{"id":98033,"date":"2023-05-21T11:00:19","date_gmt":"2023-05-21T09:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98033"},"modified":"2023-05-21T20:42:44","modified_gmt":"2023-05-21T18:42:44","slug":"venezuela-die-ununterbrochene-pluenderung-durch-den-westen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98033","title":{"rendered":"Venezuela: Die ununterbrochene Pl\u00fcnderung durch den Westen"},"content":{"rendered":"<p>Vergangene Woche fand, w&auml;hrend der Rest der Welt woanders hinschaute, einer der gr&ouml;&szlig;ten Diebst&auml;hle statt, die in der j&uuml;ngeren Geschichte gegen ein Land begangen wurden. Auf einen Schlag gab die Regierung von US-Pr&auml;sident Joe Biden gr&uuml;nes Licht f&uuml;r die Pl&uuml;nderung mehrerer venezolanischer Verm&ouml;genswerte: die in den USA ans&auml;ssige &Ouml;ltochter Citgo, Millionen von Dollar auf US-Bankkonten und ein staatseigenes Flugzeug. Von <strong>Andre&iacute;na Ch&aacute;vez Alava<\/strong>, <a href=\"https:\/\/venezuelanalysis.com\/analysis\/15762\">venezuelanalysis<\/a>.<br>\n<!--more--><br>\nAll diese Verm&ouml;genswerte waren schon vor l&auml;ngerer Zeit beschlagnahmt oder eingefroren worden, aber nach den j&uuml;ngsten (extraterritorialen) Anordnungen der USA inmitten der nicht enden wollenden Aggression gegen Caracas gibt es nun fast keine Chance mehr, dass die venezolanische Bev&ouml;lkerung sie jemals zur&uuml;ckerh&auml;lt. Es sind weitere Schl&auml;ge gegen die belagerte Wirtschaft, die das ohnehin schon durch die jahrelange Blockade unter F&uuml;hrung der USA verursachte menschliche Leid nur noch vergr&ouml;&szlig;ern werden.<\/p><p>Am wenigsten &uuml;berraschend ist vielleicht, dass die venezolanische Hardliner-Opposition wieder Zugang zu den Ressourcen des Landes hat, die auf US-Bankkonten liegen, um ihre Aktivit&auml;ten zu finanzieren. Diese reichen von Reisen nach Washington, um Lobbyarbeit f&uuml;r weitere Sanktionen zu betreiben, bis hin zur Aufrechterhaltung eines luxuri&ouml;sen Lebensstils und gelegentlichen Zoom-Treffen oder Wahlveranstaltungen in Mittelschicht-Vierteln. Sie nennen diese Aktionen &bdquo;F&uuml;r Freiheit und Demokratie k&auml;mpfen&rdquo;.<\/p><p>K&uuml;rzlich gew&auml;hrte das US-Au&szlig;enministerium der l&auml;ngst nicht mehr existenten, von der Opposition kontrollierten Nationalversammlung Zugang zu 347 Millionen Dollar an eingefrorenen venezolanischen Geldern. Die von Washington unterst&uuml;tzte Truppe war nach dem Sturz des selbsternannten &bdquo;Interimspr&auml;sidenten&rdquo; Juan Guaid&oacute; im Januar vor&uuml;bergehend abgeschnitten worden. Mit der Flucht der ehemaligen US-Marionette in die USA, vermutlich mit einer netten Pr&auml;mie versehen, sind nun Dinorah Figuera (sie lebt in Spanien) und andere nicht gew&auml;hlte Abgeordnete an der Reihe, den Zirkus zu leiten und die Fr&uuml;chte einzuheimsen. V&ouml;llig egal, dass ihre Amtszeit im Januar 2021 nach der Parlamentswahl von 2020 endete, aus der eine chavistische Parlamentsmehrheit hervorging.<\/p><p>Das Geld &ndash; zur freien Verf&uuml;gung der Oppositionspolitiker &ndash; wurde von Washington problemlos freigegeben, im Gegensatz zu den drei Milliarden Dollar, auf die sich die Regierung von Nicol&aacute;s Maduro und die von den USA unterst&uuml;tzte Opposition im November 2022 am mexikanischen Verhandlungstisch geeinigt hatten. Diese Mittel, die aus den von Washington und seinen Verb&uuml;ndeten beschlagnahmten venezolanischen Verm&ouml;genswerten stammen sollten, um in dringende soziale Bed&uuml;rfnisse zu investieren, stehen nicht zur Verf&uuml;gung und verhindern so, dass die Venezolaner in naher Zukunft Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen sehen.<\/p><p>Aber die von Washington verbreitete Darstellung ist, dass Caracas die Gespr&auml;che lahmgelegt hat und dass eine Aufhebung der Sanktionen nur m&ouml;glich ist, wenn der Dialog wieder aufgenommen wird, um &bdquo;freie und demokratische Wahlen&rdquo; anzusetzen. Dies war eine der Schlussfolgerungen des j&uuml;ngsten Gipfeltreffens in Bogot&aacute;, an dem rund 20 L&auml;nder, darunter die USA, teilnahmen, um &uuml;ber Venezuela zu diskutieren.<\/p><p>Heuchelei ist kein Novum in der US-Au&szlig;enpolitik, aber sie macht nat&uuml;rlich weiterhin w&uuml;tend. Die Fortsetzung des Dialogs h&auml;ngt einzig und allein davon ab, dass Washington und die Opposition ihren Teil der Abmachung einhalten und die drei Milliarden Dollar freigeben &ndash; und dass Venezuela keinen Zeitplan f&uuml;r die Wahlen aufstellen muss. Eine solche Forderung ist ebenso unn&ouml;tig wie doppelz&uuml;ngig, denn sie zielt darauf ab, die falsche Darstellung zu untermauern, Venezuela sei eine Diktatur und die Wahlen seien betr&uuml;gerisch.<\/p><p>Das Land verf&uuml;gt nicht nur &uuml;ber eines der f&auml;lschungssichersten Wahlsysteme der Welt, best&auml;tigt von internationalen Beobachtern, darunter dem Carter Center, sondern hat auch seit 1999, als die sechsj&auml;hrige Amtszeit in der Verfassung verankert wurde, ohne jegliche Verz&ouml;gerungen und gem&auml;&szlig; venezolanischem Recht Pr&auml;sidentschaftswahlen abgehalten. Seitdem haben die Venezolaner f&uuml;nfmal den Pr&auml;sidenten gew&auml;hlt, wobei Hugo Ch&aacute;vez&rsquo; Sieg von 1998 im Jahr 2000 (2004 gewann er zudem das Abwahlreferendum) und bei den darauffolgenden Wiederwahlen 2006 und 2012 best&auml;tigt wurden.<\/p><p>Was Pr&auml;sident Maduro angeht, so wurde er 2013 nach dem Tod von Ch&aacute;vez und 2018 erneut gew&auml;hlt. Seine Amtszeit endet im Januar 2025, und Neuwahlen sollen im Dezember 2024 (oder fr&uuml;her) stattfinden, wie es das Gesetz vorschreibt. Der &bdquo;Zeitplan f&uuml;r die Wahlen&rdquo; ist mehr als klar, und es gibt einen Nationalen Wahlrat, der f&uuml;r diese Angelegenheiten zust&auml;ndig ist. Au&szlig;erdem ist das derzeitige System das gleiche, das zum Sieg der Opposition bei den Parlamentswahlen 2015 und zur Erlangung mehrerer Posten bei Regionalwahlen gef&uuml;hrt hat. Betrug gibt es nicht, au&szlig;er man verliert.<\/p><p>Dennoch kennt die westliche Heuchelei keine Grenzen. W&auml;hrend &bdquo;Wahlgarantien&rdquo; gefordert und der Opposition Zugang zu weiteren gestohlenen Geldern gew&auml;hrt wird, wird Guaid&oacute; in Washington herumgereicht und seine &bdquo;Verfolgung&rdquo; angeprangert. Die unbequeme Realit&auml;t ist, dass er jahrelang als freier Mann in Venezuela gelebt hat, obwohl er versucht hat, sich das Pr&auml;sidentenamt widerrechtlich anzueignen, mehrere Putschversuche angef&uuml;hrt und eingefrorene venezolanische Ressourcen im Ausland gepl&uuml;ndert hat.<\/p><p>Das Ausma&szlig; an Straffreiheit, das Guaid&oacute; genossen hat, ist weltweit einmalig, insbesondere angesichts seiner Rolle beim Raub von Citgo, der milliardenschweren Tochtergesellschaft der staatlichen venezolanischen &Ouml;lgesellschaft PDVSA. Er und seine Mitarbeiter haben geholfen, das Unternehmen nach einer gescheiterten und umstrittenen rechtlichen Vertretung vor US- und internationalen Gerichten an Konzerne zu &uuml;bergeben.<\/p><p>Vor der Beschlagnahmung und &Uuml;bertragung an die Opposition Anfang 2019 brachte Citgo Venezuela j&auml;hrlich Einnahmen von rund einer Milliarde US-Dollar ein und finanzierte ein Sozialprogramm f&uuml;r krebskranke Kinder. Jetzt haben die Gewinne kein klares Ziel, und das Unternehmen soll 2024 auf Anordnung eines Gerichts versteigert werden, um Unternehmen zu beg&uuml;nstigen, die seit Langem Forderungen an den venezolanischen Staat haben &ndash; Schulden, die Caracas aufgrund von US-Sanktionen nicht bezahlen oder neu verhandeln kann und die ohne die Aktionen der Opposition nie mit Citgo verkn&uuml;pft worden w&auml;ren.<\/p><p>Seit 1986 ist Citgo mit seinen drei Raffinerien in Texas, Louisiana und Illinois und &uuml;ber 4.000 Tankstellen in den USA eine lukrative &Ouml;lexportkette zwischen Venezuela und den USA. Genau jetzt, wo die Energiepreise hoch sind, w&auml;ren die Gewinne des Unternehmens f&uuml;r die wirtschaftliche Erholung Venezuelas nach Jahren des US-gef&uuml;hrten Wirtschaftskriegs &auml;u&szlig;erst wichtig. Es gibt vielleicht noch eine Chance, Citgo zu retten, aber nur, wenn die Rechtsverteidigung nach Caracas zur&uuml;ckkehrt und mit Souver&auml;nit&auml;t durchgef&uuml;hrt wird.<\/p><p>Um den Raubzug abzurunden, hat das US-Justizministerium das Verfahren zur Beschlagnahme einer Boeing 747-300 Frachtmaschine eingeleitet, die der staatlichen venezolanischen Fluggesellschaft Emtrasur geh&ouml;rt. Das Flugzeug wurde im Juni 2022 in Buenos Aires, Argentinien, unrechtm&auml;&szlig;ig festgehalten &ndash; wegen des alleinigen Vergehens, zuvor der privaten, von den USA sanktionierten iranischen Fluggesellschaft Mahan Air geh&ouml;rt zu haben. Die Besatzung wurde ohne Anklage freigelassen, aber das Flugzeug ist immer noch beschlagnahmt. Ob die argentinische Regierung den Anordnungen der USA nachkommen wird, bleibt abzuwarten.<\/p><p>Drei Raub&uuml;berf&auml;lle am helllichten Tag auf venezolanische Verm&ouml;genswerte innerhalb weniger Tage. Ein echtes Beispiel f&uuml;r Imperialismus, das genauso absto&szlig;end ist, wie die Kr&ouml;nung von Charles III. im Vereinigten K&ouml;nigreich anzuschauen.<\/p><p>Es ist inzwischen klar, dass diese Diebst&auml;hle weiter geschehen werden, ebenso, dass die Darstellungen, dass Venezuela f&uuml;r die Durchf&uuml;hrung von Wahlen ausl&auml;ndischer Vormundschaft bedarf, weiterhin &uuml;ber die Wahrheit gestellt werden. All dies wirft die Frage auf: Warum sprechen wir immer noch mit einem Imperium, das nur zu stehlen und zu l&uuml;gen versteht?<\/p><p>&Uuml;bersetzung: Vilma Guzm&aacute;n, <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/blog\/2023\/05\/263944\/pluenderung-venezuelas\">Amerika21<\/a><\/p><p>Titelbild: Citgo ist eine US-Tochtergesellschaft des staatlichen venezolanischen &Ouml;l-Unternehmens PDVSA, welche &uuml;ber mehrere Raffinerien sowie ein Netz von weit &uuml;ber 4.000 Tankstellen in den USA verf&uuml;gt. 2019 wurde Citgo unter sehr fragw&uuml;rdigen Umst&auml;nden enteignet, das Guthaben eingefroren und Teilen der ultra-radikalen Opposition unter dem selbsternannten venezolanischen &bdquo;Pr&auml;sidenten&ldquo; Juan Guaid&oacute; bis heute als Finanzierungsquelle zur Verf&uuml;gung gestellt. &ndash; shutterstock \/ T. Schneider<\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong> <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95461\">Proteste und Lohnforderungen in Venezuela: Soziale Gerechtigkeit oder Destabilisierungskampagne?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92739\">Stimmen aus Lateinamerika: Die Einmischung der USA geht unvermindert weiter<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91106\">&ldquo;Die Klassenidentit&auml;t ist entscheidend, um so ziemlich alles in Venezuela zu verstehen&rdquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=89874\">Stimmen aus Kuba: Kapitalismus, Unterentwicklung und das Ziel, beides zu &uuml;berwinden<\/a><\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/da067378cb4f4f89b9292889c252670f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vergangene Woche fand, w&auml;hrend der Rest der Welt woanders hinschaute, einer der gr&ouml;&szlig;ten Diebst&auml;hle statt, die in der j&uuml;ngeren Geschichte gegen ein Land begangen wurden. Auf einen Schlag gab die Regierung von US-Pr&auml;sident Joe Biden gr&uuml;nes Licht f&uuml;r die Pl&uuml;nderung mehrerer venezolanischer Verm&ouml;genswerte: die in den USA ans&auml;ssige &Ouml;ltochter Citgo, Millionen von Dollar auf US-Bankkonten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98033\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":98034,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,20],"tags":[1795,2565,2071,1556,1333,1019],"class_list":["post-98033","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-landerberichte","tag-chavez-hugo","tag-guaido-juan","tag-maduro-nicolas","tag-usa","tag-venezuela","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/shutterstock_2172272525.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/98033","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=98033"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/98033\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":98189,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/98033\/revisions\/98189"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/98034"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=98033"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=98033"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=98033"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}