{"id":98949,"date":"2023-06-08T09:30:42","date_gmt":"2023-06-08T07:30:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98949"},"modified":"2023-06-09T10:39:44","modified_gmt":"2023-06-09T08:39:44","slug":"genudelten-konsumenten-schadet-sogar-die-wahrheit-nicht-oder-neues-von-der-tagesschau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=98949","title":{"rendered":"Genudelten Konsumenten schadet sogar die Wahrheit nicht! \u2013 oder: Neues von der Tagesschau"},"content":{"rendered":"<p>Die Stimmungsmache in unseren Leitmedien geschieht in den seltensten F&auml;llen &uuml;ber Fake News &ndash; eher schon &uuml;ber einseitige Perspektiven und das Ausblenden des Kontextes. Hat man den Menschen aber erst einmal das Denken abgew&ouml;hnt, kann man ihnen sogar ab und zu straflos relevante Kontextinformationen liefern. Von <strong>Leo Ensel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9179\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-98949-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230607-Genudelte-Konsumenten-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230607-Genudelte-Konsumenten-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230607-Genudelte-Konsumenten-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230607-Genudelte-Konsumenten-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=98949-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230607-Genudelte-Konsumenten-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230607-Genudelte-Konsumenten-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Ja, auch die &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien liefern manchmal brisante Hintergrundinformationen. Und das sogar zur Primetime! Sie glauben es nicht? Dann schauen Sie sich doch bitte mal die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/tagesschau_20_uhr\/ts-57840.html\">20-Uhr-Tagesschau vom 1. Juni<\/a> an.<\/p><p><strong>Same procedure&hellip;<\/strong><\/p><p>Es begann, im &uuml;blich einseitigen Stil, mit einem fast dreieinhalbmin&uuml;tigen Bericht &uuml;ber den von Tagesschau-Reporter Markus Prei&szlig; flott &bdquo;EU &amp; Friends &ndash; oder: Ziemlich alle au&szlig;er Putin&ldquo; getauften neuen Gipfeltyp von fast 50 europ&auml;ischen Staats- und Regierungschefs in der Republik Moldau &ndash; einem &bdquo;Zeichen der Einheit und Solidarit&auml;t&ldquo;. Und nat&uuml;rlich galt das besondere Interesse des wortgewaltigen Reporters dem olivgr&uuml;nen Auftritt des ukrainischen Pr&auml;sidenten Wolodymyr Selenskyj, der &bdquo;nur 20 Kilometer von der ukrainischen Grenze&ldquo; erneut um Waffen und Kampfjets bat. &bdquo;Jedes europ&auml;ische Land, das an Russland grenzt und nicht von Russland zerrissen werden will, sollte in EU und NATO sein!&ldquo;, t&ouml;nte Selenskyj wie gewohnt. &bdquo;Sonst gibt es nur zwei Optionen: einen offenen Krieg oder schleichende russische Besatzung.&ldquo; Worauf, zum h&ouml;rbaren Bedauern von Prei&szlig;, nur ein wolkiges Statement des Bundeskanzlers folgte. &bdquo;Wirklich klar&ldquo;, so zitierte Prei&szlig; zustimmend den ukrainischen Pr&auml;sidenten, &bdquo;sei nur die NATO&ldquo;.<\/p><p>So weit, so &uuml;blich. Same procedure as last day.<\/p><p>Und sogleich folgte der zweite Streich: Ein Bericht &uuml;ber das Treffen der NATO-Au&szlig;enminister in Oslo, wo man sich einig war, &bdquo;dass die Ukraine k&uuml;nftig Teil des B&uuml;ndnisses werden soll. Wann, ist allerdings unklar.&ldquo; Die T&uuml;r sei offen. &bdquo;Alle sind einverstanden, dass die Ukraine NATO-Mitglied wird&ldquo;, so Generalsekret&auml;r Jens Stoltenberg. Allerdings erst an einem omin&ouml;sen &bdquo;Tag X in der Zukunft&ldquo; nach dem Ende des Krieges, was selbst die junge gr&uuml;ne deutsche Au&szlig;enministerin unmissverst&auml;ndlich betonte.<\/p><p><strong>&hellip;und das Wunder!<\/strong><\/p><p>Aber dann gegen Ende des Beitrags, in der Minute 04:48, geschah es: Tagesschau-Reporter Michael Grytz, dem diese nebul&ouml;se Perspektive offenbar unertr&auml;glich war, konnte nicht mehr an sich halten und schob &ndash; fast bockig &ndash; nach:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Dabei arbeiten NATO und Ukraine seit 25 Jahren eng zusammen. Obwohl nicht Mitglied, hat die Ukraine sogar an NATO-Milit&auml;roperationen teilgenommen, etwa im Kosovo.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Hand aufs Herz: H&auml;tten Sie diese S&auml;tze, diese &bdquo;True News&ldquo;, ausgerechnet in der Tagesschau erwartet? Seit einem Vierteljahrhundert arbeiten also beide Seiten &ndash; und zwar &bdquo;eng&ldquo; &ndash; zusammen! Und nun erinnern Sie sich mal an Ihren Mathematikunterricht in der zweiten Klasse: 2023 minus 25 ist gleich 1998. Hatten Sie damals schon mal den Namen Wladimir Putin geh&ouml;rt?<\/p><p><strong>Kurze R&uuml;ckblende<\/strong><\/p><p>Bereits im M&auml;rz 1997 hatte der Westfreund Boris Jelzin den USA gedroht, sp&auml;testens mit einem NATO-Beitritt der Ukraine w&uuml;rde f&uuml;r Russland eine rote Linie &uuml;berschritten. Man sieht hier (1), wie alt diese Option f&uuml;r den Westen bereits ist, und (2), wie alt die russischen &Auml;ngste vor dieser Option sind! Die theoretischen Grundlagen der US-Strategie hatte, ebenfalls 1997, der ehemalige amerikanische Sicherheitsberater Zbigniew Brzezi&#324;ski in seinem Buch &bdquo;The Grand Chessboard&ldquo; geliefert.<\/p><p>1998: Da war Putin, der ja angeblich die Sowjetunion wiederherstellen will, noch gar nicht an der Macht. Er hatte weder seine mit Standing Ovations gefeierte Rede im Berliner Reichstag &ndash; ein wahres Liebeswerben um eine intensive deutsch-russische Zusammenarbeit &ndash; noch seine Brandrede vor der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz &ndash; eine klare Warnung vor dem Unilateralismus der USA &ndash; gehalten, noch hatte Russland, wie immer noch f&auml;lschlicherweise berichtet wird, Georgien &bdquo;&uuml;berfallen&ldquo; oder die Krim &bdquo;annektiert&ldquo;. Schon gar nicht hatte Putin zu diesem Zeitpunkt einen &bdquo;Vernichtungskrieg gegen die Ukraine&ldquo; vom Zaun gebrochen.<\/p><p>Seit Mitte der Neunzigerjahre &ndash; da waren die Tagesschau-Hintergrundinformationen einen Tick ungenau &ndash; f&uuml;hren allerdings die USA bereits unter dem Etikett &bdquo;Rapid Trident&ldquo; (fr&uuml;her: &bdquo;Peace Shield&ldquo;) auf dem Gebiet der Westukraine j&auml;hrlich Man&ouml;ver mit ukrainischen Truppen durch &ndash; und seit 1997, ebenfalls j&auml;hrlich, die Marineman&ouml;ver &bdquo;Sea Breeze&ldquo; vor der ukrainischen Schwarzmeerk&uuml;ste. Marineinfanteristen &uuml;bten damals in den Regionen Odessa und Mykolajiw Landeoperationen unter Einsatz von Schiffen, Flugzeugen und Panzern. (Im Sommer 2021 waren an diesem Man&ouml;ver mittlerweile Einheiten aus nicht weniger als 32 Staaten beteiligt.) Und zwischen 2003 und 2008 beteiligten sich Tausende ukrainische Soldaten an George W. Bushs &bdquo;Koalition der Willenlosen&ldquo; im Irak, wo sie nach Gro&szlig;britannien sogar das drittgr&ouml;&szlig;te Kontingent stellten &ndash; die zweite nach den Prinzipien der UN-Charta illegale Milit&auml;roperation des hoffnungsfrohen NATO-Nachwuchskandidaten!<\/p><p><strong>Die Preisfrage<\/strong><\/p><p>Und nun die Preisfrage. Wie ist es m&ouml;glich, dass ausgerechnet die Tagesschau die F&auml;hrte zu diesen brisanten Hintergrundinformationen legte? Ganz einfach: Weil man &ndash; und zwar mit vollem Recht &ndash; davon ausgehen kann, dass so gut wie kein Mensch mehr mit- oder nachdenkt, sich gar der M&uuml;he der Rechenleistung &bdquo;2023 minus 25&ldquo; unterzieht&hellip; und am Ende auch noch anf&auml;ngt, eins und eins zusammenzuz&auml;hlen.<\/p><p>Hat man den Menschen das Denken erst abgew&ouml;hnt, hat man die Konsumenten jahre-, jahrzehntelang konditioniert &ndash; sprich: genudelt &ndash;, dann kann man ihnen ab und zu sogar ungestraft die Wahrheit sagen!<\/p><p><em>Dieser Artikel erschien zuerst auf <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/genudelten-konsumenten-schadet-sogar-die-wahrheit-nicht-oder-neues-von-der-tagesschau\/\">Globalbridge<\/a>.<\/em><\/p><p>Titelbild: Tagesschau<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stimmungsmache in unseren Leitmedien geschieht in den seltensten F&auml;llen &uuml;ber Fake News &ndash; eher schon &uuml;ber einseitige Perspektiven und das Ausblenden des Kontextes. 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