{"id":99408,"date":"2023-06-19T12:44:50","date_gmt":"2023-06-19T10:44:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=99408"},"modified":"2023-06-19T16:58:37","modified_gmt":"2023-06-19T14:58:37","slug":"ukrainekrieg-trauert-der-westen-der-ausgeschlagenen-verhandlungsloesung-nach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=99408","title":{"rendered":"Ukrainekrieg \u2013 trauert der Westen der ausgeschlagenen Verhandlungsl\u00f6sung nach?"},"content":{"rendered":"<p>Diesmal waren es sieben afrikanische Staatschefs, die mit ihrem Friedensplan zun&auml;chst in der Ukraine und dann in Russland auf taube Ohren <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2023\/6\/17\/war-in-ukraine-must-stop-south-africas-ramaphosa-tells-putin\">stie&szlig;en<\/a>. Beide Seiten scheinen zur Zeit kein Interesse an einer Verhandlungsl&ouml;sung zu haben. Das war mal anders. Am Rande des Treffens mit den afrikanischen Staatschefs <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ksTnXcQqR3o\">erinnerte<\/a> Russlands Pr&auml;sident Putin an das damals fast unterschriftsreife ukrainische Waffenstillstandsangebot aus dem April letzten Jahres, das jedoch vom Westen torpediert wurde. H&auml;tte man das Angebot damals umgesetzt, w&auml;re beiden L&auml;ndern nicht nur viel Leid erspart geblieben; die damals von beiden Seiten akzeptierten Rahmenbedingungen waren vor allem f&uuml;r die ukrainische Seite wesentlich mehr, als man k&uuml;nftig in einem Friedensabkommen herausholen wird. Der Westen hat sich verpokert. Oder nicht? Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_597\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-99408-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230619_Ukrainekrieg_trauert_der_Westen_der_ausgeschlagenen_Verhandlungsloesung_nach_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230619_Ukrainekrieg_trauert_der_Westen_der_ausgeschlagenen_Verhandlungsloesung_nach_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230619_Ukrainekrieg_trauert_der_Westen_der_ausgeschlagenen_Verhandlungsloesung_nach_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230619_Ukrainekrieg_trauert_der_Westen_der_ausgeschlagenen_Verhandlungsloesung_nach_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=99408-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/230619_Ukrainekrieg_trauert_der_Westen_der_ausgeschlagenen_Verhandlungsloesung_nach_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"230619_Ukrainekrieg_trauert_der_Westen_der_ausgeschlagenen_Verhandlungsloesung_nach_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Drehen wir die Uhren auf den April 2022 zur&uuml;ck. Nach langen Verhandlungen erarbeiteten die beiden Kriegsparteien in Istanbul ein Waffenstillstandsabkommen, das von ukrainischer Seite und von russischer Seite als &bdquo;substanziell&ldquo; gesehen wurde und sehr gute Chancen auf Verwirklichung hatte. Inhaltlich sah das Abkommen seitens Russlands einen sofortigen R&uuml;ckzug der Truppen aus dem Oblast Tschernihiw und der Gegend um die ukrainische Hauptstadt Kiew vor. Die Ukraine sollte sich im Gegenzug dazu verpflichten, abzur&uuml;sten, ihre Pl&auml;ne auf eine NATO-Mitgliedschaft aufzugeben und keine Atomwaffen anzustreben. Im Gegenzug wurde der Ukraine die Perspektive auf einen EU-Beitritt einger&auml;umt, und dem Land sollten durch Russland, Gro&szlig;britannien, China, die USA, die T&uuml;rkei, Frankreich, Kanada, Italien, Polen und Israel Sicherheitsgarantien gegeben werden. Offen war zu diesem Zeitpunkt nur noch die Frage der territorialen Abtretungen. Neben der Krim war die Ukraine offenbar bereit, die als &bdquo;Volksrepubliken&ldquo; Luhansk und Donezk kurz vor der Invasion von Russland anerkannten Territorien abzutreten. Auf diese Positionen sollte sich die russische Armee nach dem Friedensschluss endg&uuml;ltig zur&uuml;ckziehen. Auch wenn das damalige Arbeitspapier bis heute geheim ist, werden dessen Inhalte im Kern von der <a href=\"https:\/\/www.rt.com\/russia\/552910-istanbul-peace-talks-explainer\/\">russischen<\/a> sowie der <a href=\"https:\/\/archive.is\/jrM7e\">westlichen<\/a> Seite best&auml;tigt.<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/ksTnXcQqR3o\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p>Leider kam es jedoch nie zur Unterschrift. Russland zog seine Truppen &ndash; wie im Papier gefordert &ndash; aus der Region Kiew ab; ob freiwillig, wie Putin heute behauptet, oder aus milit&auml;rischer Notwendigkeit, ist schwer zu sagen. Offiziell gilt f&uuml;r den Westen das nach dem R&uuml;ckzug entdeckte <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91561\">&bdquo;Massaker von Butscha&ldquo;<\/a> als Grund daf&uuml;r, dass die Verhandlungen seitens der Ukraine kurze Zeit sp&auml;ter abgebrochen und nie wieder aufgenommen wurden. Andere Quellen behaupten, dass der Westen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=83910\">in Gestalt des damaligen britischen Premiers Boris Johnson<\/a> die Ukraine unter Druck gesetzt h&auml;tte. Russland wiederum sah sich von der Ukraine get&auml;uscht und <a href=\"https:\/\/simplicius76.substack.com\/p\/afu-suffers-horror-breakdowns-as\">insinuiert<\/a>, dass der Westen der Ukraine zu diesem Zeitpunkt mit dem Versprechen der massiven Unterst&uuml;tzung durch schwere Waffen und milit&auml;rische Hilfe erst die Idee in den Kopf setzte, man k&ouml;nne den Krieg sogar milit&auml;risch gewinnen. Vielleicht ist es eine Mischung aus diesen drei Dingen. Fest steht, dass die Ukraine kurz nach dem Abbruch der Verhandlungen die ersten High-Tech-Waffensysteme wie das HIMARs-System aus den USA bekam und auch von Gebieten aus, aus denen die russischen Truppen sich kurz zuvor zur&uuml;ckzogen, in die Offensive ging. Das Waffenstillstandsabkommen war gescheitert, ein Frieden am Verhandlungstisch war seit diesem Zeitpunkt f&uuml;r beide Seiten keine Option mehr.<\/p><p>Was folgte, waren Offensiven und Gegenoffensiven, neue Waffenlieferungen und letztlich eine &bdquo;Dynamik&ldquo;, die an den festgefahrenen Grabenkrieg an der Westfront im Ersten Weltkrieg erinnert, und das bis heute &ndash; die gescheiterte ukrainische &bdquo;Gegenoffensive&ldquo; ist daf&uuml;r das beste Beispiel. Ihr werden noch viele Offensiven und Gegenoffensiven folgen, die nur wenige Kilometer Land, daf&uuml;r aber sehr hohe Zahlen an menschlichen Opfern auf beiden Seiten bringen. Auch hier kann die Westfront des Ersten Weltkriegs ab 1916 als Vorlage gelten. Am Ende wurde der Krieg an der &bdquo;Heimatfront&ldquo; entschieden &ndash; nach Millionen von Toten. <\/p><p>Dies alles h&auml;tte im April 2022 verhindert werden k&ouml;nnen. Niemand wird heute ernsthaft glauben, dass die Ukraine jemals die territorialen Forderungen Russlands auf der Krim und im Kerngebiet der &bdquo;Volksrepubliken&ldquo; Luhansk und Donezk wird verhindern k&ouml;nnen. Mit den v&ouml;lkerrechtlich ung&uuml;ltigen Scheinreferenden Ende September 2022 hat Russland ohnehin seine territorialen Ambitionen deutlich erweitert &ndash; nun geht es um die Krim und die gesamten Oblaste Luhansk und Donezk und dazu noch die Oblaste Cherson und Saporischschja, wobei Russland die genaue Grenzziehung der formal bereits annektierten Regionen offenl&auml;sst. Dies entspricht auch ungef&auml;hr der momentan festgefahrenen Frontlinie. Dass f&uuml;r Russland auch die Abr&uuml;stung und der Verzicht auf eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine nicht verhandelbar sein d&uuml;rften, versteht sich von selbst. Und da kein Krieg ewig dauert, wird es irgendwann zu einem Friedensvertrag kommen, der jedoch f&uuml;r die Ukraine schlechter als der Vertragsentwurf aus dem April 2022 aussehen wird. <\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230619-Ukrainekrieg-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/230619-Ukrainekrieg-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><em>Im April 2022 standen lediglich die rot markierten Gebiete als territoriale Abtretungen im Raum. Seit September 2022 sind die orangenen Gebiete hinzugekommen.<\/em><\/p><p>Die Intervention des Westens hat also auch f&uuml;r die Ukraine nichts au&szlig;er Leid gebracht und wird auf Gebietsverluste hinauslaufen, die im April 2022 h&auml;tten vermieden werden k&ouml;nnen. War der Westen derart optimistisch, dass er wirklich geglaubt hat, die Ukraine k&ouml;nne Russland milit&auml;risch bezwingen? Selbst wenn dem damals so war, ist doch heute offensichtlich, dass dieser &uuml;berzogene Optimismus eine Fehleinsch&auml;tzung war. Was will der Westen heute eigentlich? Einen jahrelangen Stellungskrieg, der nicht nur Hunderttausende Ukrainer und Russen das Leben kosten w&uuml;rde, sondern auch die finanziellen Mittel des Westens und den R&uuml;ckhalt der westlichen Regierungen in ihrer eigenen Bev&ouml;lkerung &uuml;berstrapaziert? <\/p><p>Oder gibt es im Umfeld der westlichen Regierungen vielleicht Realisten, die heute der vergebenen Chance nachtrauern, einen Frieden zu schlie&szlig;en, bei dem beide Seiten ihr Gesicht gewahrt h&auml;tten und der nicht nur der Ukraine eine langfristige Perspektive gegeben h&auml;tte, sondern sogar die Chance auf eine neue Sicherheitsarchitektur in Europa geboten h&auml;tte? Letzteres sollte im Interesse der Europ&auml;er sein; die USA &ndash; und wohl auch Gro&szlig;britannien &ndash; sehen diesen Punkt anders, profitieren sie doch relativ davon, wenn sich zwei ihrer Konkurrenten, Kontinentaleuropa und Russland, auf einen langen, beide Seiten schw&auml;chenden Krieg einlassen. Daher sollte man das Scheitern im April 2022 auch als Chance begreifen &ndash; f&uuml;r eine neue Vermittlungsoffensive f&uuml;r einen Friedensvertrag; nur diesmal sollte man besser die Vertreter der USA und Gro&szlig;britanniens au&szlig;en vor lassen.<\/p><p>Titelbild: vchal\/shutterstock.com<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/262311b07a5b47da855624b151d4f897\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesmal waren es sieben afrikanische Staatschefs, die mit ihrem Friedensplan zun&auml;chst in der Ukraine und dann in Russland auf taube Ohren <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2023\/6\/17\/war-in-ukraine-must-stop-south-africas-ramaphosa-tells-putin\">stie&szlig;en<\/a>. Beide Seiten scheinen zur Zeit kein Interesse an einer Verhandlungsl&ouml;sung zu haben. Das war mal anders. 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