{"id":96947,"date":"2023-05-01T11:45:51","date_gmt":"2023-05-01T09:45:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96947"},"modified":"2023-05-02T11:35:16","modified_gmt":"2023-05-02T09:35:16","slug":"stimmen-aus-lateinamerika-der-kampf-der-mapuche-gegen-die-privatisierung-der-quellen-des-rio-chubut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96947","title":{"rendered":"Stimmen aus Lateinamerika: Der Kampf der Mapuche gegen die Privatisierung der Quellen des R\u00edo Chubut"},"content":{"rendered":"<p>Im argentinischen Patagonien, dem angestammten Territorium der indigenen Gemeinschaft Mapuche, wird zunehmend Land privatisiert und an ausl&auml;ndisches Kapital verkauft. Der englische Multimillion&auml;r Joe Lewis versperrt schon seit Jahren den &ouml;ffentlichen Zugang zu dem See&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.ila-web.de\/ausgaben\/462\/lago-escondido-oder-hidden-lake\">Lago Escondido<\/a>&nbsp;(deutsch: Versteckter See). Ganz in der N&auml;he werden gerade die Quellen des Chubut-Flusses abgesperrt. Das Kapital scheint hier aus den Arabischen Emiraten zu kommen. Von <strong><a href=\"https:\/\/agenciapresentes.org\/2023\/03\/22\/soledad-cayunao-la-defensora-mapuche-que-pone-el-cuerpo-para-frenar-a-los-alambradores-del-rio-chubut\/\">Denali DeGraf<\/a><\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_350\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-96947-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230502-Kampf-der-Mapuche-gegen-Privatisierung-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230502-Kampf-der-Mapuche-gegen-Privatisierung-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230502-Kampf-der-Mapuche-gegen-Privatisierung-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230502-Kampf-der-Mapuche-gegen-Privatisierung-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=96947-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230502-Kampf-der-Mapuche-gegen-Privatisierung-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230502-Kampf-der-Mapuche-gegen-Privatisierung-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es geht hier nicht nur um die Verteidigung der Mapuche-Territorien. Es geht um die Quellen des Flusses, der durch die ganze Provinz Chubut flie&szlig;t. Das geht alle an.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>So die Worte von Soledad Cayunao, die sich denjenigen, die die Quellen privatisieren und einz&auml;unen wollen, in den Weg stellt. Dies ist der Bericht eines Augenzeugen, der sechs Tage in der Gegend verbracht hat, &uuml;ber die Verteidigung des indigenen Territoriums.<\/p><p>Soledad Cayunao muss 15 Kilometer durch das Tal des Chubut-Flusses wandern, der hier in der Kordillere der Provinz R&iacute;o Negro entspringt, um zu dem Platz zu kommen, an dem ihre Familie traditionell im Sommer ihr Vieh h&uuml;tet. Diese 38-j&auml;hrige Mapuche-Frau steht jetzt an der Spitze der Verteidigung der Flussquellen. In diesen Tagen haben Arbeiter eines benachbarten Gro&szlig;grundbesitzes die Z&auml;une bis in die Gipfel hochgezogen und damit nicht nur die traditionellen Sommerweiden der Gemeinschaft Lof Cayunao, sondern auch die von mehreren anderen Familien sowie die Flussquellen eingehegt.<\/p><p>Seit Jahren beschweren sich viele Gemeinschaften und Organisationen &uuml;ber die Ausbreitung der Latifundien in dieser Gegend. Schon den zweiten Sommer stellt sich Soledad mit ihrem Compa&ntilde;ero und ihren Kindern den Zaunziehern in den Weg. Sie mussten bereits zusehen, wie gro&szlig;e gemeinschaftliche und freie Fl&auml;chen privatisiert wurden. Soledad erkl&auml;rt hierzu: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Sie roden die Felder, trocknen die Quellen aus, die Wasserquellen, die S&uuml;mpfe. Sie zerst&ouml;ren das Gleichgewicht, das hier existiert. Es ist sehr traurig, was hier passiert, denn als kleines Kind ging ich immer dorthin. Ich war frei, ich wusste, wie man angelt. Jetzt kann ich das nicht mehr. Ich kann nur von au&szlig;erhalb hineinsehen. Ich kann nicht hineingehen, weil sie meine Leute vertrieben haben.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das Wasser dort zu verteidigen, wo es entspringt, an einem so weit entfernten und abgelegenen Ort, ist eine mehr als m&uuml;hsame Aufgabe. Diese Ecke des Chubut-Tals liegt in Luftlinie 40 Kilometer nord&ouml;stlich von El Bols&oacute;n und 65 Kilometer s&uuml;dlich von Bariloche in der Provinz R&iacute;o Negro. Aber in der Kordillere gibt es keine geraden Linien. Um dorthin zu gelangen, muss man von Osten her durch das Tal von El Mait&eacute;n in der Provinz Chubut fahren. Von dort aus f&auml;hrt man eine Stunde mit dem Auto auf einer holprigen Schotterpiste, bis man das Gebiet erreicht, in dem die Menschen im Winter leben und ihr Vieh weiden, und das sich bereits auf fast 1.000 Metern H&ouml;he befindet. Von dort aus geht Soledad zu Fu&szlig; weiter und steigt durch eine Pinienplantage auf, die 2021 teilweise abgebrannt ist. Dann geht sie zum Fluss hinunter und wandert einige Kilometer am Ufer entlang zwischen Steint&uuml;rmen und der typischen Vegetation der Trockensteppe. Der Weg f&uuml;hrt vom Fluss weg und einen st&auml;rker bewaldeten Berghang hinauf, vorbei an verschiedenen Arten von S&uuml;dbuchen.<\/p><p>Das Tal ist riesig, und es ist nicht nur dieses Gebiet, das in Privatbesitz &uuml;berf&uuml;hrt wurde. Von der H&ouml;he aus ist das bereits abgeholzte Gebiet zu sehen, von dem Soledad erz&auml;hlt. Man sieht die Lichtungen des gerodeten Waldes und die dunklen Stellen, wo die urspr&uuml;ngliche Vegetation durch Kiefernplantagen ersetzt wurde.<\/p><p>Auf dem Bergkamm sind Stangen, Holz- und Eisenpfosten aufgestapelt. Alles bereit f&uuml;r die weitere Einz&auml;unung. Hier in mehr als 1600 Metern H&ouml;he hat die Gemeinschaft Lof Cayunao ein Lager auf ihrer angestammten Sommerweide aufgeschlagen, um sich der Umz&auml;unung in den Weg zu stellen. Jeden Tag konfrontieren sie die Arbeiter mit ihrer Forderung, kein weiteres Territorium einzuz&auml;unen.<\/p><p>An diesem abgelegenen Ort erfordert der Widerstand gegen die Macht einen ganz anderen Einsatz. Es gibt keine Telefonverbindung und keine schnelle Hilfe, aber st&auml;ndige Schikanen. Diese Entfernungen bedeuten ein gro&szlig;es Risiko f&uuml;r Soledad und diejenigen, die sie begleiten.<\/p><p><strong>Drohungen und Enteignungen im Februar<\/strong><\/p><p>Anfang Februar sahen sie sich mit einer Gruppe von mehr als zehn Reitern konfrontiert, die sie von ihren Pferden aus einsch&uuml;chterten. Nachts zogen diese mehrmals am Lager vorbei, um sie zu erschrecken. Im August 2022 war der t&uuml;rkische Journalist Sadik Celik mit Soledad in dem Gebiet unterwegs. Er wurde von einem Angestellten angegriffen, der das Pferd schlug, so dass es scheute w&auml;hrend Celik am Steigb&uuml;gel festhing. Soledad hat Morddrohungen erhalten. Angesichts solcher Gewalt im Notfall nicht rechtzeitig Hilfe rufen zu k&ouml;nnen, ist ein nicht zu untersch&auml;tzendes Problem.<\/p><p>Am 25. Februar verlie&szlig; Soledad den Ort, um an der Enth&uuml;llung eines Wandgem&auml;ldes in El Bols&oacute;n teilzunehmen, das Casimiro Huenelaf gewidmet ist, einem lokalen Mapuche-Anf&uuml;hrer, der vor zw&ouml;lf Jahren starb. Als ihr Compa&ntilde;ero Pablo zur Sommerweide aufstieg, entdeckte er auf dem Weg neue Schilder: Zutritt verboten, Privateigentum. Als er an ihrem Platz ankam, war da nichts mehr. &bdquo;Sie haben uns alles weggenommen&ldquo;, sagt er w&uuml;tend. &bdquo;Die Plastikplane, das Isoliermaterial, die Decken. Die T&ouml;pfe, den Wasserkessel, das ganze Essen. Alles haben sie mitgenommen. Sogar den Spaten.&ldquo;<\/p><p>Um Soledad Bescheid zu sagen, die am n&auml;chsten Tag hinaufkommen wollte, musste er bis zur vereinbarten Zeit warten. So sieht der Widerstand in den Bergen aus. Soledad muss vom Winterquartier aus eine halbe Stunde laufen, um an einen Ort zu gelangen, an dem sie mit Pablo per Funk-Handy kommunizieren kann. Diesmal hatte er die schlechte Nachricht zu &uuml;berbringen. Soledad kehrte zum Winterquartier zur&uuml;ck, und da es keinen Sattel gab, machte sie sich mit der ungesattelten Stute auf den Weg, um die acht Kilometer entlang der Stra&szlig;e nach El Mait&eacute;n zur&uuml;ckzulegen, zu einem Ort mit Empfang, wo sie telefonieren und den &Uuml;berfall auf ihr Lager melden konnte. Als sie den R&uuml;ckweg antrat, war es schon Nacht.<\/p><p>Die &bdquo;Bewegung indigener Frauen und Queers f&uuml;r das Buen Vivir&ldquo; macht schon l&auml;nger &uuml;ber ihre sozialen Netzwerke und die indigene Nachrichtenagentur Tel&uacute;rica auf die Situation aufmerksam. &bdquo;Eine Gruppe von Personen, vor allem Mapuche-Frauen, leisten Widerstand gegen die Z&auml;une, die illegal um das Gebiet der Quellen des Chubut-Flusses gezogen werden, der 800 Kilometer bis zum Meer flie&szlig;t. Die Beh&ouml;rden von Rio Negro reagieren nicht auf den Antrag, das Leben derjenigen zu sch&uuml;tzen, die den Chubut-Fluss sch&uuml;tzen. Der Staat l&auml;sst zu, dass ausl&auml;ndisches Kapital sich das Wasser aneignet. Aber es steht im Gesetz: Niemand darf sich Lagunen oder die Quellen von Fl&uuml;ssen und Seen aneignen&ldquo;, hei&szlig;t es in einer Erkl&auml;rung. Und weiter: &bdquo;Die Besch&uuml;tzer des Chubut-Flusses sind stundenlang zu Fu&szlig; aufgestiegen. Durch solidarische Unterst&uuml;tzung hatten sie Decken und Schlafs&auml;cke, Material f&uuml;r die Errichtung einer H&uuml;tte und Lebensmittel bekommen. Nun wurde ihnen das alles geraubt.&ldquo;<\/p><p>Seit dem 6. Februar fordern sie einen Dialog. &bdquo;Der Staat ist verantwortlich f&uuml;r das, was ihnen passieren k&ouml;nnte. Bislang haben die zust&auml;ndigen Stellen nicht reagiert&ldquo;, warnt die Bewegung.<\/p><p><strong>Brandstiftung als Vorgeschichte<\/strong><\/p><p>Es ist nicht das erste Mal, dass Landbesitzer das Eigentum der Dorfbewohner angreifen. Zuvor befand sich an dem Ort, an dem Lof Cayunao dieses Lager unterhielten, eine Blockh&uuml;tte, die von Mitgliedern der Gemeinschaft Kom Ki&ntilde;e Mu (Wir sind alle eins) genutzt wurde. Dies ist eine historische Mapuche-Gemeinschaft von mehreren Familien in der Gegend, darunter auch Verwandte von Soledad. Im Dezember 2019 zeigte sie an, dass Angestellte der Hazienda die Gemeinschaftsh&uuml;tte angez&uuml;ndet hatten. Soledads Bruder hat sie dabei gefilmt, wie sie Holzscheite in das Feuer warfen. Die Anzeige blieb folgenlos; die Straffreiheit f&uuml;r das Abbrennen von Mapuche-H&auml;usern blieb bestehen. Im folgenden Jahr, als die Bev&ouml;lkerung wegen der Pandemie eingesperrt war, r&uuml;ckten die Hazienda-Besitzer weiter vor. Im Winter 2020 stand an der Stelle, an der sich fr&uuml;her die Gemeinschaftsh&uuml;tte befunden hatte, eine neue mit Blech verkleidete H&uuml;tte.<\/p><p><strong>Ein ungleicher Kampf<\/strong><\/p><p>Als sie nach dem Raub&uuml;berfall das n&auml;chste Mal nach oben ging, traf Soledad auf Andr&eacute;s Saint Antonin, den Vorarbeiter des Trupps. Au&szlig;erdem waren dort drei Angestellte, zwei Anw&auml;lte und drei Polizisten. Laut der Erkl&auml;rung der Gemeinschaft hetzte Saint Antonin &bdquo;getreu seinem gewaltt&auml;tigen Macho-Stil das Pferd auf Soledad Cayunao, ohne dass die anwesende Polizei etwas dagegen unternahm&ldquo;. Sie hatte Gl&uuml;ck: Sie blieb unverletzt. Die Polizei schaute sich die &Uuml;berwachungskameras an, die sie offensichtlich in dem Gebiet aufgestellt hatte.<\/p><p>Die Unterschiede sind eklatant, sowohl was die Gewalt als auch was die technischen Mittel betrifft. W&auml;hrend Soledad mit den Angestellten spricht, um ihnen zu sagen, dass sie das Gebiet der Gemeinschaft nicht einz&auml;unen d&uuml;rfen (&bdquo;Wir wissen, dass sie nur Angestellte sind&ldquo;, sagt sie), &uuml;ben die Landbesitzer Gewalt gegen sie aus. W&auml;hrend Soledad nachts lange Wege zur&uuml;cklegt, um einen einzigen Anruf machen zu k&ouml;nnen, installiert die Polizei ferngesteuerte Kameras, die Dutzende Kilometer vom Strom- und Handynetz entfernt sind.<\/p><p><strong>Ein historischer Kampf mit Verbindungen zum See Lago Escondido<\/strong><\/p><p>Das Gebiet ist seit langem umk&auml;mpft. In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts kaufte Miguel Guajardo, B&uuml;rgermeister der benachbarten Stadt El Mait&eacute;n in Chubut, 14.698 Hektar &ouml;ffentliches Land. Er hatte nie an dem Ort gewohnt, an dem zu dieser Zeit bereits viele indigene Familien lebten. Dieser Verkauf wird zumindest als irregul&auml;r und unrechtm&auml;&szlig;ig angesehen. Diese Auffassung wird auch in einer Klage des Indigenen Beirates (Consejo Asesor Ind&iacute;gena) vertreten, einer historischen Mapuche-Organisation in der Provinz R&iacute;o Negro.<\/p><p>2009 kaufte der Unternehmer Marcelo Mindlin das Land von Guajardo und erwarb am selben Tag zwei benachbarte Grundst&uuml;cke mit insgesamt mehr als 19.000 Hektar unber&uuml;hrter Berglandschaft. Mindlin ist der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer von Pampa Energ&iacute;a, einem der umsatzst&auml;rksten Unternehmen des Landes, und ein historischer Partner des Engl&auml;nders Joe Lewis. Lewis geh&ouml;rt zu den 500 reichsten Menschen der Welt und ist in der Region als Besitzer von 11.000 Hektar rund um den gesamten See Lago Escondido bekannt. Die Sommerweide von Lof Cayunao liegt nur 35 Kilometer &ouml;stlich des Sees.<\/p><p>Ebenfalls 2009 erhob der Indigene Beirat eine Kollektivklage gegen die Provinz, mit der urspr&uuml;ngliches Land mehrerer Gemeinschaften eingefordert wurde, unter anderem das der Gemeinschaft Kom Ki&ntilde;e Mu. Die Klage wird seit 14 Jahren verschleppt. Bis heute hat die Provinz R&iacute;o Negro nicht eingestanden, von Mapuche-Familien bewohntes Land auf irregul&auml;re Weise an Dritte ver&auml;u&szlig;ert zu haben.<\/p><p>Die Weitergabe von Besitztiteln zwischen weit entfernten Gesch&auml;ftsleuten macht es manchmal schwierig zu erkennen, wer hinter den Geschehnissen in dem Gebiet steht. 2010 zeigte die Gemeinschaft Kom Ki&ntilde;e Mu den Bau eines Zauns um ein Gebiet an, das sich sp&auml;ter als exklusives Jagdrevier herausstellte. Es wird Teufelseck (Rinc&oacute;n del Diablo) genannt, nach einem Bach, der durch das Gebiet flie&szlig;t. Er m&uuml;ndet in den Foyel-Fluss, von dort in den Manso-Fluss und schlie&szlig;lich in den Pazifik. Der andere Hauptwasserlauf ist ein namenloser Bach, der zweite Nebenfluss des Chubut-Flusses, der in den Atlantik m&uuml;ndet. Das Gel&auml;nde liegt also direkt an der Wasserscheide. Dort wird eine Population von Rothirschen gehalten, eine exotische Art, die die einheimische Flora zerst&ouml;rt, und zwar nur zu dem Zweck, dass Multimillion&auml;re in den Ferien kommen und sie jagen k&ouml;nnen.<\/p><p>Die Anzeige wegen der Einz&auml;unung blieb ebenso folgenlos wie die wegen der abgebrannten H&uuml;tte und wie die kollektive Klage um das Land. Mangels irgendeiner Antwort auf die Forderungen beschloss Soledad, direkten Widerstand zu leisten. &bdquo;Ich war verzweifelt. Ich musste zusehen, was passierte, und ich konnte das Gebiet nicht verteidigen&ldquo;, sagt sie. Dann beschloss sie, dass sie doch etwas tun k&ouml;nnte, und im Fr&uuml;hjahr 2021 begann sie, sich mit ihrer Familie den Drahtziehern in den Weg zu stellen.<\/p><p>F&uuml;r die j&uuml;ngsten Ereignisse und die neuen Z&auml;une, die sich immer weiter ausbreiten, sind bereits neue Besitzer verantwortlich. 2017 verkaufte Mindlin an das neu gegr&uuml;ndete Unternehmen Diuna Inmobiliaria S.A.. Das sichtbare Gesicht ist seither Hugo Alberto Barabucci, ein Polopferdez&uuml;chter in der Provinz Santa Fe. Aber neben Barabucci geh&ouml;ren zum Vorstand des Unternehmens ein in der Region bekannter Akteur und ein weiterer, der noch ganz neu in der Szene ist. Der bekannte ist Nicol&aacute;s Van Ditmar, historischer Manager von Hidden Lake und rechte Hand von Joe Lewis in Argentinien. Der Neuling ist Matar Suhail Ali Al Jabhoumi Al Dhaheri, bei dem alles darauf hindeutet, dass er der eigentliche Eigent&uuml;mer ist (der Urkunde zufolge lief die Zahlung &uuml;ber eine Bank in Abu Dhabi), w&auml;hrend Barabucci der Hauptstrohmann ist.<\/p><p>Al Dhaheri ist ein Unternehmer und Multimillion&auml;r aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Informationen &uuml;ber solche Personen sind schwer zu bekommen, aber Medienquellen zufolge handelt es sich um eine Vertrauensperson der k&ouml;niglichen Familie von Abu Dhabi, die das Land regiert. Al Dhaheri ist auch Eigent&uuml;mer des Bau- und Immobilienunternehmens Kopaonik, benannt nach dem h&ouml;chsten Berg Serbiens, wo er f&uuml;r mehr als 70 Millionen Dollar einen luxuri&ouml;sen Skihotelkomplex gebaut hat. Aufgrund seiner Gesch&auml;fte in Serbien erhielt Al Dhaheri 2016 die serbische Staatsb&uuml;rgerschaft.<\/p><p>Als Al Dhaheri 2017 das Jagdrevier kaufte, war er Teil eines gr&ouml;&szlig;eren Einfalls arabischen Kapitals in die Kordillere von R&iacute;o Negro. Und das war kein Zufall: In jenem Jahr reisten Mauricio Macri und Alberto Weretilneck, damals Pr&auml;sident des Landes und Gouverneur von R&iacute;o Negro, gemeinsam in die Arabischen Emirate. Im selben Jahr kaufte der Schwager des derzeitigen Emirs von Katar (die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Saudi-Arabien, Bahrain, Oman und Kuwait sind allesamt absolute Monarchien) zusammen mit dem ehemaligen argentinischen Tennisspieler Gast&oacute;n Gaudio das exklusive Skigebiet Baguales Mountain Reserve. Baguales liegt nur 30 Kilometer n&ouml;rdlich vom Teufelseck. Das ebenfalls riesige Gel&auml;nde dazwischen geh&ouml;rt der Burco-Gruppe, einem Unternehmen belgischen Ursprungs. Und auf der anderen Seite der Landstra&szlig;e Ruta 40 liegt das Gut von Joe Lewis. Auch dort hat Al Dhaheri von Mindlin 679 Hektar Land gekauft, das an das Gel&auml;nde von Lewis am Ufer des Foyel-Flusses grenzt. Das ist an sich schon eine Menge Land, aber im Vergleich zu den fast 20.000 Hektar, die er am Teufelseck besitzt, wirkt es eher klein.<\/p><p>Es ist sehr undurchsichtig, was hier passiert. Im Oktober 2022 landete ein Milit&auml;rflugzeug der Vereinigten Arabischen Emirate in Bariloche. Tagelang wurde dar&uuml;ber spekuliert, was es dort zu suchen hatte. Schlie&szlig;lich wurde bekannt, dass es Ausr&uuml;stung f&uuml;r eine Satellitenstation brachte, die auf der Hazienda von Al Dhaheri installiert werden sollte, aber zu welchem Zweck, das kam nie raus.<\/p><p><strong>Das muss alle etwas angehen<\/strong><\/p><p>W&auml;hrenddessen sind Soledad, Pablo und eine Handvoll Menschen, die gekommen sind, um ihren Widerstand zu unterst&uuml;tzen, auf dem Land unterwegs. Einige Menschen sind aus Solidarit&auml;t gekommen, darunter auch von der &bdquo;Bewegung indigener Frauen und Queers&ldquo;, die den Kampf von Soledad mit einer Kampagne bekannt machen wollen.<\/p><p>&bdquo;Ich bin mit ihnen auf den Berg gestiegen&ldquo;, schrieb die Mapuche-Weychafe (Kriegerin) Moira Mill&aacute;n. &bdquo;Ich habe die extreme M&uuml;digkeit, die K&auml;lte der Nacht, den fehlenden Schlaf, die Schmerzen in den F&uuml;&szlig;en und so viel Mangel am eigenen Leib erfahren, aber ich habe auch die Kraft und die Liebe der Mapuche erfahren und konnte so die hartn&auml;ckige Entscheidung verstehen, das Leben zu verteidigen, das im Piuke (Herz) dieses Lofs (Gemeinschaft) lebt. Ich war ver&auml;ndert, als ich von diesem Gipfel hinuntergestiegen bin, und ich hatte die Gewissheit, dass es an der Zeit ist, den Chubut-Fluss zu retten, und dass es m&ouml;glich ist, dies zu erreichen. Wir m&uuml;ssen nur unsere Sinne wecken, die Einheit unserer Gedanken, und wir m&uuml;ssen handeln ohne Ausreden, von kleinen Aktionen bis zu solchen, die uns den Berg erklimmen lassen.&ldquo;<\/p><p>Aber w&auml;hrend der Fall Lewis landesweit bekannt geworden ist, w&auml;hrend Aktivisten, Organisationen aus dem ganzen Land und argentinische Flaggen zusammenkommen, um den Zugang zum See Lago Escondido zu fordern, scheint der Chubut-Fluss nicht auf die gleiche Resonanz zu sto&szlig;en. Hier, an der Quelle des Flusses, scheinen die Feinde weit weg zu sein oder im Dunkeln, anders als im Fall Lewis, wo es viel mehr Informationen gibt. Hier, wo neben dem Schutz des Flusses auch die Rechte des Mapuche-Volkes verteidigt werden, ist der Kampf viel einsamer.<\/p><p>&Uuml;bersetzung: Alix Arnold, <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/263337\/argentinien-mapuche-rio-chubut\">Amerika21<\/a><\/p><p>Titelbild: Der Chubut-Fluss in Patagonien &ndash; Quelle: <a href=\"https:\/\/agenciapresentes.org\/2023\/03\/22\/soledad-cayunao-la-defensora-mapuche-que-pone-el-cuerpo-para-frenar-a-los-alambradores-del-rio-chubut\/\">Denali DeGraf<\/a><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95717\">Stimmen aus Lateinamerika: Das Wiederaufleben der blockfreien &bdquo;Dritten Welt&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92739\">Stimmen aus Lateinamerika: Die Einmischung der USA geht unvermindert weiter<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/e1b70d2d5a564106b7938d307d7190fb\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im argentinischen Patagonien, dem angestammten Territorium der indigenen Gemeinschaft Mapuche, wird zunehmend Land privatisiert und an ausl&auml;ndisches Kapital verkauft. 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