{"id":97099,"date":"2023-05-02T10:00:17","date_gmt":"2023-05-02T08:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97099"},"modified":"2023-05-04T07:57:41","modified_gmt":"2023-05-04T05:57:41","slug":"leipziger-buchmesse-2023-statt-dialog-verbaler-feldzug-gegen-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97099","title":{"rendered":"Leipziger Buchmesse 2023: Statt Dialog verbaler Feldzug gegen Russland"},"content":{"rendered":"<p>Mehr als 270.000 Besucher, etwa 2.000 Aussteller aus 40 L&auml;ndern und 3.000 Veranstaltungen &ndash; so zeigte sich die Leipziger Buchmesse 2023. Doch die Zahlen und die Besuchermassen samt &uuml;berwiegendem Wunsch nach Unterhaltung konnten &uuml;ber eine Fehlstelle nicht hinwegt&auml;uschen: &Uuml;ber Russland wurde viel geschrieben und geredet, aber das Land selbst war nicht vertreten. <strong>Tilo Gr&auml;ser<\/strong> war in Leipzig auf Spurensuche.<br>\n<!--more--><br>\nDer Krieg in der Ukraine soll f&uuml;r Russland das sein, was der Krieg in Afghanistan f&uuml;r die Sowjetunion war: das Ende. &bdquo;Das ist mein Wunsch und fast eine Prognose&ldquo;, sagte der Schriftsteller und Osteuropa-Experte Olaf K&uuml;hl am Samstag auf der Leipziger Buchmesse. Er tat das auf der gro&szlig;en ZDF-B&uuml;hne in einem &bdquo;Kulturzeit-Talk&ldquo; zum Ukraine-Krieg. Was der Autor des Buches &bdquo;Z &ndash; Kurze Geschichte Russlands, von seinem Ende her gesehen&ldquo; (Rowohlt Berlin) von sich gab, war symptomatisch f&uuml;r die diesj&auml;hrige Buchmesse in Leipzig.<\/p><p>Zuvor hatte eine Jury den &bdquo;Leipziger Buchpreis f&uuml;r Europ&auml;ische Verst&auml;ndigung 2023&ldquo; an Maria Stepanova verliehen. Die russisch-j&uuml;dische Autorin, derzeit im deutschen Exil, bekam den Preis f&uuml;r ihren Gedichtband &bdquo;M&auml;dchen ohne Kleider&ldquo; aus dem Jahr 2022. &bdquo;Sie verhilft dem nicht-imperialen Russland zu einer literarischen Stimme, die es verdient, in ganz Europa geh&ouml;rt zu werden&ldquo;, erkl&auml;rte die Jury. Der Preis sei ein &bdquo;Aufruf zu Verst&auml;ndigung und Differenzierung&ldquo;, behauptete die Lyrikerin in ihrer <a href=\"https:\/\/www.leipzig.de\/news\/news\/reden-verleihung-des-leipziger-buchpreises-zur-europaeischen-verstaendigung\">Dankesrede<\/a> am Mittwoch.&nbsp;<\/p><p>Was davon zu halten ist, zeigte dabei nicht nur ihre Aussage, sie sei durch Geburt und Staatsangeh&ouml;rigkeit &bdquo;mit einem Land verbunden, das jetzt versucht, Europa zur&uuml;ck in die Vergangenheit zu werfen &ndash; zur&uuml;ck zu einem Punkt Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, an dem die Sprache des Hasses versucht hatte, universell zu werden&ldquo;. Die Preistr&auml;gerin sagte in einem <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/literatur\/schriftstellerin-maria-stepanova-in-russland-wird-die-frage-der-verantwortung-wie-eine-heisse-kartoffel-fallengelassen-92237436.html\">Interview<\/a> am Folgetag mit der &bdquo;Frankfurter Rundschau&ldquo; (FR): &bdquo;Allgemein aber k&ouml;nnen wir jetzt nicht auf einen Dialog hoffen. Erst muss der Krieg zu Ende sein. Die Ukraine muss gewinnen. Dann l&auml;sst sich das Gespr&auml;ch vielleicht fortf&uuml;hren.&ldquo; <\/p><p><strong>Russische Abwesenheit<\/strong><\/p><p>Die Preisverleihung in Leipzig in diesem Jahr setzte fort, was sich mit der Verleihung des &bdquo;Friedenspreises des Deutschen Buchhandels&ldquo; zur Frankfurter Buchmesse im Herbst 2022 zeigte: Der war an den ukrainischen Schriftsteller Sergij Schadan gegangen, der in seinem Buch &bdquo;Himmel &uuml;ber Charkiw&ldquo; aus demselben Jahr offen Hass <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Friedenspreis-fuer-Russen-Hass-7317325.html\">propagierte<\/a>: &bdquo;Die Russen sind Barbaren, sie sind gekommen, um unsere Geschichte, unsere Kultur, unsere Bildung zu vernichten.&ldquo; Und weiter: &bdquo;Brennt in der H&ouml;lle, ihr Schweine.&ldquo; Literatur, die sich an die Front wirft und zum Krieg aufruft, statt Verst&auml;ndigung und Dialog zu erm&ouml;glichen.<\/p><p>Da wirkte es anachronistisch, dass am Stand des Schulbuchverlages Cornelsen eine ganze Lehrbuchreihe f&uuml;r den Russischunterricht mit dem Titel &bdquo;&#1044;&#1080;&#1072;&#1083;&#1086;&#1075;&ldquo; (Dialog) pr&auml;sentiert wurde. Nicht nur, dass damit die russische Sprache vermittelt wird. Das geschieht auch noch mit einem Wort als Titel, von dem auf der diesj&auml;hrigen Buchmesse in dem Zusammenhang kaum die Rede war. Dagegen erhielt zwar eine russische Autorin einen Preis, aber ihr Land war offiziell nicht vertreten. Das zeigte nicht nur die fehlende russische Trikolore unter den Flaggen am Eingang zur Messe.<\/p><p>Russische Verlage h&auml;tten sich zur Buchmesse nicht angemeldet, erkl&auml;rte auf Nachfrage der Sprecher der veranstaltenden Leipziger Messe GmbH, Andreas Knaut. Zudem seien russische Autoren &bdquo;sehr wohl vor Ort&ldquo;, sagte er mit Verweis auf Stepanova. Die hatte im FR-Interview dagegen erkl&auml;rt: &bdquo;Ich habe nie und in keiner Weise Russland repr&auml;sentiert, als Schriftstellerin stehe ich grunds&auml;tzlich nur f&uuml;r mich selbst, f&uuml;r niemanden sonst.&ldquo;<\/p><p>Nicht einmal russische Klassiker waren an den St&auml;nden insbesondere der gro&szlig;en Verlage zu finden. Daf&uuml;r neben Literatur von einzelnen &bdquo;Dissidenten&ldquo; wie Stepanova umso mehr eine ganze Reihe von B&uuml;chern, die, &auml;hnlich dem von K&uuml;hl das heutige Russland als &bdquo;toxisch&ldquo;, die russische Politik als &bdquo;Revanche&ldquo; beschreiben sowie die angebliche &bdquo;Moskau-Connection&ldquo; in der bundesdeutschen Politik blo&szlig;legen wollen. Und nat&uuml;rlich Russlands Pr&auml;sident Wladimir Putin per &bdquo;Schwarzbuch&ldquo; als den B&ouml;sen schlechthin d&auml;monisieren. Damit waren die Regale von Verlagen wie C.H. Beck, Rowohlt, Piper oder Suhrkamp gut gef&uuml;llt. Ebenso mit solchen, die die Kiewer Sicht unhinterfragt wiedergeben. Das galt auch f&uuml;r eine Reihe von Veranstaltungen im Begleitprogramm &bdquo;Leipzig liest&ldquo;.<\/p><p>W&auml;hrend Russland mit seiner Literatur und Kultur kaum vertreten war, gab es eine ukrainische Pr&auml;senz fast im &Uuml;berma&szlig;. Das &uuml;berdeckte beinahe, dass &Ouml;sterreich das Gastland der diesj&auml;hrigen Buchmesse in Leipzig war. Dessen Fahne wehte am Messeeingang bezeichnenderweise auch nicht neben der des Gastgeberlandes Deutschland. Diesen Platz hatte symboltr&auml;chtig die blau-gelbe Flagge der Ukraine inne. <\/p><p><strong>Allgegenw&auml;rtiger Krieg<\/strong><\/p><p>Mehr als 270.000 Messebesucher dr&auml;ngten sich an den vier Tagen vom 27. bis 30. April in Leipzig durch die Messehallen mit den St&auml;nden der mehr als 2.000 Aussteller und Verlage aus 40 L&auml;ndern. Etwa 3.000 Veranstaltungen des Begleitprogramms &bdquo;Leipzig liest&ldquo; fanden mehr oder weniger Interesse. Die wenigsten der Besucher haben sich wahrscheinlich f&uuml;r solche Details wie fehlende Fahnen oder ein abwesendes Land interessiert. <\/p><p>Das d&uuml;rfte erst recht f&uuml;r die vor allem j&uuml;ngeren Besucher der gleichzeitigen &bdquo;Manga-Comic-Con&ldquo; gelten. F&uuml;r diese waren bunt maskierte und kost&uuml;mierte Menschen in die Phantasieidentit&auml;ten ihrer Comic- und Manga-Helden geschl&uuml;pft. &bdquo;Hauptsache, sie ziehen nicht in den Krieg&ldquo;, sagte jemand, der das Treiben beobachtete. Dabei &uuml;bersah er aber ein kleines Detail: Viele der Phantasiefiguren waren mit Waffen ausstaffiert und viele der Comic-Vorlagen handeln von Kriegern.<\/p><p>Aber Literatur k&ouml;nnte eben Verst&auml;ndigung und Dialog erm&ouml;glichen und bef&ouml;rdern &ndash; und Frieden. Wenn das gewollt w&auml;re und sie nicht als Waffe der Propaganda missbraucht w&uuml;rde. Das gilt gerade angesichts der in Leipzig verk&uuml;ndeten Anspr&uuml;che, auch von Preistr&auml;gerin Stepanowa. Die &auml;u&szlig;erte dagegen Verst&auml;ndnis, dass &bdquo;ukrainische Autoren heute sagen, es ist ihnen im Moment nicht m&ouml;glich, mit mir auf einer B&uuml;hne zu sitzen&ldquo;.<\/p><p>Autoren aus der Ukraine sa&szlig;en dann auch meist unter sich, wie etwa am Freitag Kateryna Mishchenko und Dmitrij Kapitelman am Stand des &bdquo;Literaturb&uuml;ros NRW&ldquo;. Letzterer fand es unverst&auml;ndlich, dass auf den deutschen Bestsellerlisten B&uuml;cher zu finden sind, &bdquo;wo die Autoren uns erkl&auml;rt haben, dass die Deutschen besser wissen, was Krieg ist und deswegen keine Waffen in die Ukraine gehen sollten&ldquo;. Mishchenko bedankte sich, dass die Bundesrepublik eine Million Ukrainer aufgenommen habe &ndash; &bdquo;das sind gerettete Leben&ldquo;. <\/p><p>Zum Eindruck einer antirussischen und proukrainischen Stimmung in den Messehallen und bei &bdquo;Leipzig liest&ldquo; trug der gro&szlig;e Ukraine-Stand des Goethe-Instituts, gef&ouml;rdert von deutschen und ukrainischen Institutionen, in Halle 5 bei. Dort wurde unter anderem dar&uuml;ber diskutiert, was die Ukraine f&uuml;r den kulturellen Wiederaufbau braucht &ndash; w&auml;hrend Kiew derzeit einen nationalistischen Kreuzzug gegen alles Russische im Lande f&uuml;hrt. Die Frage nach den Gr&uuml;nden f&uuml;r die &Uuml;berrepr&auml;sentanz der Ukraine und von ukrainischen Autoren lie&szlig; Messesprecher Knaut unbeantwortet. Ebenfalls die, ob es so etwas bei vorherigen Kriegen wie den der NATO 1999 gegen Jugoslawien, den gegen Afghanistan, gegen den Irak, gegen Libyen und andere gab.<\/p><p><strong>M&uuml;hsame Spurensuche<\/strong><\/p><p>Die Suche nach Spuren Russlands und der russischen Literatur auf der Buchmesse &ndash; angeregt durch die Preisvergabe an Stepanova &ndash; war m&uuml;hsam, ergab aber doch einige Treffer. Dabei half weniger die App der Buchmesse, die den traditionellen gedruckten Messekatalog ersetzte. Es war eher der Zufall, der zum Stand von Reinhard Scheffler in Halle 5 f&uuml;hrte. Dort pr&auml;sentierte er vier B&uuml;cher: Eines mit 1.000 Textstellen aus allen Werken von Fjodor Dostojewski sowie drei, in denen Scheffler unvollendet gebliebene Werke des russischen Schriftstellers fertig schrieb. Darunter das Buch &bdquo;Njetotschka Neswanowa&ldquo;, dessen erste Kapitel Dostojewski in den Jahren 1848\/49 in der &bdquo;Petersburger Zeitung&ldquo; ver&ouml;ffentlichte. &bdquo;Nicht jeder Russe ist garstig&ldquo;, stand auf dem kleinen Werbezettel, den Scheffler verteilte.<\/p><p>In derselben Halle hatte sich der Berliner Verlag <a href=\"http:\/\/www.wostok.de\/literatur\/index.html\">&bdquo;Wostok&ldquo;<\/a> platziert. Dieser gibt neben der gleichnamigen Zeitschrift mit &bdquo;Informationen aus dem Osten f&uuml;r den Westen&ldquo; Reisef&uuml;hrer zu russischen und anderen Regionen in ehemaligen Sowjetrepubliken sowie Literatur und Sachb&uuml;cher auch russischer Autoren heraus. &bdquo;Wostok&ldquo;-Redakteur Peter Franke berichtete im Gespr&auml;ch, nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine h&auml;tte eine Reihe der Abonnenten gek&uuml;ndigt &ndash; weil sie die Sicht aus dem Medienmainstream vermissten. Doch die Zeitschrift stelle sich nicht auf eine Seite, betonte Franke. Kopfsch&uuml;ttelnd kommentierte er die politische, mediale und gesellschaftliche Abkehr in Deutschland von Russland. Das macht es f&uuml;r den kleinen Verlag aus Berlin zunehmend schwerer. Aufgeben komme aber nicht in Frage, so Franke.<\/p><p>Ein anderes Beispiel: Best&auml;tigten Informationen nach bekam der Chefredakteur der &ldquo;Moskauer Deutschen Zeitung&rdquo;, Igor Berezin, kein Visum, um an der Buchmesse teilzunehmen. Der Stand des &bdquo;Bayrischen Kulturzentrums der Deutschen aus Russland&ldquo; (BKDR) in Halle 4 geh&ouml;rte neben dem der &ldquo;Deutschen Autoren aus Russland&ldquo; zu den wenigen russischen Spuren. Dort pr&auml;sentierte Artur B&ouml;pple unter anderem das Buch &bdquo;Die Republik der Wolgadeutschen&ldquo; des Historikers Arkadi German. Im Gespr&auml;ch berichtete B&ouml;pple, es komme immer vor, dass Menschen, die nicht wissen, wer die Russlanddeutschen sind, sie als &bdquo;Putin-Versteher&ldquo; bezeichneten.<\/p><p><strong>Seltene Gegenstimmen<\/strong><\/p><p>Es gab auch einzelne Gegenstimmen zum antirussischen Tenor auf der Messe. So war unter den &ouml;sterreichischen Verlagen in Leipzig der Promedia-Verlag aus Wien. &bdquo;Kriegsfolgen &ndash; Wie der Kampf um die Ukraine die Welt ver&auml;ndert&ldquo; hei&szlig;t <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96655\">eines<\/a> seiner aktuellen B&uuml;cher. Herausgeber Hannes Hofbauer stellte es gemeinsam mit Medienwissenschaftlerin und Mitautorin Sabine Schiffer am Samstag vor. <\/p><p>Schiffer setzt sich in ihrem Buchbeitrag mit dem &bdquo;Narrativ von den Guten und B&ouml;sen&ldquo; auseinander. In Leipzig zitierte sie daraus unter anderem die Grunds&auml;tze der Kriegspropaganda von Arthur Ponsonby, von der belgischen Historikerin Anne Morelli zu zehn Thesen zusammengefasst: &bdquo;1. Wir wollen den Krieg nicht. 2. Das gegnerische Lager tr&auml;gt die Verantwortung. 3. Der F&uuml;hrer des Gegners ist ein Teufel. 4. Wir k&auml;mpfen f&uuml;r eine gute Sache. 5. Der Gegner k&auml;mpft mit unerlaubten Waffen. 6. Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich. 7. Unsere Verluste sind gering, die des Gegners sind enorm. 8. K&uuml;nstler und Intellektuelle unterst&uuml;tzen unsere Sache. 9. Unsere Mission ist heilig. 10. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verr&auml;ter.&ldquo;<\/p><p>Es klang wie eine Kurzzusammenfassung all dessen, was sich auch auf der diesj&auml;hrigen Buchmesse zeigte. Die Autorin sagte au&szlig;erdem, dass sie als Propagandaforscherin die &bdquo;Zeitenwende&ldquo; bereits im Jahr 1999 ausmacht, als die NATO &ndash; einschlie&szlig;lich der Bundeswehr &ndash; Jugoslawien angriff und bombardierte, um angeblich die Unabh&auml;ngigkeit des Kosovo zu sichern. &bdquo;Ich sage seitdem immer, dass wir uns ganz aktuell im Jahr 24 der Neuen Weltkriegsordnung befinden&ldquo;, so die Medienwissenschaftlerin. <\/p><p>Kaum beachtet hatte am Vortag mit dem ehemaligen Generalinspekteur der Bundeswehr, Hans-Peter von Kirchbach, einer der Verantwortlichen f&uuml;r den damaligen ersten deutschen Kriegseinsatz nach 1945 seine Autobiographie (&bdquo;Herz an der Angel&ldquo;) vorgestellt. Er war von 1999 bis 2000 der oberste Bundeswehr-Milit&auml;r. F&uuml;r ihn geht es heute wieder darum, &bdquo;im Rahmen des NATO-B&uuml;ndnisses unser Land zu verteidigen&ldquo;. Im Interview erkl&auml;rte er, es komme wieder darauf an, &bdquo;deutlich abzuschrecken&ldquo; &ndash; weil &bdquo;der Wille Russlands, &uuml;ber die eigenen Grenzen hinaus zu greifen, durchaus noch vorhanden ist&ldquo;. Nur so k&ouml;nne der Frieden gesichert werden, meinte von Kirchbach. Den NATO-Krieg gegen Jugoslawien vor 24 Jahren h&auml;lt er noch heute f&uuml;r richtig und gerechtfertigt, sagte er auf Nachfrage. <\/p><p>Eine andere Gegenstimme pr&auml;sentierte der Journalist Arnold Sch&ouml;lzel am Samstag am Stand der Tageszeitung &bdquo;junge Welt&ldquo; in Halle 5. Dort stellte er das gemeinsam mit Reinhard Lauterbach ver&ouml;ffentlichte Buch &bdquo;Der Schwarze Kanal. Ukraine-Feldzug deutscher Medien 2014 &ndash; 2022&ldquo; vor. Es versammelt die Kolumnen der beiden Autoren in der Zeitung aus den letzten acht Jahren. &bdquo;Man hat etwas in Gang gesetzt, wovor hier gewarnt wird&ldquo;, so Sch&ouml;lzel &uuml;ber die Texte im Buch. &bdquo;Ein Krieg, ein offener Krieg des Westens, der NATO gegen Russland ist lange vorbereitet&ldquo;, f&uuml;gte er hinzu. &bdquo;Ich bin selbst &uuml;berrascht gewesen, als ich diese Sachen jetzt wieder gelesen habe. Es hat sich vor acht Jahren abgezeichnet, man konnte die Anf&auml;nge damals schon erleben.&ldquo; Sch&ouml;lzel erinnerte auch an die ignorierten Warnungen des US-Politikers George F. Kennan aus dem Jahr 1997 vor den schweren und politischen Folgen der NATO-Osterweiterung.<\/p><p><strong>Be&auml;ngstigender Eindruck<\/strong><\/p><p>Angela Merkel war auch auf der Buchmesse beziehungsweise trat bei &bdquo;Leipzig liest&ldquo; auf. Dabei soll ihre Autobiographie erst im Herbst 2024 erscheinen. Merkel sprach am Samstagabend auf einer lange vorher ausverkauften Veranstaltung in Leipzigs Zentrum mit dem Chefredakteur der Wochenzeitung &bdquo;Die Zeit&ldquo;, Giovanni di Lorenzo. Sie blickte zwar auf ihre politische Laufbahn zur&uuml;ck, wollte aber nicht &uuml;ber Fehler dabei reden, berichtete unter anderem die Nachrichtenagentur DPA.<\/p><p>Merkel habe auch ihre Russland-Politik und die energiepolitischen Entscheidungen verteidigt: &bdquo;Ich h&auml;tte lieber Gas importiert aus Gro&szlig;britannien und Norwegen, wie wir das fr&uuml;her gemacht haben, und den Niederlanden. Die standen aber nicht mehr zur Verf&uuml;gung. F&uuml;r uns stand die Frage: Teureres LNG &ndash; ein Drittel teurer &ndash; oder billigeres russisches Gas.&ldquo; Mit Blick auf den Konflikt in und um die Ukraine sprach sie sich den Berichten nach dagegen aus, jene &bdquo;gleich niederzuzischen&ldquo;, die sich f&uuml;r Verhandlungen aussprechen. &bdquo;Das sind nicht immer alles Leute, die nur Putin nach dem Mund reden&ldquo;, sagte die Ex-Kanzlerin laut DPA.<\/p><p>So kam auch diese Veranstaltung nicht um die antirussische Stimmung drumherum, die wie ein d&auml;monischer Nebel durch die G&auml;nge, Hallen und Veranstaltungsorte waberte. Es bleibt der Eindruck, dass neben aller Unterhaltung leider statt Verst&auml;ndigung und Dialog vorrangig Hass und Abschottung gegen Russland auf dem diesj&auml;hrigen Buchmesse-Programm standen. Vielleicht haben deshalb russische Verlage sich nicht angemeldet, weil das absehbar war. &bdquo;Wenn Du die Russen als Freunde gewinnst, bleiben sie das f&uuml;r immer&ldquo;, erkl&auml;rte eine ostdeutsche fr&uuml;here Russisch-Lehrerin bei einem Kaffee in einer der Messehallen. &bdquo;Das gilt aber auch, wenn Du sie Dir zum Feind machst&ldquo;, warnte sie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als 270.000 Besucher, etwa 2.000 Aussteller aus 40 L&auml;ndern und 3.000 Veranstaltungen &ndash; so zeigte sich die Leipziger Buchmesse 2023. 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