{"id":97938,"date":"2023-05-17T12:00:00","date_gmt":"2023-05-17T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97938"},"modified":"2023-05-17T17:52:52","modified_gmt":"2023-05-17T15:52:52","slug":"umgang-mit-sowjetischem-ehrenmal-in-dresden-politisch-kultureller-vandalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=97938","title":{"rendered":"Umgang mit sowjetischem Ehrenmal in Dresden: Politisch-kultureller Vandalismus"},"content":{"rendered":"<p>Das sowjetische Ehrenmal f&uuml;r die Befreier der Stadt Dresden soll &bdquo;neu kontextualisiert&ldquo; werden. Das ist eine politisch-verschwurbelte Umschreibung f&uuml;r Geschichtsrevisionismus. Nun wurde diese &bdquo;Neukontextualisierung&ldquo; von Unbekannten sabotiert. Aber welche Seite betreibt hier tats&auml;chlich Vandalismus? Ein Kommentar aus Dresden von <strong>Andreas Vogt<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie politische F&uuml;hrung meiner Heimatstadt Dresden scheint ein Gesp&uuml;r f&uuml;r &bdquo;gut gemeinte&ldquo;, aber bewusst falsche Aktionen unter dem Deckmantel der Kultur zu haben. <\/p><p>Unvergessen die Aktion &bdquo;Monument&ldquo; im Februar 2017, als der syrischst&auml;mmige K&uuml;nstler Manaf Halbouni mit Genehmigung der Stadt Dresden auf dem Neumarkt vor der weltber&uuml;hmten Frauenkirche drei ausgediente Busse hochkant aufstellte, um auf diese provokante Weise  Propaganda gegen den Staat Syrien und dessen &bdquo;Machthaber&ldquo; Assad sowie nat&uuml;rlich gegen das &bdquo;das Regime&ldquo; unterst&uuml;tzende Russland Putins zu machen. <\/p><p>Die Vorbilder dieser Busse standen 2015 in Aleppo und waren von islamistischen Terrorristen als Barrikaden errichtet worden. In Deutschland behauptete man nat&uuml;rlich, damit &bdquo;seien Zivilisten vor Scharfsch&uuml;tzen Assads&ldquo; gesch&uuml;tzt worden. Und dass auf der Spitze die Fahne der Terrorgruppe Ahrar al Sham wehte, irritierte nat&uuml;rlich auch niemanden. Erst, als in Dresden Protestler aus dem rechten Umfeld eben diese Fahne auch den Dresdner Bussen aufpflanzten, war medial die H&ouml;lle los. <\/p><p>Ort und Zeitpunkt spielten dabei eine zentrale Rolle, denn die Busse wurden absichtlich wenige Tage vor dem Jahrestag der Zerst&ouml;rung Dresdens in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 aufgestellt, und das an jenem Ort, der f&uuml;r die Dresdner von hochemotionaler Bedeutung ist. Schon zu DDR-Zeiten fand hier, &uuml;brigens von der SED-F&uuml;hrung mi&szlig;trauisch be&auml;ugt, allj&auml;hrlich ein stilles Gedenken an den Krieg statt. Man versammelte sich schweigend auf dem Platz, stellte brennende Kerzen auf den Tr&uuml;mmerberg der damals noch als Mahnmal dienenden zerst&ouml;rten Frauenkirche auf und gedachte der Toten jener Nacht. <\/p><p>Man muss der Aktion &bdquo;Monument&ldquo; damit leider unterstellen, dass sie bewusst als Provokation der Bev&ouml;lkerung der in der medialen &Ouml;ffentlichkeit vor allem als &bdquo;Stadt der Pegida&ldquo; diffamierten Stadt Dresden gedacht war. Und das hatte ja auch geklappt. Pegida, AfD und andere rechte Gruppen protestierten &ndash; und die Medien schossen zur&uuml;ck und diffamierten jeden, der diese Aktion ablehnte, routiniert als &bdquo;rechts&ldquo;. Der Hintergrund der &bdquo;Kunstaktion&ldquo; wurde dabei v&ouml;llig ausgeblendet. Das Label &bdquo;rechts und ausl&auml;nderfeindlich&ldquo; reichte. <\/p><p><strong>Schlichter Geschichtsrevisionismus<\/strong><\/p><p>Jetzt schreiben wir das Jahr 2023, und wieder gibt es einen medialen Aufreger: &bdquo;Vandalismus&ldquo; t&ouml;nt es aus den Medien! Eine &bdquo;Kunstinstallation&ldquo; sei &bdquo;zerst&ouml;rt worden&ldquo;. Unerh&ouml;rt! <\/p><p>Was ist passiert? Nun, Dresden scheint mal wieder den &bdquo;richtigen Riecher&ldquo; f&uuml;r eine falsche politische Aktion gehabt zu haben und beauftragte die K&uuml;nstlerin Svea Duwe mit einer Installation, mit der das sowjetische Ehrenmal f&uuml;r die Befreier der Stadt von den Nazis &bdquo;neu kontextualisiert&ldquo; werden sollte. Die Aktion, bei welcher Schilder mit der Aufschrift &bdquo;Diese Struktur ist fragil&ldquo; direkt am Sockel des Denkmals angebracht wurden, ist ziemlich plump, erinnert eher an jugendliche Graffitisprayer als an Kunst, aber die Absicht ist klar und wurde von Dresdens B&uuml;rgermeisterin f&uuml;r Kultur Annekatrin Klepsch mit den folgenden Worten umschrieben: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Ziel war es, vor der anstehenden Sanierung auf die notwendige historische Kontextualisierung aufmerksam zu machen und damit an die erinnerungskulturellen Bem&uuml;hungen &bdquo;Unbequeme Denkm&auml;ler&ldquo; des Amtes f&uuml;r Kultur und Denkmalschutz anzukn&uuml;pfen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Eine politisch-verschwurbelte Umschreibung f&uuml;r schlichten Geschichtsrevisionismus. Denn was an der Geschichte des Zweiten Weltkrieges bedarf hier einer Neukontextualisierung? Vor allem, die &bdquo;Motive der mit dem Ehrenmal verbundenen Identifikation im Licht der heutigen Verh&auml;ltnisse kritisch zu hinterfragen&ldquo; (O-Ton Klepsch)? Und das auch noch direkt im Vorfeld des 8.\/9. Mai.<\/p><p>Hier soll nicht nur offenkundig die Geschichte umgeschrieben werden, man verst&ouml;&szlig;t auch wissentlich gegen einen geltenden Staatsvertrag (zwei plus vier) mit Russland aus dem Jahr 1990, der Deutschland verpflichtet, die sowjetischen Ehrenm&auml;ler &bdquo;zu ehren und zu pflegen&ldquo;. Sie mit solchen Aktionen regelrecht zu sch&auml;nden, d&uuml;rfte sicher nicht darunter zu verstehen sein. Und so haben das offenkundig auch unbekannte &bdquo;T&auml;ter&rdquo; verstanden und die Tafeln wieder entfernt. Ein eigenm&auml;chtiges Verhalten, das nat&uuml;rlich auch nicht in Ordnung ist, aber durchaus verst&auml;ndlich erscheint, schaut man sich den Blumenschmuck am Denkmal an, der praktisch zeitgleich dort erschienen ist. Rote Nelken, die auch heute noch in Russland und anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion am 9. Mai an solchen Denkm&auml;lern abgelegt werden, um der Millionen sowjetischen Soldaten zu gedenken, die im Kampf gegen Hitlerdeutschland ihr Leben gelassen haben. Und m&ouml;glicherweise waren es ja solche Menschen, die die dort angebrachten Tafeln daher als unangemessene St&ouml;rung ihres traditionellen Gedenkens empfanden, dem Denkm&auml;ler wie dieses bis heute dienen &ndash;&nbsp;und die zu ehren sich auch Deutschland verpflichtet hat. <\/p><p>Die Stadt gibt nicht auf. Schon am 11. Mai, als der &bdquo;Vandalismus&ldquo; bekannt wurde, k&uuml;ndigten die Stadt und das die Aktion verantwortende &bdquo;Kunsthaus Dresden&ldquo; (das &uuml;brigens auch schon die Aktion &bdquo;Monument&ldquo; 2017 organisiert hatte!) an, die &bdquo;Installation&ldquo; zeitnah wiederherzustellen. Und wehe, man sagt etwas dagegen! <\/p><blockquote><p>&bdquo;Wir bedauern die Intoleranz der daf&uuml;r Verantwortlichen. Das Kunstwerk erachten wir als streitbaren Beitrag, als tempor&auml;res Denkzeichen und Anregung zum Diskurs. Mit dessen Entfernung offenbart sich die Verweigerung jeglicher Auseinandersetzung.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>So B&uuml;rgermeisterin Klepsch, die interessanterweise der Partei &bdquo;Die LINKE&ldquo; angeh&ouml;rt. Offenbar eine jener &bdquo;Neulinken&ldquo;; die die Partei und damit echte linke Politik in Deutschland in die Bedeutungslosigkeit zu f&uuml;hren die Absicht haben. Jene, die Sahra Wagenknecht in ihrem Buch treffend als &bdquo;Die Selbstgerechten&ldquo; bezeichnete. <\/p><p>An der Absicht, das sowjetische Ehrenmal in Dresden zu ver&auml;ndern und damit die dahinterstehende Geschichte von 27 Millionen Sowjetb&uuml;rgern, die im Kampf gegen die Nazis ihr Leben verloren, nicht nur mit dieser Aktion, sondern  im Zuge der anstehenden baulichen Sanierung dauerhaft umzuschreiben, besteht jedenfalls kein Zweifel. So sagte die ausf&uuml;hrende K&uuml;nstlerin Duwe bei der Vorstellung ihrer Installation die bezeichnenden Worte:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Das Sowjetische Ehrenmal muss aus heutiger Sicht nicht nur in Bezug auf seinen baulichen Zustand, sondern auch inhaltlich &sbquo;saniert&lsquo; werden.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Ich frage mich: Wer sind hier die Vandalen? <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Quellen:<\/p><p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Monument_(Installation)\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Monument_(Installation)<\/a> <\/p><p><a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausstellungen\/dresden-kunstinstallation-sowjetisches-ehrenmal-100.html\">https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausstellungen\/dresden-kunstinstallation-sowjetisches-ehrenmal-100.html<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/regional\/sachsen\/mdr-dresden-kunstinstallation-am-sowjetischen-ehrenmal-zerstoert-100.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/regional\/sachsen\/mdr-dresden-kunstinstallation-am-sowjetischen-ehrenmal-zerstoert-100.html<\/a><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.dresden.de\/de\/rathaus\/aktuelles\/pressemitteilungen\/2023\/05\/pm_029.php\">https:\/\/www.dresden.de\/de\/rathaus\/aktuelles\/pressemitteilungen\/2023\/05\/pm_029.php<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das sowjetische Ehrenmal f&uuml;r die Befreier der Stadt Dresden soll &bdquo;neu kontextualisiert&ldquo; werden. 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