{"id":97359,"date":"2023-05-08T11:10:21","date_gmt":"2023-05-08T09:10:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97359"},"modified":"2023-05-08T12:36:58","modified_gmt":"2023-05-08T10:36:58","slug":"kein-buendnis-mit-dem-hauptfeind-fuenf-thesen-zur-konferenz-was-tun-die-linke-in-zeiten-des-krieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97359","title":{"rendered":"Kein B\u00fcndnis mit dem Hauptfeind &#8211; F\u00fcnf Thesen zur Konferenz \u201eWas tun?! DIE LINKE in Zeiten des Krieges\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Zum Hintergrund: Wir geben die Rede wieder, die die Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen in Hannover auf dem Auftaktpodium des Kongresses &bdquo;Was tun? Die Linke in Zeiten des Krieges&ldquo; gehalten hat. Das ist interessant im Kontext der im linken Lager aktuell gef&uuml;hrten Debatte. Von <strong>Sevim Dagdelen<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>F&uuml;nf Thesen zur Konferenz &bdquo;Was tun?! DIE LINKE in Zeiten des Krieges&ldquo;<\/strong><\/p><p><strong>Erstens:<\/strong><\/p><p>Im Zuge des Krieges in der Ukraine hat sich die Tendenz beschleunigt, dass DIE LINKE von F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeiten aus von einer Friedens- in eine Kriegspartei verwandelt werden soll. DIE LINKE vollzieht im Zeitraffer eine Entwicklung der SPD und der Gr&uuml;nen hin zu einer Akzeptanz und Einforderung einer militarisierten deutschen Au&szlig;enpolitik. Wie bei den Gr&uuml;nen ist zu beobachten, dass man sich in der Tradition von Konvertiten des Krieges an die Spitze der Kriegsparteien in Deutschland zu setzen versucht. Stichworte: Wirtschaftskrieg gegen Russland, Waffenlieferungen in Kriegsgebiete, die Heiligung der NATO und zuletzt ein JA zu Auslandseins&auml;tzen, zu robusten Kampfeins&auml;tzen der Bundeswehr. <\/p><p>Die Entwicklung der SPD und der Gr&uuml;nen beobachtend, hatten wir in der Vergangenheit immer vor &bdquo;T&uuml;r&ouml;ffnern&ldquo; und &bdquo;Rutschbahnen&ldquo; gewarnt. Bei der Linken kann man die T&uuml;ren fast nicht mehr z&auml;hlen, die ge&ouml;ffnet wurden, und wie gesagt, man hat den Eindruck, dass die Geschwindigkeit auf der Rutschbahn fast t&auml;glich erh&ouml;ht wird. <\/p><p>Ganz konkret: Wer in der Vergangenheit im Vorfeld des 1. Mai im Ticker der Agenturmeldungen nach der LINKEN suchte, fand Forderungen nach h&ouml;heren L&ouml;hnen, sicheren Renten und einer friedlichen Au&szlig;enpolitik. In diesem Jahr 2023 war das zum ersten Mal anders. Die Schlagzeilen beherrschte die Forderung einer ehemaligen Vorsitzenden der Linken nach Waffenlieferungen in ein Kriegsgebiet, ganz konkret in die Ukraine.<\/p><p><strong>Zweitens:<\/strong><\/p><p>Dieser Bruch mit dem friedenspolitischen Grundkonsens der LINKEN blieb &ndash; wie auch die vielen vorangegangenen Br&uuml;che ganzer Landesverb&auml;nde etwa in Bremen oder Th&uuml;ringen mit ihren Forderungen nach R&uuml;stungsexporten &ndash; unwidersprochen von der so genannten F&uuml;hrung der Partei. Im Gegenteil befeuert die stellvertretende Parteivorsitzende Schubert, die geistig l&auml;ngst bei der FDP-R&uuml;stungslobbyistin Strack-Zimmermann und dem Panzer-Toni Hofreiter von den Gr&uuml;nen angekommen ist, mit ihrem Ruf nach Waffenlieferungen den Programmbruch. <\/p><p>Mit diesem Ruf nach Waffenlieferungen gleicht die Linke sich an den Mainstream der Kriegsparteien im Land an. Sie ruft neben ihrer Forderung, den selbstzerst&ouml;rerischen Wirtschaftskrieg gegen Russland zu intensivieren, Stichwort des Parteivorsitzenden: &sbquo;Sanktionen besser durchsetzen&lsquo;, zu einer Beteiligung Deutschlands &uuml;ber die Waffenlieferungen am NATO-Stellvertreterkrieg unter US-F&uuml;hrung gegen Russland auf.<\/p><p>Um mit Karl Liebknecht zu sprechen. Diese LINKE sucht das B&uuml;ndnis mit dem Hauptfeind, der im eigenen Land steht. <\/p><p><strong>Drittens:<\/strong><\/p><p>Bei ihrem Akkommodieren mit herrschenden Positionen ist diese LINKE bereit, ein Surplus zu liefern. Und der &Uuml;berschrift in seinem FAZ-Interview &bdquo;Putin hat vollzogen, was Hitler nicht geschafft hat&ldquo; redet Bodo Ramelow einem ehernen Geschichtsrevisionismus das Wort, gegen den selbst Ernst Nolte als Waisenknabe dasteht. [<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95894\">Bodo Ramelow im Interview mit der FAZ: &bdquo;Putin hat vollzogen, was Hitler nicht geschafft hat&ldquo; (nachdenkseiten.de)<\/a> ]<\/p><p>Die Botschaft: Putin ist nicht nur Hitler, nein, Putin ist schlimmer als Hitler. W&auml;hrend zur Legitimation der NATO- und US-Kriege in der Vergangenheit wenigstens noch das Gleichheitszeichen stand: Milosevic ist Hitler, Saddam Hussein ist Hitler und Gaddafi ist Hitler, um die eigenen Regime-Change-Kriege zu legitimieren von Bush zu Obama, sieht sich Ramelow, offenbar um den Mehrwert dieser Linken beweisen zu wollen, zu einem &Uuml;berbietungswettbewerb veranlasst. Wie gesagt, Putin ist nicht gleich Hitler, sondern er hat sogar vollzogen, was Hitler nicht geschafft hat.<\/p><p>Diese Kriegslegitimation wurde selbstverst&auml;ndlich gierig aufgesogen. Sie taugt in ihrem pseudo-antifaschistischen Duktus nat&uuml;rlich auch hervorragend als Kriegslegitimation. Am Ende muss dieser Diskurs in der Verg&ouml;ttlichung der deutschen R&uuml;stungsindustrie m&uuml;nden, die die vielen sch&ouml;nen Waffen f&uuml;r den antifaschistischen Kampf herstellt. Dem Fall nach unten, was die Programmatik angeht, sind damit keine Grenzen mehr gesetzt.<\/p><p><strong>Viertens:<\/strong><\/p><p>Am Ende wirkt der Ukraine-Krieg nur wie der Brandbeschleuniger, was die friedenspolitischen Positionen angeht. Lange vorbereitet ist der Bruch &ndash; sowohl durch das permanente Dr&auml;ngen, die Verbrechen der USA und der NATO nicht zu deutlich zu kritisieren, aber auch durch das st&auml;ndige Dr&auml;ngen als gouvernementalen Pr&auml;ventivschlag, die Kritik der Linken an der NATO abzur&auml;umen.<\/p><p>Programmatisch vorbereitet auch durch eine &Auml;quidistanz zu Russland und der NATO, um dann zu einer Position &uuml;berzugehen, wo man die Kritik nur noch auf Russland kaprizierte, aber fortan vom Hauptfeind schwieg. Dieselben  Leute, die einem jahrelang erkl&auml;rten, es g&auml;be keinen Imperialismus mehr, der Begriff sei &uuml;berholt, entdeckten ihn wieder im Fahrwasser von Olaf Scholz, aber ausschlie&szlig;lich als russischen Imperialismus. [<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/olaf-scholz-betont-widerstand-gegen-russischen-grossmachtwahn-und-imperialismus-a-20a2eb69-e0ef-47d4-afd7-0f0be1991297\">Olaf Scholz betont Widerstand gegen russischen &raquo;Gro&szlig;machtwahn und Imperialismus&laquo; &ndash; DER SPIEGEL<\/a>]<\/p><p>Und so wie die SPD-Linke sich der Bauernf&auml;ngerei f&uuml;r den Ersten Weltkrieg und eine linke Zustimmung anschloss, indem sie ihn zum Krieg gegen den Zarismus verkl&auml;rte, so findet der Imperialismus-Begriff seine Verwendung von Links auf Russland. Zitat Ramelow von 2016: &bdquo;Wir m&uuml;ssen ja keine begeisterten Nato-Anh&auml;nger werden&ldquo;, wenn wir regieren. Sprache kann verr&auml;terisch sein. [<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2016-07\/bodo-ramelow-rot-rot-gruen-sahra-wagenknecht-thueringen-nato\">Bodo Ramelow: &ldquo;Wir m&uuml;ssen ja keine begeisterten Nato-Anh&auml;nger werden&rdquo; | ZEIT ONLINE<\/a>]<\/p><p>Man muss es Katja Kipping lassen, dass sie hier am weitesten fortgeschritten ist. DIE NATO, die nicht nur entgegen aller Zusagen die Ostexpansion unter der F&uuml;hrung der USA organsiert hat, die in Afghanistan einen 20-j&auml;hrigen m&ouml;rderischen Krieg gef&uuml;hrt und L&auml;nder wie Jugoslawien und Libyen v&ouml;lkerrechtswidrig &uuml;berfallen hat, wird nur f&uuml;r diese LINKE zu einer regelrechten Friedensallianz. Marx hatte noch davor gewarnt, dass das Selbstbild einer Person oder auch einer Organisation nicht zwingend mit der Wirklichkeit &uuml;bereinstimmen m&uuml;sse, aber bei der Kipping-Linken, die w&uuml;rdige Nachfolger gefunden hat, ist es so.<\/p><p>Folgerichtig wird die Revision des Programms gefordert, die Positionen zur NATO m&uuml;ssten weg, denn eine &bdquo;generelle Ablehnung sei &uuml;berholt&ldquo;, so Kipping. [<a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Kipping-Linke-muss-NATO-Position-ueberdenken-article24012204.html\">Generelle Ablehnung &uuml;berholt: Kipping: Linke muss NATO-Position &uuml;berdenken &ndash; n-tv.de<\/a>] <\/p><p><strong>F&uuml;nftens:<\/strong><\/p><p>Eine R&uuml;ckkehr zum friedenspolitischen Grundkonsens ist mit dieser LINKEN-F&uuml;hrung nicht zu machen. Die LINKEN-F&uuml;hrung steht eben auch nicht nur f&uuml;r das Stillhalten bei den Forderungen nach Waffenlieferungen, nein, viel schlimmer setzt sie auf einen Wirtschaftskrieg an der Seite des US-Imperialismus, der vor allem die eigene Bev&ouml;lkerung trifft. Wer aber den sozialen Krieg gegen die eigene Bev&ouml;lkerung mit einfordert, der macht sich nat&uuml;rlich auch v&ouml;llig unglaubw&uuml;rdig im Hinblick auf eigene soziale Forderungen und wird von der Bev&ouml;lkerung zunehmend als Teil des Problems wahrgenommen. Es braucht aber eine glaubw&uuml;rdige soziale und friedliche Kraft in diesem Land, die kein B&uuml;ndnis mit dem Hauptfeind im eigenen Land eingeht. Es ist unsere historische Verantwortung, am Ende einer Partei, die zur Kriegspartei mutiert, nicht auch noch Legitimit&auml;t zu verleihen.<\/p><p>Unsere historische Verantwortung ist es, uns gegen Wirtschaftskriege und Waffenexporte zu stellen und gegen einen Milit&auml;rpakt, der auf Aufr&uuml;stung, Eskalation, Expansion und &Uuml;berf&auml;lle setzt. Es braucht eine Kraft, die auf einen sofortigen Waffenstillstand, unkonditionierte Verhandlungen und ein Ende des Wirtschaftskrieges setzt. Es braucht eine Kraft, die glaubw&uuml;rdig f&uuml;r Frieden, Freiheit und soziale Gerechtigkeit eintritt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Hintergrund: Wir geben die Rede wieder, die die Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen in Hannover auf dem Auftaktpodium des Kongresses &bdquo;Was tun? Die Linke in Zeiten des Krieges&ldquo; gehalten hat. Das ist interessant im Kontext der im linken Lager aktuell gef&uuml;hrten Debatte. Von <strong>Sevim Dagdelen<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,195],"tags":[3293,2529,1343,466,385,259,2377,1019],"class_list":["post-97359","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-die-linke","tag-bellizismus","tag-imperialismus","tag-kipping-katja","tag-nato","tag-ramelow-bodo","tag-russland","tag-waffenlieferungen","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/97359","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=97359"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/97359\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":97377,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/97359\/revisions\/97377"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=97359"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=97359"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=97359"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}