{"id":97568,"date":"2023-05-12T09:00:50","date_gmt":"2023-05-12T07:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97568"},"modified":"2023-05-12T14:09:52","modified_gmt":"2023-05-12T12:09:52","slug":"die-rueckkehr-syriens-in-die-arabische-liga-markiert-eine-zaesur-im-nahen-und-mittleren-osten-die-westliche-politik-der-konfrontation-ist-gescheitert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97568","title":{"rendered":"Die R\u00fcckkehr Syriens in die Arabische Liga markiert eine Z\u00e4sur im Nahen und Mittleren Osten: Die westliche Politik der Konfrontation ist gescheitert"},"content":{"rendered":"<p>Das vom Westen nach dem Prinzip &bdquo;teile und herrsche&ldquo; geschmiedete Gef&uuml;ge aus Feindschaft und Kriegen in der Region bricht zusammen. Dementsprechend lehnen die USA die Entwicklung ab, und einige deutsche Medien machen weiterhin Stimmung mit zweifelhaften Berichten &uuml;ber Giftgasangriffe. Von <strong>Karin Leukefeld <\/strong>(Damaskus, Beirut).<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2797\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-97568-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230512-Rueckkehr-Syriens-in-Arabische-Liga-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230512-Rueckkehr-Syriens-in-Arabische-Liga-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230512-Rueckkehr-Syriens-in-Arabische-Liga-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230512-Rueckkehr-Syriens-in-Arabische-Liga-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=97568-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230512-Rueckkehr-Syriens-in-Arabische-Liga-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230512-Rueckkehr-Syriens-in-Arabische-Liga-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Syrien wird in die Arabische Liga zur&uuml;ckkehren. Das beschlossen die Au&szlig;enminister der 22 Mitgliedstaaten des arabischen B&uuml;ndnisses am vergangenen Sonntag, 7. Mai 2023, in Kairo. Es handelt sich um eine Vorabentscheidung, die beim Gipfeltreffen am 19. Mai in Jeddah (Saudi-Arabien) von den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten best&auml;tigt wird. Der Vorsitzende der Arabischen Liga, Ahmed Aboul Gheit, erkl&auml;rte, der R&uuml;ckkehr Syriens in das B&uuml;ndnis stehe nach der Abstimmung nichts mehr im Wege. Der syrische Pr&auml;sident Bashar al-Assad k&ouml;nne am n&auml;chsten Gipfeltreffen teilnehmen.<\/p><p>Am vergangenen Mittwoch, 10. Mai 2023, wurde dem syrischen Pr&auml;sidenten in Damaskus die pers&ouml;nliche Einladung aus dem saudischen K&ouml;nigshaus &uuml;berreicht. Am gleichen Tag nahmen Saudi-Arabien und Syrien ihre diplomatischen Beziehungen offiziell wieder auf.<\/p><p>Die Verb&uuml;ndeten Syriens Russland und Iran begr&uuml;&szlig;ten die Entscheidung der Arabischen Liga. Auch China, Pakistan, Indien gratulierten, ebenso Kuba und Venezuela, um nur einige der Staaten zu nennen.<\/p><p><strong>Politik der Ann&auml;herung nutzt der arabischen Welt<\/strong><\/p><p>Syrien begr&uuml;&szlig;te die Entscheidung. In einer Erkl&auml;rung des Au&szlig;enministeriums in Damaskus hie&szlig; es, die &bdquo;positiven Entwicklungen und Begegnungen in der arabischen Region&ldquo; nutzten allen arabischen L&auml;ndern und st&auml;rkten &bdquo;Stabilit&auml;t, Sicherheit und das Wohlergehen der Bev&ouml;lkerung&ldquo;. Dialog und Kooperation seien wichtig, um den Herausforderungen zu begegnen. Syrien sei Gr&uuml;ndungsmitglied der Arabischen Liga und habe sich immer f&uuml;r eine starke arabische Kooperation eingesetzt. Die n&auml;chsten Schritte erforderten eine &bdquo;effektive und konstruktive&ldquo; Herangehensweise in den bilateralen und gemeinsamen Beziehungen. Voraussetzung daf&uuml;r sei gegenseitiger Respekt.<\/p><p>Nach der Ann&auml;herung von Iran und Saudi-Arabien Anfang M&auml;rz dieses Jahres und zahlreichen hochrangigen politischen und diplomatischen Begegnungen war die Entscheidung in Damaskus erwartet worden. Hochrangige politische Berater zeigten sich in inoffiziellen Hintergrundgespr&auml;chen mit der Autorin dieses Textes optimistisch. Saudi-Arabien, Abu Dhabi (VAE), Algerien und Irak seien &bdquo;entschlossen&ldquo;, Syrien wieder in die Arabische Liga aufzunehmen. Selbst Marokko, das sich zun&auml;chst ablehnend gezeigt hatte, habe seine Position ge&auml;ndert. Kuwait und Katar, die die R&uuml;ckkehr Syriens in das B&uuml;ndnis zwar nicht blockieren, aber ihre bilateralen Beziehungen nicht &bdquo;normalisieren&ldquo; wollen, seien durch die &bdquo;US-Pr&auml;senz&ldquo; in ihren L&auml;ndern beeinflusst, hie&szlig; es in den inoffiziell gef&uuml;hrten Gespr&auml;chen. Beide Golfemirate haben gro&szlig;e US-Milit&auml;rbasen auf ihrem Territorium, die ihnen politische Entscheidungen gegen den Willen Washingtons erschweren.<\/p><p>Die R&uuml;ckkehr Syriens in die Arabische Liga sei eine &bdquo;wichtige politische Entwicklung&ldquo;, allerdings sei die Wiederherstellung bilateraler Beziehungen Syriens mit den arabischen Staaten noch &bdquo;wichtiger&ldquo;, sagte eine der Gespr&auml;chspersonen, die nicht genannt werden m&ouml;chte, weil das Hintergrundgespr&auml;ch inoffiziell gef&uuml;hrt wurde. Scharf wurde die Haltung der US-Administration und der Europ&auml;ischen Union kritisiert, die mit den einseitigen wirtschaftlichen Strafma&szlig;nahmen (Sanktionen) einen &bdquo;Wirtschaftskrieg&ldquo; gegen Syrien f&uuml;hrten. Das sei schlimmer als ein milit&auml;risch gef&uuml;hrter Krieg, weil sie den notwendigen Wiederaufbau des Landes blockierten und dazu f&uuml;hrten, dass die Menschen in Syrien auf humanit&auml;re Hilfe angewiesen seien. Die Syrer wollten &bdquo;nicht von Lebensmittelpaketen leben. Wir essen, was wir produzieren, und wir tragen Kleidung, die wir selbst herstellen.&ldquo;<\/p><p><strong>Hoffnung und Skepsis<\/strong><\/p><p>Syrer aus verschiedenen gesellschaftlichen Schichten zeigten sich in Gespr&auml;chen (mit der Autorin) vorsichtig optimistisch &uuml;ber die Entwicklung. Man m&uuml;sse abwarten, was wirklich von den arabischen Staaten an Hilfe komme, sagte der syrische Gesch&auml;ftsmann Elia S. Unklar sei auch noch, was von der Regierung im Gegenzug gefordert werde. &bdquo;Soll Syrien die von Israel besetzten Golanh&ouml;hen abgeben, wie seit Langem gefordert? Soll Syrien Idlib aufgeben, um diejenigen zufriedenzustellen, die die bewaffneten Kr&auml;fte dort unterst&uuml;tzen?&ldquo; Und wie werde die US-Besatzung Syriens im Nordosten beendet, wo US-Soldaten Milit&auml;rbasen auf den syrischen &Ouml;lfeldern gebaut haben, die sie pl&uuml;nderten? Wann werden die US-Soldaten aus dem S&uuml;den des Landes von der illegal errichteten Milit&auml;rbasis Al Tanf im Dreil&auml;ndereck Syrien-Irak-Jordanien abziehen? Sollte die Regierung sich tats&auml;chlich auf den Verzicht syrischen Territoriums im Norden oder im S&uuml;den oder gar der Golanh&ouml;hen einlassen, werde sie jede Glaubw&uuml;rdigkeit verlieren, meinte Louiza H., eine Anw&auml;ltin (im Gespr&auml;ch mit der Autorin). &bdquo;Wer respektiert eine Regierung, die ihr eigenes Territorium aufgibt?&ldquo;<\/p><p><strong>Die Entscheidung<\/strong><\/p><p>Die <a href=\"https:\/\/sana.sy\/en\/?p=307837\">Erkl&auml;rung der Au&szlig;enminister der Arabischen Liga<\/a> sieht vor, dass das arabische B&uuml;ndnis eine f&uuml;hrende Rolle bei der L&ouml;sung der humanit&auml;ren, politischen und sicherheitspolitischen Folgen der Krise in Syrien &uuml;bernehmen soll.<\/p><p>Grundlage daf&uuml;r seien Vereinbarungen, die bei Gespr&auml;chen in Jeddah (14. April 2023) und Amman (1. Mai 2023) von den Au&szlig;enministern Jordaniens, Saudi-Arabiens, &Auml;gyptens, Iraks und Syriens getroffen wurden. Ausdr&uuml;cklich genannt werden &bdquo;Terrorismus, Drogenschmuggel und die R&uuml;ckkehr der syrischen Fl&uuml;chtlinge aus den Nachbarl&auml;ndern&ldquo;. Ein gemeinsames Komitee auf Ministerebene von Jordanien, Saudi-Arabien, Irak, Libanon, &Auml;gypten und dem Generalsekret&auml;r der Arabischen Liga soll im direkten Gespr&auml;ch mit der syrischen Regierung die Umsetzung der Vereinbarungen &uuml;bernehmen. Die Umsetzung solle dem Prinzip &bdquo;Schritt f&uuml;r Schritt&ldquo; und in &Uuml;bereinstimmung mit der UN-Sicherheitsratsresolution 2254 (aus Dezember 2015) erfolgen. Das genannte Gremium werde regelm&auml;&szlig;ig der Arabischen Liga berichten.<\/p><p><strong>US-Administration und westliche Partner lehnen Entscheidung ab<\/strong><\/p><p>Die US-Administration kritisierte die Entscheidung des arabischen Au&szlig;enministertreffens. Syrien habe die Wiederaufnahme in die Arabische Liga &bdquo;nicht verdient&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/?post_type=state_briefing&amp;%253Bp=92333\">sagte der Sprecher des US-Au&szlig;enministeriums, Vedant Patel,<\/a> am Montag. &bdquo;Wir werden unsere Beziehungen mit dem Assad-Regime nicht normalisieren&rdquo;, sagte Patel vor Journalisten. &bdquo;Und wir unterst&uuml;tzen auch nicht unsere Verb&uuml;ndeten und Partner, das zu tun.&ldquo; Die USA verkn&uuml;pfen ihre gesetzlich verankerten einseitigen wirtschaftlichen Strafma&szlig;nahmen gegen Syrien, das &bdquo;C&auml;sar-Gesetz&ldquo;, mit einer Rechenschaftspflicht f&uuml;r ver&uuml;bte Menschenrechtsverletzungen in dem Land. Syrien beim Wiederaufbau zu helfen oder andere Gesch&auml;fte mit dem Land zu t&auml;tigen, wird von den USA als Straftat geahndet. Man unterst&uuml;tze gleichwohl die arabischen &bdquo;Partner&ldquo; dabei, eine L&ouml;sung in Syrien in &Uuml;bereinstimmung mit der UN-Sicherheitsratsresolution 2254 zu finden, so Patel. Auch bei der Ausweitung humanit&auml;rer Hilfe f&uuml;r Syrer und im Kampf gegen das Wiedererstarken des IS stimme man &uuml;berein.<\/p><p>Das Au&szlig;enpolitische Komitee des US-Senats verurteilte die R&uuml;ckkehr Syriens in die Arabische Liga als &bdquo;schweren strategischen Fehler&ldquo;. In <a href=\"https:\/\/foreignaffairs.house.gov\/press-release\/mccaul-meeks-condemn-assads-readmission-to-the-arab-league\/\">einer Erkl&auml;rung hie&szlig; es<\/a>, &bdquo;Assad, Russland und Iran&ldquo; w&uuml;rden ihre Menschenrechtsverletzungen fortsetzen. Die US-Administration m&uuml;sse das &bdquo;C&auml;sar-Gesetz&ldquo; und andere Sanktionen mit aller Kraft umsetzen, &bdquo;um Versuche der Normalisierung mit diesem Kriegsverbrecher&ldquo; zu blockieren.<\/p><p>Die 27 EU-Mitgliedsstaaten werden im Laufe der Woche die R&uuml;ckkehr Syriens in die Arabische Liga und m&ouml;gliche Folgen f&uuml;r die EU-Au&szlig;enpolitik kommentieren. Peter Stano, Sprecher von EU-Au&szlig;enkommissar Joseph Borrell, <a href=\"https:\/\/thebrunswicknews.com\/news\/national_news\/eu-us-germany-rule-out-normalizing-relations-with-syria\/article_a14d3aa7-5d85-5e43-b6d2-969d0694aae6.html\">sagte vor Journalisten<\/a>, Borrell werde mit &bdquo;Partnern in der Region&ldquo; sprechen, um &bdquo;die Gr&uuml;nde und die Erwartungen hinsichtlich der Entscheidung zu erfahren&ldquo;. Ohne eine Bewegung in Richtung politischer L&ouml;sungen werde die EU ihre Beziehungen mit dem &bdquo;Assad-Regime&ldquo; nicht normalisieren. Die &bdquo;Verfolgung und Unterdr&uuml;ckung des syrischen Volkes&ldquo; m&uuml;sse aufh&ouml;ren.<\/p><p>Das deutsche Au&szlig;enministerium &auml;u&szlig;erte sich kritisch. Die R&uuml;ckkehr Syriens in die Arabische Liga m&uuml;sse an &bdquo;substanzielle Zugest&auml;ndnisse&ldquo; gebunden werden, <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/syrien-hat-r%25C3%25BCckkehr-in-arabische-liga-nicht-verdient\/a-65556740\">berichtete die <em>Deutsche Welle<\/em><\/a> aus dem Ausw&auml;rtigen Amt in Berlin. T&auml;glich gebe es schwere Menschenrechtsverletzungen, hie&szlig; es. Hilfe beim Wiederaufbau und die Aufhebung der EU-Sanktionen seien ausgeschlossen.<\/p><p><strong>Das Bild von Syrien in Deutschland<\/strong><\/p><p>F&uuml;r die Bundesregierung d&uuml;rfte die innerarabische Ann&auml;herung an Syrien besonders schwer zu akzeptieren sein. Deutschland hat rund eine Million syrische Fl&uuml;chtlinge aufgenommen und sich im Rahmen des &bdquo;Weltrechtsprinzips&ldquo; zum Richter &uuml;ber tats&auml;chliche oder vermutliche Angeh&ouml;rige syrischer Geheimdienste gemacht. Au&szlig;enministerium und Entwicklungshilfeministerium finanzieren neben der Versorgung von syrischen Fl&uuml;chtlingen in der T&uuml;rkei, Libanon und Jordanien auch deutsche und syrische zivilgesellschaftliche Gruppen, die sich der Dokumentation und Anklage der syrischen Regierung verschrieben haben. Die 2014 von einem ehemaligen britischen Offizier und privaten Sicherheitsberater in der T&uuml;rkei gegr&uuml;ndeten &bdquo;Wei&szlig;helme&ldquo;, die sich als &bdquo;Syrischer Zivilschutz&ldquo; bezeichnen und u.a. &uuml;ber Giftgasangriffe der syrischen Armee auf Khan Scheichun (2017) und Duma (2018) berichteten, wurden von Berlin seit deren Gr&uuml;ndung mit 20 Millionen Euro unterst&uuml;tzt. 2020 wurden finanzielle Unregelm&auml;&szlig;igkeiten in der Organisation bekannt, Berlin <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article212507649\/Syrien-Finanzierung-der-Weisshelme-Deutschland-fordert-Geld-zurueck.html\">forderte einen Teil des Geldes zur&uuml;ck<\/a>.<\/p><p>Auch deutsche Medien waren und sind mehrheitlich auf die Konfrontation mit der syrischen Regierung eingespielt, die nun wieder respektiert und in die &bdquo;arabische Gemeinschaft&ldquo; aufgenommen wird. W&auml;hrend viele internationale Medien &uuml;ber die Entwicklung der Entspannung auf der arabischen Halbinsel mit dem Iran berichten, konzentrieren sich deutsche Redaktionen weiterhin auf &bdquo;Desinformation in Syrien&ldquo;, das &bdquo;Leben in einem Albtraum&ldquo; oder die &bdquo;Giftgasangriffe in Syrien&ldquo;, f&uuml;r die Damaskus nicht zur Rechenschaft gezogen werde.<\/p><p>In einem <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/saudi-arabien-syrien-assad-rueckkehr-100.html\">k&uuml;rzlich ver&ouml;ffentlichten <em>ZDF<\/em>-Bericht<\/a> wird dabei &uuml;bergangen, dass im dritten Duma-Bericht der Organisation f&uuml;r den Schutz vor Chemiewaffen (OPCW), der im Januar 2023 vorgestellt wurde, nicht Syriens Milit&auml;r oder die &bdquo;Eliteeinheit Tiger Forces&ldquo; als T&auml;ter bezeichnet werden. In der <a href=\"https:\/\/www.opcw.org\/sites\/default\/files\/documents\/2023\/01\/s-2125-2023%2528e%2529.pdf\">Kurzfassung des Berichts<\/a> (Executive Summary) hei&szlig;t es im zweiten Absatz vielmehr, es gebe einen &bdquo;begr&uuml;ndeten Verdacht&ldquo;, wonach &bdquo;mindestens ein Mi-8\/17-Hubschrauber der Syrischen Luftstreitkr&auml;fte (&hellip;)&ldquo; zwei gelbe Zylinder abgeworfen habe, die zwei Wohngeb&auml;ude getroffen h&auml;tten.<\/p><p>Anderslautende Berichte und Untersuchungen werden in deutschen Medien als &bdquo;Desinformation&ldquo; abgetan. Das betrifft nicht nur die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70996\">&bdquo;Erkl&auml;rung der Besorgnis&ldquo; ehemaliger hochrangiger UN-Beamter<\/a>, sondern auch die anderslautenden <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=55809\">Aussagen und Untersuchungsergebnisse von OPCW-Wissenschaftlern<\/a>, die selbst in Duma vor Ort im April 2018 Proben nahmen und einen ersten Bericht vorlegten, der verschwand.<\/p><p>Die in einem der Geb&auml;ude in Duma nach Angaben der &bdquo;Wei&szlig;helme&ldquo; gefundenen 40 Toten <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95818\">sind bis heute nicht identifiziert<\/a>.<\/p><p><strong>Was bedeutet die innerarabische Ann&auml;herung f&uuml;r den Westen?<\/strong><\/p><p>Die Ann&auml;herung, die von den Staaten der Region &ndash; allen voran von Saudi-Arabien und Iran &ndash; aktuell vollzogen wird, setzt die USA und die EU unter Druck. Schon zu Beginn des Syrienkonflikts 2011 verh&auml;ngte die EU einseitige wirtschaftliche Strafma&szlig;nahmen (Sanktionen) gegen Syrien, die bis heute j&auml;hrlich verl&auml;ngert und erweitert wurden. Die US-Administration folgte mit eigenen, als Gesetz verankerten Wirtschaftssanktionen wie dem &bdquo;C&auml;sar-Gesetz&ldquo;. Nicht nur Syrien und syrische Unternehmen, sondern alle Staaten und Unternehmen, die mit Syrien Gesch&auml;fte machen wollen, sollten getroffen werden. Unter der F&uuml;hrung von den USA, Gro&szlig;britannien, Frankreich und Deutschland sind seit 2012 die westlichen Botschaften in Damaskus geschlossen. Dialog mit der syrischen Regierung wird bis heute verweigert.<\/p><p>Die Ann&auml;herungspolitik der arabischen Welt mit dem Iran bedeutet f&uuml;r die westliche Politik eine Niederlage. Nach dem Prinzip &bdquo;teile und herrsche&ldquo; hat der von den USA gef&uuml;hrte Westen die beiden gro&szlig;en Regionalm&auml;chte Iran und Saudi-Arabien &uuml;ber Jahre hinweg gegeneinander aufgebracht, indem man vor dem iranischen Atomprogramm warnte, Aufr&uuml;stung gegen den Iran unterst&uuml;tzte und die &bdquo;Normalisierung&ldquo; der Beziehungen mit Israel propagierte, eine Siedler- und Besatzungsmacht, die seit 75 Jahren die Pal&auml;stinenser unterdr&uuml;ckt. Gleichzeitig wurde ein (ziviles) Atomprogramm der Vereinigten Arabischen Emirate gef&ouml;rdert und ein solches Programm auch Saudi-Arabien in Aussicht gestellt. Israel, die einzige Atommacht in der Region, wurde und wird von den USA und ihren westlichen Partnern umfassend unterst&uuml;tzt, obwohl das Land seine Atomanlagen weder Kontrollbesuchen der Internationalen Atomenergiebeh&ouml;rde (IAEO) &ouml;ffnet noch sein Atomwaffenarsenal offenlegt.<\/p><p>Syrien, das seit 1979 mit dem Iran verb&uuml;ndet ist, wurde von den arabischen Golfstaaten immer f&uuml;r seine Beziehungen zum Iran kritisiert. Nun wird mit der saudisch-iranischen Ann&auml;herung auch die iranisch-syrische Verbindung akzeptiert. Die Wiederaufnahme Syriens in die Arabische Liga entspricht der Wiederann&auml;herung Saudi-Arabiens und des Irans. <a href=\"https:\/\/www.judicialwatch.org\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Pg.-291-Pgs.-287-293-JW-v-DOD-and-State-14-812-DOD-Release-2015-04-10-final-version11.pdf\">Der US-amerikanische Milit&auml;rgeheimdienst DIA verfasste 2012 eine Analyse<\/a>, wonach der Krieg in Syrien f&uuml;r die USA und ihre Partner das Ziel hatte, die strategische Tiefe des Irans in Syrien zu treffen und den Iran zur&uuml;ckzudr&auml;ngen. Damit ist der Westen gescheitert. Iran und Saudi-Arabien gehen aufeinander zu, das vom Westen geschmiedete Gef&uuml;ge aus Konfrontation und Kriegen in der Region bricht zusammen. Die R&uuml;ckkehr Syriens in die Arabische Liga bedeutet eine Niederlage f&uuml;r die westliche Politik.<\/p><p>Titelbild: Shutterstock \/ ART production<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das vom Westen nach dem Prinzip &bdquo;teile und herrsche&ldquo; geschmiedete Gef&uuml;ge aus Feindschaft und Kriegen in der Region bricht zusammen. Dementsprechend lehnen die USA die Entwicklung ab, und einige deutsche Medien machen weiterhin Stimmung mit zweifelhaften Berichten &uuml;ber Giftgasangriffe. 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