{"id":96401,"date":"2023-04-15T14:00:01","date_gmt":"2023-04-15T12:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96401"},"modified":"2023-04-15T15:53:34","modified_gmt":"2023-04-15T13:53:34","slug":"die-mit-den-woelfen-heulen-die-wurzeln-der-totalitaeren-versuchung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96401","title":{"rendered":"Die mit den W\u00f6lfen heulen \u2013 Die Wurzeln der totalit\u00e4ren Versuchung"},"content":{"rendered":"<p>Warum werden manche Menschen zu Mitl&auml;ufern, die sich menschenfeindlichen Ideologien unterwerfen? Und warum gelingt es im Gegensatz dazu anderen, sich ihre innere Freiheit zu bewahren &ndash; und sich gesellschaftlich dominierenden Ideologien zu widersetzen? Das ist das Thema des Buches <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/index.php?cl=details&amp;libriid=A45681046&amp;listtype=search&amp;searchparam=Boris%20Cyrulnik%20Reiner%20Pfleiderer%20Franck%20Traps%20Die%20mit%20den%20W%C3%B6lfen%20heulen\">&bdquo;Die mit den W&ouml;lfen heulen. Warum Menschen der totalit&auml;ren Versuchung so schwer widerstehen k&ouml;nnen&ldquo;<\/a>. Verfasst hat es der franz&ouml;sische Neuropsychiater Boris Cyrulnik. Ein Buch, f&uuml;r das man sich in einer Zeit der Cancel Culture und einer im moralisierenden Schwarz-wei&szlig;-Denken festgefahrenen politischen &Ouml;ffentlichkeit Zeit nehmen sollte, meint unser Autor <strong>Udo Brandes<\/strong>. Sp&auml;testens die Coronapolitik habe gezeigt: Das Thema der totalit&auml;ren Versuchung ist nach wie vor hochaktuell.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Die Wissenschaft sagt&ldquo; &ndash; das war w&auml;hrend der Coronakrise quasi das neue Evangelium. Und wehe, jemand zweifelte diese &bdquo;frohe Botschaft&ldquo; an! Das wurde als schweres Delikt gewertet und mit der gleichen Vehemenz verfolgt wie in fr&uuml;heren Zeiten das Vergehen der Gottesl&auml;sterung. Nur war das Inquisitionsgericht anders zusammengesetzt. Die Inquisitoren der Coronakrise waren keine kirchlichen Autorit&auml;ten, sondern Journalisten, Intellektuelle, &Auml;rzte, Wissenschaftler, Schauspieler usw. Diese verurteilen die &bdquo;Delinquenten&ldquo; zwar nicht mehr zum Tode durch Erdrosseln oder Verbrennen auf dem Scheiterhaufen. Aber vor Rufmord und Zerst&ouml;rung der wirtschaftlichen Existenz schreckten sie nicht zur&uuml;ck. Eines der j&uuml;ngsten Opfer: Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Gu&eacute;rot. Ihr Vergehen: Sie weigerte sich, das eigenst&auml;ndige Denken aufzugeben und einfach nur zu glauben. Daf&uuml;r hat sie einen hohen Preis bezahlt: Shitstorms, Verleumdungen, hochaggressive Anfeindungen. Und k&uuml;rzlich wurde sie von ihrem Arbeitgeber, der Universit&auml;t Bonn, entlassen &ndash; und muss jetzt vor dem Arbeitsgericht um ihre Stelle und wirtschaftliche Existenz k&auml;mpfen. <\/p><p><strong>Warum Ehrfurcht gegen&uuml;ber &bdquo;der Wissenschaft&ldquo; fehl am Platze ist<\/strong><\/p><p>Die in unserer Gesellschaft so hoch gesch&auml;tzte Wissenschaft ist im Grunde so etwas wie ein Ersatzgott geworden, dem man glauben muss. Cyrulnik zeigt in seinem Buch an verschiedenen Beispielen jedoch sehr sch&ouml;n, dass das offizielle &bdquo;Narrativ&ldquo; &uuml;ber Wissenschaft, n&auml;mlich dass diese wahrheitsorientiert, faktenorientiert, empirisch-analytisch, diskusiv, kurz: rational sei, ein gro&szlig;er Irrtum ist. Vielmehr hat die Gef&uuml;hlslage eines Wissenschaftlers (und nat&uuml;rlich auch seine Interessenlage) einen ganz erheblichen Einfluss auf das, was Wissenschaftler f&uuml;r wahr und wissenschaftlich fundiert halten. Er macht dies unter anderem am Beispiel des SS-Arztes Josef Mengele deutlich: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Mengele (&hellip;) benutzte die Wissenschaft, um seine Neigung, Menschen in eine Hierarchie einzuordnen, zu befriedigen, was ihn darauf vorbereitete, nach L&ouml;sungen zur Ausmerzung von &sbquo;Minderwertigen&rsquo; aus der Gesellschaft zu suchen. Das war seine Sicht der Welt. Im Jahr 1930 kam Josef Mengele, ein flei&szlig;iger und hilfsbereiter junger Mediziner, auf einer Versammlung in M&uuml;nchen mit der &sbquo;Rassenlehre&lsquo; in Ber&uuml;hrung. Diese Theorie verlieh seiner Art, die Welt zu erleben, eine sprachliche Form. Er, der sich f&uuml;r politisch links hielt, erlag einer Erz&auml;hlung, die der von ihm favorisierten Naturphilosophie entsprach. Die Wissenschaft lieferte ihm den Stoff zum Fantasieren (&hellip;). Der junge Mediziner glaubte zunehmend an das Recht, &sbquo;unwertes Leben&lsquo; zu vernichten, das hohe Kosten verursache und dadurch sch&ouml;ne junge Menschen um eine gute Ausbildung bringe&ldquo; (S. 36).\n<\/p><\/blockquote><p>Cyrulnik schreibt dann weiter: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Interpretation eines Faktums h&auml;ngt von der Pers&ouml;nlichkeit des Betrachters und der affektiven Konnotation ab, mit der er ein Faktum f&auml;rbt&ldquo; (S. 40).\n<\/p><\/blockquote><p>W&auml;re Mengele ein mitf&uuml;hlender Mensch gewesen, gepr&auml;gt zum Beispiel von einem christlichen Narrativ der N&auml;chstenliebe und Gleichheit aller Menschen vor Gott, dann w&auml;re er in Bezug auf behinderte Menschen zu v&ouml;llig anderen Schlussfolgerungen gelangt. Und er h&auml;tte die &bdquo;Rassenlehre&ldquo; niemals f&uuml;r eine wissenschaftlich fundierte Theorie gehalten, sondern f&uuml;r eine v&ouml;llig abwegige, perverse Ideologie. Aber Mengele konnte durch die &bdquo;Rassenlehre&ldquo; sein subjektives Bed&uuml;rfnis, die Menschheit in &bdquo;wertvoll&ldquo; oder &bdquo;minderwertig&ldquo; einzuteilen, rationalisieren. Aus seiner Sicht war die massenhafte T&ouml;tung von Menschen, die er als B&uuml;rokrat organisierte, wissenschaftlich fundiert und legitimiert &ndash; und ein gutes Werk. <\/p><p><strong>J&auml;hrlich Tausende frei erfundene Studien<\/strong><\/p><p>Man kann Cyrulniks Ausf&uuml;hrungen dahingehend zusammenfassen: Auch Wissenschaft ist viel mehr als man denkt eine subjektive, und im Einzelfall h&ouml;chst anfechtbare Sicht auf die Realit&auml;t. Mal mehr durch Fakten gest&uuml;tzt und plausibel, mal mehr ideologisch und irrational oder interessengeleitet die Realit&auml;t verzerrend. Mit anderen Worten: Wissenschaftler sind nicht weniger anf&auml;llig f&uuml;r irrationale Ideologien, Korruption und kriminelle Verhaltensweisen als Menschen in anderen sozialen Feldern, also zum Beispiel im Management von Wirtschaftsunternehmen. Wie zur Best&auml;tigung konnte man im &ouml;sterreichischen &bdquo;Standard&ldquo; am 3. M&auml;rz 2023 unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Wenn Forscher f&auml;lschen&ldquo; Folgendes lesen:  <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;J&auml;hrlich werden in Fachjournalen tausende medizinische Studien publiziert, die frei erfunden sind. Millionen Patienten werden so gesch&auml;digt, die Aufkl&auml;rung ist oft schwierig&ldquo; (<a href=\"https:\/\/www.derstandard.de\/story\/2000144122616\/wenn-forscher-faelschen\">Quelle<\/a>).\n<\/p><\/blockquote><p>Eines der Beispiele, die der Standard auff&uuml;hrt, ist die medikament&ouml;se Behandlung von Herzpatienten vor Operationen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ein anderer Fall ist die standardm&auml;&szlig;ige Verabreichung von Betablockern vor Operationen bei Herzpatienten. Grundlage war eine Studie von 2009, die sich als teils gef&auml;lscht herausstellte. Sch&auml;tzungen gehen davon aus, dass diese Praxis tausende Todesf&auml;lle verursachte.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Ein Schelm, wer bei solchen Berichten unwillk&uuml;rlich an die Einf&uuml;hrung der neuartigen mRNA-Impfstoffe gegen Corona und deren &bdquo;wissenschaftlich fundierte&ldquo; Pr&uuml;fung auf Wirkung und Sicherheit denken muss.<\/p><p>Was kann man aus Cyrulniks These, dass wissenschaftliche Theoriebildung nicht die rationale Veranstaltung ist, als die sie sich ausgibt, f&uuml;r die eigene Lebensf&uuml;hrung schlussfolgern? Es besteht kein Grund daf&uuml;r, Wissenschaftlern oder &Auml;rzten eine besondere Autorit&auml;t zuzugestehen und ihnen mit besonderer Ehrfurcht zu begegnen. Gerade was die Seri&ouml;sit&auml;t von &Auml;rzten angeht, kann ich aus eigener Erfahrung davon berichten, dass &Auml;rzte bisweilen keine Skrupel haben, Patienten aus Profitgr&uuml;nden anzul&uuml;gen und eine Behandlung zu empfehlen, die dem Patienten mehr schadet als n&uuml;tzt. <\/p><p>Es muss dabei nicht unbedingt immer um Profit im wirtschaftlichen Sinne gehen. Cyrulnik beschreibt in seinem Buch, wie &Auml;rzte aufgrund der Besessenheit von einer medizinischen Ideologie das Leben von Patienten ruiniert haben, etwa durch Lobotomien. Das sind Gehirnoperationen, bei denen bestimmte Bereiche des Gehirns bewusst zerst&ouml;rt werden. Dies wurde zum Beispiel gemacht, um Patienten mit schweren Zwangsneurosen zu heilen (also zum Beispiel Menschen, die aus Angst vor Infektionen zwanghaft immer wieder T&uuml;rgriffe desinfizierten). Mit katastrophalen Folgen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Drei Wochen sp&auml;ter begann er (der Patient; UB) von neuem, einen T&uuml;rgriff zu scheuern, aber seine Pers&ouml;nlichkeit existierte nicht mehr. Er reagierte nur noch auf Reize der Umgebung, er putzte, zuckte zusammen, wenn man ihn ber&uuml;hrte, und wenn man ihn ansprach, sah er einen nur an, ohne zu antworten&ldquo; (S. 51-52).\n<\/p><\/blockquote><p>In diesem Zusammenhang m&ouml;chte ich noch kurz eine Lebenserfahrung von mir beif&uuml;gen: Ich habe erlebt, dass sehr gebildete Menschen, bewaffnet mit diversen akademischen Titeln, extrem borniert und geradezu dumm sein k&ouml;nnen. Umgekehrt habe ich relativ ungebildete Menschen kennengelernt, die sehr intelligent sind &ndash; und weitaus lebenst&uuml;chtiger als so mancher Akademiker. <\/p><p><strong>Warum sind Menschen anf&auml;llig f&uuml;r ideologische Verblendungen und Schwarz\/wei&szlig;-Denken?<\/strong><\/p><p>Cyrulnik hat auf diese Frage mehrere Antworten. Zun&auml;chst beschreibt er sehr sch&ouml;n, dass Kinder, um denken zu lernen, erstmal eine &bdquo;falsche Klarheit&ldquo; brauchen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Kinder (&hellip;) brauchen bin&auml;re Kategorien, um mit dem Denken anzufangen: Alles, was nicht nett ist, ist b&ouml;se, alles, was nicht gro&szlig; ist, ist klein, alles was nicht Mann ist, ist Frau. Dank dieser falschen Klarheit bauen sie eine stabile Bindung zur Mutter, zum Vater, zur Religion, zu den Schulfreunden und der Glocke der Dorfkirche auf. Auf dieser Grundlage k&ouml;nnen sie sich ein erstes Weltbild aneignen, eine eindeutige Gewissheit, die Selbstvertrauen gibt, und dabei hilft, seinen Platz in der eigenen Familie und der Kultur zu finden&ldquo; (S. 10).\n<\/p><\/blockquote><p>Als ich diese Zeilen las, musste ich spontan denken: &bdquo;Ganz viele Menschen in unserer Gesellschaft denken auch als Erwachsene so. Und das hat in den letzten Jahren sogar noch zugenommen. Sind wir also eine infantile Gesellschaft geworden?&ldquo; Als wenn Cyrulnik diese Gedanken aufgegriffen h&auml;tte, schreibt er weiter: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wohlgemerkt: Es handelt sich nur um eine Grundlage. Wenn dieser Unterbau sich abkapselt, unterbindet er die Suche nach anderen Erkl&auml;rungen, und er wird zum Clandenken, zur nicht verhandelbaren Gewissheit: &sbquo;So ist es und nicht anders&hellip; Man muss verr&uuml;ckt sein, um nicht so zu denken wie ich&lsquo;. Eine ungerechtfertigte &Uuml;berzeugung, die das Selbstvertrauen st&auml;rkt und das Denken blockiert wie bei Fanatikern&ldquo; (S. 10 -11).\n<\/p><\/blockquote><p>Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Aspekt: Gewissheit ohne jeden Zweifel &ndash; das st&auml;rkt das Selbstvertrauen, die Selbstsicherheit. Man hat einen ganz klaren Kompass f&uuml;r die Welt und wei&szlig; auf alles eine Antwort. Wenn man sich dann noch bewusst macht, dass wir ungef&auml;hr vier Jahrzehnte neoliberale Politik hinter uns haben, die vielen Menschen das Leben schwer gemacht hat, und man auch in puncto Klima und Umwelt nur d&uuml;stere Zukunftsaussichten hat, dann verwundert es nicht, dass immer mehr Menschen nach Gewissheiten suchen und &bdquo;infantilisieren&ldquo;, also nur noch wie Kinder bin&auml;r denken (wollen).<\/p><p>An anderer Stelle im Buch bezieht sich Cyrulnik dann auf die Bindungstheorie und schreibt, dass Menschen, die in ihrer Kindheit eine sichere Bindung an ihre Mutter hatten, sp&auml;ter eher dazu in der Lage seien, selbstst&auml;ndig zu denken und die Normen der eigenen Gruppe infrage zu stellen. Aber die unsicher Gebundenen neigten dazu, die einmal gelernte Weltsicht beizubehalten und nicht infrage zu stellen. Sie br&auml;uchten Gewissheit und z&ouml;gen diese auch dann vor, wenn diese eigentlich ein &bdquo;logisches Delirium&ldquo; sei, also eine Weltanschauung, die auf realit&auml;tsfernen oder wahnhaften Vorstellungen beruht. Hauptsache, die Gewissheit bleibe bestehen. Deshalb seien sie besonders anf&auml;llig f&uuml;r ideologische Verzerrungen der Realit&auml;t. Mit meinen Worten ausgedr&uuml;ckt: Solche Menschen glauben lieber als zu denken. Weil das differenzierte Denken ihre emotionale Stabilit&auml;t gef&auml;hrden w&uuml;rde, denn dann m&uuml;ssten sie mit einer ambivalenten, widerspr&uuml;chlichen Welt zurecht kommen. Und das ertragen sie nicht. Cyrulnik beschreibt dies so: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sie sind stolz auf ihr Handeln, wenn sie von einer Idee beherrscht werden, die allzu klar, allzu sch&ouml;n konturiert ist und folglich losgel&ouml;st von der <strong>Realit&auml;t, die immer ein wenig schmutzig und ambivalent ist<\/strong>&ldquo;  (S. 72; Hervorhebung von mir; UB).\n<\/p><\/blockquote><p>Ein weiterer Aspekt, der Menschen daran hindern kann, Gewissheiten hinter sich zu lassen und Ambivalenzen zuzulassen, so Cyrulnik, ist die Traumatisierung. Er beschreibt dies am Beispiel der j&uuml;dischen Philosophin Hannah Arendt, die gute Freunde verlor, weil sie Gedanken formulierte, die ihre j&uuml;dischen Freunde schockierten und die diese nicht zulassen konnten &ndash; weil sie schwer traumatisiert waren. Worum ging es? Hannah Arendt beschrieb den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann nicht als &bdquo;Monster&ldquo;, sondern als Durchschnittsmenschen von nebenan und pr&auml;gte daf&uuml;r den Begriff  von der &bdquo;Banalit&auml;t des B&ouml;sen&ldquo;. Sie sch&auml;tzte auch nach dem Krieg weiterhin den Philosophen Heidegger, obwohl der sich im Dritten Reich zu einem Nazi gewandelt hatte. Den Nazi Heidegger sch&auml;tzte sie nat&uuml;rlich nicht, aber nach wie vor den Philosophen. Und sie erkannte an, dass manche Juden mit den Nazis kollaboriert hatten. Es ist nur zu verst&auml;ndlich, dass einige ihrer j&uuml;dischen Freunde aufgrund ihrer schweren Traumatisierung durch die Naziverbrechen dies nicht ertragen konnten und sich von Hannah Arendt lossagten. <\/p><p><strong>Res&uuml;mee<\/strong><\/p><p>Das Buch von Cyrulnik ist &uuml;ber weite Passagen sehr interessant und spannend geschrieben und gibt dem Leser interessante Antworten und Beschreibungen, warum Menschen so anf&auml;llig f&uuml;r Manipulationen sind und sich abstrusen Ideologien ausliefern. Bisweilen aber ist sein Schreibstil etwas nebul&ouml;s. Es sind auch einige Redundanzen im Buch. Aber trotzdem denke ich: Die Lekt&uuml;re lohnt. Man wird angeregt, &uuml;ber sich selbst und die eigenen Selbstverst&auml;ndlichkeiten, die man nicht mehr hinterfragt, nachzudenken. Insofern seien aber auch alle diejenigen gewarnt, die lieber in sicheren Gewissheiten leben und darin nicht ersch&uuml;ttert werden m&ouml;chten: Sie werden m&ouml;glicherweise keine Freude an der Lekt&uuml;re haben. <\/p><p><em>Boris Cyrulnik: Die mit den W&ouml;lfen heulen. Warum Menschen der totalit&auml;ren Versuchung so schwer widerstehen k&ouml;nnen, Droemer Verlag, M&auml;rz 2023, 240 Seiten, 24 Euro.<\/em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/d0ef94b4c79c4c2c9543605004643eef\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum werden manche Menschen zu Mitl&auml;ufern, die sich menschenfeindlichen Ideologien unterwerfen? Und warum gelingt es im Gegensatz dazu anderen, sich ihre innere Freiheit zu bewahren &ndash; und sich gesellschaftlich dominierenden Ideologien zu widersetzen? 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