{"id":96059,"date":"2023-04-08T15:00:32","date_gmt":"2023-04-08T13:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96059"},"modified":"2023-04-08T16:31:33","modified_gmt":"2023-04-08T14:31:33","slug":"sklavereiaehnliche-bedingungen-schwere-vorwuerfe-gegen-basf-in-brasilien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96059","title":{"rendered":"\u201eSklaverei\u00e4hnliche Bedingungen\u201c: Schwere Vorw\u00fcrfe gegen BASF in Brasilien"},"content":{"rendered":"<p>85 Arbeiter &ndash; unter ihnen mindestens elf Minderj&auml;hrige &ndash; wurden im M&auml;rz aus zwei Reisfarmen aus sklavenarbeits&auml;hnlichen Zwangsverh&auml;ltnissen&nbsp;<a href=\"https:\/\/noticias.uol.com.br\/cotidiano\/ultimas-noticias\/2023\/03\/12\/fome-sede-desmaios-desconto-salarios-trabalho-escravo-uruguaiana-operacao.htm\">befreit<\/a>. Der deutsche Chemiekonzern BASF wird vom brasilianischen Arbeitsministerium (MTE) als &bdquo;tats&auml;chlicher Arbeitgeber&ldquo; benannt. Der Konzern hatte laut MTE &bdquo;die Kontrolle &uuml;ber alles, was dort geschah&ldquo;. An der Befreiungsaktion in der Stadt Uruguaiana im Bundesstaat Rio Grande beteiligten sich Beamte der Bundespolizei, des Arbeitsministeriums sowie der Bundesstaatsanwaltschaft. Mittlerweile soll laut Medienberichten die brasilianische Bundesstaatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den deutschen Mega-Konzern aufgenommen haben. Von <strong>Christian Russau<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nErmittlern zufolge erlitten die Arbeiter infolge von Essens- und Fl&uuml;ssigkeitsmangel Ohnmachtsanf&auml;lle, ohne dass ihnen medizinisch geholfen wurde. Zudem wurde ihnen in solchen F&auml;llen f&uuml;r den Zeitraum kein Lohn bezahlt.<\/p><p>Der Beamte V&iacute;tor Ferreira&nbsp;<a href=\"https:\/\/noticias.uol.com.br\/cotidiano\/ultimas-noticias\/2023\/03\/12\/fome-sede-desmaios-desconto-salarios-trabalho-escravo-uruguaiana-operacao.htm\">spricht<\/a>&nbsp;gegen&uuml;ber dem Portal UOL von &bdquo;entw&uuml;rdigenden Bedingungen&ldquo;. Da es keinen Ort zum Lagern von Lebensmitteln gab, sind die Lebensmittel sehr schnell verdorben, sodass die Arbeiter das wenig verbleibende Essen unter sich aufteilen mussten. Mahlzeiten h&auml;tten stets aus kaltem Essen bestanden, es gab keine M&ouml;glichkeit, Essen aufzuw&auml;rmen.<\/p><p>Pestizide wurden ohne angemessene Schutzkleidung ausgespr&uuml;ht, auch durch Minderj&auml;hrige. Die Betroffenen, die alle aus Gemeinden des an Argentinien angrenzenden Gebiets aus dem Westen des Bundesstaats Rio Grande do Sul stammen, wurden angeheuert, um sogenannten roten Reis zu schneiden, ein Gras, das neben dem Reis w&auml;chst und der Ernte Schaden zuf&uuml;gt. Die Arbeiter sollten selbst f&uuml;r Arbeitsger&auml;te sorgen, und das Ausbringen von Pestiziden erfolgte ohne individuelle Schutzausr&uuml;stung. Die Anstellung erfolgte ohne Papiere und offizielle Registrierung des Arbeitsverh&auml;ltnisses.<\/p><p>Der Verband der Reisbauernvereinigungen des Bundesstaates Rio Grande do Sul, Federarroz,&nbsp;<a href=\"https:\/\/gauchazh.clicrbs.com.br\/geral\/noticia\/2023\/03\/sobe-para-82-o-numero-de-trabalhadores-resgatados-em-condicoes-analogas-a-escravidao-em-uruguaiana-clf6uq4ip002i017yxettc886.html\">sprach<\/a>&nbsp;von &bdquo;sklaverei&auml;hnlichen Bedingungen&ldquo; und betonte, die Ermittlungen in diesem Fall zu verfolgen, um bei der Aufkl&auml;rung mitzuwirken.<\/p><p>Das Arbeitsministerium wies laut&nbsp;<a href=\"https:\/\/g1.globo.com\/rs\/rio-grande-do-sul\/noticia\/2023\/03\/18\/multinacional-de-graos-e-a-empregadora-de-resgatados-em-situacao-semelhante-a-escravidao-em-uruguaiana-conclui-mte.ghtml\">G1<\/a>&nbsp;darauf hin, dass BASF &bdquo;die absolute Kontrolle &uuml;ber alles, was auf der Plantage geschah, einschlie&szlig;lich der Ausbildung und des Einsatzes der geretteten Arbeiter&ldquo; hatte. Das Unternehmen sei aufgefordert worden, die Arbeiter sozialversicherungsrechtlich zu registrieren und die ihnen zustehenden Abfindungen in H&ouml;he von umgerechnet 66.500 Euro r&uuml;ckwirkend zu zahlen.<\/p><p>Das mit BASF verbundene Fachpersonal habe nicht nur technische Ratschl&auml;ge erteilt und Schulungen durchgef&uuml;hrt, sondern &bdquo;an der Einstellung von Arbeitskr&auml;ften mitgewirkt, indem sie die Anzahl der einzustellenden Arbeitskr&auml;fte angegeben und das Arbeitsvolumen und die Form der Bereitstellung auf t&auml;glicher Basis kontrolliert haben.&ldquo;<\/p><p>Ein Arbeitsinspektor sagte dazu: &bdquo;Die Anwerbung von Arbeitskr&auml;ften, die &Uuml;berwachung und Kontrolle der Arbeitsschritte sowie die Genehmigung der Bezahlung nach Beendigung des Dienstes wurden von den von ihr [BASF] direkt oder indirekt beauftragten Agronomen durchgef&uuml;hrt und\/oder bestimmt&ldquo;.<\/p><p>Bei der Untersuchung der Funktionsweise von Arbeitsvertr&auml;gen in diesem Fall konnte festgestellt werden, dass BASF einen Saatgutproduktionsvertrag mit der Lieferfirma abschloss und versuchte, sich von den vertraglich vereinbarten Arbeitsverh&auml;ltnissen zu distanzieren. &bdquo;Die Beziehung zwischen dem multinationalen Unternehmen und den l&auml;ndlichen Erzeugern ist keine rein kommerzielle Beziehung. Dies w&auml;re der Fall, wenn der multinationale Konzern lediglich der K&auml;ufer der Ernte w&auml;re. Diese Beziehung kann als Partnerschaft bezeichnet werden, da sie die gemeinsame Verwaltung aller Produktionsphasen umfasst&ldquo;, erkl&auml;rte der Arbeitsinspektor gegen&uuml;ber G1.<\/p><p>Laut Medienberichten&nbsp;<a href=\"https:\/\/gauchazh.clicrbs.com.br\/geral\/noticia\/2023\/03\/multinacional-e-investigada-no-caso-de-trabalho-analogo-a-escravidao-em-uruguaiana-clfbpeom2003j016b3vpql5wp.html\">&auml;u&szlig;erte<\/a>&nbsp;BASF dazu, man habe von dem Fall erfahren und &bdquo;bedauert zutiefst, was den Arbeitern widerfahren ist&ldquo;. Der Konzern werde sich &bdquo;proaktiv an die Beh&ouml;rden wenden, um zur L&ouml;sung des Falles beizutragen&ldquo;. Zudem erkl&auml;rt das Unternehmen, dass es die Anforderungen f&uuml;r die Einstellung von Lieferanten und Subunternehmern befolge und Praktiken &bdquo;vehement verurteilt, die die Menschenrechte missachten&ldquo;.<\/p><p>Mit Beginn des Jahres 2023 trat in Deutschland das Gesetz zur Lieferkettensorgfaltspflicht (LkSG) in Kraft, das in Deutschland ans&auml;ssige Unternehmen verpflichtet, in ihren Lieferketten auf die Einhaltung der Menschenrechte zu achten.<\/p><p>Ob und inwieweit der Fall auch das Bundesamt f&uuml;r Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, das f&uuml;r die Kontrolle der Einhaltung des Lieferkettengesetzes zust&auml;ndig ist, besch&auml;ftigen wird, bleibt offen. Zumal es den Chemiekonzern lediglich mit Bu&szlig;geldern belegen kann. Die betroffenen Arbeiter werden auf diesem Wege BASF kaum zur Verantwortung ziehen k&ouml;nnen.<\/p><p>Nach bislang offiziell nicht best&auml;tigten Medienberichten&nbsp;<a href=\"https:\/\/gauchazh.clicrbs.com.br\/geral\/noticia\/2023\/03\/multinacional-e-investigada-no-caso-de-trabalho-analogo-a-escravidao-em-uruguaiana-clfbpeom2003j016b3vpql5wp.html\">ermittelt<\/a>&nbsp;nun in Brasilien die Bundesstaatsanwaltschaft f&uuml;r Arbeit gegen BASF, den nach Umsatz gr&ouml;&szlig;ten Chemiekonzern&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/BASF\">weltweit<\/a>.<\/p><p><em>Dieser Artikel erschien <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2023\/04\/263315\/basf-sklavenaehnliche-bedingungen\">zuerst auf Amerika21<\/a><\/em>.<\/p><p>Titelbild: shutterstock \/ rafapress<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94898\">Multinationale Unternehmen zwingen Lateinamerika ihr Recht auf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=94563\">Nach Putschversuch in Brasilien: Arbeiterpartei von Lula will Macht des Milit&auml;rs einschr&auml;nken<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95723\">&bdquo;Versto&szlig; gegen das V&ouml;lkerrecht&ldquo;-USA haben in drei Jahren fast drei Millionen lateinamerikanische Migranten abgeschoben<\/a><\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/6de591e54de545828fea39b6438a86a2\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>85 Arbeiter &ndash; unter ihnen mindestens elf Minderj&auml;hrige &ndash; wurden im M&auml;rz aus zwei Reisfarmen aus sklavenarbeits&auml;hnlichen Zwangsverh&auml;ltnissen&nbsp;<a href=\"https:\/\/noticias.uol.com.br\/cotidiano\/ultimas-noticias\/2023\/03\/12\/fome-sede-desmaios-desconto-salarios-trabalho-escravo-uruguaiana-operacao.htm\">befreit<\/a>. Der deutsche Chemiekonzern BASF wird vom brasilianischen Arbeitsministerium (MTE) als &bdquo;tats&auml;chlicher Arbeitgeber&ldquo; benannt. Der Konzern hatte laut MTE &bdquo;die Kontrolle &uuml;ber alles, was dort geschah&ldquo;. An der Befreiungsaktion in der Stadt Uruguaiana im Bundesstaat Rio Grande<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96059\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":96062,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,20],"tags":[1740,540,1613,305],"class_list":["post-96059","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-landerberichte","tag-arbeitsbedingungen","tag-basf","tag-brasilien","tag-menschenrechte"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/BASF_Skandal_Brasilien.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96059","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=96059"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96059\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":96151,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96059\/revisions\/96151"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/96062"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=96059"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=96059"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=96059"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}