{"id":967,"date":"2005-11-28T17:38:11","date_gmt":"2005-11-28T15:38:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=967"},"modified":"2016-02-23T10:54:07","modified_gmt":"2016-02-23T09:54:07","slug":"der-big-bang-steht-noch-bevor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=967","title":{"rendered":"\u201eDer Big Bang steht noch bevor"},"content":{"rendered":"<p>OFFSHORING (I) Der Job-Export zerst&ouml;rt die Innovationskraft ganzer Volkswirtschaften&ldquo;<br>\n<a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/2005\/47\/05470601.php\">Freitag 47, 25.11.05<\/a><br>\nEin Hinweis mit einem l&auml;ngeren Kommentar: Der Beitrag von Wolfgang M&uuml;ller im FREITAG ist ein gutes Beispiel daf&uuml;r, zu welchen Fehlschl&uuml;ssen es f&uuml;hren kann, pars pro toto zu nehmen (also vom Teil auf das Ganze zu schlie&szlig;en). (KR\/AM)<br>\n<!--more--><br>\n&ldquo;Seit &uuml;ber zwei Jahren geh&ouml;rt in Deutschland auch die Verlagerung von Arbeitspl&auml;tzen qualifizierter Fachkr&auml;fte in Niedriglohnl&auml;nder zum Standardrepertoire gro&szlig;er Unternehmen.&rdquo; Das meint Wolfgang M&uuml;ller. (Im folgenden sind Zitate aus seinem Beitrag im &bdquo;Freitag&ldquo; immer in &bdquo;&hellip;&hellip;&ldquo; gesetzt, unser Kommentar ohne An- und Abf&uuml;hrung)<\/p><p>Dieser Trend ist tats&auml;chlich schon viel &auml;lter, findet aus verschiedenen Gr&uuml;nden jedoch erst jetzt die Aufmerksamkeit der Medien. Der Automobilzulieferer Bosch etwa betreibt schon seit Anfang der Neunziger in Brasilien ein Entwicklungszentrum. Warum versucht der Autor den Eindruck zu erwecken, wir h&auml;tten es mit einem v&ouml;llig neuen Ph&auml;nomen zu tun?<br>\nEr starrt offenbar nur erschrocken auf die Symptome, statt deren Ursachen zu analysieren. Als Beauftragter der IG Metall f&uuml;r Siemens und die IT-Branche ist er nat&uuml;rlich gerade in j&uuml;ngster Zeit erheblichem Druck durch Verlagerungsdrohungen ausgesetzt. Auch die IT-Unternehmen nutzen die starke Verhandlungsposition, die sich aus dem Ungleichgewicht des Arbeitsmarkts in Deutschland ergibt, gnadenlos aus. Darin aber einen &bdquo;Exodus von Kernkompetenzen der Unternehmen wie Forschung und Entwicklung&ldquo; erkennen zu wollen, ist u.E. eine &Uuml;bertreibung.<br>\nBei allem Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Schwierigkeiten, denen ein in der IT-Branche t&auml;tiger Gewerkschafter zur Zeit ausgesetzt ist, darf dies nicht den Blick f&uuml;r die grunds&auml;tzlichen Zusammenh&auml;nge tr&uuml;ben. Tats&auml;chlich stehen ausnahmslos alle &bdquo;Commodities&ldquo; (austauschbare Handelswaren) im grenz&uuml;berschreitenden Wettbewerb. Dass auch qualifiziertere Dienstleistungen davon betroffen sein k&ouml;nnen, ist f&uuml;r die Betroffenen eine neue und zuweilen bittere Erfahrung &ndash; aber es war nicht zu erwarten, dass sie dauerhaft ausgenommen bleiben.<br>\n&Uuml;bertreibungen und die Warnung vor dem &bdquo;Big Bang&ldquo; helfen nicht; es kommt darauf an zu erkennen, welche Dienstleistungen von Verlagerungen betroffen sein werden und was man &ndash; vor allem auf gesamtwirtschaftlicher Ebene &ndash; tun kann, um neue Arbeitspl&auml;tze zu schaffen und andere zu halten.<\/p><p>&ldquo;V&ouml;llig in diesem Trend hat der Siemens-Konzern ganze Produktionssparten in Niedriglohnl&auml;nder (zum Beispiel die Handy-Fertigung nach Ungarn oder Siemens VDO W&uuml;rzburg nach Tschechien) ausgelagert und bereitet Vergleichbares bei Dienstleistungen wie Einkauf, Buchhaltung und Personaldiensten vor.&rdquo;<\/p><p>Ist das nicht sachlich falsch? Die Handyfertigung von SIEMENS wurde doch verkauft statt von Siemens verlagert, und zu SIEMENS VDO in W&uuml;rzburg stand im <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/pshb\/fn\/relhbi\/sfn\/buildhbi\/cn\/GoArt%21200012,200038,911134\/grid_id\/1048180\/SH\/0\/depot\/0\/\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.handelsblatt.com\/pshb\/fn\/relhbi\/sfn\/buildhbi\/cn\/GoArt%21200012,200038,911134\/grid_id\/1048180\/SH\/0\/depot\/0\/\">Handelsblatt<\/a> am 10. Juni 2005 zu lesen:<br>\n&ldquo;Mit dem Papier ist der Standort W&uuml;rzburg endg&uuml;ltig gesichert. Siemens VDO hatte erwogen, gro&szlig;e Teile der Produktion nach Tschechien zu verlagern. Ende April hatte der Konzern dann eingelenkt und das Weiterbestehen des Standorts zugesagt.&rdquo;<br>\nEin Anruf beim Betriebsrat von VDO in W&uuml;rzburg gen&uuml;gt, um zu kl&auml;ren, dass der Autor des &bdquo;Freitag&ldquo; nicht richtig liegt.<br>\nNicht nur die Argumentation, auch die Beispiele des Autors sind wenig &uuml;berzeugend.<\/p><p>&ldquo;Ist Widerstand dagegen &uuml;berhaupt m&ouml;glich und sinnvoll, wenn diese Entwicklung ein ebenso zwangsl&auml;ufiger Prozess ist wie der Niedergang ganzer Industrien in den USA, Kanada, Westeuropa oder Japan (Kohle und Stahl, Maschinenbau) w&auml;hrend der vergangenen 30 Jahre?&rdquo;<\/p><p>Was mag den Autor bewogen haben, Kohle und Maschinenbau in einem Atemzug zu nennen? Die Kohlef&ouml;rderung geht zur&uuml;ck, w&auml;hrend der Maschinenbau floriert &ndash; wo ist da der Zusammenhang? Warum erw&auml;hnt er als Beispiele f&uuml;r einen angeblich zwangsl&auml;ufigen Niedergang von Industrien wie dem Maschinenbau ausgerechnet Japan und Westeuropa, wozu ja auch Deutschland geh&ouml;rt &ndash; zwei L&auml;nder, in denen diese Branchen weltweite Spitzenpositionen einnehmen? Der Welthandelsanteil des deutschen Maschinenbaus hat in den letzten Jahren noch einmal zugenommen und jetzt fast 20% erreicht. Jede f&uuml;nfte Maschine &ndash; in Geld gerechnet -, die auf der Welt gehandelt wird, kommt aus Deutschland. Vom Niedergang dieser Industrie kann man allen Ernstes nicht sprechen. Wie ernst sind die anderen Behauptungen des Autors zu nehmen, wenn er sich hier so vertut?<br>\nAuch die Lage der Stahlindustrie ist je nach Land h&ouml;chst unterschiedlich und zuweilen bemerkenswert gut.<br>\nUnd wie der Niedergang in den vom Autor selbst gew&auml;hlten Beispielen nicht zwangsl&auml;ufig ist, sondern sich oft gar nicht ereignete, so falsch ist die Vorstellung einer unabwendbaren Verlagerung ganzer Branchen und so irref&uuml;hrend diese Art der Fragestellung nach Sinn und M&ouml;glichkeit von &bdquo;Widerstand&ldquo;. <\/p><p>Wie wenig &uuml;berzeugend es ist, aus Einzelf&auml;llen einen zwangsl&auml;ufigen, allgemeinen Trend zur Verlagerung von Entwicklungsabteilungen in Billiglohnl&auml;nder zu extrapolieren, mag eine beispielhafte und zuf&auml;llig zusammengestellte Liste von Gegenbeispielen verdeutlichen:<\/p><ul>\n<li>GENERAL ELECTRIC errichtete ein neues Forschungszentrum in Deutschland, und zwar am Hochlohnstandort M&uuml;nchen.<\/li>\n<li>SIEMENS VDO legte 2005 (!) den Grundstein f&uuml;r das neue Entwicklungszentrum in Regensburg (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.donau.de\/SID_00a7fe0142ad0549e431f50ce8072b0d\/nachrichten\/wirtschaft\/meldung.shtml?rubrik=mz&amp;id=39039\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.donau.de\/SID_00a7fe0142ad0549e431f50ce8072b0d\/nachrichten\/wirtschaft\/meldung.shtml?rubrik=mz&amp;id=39039\">donau.de<\/a>)<\/li>\n<li>Die R&Uuml;CKER AG (ein Entwicklungsdienstleister) informierte 2005 &uuml;ber ihr neues Kompetenz- und Entwicklungszentrum in Wiesbaden &ndash; <a href=\"http:\/\/www.ruecker.de\/privat\/pm\/pm.php?action=vorschau_deutsch&amp;seek=alle\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.ruecker.de\/privat\/pm\/pm.php?action=vorschau_deutsch&amp;seek=alle\">weitere Arbeitspl&auml;tze seien in Planung<\/a><\/li>\n<li>Der Automobilzulieferer BERU baut ab Juli 2005 sein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Ludwigsburg aus (Quelle: <a href=\"http:\/\/de.cars.yahoo.com\/050224\/292\/4fkyi.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/de.cars.yahoo.com\/050224\/292\/4fkyi.html\">YAHOO<\/a>)<\/li>\n<li>Bei STIHL (Motors&auml;gen) fand 2003 der Spatenstich f&uuml;r das neue Entwicklungszentrum in Waiblingen-Neustadt statt. Es ist die gr&ouml;&szlig;te Bauinvestition in der <a href=\"http:\/\/www.stihl.de\/isapi\/default.asp?contenturl=\/unternehmen\/geschichte\/seit2000.htm\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.stihl.de\/isapi\/default.asp?contenturl=\/unternehmen\/geschichte\/seit2000.htm\">STIHL Firmengeschichte<\/a> mit einem Volumen von 40 Millionen Euro<\/li>\n<li>BOSCH errichtete 2003 in Abstatt eine neues Entwicklungszentrum f&uuml;r Kraftfahrzeugtechnik (siehe <a href=\"http:\/\/www.google.de\/url?sa=U&amp;start=9&amp;q=http:\/\/www.bosch.com\/content\/language1\/downloads\/GB2003_DE.pdf&amp;e=10401\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.google.de\/url?sa=U&amp;start=9&amp;q=http:\/\/www.bosch.com\/content\/language1\/downloads\/GB2003_DE.pdf&amp;e=10401\">Gesch&auml;ftsbericht 2003<\/a>)<\/li>\n<li>FAURECIA (Automobilzulieferer, ehemals Sommer Alibert) er&ouml;ffnete im September 2003 die Er&ouml;ffnung eines neuen Entwicklungszentrum in Hagenbach (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.all4engineers.com\/index.php;do=show\/lng=de\/alloc=33\/id=41\/sid=19\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.all4engineers.com\/index.php;do=show\/lng=de\/alloc=33\/id=41\/sid=19\">all4engineers<\/a>)<\/li>\n<li>Die Albis Plastic GmbH (u.a. Automobilzulieferer f&uuml;r Kunststoffteile mit zwei Niederlassungen in Fernost) teilte im Oktober 2004 die <a href=\"http:\/\/www1.bdi-hamburg.de\/bdiv42.nsf\/0\/3a5dae23ed18bdc4c1256f39004a2d64?OpenDocument\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www1.bdi-hamburg.de\/bdiv42.nsf\/0\/3a5dae23ed18bdc4c1256f39004a2d64?OpenDocument\">Errichtung eines neuen Entwicklungszentrums in Deutschland<\/a> mit<\/li>\n<li>Die Produkte der JOHN DEERE LANDTECHNIK f&uuml;r den europ&auml;ischen Markt werden in Mannheim entwickelt.<\/li>\n<li>Das Entwicklungszentrum der Heidelberger Druckmaschinen AG befindet sich in Deutschland. Von Verlagerungspl&auml;nen ist nichts bekannt.<\/li>\n<\/ul><p>Auch die aktuellen Exporterfolge w&auml;ren nicht m&ouml;glich, wenn die Verlagerungen von wertsch&ouml;pfenden T&auml;tigkeiten das vom Autor suggerierte Ausma&szlig; erreicht h&auml;tten.<\/p><p>&ldquo;Die Politik auf nationaler wie supranationaler Ebene (EU) ist nicht mehr in der Lage, regulierend einzugreifen und den Globalisierungswildwuchs einzud&auml;mmen. Was bleibt, ist hilflose Heuschrecken- oder Kapitalismus-Rhetorik &agrave; la M&uuml;ntefering.&rdquo;<\/p><p>Das wiederum ist nicht viel mehr als eine hilflos anmutende Pauschalisierung, welche die Unterschiede zwischen den entwickelten L&auml;ndern ignoriert und die nationalen Handlungsspielr&auml;ume unterbewertet. <\/p><p>&ldquo;75 Prozent aller Notebooks kommen aus Fabriken der unbekannten Firma Quanta, gleichfalls das gesamte Design f&uuml;r Kunden von Dell, HP, IBM.&rdquo; <\/p><p>Eine Massen-Handelsware wie der vor &uuml;ber zehn Jahren auf dem Markt erschienene (wenn auch nat&uuml;rlich weiterentwickelte) Laptop ist nun wirklich kein gutes Beispiel, um die Innovationskraft von Volkswirtschaften zu vergleichen. (Dessen wichtigste Komponente, der Prozessor, stammt &uuml;brigens von Intel oder AMD. Und einer der weltgr&ouml;&szlig;ten Flachbildschirmhersteller ist LG Philips LCD, ein Joint Venture, an dem Philips und LG Electronics zu gleichen Teilen beteiligt sind).<\/p><p>&ldquo;In der deutschen Autoindustrie hat indes ein Umdenken eingesetzt, weil die ins Ausland delegierten Randkompetenzen von gestern pl&ouml;tzlich als die Kernkompetenzen von morgen begriffen werden. So haben mehrere Produzenten wieder eigene Elektronikabteilungen aufgebaut, weil ihnen sonst das Know How f&uuml;r das Auto der Zukunft fehlen k&ouml;nnte.&rdquo; <\/p><p>Das ist auch kein allzu erhellender Abschnitt, denn die Automobilhersteller tun dies nat&uuml;rlich nicht, um Standardaufgaben (z.B. die Programmierung einer Motorsteuerung gem&auml;&szlig; vorgegebenen Z&uuml;ndzeitpunkt-Kennfeldern) in Zukunft wieder selbst zu erledigen. Solche einfachen Aufgaben werden ausgelagert bleiben. Hier geht es darum, gen&uuml;gend Know How im eigenen Haus zu halten, um den Trend zur Mechatronic (der Verbindung von Mechanik und Elektronik) selbst zu beeinflussen und nicht auf die Angebote der Zulieferer angewiesen zu sein. Ein Beispiel daf&uuml;r ist das neue Bedienkonzept von BMW mit einem zentralen, runden Knopf f&uuml;r alle wesentlichen Komfort-Funktionen wie Klima, Radio, Navigation etc.. Solche Entwicklungen erfordern die Zusammenarbeit vieler Abteilungen (z.B. auch der Ergonomie) und machen das Endprodukt vom Wettbewerb unterscheidbar. Das kann man nur schwer verlagern, und darum bleiben diese Aufgaben im Stammhaus.<\/p><p>Den Handel mit Commodities (incl. Dienstleistungen dieser Kategorie, dann Outsourcing genannt) kann man grunds&auml;tzlich nicht verhindern.<br>\nInsourcing wird es dort geben, wo es n&ouml;tig ist, um neue Produkte zu entwickeln. Wir werden uns also an beides gew&ouml;hnen m&uuml;ssen. <\/p><p>Ein Leser der NachDenkSeiten wies uns darauf hin, dass die Autoren Kinkel und Lay vom Fraunhofer Institut f&uuml;r Systemtechnik und Innovationsforschung, welches sich als einziges Institut systematisch mit dem Thema Verlagerung besch&auml;ftigt, f&uuml;r den Zeitraum zwischen 2001 und 2003 auf volkswirtschaftlicher Ebene eine positive Bilanz der Besch&auml;ftigungswirkungen von Produktionsverlagerungen gezogen haben. Kostengetriebene Produktionsverlagerungen h&auml;tten zwar einen negativen Einfluss auf die Besch&auml;ftigungsentwicklung, w&uuml;rden aber von anderen Faktoren wie z. B. der Umsatzentwicklung oder dem Anteil der Ausgaben f&uuml;r Forschung und Entwicklung am Umsatz &uuml;berlagert.<br>\nNeuere Untersuchungen stehen noch aus. Die Entwicklung des deutschen Au&szlig;enbeitrags (Exporte minus importierte Vorleistungen) deutet allerdings darauf hin, dass sich daran nichts wesentliches ge&auml;ndert hat.<\/p><p>Das Thema k&ouml;nnte mit weniger Angststarre diskutiert werden, wenn eine expansivere Geld- und Fiskalpolitik das Wachstum st&auml;rken und so f&uuml;r mehr Jobs sorgen w&uuml;rde. Dann w&uuml;rde n&auml;mlich so manche der Verlagerungsdrohungen ausbleiben, mit denen wir uns heute herum zu schlagen haben. Dass der Freitag-Autor Wolfgang M&uuml;ller mitten in dieser Auseinandersetzung steht und unmittelbarer Zeuge menschlicher Bedr&auml;ngnis und sicher auch mancher echten Bedrohung von Existenzen ist, entschuldigt viel von den etwas vergr&ouml;bernden und, wie wir meinen, &uuml;bertreibenden Feststellungen. Wir sehen auch Probleme, aber man wird sie nicht l&ouml;sen und eind&auml;mmen, wenn man &uuml;bertreibt und einzelne Entwicklungen zum unabwendbaren Trend erkl&auml;rt.<\/p><p>In diesem Sinne argumentiert auch Heiner Flassbeck, den wir auf den Freitag-Artikel von Wolfgang M&uuml;ller aufmerksam gemacht haben:<\/p><p>&bdquo;Das ist der &uuml;bliche Alarmismus, der gerade in Deutschland als dem Hauptgewinner der Globalisierung in den letzten zehn Jahren vollkommen unangebracht ist. Bei 120 Mrd. Dollar Leistungsbilanz&uuml;berschuss gewinnen wir per saldo so viele Arbeitspl&auml;tze durch den Aussenhandel, dass die paar Verlagerungen im Saldo &uuml;berhaupt nicht zu Buche schlagen. Das wird nur immer schlicht unterschlagen: Wieviele Arbeitspl&auml;tze hat Deutschland nur im letzten Jahr durch Aussenhandel gewonnen?<br>\nWir sollten uns immer bewusst sein, dass Deutschland im Grunde gl&auml;nzend dasteht. Wenn wir heute zu einer normalen Lohnpolitik zur&uuml;ckkehren w&uuml;rden und den staatlichen Schwachsinn (einschliesslich Geldpolitik) einstellten, k&ouml;nnten wir viele Jahre hohe Wachstumsraten und boomende Besch&auml;ftigung haben und kein Mensch w&uuml;rde &uuml;ber Verlagerungen reden. <\/p><p>Was gef&auml;hrlich ist: Bei uns gibt es eine zunehmende Tendenz, Protektionismus zu predigen. Das ist zwar angesichts der deutschen beggar-thy-neighbour Politik vollkommen absurd, lenkt aber doch auf angenehme Weise vom eigenen Versagen ab.&ldquo;\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OFFSHORING (I) Der Job-Export zerst&ouml;rt die Innovationskraft ganzer Volkswirtschaften&ldquo;<br \/> <a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/2005\/47\/05470601.php\">Freitag 47, 25.11.05<\/a><br \/> Ein Hinweis mit einem l&auml;ngeren Kommentar: Der Beitrag von Wolfgang M&uuml;ller im FREITAG ist ein gutes Beispiel daf&uuml;r, zu welchen Fehlschl&uuml;ssen es f&uuml;hren kann, pars pro toto zu nehmen (also vom Teil auf das Ganze zu schlie&szlig;en). 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