{"id":97546,"date":"2023-05-11T15:00:32","date_gmt":"2023-05-11T13:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97546"},"modified":"2023-05-11T15:57:44","modified_gmt":"2023-05-11T13:57:44","slug":"ein-persoenlicher-hilferuf-aus-dem-gazastreifen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97546","title":{"rendered":"Ein pers\u00f6nlicher Hilferuf aus dem Gazastreifen"},"content":{"rendered":"<p>Nach den j&uuml;ngsten Angriffen der israelischen Luftwaffe auf den Gazastreifen erreichte uns dieser Brief &uuml;ber die verzweifelte Lage der dortigen Bewohner. Der Autor <strong>Abed Schokry<\/strong> ist ein Ingenieur, der in Deutschland studierte und mit seiner Familie in Gaza lebt. Wir geben seinen Brief hier im Wortlaut wieder.<br>\n<!--more--><br>\nSehr geehrte Damen und Herren, Liebe Freundinnen und liebe Freunde, <\/p><p>Wir sind so weit wohlauf&hellip; Aber die Schwester meiner Frau, ihr Mann und ihre Kinder wurden verletzt und ihre Wohnung zum Teil sehr zerst&ouml;rt&hellip; Liegt neben einer der gezielt angegriffenen Wohnungen&hellip; Das alles geschah zwischen 2 und 4 Uhr nach Mitternacht (in der Nacht von Montag auf Dienstag). Es ist auch ein Wunder, dass sie diesen Angriff &uuml;berlebt haben. Denn durch den Angriff wurde das Treppenhaus sehr stark besch&auml;digt, und sie mussten &uuml;ber viele Stufen hinweg springen, um aus dem Haus rauskommen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Der Aufzug wurde total zerst&ouml;rt. <\/p><p>Das ist wohl unser Schicksal, immer wieder f&uuml;r innerisraelische politische Probleme den Preis zu zahlen. Es ist der israelischen politischen Elite egal, wie viele Kinder, Frauen bzw. unschuldige Zivilisten durch diese Luftangriffe get&ouml;tet werden, kollaterale Sch&auml;den werden die Menschen genannt, die ihr Leben verlieren. Tatsache ist aber, dass diese Zivilisten absolut gar nicht an irgendwelchen Handlungen bzw. politischen Aktivit&auml;ten beteiligt sind. Im Gegenteil, sie haben ihre Pl&auml;ne sowie ihre Tr&auml;ume f&uuml;r ihre Zukunft &ndash; wie alle Menschen auf der Welt. <\/p><p>Eine junge Frau war im letzten Semester an der Uni. Vor einigen Wochen hat sie sich verlobt, im Juli sollte ihre Hochzeit stattfinden. Durch den t&ouml;dlichen Angriff Israels wird sie nicht das wei&szlig;e Hochzeitskleid anziehen, sondern sie wurde mit einem gro&szlig;en wei&szlig;en Tuch umwickelt und zu Grabe getragen. <\/p><p>Was war ihre Schuld? Warum hat man sie und andere umgebracht? Warum nimmt Israel den Tod unschuldiger Menschen in Kauf? Es gibt keine Rechtfertigung f&uuml;r sogenannte Kollateralsch&auml;den, f&uuml;r die zuf&auml;llige T&ouml;tung von Menschen. Das T&ouml;ten von unschuldigen, unbeteiligten Personen kann nicht gerechtfertigt werden. Auf solche menschenverachtenden Handlungen wird mit unendlicher Trauer, mit verst&auml;ndlicher Wut und letztlich mit dem Ruf nach ausgleichender Gerechtigkeit reagiert. Insgesamt sieben Kinder und vier Frauen wurden bei den israelischen Angriffen ermordet. Bringt das uns bzw. unserem Nachbarn Frieden? <\/p><p>Wird ein kleines Kind es je vergessen, dass seine Eltern bei gezielten israelischen Luftangriffen ums Leben kamen? <\/p><p>Ich wei&szlig; ehrlich gesagt nicht, warum uns Pal&auml;stinensern dieses Leid zugef&uuml;gt wird. Sind wir keine Menschen? Haben wir nicht auch das Recht auf ein normales und friedliches Leben? Ist das zu viel verlangt? Der Staat Israel feierte sein 75-j&auml;hriges Bestehen, w&auml;hrend wir der seitdem andauernden Nakbah (Katastrophe) gedenken. Wir wurden vertrieben, uns wurde unser Land genommen. Wir leben unter der am l&auml;ngsten andauernden brutalen Besatzung. In Gaza leben wir wie in einem Gef&auml;ngnis. <\/p><p>Wie lange sollen wir noch leiden? Wann endlich nimmt die Welt wahr, dass uns Unrecht geschieht? <\/p><p>Ich verfolge &ndash; wie alle Menschen in Gaza -, wie sich der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine entwickelt. Ich lese, wie gro&szlig; die Unterst&uuml;tzung der Ukraine seitens der USA, EU und anderen Staaten ist. Ebenso verfolge ich, wie Russland sanktioniert wird.<\/p><p>Dann stelle ich mir die Frage, warum die Weltgemeinschaft seit 75 Jahren dem Unrecht, das wir seitdem erfahren haben, zusieht und schweigt. Das ist unfassbar, unertr&auml;glich, unfair und unmenschlich auch. Und nicht nur das ewige Schweigen ist unertr&auml;glich, sondern auch der Vorwurf, des Terrorismus bezichtigt zu werden, anstatt uns zu unseren Rechten zu verhelfen bzw. uns beizustehen. <\/p><p>Ich wei&szlig; wirklich nicht, ob all das Schreckliche, das Israel anrichtet, dem Frieden dient.<\/p><p>Ich appelliere an den Bundeskanzler in Deutschland sowie an die Bundesau&szlig;enministerin, sich endlich f&uuml;r den Frieden einzusetzen. Denn nur, wenn auch wir ein Leben in W&uuml;rde und in Frieden haben, werden unsere Nachbarn auch in Frieden und Ruhe leben k&ouml;nnen. 75 Jahre Besatzung sind mehr als genug. <\/p><p>Ich hoffe, dass es eine Bewegung in Richtung Frieden nach dieser erneuten Bombardierung geben wird. Ich hoffe, dass die Welt endlich hinschaut, was hier passiert. <\/p><p>&Uuml;brigens, haben Sie sich schon mal gefragt, warum immer Gaza bombardiert wird und die Westbank nicht mit Bomben angegriffen wird? In der Westbank m&ouml;chte die israelische Regierung &bdquo;Kollateralsch&auml;den&ldquo; vermeiden, denn das w&auml;ren dort die Siedler. <\/p><p>Israel als eine so unglaublich &uuml;berlegende Macht muss begreifen, dass Gewalt, Bomben und Zerst&ouml;rung niemals zum Frieden f&uuml;hren. Die Pal&auml;stinenser brauchen ein Leben in W&uuml;rde und Freiheit, frei von Besatzung, Vertreibung und Bevormundung. Sie brauchen einen unabh&auml;ngigen Staat. Sie k&auml;mpfen f&uuml;r einen solchen Staat, sie wehren sich gegen das Unrecht, das ihnen angetan wird. <\/p><p>Ich w&uuml;nsche mir und allen Menschen ein Leben ohne Gewalt, ein Leben in Frieden und Freiheit. <\/p><p>Mit traurigen Gr&uuml;&szlig;en, <\/p><p>Ihr Abed Schokry <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den j&uuml;ngsten Angriffen der israelischen Luftwaffe auf den Gazastreifen erreichte uns dieser Brief &uuml;ber die verzweifelte Lage der dortigen Bewohner. 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