{"id":98054,"date":"2023-05-20T13:00:15","date_gmt":"2023-05-20T11:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98054"},"modified":"2023-05-21T21:16:45","modified_gmt":"2023-05-21T19:16:45","slug":"indonesien-ein-vierteljahrhundert-nach-suharto-des-despoten-geschmeidiger-abgang-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98054","title":{"rendered":"Indonesien ein Vierteljahrhundert nach Suharto: Des Despoten geschmeidiger Abgang (Teil I)"},"content":{"rendered":"<p>Am liebsten sah sich Hadji Mohamed Suharto als &bdquo;Bapak&ldquo;, als l&auml;chelnder Landesvater. Zum L&auml;cheln hatte er wahrlich Grund: Unangefochten lenkte der Ex-General &uuml;ber drei Jahrzehnte die Geschicke Indonesiens &ndash; mit &uuml;ber 17.000 Inseln und seinerzeit 215 Millionen Einwohnern das fl&auml;chenm&auml;&szlig;ig gr&ouml;&szlig;te und bev&ouml;lkerungsreichste Land S&uuml;dostasiens. Er genoss das zweifelhafte Privileg, dienst&auml;ltester Diktator in der Region gewesen zu sein. Suharto ereilte nicht etwa das gleiche Schicksal wie seinen n&ouml;rdlichen Gesinnungskumpan Marcos. Er musste lediglich langsam die politische B&uuml;hne verlassen. Schmerzlich genug; Suharto war schlie&szlig;lich nicht nur der Pr&auml;sident Indonesiens, er betrachtete sich &uuml;berdies als javanischen K&ouml;nig. &bdquo;Nicht von einer w&uuml;tenden Menge wurde dieser &sbquo;K&ouml;nig&lsquo; aus seinem Palast gejagt wie im Fr&uuml;hjahr 1986 der philippinische Pr&auml;sident Ferdinand E. Marcos&ldquo;, befand der indonesische Schriftsteller Agus R. Sarjono im Gespr&auml;ch mit diesem Autor: &bdquo;Nein: &sbquo;Bapak&lsquo; trat am 21. Mai 1998 l&auml;chelnd zur&uuml;ck&ldquo; &ndash; genauer: beiseite. V&ouml;llig unspektakul&auml;r &uuml;bertrug er die Amtsgesch&auml;fte seinem Stellvertreter und langj&auml;hrigen Intimus, Bacharuddin Jusuf Habibie &ndash; ein f&uuml;r Despoten geschmeidiger Abgang. Ein R&uuml;ckblick unseres S&uuml;dostasienexperten <strong>Rainer Werning<\/strong>, dessen abschlie&szlig;ender zweiter Teil morgen erscheint.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p><p>Ausgerechnet ein Darling des Westens hatte Mitte Mai 1998 im englischen Birmingham die Tagesordnung des G7-Gipfels durcheinandergewirbelt. Indonesiens Pr&auml;sident Suharto m&ouml;ge sich, so der damalige Appell der Staats- und Regierungschefs der reichsten L&auml;nder, um &uuml;berf&auml;llige &ndash; und m&ouml;glichst unblutige &ndash; Reformen bem&uuml;hen. H&auml;tten sie nicht Suharto jahrelang bedingungslos als Korsettstange gest&uuml;tzt, w&auml;re ihnen die selbst eingebrockte Blamage erspart geblieben. In Indonesien sch&uuml;ttete derweil der Ex-General &Ouml;l ins Feuer: Hunderte von Toten, panikartige Flucht und Massenevakuierungen von Ausl&auml;ndern verd&uuml;sterten zus&auml;tzlich die Bilanz des mit 32 Jahren dienst&auml;ltesten Despoten in S&uuml;dostasien.<\/p><p>Knapp eine Woche sp&auml;ter dann, am 21. Mai 1998, trafen b&uuml;ndelweise Gru&szlig;botschaften in der indonesischen Metropole Jakarta ein. Der Empf&auml;nger: eben jener Suharto, der gerade seinen R&uuml;cktritt erkl&auml;rt und damit den Weg f&uuml;r seinen langj&auml;hrigen Vertrauten, Dr. Bacharuddin Jusuf Habibie, freigemacht hatte. &bdquo;Respekt und Zustimmung&rdquo; wurden unisono aus Washington, London, Tokio und Bonn einem Mann gezollt, der jahrelang Terror und Gewalt ges&auml;t hatte, von ihnen gleichwohl scharwenzelt oder &ndash; wie im Falle des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] &ndash; sogar ausdr&uuml;cklich als &bdquo;guter Freund&rdquo; gesch&auml;tzt worden war. So wurde nicht nur im Nachhinein ein Staatsterrorist als einsichtig-honoriger Staatsmann geehrt, sondern auch die Kontinuit&auml;t des Alten f&uuml;rs <em>business as usual<\/em> gewahrt.<\/p><p><strong>Geschmeidiger Suharto<\/strong><\/p><p>Der am 8. Juni 1921 in dem zentraljavanischen Dorf Kemusuk geborene Suharto operierte wie ein <em>dalang<\/em> im javanischen Schattenspiel; er war Puppenspieler und Erz&auml;hler in einer Person. Als Magier der Macht verstand er es meisterhaft, die Geschicke auf und hinter der B&uuml;hne zu lenken, potenzielle Widersacher auszuschalten und eine ihm geneigte Klientel strategisch zu positionieren &ndash; in F&uuml;hrungsetagen von Handel und Industrie ebenso wie in Politik und innerhalb des Milit&auml;rs. Hybris zeichnete den gegen Ende seiner Amtszeit heftig kritisierten Ex-General aus, als er darauf spekulierte, noch im M&auml;rz 1998 seinen Kopf qua Absegnung einer siebten Amtszeit durch die seinem Machtapparat ergebene Beratende Volksversammlung aus der Schlinge ziehen zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Politisch gesch&auml;tzt als Ordnungsfaktor und Garant westlicher Sicherheitsinteressen in S&uuml;dostasien, wirtschaftlich geh&auml;tschelt als Gebieter &uuml;ber den seinerzeit mit &uuml;ber 200 Millionen Einwohnern gr&ouml;&szlig;ten und lukrativsten Markt in der Region und als kr&auml;ftigster unter den sogenannten &bdquo;Tigern der zweiten Generation&ldquo; &uuml;ber den gr&uuml;nen Klee gelobt, wurden Suhartos Schandtaten stets als Kavaliersdelikte bagatellisiert: Au&szlig;enpolitisch st&uuml;tzte Suharto bedingungslos die westlich orientierte Staatengemeinschaft &ndash; von Australien &uuml;ber Gro&szlig;britannien und der Bundesrepublik Deutschland bis zu den USA. Ungestraft wurden w&auml;hrend des von ihm mitgetragenen Milit&auml;rputsches 1965 Hunderttausende umgebracht (einige Quellen sprechen von &uuml;ber 1,5 Millionen Ermordeten &ndash; [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]), Zehntausende politische Gegner und Kritiker inhaftiert beziehungsweise in die Verbannung geschickt, wurde 1976 Osttimor widerrechtlich als 27. Provinz einverleibt und wurden UN-Resolutionen zum Abzug der dort stationierten indonesischen Truppen schlichtweg ignoriert. [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] F&uuml;r weitaus geringere Verbrechen sind Schurken kleineren Kalibers unverz&uuml;glich hart an die Kandare genommen und abgestraft worden. Suhartos Terror indes galt, wie der Linguist und langj&auml;hrige Kritiker der US-amerikanischen Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik, Noam Chomsky, zutreffend anmerkte, aus westlicher Perspektive als &bdquo;benign&rdquo; (gutartig), vollzog er sich doch innerhalb westlicher Parameter von <em>freedom &amp; democracy<\/em>. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p>Den Westen k&uuml;mmerte das Gebaren der Milit&auml;rs wenig, er sch&auml;tzte vielmehr die Gesch&auml;fte unter dem Regiment der neuen Machthaber und r&auml;umte ihnen gro&szlig;z&uuml;gig Investitionen und Kredite ein, bis das Land im Fr&uuml;hjahr 1998 eine Auslandsverschuldung von umgerechnet 140 Mrd. US-Dollar angeh&auml;uft hatte. Kommunismus-Phobie, martialische Eins&auml;tze der Sicherheitskr&auml;fte und ein Filz aus politischen, wirtschaftlichen und pers&ouml;nlichen Interessen zeichneten den Suharto-Clan aus, unter dem Nepotismus und Korruption grassierten und die sechs Kinder des Pr&auml;sidenten sukzessiv die gr&ouml;&szlig;ten Wirtschaftsimperien &uuml;bernahmen.<\/p><p><strong>Gesch&auml;tzte BRD-Connection<\/strong><\/p><p>Stets mit von der Partie war dabei die Bundesrepublik:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Der nach dem Ausscheiden Sukarnos begonnene Wandel in Staat und Gesellschaft ist in Indonesien noch nicht abgeschlossen. Suhartos Verdienst besteht darin, da&szlig; er diesen Wandel mit der Geschmeidigkeit und Geduld eines typischen Zentraljavaners erm&ouml;glicht hat. (&hellip;) Immerhin verf&uuml;gt Suharto neben javanischer Geschmeidigkeit und Geduld auch &uuml;ber taktisches Gesp&uuml;r und notfalls Entschlossenheit, wie er das bei der Ausschaltung seines Vorg&auml;ngers hinl&auml;nglich bewiesen hat&rdquo; [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>],<\/p><\/blockquote><p>kommentierte beispielsweise das D&uuml;sseldorfer <em>Handelsblatt<\/em> in Erwartung lukrativer Gesch&auml;fte.<\/p><p>Langj&auml;hrig und intensiv unterst&uuml;tzte der <em>Bundesnachrichtendienst (BND)<\/em> die indonesischen Milit&auml;rs mit Logistik und Waffen. &Uuml;ber die Bundeswehr und den Bundesgrenzschutz gab&rsquo;s f&uuml;r die fernen Freunde &ndash; unter dem Vorwand der &bdquo;Drogenmissbrauchsbek&auml;mpfung&rdquo; &ndash; Hilfestellung in Form von Ausbildungskursen f&uuml;r Offiziere an der Bundeswehrakademie Hamburg-Blankenese sowie Spezialtrainings bei der Elitetruppe <em>GSG-9<\/em> in Hangelar bei Bonn. Unter anderen hatte dort auch der Schwiegersohn Suhartos, General Prabowo Subianto, 1981 eine Sonderausbildung erhalten. In seine Heimat zur&uuml;ckgekehrt, avancierte Subianto zum Chef der indonesischen milit&auml;rischen Spezialeinheiten und &uuml;bernahm zudem das Kommando &uuml;ber das wegen seiner Brutalit&auml;t gef&uuml;rchtete &bdquo;Detachment 81&ldquo;. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Als einer der Drahtzieher von Liquidierungskampagnen gegen Oppositionelle inkriminiert, konnte sich Subianto nach dem Suharto-R&uuml;ckzug im Sommer 1998 unbehelligt ins Exil nach Jordanien absetzen.<\/p><p>Der fr&uuml;here BND-Chef, Reinhard Gehlen, kommentierte Suhartos Milit&auml;rputsch und blutigen Machtantritt im Jargon des Kalten Kriegers:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Der Erfolg der indonesischen Armee, die (&hellip;) die Ausschaltung der gesamten kommunistischen Partei mit Konsequenz und H&auml;rte verfolgte, kann nach meiner &Uuml;berzeugung in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug eingesch&auml;tzt werden.&rdquo;[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><\/blockquote><p>Laut Recherchen des WDR-Fernsehmagazins <em>Monitor<\/em> bildete der BND auch indonesische Agenten in Deutschland aus. &Uuml;berdies lieferte man aus Deutschland milit&auml;rische Elektronik, zum Beispiel &uuml;ber die BND-nahe Firma <em>Telemit<\/em>. Die Geheimdienstkontakte hatten sich derma&szlig;en eng gestaltet, dass der BND in der Deutschen Botschaft in Jakarta eigens eine sogenannte legale Residentur einrichten konnte. Der Zweck dieser BND-intern FB 70 bezeichneten Residentur: enge Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst der Suharto-Diktatur. 1984 ist gar ein Kooperationsabkommen &uuml;ber Polizeiausbildung und -technologie abgeschlossen worden, das auf bundesdeutscher Seite von der <em>Gesellschaft f&uuml;r Technische Zusammenarbeit (GTZ)<\/em> in Eschborn unterschrieben und somit unter Entwicklungshilfe gefa&szlig;t wurde. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] Immerhin rangierte Indonesien (mit Indien, &Auml;gypten und der VR China) seinerzeit ganz oben in der Rangliste der meistbeg&uuml;nstigten Empf&auml;nger bundesdeutscher Entwicklungshilfe.<\/p><p>Aus der Bundesrepublik fand ebenfalls massenhaft milit&auml;risches Ger&auml;t den Weg nach Indonesien, von Fregatten aus Best&auml;nden der fr&uuml;heren Nationalen Volksarmee bis hin zu Maschinenpistolen der Firma <em>Heckler &amp; Koch<\/em>. Hubschrauber vom Typ BO-105 der Firma <em>Messerschmitt-B&ouml;lkow-Blohm (MBB)<\/em> wurden unter deutscher Lizenz im Lande gefertigt. Der an der Technischen Hochschule Aachen ausgebildete germanophile MBB-Bewunderer, langj&auml;hrige Technologieminister und Suharto-Intimus Habibie ging mit Kritikern derartiger Deals nicht zimperlich um. Als namhafte Wochenmagazine in Jakarta 1994 beispielsweise den Ankauf von 39 modernisierungsbed&uuml;rftigen Kriegsschiffen aus Deutschland bem&auml;kelten &ndash; Gesamtsumme: 650 Mio. US-Dollar &ndash;, lie&szlig; Habibie sie kurzerhand durch das Informationsministerium verbieten. Auch politisch-diplomatisch wurden die Bande zwischen Bonn und Jakarta, insbesondere w&auml;hrend der Kohl-&Auml;ra, innigst gepflegt. Im Herbst 1996, als der Ex-Bundeskanzler zu Staatsbesuchen nach S&uuml;dost- und Ostasien aufbrach, war Jakarta eine wichtige Zwischenstation. Dort sollte die &bdquo;M&auml;nnerfreundschaft&rdquo; (so Kohl &uuml;ber seinen Freund Suharto) beim gemeinsamen Segeln und Angeln gefestigt werden. [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p><strong>&bdquo;Terror der &Ouml;konomie&ldquo;<\/strong><\/p><p>Was dem Regime in Jakarta letztlich zum Verh&auml;ngnis wurde, waren der &bdquo;Terror der &Ouml;konomie&ldquo; und daraus resultierende soziale Konflikte. Als im Sommer 1997 S&uuml;dost- und Ostasien von einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise erfasst, Milliardenbetr&auml;ge aus der Region abgezogen und aggressiv gegen dortige W&auml;hrungen spekuliert wurde, brach Indonesiens vermeintliche Boomwirtschaft wie ein Kartenhaus zusammen. Der tiefe Fall der Landesw&auml;hrung, der Rupiah, war vor allem durch die im Ausland gen&auml;hrte Skepsis &uuml;ber die Ernsthaftigkeit des Reformwillens im Wirtschafts- und Finanzsektor Jakartas ausgel&ouml;st worden. Dem <em>Internationalen W&auml;hrungsfonds (IWF)<\/em> und westeurop&auml;ischen Banken gingen die von Jakarta in Aussicht gestellten Ma&szlig;nahmen zur &Uuml;berwindung der &bdquo;Asienkrise&rdquo; nicht weit genug. Da gen&uuml;gte allein das Ger&uuml;cht, der IWF gedenke, im Verbund mit der Weltbank (WB) und der <em>Asiatischen Entwicklungsbank<\/em> (<em>ADB<\/em> mit Sitz in Manila) das f&uuml;r Indonesien geschn&uuml;rte Hilfspaket von 43 Mrd. US-Dollar zu trimmen, um die Rupiah in den Keller absacken zu lassen. Geldwechselinstitute wie <em>PT Ayumas Gunung Agung<\/em> und <em>PT Sarinah<\/em> schlossen kurzerhand ihre Pforten, als aufgebrachte Kunden buchst&auml;blich sackweise Rupiah in Dollar umtauschen wollten. In der Hauptstadt kam es zu Hamsterk&auml;ufen und Pl&uuml;nderungen von Superm&auml;rkten. In anderen St&auml;dten des Archipels, so in Bandung, wurden aus Verbitterung &uuml;ber die rasche Verteuerung von Lebensmitteln M&auml;rkte gest&uuml;rmt und in Kaufh&auml;usern die Regale legal leergekauft oder illegal ausger&auml;umt. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p>Nebst dem IWF-Spitzenduo Michel Camdessus und Stanley Fischer gab sich auch Weltbankpr&auml;sident James D. Wolfensohn mehrfach in der indonesischen Hauptstadt ein Stelldichein. Im Mittelpunkt ihrer Verhandlungen stand die Frage, wie das Land seinen Verpflichtungen, kurzfristig ann&auml;hernd 60 Prozent seines von Privatbanken und dem Staat angeh&auml;uften Auslandsschuldenbergs abzutragen, nachkommen konnte. Jakarta hatte sich im Gegenzug f&uuml;r das vom IWF geschn&uuml;rte Hilfspaket bereit erkl&auml;rt, einigen &bdquo;Empfehlungen&rdquo; des IWF nachzukommen. Deregulierungen des Banken- und Finanzsektors sowie das Kappen politisch-&ouml;konomischer Verg&uuml;nstigungen und Subventionen f&uuml;r Grundnahrungsmittel wurden als L&ouml;sung des Problems gepriesen. [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><p>Noch im September 1997 war die WB voll des Lobes und ortete gerade in Indonesien innerhalb der letzten Dekade eine au&szlig;ergew&ouml;hnlich erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung, die das Land zu den <em>&bdquo;best performing economies&ldquo;<\/em> in der Region aufr&uuml;cken lie&szlig;. In diesem September-Report der Bank hie&szlig; es weiter:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Indonesien hat gro&szlig;e Anstrengungen unternommen, seine Wirtschaft zu diversifizieren. Es hat durch ein solides makro&ouml;konomisches Management einen wettbewerbsf&auml;higen Privatsektor geschaffen, die Deregulierung vorangetrieben und verst&auml;rkt Investitionen in infrastrukturelle Bereiche gelenkt. Heute verzeichnen sowohl ausl&auml;ndische als auch einheimische Investitionen einen Boom. Indonesiens Investitionsraten haben einen stetigen Aufw&auml;rtstrend gezeigt und z&auml;hlen gegenw&auml;rtig zu den h&ouml;chsten in den gro&szlig;en Entwicklungsl&auml;ndern. Ein Gutteil dieser Dynamik kann auf das Reformprogramm der Regierung zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werden, das Handel und Finanzen liberalisierte und ausl&auml;ndische Investitionen sowie Deregulierung ermutigte.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Als sei zwischenzeitlich nichts geschehen, tauchte diese Einsch&auml;tzung sogar noch im Fr&uuml;hjahr 1998 auf der WB-Website auf. Kritiker der Weltbank hatten demgegen&uuml;ber hervorgehoben, dass diese im Falle Indonesiens stets dazu geneigt hatte, Jakartas Wirtschaftspolitik als zu rosig einzusch&auml;tzen. Dies f&uuml;hrte in der Regel dazu, dass ausl&auml;ndische Fondsmanager und Gl&auml;ubiger auf den Plan traten und Kredite, hauts&auml;chlich solche mit kurzer Laufzeit, ins Land pumpten. WB-Pr&auml;sident Wolfensohn wurde vorgeworfen, die Bank h&auml;tte die eigentlichen Probleme des Landes (Korruption, Nepotismus und ein schwaches Bankensystem) verkannt, weil sie fortgesetzt das Suharto-Regime pries und ihm einen Persilschein ausstellte. Die Haltung der Bank, so das Fazit der Kritiker, habe letztlich dazu beigetragen, Reformen zu entmutigen, Monopole intakt und Kreditaufnahmen aus dem Ausland freien Lauf zu lassen. [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p>Da die Krise im Kern eine des privaten Sektors war, der in der Vergangenheit, nicht zuletzt im Sog der vielgepriesenen Liberalisierung des Kapitalverkehrs, m&uuml;helos und in betr&auml;chtlichem Umfang Darlehen aufnehmen konnte, gerieten zunehmend die Rezepte des IWF, in Krisenzeiten noch st&auml;rker auf Liberalisierung des Finanzsektors zu dr&auml;ngen und damit die Krisenanf&auml;lligkeit insgesamt zu steigern, ins Kreuzfeuer der Kritik. Der damalige Chef&ouml;konom der Weltbank, Joseph Stiglitz, musste w&auml;hrend einer Rede am 7. Januar 1998 in Helsinki selbstkritisch eingestehen, dass Finanzm&auml;rkte nicht gut daran t&auml;ten, produktivste Empf&auml;nger von IWF-Krediten zu selektieren oder die Kontrolle solcher Fonds anzustreben. &Uuml;berdies gelte eine Art Doppelstandard bei der Behandlung &bdquo;einheimischer&ldquo; und &bdquo;ausl&auml;ndischer&ldquo; Interessen. Einheimische Firmen seien der Gnade des Marktes &uuml;berlassen, w&auml;hrend ausl&auml;ndische Investoren aufgrund des schlie&szlig;lich geschn&uuml;rten IWF-Kreditpakets in H&ouml;he von 43 Mrd. US-Dollar erweiterte Besitzrechte gen&ouml;ssen, gr&ouml;&szlig;ere M&ouml;glichkeiten zum <em>&bdquo;debt-to-equity swap&rdquo;<\/em> h&auml;tten und im Konkurrenzkampf mit asiatischen Unternehmen besser gewappnet seien.<\/p><p><strong>Krisenmanagement seitens Weltbank &amp; IWF<\/strong><\/p><p>Mitte Januar 1998 sorgten zwei Berichte f&uuml;r Furore: ein publik gewordener, urspr&uuml;nglich nur f&uuml;r den internen Gebrauch vorgesehener Report des IWF sowie das ausf&uuml;hrliche Indonesien-Dossier in dem Londoner Wirtschaftsmagazin <em>The Economist<\/em>. Zu den seitens Jakartas einzul&ouml;senden Bedingungen f&uuml;r die Gew&auml;hrung des 43-Mrd.-US-Dollar-Pakets geh&ouml;rte die Aufl&ouml;sung von 16 als insolvent eingestuften Banken. Allein diese Nachricht hatte schiere Panik ausgel&ouml;st und dem ohnehin ersch&uuml;tterten Finanzsektor einen zus&auml;tzlichen Hieb versetzt. Gro&szlig;e US-amerikanische und britische Tageszeitungen berichteten &uuml;ber dieses interne <em>Indonesien-Memo<\/em> des Fonds, wonach nunmehr selbst innerhalb des IWF erkannt worden sei, dass ein bedeutsamer Teil der in diesem Paket enthaltenen Strategien verpufft sei, zus&auml;tzlich Panik gesch&uuml;rt und nahezu s&auml;mtliche Finanzm&auml;rkte in Asien tiefer in den Abwertungsstrudel gerissen habe. Allein die Ank&uuml;ndigung, die fraglichen 16 Banken zu schlie&szlig;en, h&auml;tte das Restvertrauen der indonesischen Bev&ouml;lkerung in das Bankensystem v&ouml;llig zunichte gemacht und &uuml;ber zwei Dritteln aller Banken im Lande auf einen Schlag zus&auml;tzlich zwei Mrd. US-Dollar entzogen.<\/p><p>Titelbild: Syarif Abdurrahman\/shutterstock.com<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkungen &amp; weiterf&uuml;hrende Literatur<\/strong><\/p><p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Nach dem Indonesienbesuch von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl Ende Oktober 1996 konnte sich u.a. die zentraljavanische Textilfirma Sritex im M&auml;rz 1997 einen Auftrag in H&ouml;he von umgerechnet 10,4 Mio. US-Dollar f&uuml;r das N&auml;hen von 500.000 Bundeswehruniformen sichern &ndash; s. auch Anm. 9. &ndash; Kohl weilte w&auml;hrend seiner Amtszeit insgesamt viermal zur Staatsvisite in Indonesien.<\/p><p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Siehe u.a. das 143-seitige Sonderheft &bdquo;East Timor, Indonesia, and the World Community: Resistance, Repression, and Responsibility&ldquo; des Bulletin of Concerned Asian Scholars (BCAS, Vol. 32, Nos. 1 &amp; 2) vom Januar-Juni 2000, Cedar, MI 49621-9434, USA; Anderson, Benedict R.\/McVey, Ruth (1978): What Happened in Indonesia?, in: New York Review of Books, Vol. 25, No. 9, 1. Juni, New York sowie Chomsky\/Herman, s. Anm. 4.<\/p><p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Ausf&uuml;hrlich in: Werning, Rainer (1985): Indonesien 1965 &ndash; 1985: Lange Schatten des Terrors, M&uuml;nster.<\/p><p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Chomsky, Noam\/Herman, Edward S. (1979): The Politicial Economy of Human Rights (2 vols.), Boston.<\/p><p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Handelsblatt, 6. Januar 1970, D&uuml;sseldorf.<\/p><p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Zit. nach: Sendemanuskript des WDR-Fernsehmagazins Monitor, ausgestrahlt von der ARD am 10. Oktober 1996, K&ouml;ln.<\/p><p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Ebd.<\/p><p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Ebd.<\/p><p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Anl&auml;sslich des Indonesienbesuchs von Helmut Kohl Ende Oktober 1996 (s. auch Anm. 1) kam man beim Thema Menschenrechte nicht so recht voran. Die S&uuml;ddeutsche Zeitung w&auml;hlte in ihrer Ausgabe vom 29. Oktober 1996 f&uuml;r das traute T&ecirc;te-&agrave;-T&ecirc;te der beiden Staatsm&auml;nner die Titel&uuml;berschrift: &bdquo;Freiheit f&uuml;r die Schildkr&ouml;ten &ndash; Kohls Angelpartie mit Suharto machte die Kanzlerbegleiter schweigsamer zum Thema Menschenrechte als die Indonesier&ldquo;. Den Text zierte ein Agenturfoto von Associated Press mit der verschmitzten Unterzeile: &bdquo;Das Schweigen der Schildkr&ouml;ten: Helmut Kohl und sein freundlicher Gastgeber Suharto befreien Gefangene in Indonesien&ldquo;.<\/p><p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Booth, Anne (2002): Crisis and poverty, in: Inside Indonesia No. 69, January-March, S. 6f., Collingwood, Vic 3066, Australia.<\/p><p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Beispielsweise die Beitr&auml;ge &bdquo;Indonesien leitet beherzt die wirtschaftlichen Reformen ein&rdquo; in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 3. November 1997 und &bdquo;Tigerstaaten r&auml;umen auf&rdquo; im D&uuml;sseldorfer Handelsblatt vom 5. Januar 1998 sowie den &uuml;berschw&auml;nglich optimistischen Artikel &bdquo;Making Money: Our international team of money-market hunters sees plenty of promise in Asia&rsquo;s economic entrails&rdquo; zum Auftakt des &bdquo;Jahr des Ochsen&rdquo; in dem Wirtschaftsmagazin Asia, Inc., M&auml;rz 1997, S. 71ff., Hong Kong.<br>\n&ndash; Auff&auml;llig war, dass dieselben Instanzen (Finanzinstitute und mit makro&ouml;konomischen L&auml;nderanalysen befasste Rating Agencies), die zuvor die asiatischen Boom&ouml;konomien unisono gelobt und mit kr&auml;ftigen Finanzspritzen versehen hatten, nunmehr Kassandrarufe ausstie&szlig;en und auf die Installierung eines Fr&uuml;hwarnsystems pochten. Der damalige Vorstandssprecher der Commerzbank, Martin Kohlhaussen, hatte seinerzeit die westlichen Zentralbanken aufgefordert, die M&auml;rkte st&auml;rker zu kontrollieren und von den betroffenen Krisenl&auml;ndern verl&auml;sslichere wirtschaftliche Eckdaten einzuklagen.<\/p><p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Pasuhuk, Hendra (2000): Der Weg in die Krise &ndash; ein R&uuml;ckblick, in: Indonesien &ndash; der dornige Weg in die Demokratie, hg. von der Indonesien-Arbeitsgemeinschaft, S. 20-23, Berlin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am liebsten sah sich Hadji Mohamed Suharto als &bdquo;Bapak&ldquo;, als l&auml;chelnder Landesvater. Zum L&auml;cheln hatte er wahrlich Grund: Unangefochten lenkte der Ex-General &uuml;ber drei Jahrzehnte die Geschicke Indonesiens &ndash; mit &uuml;ber 17.000 Inseln und seinerzeit 215 Millionen Einwohnern das fl&auml;chenm&auml;&szlig;ig gr&ouml;&szlig;te und bev&ouml;lkerungsreichste Land S&uuml;dostasiens. Er genoss das zweifelhafte Privileg, dienst&auml;ltester Diktator in der Region<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98054\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":98055,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,198,126,135,20],"tags":[1188,1620,589,295,2177,2989,2377,600],"class_list":["post-98054","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-erosion-der-demokratie","category-finanzpolitik","category-landerberichte","tag-bankenregulierung","tag-indonesien","tag-iwf","tag-kohl-helmut","tag-militaerdiktatur","tag-suharto-haji-mohamed","tag-waffenlieferungen","tag-weltbank"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/Shutterstock_1812156148.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/98054","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=98054"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/98054\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":98118,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/98054\/revisions\/98118"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/98055"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=98054"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=98054"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=98054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}