{"id":96924,"date":"2023-04-29T11:45:14","date_gmt":"2023-04-29T09:45:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96924"},"modified":"2023-04-30T11:41:53","modified_gmt":"2023-04-30T09:41:53","slug":"stimmen-aus-paraguay-zur-anstehenden-wahl-ein-von-washington-inszenierter-wandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96924","title":{"rendered":"Stimmen aus Paraguay zur anstehenden Wahl: \u201eEin von Washington inszenierter Wandel&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Die Einmischung der USA in die inneren Angelegenheiten Paraguays geh&ouml;rt dort zum Alltag und wird sogar als normal angesehen. In der aktuellen Situation kurz vor der Wahl am 30. April, in der man bereits in die Endphase des Wahlkampfes eingetreten ist, haben sich die beiden aussichtsreichen Kandidaten Santiago Pe&ntilde;a von der Colorado-Partei und Efra&iacute;n Alegre von der Authentischen Radikalliberalen Partei (Partido Liberal Radical Aut&eacute;ntico, PLRA) getrennt voneinander mit dem US-Botschafter Marc Ostfield getroffen und demonstrativ Fotos von diesen Treffen ver&ouml;ffentlicht. Beide sind Kandidaten des Establishments und &uuml;berzeugte Verb&uuml;ndete der USA, sodass diese Aktion nicht als Einmischung verstanden wird. Von <strong>Sergio Rodr&iacute;guez Gelfenstein<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nBis vor wenigen Wochen deutete noch alles darauf hin, dass der Colorado-Kandidat Pe&ntilde;a der Wahlsieger sein w&uuml;rde, falls es nicht zu einem unvorhergesehenen und &uuml;berraschenden Ereignis k&auml;me. Ein solches Ereignis trat am vergangenen 26. Januar ein, als die USA Wirtschaftssanktionen gegen den paraguayischen Vizepr&auml;sidenten Hugo Vel&aacute;zquez und den ehemaligen Pr&auml;sidenten Horacio Cartes wegen &bdquo;Korruption&ldquo; verh&auml;ngten, nachdem sie ihnen bereits vor Monaten die Einreise ins Land verwehrt hatten.<\/p><p>Wie im Fall des ehemaligen Pr&auml;sidenten Juan Orlando Hern&aacute;ndez in Honduras unterst&uuml;tzte Washington ihre Kandidaturen und wich dabei den Anschuldigungen unabh&auml;ngiger internationaler Organisationen und eines gro&szlig;en Teils der &ouml;ffentlichen Meinung in ihren eigenen L&auml;ndern aus, um dann gegen sie vorzugehen, wenn sie nicht mehr ihrem konservativen und gegen die Interessen der V&ouml;lker gerichteten Angriff dienlich waren.<\/p><p>Es sei darauf hingewiesen, dass die objektiven und subjektiven Bedingungen gegeben sind, um einen &auml;hnlichen Wandel wie in einem gro&szlig;en Teil Lateinamerikas zu bewirken, aber die Zersplitterung der Linken erlaubt es ihr nicht, bei den Wahlen ein wichtiger Akteur zu sein.<\/p><p>Inmitten der Wahldynamik hat der PLRA-Kandidat einige Zugest&auml;ndnisse gemacht, um einen Teil der Linken anzusprechen, der zur Frente Guas&uacute; geh&ouml;rt. Unter den Wahlerkl&auml;rungen Alegres sticht die Ank&uuml;ndigung hervor, im Falle eines Wahlsieges Beziehungen zu China aufzunehmen, was nach Meinung der meisten paraguayischen Analysten nichts anderes als ein Wahlkampfman&ouml;ver ist.<\/p><p>In diesem Zusammenhang ist die Entscheidung der USA, Cartes auf die Liste der korrupten Politiker des Au&szlig;enministeriums zu setzen, nichts anderes als ein neues Einmischungsman&ouml;ver. Dadurch wird jedes Unternehmen oder jeder B&uuml;rger, der mit dem ehemaligen Pr&auml;sidenten Gesch&auml;fte macht, von Washington mit Sanktionen belegt. In einem verzweifelten Man&ouml;ver hat Cartes die Aktien seiner Unternehmen an seine Kinder abgetreten, mit dem Ziel, die Sanktionen zu umgehen, und versucht, als Unternehmer zu &uuml;berleben, da seine politische Karriere scheinbar an ihr Ende gekommen ist.<\/p><p>Mit dieser Verf&uuml;gung zeigen die USA eine offene und eklatante Einmischung in den Wahlprozess, die von den paraguayischen Medien verheimlicht wurde. Diese Aktion hat ein echtes Problem f&uuml;r die Kandidatur von Santiago Pe&ntilde;a geschaffen, der politisch an der Hand des ehemaligen Pr&auml;sidenten aufgewachsen ist und der als sein engster Z&ouml;gling gilt.<\/p><p>Als sich die Entscheidung der USA nicht mehr verheimlichen lie&szlig; und die Medien wie von Zauberhand gesteuert einen einheitlichen Frontalangriff auf Pe&ntilde;a starteten, traf sich dieser mit dem US-Botschafter und gab anschlie&szlig;end eine Presseerkl&auml;rung ab, in der er betonte, dass im Falle seines Wahlsiegs die Priorit&auml;t seiner Au&szlig;enpolitik darin bestehen w&uuml;rde, die Beziehungen Paraguays zu den USA, Israel und Taiwan zu st&auml;rken. Auf diese Weise sandte er eine direkte Botschaft an die Unternehmerschaft, vor allem, wenn man bedenkt, dass einige Sektoren derselben, insbesondere diejenigen, die mit der Fleisch- und Sojaproduktion verbunden sind und ihre gro&szlig;en Unternehmensinteressen in den Vordergrund stellen, sich immer offener f&uuml;r die Notwendigkeit der Aufnahme von Beziehungen zu China aussprechen.<\/p><p>Die Erkl&auml;rung der US-Botschaft vom 26. Januar war besonders hart und behauptete, dass Cartes &bdquo;vor, w&auml;hrend und nach seiner Amtszeit als Pr&auml;sident&ldquo; ein &bdquo;koordiniertes Korruptionsmuster&ldquo; verfolgt habe, zu dem auch Bestechungen von Beamten und Abgeordneten geh&ouml;rten. Der US-Botschafter Marc Ostfield selbst versicherte, Cartes habe mehr als ein Jahrzehnt lang seinen unrechtm&auml;&szlig;ig erworbenen Reichtum und Einfluss dazu genutzt, &bdquo;seine politische und wirtschaftliche Macht innerhalb der paraguayischen Institutionen auszudehnen&ldquo;.<\/p><p>Aus diesem Grund beschloss die US-Kontrollbeh&ouml;rde f&uuml;r Auslandsverm&ouml;gen (Office of Foreign Assets Control, Ofac) des Finanzministeriums, ihn wegen seiner &bdquo;Beteiligung an systematischer Korruption, die die demokratischen Institutionen in Paraguay untergraben hat&ldquo;, zu sanktionieren. Die Ofac fror auch alle finanziellen Verm&ouml;genswerte ein, die er m&ouml;glicherweise in den USA besitzt, und verh&auml;ngte dar&uuml;ber hinaus gezielte Sanktionen gegen vier von ihm und seiner Familie kontrollierte Unternehmen. Mit dieser Ma&szlig;nahme haben die USA die Colorado-Partei geschw&auml;cht, die sich nun von dem ehemaligen Pr&auml;sidenten zu distanzieren versucht.<\/p><p>In diesem Zusammenhang hat Pe&ntilde;a sich heimlich bem&uuml;ht, sich von dieser besonderen Beziehung zu distanzieren. Sollte Pe&ntilde;a die Wahlen gewinnen, wird er, um sich zu halten, alles tun, um die Anweisungen der US-Botschaft zu befolgen, denn das scheint seine beste Trumpfkarte zu sein.<\/p><p>Dazu geh&ouml;rt nat&uuml;rlich auch, dass er sich von Cartes absetzt, von dem er sich jetzt nicht trennen kann, weil er ihn wegen des gro&szlig;en Einflusses, den der Ex-Pr&auml;sident in wichtigen Sektoren der Colorado-Partei hat, braucht, um die Wahlen zu gewinnen. Den Anweisungen der diplomatischen US-Vertretung folgend, hat Pe&ntilde;a sich jedoch davor geh&uuml;tet, seinen Lehrmeister &ouml;ffentlich zu kritisieren.<\/p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\">\n<p lang=\"es\" dir=\"ltr\">Convers&eacute; con <a href=\"https:\/\/twitter.com\/USAmbPY?ref_src=twsrc%5Etfw\">@USAmbPY<\/a> sobre mi visi&oacute;n del Paraguay y la importancia de la cooperaci&oacute;n entre nuestros pa&iacute;ses. <a href=\"https:\/\/t.co\/C0Th33b1o9\">pic.twitter.com\/C0Th33b1o9<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Santiago Pe&ntilde;a (@SantiPenap) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/SantiPenap\/status\/1613634970030903303?ref_src=twsrc%5Etfw\">January 12, 2023<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p>  <\/p><p>Diese Situation scheint widerspr&uuml;chlich, denn die Entscheidung Washingtons, Cartes mit Korruption in Verbindung zu bringen, h&auml;tte als positiv f&uuml;r die PLRA und Alegre interpretiert werden k&ouml;nnen. Aber wie ein paraguayischen Analyst sagte, ist das, was die US-Botschaft real dazu veranlasst hat, ein interner &bdquo;Reset&ldquo;, um sowohl die Liberalen als auch die Colorados unter ihre Kontrolle zu bringen, sodass es f&uuml;r keine dieser beiden Parteien einen Ausweg gibt &ndash; da sie wissen, dass derjenige, der gewinnt, sich in v&ouml;lliger Harmonie mit dem Wei&szlig;en Haus befinden wird.<\/p><p>Der Webseite der paraguayischen Partei Frente Amplio zufolge, die die Kandidatur von Alegre unterst&uuml;tzt, besteht die Opposition jetzt auf der Notwendigkeit einer &bdquo;n&uuml;tzlichen Stimmabgabe&ldquo; zugunsten Alegres, um Pe&ntilde;a zu besiegen. Sie betonen, dass alle Umfragen auf eine Konfrontation zwischen den beiden Kandidaten hindeuten, weshalb sie zur Bildung einer Einheitsfront aufrufen, innerhalb derer &bdquo;die anderen Oppositionskandidaten die M&ouml;glichkeit eines Wechsels vorn anstellen, indem sie sich f&uuml;r den am besten positionierten Kandidaten entscheiden&ldquo;.<\/p><p>Andererseits weist die PLRA aufgrund ihres traditionell extremen Opportunismus darauf hin, dass es im aktuellen Szenario einen Wechsel geben m&uuml;sse, der zur Benennung eines einzigen Oppositionskandidaten zwinge, denn diese Option biete gro&szlig;e M&ouml;glichkeiten, die Colorado-Partei zu besiegen.<\/p><p>Es sollte nicht vergessen werden, dass die PLRA Teil der Regierungskoalition war, die Fernando Lugo an die Macht brachte, um sp&auml;ter dann ein B&uuml;ndnis mit der Colorado-Partei einzugehen, die hinter dem Staatsstreich von 2012 steckte, um die Macht zu &uuml;bernehmen. Der Verrat ist also ein nat&uuml;rlicher Teil ihrer politischen Arbeit. Die US-Botschaft wei&szlig; das. Und eben auf dieser Grundlage baut sie nun ihren &bdquo;cambio gatopardiano&ldquo; (paraguayischer Ausdruck f&uuml;r einen Wandel, bei dem das Wesentliche gleich bleibt) im Land der Guaran&iacute; auf.<\/p><p>&Uuml;bersetzung: Klaus E. Lehmann, <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/263596\/paraguay-wandel-von-usa-inszeniert\">Amerika21<\/a><\/p><p>Titelbild: shutterstock \/ Hairem <\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96073\">Das Imperium schl&auml;gt zur&uuml;ck: Bolivien destabilisieren und die Kontrolle &uuml;bernehmen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92739\">Stimmen aus Lateinamerika: Die Einmischung der USA geht unvermindert weiter<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91103\">China und Russland: Bedrohungen f&uuml;r Lateinamerika?<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/bed0cda9926341c3ae05daa9be8c65a1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Einmischung der USA in die inneren Angelegenheiten Paraguays geh&ouml;rt dort zum Alltag und wird sogar als normal angesehen. In der aktuellen Situation kurz vor der Wahl am 30. April, in der man bereits in die Endphase des Wahlkampfes eingetreten ist, haben sich die beiden aussichtsreichen Kandidaten Santiago Pe&ntilde;a von der Colorado-Partei und Efra&iacute;n Alegre<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96924\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":96925,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,20,190],"tags":[2353,1556,1347,1019],"class_list":["post-96924","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","category-wahlen","tag-paraguay","tag-usa","tag-wahlkampf","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/shutterstock_1777208300.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96924","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=96924"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96924\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":97036,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/96924\/revisions\/97036"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/96925"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=96924"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=96924"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=96924"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}