{"id":9688,"date":"2011-06-07T09:29:01","date_gmt":"2011-06-07T07:29:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9688"},"modified":"2014-09-01T11:10:30","modified_gmt":"2014-09-01T09:10:30","slug":"burgerforum-2011-ein-aufwandiges-projekt-der-bertelsmann-stiftung-mit-offenbar-nicht-ganz-erwunschten-ergebnissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9688","title":{"rendered":"\u201eB\u00fcrgerforum 2011\u201c \u2013 ein aufw\u00e4ndiges Projekt der Bertelsmann Stiftung mit offenbar nicht ganz erw\u00fcnschten Ergebnissen"},"content":{"rendered":"<p>Am 28. Mai hat das vom Bundespr&auml;sidenten, der Bertelsmann Stiftung und der Heinz Nixdorf Stiftung initiierte &bdquo;B&uuml;rgerforum 2011&ldquo; Christian Wulff im ehemaligen Bonner Bundestag sein &bdquo;Programm mit konkreten Vorschl&auml;gen f&uuml;r politische Reformen &uuml;berreicht&ldquo;. Insgesamt 10.000 B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger waren dazu eingeladen in 25 ausgew&auml;hlten Regionen in Veranstaltungen vor Ort und auf einer Internetplattform ihre Vorschl&auml;ge zu sechs vorgegebenen Themenfeldern zu machen. Ein verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig aufw&auml;ndiges Projekt also, das allerdings offenbar nicht ganz die erw&uuml;nschten Ergebnisse gebracht hat. Wohl deshalb haben die Vorschl&auml;ge &ndash; ganz anders als bei sonstigen Bertelsmann Projekten &ndash; nur ein leises Medienecho hervorgerufen und hat die Politik davon kaum Notiz genommen. Das &bdquo;B&uuml;rgerforum 2011&ldquo; ist so unfreiwillig ein Beleg daf&uuml;r geworden, wie wenig die herrschenden Machtkartelle in den Medien und der Politik von einer kritischen B&uuml;rgerbeteiligung halten. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Auf die mangelnde Repr&auml;sentativit&auml;t eines &bdquo;der gr&ouml;&szlig;ten B&uuml;rgerbeteiligungsprojekte Deutschlands&ldquo; und &uuml;ber die zweifelhaften Spielregeln hatten wir schon Anfang des <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/blogs\/5\/149138\">Jahres hingewiesen<\/a>. Einer unserer Leser hat uns geschildert, wie die Diskussionen in den B&uuml;rgerforen durch die Moderatoren bewusst und gezielt gelenkt worden sind. <\/p><p>Auffallend ist, dass au&szlig;er Frankfurt am Main keine Gro&szlig;stadt unter den ausgew&auml;hlten St&auml;dten ist, dass etwa Stadt und Region Aachen und Bonn also zwei eng beieinander liegende kleinere St&auml;dte beteiligt waren, das bev&ouml;lkerungsm&auml;&szlig;ig viel gr&ouml;&szlig;ere und wirtschaftsstrukturell v&ouml;llig unterschiedliche Ruhrgebiet aber nur mit der Stadt Bochum. Au&szlig;erdem sind l&auml;ndliche Regionen deutlich &uuml;berrepr&auml;sentiert. <\/p><p>Von den Organisatoren des Projekts ist also das M&ouml;gliche getan worden, damit die Dinge blo&szlig; nicht aus dem Ruder laufen konnten.<\/p><p>Zu sechs Themenfeldern, n&auml;mlich zu Bildung, Demografie, Demokratie und Beteiligung, Famili&auml;re Lebensformen, Integration sowie Solidarit&auml;t und Gerechtigkeit (man beachte die Auswahl) wurden in 25 ausgew&auml;hlten St&auml;dten und Landkreisen jeweils bis zu 400 B&uuml;rgern bei Veranstaltungen vor Ort und auf einer Internetplattform &bdquo;B&uuml;rgerprogramme&ldquo; mit Vorschl&auml;gen erarbeitet. Aus insgesamt 125 L&ouml;sungsvorschl&auml;gen der regionalen &bdquo;B&uuml;rgerprogramme&ldquo; wurden <a href=\"http:\/\/www.buergerforum2011.de\/site\/downloads\/bp_bund\/BF2011_BuergerProgramm.pdf\">die sechs &bdquo;&uuml;berzeugendsten Vorschl&auml;ge&ldquo; ausgew&auml;hlt [PDF &ndash; 3.9 MB]<\/a> und dem Bundespr&auml;sidenten am &bdquo;Tag der Demokratie&ldquo; (wie es ziemlich gro&szlig;spurig hei&szlig;t) am 28. Mai &uuml;berreicht.<\/p><p>Im einleitenden Vorschlag des Ausschusses &bdquo;<strong>Solidarit&auml;t und Gerechtigkeit<\/strong>&ldquo; hei&szlig;t es in der &bdquo;Begr&uuml;ndung&ldquo;: <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Wir leben in einem reichen Land. Wir leben in Frieden. &bdquo;Wir sind Papst&ldquo; und erleben &bdquo;Sommerm&auml;rchen&ldquo;. Wir sind Export- und Reiseweltmeister. Wir n&auml;hern uns der Vollbesch&auml;ftigung. Wir retten Banken und den Euro. Alle m&uuml;ssten dankbar und zufrieden sein. viele sind es auch &ndash; zu Recht!<br>\nTrotzdem gibt es jetzt den &bdquo;Wutb&uuml;rger&ldquo;, der sich gegen vieles auflehnt. Es gibt drei Millionen Arbeitslose und Menschen in prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen. M&auml;nner sind gleichberechtigter als Frauen. Es gibt Kinderarmut, Altersarmut und Tafeln. Wir w&auml;hlen Superstars und sind konsums&uuml;chtig. Gewalt ist allgegenw&auml;rtig. Die Gestaltungskraft der Politik scheint verloren. Viele B&uuml;rger gehen nicht mehr zur Wahl, kennen nicht einmal die Namen der Politiker. Die Globalisierung &auml;ngstigt viele. Mehr Umweltschutz muss man sich leisten k&ouml;nnen und auch mehr Bildung. Es ist Zeit f&uuml;r eine Kurs&auml;nderung, f&uuml;r eine Diskussion und Verankerung von moralischen Werten und ethischen Grunds&auml;tzen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Wenn die &bdquo;Sonnenseiten&ldquo; unseres Landes von den B&uuml;rgern selbst so dargestellt worden sein sollten, dann ist das, wie z.B. die Formulierung &bdquo;Wir n&auml;hern uns der Vollbesch&auml;ftigung&ldquo;, ein ziemlich eindeutiger Beleg daf&uuml;r, wie die allgemeine Meinungsmache gewirkt hat. Bei &bdquo;Wir sind Papst&ldquo; oder <em>&bdquo;Sommerm&auml;rchen&ldquo;<\/em> schlagen bis in die Sprache hinein sogar die Kampagnen der Bildzeitung durch. Die Vermutung liegt nahe, dass diese einleitende Textpassage &bdquo;moderiert&ldquo; worden ist.<\/p><p>An Formulierungen wie <em>&bdquo;alle m&uuml;ssten dankbar und zufrieden sein&ldquo;<\/em> mag man erkennen, worum es den Initiatoren dieses B&uuml;rgerforums eigentlich ging. Man wollte wohl eine Grundstimmung schaffen, dass letztlich doch &bdquo;alle&ldquo; zufrieden und dankbar (wem eigentlich?) sein m&uuml;ssten und es daneben halt ein paar &bdquo;Schattenseiten&ldquo; gibt, die mit einer Diskussion und der Verankerung (wo eigentlich?) von moralischen Werten und ethischen Grunds&auml;tzen, in ein helleres Licht ger&uuml;ckt werden k&ouml;nnten. <\/p><p>Alles k&ouml;nnte gut werden, wenn nur mehr Anstand und Moral herrschten, denn &bdquo;<em>Anstand schafft Anstand<\/em>&ldquo; oder wenn die Politiker wieder &bdquo;<em>vertrauensw&uuml;rdiger<\/em>&ldquo; w&uuml;rden und wenn wir eine &bdquo;<em>ethisch gepr&auml;gte Wirtschaft<\/em>&ldquo; h&auml;tten. <\/p><p>Schaut man aber hinter die wohlfeilen Appelle zu mehr Moral und Anstand, dann werden die Vorschl&auml;ge &uuml;berraschend handfest: <\/p><p>So sollen hauptamtliche Amts- und Mandatstr&auml;ger &bdquo;<em>keine Nebent&auml;tigkeiten in Unternehmen aus&uuml;ben<\/em>&ldquo; d&uuml;rfen. &bdquo;<em>Aktivit&auml;ten von Lobbyisten sind offenzulegen und ihre Mitwirkung in Gesetzgebungsverfahren ist zu untersagen<\/em>&ldquo;. Von &bdquo;<em>vertrauensw&uuml;rdigen Politikern<\/em>&ldquo; wird ein &bdquo;<em>Verzicht auf Fraktionszwang und die Verpflichtung zur Einhaltung von Wahlversprechen<\/em>&ldquo; verlangt.<\/p><p>&Uuml;ber geplante Vorhaben sind die B&uuml;rger fr&uuml;hzeitig und umfassend zu informieren und M&ouml;glichkeiten der Einflussnahme sind aufzuzeigen.<br>\nUnternehmen &bdquo;<em>die Staatsbeihilfen in Anspruch nehmen d&uuml;rfen vor der R&uuml;ckf&uuml;hrung keine Gewinne aussch&uuml;tten<\/em>&ldquo;. (Man stelle sich einmal vor, man w&uuml;rde bei den Banken damit ernst machen!) Ein weiterf&uuml;hrendes Arbeitnehmer&uuml;berlassungsgesetz m&uuml;sse regeln, dass &bdquo;<em>Unternehmen durch Leiharbeiter keine finanziellen Vorteile<\/em>&ldquo; entstehen d&uuml;rften.<br>\nWeiter wird appelliert: &bdquo;<em>Deutschland darf Armut nicht tolerieren, weder bei Kindern noch bei Rentnern, egal, ob die Armut durch finanziellen Mangel oder durch Vernachl&auml;ssigung und Gleichg&uuml;ltigkeit verursacht wird.<\/em>&ldquo;  Zwar sind Arbeitslose und oder Niedrigl&ouml;hner nicht ausdr&uuml;cklich erw&auml;hnt, aber aus den gleichfalls bundesweit diskutierten Vorschl&auml;gen, wir deutlich erkennbar, in welche Richtung die B&uuml;rgerforen dachten: Also etwa &bdquo;<em>wer arbeitet, soll davon ein zumutbares Leben f&uuml;hren k&ouml;nnen<\/em>&ldquo; oder an die &bdquo;<em>gesetzliche Einf&uuml;hrung eines existenzsichernden Mindestlohns<\/em>&ldquo; oder das &bdquo;<em>Recht auf w&uuml;rdige, erf&uuml;llende Arbeit und gerechte Entlohnung<\/em>&ldquo; oder einfach nur an eine &bdquo;<em>gerechte Verteilung<\/em>&ldquo;. (Laut <a href=\"http:\/\/idw-online.de\/de\/news425594\">Presseerkl&auml;rung der Bertelsmann Stiftung<\/a> wurde in einzelnen Foren sogar ein bedingungsloses Grundeinkommen vorgeschlagen.) <\/p><p>Schlie&szlig;lich wird f&uuml;r junge Menschen ein angemessen verg&uuml;tetes  &bdquo;B&uuml;rgerjahr&ldquo; gefordert, in dem Aufgaben in &ouml;ffentlichen oder gemeinn&uuml;tzigen Einrichtungen &uuml;bernommen werden sollen. <\/p><p>Noch h&auml;rter sind die Vorschl&auml;ge des Ausschusses &bdquo;<strong>Demokratie und Beteiligung<\/strong>&ldquo;:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Die t&auml;gliche politische Erfahrung zeigt, dass die Regierungen, Parlamente und Verwaltungen unserer repr&auml;sentativen Demokratie viele gesellschaftlich dringende Fragen nicht, nicht ausreichend, zu sp&auml;t oder <strong>gegen eine Mehrheitsmeinung<\/strong> der Bev&ouml;lkerung regeln. Unser demokratisches Modell muss deshalb um Elemente der direkten Demokratie erg&auml;nzt werden, die die Erf&uuml;llung der von den B&uuml;rgern als vordringlich empfundenen Ziele und Aufgaben nachhaltig erm&ouml;glichen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Um diese Vorschl&auml;ge umzusetzen m&uuml;sse die Politik bereit sein, &bdquo;<em>echte und weitgehende Kontrollen ihrer T&auml;tigkeit zuzulassen<\/em>&ldquo;. Auch in diesem zweiten Themenfeld wird die Unabh&auml;ngigkeit von Lobbys und Einzelinteressen durch &bdquo;<em>Nebent&auml;tigkeitsregeln\/-verbote&hellip;(gilt auch f&uuml;r Aufsichts-\/Beiratst&auml;tigkeiten in Firmen und Aktiengesellschaften<\/em>&ldquo; gefordert. Ja sogar ein Verbot von Parteispenden durch juristische Personen (Firmen, Verb&auml;nde) wird verlangt. <\/p><p>Auch im dritten Themenfeld &bdquo;<strong>Famili&auml;re Lebensformen<\/strong>&ldquo; findet man deutliche Worte: <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Man braucht berufliche Sicherheit, um f&uuml;r seine Familie selbst zu sorgen. Es geht darum, dass es f&uuml;r alle Familien m&ouml;glich wird, sich Kinder zu &bdquo;leisten&ldquo;. Sei es durch staatliche oder durch Betriebliche Unterst&uuml;tzung. Finanzielle Unsicherheit und Angst um den Arbeitsplatz sind nach einer Untersuchung vom Februar 2011 f&uuml;r 86 Prozent der befragten kinderlosen 25- bis 45-j&auml;hrigen Erwachsenen der Hauptgrund f&uuml;r die niedrige Geburtenrate (Quelle: TZ vom 14.2.11). Nicht die Arbeit, sondern die Familie muss sich wieder lohnen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Der letzte Satz mag zwar als plakative Kritik auf die FDP-Parole &bdquo;Leistung muss sich wieder lohnen&ldquo; gedacht gewesen sein, ansonsten ist er widerspr&uuml;chlich, denn die Reihenfolge ist eine umgekehrte, n&auml;mlich: lohnt sich die Arbeit, dann lohnt sich das auch f&uuml;r die Familie. Das wird auch im weiteren Text so ausgef&uuml;hrt, etwa mit dem Vorschlag &bdquo;<em>sichere Arbeit bedeutet, dass der Missbrauch von Zeit- und Leiharbeit verhindert wird<\/em>&ldquo; oder &bdquo;<em>das Einkommen sollte so hoch sein, dass ein Gehalt f&uuml;r die Familie reicht und ein Partner sich um Kinder k&uuml;mmern kann<\/em>.&ldquo; (Lassen wir dabei einmal die Frage beiseite, wer, ob Man oder Frau, sich um Kinder tats&auml;chlich k&uuml;mmern muss.)<\/p><p>Aber nicht nur die Anforderung an eine sichere und gut entlohnte Arbeit ist eindeutig, auch die familienpolitischen Forderungen sind weitgehend: <\/p><p><em>&bdquo;Eltern m&uuml;ssen nach einer Kinderbetreuungsphase wieder an ihren Arbeitsplatz zur&uuml;ckkehren k&ouml;nnen und f&uuml;r einen familienbedingten Arbeitsausfall (Kinder, Pflege von Gro&szlig;eltern) finanziell entlastet werden.&ldquo;<\/em><\/p><p>Oder: <\/p><p><em>&bdquo;Der Staat muss f&uuml;r Lehr- und Lernmittelfreiheit, Schulspeisung und Nachhilfegutscheine sorgen.&ldquo;<\/em><\/p><p>Oder:<\/p><p><em>&bdquo;Staat, Kirchen und andere Tr&auml;ger sozialer Einrichtungen m&uuml;ssen daf&uuml;r sorgen, dass in Kinderg&auml;rten, bei Vereinen und in Schulen ausreichend kostenlose Betreuungs- und Beratungsangebote f&uuml;r Kinder und Jugendliche geschaffen werden &ndash; Familienberatung darf nicht am Geld scheitern!&ldquo;<\/em><\/p><p>Im Ausschuss &bdquo;<strong>Integration<\/strong>&ldquo; bleiben die Vorschl&auml;ge zwar konventionell, wenngleich beachtlich ist, dass weder die Zuwanderung selbst in Frage gestellt wird noch die Integrationsanforderungen &ndash; wie diese &uuml;blicherweise geschieht &ndash; vor allem an die Migranten gerichtet sind.<br>\nSo hei&szlig;t es etwa:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Man kann die Kosten, die durch die Risse in der Gesellschaft und durch die <strong>bisherige Abgrenzung<\/strong> bestimmter Gruppen (z.B. Sozialhilfeempf&auml;nger, Migranten) entstehen, reduzieren, weil &uuml;ber die Integration auch mehr Produktivit&auml;t entsteht.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Das ist zwar ein ziemlich &ouml;konomistischer Ansatz, aber immerhin.<\/p><p>Gefordert wird ein sog. &bdquo;Zwei-S&auml;ulen-Modell&ldquo;, in dem verpflichtende Regelungen (z. B. Kindergartenpflicht ab 3 Jahre, Integrationskurse) durch freiwillige Angebote (z. B. Sprachtandems) sinnvoll erg&auml;nzt werden.<\/p><p>Ziemlich weitgehend sind die Vorschl&auml;ge beim Thema Bildung.<br>\nDen Anfang macht eine radikale Kritik am f&ouml;deralistischen Bildungssystem:<br>\n<em>&bdquo;Das aktuelle f&ouml;deralistische Bildungssystem ist ineffizient und unflexibel.&ldquo;<\/em><br>\nDas Aufheben der L&auml;nderzust&auml;ndigkeit f&uuml;r Fragen der Bildung und das Umwandeln in eine Bundeszust&auml;ndigkeit werden gefordert.<\/p><p>Hart ist auch die Kritik am Abitur in 8 Jahren und an den Kurzstudieng&auml;ngen:<br>\n<em>&bdquo;Das bisherige Bildungssystem konzentriert sich darauf, m&ouml;glichst viel Stoff in wenig Zeit zu vermitteln. Dieser Stoff wird von den Lernenden nicht verinnerlicht. Bildung braucht Zeit. Dies gilt sowohl f&uuml;r Schul- als auch f&uuml;r Hochschulbildung. G8, Bachelor und Master sind zu pr&uuml;fen und gegebenenfalls anzupassen.&ldquo;<\/em><\/p><p>Durchaus vern&uuml;nftig ist der Vorschlag:<br>\n<em>Lernende sollen lernen, wie man sich aktiv Wissen am besten aneignet. Ein solides Allgemeinwissen ist notwendig. Spezialwissen (Inselwissen) jedoch sollte der berufs- bzw. universit&auml;ren Ausbildung vorbehalten werden.<\/em><\/p><p>Und f&uuml;r den heutigen Zeitgeist geradezu radikal ist die Formulierung:<br>\n<em>&bdquo;Chancengleichheit bedeutet staatlich voll finanzierte Bildung. Legen wir los!&ldquo;<\/em><\/p><p>Interessant ist, dass beim letzten der ausgew&auml;hlten Themenbereiche, n&auml;mlich bei der <strong>Demografie<\/strong>, nicht etwa, der auch vom Initiator Bertelsmann sonst &uuml;bliche gepflegte Alarmismus vorherrscht. Verl&auml;ngerung der Lebensarbeitszeit, private Vorsorge oder Abbau von Sozialleistungen kommen nicht vor; im Gegenteil, es ist das von einer &bdquo;<em>solidarischen und gerechten Finanzierung<\/em>&ldquo; die Rede.<\/p><p>Statt in die &uuml;bliche Panikmache einzustimmen, wird beim Thema Demografie auf eine bessere soziale Absicherung der Arbeitnehmer abgestellt und ansonsten eigentlich nur der gesamte Katalog an familienpolitischen Vorschl&auml;ge noch einmal wiederholt, allerdings mit der begrenzten Sichtweise, dass &bdquo;<em>nur &uuml;ber diesen Weg eine stabile und zukunftsf&auml;hige demografische Entwicklung gesichert werden<\/em>&ldquo; k&ouml;nne. Man hofft also durch eine kinderfreundlichere Gesellschaft &bdquo;<em>das demografische Erbe der letzten 40 Jahre<\/em>&ldquo; wieder aufbessern zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Es ist angesichts dieser Vorschl&auml;ge, die doch deutlich von der herrschenden Meinung des Parteien- und Medienkartells abweichen, nicht weiter erstaunlich, dass das &bdquo;B&uuml;rgerforum 2011&ldquo; nur ein leises Echo in den Medien gefunden hat. Au&szlig;er der pflichtgem&auml;&szlig;en Entgegennahme der Empfehlungen durch den Bundespr&auml;sidenten als Mitinitiators des Forums und einem freundlichen Lob, dass &bdquo;B&uuml;rgerforen die parlamentarische Demokratie sinnvoll erg&auml;nzen&ldquo; k&ouml;nnten, hat sich kaum ein Politiker dazu ge&auml;u&szlig;ert. <\/p><p>Ganz entgegen der Erfahrung, etwa wenn die Bertelsmann Stiftung das Thema demografischer Wandel, &bdquo;soziale Marktwirtschaft&ldquo;, ihre ber&uuml;chtigten Wirtschafts-Benchmarks oder gar ihre Vorschl&auml;ge im Bildungsbereich in die &Ouml;ffentlichkeit lanciert, und wo regelm&auml;&szlig;ig ein gro&szlig;er Medienwirbel erzeugt wird, scheint dieses ziemlich aufw&auml;ndige Projekt &bdquo;B&uuml;rgerforum&ldquo; weder intensiv &ouml;ffentlich promotet worden, noch &ndash; umgekehrt &ndash; auf gro&szlig;es mediales Interesse gesto&szlig;en zu sein. Und schon gar nicht hat sich die Politik dazu gestellt oder sich mit dem Vorschl&auml;gen besch&auml;ftigt.   <\/p><p>Daf&uuml;r lagen die &bdquo;moderierten&ldquo; und durchaus moderaten Vorschl&auml;ge der &bdquo;B&uuml;rgerforen&ldquo; offenbar schon zu weit ab vom herrschenden Meinungsstrom und waren nicht einmal einer Diskussion w&uuml;rdig. Google verzeichnet gerade einmal 30 Nachrichtenartikel und dann gab es eben noch die Lokalberichterstattung &uuml;ber die ortsans&auml;ssigen Foren. Einen Kommentar in den sog. Qualit&auml;tsmedien habe ich genauso wenig gefunden, wie eine W&uuml;rdigung oder eine Stellungnahme eines Politikers &ndash; wenn man einmal von der pflichtgem&auml;&szlig;en Rede des Bundespr&auml;sidenten absieht.<\/p><p>Mit dem &ndash; mit hohem Aufwand betriebenen &ndash; &bdquo;B&uuml;rgerforum 2011&ldquo; sollte ja doch wohl im Sinne der Initiatoren der Eindruck erweckt werden sollte, als k&ouml;nnten sich B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger unmittelbar an der &ouml;ffentlichen Meinungsbildung beteiligen. Es sollte doch beispielgebend daf&uuml;r sein, wie  sie ihre Vorschl&auml;ge in die &ouml;ffentliche und politische Debatte einbringen k&ouml;nnen.<br>\nWeil aber die Vorschl&auml;ge wohl nicht ganz den Erwartungen entsprachen und vermutlich kritischer waren, als die Initiatoren selbst erwartet hatten, ist das Projekt an der Wahrnehmungsbarriere von Medien und Politik gescheitert. Das &bdquo;B&uuml;rgerforum 2011&ldquo; ist insoweit zu einem Rohrkrepierer geworden, als es eine B&uuml;rgerbeteiligung zwar nur vorgespiegelt hat, aber gleichzeitig zu einem traurigen Beleg daf&uuml;r geworden ist, wie wenig die Machtkartelle in der Politik und in den Medien von einer B&uuml;rgerbeteiligung und schon gar von kritischen Meinungen der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger halten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 28. Mai hat das vom Bundespr&auml;sidenten, der Bertelsmann Stiftung und der Heinz Nixdorf Stiftung initiierte &bdquo;B&uuml;rgerforum 2011&ldquo; Christian Wulff im ehemaligen Bonner Bundestag sein &bdquo;Programm mit konkreten Vorschl&auml;gen f&uuml;r politische Reformen &uuml;berreicht&ldquo;. Insgesamt 10.000 B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger waren dazu eingeladen in 25 ausgew&auml;hlten Regionen in Veranstaltungen vor Ort und auf einer Internetplattform ihre Vorschl&auml;ge<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9688\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[96,129,11],"tags":[232,1134,291,510,752],"class_list":["post-9688","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bundespraesident","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","category-strategien-der-meinungsmache","tag-bertelsmann","tag-nebeneinkommen","tag-verteilungsgerechtigkeit","tag-vollbeschaeftigung","tag-wulff-christian"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9688","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9688"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9688\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9692,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9688\/revisions\/9692"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9688"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9688"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9688"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}