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Titel: Wall Street Journal zum Iran-Krieg: „Viele europäische Länder spielen still und leise eine entscheidende unterstützende Rolle.“

Datum: 25. März 2026 um 10:43 Uhr
Rubrik: Militäreinsätze/Kriege
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„Präsident Trump hat Europa dafür kritisiert, sich im Iran-Konflikt herauszuhalten. Doch viele europäische Länder spielen still und leise eine entscheidende unterstützende Rolle.“ Mit diesen Worten beginnt ein Artikel des Wall Street Journal (WSJ), der etwas sehr klar herausarbeitet: Europa ist längst in den Iran-Krieg verstrickt. Zu Deutschland heißt es: „Deutsche Regierungsvertreter haben wiederholt betont, dass sich das Land nicht an militärischen Aktionen gegen den Iran beteiligt. Dennoch stellt Deutschland die Infrastruktur zur Verfügung und sorgt für deren Betrieb, die diese Operationen erst möglich macht.“ Von Marcus Klöckner.

Politik ist ein Geschäft mit einem Vorder- und einem Hintergrund. Im Vordergrund kritisieren führende europäische Politiker den Krieg gegen den Iran – wenn auch oft zurückhaltend. Im Hintergrund ermöglicht die Politik die Unterstützung des Krieges.

„In den letzten Wochen wurden US-Bomber, Drohnen und Schiffe über Stützpunkte in Großbritannien, Deutschland, Portugal, Italien, Frankreich und Griechenland betankt, bewaffnet und gestartet“, heißt es in einem aktuellen Artikel des WSJ.

Unter der Überschrift „Europa spielt still und leise eine entscheidende Rolle im Iran-Krieg“ setzt sich das US-amerikanische Medium mit dem Verhalten Europas im Iran-Krieg auseinander. Die Schlussfolgerungen sind klar: „Stützpunkte auf dem gesamten Kontinent erweisen sich als unverzichtbar für die Versorgung, Bewaffnung und Durchführung von US-Angriffen“.

Auch Deutschland wird angesprochen. „Angriffsdrohnen werden von einem weitläufigen US-Stützpunkt in Ramstein in Deutschland aus gesteuert, dem Nervenzentrum der amerikanischen Operationen gegen den Iran“, schreibt das WSJ unter Berufung auf nicht näher benannte „deutsche und US-Beamte“.

Nüchtern heißt es weiter in dem Beitrag: „Deutsche Regierungsvertreter haben wiederholt betont, dass sich das Land nicht an militärischen Aktionen gegen den Iran beteiligt. Sowohl Bundeskanzler Friedrich Merz als auch Verteidigungsminister Boris Pistorius haben eine direkte Beteiligung ausgeschlossen und betont, dass „dies nicht unser Krieg ist“. Dennoch stellt Deutschland die Infrastruktur zur Verfügung und sorgt für deren Betrieb, die diese Operationen erst möglich macht.“

Diese Feststellung ist weitreichend. Besonders auch im Hinblick auf aktuelle Äußerungen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der gerade in einer Rede den Krieg als „völkerrechtswidrig“ bezeichnet hat.

Zur Rolle Europas im Iran-Krieg merkt das WSJ außerdem an: „Der Kontinent, auf dem sich rund 40 US-Militärstützpunkte und 80.000 US-Soldaten befinden, ist eine Ausgangsbasis für US-Operationen sowohl im Nahen Osten als auch in Afrika“.

Das Blatt zitiert auch den obersten Befehlshaber der NATO, US-Luftwaffengeneral Alexus Grynkewich, der gerade erst vor einer US-Senats-Anhörung gesagt hat, dass die meisten europäischen Partner „äußerst unterstützend“ gewesen seien. Grynkewich sagte laut WSJ in Bezug auf die US-Militär-Präsenz in Europa: „Die Entfernungen sind kürzer, es ist kostengünstiger und es ist viel einfacher, mit unserem Netzwerk aus Stützpunkten und Verbündeten Macht zu projizieren.“

Titelbild: The Wall Street Journal


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