{"id":9830,"date":"2011-06-18T10:12:10","date_gmt":"2011-06-18T08:12:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9830"},"modified":"2014-09-01T13:43:40","modified_gmt":"2014-09-01T11:43:40","slug":"die-systemfrage-ist-gestellt-sichtbar-an-der-entscheidung-uber-den-spd-kanzlerkandidaten-durch-die-finanzwirtschaft-peer-steinbruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9830","title":{"rendered":"Die Systemfrage ist gestellt \u2013 sichtbar an der Entscheidung \u00fcber den SPD-Kanzlerkandidaten durch die Finanzwirtschaft: Peer Steinbr\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Es ist bekannt, dass der fr&uuml;here Bundesfinanzminister Lafontaine mit seinen G8-Kollegen Ende 1998 \/ Anfang 1999 &uuml;ber grundlegend neue Regulierungen der internationalen Finanzm&auml;rkte beraten hat und konkrete Ergebnisse erzielt waren. Jetzt berichtete mir ein Mitarbeiter des damaligen Bundesfinanzministers, der amerikanische Finanzminister habe dann am Rande des Geschehens gegen&uuml;ber seinem deutschen Kollegen angemerkt, er, Lafontaine, werde doch wohl nicht annehmen, dass diese neuen Regeln die Zustimmung des amerikanischen Pr&auml;sidenten bek&auml;men. Schlie&szlig;lich habe Wall Street den Wahlkampf des amtierenden Pr&auml;sidenten Clinton bezahlt. &ndash; Die Verh&auml;ltnisse bei uns sind nicht anders. Merkel achtet wie schon Schr&ouml;der auf die Interessen der Finanzwirtschaft und hat uns Steuerzahler schon mit weit &uuml;ber 100 Milliarden &euro; zu Gunsten der Finanzwirtschaft in Haftung genommen. Und jetzt, in diesen Tagen k&uuml;mmert sich die umsichtige Finanzwirtschaft vorsorglich auch um die Nominierung des SPD-Kanzlerkandidaten. Man kann ja nie wissen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Steinbr&uuml;ck ist f&uuml;r die Finanzindustrie ein idealer Kandidat<\/strong><\/p><p>Wir beobachten in diesen Tagen mit Staunen den rasanten Aufstieg des ehemaligen Finanzministers und gescheiterten NRW-Ministerpr&auml;sidenten Peer Steinbr&uuml;ck. F&uuml;r viele Beobachter ist dies ein R&auml;tsel. Dies ist es nicht, wenn man bedenkt, dass die Finanzwirtschaft, die gro&szlig;en Einfluss auf die ver&ouml;ffentlichte und &ouml;ffentliche Meinung hat, in Peer Steinbr&uuml;ck einen f&uuml;r sie idealen Kanzlerkandidaten der SPD ausgemacht hat. Wenn man dies ergr&uuml;nden will, dann versetzt man sich sinnvoller Weise in die Lage der Strategen der Finanzwirtschaft und der f&uuml;r sie t&auml;tigen Public-Relations-Agenturen. Wir k&ouml;nnen davon ausgehen, dass dort clevere Strategen t&auml;tig sind und sie zudem &uuml;ber gro&szlig;e Finanzen verf&uuml;gen. Die Ergebnisse ihrer Strategieplanung d&uuml;rfte so aussehen: <\/p><p><strong>1. Die Chancen, dass die SPD F&uuml;hrung den SPD Gremien empfiehlt, Peer Steinbr&uuml;ck zum Kanzlerkandidaten zu nominieren, sind gro&szlig;, wenn mit massiver Public-Relations-Arbeit daf&uuml;r gesorgt wird, dass er als popul&auml;r gilt.<\/strong><\/p><p>Die Strategen der Finanzwirtschaft k&ouml;nnen sich dabei darauf verlassen, dass sachliche Gesichtspunkte und eigene wahlstrategische &Uuml;berlegungen in der heutigen SPD F&uuml;hrung nicht den notwendigen Raum finden. Dort entscheidet man sehr viel eher nach der aktuellen Popularit&auml;t des zur Wahl stehenden Spitzenpersonals. Au&szlig;erdem wissen die Strategen der Finanzwirtschaft um ihren Lobby-Einfluss beim rechten Fl&uuml;gel der SPD F&uuml;hrung, bei den Seeheimern und den Netzwerkern.<\/p><p><strong>2. Die Chancen, dass Steinbr&uuml;ck 2013 die Bundestagswahl gewinnt und Bundeskanzler wird, sind vermutlich sehr gering. Die SPD wird mit ihm nicht sonderlich gut abschneiden und er wird keine mehrheitsf&auml;hige Koalition schmieden k&ouml;nnen.<\/strong><\/p><p>Darauf setzt die Finanzwirtschaft  zu aller erst. Denn Schwarz-Gelb oder Schwarz-Gr&uuml;n ist ihr trotz aller Dienstfertigkeit von Rot-Gr&uuml;n immer noch lieber. <\/p><p><strong>Warum werden die Chancen eines Kanzlerkandidaten Steinbr&uuml;ck gering sein:<\/strong><br>\nDass Steinbr&uuml;ck jetzt auf allen Kan&auml;len pr&auml;sentiert wird und dass er zum Beispiel beim ZDF-Politikbarometer die Nummer eins von zehn abgefragten Personen erreicht (<a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/zdf-politbarometer-steinbrueck-auf-anhieb-beliebtester-politiker-1694672.html\">ein Link<\/a> f&uuml;r viele &auml;hnliche Meldungen), sagt &uuml;ber seine W&auml;hlerwirksamkeit als Kandidat im Jahre 2013 nahezu nichts: <\/p><p><strong>Erstens<\/strong> flie&szlig;t bis dahin noch viel Wasser den Rhein hinunter. Ihn jetzt popul&auml;r zu machen und hochzujubeln und seinen Stern dann gezielt und rechtzeitig zum Wahltermin wieder sinken zu lassen, geh&ouml;rt mit zur Strategie. Das ist schon einmal, n&auml;mlich mit Rudolf Scharping, meisterhaft zelebriert worden. Er wurde im Herbst und Winter 1993 hoch geschrieben und hoch gesendet. Im Fr&uuml;hjahr 1994, ein halbes Jahr vor dem Wahltermin, lie&szlig; man ihn dann &uuml;ber eine harmlose Angelegenheit, &uuml;ber die Verwechslung von Brutto und Netto, stolpern. So schnell, wie seine Popularit&auml;t gestiegen war, so schnell war sie auch wieder zerronnen.<br>\nBei Steinbr&uuml;ck wird man im Laufe des Wahlkampfes dann alle jene S&uuml;nden zu Gunsten der Finanzwirtschaft und zulasten der Steuerzahler hervor holen. (Siehe Ziffer 3). Dann wird rechtzeitig vor dem Wahltermin die Interessenverflechtung mit der Finanzwirtschaft r&uuml;ckerinnert und bekannt gemacht. Dann wird auch die wirtschaftspolitische und finanzpolitische Unf&auml;higkeit dieses Kanzlerkandidaten thematisiert werden. Dann wird sichtbar werden, dass er alles andere als ein gro&szlig;es Licht ist. Dann wird man seinen schnoddrigen Ton nicht mehr bewundern, sondern dar&uuml;ber l&auml;stern.<\/p><p><strong>Zweitens<\/strong> sagt die Popularit&auml;t bei der Gesamtbev&ouml;lkerung, also bei den Anh&auml;ngern aller Parteien, reichlich wenig dar&uuml;ber aus, welchen Anteil ein solcher Kandidat dann f&uuml;r seine eigene Partei gewinnen kann. Das ist jedoch entscheidend. Mit Steinbr&uuml;ck w&uuml;rde es ungef&auml;hr so laufen wie zwischen 1974 und 1982 mit Helmut Schmidt. Man w&uuml;rde in konservativen Kreisen sagen: &bdquo;Ein vern&uuml;nftiger Mann, leider in der falschen Partei&ldquo;. &ndash; Helmut Schmidt hat f&uuml;r seine Partei und die damalige SPD-FDP-Koalition schon bei der ersten Wahl im Herbst 1976 gegen den neuen Oppositionsf&uuml;hrer Helmut Kohl nur mit &auml;u&szlig;erst knapper Mehrheit gewonnen, und dann 1980 so knapp, dass die Regierung 1982 nach nur zwei Jahren zu Ende war.<\/p><p><strong>Drittens<\/strong> gewinnt ein Kandidat einer so genannten Volkspartei, was die SPD immer noch sein will und auch sein muss, wenn sie den Kanzler stellen will, nur dann, wenn sie breit antritt. Im konkreten Fall der SPD hei&szlig;t dies, dass auch jene W&auml;hler, die auf soziale Gerechtigkeit, auf soziale Sicherheit und auf aktive Besch&auml;ftigungspolitik pochen, sich in der Person des Kanzlerkandidaten wieder finden m&uuml;ssen. Das wird bei Steinbr&uuml;ck nicht der Fall sein. Er vertritt nur ein Segment des Potenzials der SPD.<br>\nDiese Tatsache d&uuml;rfte einer der Gr&uuml;nde daf&uuml;r gewesen sein, dass Steinbr&uuml;ck als Ministerpr&auml;sident in Nordrhein-Westfalen abgew&auml;hlt wurde. <\/p><p>Zur Erinnerung die <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,druck-357071,00.html\">Meldung von SPON<\/a>:<\/p><blockquote><p>22. Mai 2005, 23:22 Uhr<br>\n<strong>NRW-Wahl<br>\nSPD abgew&auml;hlt, CDU triumphiert<\/strong><br>\nDie letzte rot-gr&uuml;ne Landesregierung ist abgew&auml;hlt. In Nordrhein-Westfalen m&uuml;ssen die Sozialdemokraten ihr schlechtestes Ergebnis seit 50 Jahren hinnehmen. Laut vorl&auml;ufigem amtlichen Endergebnis kommt die SPD auf nur noch 37,1 Prozent. Die CDU erreicht 44,8 Prozent. D&uuml;sseldorf steht vor einem Regierungswechsel. (&hellip;)<\/p><\/blockquote><p>Solche Meldungen werden bei der SPD F&uuml;hrung heute vermutlich im Panzerschrank aufbewahrt. Darauf k&ouml;nnen sich die Strategen der Finanzwirtschaft verlassen.<\/p><p>Es liegt im Interesse der Finanzwirtschaft, der SPD einen Kandidaten aufzuschw&auml;tzen, der geringe Siegeschancen hat. Im Interesse der SPD liegt das nicht. Aber die Interessen der SPD und ihrer Mitglieder spielen offensichtlich eine geringere Rolle bei der Wahl des eigenen Kanzlerkandidaten als die Interessen Dritter und Au&szlig;enstehender. Die SPD ist fremdbestimmt. Diese Erkenntnis ist eine der wichtigen Kategorien f&uuml;r die Suche nach der Erkl&auml;rung des Verhaltens ihrer F&uuml;hrung.<br>\nDas wissen die Strategen der Finanzwirtschaft. Sie wissen, dass sie mit dieser Parteif&uuml;hrung ein leichtes Spiel haben. Fairerweise muss man erg&auml;nzen, dass es um CDU, CSU, FDP, Gr&uuml;ne und mit den sogenannten Reformen bei der Linkspartei kaum anders bestellt ist.<\/p><p><strong>3. Wenn Steinbr&uuml;ck trotz alledem die Wahlen gewinnen und Bundeskanzler werden sollte, dann ist das auch nicht schlimm, dann kann sich die Finanzwirtschaft darauf verlassen, dass er ihre Interessen wahrnimmt.<\/strong><\/p><p>In den NachDenkSeiten wie auch in den Kritischen Jahrb&uuml;chern (<a href=\"?page_id=3579\">zum Beispiel Kapitel 5<\/a>) und in &bdquo;Meinungsmache&ldquo; (<a href=\"?page_id=4080\">zum Beispiel Kapitel 12<\/a>) finden Sie Dutzende von Artikeln und Belegen daf&uuml;r, wie Steinbr&uuml;ck als nordrhein-westf&auml;lischer Ministerpr&auml;sident und auch als Bundesfinanzminister den Interessen der Finanzwirtschaft gedient hat. <\/p><p>Ein paar Beispiele:<\/p><ul>\n<li>Er hat zu Gunsten der Finanzwirtschaft dereguliert, weil er den so genannten &bdquo;Finanzplatz Deutschland&ldquo; nach dem Vorbild von London und New York f&uuml;r Investmentbanker und Spekulanten &ouml;ffnen wollte und ge&ouml;ffnet hat.<\/li>\n<li>Steinbr&uuml;ck hatte auf SPD-Seite 2005 f&uuml;r die Koalitionsvereinbarung der Gro&szlig;en Koalition bestimmenden Einfluss und hat dabei weitere Deregulierungen zu Gunsten der Finanzwirtschaft vereinbart. (Siehe Seite 73 und 74 des <a href=\"http:\/\/www.cdu.de\/doc\/pdf\/05_11_11_Koalitionsvertrag.pdf\">Koalitionsvertrages<\/a> und eine <a href=\"?p=4175\">Nachbetrachtung<\/a>)<\/li>\n<li>Steinbr&uuml;ck hat als Bundesfinanzminister daf&uuml;r gesorgt, dass die bundeseigene KfW Milliarden in die private Industriekreditbank (IKB) investiert. Verlorenes Geld. Mindestens 8 Milliarden &euro;.<\/li>\n<li>Er hat als Bundesfinanzminister nichts dagegen getan, dass private Banken der IKB vorher noch ihre schlechten Risikopapiere verkauften und die Verluste der IKB erh&ouml;hten.<\/li>\n<li>Steinbr&uuml;ck hat zusammen mit Angela Merkel Ende September 2008 die Rettung der HRE durchgesetzt. Er hat damit nicht unsere Volkswirtschaft, sondern Banken und andere Gl&auml;ubiger gerettet, die Millionen und Milliarden spekulativ bei diesem M&uuml;nchner Bankinstitut investiert hatten. (Siehe dazu <a href=\"?p=3592\">zum Beispiel hier<\/a>) Die Verluste f&uuml;r uns Steuerzahler d&uuml;rften inzwischen die 100 Milliarden Grenze &uuml;berschritten haben. Vermutlich erweist sich diese Merkel- und Steinbr&uuml;ck&rsquo;sche &bdquo;Investition&ldquo; als dauerndes Milliardengrab.<\/li>\n<li>Steinbr&uuml;ck hat mitgeholfen, der Allianz AG die gro&szlig;e Last der maroden Dresdner Bank abzunehmen und die davon belastete Commerzbank zu 25 % f&uuml;r 18,2 Milliarden in Bundeshand zu &uuml;bernehmen. &Uuml;brigens: ein riesiger Betrag f&uuml;r einen l&auml;cherlich kleinen Anteil an der Commerzbank. So sind sie, die sparsamen Finanzminister, wenn es um die Bedienung von Freunden geht. (<a href=\"?p=3698\">N&auml;heres hier<\/a>)<\/li>\n<li>Steinbr&uuml;ck hat in seiner Zeit als Bundesfinanzminister die Privatisierung gef&ouml;rdert und speziell die Privatisierung &ouml;ffentlicher Wohnungsbest&auml;nde erleichtert.<\/li>\n<li>Er hat sich auch in der Wirtschafts- und Konjunkturpolitik als Vertreter insbesondere der Exportwirtschaftsinteressen profiliert. Er war noch in der zweiten H&auml;lfte des Jahres 2008, als die Wirtschaftskrise schon &uuml;berall sichtbar war, gegen konjunkturpolitische Ma&szlig;nahmen. (Siehe dazu ausf&uuml;hrlich in <a href=\"?page_id=4080\">&bdquo;Meinungsmache&ldquo;<\/a> Kapitel 12: &ldquo;Inkompetenz in der Wirtschaftspolitik&ldquo;.) Mit Steinbr&uuml;ck h&auml;tte man einen Bundeskanzler, der die Interessen und die Linie der Wirtschaft vertritt und diese innerhalb seiner Partei durchsetzt. Ein idealer Kandidat!<\/li>\n<\/ul><p>Dass Steinbr&uuml;ck in der Vergangenheit die Interessen der Finanzwirtschaft vertreten hat, ist heute verdr&auml;ngt und vergessen. Das ist das Ergebnis des machtvollen Einflusses der Public Relations zu Gunsten des Aufbaus dieser Person zum potentiellen Kandidaten der SPD. Die totale Manipulation ist m&ouml;glich. Das beweist dieser Vorgang wieder einmal.<\/p><p><strong>4. Ein wichtiger Nebeneffekt f&uuml;r das konservative Lager: Nominiert die SPD Steinbr&uuml;ck, dann wird damit noch ein St&uuml;ck weiter der Weg f&uuml;r Schwarz-Gr&uuml;n bereitet, falls es f&uuml;r Schwarz-Gelb nicht reicht.<\/strong><\/p><p>Das ist ein wichtiger Nebeneffekt. So wie systematisch und wahrheitswidrig von einigen Journalisten, von Wissenschaftlern und Politikern in der &Ouml;ffentlichkeit propagiert worden ist, die CDU der Angela Merkel sei &bdquo;sozialdemokratisiert&ldquo; (Siehe <a href=\"?p=4283\">z.B. hier<\/a>) und wie damit eine Br&uuml;cke f&uuml;r die Gr&uuml;nen zu B&uuml;ndnissen mit der Union gebaut worden ist, so wird die Nominierung Steinbr&uuml;cks als Kanzlerkandidat der SPD wie ein Br&uuml;ckenbau f&uuml;r die Gr&uuml;nen zu Gunsten von Schwarz-Gr&uuml;n wirken. Nahezu jedem potentiellen W&auml;hler und vor allem den Mitgliedern der Gr&uuml;nen wird man vermitteln k&ouml;nnen, dass Angela Merkel auch nicht schlimmer sei als Steinbr&uuml;ck. Das wird Gr&uuml;nen, die wie der baden-w&uuml;rttembergische Ministerpr&auml;sident Kretschmann schon jetzt den Weg zu Schwarz-Gr&uuml;n bereiten, das Gesch&auml;ft erleichtern.<br>\nDass die SPD F&uuml;hrung diesen Nebeneffekt nicht erkennt, spricht daf&uuml;r, dass die SPD F&uuml;hrung nicht durchblickt oder das es dieser F&uuml;hrung egal ist, ob sie den Kanzler stellt, oder ob sie als Anh&auml;ngsel oder &uuml;berhaupt nicht regiert. Oder es spricht daf&uuml;r, dass die analytische Kraft der F&uuml;hrungskreise der SPD so schwach und d&uuml;rftig ist, dass man dort solche wichtigen Nebeneffekte nicht mehr erkennt.<\/p><p><strong>Die Kanzlerkandidatur Steinbr&uuml;ck ist das Kunstprodukt einer hoch effizienten und finanziell gut ausgestatteten PR-Maschinerie.<\/strong><\/p><p>Sie sorgt daf&uuml;r, dass Peer Steinbr&uuml;ck auf allen Kan&auml;len propagiert wird. Wenn Sie bei Google heute &bdquo;Kanzlerkandidat Steinbr&uuml;ck&ldquo; eingeben, werden Ihnen 6.140 Ergebnisse angezeigt. Die PR-Maschinerie sorgt vermutlich auch daf&uuml;r, dass das ZDF Politikbarometer entsprechend arrangiert wurde. Wir wissen ja: Umfragen dienen nicht nur der Erhebung des Meinungsbildes, sondern auch der Meinungsmache.<br>\nEs ist davon auszugehen, dass die Finanzindustrie viele Millionen, vermutlich Hunderte von Millionen, in die Werbe- und PR-Wirtschaft  pumpt. Leider gibt es daf&uuml;r keine umfassenden Belege sondern immer nur Indizien. So zum Beispiel die massive Begleitung des Bundestagswahlkampfs 1998 durch Anzeigenkampagnen der Versicherungswirtschaft und Banken. So zum Beispiel die massiven Kampagnen &uuml;ber den demographischen Wandel und zu Gunsten der Privatisierung der Altersvorsorge, die der Finanzwirtschaft zugute kommt. So zum Beispiel die immer wiederkehrenden Behauptungen, die &ouml;ffentlichen Banken seien die schlimmsten Versager. Das war eine wichtige Strategie zur Reinwaschung der privaten Banken im Zusammenhang mit der Rettung von IKB und HRE. Immer wieder tauchte damals zum Beispiel die Behauptung auf, die IKB sei eine &ouml;ffentliche Bank. Das war sie nie und schon gar nicht, bevor die KfW von der Bundesregierung gezwungen wurde, bei dieser privaten Bank einzusteigen.<\/p><p>Die Mehrheit der Medien spielt das Spiel der Meinungsmache zu Gunsten der Finanzwirtschaft mit. Sie lassen Steinbr&uuml;ck hochleben, sie fragen nicht kritisch nach zu seinen bisherigen Taten zu Gunsten der Finanzwirtschaft, sie erw&auml;hnen nicht sein Scheitern als Ministerpr&auml;sident in Nordrhein-Westfalen und seine offenkundig mangelnde Attraktivit&auml;t als Wahlk&auml;mpfer, sie beschreiben nicht seine wirtschaftspolitische Unf&auml;higkeit, sie erg&ouml;tzen sich an seiner relativ schnellen Sprache.<br>\nDass die Medien so unkritisch sind, hat viel mit der wachsenden Abh&auml;ngigkeit der meisten Medien von der werbetreibenden Wirtschaft zu tun. Das konnte man schon beim Wahlkampf 1998 beobachten, als die erw&auml;hnte Kampagne zu Gunsten der Privatisierung der sozialen Sicherungssysteme lief. Das kann man heute an der Dominanz der Finanzwirtschaft bei Fernsehspots und Anzeigen beobachten.<br>\nJe mehr Abonnenten und K&auml;ufer die Medien verlieren, umso abh&auml;ngiger werden sie von Werbung und PR. Heute regieren die gro&szlig;en Werbetreibenden in vielerlei Weise in die Redaktionen hinein.<\/p><p>Im Fall Steinbr&uuml;ck kann man leider auch beobachten, wie wenig resistent das so genannte gebildete B&uuml;rgertum gegen Propagandaaktionen ist. Man begegnet auffallend h&auml;ufig Vertretern dieses Milieus, von denen man nicht erwartet h&auml;tte, dass sie bewundernd glauben, was &uuml;ber Peer Steinbr&uuml;ck erz&auml;hlt wird, dass sie den Umfragen glauben, dass sie so vergesslich sind wie die Bildzeitungsleser und seine Taten, die zum Teil ja nur drei Jahre zur&uuml;ckliegen, als Urteilskriterien schlicht ausblenden.<\/p><p>&Uuml;brigens hat der amerikanische Wissenschaftler Robert W. McChesney schon in den neunziger Jahren ein interessantes Buch &uuml;ber das Zusammenspiel von Madison Avenue, der Adresse der Werbewirtschaft in New York, und Wall Street ver&ouml;ffentlicht. &bdquo;Rich Media. Poor Democracy&ldquo; war sein Titel.<\/p><p><strong>Wenn die Finanzwirtschaft die sie betreffende Gesetzgebung bestimmt, wenn die Finanzwirtschaft amerikanische Pr&auml;sidenten macht und de facto den Kanzlerkandidaten der &auml;ltesten deutschen Partei k&uuml;rt, dann ist die Demokratie in Not. Dann funktioniert das System nicht mehr und es w&auml;re eine System&auml;nderung f&auml;llig.<\/strong><\/p><p>McChesney sprach von Poor Democrsacy. Sie ist in der Tat arm dran, wenn die Politik in den F&auml;ngen der Finanzwirtschaft ist, wie wir in den NachDenkSeiten schon oft geschrieben und dies auch belegt haben (Siehe die Serie <a href=\"?category_name=finanzkrise\">Finanzkrise<\/a> und <a href=\"?category_name=politische-korruption\">politische Korruption<\/a>). Beim <a href=\"?p=9723\">Pleisweiler Gespr&auml;ch vom 5. Juni<\/a> wie auch in ihrem Buch <a href=\"?p=9632\">&bdquo;Freiheit statt Kapitalismus&ldquo;<\/a> hat Sahra Wagenknecht genau auf diese Zerst&ouml;rung der Demokratie hingewiesen und Vorschl&auml;ge zur Linderung der Gefahren gemacht. Sie will das System zumindest insoweit ver&auml;ndern, als Banken, Versicherungen und andere Akteure der Finanzwirtschaft in &ouml;ffentliche Hand &uuml;bernommen werden und im &ouml;ffentlichen Interesse reguliert werden sollen &ndash; &auml;hnlich wie bisher die Sparkassen.<\/p><p>Des &Ouml;fteren bem&auml;ngeln Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten, dass sie bei uns in der Regel &Auml;nderungsvorschl&auml;ge finden, die das System, wie sie es nennen, nicht infrage stellen. Ich habe bei solcher Kritik bisher meist kritisch nachgefragt, was man mit System&auml;nderung meint. Nach den Gespr&auml;chen mit Sahra Wagenknecht bin ich etwas vorsichtiger geworden. Wir schreiben ja selbst, wie zuvor berichtet, die Finanzwirtschaft bestimme weit gehend, was bei uns geschieht:<\/p><ul>\n<li>Wir beschreiben zum Beispiel in der erw&auml;hnten Rubrik Finanzkrise, wie sich dieser Wirtschaftszweig jeder Regelung entzieht und wie die Politik im Interesse der Finanzwirtschaft den Steuerzahler und k&uuml;nftige Generationen mit Milliarden belastet, um die Wettschulden der Finanzspekulanten zu begleichen.<\/li>\n<li>Wir haben bei den Analysen zur Privatisierungsabsicht der Deutschen Bahn und zu anderen Privatisierungen wie auch zum Gesetz zur Beschleunigung der &Ouml;ffentlich Privaten Partnerschaft-Projekte (&Ouml;PP) und zum Bankenrettungsschirm berichtet, wie die Interessen der Finanzwirtschaft federf&uuml;hrend die politischen Entscheidungen bestimmen.<\/li>\n<li>Wir haben immer wieder analysiert, wie die sozialen Sicherungssysteme zu Gunsten der Gewinne der Privatwirtschaft und der privaten Finanzwirtschaft zerst&ouml;rt werden und wie betr&uuml;gerisch es dabei zugeht. (Siehe die Rubrik <a href=\"?cat=40\">&bdquo;Riester-R&uuml;rup-T&auml;uschung&ldquo;<\/a>)<\/li>\n<\/ul><p>Wenn man die Verh&auml;ltnisse so hart analysiert, dann muss man auch bereit sein, &uuml;ber eine &Auml;nderung des Systems nachzudenken. Deshalb habe ich mit der Forderung, die Banken und Versicherungen in &ouml;ffentliche Verantwortung zu &uuml;bernehmen, keine Probleme. Allerdings muss ich vor&uuml;bergehend einwenden, dass die &Uuml;bernahme der Banken und Versicherungen in &ouml;ffentliches Eigentum nichts nutzt, wenn dann Finanzminister wie Sch&auml;uble, Steinbr&uuml;ck und Eichel oder ihre Staatssekret&auml;re und Mitarbeiter vom Schlage Asmussen, Weidmann und Caio Koch-Weser bestimmen, was in diesen Unternehmen geschieht. Sahra Wagenknecht verlangt deshalb Gesetze, die die verstaatlichten, &ouml;ffentlichen Banken verpflichten, auch wirklich im &ouml;ffentlichen Interesse zu handeln. Das kann helfen und wirklich eine &Auml;nderung grundlegender Art bewirken. Wenn man will, kann man dies &bdquo;System&auml;nderung&ldquo; nennen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist bekannt, dass der fr&uuml;here Bundesfinanzminister Lafontaine mit seinen G8-Kollegen Ende 1998 \/ Anfang 1999 &uuml;ber grundlegend neue Regulierungen der internationalen Finanzm&auml;rkte beraten hat und konkrete Ergebnisse erzielt waren. 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