{"id":9925,"date":"2011-06-29T19:42:44","date_gmt":"2011-06-29T17:42:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9925"},"modified":"2014-09-04T15:55:12","modified_gmt":"2014-09-04T13:55:12","slug":"der-spiegel-rechnet-mit-schwarz-gelb-ab-bemerkenswert-aber-nicht-sonderlich-glaubwurdig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9925","title":{"rendered":"\u201eDer Spiegel\u201c rechnet mit Schwarz-Gelb ab &#8211; bemerkenswert aber nicht sonderlich glaubw\u00fcrdig."},"content":{"rendered":"<p>Man k&ouml;nnte sich ja dar&uuml;ber freuen. Aber die Abrechnung &ndash; hier das <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/index-2011-26.html\">Inhaltsverzeichnis von Heft 26\/2011<\/a> &ndash; bleibt an der Oberfl&auml;che. Der Spiegel m&auml;kelt an der Regierungsf&auml;higkeit herum. Kritik kommt eher von rechts. Au&szlig;erdem w&auml;re dieser Titel schon vor gut einem Jahr f&auml;llig gewesen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nDie Titelgeschichte beginnt mit der folgenden &Uuml;berschrift und Aufmacher: &bdquo;Die Nicht-Regierung. Angela Merkel bekommt ihre Kanzlerschaft nicht in den Griff. Wieder gibt es Streit, diesmal &uuml;ber die Steuern. Aber es fehlt auch an Handwerk, an einer seri&ouml;sen Grundhaltung zur Politik, an einer konsequenten F&uuml;hrung und an einer gemeinsamen Idee.&ldquo;<\/p><p><strong>Anmerkungen zu einzelnen Passagen:<\/strong><\/p><ol>\n<li>Es fehle eine &bdquo;seri&ouml;se Grundhaltung zum Regieren&ldquo;, es gehe dieser Koalition darum, dass die Parteien CDU, CSU und FDP auf &bdquo;ihre Kosten kommen&ldquo;. &ndash; Die Forderung nach einer seri&ouml;sen Grundhaltung ist berechtigt. Aber dass es an dieser Grundhaltung fehlt und dass stattdessen die Klientel der Koalitisons-Parteien bedient werden sollten, war schon zu Beginn dieser Koalition, schon in der Koalitionsvereinbarung erkennbar. Sp&auml;testens die Bedienung der Spender der FDP unter den Hoteliers durch den &ouml;ffentlichen Steuernachlass h&auml;tte einen Spiegeltitel wie jetzt herausgefordert.<\/li>\n<li>Wie sehr der Spiegel an der Oberfl&auml;che bleibt, erkennt man an der Klage &uuml;ber die handwerkliche Unf&auml;higkeit und den Streit in der Koalition und den Mangel an konsequenter F&uuml;hrung. &bdquo;Es wird nicht regiert, sondern gedealt.&ldquo; Das ist die Kritik am Mangel an Sekund&auml;rtugenden. Dass diese Regierung meistens inhaltlich falsch liegt und sich nach wie vor von neoliberalen Ideologien leiten l&auml;sst, beklagt die Spiegelredaktion nicht.<\/li>\n<li>Auch dass der schwarz-gelben Koalition eine Idee, eine gemeinsame Idee, fehlt, ist nicht neu. Wenn man diesen Mangel beklagt, dann w&auml;re es zumindest hilfreich gewesen, der Spiegel h&auml;tte wenigstens angedeutet, welche Idee dies sein k&ouml;nnte. Den Redakteuren des Spiegel kann dazu nichts einfallen, weil sie dazu auch keine Idee haben;  sie sind in gleicher Weise gepr&auml;gt von der herrschenden Ideologie wie Frau Merkel auch.<\/li>\n<li>Kritisiert wird von rechts. So beklagt der Spiegel die Enthaltung im UNO-Sicherheitsrat zum Thema Libyen als einer der gro&szlig;en Fehlentscheidungen. Wenn die Bundesregierung diese Entscheidung konsequent durchgehalten h&auml;tte, w&auml;re es keine Fehlentscheidung gewesen. Aber ein NATO-gepr&auml;gtes Medienorgan muss das anders sehen. Die Enthaltung beim Libyen-Einsatz ist der einzige Beleg f&uuml;r die Botschaft des Spiegel, &bdquo;Schwarz-Gelb hat auch das Ansehen Deutschlands in dieser Welt nahezu ruiniert.&rdquo; &ndash; Um die Kritik an der Enthaltung zur Milit&auml;rintervention in Libyen glaubw&uuml;rdiger zu machen und zu belegen, wird &uuml;brigens in die Titelgeschichte des Spiegel noch ein Interview mit Ex-Verteidigungsminister Volker R&uuml;he eingebaut.<\/li>\n<li>Die Titelgeschichte enth&auml;lt zwar harte Urteile &uuml;ber Angela Merkel und ihre Regierung, aber sie ist so geschrieben, dass man ihr als Leser oder als Redakteur leicht verzeihen kann, wenn sie sich aus der Sicht der Schreiber verbessert. &bdquo;Merkel ist aus dem Tritt geraten. Ihr fehlt die Sicherheit, und das strahlt sie auch aus. Unsicher, unglaubw&uuml;rdig, weit gehend allein &ndash; sie ist nicht die Kanzlerin, bei der sich Deutschland gerade gut aufgehoben f&uuml;hlen kann.&ldquo; Das ist darauf angelegt, Angela Merkel demn&auml;chst wieder gut zu finden. Darauf deutet auch hin, dass wichtige Botschaften zum &Uuml;berleben dieser Kanzlerin in der Titelgeschichte integriert sind: Unserem Land gehe es &ouml;konomisch gut. Die Konjunktur brumme gerade. Usw.<\/li>\n<\/ol><p>Spiegel online begleitet die vom gedruckten Spiegel &uuml;berbrachte Botschaft mit eigenen Artikeln. Am 28. Juni 2011 erschien dort eine Geschichte mit dem Titel: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,druck-770695,00.html\">&bdquo;Regierungsd&auml;mmerung. Schwarz-gelbe Misere ohne Ende.&ldquo;<\/a><\/p><p>Aber dann geht es gleich weiter mit den wichtigen Botschaften f&uuml;r die Zeit unmittelbar vor der n&auml;chsten Bundestagswahl: &bdquo;Die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosenzahlen sinken. (&hellip;)&ldquo;<\/p><p>Also, der Titel des Spiegel in dieser Woche sollte tunlichst nicht als Zeichen daf&uuml;r gewertet werden, dass in der Redaktion dieses Blattes Einsicht und Einkehr eingezogen ist. Es ist ein Titel, mit dem man ein bisschen Glaubw&uuml;rdigkeit daf&uuml;r gewinnen will, die Agitation gegen jede wirkliche politische Alternative links von Schwarz-Gelb oder Schwarz-Rot oder Schwarz-Gr&uuml;n fortzuf&uuml;hren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man k&ouml;nnte sich ja dar&uuml;ber freuen. Aber die Abrechnung &ndash; hier das <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/index-2011-26.html\">Inhaltsverzeichnis von Heft 26\/2011<\/a> &ndash; bleibt an der Oberfl&auml;che. Der Spiegel m&auml;kelt an der Regierungsf&auml;higkeit herum. Kritik kommt eher von rechts. Au&szlig;erdem w&auml;re dieser Titel schon vor gut einem Jahr f&auml;llig gewesen. 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