vieles w&auml;hrend der Amtszeit dieses Pr&auml;sidenten entpuppte sich auch dieses Statement als Schall und Rauch. Es zielte eher darauf ab, die linken Kr&auml;fte im Lande einzuhegen. Derma&szlig;en stark sind die Kommandoh&ouml;hen der philippinischen <em>Nationalpolizei (PNP) <\/em>sowie der <em>Streitkr&auml;fte des Archipels (AFP)<\/em> mit Kadern besetzt, deren Weltbild zutiefst pro-amerikanisch ausgerichtet ist, dass eine ernsthafte Neuorientierung auf absehbare Zeit keinerlei reale Erfolgschancen h&auml;tte. Kein Wunder, dass sich Duterte gegen Ende seiner Amtszeit ebenso samtpfotig wie reum&uuml;tig wieder unter die Fittiche von Uncle Sam begab.<\/p><p><strong>SEATO &amp; &bdquo;Balikatan&ldquo;<\/strong><\/p><p>In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass immerhin auch einmal ein pazifisches Pendant zur NATO in der Region existierte &ndash; der am 8.&nbsp;September 1954 in Manila aus der Taufe gehobene <em>S&uuml;dostasienpakt (SEATO)<\/em>, alternativ auch als <em>&bdquo;Manila-Pakt&ldquo;<\/em> bekannt. Einzig Thailand und die Philippinen traten diesem B&uuml;ndnis als s&uuml;dostasiatische Mitgliedstaaten bei, w&auml;hrend S&uuml;dvietnam, Laos und Kambodscha zwar unter dessen Schutz standen, ohne freilich selbst Mitglieder der SEATO zu sein. Diese US-gef&uuml;hrte, dezidiert antikommunistische Allianz unterst&uuml;tzte vor allem Washingtons Aggression gegen die drei letztgenannten L&auml;nder und verstand den Pakt auch als <em>Cordon sanitaire<\/em> gegen die Sowjetunion und die VR China. Nach dem Debakel der USA in Vietnam und dem Ende des &bdquo;Amerikanischen Krieges&ldquo;, wie er in Vietnam selbst genannt wurde, war die SEATO &uuml;berfl&uuml;ssig und am 30.&nbsp;Juni 1977 unzeremoniell aufgel&ouml;st worden.<\/p><p>Ann&auml;hernd ein halbes Jahrhundert sp&auml;ter ist nicht Vietnam ein erkl&auml;rter Feind der USA; im Fr&uuml;hjahr 2023 sollen die bis dato gr&ouml;&szlig;ten gemeinsamen philippinisch-amerikanischen Milit&auml;rman&ouml;ver unter der Bezeichnung <em>&bdquo;Balikatan&ldquo; (&bdquo;Schulter an Schulter&ldquo;) <\/em>knapp drei Wochen lang (vom 11. bis zum 28. April) im Norden der Hauptinsel Luzon, auf der Insel Palawan sowie in der Region um Antique im Zentrum des Archipels stattfinden. Der Sprecher von <em>Balikatan<\/em>, Oberst Michael Logico, k&uuml;ndigte an, dass sich an diesen Man&ouml;vern mehr als 17.000 Soldaten beteiligen werden &ndash; 12.000 US-Milit&auml;rs, 5.000 Soldaten der AFP sowie &uuml;ber 100 australische Verteidigungskr&auml;fte. Neben Land&uuml;bungen, zu denen mehrere Handfeuerwaffen- und Man&ouml;ver&uuml;bungen (LFX), Dschungeltraining sowie Artillerie- und M&ouml;rser-LFX-Aktivit&auml;ten geh&ouml;ren, werden die Truppen auch Cyberverteidigungs&uuml;bungen und Live-Feuer&uuml;bungen auf See durchf&uuml;hren.<\/p><p>Au&szlig;erdem ist vorgesehen, dass es im Rahmen der diesj&auml;hrigen Balikatan-Man&ouml;ver auch zum ersten Live-Abschuss von <em>US-Patriot-Raketen<\/em> als Teil einer &Uuml;bung zur K&uuml;stenverteidigung kommt &ndash; und zwar in einer Region um <em>Panatag Shoal<\/em>, einem Fischereigebiet, das die VR China von den Philippinen beschlagnahmt hat und seit 2012 kontrolliert. Im vergangenen Jahr hatten die USA das Patriot-System bereits bei einer Balikatan-Mobilisierungs&uuml;bung eingesetzt, aber keine Rakete abgefeuert. Im laufenden Krieg Russlands gegen die Ukraine haben die USA dieses Waffensystem den Ukrainern zur Verf&uuml;gung gestellt, um damit russische Raketen- und Drohnenangriffe abzuwehren.<\/p><p>Der Konteradmiral a.D. Rommel Jude Ong, Ex-Vizekommandant der philippinischen Marine und heute gesch&auml;ftsf&uuml;hrender Direktor der Denkfabrik <em>Security Reform Initiative<\/em>, &auml;u&szlig;erte sich im Vorfeld der diesj&auml;hrigen Balikatan-Gro&szlig;man&ouml;ver gegen&uuml;ber philippinischen Pressevertretern wie folgt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Balikatan 2023 scheint darauf ausgelegt zu sein, operative Konzepte zu testen, um die strategische Abschreckungsposition (der AFP) in der Westphilippinischen See zu st&auml;rken. Die Entsendung von 12.000 amerikanischen Soldaten ist offensichtlich eine logistische &Uuml;bung, um festzustellen, wie schnell eine derma&szlig;en gro&szlig;e Anzahl von Truppen und Ausr&uuml;stung auf einem (Kriegs-)Schauplatz eingesetzt werden kann.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die &Uuml;bung zur Versenkung von Schiffen, so Ong weiter, ziele darauf ab, die Seeabwehrstrategie der philippinischen Marine zu testen. Der Einsatz von Patriot-Raketen w&uuml;rde es den AFP erm&ouml;glichen, <em>&bdquo;die Notwendigkeit eines Luftabwehrsystems zu verstehen, das unser Land und unsere kritische Infrastruktur vor konventionellen ballistischen Bedrohungen zu sch&uuml;tzen verm&ouml;chte&ldquo;.<\/em><\/p><p>Zwischenzeitlich hat in den USA eine neu gebildete Einheit des <em>United States Marine Corps (USMC)<\/em>, das <em>Third Marine Littoral Regiment (TMLR)<\/em>, eine zehnt&auml;gige Scheinschlacht in S&uuml;dkalifornien abgeschlossen, bei der eine Reihe von Schein-Milit&auml;rbasen eine nicht benannte &bdquo;pazifische Inselkette&ldquo; darstellen sollten. Das TMLR wurde gebildet, um auf Inseln und entlang K&uuml;stenregionen zum Einsatz zu kommen. Es besteht aus drei Teilstreitkr&auml;ften: einem Infanteriebataillon mit rund 800 Marinesoldaten, einem Flugabwehrbataillon, das neue Waffen und Taktiken testet, sowie einem Logistikbataillon. In den n&auml;chsten zwei Jahren wird es bis zu f&uuml;nfmal mehr Kriegs&uuml;bungen durchf&uuml;hren als die meisten Infanterieregimenter. Und ihr &bdquo;n&auml;chster gro&szlig;er Test&ldquo; soll laut Berichten der <em>New York Times<\/em> im April just in den Philippinen stattfinden.<\/p><p>General David H. Berger, Oberbefehlshaber des <em>USMC<\/em>, rechtfertigt solche &Uuml;bungen mit Blick auf einen m&ouml;glichen k&uuml;nftigen bewaffneten Konflikt mit China im Pazifik. Die Marine der Volksrepublik, so Berger, operiere nach dem Vorbild der US-Marine in Angriffsgruppen, wobei Zerst&ouml;rer und andere Kriegsschiffe einen Flugzeugtr&auml;ger eskortieren. Berger sprach in diesem Zusammenhang auch &uuml;ber neue Bedingungen und Gefahren auf dem Schlachtfeld, die in einem k&uuml;nftigen Krieg aufgrund hochmoderner Spionagesatelliten zu erwarten seien. Berger und andere US-Milit&auml;rstrategen gehen laut der <em>New York Times<\/em> davon aus, dass jede Schlacht mit der VR China in jenem Gebiet stattfinden k&ouml;nnte, welches das Pentagon als &bdquo;erste Inselkette&ldquo; bezeichnet. Dazu geh&ouml;ren Okinawa und Taiwan bis hinunter nach Malaysia, die Spratlys und die Paracels, wobei es sich bei den beiden Letztgenannten um umstrittenes Terrain im S&uuml;dchinesischen Meer handelt, das die Philippinen ihrerseits als Westphilippinisches Meer bezeichnen. Die &bdquo;zweite Inselkette&ldquo; umfasst die Philippinen und reicht von Japan &uuml;ber Guam bis s&uuml;dlich von Palau. H&ouml;chstwahrscheinlich w&uuml;rde das TMLR im Falle eines Einsatzes im Westpazifik seine leistungsf&auml;higsten Drohnen einsetzen &ndash; in diesem Fall <em>MQ-9 Reaper<\/em>-Drohnen des US-amerikanischen Herstellers <em>General Atomics,<\/em> die vorrangig der Luftnahunterst&uuml;tzung dienen. Das hei&szlig;t, <em>MQ-9 Reaper<\/em> k&ouml;nnen Bomben abwerfen und Raketen abfeuern, w&auml;hrend sie gleichzeitig nachrichtendienstliche Informationen zur&uuml;cksenden, wie all dies bereits im Afghanistankrieg vorexerziert wurde.<\/p><p>Im Vorfeld der im April auf den Philippinen stattfindenden Gro&szlig;man&ouml;ver k&uuml;ndigte das USMC-Kommando die Stationierung weiterer US-Marineeinheiten auf japanischem Boden an, die als Kernelement einer neuen trilateralen Gruppierung &ndash; bestehend aus Milit&auml;rkontingenten der USA, der Philippinen und Japans <em>(JAPHUS)<\/em> &ndash; konzipiert sind, um eine etwaige chinesische Invasion in Taiwan abzuwehren. Last, but not least er&ouml;ffnete das USMC einen neuen St&uuml;tzpunkt auf Guam, einer strategisch &uuml;beraus bedeutsamen US-Insel &ouml;stlich der Philippinen. Der dort als <em>Camp Blaz<\/em> bekannte Standort ist die erste neue Marinebasis seit 70 Jahren und soll eines Tages 5.000 Marines beherbergen.<\/p><p>Von Reportern gefragt, ob all diese Entwicklungen nicht die politische F&uuml;hrung in Beijing zutiefst ver&auml;rgern und auf den Plan rufen, antwortete der <em>Balikatan<\/em>-Sprecher Oberst Logico:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wir haben das absolute, unver&auml;u&szlig;erliche Recht, unser Territorium zu verteidigen. Wir sind hier, um zu zeigen, dass wir kampfbereit sind.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Erwartungsgem&auml;&szlig; folgte denn auch prompt eine Stellungnahme aus Beijing, in der die stellvertretende Direktorin der Informationsabteilung des chinesischen Au&szlig;enministeriums und Sprecherin des Au&szlig;enamtes, Mao Ning, vor einer Versch&auml;rfung der Spannungen in der Region warnte:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die Philippinen, die den USA Zugang zu vier weiteren Verteidigungsanlagen auf ihrem Territorium gew&auml;hren, haben die Spannungen in der Region versch&auml;rft und gef&auml;hrden den Frieden und die Stabilit&auml;t in der Region. Aus Eigennutz h&auml;lt die US-Seite am Kalten Krieg fest. Die L&auml;nder der Region sollten in dieser Hinsicht wachsam bleiben und vermeiden, von den USA benutzt zu werden.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Sehenden Auges vollzieht also die seit knapp einem Jahr amtierende Regierung von Marcos Junior eine Kehrtwende hin zu einer betont US-h&ouml;rigen Au&szlig;enpolitik, die den Inselstaat erneut zu einem unsinkbaren Flugzeugtr&auml;ger Washingtons macht &ndash;&nbsp;und gleichzeitig die Rolle der Filipinos als <em>&bdquo;little brown brothers&ldquo;<\/em> unterstreicht, als die William Howard Taft, der erste US-amerikanische Generalgouverneur der Philippinen (1901-1904) und sp&auml;ter der 27. Pr&auml;sident der Vereinigten Staaten von Amerika, die Bev&ouml;lkerung der einzigen und einstigen Kolonie Washingtons in S&uuml;dostasien bezeichnet hatte. Als Washington noch bis zu Beginn der 1990er-Jahre in den Philippinen mit dem <em>Clark Air Field<\/em> und der <em>Subic Naval Base<\/em> seine damals gr&ouml;&szlig;ten au&szlig;erhalb des nordamerikanischen Kontinents befindlichen Milit&auml;rbasen unterhielt, erschallte lautstark der Ruf ihrer Kritiker: &bdquo;Die Basen sind ein Dolch im R&uuml;cken der Filipinos!&ldquo;<\/p><p>Reichlich drei Dekaden sp&auml;ter regt sich erneut Kritik, die sich nicht nur gegen man&ouml;verbedingte Flursch&auml;den und Vertreibungen richtet, sondern auch die Gefahr beschw&ouml;rt, aufgrund Manilas Politik unweigerlich ins Visier m&ouml;glicher chinesischer Vergeltungsschl&auml;ge zu geraten, wenn von philippinischem Boden aus provokative Akte gegen China erfolgen. Linke B&uuml;ndnisorganisationen, Parteien sowie die fortschrittliche <em>League of Filipino Students (LFS)<\/em> zeigen sich jedenfalls zutiefst besorgt dar&uuml;ber, dass die Kriegs&uuml;bungen zu einer Kettenreaktion f&uuml;hren und die Philippinen zwischen die USA und China man&ouml;vrieren:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Der Wirtschaftsriese (China) wird gezwungen sein, drastische Ma&szlig;nahmen zu ergreifen, um seine Einflusssph&auml;re in der asiatisch-pazifischen Region aufrechtzuerhalten, was sich ironischerweise in einem st&auml;rkeren Einfluss auf die Westphilippinische See niederschlagen wird.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die Fischerleuteorganisation <em>Pamalakaya<\/em> warnt au&szlig;erdem vor Vertreibungen der lokalen Fischer in jenen Gebieten, in denen die Balikatan-Man&ouml;ver abgehalten werden. Die Provinzregierung von Ilocos Norte (im hohen Norden der Philippinen) hat bereits die Order erteilt, dass in 21 D&ouml;rfern und zwei St&auml;dten &bdquo;die betroffenen Fischer umzusiedeln sind, um Platz f&uuml;r den Verkehr zu schaffen&ldquo;, da vom 10. M&auml;rz bis zum 28. April luftbewegliche Operationen und logistische &Uuml;bungen durchgef&uuml;hrt w&uuml;rden. Sprecher von <em>Pamalakaya <\/em>zeigten sich erbost und konterten<em>: &bdquo;Wir fordern die US-Truppen auf, die philippinischen Fischer in Ruhe zu lassen und ihre kriegstreibende Machtprojektion woanders durchzuf&uuml;hren.&ldquo;<\/em><\/p><p><strong>S&uuml;dkorea &ndash; antikommunistischer &bdquo;Frontstaat&ldquo; mit Sonderstatus<\/strong><\/p><p>Ende Juli dieses Jahres j&auml;hrt sich zum 70. Mal die Unterzeichnung des <em>Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom<\/em>, wodurch der dreij&auml;hrige Koreakrieg (1950-53), der erste &bdquo;hei&szlig;e&ldquo; Konflikt im Kalten Krieg, beendet wurde. Unterzeichnet wurde dieses Abkommen bezeichnenderweise nicht vom damaligen s&uuml;dkoreanischen Pr&auml;sidenten Rhee Syngman. Dieser wollte den Krieg bis zum Sieg fortf&uuml;hren und fand sich mit den neuen Gegebenheiten erst ab, als die US-amerikanische Seite ihm umfassende Wirtschafts-, Finanz- und Milit&auml;rhilfe zusagte. Nolens volens geriet auf diese Weise die am 15. August 1948 ausgerufene <em>Republik Korea (S&uuml;dkorea)<\/em> zum antikommunistischen &bdquo;Frontstaat&ldquo; par excellence &ndash;&nbsp;mit weitreichenden Konsequenzen, die bis in die unmittelbare Gegenwart hineinwirken. Bis heute n&auml;mlich steht noch immer eine <em>friedensvertragliche Regelung<\/em> auf der koreanischen Halbinsel aus.<\/p><p>Rhee Syngman, von den USA nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Statthalter der <em>United States Army Military Government in Korea (USAMGIK)<\/em> eingesetzt, die s&uuml;dlich des 38. Breitengrads das Sagen hatte, tat alles, diesen Teil der Halbinsel stramm antikommunistisch auszurichten und in einen Prellbock gegen den Norden wie auch gegen die VR China und die Sowjetunion zu verwandeln. N&ouml;rdlich des 38. Breitengrads, der zun&auml;chst als k&uuml;nstlich festgelegte Trennlinie zwischen Nord und S&uuml;d seitens der Siegerm&auml;chte USA und Sowjetunion galt, f&uuml;hrte Letztere das Zepter. Dort verlief ihre Einmischung in koreanische Angelegenheiten ungleich geringer als die der Amerikaner im S&uuml;den. Im Norden wurden umfangreiche Reformen (vor allem im Agrarbereich) durchgef&uuml;hrt und die vormals pro-japanischen Elemente und Kollaborateure des japanischen Kaiserreiches (dessen Kolonie Korea von 1910 bis 1945 war) aus allen f&uuml;hrenden Positionen in Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Kultur entfernt. Im Gegensatz zu dem aus dem Exil eingeflogenen Rhee Syngman verk&ouml;rperte Kim Il-Sung als ausgewiesener antijapanischer Partisanenk&auml;mpfer im Norden eine volksverbundene, charismatische F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeit mit ungleich gr&ouml;&szlig;erer Legitimation als sein s&uuml;dlicher Gegenspieler Rhee.<\/p><p>Mit den jeweiligen Staatsgr&uuml;ndungen &ndash; am 15. August 1948 &uuml;bergab die USAMGIK die Regierungsgesch&auml;fte an die neu konstituierte ROK-Regierung, w&auml;hrend Kim Il-Sung nachzog und am 9. September 1948 in Pj&ouml;ngjang die Geburt der <em>Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK &ndash; Nordkorea)<\/em> verk&uuml;ndete &ndash; hatten sich die sozialpolitischen Konflikte auf der Halbinsel derma&szlig;en versch&auml;rft, dass bewaffnete Auseinandersetzungen immer wahrscheinlicher wurden. Was urspr&uuml;nglich als Klassenkampf begann, wuchs sich sukzessiv zum B&uuml;rgerkrieg aus und entfaltete eine ungeahnte Eskalationsdynamik durch die Internationalisierung des Krieges als <em>Koreakrieg.<\/em><\/p><p>Von 1950 bis 1953 stellten 22 L&auml;nder entweder Kampftruppen oder medizinische Einheiten zur Unterst&uuml;tzung S&uuml;dkoreas <em>unter der Flagge der Vereinten Nationen, wiewohl unter US-Oberkommando<\/em>,<em> <\/em>bereit. Auf Seiten Nordkoreas k&auml;mpften <em>Freiwilligenverb&auml;nde<\/em> der chinesischen Volksarmee sowie eine nicht genau bekannte Zahl sowjetischer Piloten. W&auml;hrend ausl&auml;ndische Truppen die DVRK nach dem Krieg verlie&szlig;en, verblieben UN-Verb&auml;nde und US-Truppen (aktuell 28.500 Mann) bis heute ununterbrochen in S&uuml;dkorea &ndash; ein Anachronismus ohnegleichen! Und es ist ein US-amerikanischer Viersternegeneral (seit dem 2. Juli 2021 General&nbsp;Paul J. LaCamera), der als unzeitgem&auml;&szlig;er Prokonsul im gut 60 Kilometer s&uuml;dlich der s&uuml;dkoreanischen Metropole Seoul gelegenen Hauptquartier Camp Humphreys residiert, der zurzeit weltweit gr&ouml;&szlig;ten US-Milit&auml;rbasis au&szlig;erhalb des nordamerikanischen Kontinents.<\/p><p>General LaCamera ist in Personalunion Oberkommandierender der <em>United States Forces Korea (USFK), <\/em>des<em> Kommandos der Vereinten Nationen (United Nations Command &ndash; UNC) <\/em>sowie des<em> ROK\/U.S. Combined Forces Command (CFC)<\/em>. Im Kriegsfall sind die s&uuml;dkoreanischen Streitkr&auml;fte seinem Befehl untergeordnet &ndash; eine &bdquo;Pikanterie&ldquo;, weil dadurch nicht genau zu bestimmen ist, wo s&uuml;dkoreanische Innenpolitik endet und faustfeste US-amerikanische Au&szlig;en- und &bdquo;Sicherheits&ldquo;politik beginnt! Assistiert wird General LaCamera von seinem s&uuml;dkoreanischen Stellvertreter und Kollegen, dem seit dem 27. Mai 2022 seines Amtes obwaltenden General Ahn Byung-Seok.<\/p><p>Links &amp; weiterf&uuml;hrende Literatur finden Sie <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/230410-R-Werning-Militaers-links.pdf\">in dem beigef&uuml;gten PDF-Dokument<\/a>.<\/p><p>Titelbild: rawf8\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Geradewegs hinter den Philippinen liegen Chinas schier unermessliche M&auml;rkte. Wir werden unseren Teil in der Mission unserer von Gott gesch&uuml;tzten Rasse bei der Zivilisierung der Erde beitragen. Wo werden wir die Abnehmer unserer Produkte finden? Die Philippinen geben uns einen St&uuml;tzpunkt am Tor zum Osten.&ldquo; So lautete einer der Kerns&auml;tze aus dem Munde des aus<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96018\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":63701,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,172],"tags":[379,2183,2102,1426,3124,2301,1937,2069,466,1485,1971,1983,1556],"class_list":["post-96018","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-aufruestung","tag-china","tag-duterte-rodrigo","tag-geostrategie","tag-hegemonie","tag-indopazifik","tag-konfrontationspolitik","tag-militaermanoever","tag-militaerstuetzpunkte","tag-nato","tag-nordkorea","tag-philippinen","tag-suedkorea","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/shutterstock_792494194.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96018","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=96018"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96018\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":96154,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96018\/revisions\/96154"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/63701"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=96018"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=96018"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=96018"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}