{"id":96395,"date":"2023-04-16T14:00:05","date_gmt":"2023-04-16T12:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96395"},"modified":"2023-04-16T16:50:05","modified_gmt":"2023-04-16T14:50:05","slug":"geopolitische-einsichten-und-analysen-wolfgang-bittners-neues-buch-ausnahmezustand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96395","title":{"rendered":"Geopolitische Einsichten und Analysen \u2013\u00a0Wolfgang Bittners neues Buch \u201eAusnahmezustand\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst&ldquo;, lautet eine unerfreuliche, aber wichtige Erkenntnis. Auch wir erleben seit Jahren eine harsche Einengung der Informationsvielfalt, ein Fokussieren auf eine einzige &bdquo;Wahrheit&ldquo;, wobei in letzter Zeit, insbesondere im Zusammenhang mit der Corona-Krise, Andersdenkende und Abweichler nicht nur kritisiert und ausgegrenzt werden, sondern als Schwurbler, Idioten, Rechte oder gar Nazis diffamiert, verleumdet und diskreditiert werden. Das Prinzip ist mir aus der DDR, in der ich 40 Jahre gelebt habe, gut bekannt. Auch da wurden Andersdenkende diffamiert und ausgegrenzt, was eine der Ursachen des Herbstes &lsquo;89 war. Dass in einer sich freiheitlich-demokratisch nennenden Gesellschaft genau das und genauso schonungslos praktiziert wird, war f&uuml;r mich nicht vorstellbar nach 1989, auch nicht, dass man sich, um keine Schwierigkeiten zu bekommen, heute sehr genau &uuml;berlegen muss, was man in der &Ouml;ffentlichkeit sagt. Schon muss man es als sehr mutig nennen, wenn heute jemand trotz der zu erwartenden b&ouml;sartigen Reaktionen wagt, nicht erw&uuml;nschte Wahrheiten zu sagen. Eine Rezension von <strong>Winfried Wolk<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWolfgang Bittner tut das mit seinem neuesten Buch <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/ausnahmezustand.html?listtype=search&amp;searchparam=Wolfgang%20Bittner%20Ausnahmezustand\">&bdquo;Ausnahmezustand&ldquo;<\/a>, wie er es auch in seinen bisher erschienenen B&uuml;chern getan hat. Er benennt die seit Jahrzehnten beharrlich verfolgte Strategie und die dabei verbreiteten Halbwahrheiten und L&uuml;gen der M&auml;chtigen in den USA, endlich ihren Langzeitplan zu verwirklichen, die einzige und unantastbare Weltmacht zu sein. Er geht dem neuen West-Ost-Konflikt auf den Grund und belegt seine Erkenntnisse mit eigentlich problemlos zu findenden, aber in der Mainstream-Meinungsbildungsmaschinerie blind ignorierten Quellen.<\/p><p>So zitiert er Zbigniew Brzezinski, Pr&auml;sidentenberater von Jimmy Carter, der 1997 pr&auml;zise und nahezu bis ins Detail in seinem Buch &bdquo;Die einzige Weltmacht&ldquo; beschrieben hatte, was seit Anfang des 20. Jahrhunderts begonnen, nach 1945 im Kalten Krieg weiterverfolgt und nach 1990 mit der Wolfowitz-Doktrin &bdquo;Defence Planning Guidance&ldquo; endg&uuml;ltig festgelegt wurde. So stand immer schon Russland im Fokus. Mit sogenannten Blumen- und Farbrevolutionen wurden mehr oder weniger erfolgreiche Regime-Changes arrangiert, um das russische Riesenreich zu destabilisieren und Zugriff auf die enormen Ressourcen zu erhalten. Mit der &bdquo;Rosenrevolution&ldquo; in Georgien 2003, der &bdquo;Orangenen Revolution&ldquo; in der Ukraine 2004 und 2005 der &bdquo;Tulpenrevolution&ldquo; in Kirgisien wurden entsprechend westlich instrumentalisierte Kr&auml;fte in Regierungspositionen gebracht. Da das mit der Orangenen Revolution in der Ukraine nicht gleich so geklappt hatte, wie es sich die Drahtzieher in Washington gew&uuml;nscht hatten, wurde 2014 ein zweiter Versuch unternommen. Bittner beschreibt den Verlauf, der von Brzezinski wie folgt begr&uuml;ndet wurde:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die Unabh&auml;ngigkeit der Ukraine beraubt Russland zudem seiner beherrschenden Position am Schwarzen Meer, wo Odessa das unersetzliche Tor f&uuml;r den Handel mit dem Mittelmeerraum und der Welt jenseits davon ist. Unter geopolitischem Aspekt stellt der Abfall der Ukraine einen zentralen Verlust dar, denn er beschneidet Russlands geostrategische Optionen drastisch&hellip;&ldquo;.<\/p><\/blockquote><p>Entgegen der &bdquo;Charta von Paris&ldquo; und den in den Gespr&auml;chsprotokollen Anfang 1990 festgehaltenen Zusagen, die NATO &bdquo;nicht einen Inch&ldquo; nach Osten auszudehnen, wenn die Sowjetunion der Einheit Deutschlands zustimmt, stehen nun heute NATO-Verb&auml;nde an der Grenze Russlands und Man&ouml;ver folgen auf Man&ouml;ver. Allerdings ist das Credo unantastbar, dass die USA die Guten sind, die &uuml;berall f&uuml;r Freiheit, Demokratie und die Menschenrechte sorgen und b&ouml;sartige Diktatoren beseitigen, um den V&ouml;lkern die Freiheit zu bringen, &bdquo;God&lsquo;s own country&ldquo; eben. Auch wenn die Befreiungsergebnisse des US-Engagements im Irak, Afghanistan, Syrien, Libyen und Jugoslawien, um nur die Aktuellsten zu nennen, v&ouml;llig dagegen sprechen, wurde l&auml;ngst schon ein sehr versimpeltes Weltbild installiert, das mit Nachdruck verbreitet wird.<\/p><p>In all der tr&uuml;ben Nachrichten- und Informationsbr&uuml;he ist Wolfgang Bittners neues Buch ein sehr wichtiges und die gegenw&auml;rtig uns alle bedrohende Ausnahmezustandssituation erhellendes Signal. Er informiert &uuml;ber die transatlantischen Netzwerke, zu denen auch das Weltwirtschaftsforum in Davos zu z&auml;hlen ist, wo Politiker ihre unbedingt erforderliche Pr&auml;gung erhalten, damit in Europa genau die Politik gemacht wird, die den Interessen des gro&szlig;en Hegemonen n&uuml;tzt. Dass unsere Politiker, die nach Brzezinski nichts weiter als einen Vasallenstatus besitzen, mit aller Macht und mit Hilfe v&ouml;llig angepasster Medien das nun seit Jahren durchzusetzen versuchen und dabei Wahrheit und Redlichkeit &uuml;berhaupt keine Rolle spielen, zeigt die Geschichte der Minsker Vertr&auml;ge mit erschreckender Deutlichkeit. Sie wurden nicht nur nach Aussagen von Angela Merkel nicht etwa geschlossen, um den innerukrainischen Konflikt im Donbass friedlich zu l&ouml;sen, sondern um der Kiewer Putschregierung Zeit zu geben, f&uuml;r einen Krieg gegen Russland besser ger&uuml;stet zu sein.<\/p><p>Auch die gegenw&auml;rtigen Medienkampagnen, in denen in unterschiedlichsten Versionen die hochkriminelle Sprengung der Nord-Stream-R&ouml;hren erkl&auml;rt und die Schuld allen m&ouml;glichen Kr&auml;ften zugeschoben wird, um die USA trotz jahrelanger, offen ge&auml;u&szlig;erter und praktizierter, massiver Gegnerschaft als unschuldig zu erkl&auml;ren, sprechen die gleiche Sprache. Wolfgang Bittner bezieht in seiner Analyse auch die Politik der USA nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein, die den westlichen Teil Deutschlands sofort zum Br&uuml;ckenkopf gegen Russland aufbaute. Da dieser Krieg bis heute nicht durch einen Friedensvertrag beendet wurde, ist Deutschland auch nicht in der Lage, eine von den USA unabh&auml;ngige Politik, insbesondere gegen&uuml;ber Russland, zu betreiben. Bittner verweist dabei auf den Direktor der Denkfabrik Stratfor, George Friedman, und dessen strategische Rede am 4. Februar 2015 auf einer vom US-amerikanischen Thinktank &bdquo;Chicago Council on Global Affairs&ldquo; organisierten Konferenz, die die Gr&uuml;nde daf&uuml;r nennt.<\/p><p>Das bislang praktizierte US-Engagement zur &bdquo;Befreiung der V&ouml;lker&ldquo; und die damit erzielten Ergebnisse sind alarmierend. Der gegenw&auml;rtig unz&auml;hlige Todesopfer fordernde Krieg in der Ukraine, der seit 1991 mit Milliarden Dollar vorbereitet und seit 2014 mit massiven Waffenlieferungen angeheizt wurde, reiht sich da nahtlos ein. Allerdings ist Russland nicht Afghanistan und nicht mit Irak, mit Jugoslawien und mit Libyen zu vergleichen, sondern verf&uuml;gt &uuml;ber ein v&ouml;llig anderes Potenzial, was dieses Abenteuer insbesondere f&uuml;r den euro-asiatischen Raum und uns alle existenziell hochgef&auml;hrlich macht. Mit den angeh&auml;ngten Dokumenten, den Reden des russischen Pr&auml;sidenten Putin, des russischen Au&szlig;enministers Lawrow und von Bundeskanzler Scholz gibt uns Wolfgang Bittner am Ende des Buches entgegen der verbreiteten Wertung einen tieferen Einblick in die Gedankeng&auml;nge dieser Politiker.<\/p><p><em>Wolfgang Bittner: &bdquo;Ausnahmezustand. Geopolitische Einsichten und Analysen unter Ber&uuml;cksichtigung des Ukraine-Konfliktes&ldquo;, zeitgeist, H&ouml;hr-Grenzhausen 2023, Klappenbroschur, 288 Seiten mit 37 Abbildungen, 19,90 &euro;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst&ldquo;, lautet eine unerfreuliche, aber wichtige Erkenntnis. Auch wir erleben seit Jahren eine harsche Einengung der Informationsvielfalt, ein Fokussieren auf eine einzige &bdquo;Wahrheit&ldquo;, wobei in letzter Zeit, insbesondere im Zusammenhang mit der Corona-Krise, Andersdenkende und Abweichler nicht nur kritisiert und ausgegrenzt werden, sondern als Schwurbler, Idioten, Rechte oder gar Nazis<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96395\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":96396,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,126,208,11],"tags":[797,1206,2102,1418,259,260,1556],"class_list":["post-96395","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-erosion-der-demokratie","category-rezensionen","category-strategien-der-meinungsmache","tag-bittner-wolfgang","tag-brzezinski-zbigniew","tag-geostrategie","tag-regime-change","tag-russland","tag-ukraine","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/230416_bittner.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96395","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=96395"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96395\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":96436,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96395\/revisions\/96436"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/96396"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=96395"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=96395"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=96395"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}