{"id":99670,"date":"2023-06-25T14:00:27","date_gmt":"2023-06-25T12:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=99670"},"modified":"2023-06-25T02:22:56","modified_gmt":"2023-06-25T00:22:56","slug":"der-alarmistische-kreislauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=99670","title":{"rendered":"Der alarmistische Kreislauf"},"content":{"rendered":"<p>Was hat der Wald der 1980er-Jahre mit der K&uuml;nstlichen Intelligenz von heute gemeinsam? Antwort: die unbekannte, aber wissenschaftlich erforschbare Bedrohung mit unabsehbaren Folgen. Ende der 1970er-Jahre warnten Wissenschaftler eindringlich vor einem fl&auml;chendeckenden Absterben der mitteleurop&auml;ischen W&auml;lder durch sauren Regen. Gerade in diesen Tagen warnt eine Gruppe aus Wissenschaftlern und Forschern aus der Industrie vor einer Ausl&ouml;schung der Menschheit durch die K&uuml;nstliche Intelligenz. Von <strong>J&ouml;rg Phil Friedrich<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Figur des Experten, der vor gro&szlig;en Gefahren warnt, ist in den Medien und der &ouml;ffentlichen Diskussion inzwischen etabliert. Oft m&ouml;gen die Gefahren real sein, wie etwa beim Klimawandel und beim Ozonloch, doch wie gro&szlig; die Gefahr wirklich ist, k&ouml;nnen Laien nicht einsch&auml;tzen. Sie m&uuml;ssen den Experten vertrauen, deren Darstellungen plausibel klingen und mit eigenen anekdotischen Erfahrungen sowie mit entsprechenden Pressemeldungen zusammenpassen. Weitere Beispiele lassen sich da nennen, etwa die BSE-Krise Anfang der 2000er-Jahre oder die Corona-Pandemie, insbesondere das Auftreten von Long-COVID.<\/p><p>Das Muster ist immer wieder das gleiche, und inzwischen haben wir uns schon fast daran gew&ouml;hnt: Die Wissenschaft identifiziert eine gro&szlig;e, bisher unbekannte Gefahr, sie warnt die Gesellschaft vor dieser Gefahr, erkennt zun&auml;chst einen gr&ouml;&szlig;eren Forschungsbedarf, den die Gesellschaft finanzieren muss und leitet sodann Forderungen an die Gesellschaft ab, auf die Gefahr entsprechend der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu reagieren.<\/p><p><strong>Menschliche Wissenschaftler<\/strong><\/p><p>Die Formulierung dieses etwas holzschnitzartig dargestellten Szenarios k&ouml;nnte den Eindruck erwecken, hier solle vorschnell die Wissenschaft als ein System dargestellt werden, das sich eigenn&uuml;tzig aufgrund seiner gro&szlig;en gesellschaftlichen Autorit&auml;t mit Finanzmitteln und Ressourcen ausstattet und dabei die Zukunfts&auml;ngste der Menschen, die die Details nicht verstehen, schamlos ausnutzt. Es soll deshalb von Anfang an klar gesagt werden, dass hier keineswegs irgendjemandem Egoismus und Selbstsucht unterstellt werden sollen. Im Gegenteil, wir unterstellen hier, dass jede Forscherin, die sich &ouml;ffentlich zu Wort meldet, um ein Problem ins gesellschaftliche Bewusstsein zu bringen, jeder Wissenschaftler, der aus seinen Erkenntnissen eine Gefahr f&uuml;r Natur und Mensch ableitet und seine Stimme erhebt, nach bestem Wissen und Gewissen handelt. Zugleich handeln sie, wie alle Menschen, auch nach &ouml;konomischen Kriterien im Interesse ihrer Institutionen, nach den Prinzipien der Aufmerksamkeits&ouml;konomie, entsprechend menschlichen Verhaltensweisen wie Eitelkeit und Selbstliebe sowie aus dem Antrieb, eine spannende, gesellschaftlich als n&uuml;tzlich angesehene T&auml;tigkeit auszuf&uuml;hren, die Anerkennung unter Freunden und Kollegen, in der Gesellschaft und in der &Ouml;ffentlichkeit findet. Aus all diesen Antrieben, gepaart mit den Erwartungen und &Uuml;berzeugungen der &Ouml;ffentlichkeit und der Politik, kann aber eine Dynamik entstehen, die sich verselbstst&auml;ndigt und dem eigentlichen Ziel, Sicherheit und Stabilit&auml;t f&uuml;r die Gesellschaft zu st&uuml;tzen und ein lebenswertes Leben f&uuml;r alle zu erm&ouml;glichen, nicht mehr dienlich ist.<\/p><p>Wer sich in die Wissenschaft begibt, kann prinzipiell an allem M&ouml;glichen forschen: Eine Physikerin kann dar&uuml;ber nachdenken und experimentieren, warum Flugzeuge fliegen, sie kann sich mit den elementaren Bausteinen der Natur befassen oder mit der Frage, warum Stoffe, die eigentlich keinen Strom leiten, dies bei niedrigen Temperaturen pl&ouml;tzlich doch tun. Ein Historiker kann sich fragen, wie es zum 80-j&auml;hrigen Krieg kam, eine Biologin kann sich mit den Hierarchien im Bienenstock besch&auml;ftigen, ein &Ouml;konom mit den Bedingungen kooperativen Handelns zwischen Wettbewerbern.<\/p><p><strong>Woran geforscht wird<\/strong><\/p><p>Man kann annehmen, dass es f&uuml;r viele Leute, die forschen, nicht auf den konkreten Gegenstand ihrer Arbeit ankommt. Es gibt viele interessante Dinge zu entdecken und Prozesse zu untersuchen &ndash; woran man genau forscht, h&auml;ngt h&auml;ufig von zuf&auml;lligen Begegnungen und Ereignissen im Leben ab, von M&ouml;glichkeiten, die sich auftun, von Schwerpunkten, die es gerade da gibt, wo die Liebe oder der Zufall einen hingetrieben hat. Man ergreift die Optionen, die sich ergeben, und freut sich &uuml;ber das, was man da machen kann. Interessant ist vieles, wenn man sich mit forschendem Blick darauf in Ruhe und mit einiger Sicherheit konzentrieren kann.<\/p><p>Die meisten Forschungen sind allerdings teuer, sie brauchen Menschen, die bezahlt werden m&uuml;ssen, Apparate, Literatur, Reisekosten und anderes. Um Forschung finanziert zu bekommen, muss sie f&uuml;r die Geldgeber, zumeist die Gesellschaft, die durch Ministerien und andere staatliche Einrichtungen repr&auml;sentiert wird, interessant oder wichtig sein. Und es herrscht ein harter Wettbewerb um die begrenzten finanziellen, materiellen und personellen Ressourcen, die die Gesellschaft f&uuml;r Forschung zur Verf&uuml;gung stellen kann. Da kommt es darauf an, Forschungsfelder zu besetzen, von denen in der Gesellschaft gesagt wird, dass sie nicht nur interessant und wissenswert, sondern wichtig, am besten &uuml;berlebenswichtig f&uuml;r die Zivilisation oder wenigstens die Menschen des Landes sind.<\/p><p>Interessant ist vieles, was nicht wichtig ist, etwa die Frage, ob alle Dramen, die Shakespeare zugeschrieben werden, tats&auml;chlich aus seiner Feder stammen, die Frage, wie viele Planeten, auf denen Leben m&ouml;glich ist, in unserer Milchstra&szlig;e existieren, oder die Frage, was in den ersten Sekunden nach dem Urknall geschah. In Zeiten knapper Staatskassen werden solche interessanten Fragen immer Gefahr laufen, nicht ausgiebig mit den gew&uuml;nschten Finanzmitteln versorgt zu werden.<\/p><p>Aber auch das, was gesellschaftlich f&uuml;r wichtig gehalten wird, ist interessant. Das k&ouml;nnen zum einen neue M&ouml;glichkeiten sein, etwa neue Arten von Impfstoffen, neue Werkstoffe, neue Energiequellen. Noch wichtiger allerdings sind Gefahren, die der Gesellschaft drohen, deren Ursachen und Wirkmechanismen man erforschen und bei denen man wissenschaftliche Vorschl&auml;ge machen kann, wie die Gefahr gebannt werden kann.<\/p><p><strong>Wie Gefahren entstehen: Beispiel Waldsterben<\/strong><\/p><p>Die Gefahren denken sich zumeist die Leute in der Wissenschaft nicht selbst aus, sie entstehen aus einem Wechselspiel aus allt&auml;glicher Erfahrung und Vermutung, ersten wissenschaftlichen Beobachtungen, &ouml;ffentlicher Diskussion in den Medien und wissenschaftlichen Hypothesen. Ausf&uuml;hrlich untersucht hat dieses Wechselspiel und seine Konsequenzen Roland Sch&auml;fer schon vor mehr als zehn Jahren am Beispiel des Waldsterbens in seiner Dissertation &bdquo;&sbquo;Lamettasyndrom&lsquo; und &sbquo;S&auml;uresteppe&lsquo;. Das Waldsterben und die Forstwissenschaften 1979-2007&ldquo; (siehe J.P. Friedrich: Die postoptimistische Gesellschaft. Seite 40-44). Das Ph&auml;nomen Waldsterben kann als paradigmatisches Beispiel gesehen werden f&uuml;r viele verwandte Entwicklungen, sei es das Thema Klimawandel, Long-COVID oder die gerade beginnende Diskussion um die Gefahren der K&uuml;nstlichen Intelligenz.<\/p><p>Es beginnt oft mit einer allt&auml;glichen Beobachtung und einer plausiblen Theorie &uuml;ber die Ursache. In den 1970ern fielen zunehmend Sch&auml;den an B&auml;umen in W&auml;ldern auf, das Absterben zun&auml;chst von Tannen, sp&auml;ter allgemein Vergilbungen und Kronenverlichtungen. Schnell wurden diese mit Umweltverschmutzungen durch die Industrie, insbesondere den Eintrag von Schwefeldioxid in Verbindung gebracht. Ende der 1970er begannen Wissenschaftler, vor einem umfangreichen Waldsterben und einer Versteppung der Landschaft in Mitteleuropa zu warnen. Im Zusammenspiel mit den Medien wurden dramatische Begriffe gefunden, um die m&ouml;glichen Auswirkungen zu beschreiben. Es etablierte sich eine umfangreiche Waldschadensforschung, die versuchte, den Mechanismen des Waldsterbens auf die Spur zu kommen. Innerhalb dieser Wissenschaften entstand eine Diskussion, in der zur&uuml;ckhaltende Stimmen, die auf die Komplexit&auml;t der Prozesse hinwiesen und in Erw&auml;gung zogen, dass auch nat&uuml;rliche Prozesse, insbesondere in Monokulturen der Forstwirtschaft, massenhaftes Absterben von B&auml;umen bewirken konnten, einen schweren Stand hatten. F&uuml;r die Forschungen, die die dramatischen Konsequenzen des Schadstoffeintrags verst&auml;ndlich machten, wurden umfangreiche Mittel bereitgestellt. Zugleich wurden Forderungen an die Industrie laut, durch Filter in ihren Schornsteinen den Aussto&szlig; der Schadstoffe zu reduzieren.<\/p><p>Das dramatische Szenario der Versteppung ganz Mitteleuropas ist ausgeblieben. Man kann das mit dem aus der Corona-Pandemie bekannten &bdquo;Pr&auml;ventionsparadox&ldquo; erkl&auml;ren. Da die Industrie inzwischen &uuml;berall Abgasfilter in die Schornsteine eingebaut hat, wurde die Gefahr gemildert und das schlimmste Szenario verhindert. Allerdings ist heute in der Forstwirtschaft eher die Sicht vorherrschend, dass in dem komplexen System Wald viele &ndash; auch viele noch unverstandene &ndash; Wechselwirkungen bestehen, die zum Waldsterben f&uuml;hren, dieses dann aber auch wieder abbremsen. Man verweist inzwischen auch darauf, dass das Waldsterben erst in den Fokus der &Ouml;ffentlichkeit und der Wissenschaft ger&uuml;ckt ist, als es im Zusammenhang mit dem menschlichen Wirken als eine menschlich verschuldete Gefahr betrachtet wurde, die wom&ouml;glich zu gravierenden Folgen f&uuml;r die Gesellschaft f&uuml;hren k&ouml;nnte, wenn man nicht einschreitet. Erst mit der Waldschadensforschung begann &uuml;berhaupt die systematische Beobachtung der Waldgesundheit &ndash; welches Waldsterben es in fr&uuml;heren Jahrhunderten bereits gegeben hat, bleibt unklar. Auf der anderen Seite ist der anf&auml;llige, gef&auml;hrdete Wald erst durch die technische Forstwirtschaft entstanden.<\/p><p>Mit dem Waldsterben ist auch die &ouml;ffentliche Person des warnenden, alarmierenden Wissenschaftlers ins allgemeine mediale Bewusstsein getreten. Die gesellschaftliche Diskussion war allerdings bereits vorbereitet durch die Berichte an den Club of Rome und verwandte Diskussionen um die Folgen von Industrialisierung und Umweltverschmutzung. Die Motive der Wissenschaftler, die mit eindringlichen Warnungen an die &Ouml;ffentlichkeit traten, sind sicherlich ehrlich und lauter: Aus den wissenschaftlichen Beobachtungen und Erkl&auml;rungsans&auml;tzen werden Wirkungen abgeleitet, die das menschliche Handeln oder Unterlassen zur Gefahr werden lassen, mit unabsehbaren Konsequenzen f&uuml;r Gesundheit, Wohlstand und Sicherheit aller. Es scheint geboten, eindringlich vor weiterem falschen Handeln zu warnen und ein Ende der Unt&auml;tigkeit zu fordern. Dass einige Mechanismen noch ungekl&auml;rt sind, dass einige Schlussfolgerungen noch unsicher sind, ist kein Grund, vorsichtiger mit den Warnungen zu sein: Allein die Tatsache, dass die wissenschaftliche Erkl&auml;rung zutreffend sein k&ouml;nnte, sollte bei der Gr&ouml;&szlig;e der Gefahr doch ausreichen, um zu handeln.<\/p><p><strong>Die wissenschaftliche Eigendynamik<\/strong><\/p><p>Und zu diesem Handeln muss nat&uuml;rlich geh&ouml;ren, der Wissenschaft die Ressourcen zur Verf&uuml;gung zu stellen, die sie braucht, um die noch bestehenden Unsicherheiten auszur&auml;umen, die Dinge noch besser zu verstehen und noch genauer sagen zu k&ouml;nnen, was getan werden muss, um die Gefahr zu bek&auml;mpfen. Wenn nun die Gesellschaft z&ouml;gert, die ben&ouml;tigten Mittel bereitzustellen, dann m&uuml;ssen die Gefahren noch pr&auml;gnanter dargestellt werden, dann muss die Unsicherheit etwas zur&uuml;ckgestellt und die Notwendigkeit der Forschung f&uuml;r die Gefahrenabwehr betont werden. Auch in den Forschungsjournalen wird eine Tendenz bef&ouml;rdert, alarmierende, gesellschaftlich dr&auml;ngende Forschungsergebnisse eher zu publizieren als neutrale Resultate, die vielleicht interessant und neu, aber gesellschaftlich bedeutungslos sind. Das f&uuml;hrt wiederum dazu, dass Forschungsteams nicht nur die Neigung entwickeln, auf diesen Gebieten zu forschen, sondern ihre Beitr&auml;ge auch als wichtig f&uuml;r die Beschreibung und Bannung einer realen Gefahr darzustellen.<\/p><p>Hier kommt ins Spiel, dass Leute, die wissenschaftlich arbeiten, also am Nachweis der Richtigkeit ihrer Thesen genauso wie alle anderen dazu neigen, die Richtigkeit der eigenen Thesen zu &uuml;bersch&auml;tzen und die Plausibilit&auml;t konkurrierender Annahmen zu bezweifeln. Gern wird zwar die Objektivit&auml;t der Wissenschaft betont, die nur herausfinden will, wie die Dinge wirklich liegen und kein pers&ouml;nliches Interesse an der Verteidigung je eigener Theorien kennt, aber die soziologische Forschung hat l&auml;ngst gezeigt, dass es sich dabei um eine Idealisierung der Wirklichkeit handelt. Das hat auch zur Folge, dass diejenigen unter den Forschern, die vor Kollegen warnen, die Gefahren angeblich abwiegeln, relativieren oder bezweifeln, besonders offensiv in der &Ouml;ffentlichkeit auftreten und dort auch Geh&ouml;r finden.<\/p><p>Dazu kommt, dass einmal etablierte Forschungsprogramme ein Eigenleben entwickeln, das ihre Fortexistenz sichert. Wer f&uuml;r die Untersuchung einer Gefahr mit einem umfangreichen Budget ausgestattet worden ist, zeigt am Ende lieber, dass die Gefahr wirklich so gro&szlig; ist wie angenommen, dass die Ausgangsthese also richtig war und dass zudem weitere Aspekte gefunden wurden, die untersucht werden m&uuml;ssen, als dass er am Ende sagt: War alles nicht so schlimm, war ein Fehlalarm &ndash; was auch das Ende des Forschungsprogramms bedeuten w&uuml;rde. Inzwischen sind aber oft teure Anlagen gekauft, Computersimulationen eingerichtet und Forschungsverfahren etabliert worden, die man gern beibehalten m&ouml;chte. Absolventen haben Dissertationen geschrieben und Paper ver&ouml;ffentlicht, und es gibt noch viele Details, an denen man weiterforschen kann. Nachfolgende Absolventen wollen auf dem Erreichten aufbauen, zitieren die bereits geschaffene Literatur, &uuml;bernehmen deren Annahmen und Paradigmen und m&ouml;chten auf dieser Basis gern selbst eine Dissertation schreiben &ndash; zumal die betreuenden Lehrkr&auml;fte in diesem Gebiet inzwischen zu Hause und in der Forschungswelt anerkannt sind. Dar&uuml;ber hinaus sind sie in der &Ouml;ffentlichkeit gefragte Gespr&auml;chspartner, sie schildern den Fortschritt beim Verstehen der Gefahr, sie werden zu Rate gezogen, wenn die Frage aufkommt, wie die Gefahr zu bannen ist und welche neuen Gefahren entstehen.<\/p><p>Die Konsequenz ist, dass wir vor allem Wissenschaften f&ouml;rdern, die Gefahren sehen und uns auf einen Weg bringen wollen, mit dem die Gefahr, oft mit gro&szlig;em Aufwand, bek&auml;mpft werden kann. Das gilt f&uuml;r das Waldsterben wie f&uuml;r den Klimawandel, f&uuml;r Long-COVID wie f&uuml;r eine au&szlig;er Kontrolle geratene KI. Man k&ouml;nnte sagen, dass das auch gut so ist, denn es ist immer gut, wenn eine Gefahr gebannt wird, auch wenn sich vielleicht herausstellen k&ouml;nnte, dass sie so riesig gar nicht gewesen ist. Das ist richtig, hat aber das Problem, dass die Beherrschung und Vermeidung dieser Gefahren ein sehr teures Unterfangen ist, das Geld und Ressourcen kostet, die woanders fehlen, etwa bei der Bek&auml;mpfung l&auml;ngst bekannter Krankheiten oder f&uuml;r die Renovierung und Modernisierung von Schulen. Entgegen einem weit verbreiteten Irrtum hat die Gesellschaft n&auml;mlich nicht unbegrenzt Ressourcen, weder personell noch finanziell oder materiell, und was in das eine Thema gesteckt wird, fehlt woanders. Deshalb w&auml;re es gut, wenn wir uns auf die Herausforderungen konzentrieren k&ouml;nnten, die wirklich gro&szlig; sind.<\/p><p><strong>Was tun?<\/strong><\/p><p>Die Frage, was aus all dem zu lernen ist, ist nicht leicht zu beantworten. Zweifellos ist es gut, dass die Industrie weniger Schwefeldioxid in die Atmosph&auml;re bl&auml;st als in den 1970ern und dass die Umweltverschmutzung zur&uuml;ckgegangen ist. Die Warnungen der Wissenschaft waren dazu hilfreich, egal, ob sie ein &uuml;bertriebenes Bild gezeichnet haben. Und zweifellos ist es richtig, die klimatischen Auswirkungen des Aussto&szlig;es von Klimagasen zu untersuchen, und es ist sinnvoll, den Aussto&szlig; dieser Gase zu reduzieren. Auch hier w&uuml;ssten wir ohne die Wissenschaften nicht, welche unerw&uuml;nschten Nebenwirkungen unsere Mobilit&auml;t und unser Komfort mit sich bringen.<\/p><p>Auf der anderen Seite ist es notwendig, skeptisch zu bleiben, wenn die wissenschaftlichen Alarmglocken allzu schrill klingeln und Medien, Politik und Forschung einen alarmistischen Kreislauf in Gang setzen, der die Tendenz hat, eine allgemeine Panik auszul&ouml;sen. Dann ist es notwendig zu fragen, ob es in der Wissenschaft auch andere Stimmen gibt, die sich der Dramatik immer katastrophalerer Szenarien verwehren. Diesen Stimmen Geh&ouml;r zu verschaffen, auch wenn sie in der Minderheit sind, von denen, die allzu d&uuml;stere Zukunftsprognosen an die W&auml;nde malen, sachliche und plausible Antworten auf die Zweifel ihrer Kollegen zu fordern, das w&auml;re die Aufgabe der Medien und auch der Politik. Am Ende muss jeder selbst, ob Ministerpr&auml;sidentin, Parlamentarier, Angestellte oder Facharbeiter, zu einem begr&uuml;ndeten Urteil kommen, wie gro&szlig; die Gefahr wirklich ist, selbst wenn Unsicherheiten bleiben. Niemand sollte Kassandrarufen folgen, nur weil die Welt im Panikmodus einfacher aussieht. Nicht diejenigen, die allen dystopischen Visionen verzweifelt und mit allen Mitteln zu widerstehen versuchen, hinterlassen den nachkommenden Generationen eine lebenswerte Welt, sondern die, die zuversichtlich am Machbaren arbeiten, das gute Leben dar&uuml;ber nicht verlernen und die sich auch daran erinnern, dass es oft nicht so schlimm gekommen ist, wie die gr&ouml;&szlig;ten Warner vorhergesagt haben.<\/p><p>Titelbild: Anastasiia Skorobogatova\/shutterstock.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was hat der Wald der 1980er-Jahre mit der K&uuml;nstlichen Intelligenz von heute gemeinsam? Antwort: die unbekannte, aber wissenschaftlich erforschbare Bedrohung mit unabsehbaren Folgen. Ende der 1970er-Jahre warnten Wissenschaftler eindringlich vor einem fl&auml;chendeckenden Absterben der mitteleurop&auml;ischen W&auml;lder durch sauren Regen. 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