{"id":96757,"date":"2023-04-24T14:00:31","date_gmt":"2023-04-24T12:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96757"},"modified":"2023-04-25T13:40:02","modified_gmt":"2023-04-25T11:40:02","slug":"deja-vu-zum-recht-gegen-digitale-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96757","title":{"rendered":"D\u00e9j\u00e0-vu \u2013 Zum Recht gegen digitale Gewalt"},"content":{"rendered":"<p>Schau dir das doch mal an, dachte ich mir, als ich von der Absicht las, man wolle ein <a href=\"https:\/\/www.bmj.de\/DE\/Themen\/OpferschutzUndGewaltpraevention\/DigitaleGewalt\/Digitale_Gewalt_Artikel.html\">Gesetz gegen digitale Gewalt<\/a> auf den Weg bringen: Das kommt dir doch bekannt vor. So sehr ich von der inneren Harmonie des deutschen Rechts angetan, <a href=\"https:\/\/www.liske.de\/produktseite\/willk%C3%BCr-einblicke-in-die-deutsche-un-rechtsprechung\">aber immer wieder &uuml;berrascht bin<\/a>, wie wenig die Rechtsprechung sich bem&uuml;ht, sie zur Geltung kommen zu lassen, so sehr habe ich den Eindruck, dass neuere Bem&uuml;hungen um eine Ausgestaltung des Rechts eher kurzsichtigen und eigenn&uuml;tzigen Erw&auml;gungen folgen. Von <strong>Bernd Liske<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4753\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-96757-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230425-Zum-Recht-gegen-digitale-Gewalt-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230425-Zum-Recht-gegen-digitale-Gewalt-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230425-Zum-Recht-gegen-digitale-Gewalt-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230425-Zum-Recht-gegen-digitale-Gewalt-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=96757-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230425-Zum-Recht-gegen-digitale-Gewalt-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230425-Zum-Recht-gegen-digitale-Gewalt-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Seid wachsam: Erst zerbr&ouml;seln das politische Handeln, die Medien und die Rechtsprechung den durch Kleingeist schon gesch&auml;digten gesellschaftlichen Substanzwert &ndash; dem folgt ein Recht als Normal der neuen Ordnung einer &bdquo;Zeitenwende&ldquo;.<\/p><p>Im Juni 2013 war ich im Arbeitskreis Verteidigung des BITKOM aufgefordert worden, eine gemeinsame Stellungnahme des BDI und des BITKOM zu der geplanten EU-Richtline <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:32016L1148\">Gew&auml;hrleistung einer hohen gemeinsamen Netz- und Informationssicherheit (<\/a><a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:32016L1148\">NIS)<\/a> zu kommentieren. Der Richtlinie zufolge sollten die Mitgliedstaaten verpflichtet werden, ein Mindestniveau nationaler Kapazit&auml;ten derart zu schaffen, dass sie f&uuml;r die NIS zust&auml;ndige Beh&ouml;rden einrichten, IT-Notfallteams bilden sowie nationale NIS-Strategien und nationale NIS-Kooperationspl&auml;ne erstellen. Zweitens sollte eine Plattform den Austausch &uuml;ber Bedrohungen und Vorf&auml;lle erm&ouml;glichen. Und drittens sollte der Vorschlag &bdquo;eine Kultur des Risikomanagements&ldquo; entwickeln und Unternehmen verpflichten, Ma&szlig;nahmen zur Gew&auml;hrleistung von NIS zu ergreifen und Sicherheitsvorf&auml;lle zu melden.<\/p><p>Die Diskussion erfolgte wenige Tage, nachdem Edward Snowden das M&auml;ntelchen des Scheins vermeintlicher Sicherheit ein wenig l&uuml;ftete und uns einen Blick auf das Sein erm&ouml;glichte. Man h&auml;tte annehmen k&ouml;nnen, dass derartige Wahrnehmungen die Diskussion beim gr&ouml;&szlig;ten IT-Verband Deutschlands irgendwie beeinflussen w&uuml;rden: Dem war aber nicht so. Redlich war man im Verband bem&uuml;ht, irgendwie eine Auseinandersetzung zu suggerieren, ohne sich aber an den eigentlichen Tatbest&auml;nden reiben zu m&uuml;ssen. In etwa kann man sich das so vorstellen:<\/p><blockquote><p>\nIn der Folge eines Hochwassers wird bei einer ganzen Anzahl von H&auml;usern festgestellt, dass in den Kellern der Schwamm ist. Statt sich nun damit zu besch&auml;ftigen, wie man den Schwamm dort wieder rausbekommt, werden die Etagen dar&uuml;ber weiter gem&uuml;tlich eingerichtet, die Bewohner verpflichtet, sofort zu melden, wenn der Schwamm in die Zimmer aufsteigt, und festgelegt, dass sie sich anschlie&szlig;end um den Schwamm in ihrem Zimmer selbst k&uuml;mmern m&uuml;ssen. Zentral werden Statistiken verwaltet, in welchem Haus es Zimmer mit Schwamm gibt. Die Keller sind nicht Gegenstand der Betrachtung.\n<\/p><\/blockquote><p>Seltsame Typen wie ich &ndash; in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Bestimmung_%E2%80%93_Divergent\">Die Bestimmung &ndash; Divergent<\/a> w&uuml;rde ich wohl zu den Unbestimmten z&auml;hlen &ndash; k&ouml;nnen mit derartigen Verdr&auml;ngungen nichts anfangen, und so wandte ich mich zun&auml;chst dagegen, dass die Verantwortung auf die Unternehmen abgew&auml;lzt werden sollte (Mail vom 21. Juni 2013),<\/p><ul>\n<li>Wenn ich es richtig interpretiere, geht Ihr Papier in der Grundannahme davon aus, dass der Markt Sicherheit schon richten wird und f&uuml;r den Fall, dass das im Einzelfall nicht gelingt, Cyber-Teams sich mit der Situation auseinandersetzen. Dieses Herangehen l&auml;sst der Spekulation Raum, zu Erfahrungen zu gelangen, die deutschen und europ&auml;ischen Interessen zuwiderlaufen.<\/li>\n<li>Insofern muss das Thema als gesamtstaatliche bzw. gesamteurop&auml;ische Aufgabe in &auml;hnlicher Weise verstanden werden, wie es sie im konventionell milit&auml;rischen Umfeld schon gibt, und dahinter sich die unternehmerische Kompetenz um die Umsetzung der ausgegebenen Ziele k&uuml;mmern. Der Schutz der &auml;u&szlig;eren Grenzen begrenzt dann auch den Aufwand innerhalb der Grenzen &ndash; z. B. f&uuml;r kleinere Unternehmen.<\/li>\n<li>Cyber-Teams mit ihren &ndash; durchaus verschiedenen &ndash; Aufgaben werden in die klassische Beh&ouml;rdenstruktur integriert bzw. aufgebaut und so auch deren Selbstverst&auml;ndnis unterstellt: Polizei, BKA, Verfassungsschutz. Das ersetzt nicht, was ich als Fragestellungen im CERT-Umfeld wahrnehme, sondern beinhaltet Fragestellungen der Wahrnehmung und Bek&auml;mpfung von der Sicherheit entgegenstehenden Aktivit&auml;ten.<\/li>\n<\/ul><p>um schlie&szlig;lich einen kreativen Eisprung zu haben, der mich &uuml;ber einen <a href=\"https:\/\/f02e2a31-370b-498e-a0a7-dc74fb25624a.usrfiles.com\/ugd\/f02e2a_ca413bfd69f2493f89a2c75516caa02c.pdf\">Zwischenschritt<\/a> zu dem verbreiteten gedanklichen <a href=\"https:\/\/www.liske.de\/_files\/ugd\/f02e2a_5f8de0c59bb04751aeb7544a4ae2cc84.pdf?index=true\">Konstrukt eines Redesigns der Netze<\/a> brachte, mit dem ich in den folgenden Wochen bei all denen schwanger ging, die in Deutschland irgendwie mit dem Thema Sicherheit befasst waren. Die Resonanz war so &uuml;berw&auml;ltigend, dass insbesondere meine <a href=\"https:\/\/twitter.com\/search?q=%40LiskeAphorismen%20Schweigen%20%23Tagesspruch&amp;src=typed_query\">Aphorismen zum Schweigen<\/a> einen Aufwuchs erfuhren, ich im August innerhalb von drei Wochen das Manuskript f&uuml;r mein erstes Buch <a href=\"https:\/\/www.liske.de\/produktseite\/prism-ein-lehrst%C3%BCck-f%C3%BCr-unsere-demokratie\">PRISM &ndash; Ein Lehrst&uuml;ck f&uuml;r unsere Demokratie<\/a> verfasste und schlie&szlig;lich <a href=\"https:\/\/www.liske.de\/_files\/ugd\/f02e2a_13b7551ed5d74d9b9796f56084d54a11.pdf?index=true\">aus dem BITKOM geworfen<\/a> wurde, weil man es dort nicht ertragen konnte, dass ein kleiner Krauter wie ich sichtbar machte, wie sich die gesamte deutsche IT-Elite im schon von amerikanischen Firmen dominierten Verband wegduckte.<\/p><p>Wenden wir uns entlang eines Ausschnitts aus dem Buch<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sicherheit ist nicht prim&auml;r ein Gesch&auml;ft zum Geldverdienen, in dessen Folge unter Ber&uuml;cksichtigung isolierter Interessen Strategien entwickelt werden, die Sicherheit gew&auml;hrleisten sollen, sondern entlang der Vision und dem Wertekanon einer Gesellschaft sollten ganzheitliche Strategien Sicherheit gew&auml;hrleisten, hinsichtlich derer die daf&uuml;r notwendigen Ma&szlig;nahmen auch Geld kosten k&ouml;nnen.<\/p>\n<p>Einer technischen Infrastruktur darf nicht zugestanden werden, sich immer weiter zu entwickeln, oder schafft sie, um ein konstruiertes Supergrundrecht an Sicherheit dar&uuml;ber zu verwirklichen, sondern schafft entlang der Vision und dem Wertekanon eine Gesellschaft eine technische Infrastruktur, die den Ma&szlig;st&auml;ben gerecht wird. Wenn daraus folgt, das Supergrundrecht der B&uuml;rger einer Nation zu verwirklichen, sich der Sicherung ihrer Grundrechte sicher zu sein, so ist eben dieses dann umzusetzen. Das kann nicht als Verantwortung an die Unternehmen delegiert werden. Wie es auch bei anderen Aufgaben &ndash; z. Bsp. dem Recht, Gewalt auszu&uuml;ben &ndash; nicht der Fall ist, dass der Staat diese Aufgaben in die Verantwortung der B&uuml;rger legt.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>dem vorliegenden Entwurf zu. Ohne Zweifel ist es notwendig, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen, dass im Netz beleidigt, diffamiert und bedroht wird. So sehr es zu segensreichen Beitr&auml;gen des Netzes geh&ouml;rt, sich dort umfassend informieren und austauschen zu k&ouml;nnen, so sehr ist es auch zu einem Ventil f&uuml;r Ausdrucksformen geworden, die in der realen Welt eher ge&auml;chtet sind &ndash; wobei man nach tieferem Nachdenken auch zu der These kommen k&ouml;nnte, dass sich nur fortsetzt, was sich dort oft im Verborgenen oder in Milieus vollzieht. Die M&ouml;glichkeit, seine Identit&auml;t verstecken zu k&ouml;nnen &ndash; oft genutzt aus dem berechtigten Interesse, sich vor dem Zeitgeist sch&uuml;tzen zu wollen &ndash;, schafft einen Rahmen f&uuml;r jene, die ihre dunkle Macht ausleben wollen, und dann wird die Anonymit&auml;t zur Basis f&uuml;r Feigheit, f&uuml;r den Dreck, den man von sich gibt, nicht einstehen zu wollen. Wird dem nicht Einhalt geboten, gew&ouml;hnt man sich daran und schafft sich durch die Best&auml;ndigkeit und unzureichende Resonanz eine neue Normalit&auml;t. Wenn die Anbieter das dann noch durch ihr Ranking unterst&uuml;tzen, entwickelt sich eine Kultur, die aus dem Netz auch in die reale Welt wirkt.<\/p><p>Seitdem ich mich seit Ende 2019 auf TWITTER tummle, habe ich vielfache Bekanntschaft mit Hatern und dabei selten die Erfahrung gemacht, dass mein Bem&uuml;hen, auch ihnen Achtung entgegenzubringen, indem ich mich mit ihren Anfeindungen auseinandersetze, zu einem &Uuml;berdenken f&uuml;hrt. Zu sehr weiche ich dabei von einer gesellschaftlichen Normalit&auml;t ab, die Hass-Kommentare entweder schweigend hinnimmt oder sie gar goutiert &ndash; wof&uuml;r die oft nicht geringe Anzahl von Followern spricht. Inzwischen screene ich die Profile von Kommentatoren mit oftmals nicht mal von vornherein &uuml;beraus verd&auml;chtigen Tweets standardm&auml;&szlig;ig nach Worten wie &bdquo;Arsch&ldquo;, &bdquo;Idiot&ldquo;, &bdquo;fick**&ldquo;, &bdquo;Bl&ouml;dmann&ldquo;, &bdquo;Putin-Troll&ldquo; und werde oft f&uuml;ndig. Mehrere Bem&uuml;hungen, Tweets, aus denen Drohungen hervorgingen, TWITTER zu melden und bei der Polizei anzuzeigen, waren ohne Erfolg.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Kraft der M&uuml;helosigkeit: Zu viele Verbote auf der Welt &ndash; und die Menschen werden untauglich; Zu viele scharfe Waffen unter den Menschen &ndash; und die Verwirrung nimmt zu im Volk; Zu viel Raffinesse unter den Menschen &ndash; und immer mehr befremdliche Dinge geschehen; Zu deutlicher Zuwachs an Gesetzen und Verordnungen &ndash; und zu viele Verbrecher tauchen auf.&ldquo;<br>\nLao-tzu (6. Jh. vor Chr.), chinesischer Philosoph, aus dem Tao-te-king\n<\/p><\/blockquote><p>Doch brauchen wir daf&uuml;r ein neues Gesetz? <a href=\"https:\/\/www.galileo.tv\/life\/hass-im-netz-das-kannst-du-dagegen-tun\/\">Reicht es nicht aus<\/a>, die vorhandenen Instrumente zu nutzen, die vorhandenen Verantwortungen an ihre Verpflichtung zu erinnern, aber insbesondere die Gesellschaft zu sensibilisieren, Derartiges nicht einfach hinzunehmen? Ich denke, dass die Diskussion dar&uuml;ber gef&uuml;hrt werden muss, ehe man sich mit einem neuen Gesetz schm&uuml;ckt, dessen Waffen gegen die genannten Ziele stumpf bleiben, aber zielgenau ganz andere treffen.<\/p><p>Bei dem Blick auf die bisherigen Absichten f&auml;llt zun&auml;chst die Feststellung auf, &bdquo;In einem auf der individuellen Freiheit fu&szlig;enden Gemeinwesen&ldquo; sei &bdquo;die Durchsetzung von Recht nie allein Sache von Staatsanwaltschaften, Verwaltungsbeh&ouml;rden und privaten Unternehmen (sog. Gatekeepern)&ldquo; und &bdquo;Betroffene m&uuml;ssen es immer auch in der Hand haben, selbst effektiv gegen die Verletzung der ihnen zustehenden Rechte vorzugehen.&ldquo; Gegen das &bdquo;effektiv&ldquo; kann dabei sicher nichts eingewandt werden, aber das &bdquo;selbst&ldquo; bedeutet in Konsequenz in &auml;hnlicher Weise wie schon im Zuge der NSA-Aff&auml;re, dass sich Betroffene &bdquo;selbst&ldquo; darum k&uuml;mmern m&uuml;ssen, zu ihrem Recht zu kommen &ndash; was vor dem Hintergrund, dass sie schon einen Staat finanzieren, der sich eigentlich k&uuml;mmern k&ouml;nnte, fragw&uuml;rdig und &bdquo;nicht effektiv&ldquo; erscheint. Noch fragw&uuml;rdiger wird die Ansiedlung der Beschwerdebearbeitung bei den Landgerichten. Unabh&auml;ngig davon, dass bisher nicht bekannt ist, dass diese Gerichte unter Arbeitsmangel leiden oder dadurch auffallen, dass sie besonders &bdquo;effizient&ldquo; sind, w&uuml;rde das zwar keine Gerichts-, daf&uuml;r aber Anwaltskosten verursachen, sodass die Nutzung dieser M&ouml;glichkeiten auf einen kleinen Kreis von Betroffenen und staatliche Strukturen beschr&auml;nkt sein d&uuml;rfte. Die unter &bdquo;II Ma&szlig;nahmen&ldquo; aufgef&uuml;hrten Schwerter werden so von vornherein hochgradig stumpf.<\/p><p><strong>Absichten werden in der Demokratie auf leisen Sohlen verfolgt<\/strong><\/p><p>Dann gibt es aber noch einen Bereich, zu dem der geplante Gesetzentwurf keine Stellung nimmt, der aber durchaus unter die digitale Gewalt f&auml;llt: Die Zensur &ndash; ich darf mich da zu den Betroffenen z&auml;hlen. Ohne die hier m&ouml;gliche vollst&auml;ndige Beschreibung &auml;u&szlig;ert sich das insbesondere darin, dass ich die zweifelhafte Ehre habe, dass alle meine Tweets auf TWITTER seit Langem nicht nur unter der Kategorie &bdquo;Weitere Antworten anzeigen, insbesondere solche, die beleidigende Inhalte enthalten k&ouml;nnen&ldquo; ver&ouml;ffentlicht werden, sondern dort auch noch an der letzten Stelle eingeordnet sind &ndash; unabh&auml;ngig vom Zeitpunkt ihrer Ver&ouml;ffentlichung. Zu den Erfahrungen als letzter Husten geh&ouml;rt auch, dass einige meiner gef&auml;hrlichen Aphorismen einfach nicht &uuml;ber die Suche erreichbar sind &ndash; so zum <a href=\"https:\/\/twitter.com\/LiskeAphorismen\/status\/1195982459567050753?s=20&amp;t=gmqaA9DEiK_siYitjUCD9Q\">Querdenken<\/a> (w&auml;hrend die anderen <a href=\"https:\/\/twitter.com\/search?q=%40LiskeAphorismen%20Querdenken%20%23Tagesspruch&amp;src=typed_query&amp;f=live\">Aphorismen zum Querdenken<\/a> gefunden werden), zu <a href=\"https:\/\/twitter.com\/LiskeAphorismen\/status\/1195239374469959680?s=20&amp;t=EpgPg1uM9Pkq8EAAgVrhqQ\">Gef&uuml;hlen<\/a> und zu den <a href=\"https:\/\/twitter.com\/LiskeAphorismen\/status\/1227134210382626816?s=20\">Eliten<\/a>. Wenn man dann feststellt, dass die, die einen mit Hass-Tweets angehen, oben eingeordnet werden und so eine ganz andere Wahrnehmung haben, kommt man ins Gr&uuml;beln und zu der Frage, welchen Zielen die ganze Veranstaltung dient. Davon, dass ich den Eindruck habe, dass eine solche Einordnung meiner Texte nicht gerechtfertigt ist und davon, dass ich von deren Qualit&auml;t &uuml;berzeugt bin und sie jeder Pr&uuml;fung unterwerfen kann, spricht die Tatsache, dass ich die wichtigsten 1.300 Threads und Tweets meines ersten TWITTER-Jahres zusammen mit &uuml;ber 2.300 Quellenangaben in einem Buch ver&ouml;ffentlicht habe: <a href=\"https:\/\/www.liske.de\/produktseite\/liske-twittert-blickwinkel-eines-querdenkers\">Liske twittert &ndash; Blickwinkel eines Querdenkers<\/a>.<\/p><p>Seit Jahren versuche ich vergeblich, gegen diesen Umgang mit mir vorzugehen. TWITTER sch&uuml;tzt sich gegen die Diskussion seines Versagens durch eine nur schwer nutzbare Meldungsseite, die nur Auswahlfragen und keine Problembeschreibungen zul&auml;sst sowie Themen ausklammert. Nie wird konkret reagiert &ndash; insbesondere nicht mit Hinweisen, die mir ein Nachdenken &uuml;ber ein m&ouml;gliches Versagen erm&ouml;glichen. TWITTER wirkt als Sondergericht in &auml;hnlicher Weise wie zu Zeiten der Ketzerei oder anderen dunklen Zeiten, als das Urteil von vornherein feststand, die Begr&uuml;ndung willk&uuml;rlich und eine Revision nicht m&ouml;glich waren. Das eingeschaltete Bundesamt f&uuml;r Justiz, Datenschutzbeh&ouml;rden und die Polizei zeigten sich ausgelastet damit, Statistiken zu erstellen, Schreiben &uuml;ber fehlende Zust&auml;ndigkeit aus ihrer Vorlagen-Datenbank zu versenden oder gar nichts zu tun. Noch bevor ich um den Gesetzentwurf wusste, habe ich zuletzt am 30. M&auml;rz ein <a href=\"https:\/\/f02e2a31-370b-498e-a0a7-dc74fb25624a.usrfiles.com\/ugd\/f02e2a_4a8a62598d3c423eacf51fd8560ea141.pdf\">Schreiben an Bundesjustizminister Marco Buschmann<\/a> versandt &ndash; ein &auml;hnliches Schreiben ging wegen der Gefahren f&uuml;r die freiheitliche demokratische Grundordnung an Bundesinnenministerin Nancy Faeser: Wobei ich mir von vornherein recht sicher war, wie damit umgegangen werden d&uuml;rfte. Dem Schreiben kann entnommen werden, dass ich bei der geschilderten Praxis Verst&ouml;&szlig;e gegen das Grundgesetz und das NetzDG sehe.<\/p><p>Ich vermute, dass ich mit meinen Erfahrungen nicht allein bin, und ich vermute noch mehr. Wollen sich Exekutive, Legislative und Judikative nicht dem Vorwurf aussetzen, entgegen dem Grundgesetz zu wirken, kommen sie nicht umhin, auch f&uuml;r diese Umst&auml;nde einen regulatorischen Rahmen zu schaffen.<\/p><p>Was w&uuml;rde ich machen? Systemisch komme ich zu &auml;hnlichen &Uuml;berlegungen wie in der NSA-Aff&auml;re. Ein wirksamer Schutz der Bev&ouml;lkerung und der Unternehmen ist nur m&ouml;glich, wenn er aus dem Gewaltmonopol des Staates abgeleitet wird und nicht individuell geschaffen werden muss. Ich w&uuml;rde ohne dezentrale Polizeistrukturen und hochgradig ohne Gerichte auskommen, sondern ein selbstregulierendes System schaffen wollen &ndash; das auch immer wieder mit Blick auf neue Erkenntnisse optimiert werden kann.<\/p><ul>\n<li>Prinzip. Der Kunde ist K&ouml;nig, hei&szlig;t es so sch&ouml;n, und insofern ist eine grundgesetzkonforme Prozesskette zu schaffen, die des B&uuml;rgers Recht, sich frei und sicher zu &auml;u&szlig;ern, gew&auml;hrleistet. Anbieter, zu deren Gesch&auml;ftsmodell es geh&ouml;rt, den B&uuml;rgern das zu erm&ouml;glichen, haben ein leicht auffindbares, leicht nutzbares und umfassendes Beschwerdemanagement zur Verf&uuml;gung zu stellen, das ihren Nutzern eine konkrete Beschreibung ihres Anliegens und eine z&uuml;gige Bearbeitung garantiert. In gleicher Weise gilt das f&uuml;r den Staat und von ihm beauftragte Strukturen. Prinzipiell bedeutet das auch, dass die Betroffenen in der Regel ohne Anw&auml;lte auskommen k&ouml;nnen, weil ihre Rechte durch die Anbieter und den Staat ausreichend gesch&uuml;tzt und vertreten werden.<\/li>\n<li>Organisation. Es wird eine zentrale Stelle f&uuml;r Beschwerden im Netz geschaffen &ndash; vielleicht auch mehrere mit Blick auf L&auml;nderhoheit oder spezifische Problemerfordernisse &ndash;, deren Aufgabe der Schutz und die Vertretung der Interessen der B&uuml;rger sind und die deren Interessen bei Intervention verfolgt. Aus ihrer Kompetenz heraus ist sie berechtigt, &uuml;ber die Beschwerden zu entscheiden, Ma&szlig;nahmen von den Anbietern zu verlangen und bei Bedarf Ordnungsgelder &ndash; auch f&uuml;r den Einzelfall &ndash; zu verh&auml;ngen. Gegen Entscheidungen ist Beschwerde bei einem Gremium von unabh&auml;ngigen Ombudsm&auml;nnern m&ouml;glich (ich beziehe dort Frauen mit ein). &Uuml;ber alle Entscheidungen gibt es ein &ouml;ffentlich einsehbares Register mit dem jeweils vollst&auml;ndigen Datensatz &ndash; der nur auf Antrag des Schutzbed&uuml;rftigen hinsichtlich Personendaten anonymisiert werden darf. Fehlleistungen innerhalb der Strukturen k&ouml;nnen ebenfalls &ouml;ffentlich gemacht werden. Ziel dessen ist nicht zuletzt eine Wirkung auf die gesellschaftliche Kultur im Umgang miteinander und die Wirksamkeit der Strukturen &ndash; aber auch darauf, dass Ma&szlig;nahmen allein auf den proklamierten strafw&uuml;rdigen Zweck beschr&auml;nkt werden und nur in dem Fall die Anonymit&auml;t aufgehoben werden kann.<br>\nWenn in diesem &ouml;ffentlich wirkenden Prozess aus der Sicht der Schutzsuchenden eine unzureichende Problembew&auml;ltigung erfolgt, steht es ihnen frei, den Klageweg zu w&auml;hlen.<\/li>\n<li>Beschleunigung. Medien, Beschwerdestelle, Ombudsm&auml;nner sind aufeinander auf Wirkung abgestimmt und haben innerhalb eines festgelegten Zeitraums zu reagieren. Der Personalbestand ergibt sich aus dem daf&uuml;r notwendigen Aufwand.<\/li>\n<li>Qualit&auml;t &ndash; am Beispiel der TWITTER-Kategorie &bdquo;Weitere Antworten anzeigen, inklusive solcher, die beleidigende Inhalte enthalten k&ouml;nnen&ldquo;. Tweets von Anbietern, die ein bestimmtes &ndash; transparent einsehbares &ndash; Vokabular benutzen oder nach anderen transparenten Regeln auff&auml;llig geworden sind, werden dort eingeordnet. Es gibt die gleichen Rechte und Transparenzregeln wie bei Beschwerden &ndash; nicht zuletzt, um Willk&uuml;r vorzubeugen.<\/li>\n<li>Spezielle Situationen.\n<ul>\n<li>Aufrufe zur oder Androhungen von Gewalt sowie Gefahren f&uuml;r die &ouml;ffentliche Sicherheit sind z&uuml;gig an die Staatsanwaltschaften sowie den Verfassungsschutz abzugeben und auch von dort substanziell und zeitnah zu bearbeiten.<\/li>\n<li>Bei ehrverletzenden und noch festzulegenden Tatbest&auml;nden besteht ein Recht auf Offenlegung der Identit&auml;t, sodass die Betroffenen &uuml;ber die Ver&ouml;ffentlichung im Register hinaus auch den Klageweg beschreiten k&ouml;nnen. Um die Gerichte zu entlasten, kann die zentrale Stelle Bu&szlig;gelder verordnen, die auch den Betroffenen zugutekommen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Wiederholungst&auml;ter. Die Anbieter kennen bei anonymen Accounts die Identit&auml;t der Nutzer. Wer nach mehrmaliger Ermahnung gegen Grundregeln verst&ouml;&szlig;t, fliegt. Es gibt die gleichen Rechte und Transparenzregeln wie bei Beschwerden &ndash; nicht zuletzt, um Willk&uuml;r vorzubeugen.<\/li>\n<li>Revision. Die Gesamtheit aus Organisation, Regeln und Ma&szlig;nahmen wird zun&auml;chst j&auml;hrlich &ndash; sp&auml;ter zweij&auml;hrlich &ndash; &ouml;ffentlich zur Diskussion gestellt. Innerhalb eines folgenden Vierteljahres werden daraus evtl. Ma&szlig;nahmen zur Optimierung gegen&uuml;ber der Lebenswirklichkeit abgeleitet.<\/li>\n<\/ul><p>Der Staat ist ausreichend qualifiziert und verantwortlich, die vielfachen Interessen seiner B&uuml;rger und Unternehmen zu sch&uuml;tzen, ohne ihnen zus&auml;tzliche eigene Verantwortungen auferlegen zu m&uuml;ssen. Auch im vorliegenden Fall ist er daran zu erinnern. Das Reengineering von Probleml&ouml;sungsprozessen ist dabei ein wesentlicher Beitrag zur Verwaltungseffizienz und zur Entlastung von Verwaltungsstrukturen.<\/p><p>Die B&uuml;rger wiederum m&uuml;ssen sich bewusst werden, dass sie als Souver&auml;n sowohl Verantwortung als auch M&ouml;glichkeiten haben &ndash; gegen&uuml;ber ihren Mitb&uuml;rgern und dem Staat. Wir sind ein Volk, das nur zusammen eine Zukunft hat. Nur zusammen k&ouml;nnen die freiheitliche demokratische Grundordnung und der Substanzwert der Demokratie gest&auml;rkt werden.<\/p><p>Titelbild: SOMKID THONGDEE\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schau dir das doch mal an, dachte ich mir, als ich von der Absicht las, man wolle ein <a href=\"https:\/\/www.bmj.de\/DE\/Themen\/OpferschutzUndGewaltpraevention\/DigitaleGewalt\/Digitale_Gewalt_Artikel.html\">Gesetz gegen digitale Gewalt<\/a> auf den Weg bringen: Das kommt dir doch bekannt vor. So sehr ich von der inneren Harmonie des deutschen Rechts angetan, <a href=\"https:\/\/www.liske.de\/produktseite\/willk%C3%BCr-einblicke-in-die-deutsche-un-rechtsprechung\">aber immer wieder &uuml;berrascht bin<\/a>, wie wenig die Rechtsprechung sich<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96757\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":96758,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,165,41],"tags":[1959,1865,2195,220],"class_list":["post-96757","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-medienanalyse","tag-hate-speech","tag-meinungsfreiheit","tag-twitterx","tag-zensur"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Shutterstock_1889907112.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96757","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=96757"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96757\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":96800,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96757\/revisions\/96800"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/96758"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=96757"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=96757"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=96757"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}