{"id":97458,"date":"2023-05-10T12:40:56","date_gmt":"2023-05-10T10:40:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97458"},"modified":"2023-05-12T12:53:44","modified_gmt":"2023-05-12T10:53:44","slug":"karlspreis-kriegswuetiger-namensgeber-und-gegruendet-von-einem-elitaeren-zirkel-ehemaliger-nsdap-und-sa-mitglieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97458","title":{"rendered":"Karlspreis \u2013 Kriegsw\u00fctiger Namensgeber und gegr\u00fcndet von einem elit\u00e4ren Zirkel ehemaliger NSDAP- und SA-Mitglieder"},"content":{"rendered":"<p>Am 14. Mai soll in Aachen der &bdquo;Internationale Karlspreis&ldquo; an &bdquo;S.E. Wolodymyr Selenskyj, Pr&auml;sident der Ukraine, und an das ukrainische Volk&ldquo; f&uuml;r die &bdquo;Verteidigung von Europa und der europ&auml;ischen Werte&ldquo; verliehen werden. Anlass f&uuml;r die NachDenkSeiten, sich mit den politischen, ideologischen und auch historischen Hintergr&uuml;nden dieses Preises zu besch&auml;ftigen. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2879\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-97458-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230510_Karlspreis_Kriegswuetiger_Namensgeber_und_gegruendet_von_einem_elitaeren_Zirkel_ehemaliger_NSDAP_und_SA_Mitglieder_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230510_Karlspreis_Kriegswuetiger_Namensgeber_und_gegruendet_von_einem_elitaeren_Zirkel_ehemaliger_NSDAP_und_SA_Mitglieder_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230510_Karlspreis_Kriegswuetiger_Namensgeber_und_gegruendet_von_einem_elitaeren_Zirkel_ehemaliger_NSDAP_und_SA_Mitglieder_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230510_Karlspreis_Kriegswuetiger_Namensgeber_und_gegruendet_von_einem_elitaeren_Zirkel_ehemaliger_NSDAP_und_SA_Mitglieder_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=97458-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230510_Karlspreis_Kriegswuetiger_Namensgeber_und_gegruendet_von_einem_elitaeren_Zirkel_ehemaliger_NSDAP_und_SA_Mitglieder_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230510_Karlspreis_Kriegswuetiger_Namensgeber_und_gegruendet_von_einem_elitaeren_Zirkel_ehemaliger_NSDAP_und_SA_Mitglieder_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Der &bdquo;Sachsenschl&auml;chter&ldquo; Karl der Gro&szlig;e als Namensgeber<\/strong><\/p><p>&bdquo;Sterben soll, wer Heide bleiben will&ldquo; &ndash; unter diesem Leitmotiv &uuml;berzog der Namensgeber des Preises, Karl der Gro&szlig;e, vier Jahrzehnte lang einen Gro&szlig;teil Europas mit Krieg. Besonders blutig gestaltete sich dabei die mit Waffengewalt erzwungene Christianisierung des damaligen Sachsenreiches, die sogenannten &bdquo;Sachsenkriege&ldquo; in den Jahren 772 bis 804 nach unserer Zeitrechnung, denen abertausende M&auml;nner, Frauen und Kinder zum Opfer fielen. Als selbst f&uuml;r die damalige Zeit au&szlig;ergew&ouml;hnlich grausam wird in diesem Zusammenhang in den Reichsannalen (Annales regni Francorum) auf das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Blutgericht_von_Verden\">&bdquo;Blutgericht von Verden&ldquo;<\/a> im Jahr 782 verwiesen. Laut diesen Aufzeichnungen &uuml;ber Ereignisse im Fr&auml;nkischen Reich des 8. und 9. Jahrhunderts sollen allein an einem Tag 4.500 unbewaffnete Sachsen auf direkten Befehl Karls enthauptet worden sein. Die aktuelle Geschichtswissenschaft geht mehrheitlich davon aus, dass die Angaben zur Verantwortung von Karl dem Gro&szlig;en f&uuml;r das Massaker korrekt sind.<\/p><p><strong>Karl als historisches Vorbild f&uuml;r Hitler und Namensgeber einer SS-Division<\/strong><\/p><p>Die historische Rolle von Karl und die von ihm mit Gewalt geschaffene &bdquo;Einigung&ldquo; eines signifikanten Teils Europas zu einem &bdquo;Reich&ldquo; wurde propagandistisch entsprechend vom NS-Regime genutzt. So <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;ved=2ahUKEwjXyZ2R3OX-AhVWhf0HHTjrDkgQFnoECCsQAQ&amp;url=https%3A%2F%2Fbiblio.ugent.be%2Fpublication%2F8079635%2Ffile%2F8521342&amp;usg=AOvVaw1tWZJNizCPaUVpuvj1SfN1\">bezeichnete<\/a> beispielsweise Adolf Hitler regelm&auml;&szlig;ig Karl den Gro&szlig;en &bdquo;als eine der gr&ouml;&szlig;ten Pers&ouml;nlichkeiten der Weltgeschichte&ldquo;, da dieser die deutschen St&auml;mme vereinigt h&auml;tte (&bdquo;&hellip; die deutschen Quersch&auml;del zueinander zu bringen&ldquo;). Dass diese Einsch&auml;tzung nicht alle in der NS-Nomenklatura so teilten, bezeugt die Erkl&auml;rung des NS-Diktators am 31. M&auml;rz 1942, er habe sich gegen&uuml;ber dem NSDAP-Chefideologen Alfred Rosenberg verbeten, &bdquo;einen Heroen wie Karl den Gro&szlig;en als &sbquo;Karl den&nbsp;<em>Sachsenschl&auml;chter<\/em>&lsquo; zu bezeichnen&ldquo;. Josef Groh&eacute;, Gauleiter des Gaus K&ouml;ln-Aachen, erkl&auml;rte bei einer Feierstunde im April 1942 anl&auml;sslich der gro&szlig; aufgezogenen Feierlichkeiten zum zw&ouml;lfhundertsten Geburtstag Karls des Gro&szlig;en, die von ihm gegr&uuml;ndete Kaiserpfalz Aachen sei der &bdquo;Ausgangspunkt f&uuml;r die Herausbildung des deutschen Volkes&ldquo; gewesen. Die 33. Waffen-Grenadier-Division der SS, aus deren Reihen die letzten fanatischen Verteidiger der Reichskanzlei sowie des SS-Hauptquartiers in den K&auml;mpfen um Berlin Ende April 1945 stammten, trug den Namen des fr&auml;nkischen Kaisers. <\/p><p>Nat&uuml;rlich w&auml;re es albern, hier per se eine Kontaktschuld zu konstruieren, nur weil Hitler und andere NS-Gr&ouml;&szlig;en sich &auml;u&szlig;erst positiv auf eine geschichtliche Pers&ouml;nlichkeit des Fr&uuml;hmittelalters bezogen haben. In der Gesamtschau bleibt aber dennoch festzuhalten, dass sich die Gr&uuml;nder des Karlspreises (darunter mehrere NSDAP-Mitglieder) nur vier Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs daf&uuml;r entschieden, einen Preis auszuschreiben &bdquo;f&uuml;r Dienste der westeurop&auml;ischen Verst&auml;ndigung, der Humanit&auml;t und des Weltfriedens&ldquo;, und daf&uuml;r ausgerechnet eine Pers&ouml;nlichkeit w&auml;hlten, die zum einen offensiv vom NS-Regime propagandistisch instrumentalisiert worden war und zum anderen sich vor allem dadurch auszeichnet, dass sie w&auml;hrend ihrer gesamten 46-j&auml;hrigen Regentschaft (768 bis 814) fast pausenlos (Angriffs-)Kriege in Europa f&uuml;hrte, unter anderem gegen Sachsen, Spanien, Italien und die Awaren.<\/p><p><strong>Die &bdquo;illustren&ldquo; Gr&uuml;nder des Karlspreises aus NSDAP, SA und dem NS-Dozentenbund<\/strong><\/p><p>Initiiert und gegr&uuml;ndet wurde der Karlspreis vom Aachener Textilunternehmer Kurt Pfeiffer. Auf der offiziellen Website des &bdquo;Internationalen Karlspreises zu Aachen&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.karlspreis.de\/de\/karlspreis\/entstehungsgeschichte\">liest sich das<\/a> so: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Dies war der Ausgangspunkt, als ein kleiner Kreis Aachener B&uuml;rger um den Textilkaufmann Dr. Kurt Pfeiffer nach Jahren geistiger Manipulation und Indoktrination einen Lesekreis, die &bdquo;Corona Legentium Aquensis&ldquo;, gr&uuml;ndete.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230510-Karlspreis-Screen1.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230510-Karlspreis-Screen1.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p>Was man aus den dortigen Ausf&uuml;hrungen aber mit keiner Silbe erf&auml;hrt, ist, dass besagter Dr. Kurt Pfeiffer direkt nach Machtantritt der Nazis 1933, wenn auch wohl nur aus kaufm&auml;nnischem Opportunismus heraus, der NSDAP beitrat. Laut dem US-Geheimdienstoffizier Saul Kussiel Padover, der Pfeiffer nach der Befreiung Aachens Ende 1944 verh&ouml;rte, soll dieser zudem noch Mitglied in f&uuml;nf weiteren NS-Organisationen gewesen sein. <\/p><p>Ein weiteres Gr&uuml;ndungsmitglied des Karlspreises sowie des Karlspreisdirektoriums war der aus einer bekannten Aachner Fabrikantenfamilie entstammende Philosophieprofessor Peter Mennicken. Dieser trat am 1. September 1933 dem Nationalsozialistischen Lehrerbund sowie am 1. November 1933 der SA und etwas sp&auml;ter der NSDAP bei. Ab 1939 &uuml;bernahm Mennicken neben seiner Professorent&auml;tigkeit noch die Leitung des Presseamtes des Nationalistischen Deutschen Dozentenbundes. Zudem war er f&uuml;r die NS-Geheimorganisation &bdquo;Mittelstelle f&uuml;r Heimatschutz&ldquo; t&auml;tig, in deren Auftrag er die Neuordnung der universit&auml;ren Ausbildung in den besetzten westlichen Nachbarl&auml;ndern organisieren sollte. <\/p><p>Ebenfalls zu den Gr&uuml;ndungsmitgliedern des Karlspreises geh&ouml;rte der damalige Aachner Oberstadtdirektor Albert Servais. Dieser wird in einer Auflistung des Sicherheitsdienstes des Reichsf&uuml;hrers SS (SD) als Mitglied der NSDAP gef&uuml;hrt, allerdings mit dem Vermerk versehen, er sei &bdquo;heute noch katholisch gebunden&ldquo;. Servais eigener Sohn spricht wiederum davon, dass sein Vater &bdquo;f&ouml;rderndes Mitglied der SS&ldquo; gewesen sei. Der Rest der insgesamt 12 Gr&uuml;ndungsmitglieder setzte sich vor allem aus Gro&szlig;industriellen und Kadern der neugegr&uuml;ndeten CDU zusammen.<\/p><p><strong>Die politisch-ideologische Ausrichtung des Karlspreises<\/strong><\/p><p>Der Karlspreis war von Beginn an als ein gegen den sowjetischen Raum gerichtetes Propagandainstrument im beginnenden Kalten Krieg gedacht. An dieser Ausrichtung des Preises lie&szlig; der Initiator, das ehemalige NSDAP-Mitglied Pfeiffer, keinen Zweifel aufkommen. In seinem Appell an die Aachner Bev&ouml;lkerung zur Ausrufung des Karlspreises am 19. Dezember 1949 <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/stichtag3922.html\">erkl&auml;rte<\/a> er: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Der Machtzuwachs des Ostens ist ins Gigantische gewachsen und wir wissen nicht, wo die Expansion halt machen wird. Die Position der westlichen M&auml;chte ist &auml;u&szlig;erst schwach. Deshalb muss die &Ouml;ffentlichkeit auf ihre Selbstverantwortung im Schicksalskampf aufmerksam werden. Es geht um die Rettung der abendl&auml;ndischen Kultur. Der Grenzstadt Aachen kommt dabei eine besondere Rolle zu. Aachen war einmal geistiges und politisches Zentrum des ganzen westeurop&auml;ischen Raumes von den Pyren&auml;en bis zur slawischen Sprachgrenze.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Der Karlspreis als Werkzeug im &bdquo;Schicksalskampf&ldquo; gegen die gigantisch b&ouml;se Macht im Osten zur &bdquo;Rettung der abendl&auml;ndischen Kultur&ldquo;. Zeitgeist hin oder her, diese v&ouml;lkisch grundierte Sprache einer Rede, die laut WDR &bdquo;die Geburtsstunde des sogenannten Internationalen Karlspreises zu Aachen markiert&ldquo;, spricht f&uuml;r sich. Dieses Leitbild des angeblichen Schicksalskampfes gegen &bdquo;den Osten&ldquo; l&auml;sst sich gut auch an der Vergabepraxis des Karlspreis-Direktoriums ablesen.<\/p><p><strong>Bisherige Preistr&auml;ger: Kriegsverbrecher und Kalte Krieger<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend CDU-Spitzenpolitiker, die f&uuml;r eine offene Systemkonfrontation standen, den Karlspreis erhielten, wurden die sozialdemokratischen Kanzler, die eher f&uuml;r eine neue und auf Entspannung setzende Ostpolitik standen, bewusst &uuml;bergangen. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Willy Brandt &ndash; dieser Name war undiskutierbar!&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Mit diesen Worten zitiert der SPIEGEL 1987 ein Direktoriumsmitglied auf die Frage, wieso zwar ein Walter Hallstein (Begr&uuml;nder der nach ihm benannten &bdquo;Hallstein-Doktrin&ldquo;), ein Konrad Adenauer, ein Carl Carstens oder ein Henry Kissinger den Karlspreis erhielten, nie aber Brandt als Begr&uuml;nder der neuen Ostpolitik. Auch Helmut Schmidt wurde bei der Preisvergabe explizit ignoriert. <\/p><p>Bezeichnend auch, wen und mit welcher Begr&uuml;ndung das Direktorium zu Beginn von Glasnost und Perestroika in der Sowjetunion und einer zunehmenden Entspannungspolitik etwa als Preistr&auml;ger f&uuml;r das Jahr 1987 aussuchte: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Henry Kissingers Name ist das Symbol der Politik der Entspannung, des Friedens, der Abr&uuml;stung und der Partnerschaft. Daher hat das Direktorium der Gesellschaft f&uuml;r die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen beschlossen, Ihnen, Herr Professor Dr. Kissinger, den Karlspreis f&uuml;r das Jahr 1987 zu verleihen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das muss man Ende der 1980er Jahre erstmal so bringen: Ausgerechnet den Mann als &bdquo;Symbol der Politik der Entspannung und des Friedens&ldquo; zu bezeichnen, der bereits 1957 als Berater der US-Beh&ouml;rde f&uuml;r Waffenentwicklung beim Vereinigten Generalstab einen auf Europa begrenzten Nuklearkrieg propagierte sowie unter anderem in seiner Rolle als Nationaler Sicherheitsberater ma&szlig;geblich den blutigen Putsch in Chile gegen Salvador Allende ebenso wie die massive Ausweitung des Vietnamkrieges inklusive der v&ouml;lkerrechtswidrigen Massenbombardierungen und sp&auml;teren Invasion in Kambodscha zu verantworten hatte und in seiner Rolle als US-Au&szlig;enminister gr&uuml;nes Licht gab f&uuml;r die Durchf&uuml;hrung der koordinierten Terrorma&szlig;nahmen im Zuge der &bdquo;Operation Condor&ldquo; in S&uuml;damerika sowie f&uuml;r die Invasion und darauffolgenden Massenhinrichtungen in Osttimor durch die indonesische Armee unter dem Diktator Suharto. <\/p><p>Dass es sich bei dem Karlspreistr&auml;ger Kissinger um einen Kriegsverbrecher handelt, r&auml;umten im R&uuml;ckblick selbst enge Mitarbeiter von ihm ein. So <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20150107002357\/http:\/\/www.wdr5.de\/sendungen\/politikum\/protestgegenneueprofessur100.html\">sagte<\/a> beispielsweise der Au&szlig;enpolitik-Analyst Roger Morris Folgendes &uuml;ber seinen langj&auml;hrigen Chef im Nationalen Sicherheitsrat der Vereinigten Staaten:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn wir Henry Kissinger nach den gleichen Ma&szlig;st&auml;ben beurteilen, wie wir es mit den anderen Staatschefs und Politikern in anderen Gesellschaften getan haben, zum Beispiel in Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg, dann wird er sicher irgendwann als Kriegsverbrecher verurteilt werden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Doch Kissinger ist bei weitem nicht der einzige mit dem Karlspreis geehrte Kriegsverbrecher. Vielsagend auch die Begr&uuml;ndung f&uuml;r die Verleihung des Preises an den damaligen britischen Premierminister Tony Blair im Jahr 1999 f&uuml;r (!) &bdquo;sein entschlossenes Handeln in der Kosovo-Krise, in der er den US-Pr&auml;sidenten Clinton von einer klaren Haltung der NATO gegen&uuml;ber Slobodan Milo&scaron;evi&#263; &uuml;berzeugte und Grundz&uuml;ge einer neuen Doktrin f&uuml;r die internationale Gemeinschaft festlegte&ldquo;. Karlspreis f&uuml;r einen v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg (im NATO-Jargon &bdquo;Operation Allied Force&ldquo;), der zur Zerst&ouml;rung eines Gro&szlig;teils der zivilen Infrastruktur Restjugoslawiens f&uuml;hrte. <\/p><p>In der Laudatio zur Preisverleihung an Blair <a href=\"https:\/\/www.karlspreis.de\/de\/preistraeger\/anthony-tony-charles-lynton-blair-1999\/laudatio-von-lionel-jospin\">hei&szlig;t es<\/a> dazu:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Daher f&uuml;hren wir einen Kampf f&uuml;r die Zivilisation, f&uuml;r unsere europ&auml;ische Zivilisation! Ein Kampf, in dem wir Gewalt solange anwenden werden, bis die Verhandlungen wieder beginnen k&ouml;nnen, die allein geeignet sind, zu einer langfristigen politischen L&ouml;sung zu f&uuml;hren.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>An Zynismus kaum zu &uuml;bertreffen, ist auch die Inschrift auf der an Blair &uuml;berreichten Karlspreis-Medaille, in die als angebliche Leistung Blairs eingraviert ist:  <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Frieden und Zusammenwachsen in Europa&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Ein Jahr sp&auml;ter war dann Bill Clinton der Preistr&auml;ger. Jener US-Pr&auml;sident, der, neben der Hauptverantwortung f&uuml;r den v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Republik Jugoslawien, kurz vor Weihnachten 1998 nach allgemeiner Einsch&auml;tzung vor allem aus <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/clintons-strafgericht-a-1376b5f7-0002-0001-0000-000008453032\">innenpolitischen Erw&auml;gungen heraus<\/a>, um von dem drohenden Amtsenthebungsverfahren abzulenken, einen umfassenden und nicht UN-gedeckten Luftangriff gegen den Irak befahl. &bdquo;Ohne Verz&ouml;gerung, Diplomatie oder Warnung&ldquo;, so hatte es der gekarlspreiste US-Pr&auml;sident seinem damaligen Lieblingsfeind Saddam Hussein &ouml;ffentlich angedroht und umgesetzt. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230510-Karlspreis-Screen2.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230510-Karlspreis-Screen2.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p>Es handelt sich bei dem Karlspreis laut Eigendarstellung, das sollten wir uns nochmals in Erinnerung rufen, vorgeblich um einen &bdquo;Preis (&hellip;) f&uuml;r den wertvollsten Beitrag im Dienste der Humanit&auml;t und des Weltfriedens&rdquo;.&nbsp;<\/p><p><strong>Aktenfreigabe unerw&uuml;nscht<\/strong><\/p><p>Vor diesem skizzierten Hintergrund verwundert es nicht, dass laut <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20150128185732\/http:\/\/www.aachener-nachrichten.de\/dossier\/karlspreis\/meike-thuellen-macht-dampf-in-sachen-karlspreis-akten-1.351568\">einem Bericht der <em>Aachener Nachrichten<\/em><\/a> sich das Direktorium wegen &bdquo;Bedenken (&hellip;) um politische Verwicklungen&ldquo; gegen eine umfassende &Ouml;ffnung der Archive (Protokolle, Abstimmungsunterlagen etc.) rund um die Karlspreisverleihungen verwehrt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Um allen politischen Verwicklungen aus dem Weg zu gehen, sollen daher die Akten aus den letzten 30 Jahren erst einmal ungenutzt bleiben.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Es sagt wohl einiges &uuml;ber die Verfasstheit der Europ&auml;ischen Union aus, dass der mutma&szlig;lich &bdquo;renommierteste&ldquo; Preis f&uuml;r Dienste zur &bdquo;europ&auml;ischen Einigung&ldquo; den Namen eines Kaisers tr&auml;gt, der gegen seine Nachbarn im Osten, S&uuml;den und Westen &uuml;ber Jahrzehnte Krieg f&uuml;hrte und dessen Initiatoren aus der Aachner Oberschicht wie dargelegt zu relevanten Teilen aktive Mitl&auml;ufer im NS-Regime waren und den Karlspreis bewusst als Instrument im &bdquo;Schicksalskampf (&hellip;) um die Rettung der abendl&auml;ndischen Kultur&ldquo; gegen den &bdquo;Osten&ldquo; ins Leben riefen. Dass dieses schon damals reaktion&auml;re Leitmotiv des Preises nicht beschr&auml;nkt war auf die Anfangsjahre des Karlspreises, bezeugen die <a href=\"https:\/\/www.karlspreis.de\/de\/karlspreis\/karl-der-grosse-und-der-internationale-karlspreis\">aktuellen Ver&ouml;ffentlichungen<\/a> auf der offiziellen Website des &bdquo;Internationalen Karlspreises zu Aachen&ldquo;, in denen nach wie vor unter anderem von der &bdquo;Idee des christlichen Abendlandes als Leitgedanke f&uuml;r die k&uuml;nftige politische und wirtschaftliche Einigung Europas&ldquo; die Rede ist. <\/p><p>An der offensichtlich n&ouml;tigen kritischen Aufarbeitung und Reformierung angesichts der einseitigen politischen Ausrichtung und intransparenten Auswahlprozesse zeigt sich das Direktorium, siehe beispielhaft die Verweigerung, die Karlspreis-Akten der letzten 30 Jahre zu ver&ouml;ffentlichen, in keiner Form interessiert. Der bis zum heutigen Tage proklamierte &bdquo;abendl&auml;ndische Schicksalskampf&ldquo; der Organisatoren des Aachner Karlpreises erlaubt wohl keine kritische Reflexion des eigenen Tuns. Mit dieser Haltung sind sie wiederum tats&auml;chlich ein gutes Sinnbild der aktuellen EU-Eliten um Ursula von der Leyen und ihrer desastr&ouml;sen Eskalationspolitik. <\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97606\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p>Titelbild: Screenshot von <a href=\"https:\/\/www.karlspreis.de\/de\/aktuelles\/karlspreis-2023\">karlspreis.de\/de\/aktuelles\/karlspreis-2023<\/a><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96498\">Karlspreis f&uuml;r das Kriegs-Maskottchen (und noch mehr Preis-Propaganda &hellip;)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=84850\">Einsatz f&uuml;r Menschenrechte bei Aachener Karlspreisverleihung unerw&uuml;nscht<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96200\">Stimmen aus der Ukraine: Die letzte Etappe auf dem Weg zur Errichtung des Totalitarismus<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/e8257901152c410680454f51ab94323c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14. Mai soll in Aachen der &bdquo;Internationale Karlspreis&ldquo; an &bdquo;S.E. Wolodymyr Selenskyj, Pr&auml;sident der Ukraine, und an das ukrainische Volk&ldquo; f&uuml;r die &bdquo;Verteidigung von Europa und der europ&auml;ischen Werte&ldquo; verliehen werden. Anlass f&uuml;r die NachDenkSeiten, sich mit den politischen, ideologischen und auch historischen Hintergr&uuml;nden dieses Preises zu besch&auml;ftigen. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch<\/em><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97458\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":97460,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,201,11,161],"tags":[1162,1093,796,1345,304,416,2620,2700,897],"class_list":["post-97458","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-ideologiekritik","category-strategien-der-meinungsmache","category-wertedebatte","tag-blair-tony","tag-clinton-bill","tag-karlspreis","tag-kissinger-henry","tag-kriegsverbrechen","tag-nationalsozialismus","tag-selenskyj-wolodymyr","tag-systemkonkurrenz","tag-transparenz"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/230510-Cover_Karlsrpreis.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/97458","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=97458"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/97458\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":97609,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/97458\/revisions\/97609"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/97460"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=97458"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=97458"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=97458"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}