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NachDenkSeiten – Die kritische Website
Titel: Hinweise des Tages
Datum: 2. November 2026 um 8:15 Uhr
Rubrik: Hinweise des Tages
Verantwortlich: Redaktion
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dazu: Paris ist noch weit
Zehntausende auf der Straße: »Gen Z regelt«-Proteste verlaufen überwiegend friedlich. Vereinzelte Ausschreitungen bei späteren Kundgebungen am Abend
Sie haben die Nase voll vom Unterricht in maroden Schul- und Universitätsgebäuden, von steigenden Preisen, dem Sparkurs der Bundesregierung, von Militarisierung und Aufrüstung. Zehntausende Menschen, vor allem junge Leute, aber auch viele ältere, sind am Sonnabend einem Aufruf von »Gen Z regelt« gefolgt, einer unter dem Eindruck der Jugendproteste in Frankreich entstandenen Bewegung. Von Kiel bis München, von Bremen bis Rostock gingen sie auf die Straße und forderten mehr Geld für Bildung, Klimaschutz und Soziales. Populärer Schlachtruf bei den Kundgebungen: »Merz, leck Eier!« Er richtet sich gegen die Politik von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und besonders gegen die drohende Wehrpflicht.
Insgesamt bleibt die Mobilisierung in Deutschland deutlich hinter der in Frankreich und Italien zurück.
Quelle: junge Welt
dazu auch: „Die Revolte einer Jugend ohne Zukunft“
Über die Schülerproteste in Frankreich und die über sie hinaus erstarkende Protestbewegung im Nachbarland sprach german-foreign-policy.com mit Kevin Guillas-Cavan. Guillas-Cavan ist Mitglied des Parti communiste français (PCF), der die Schülerproteste unterstützt. Wie er urteilt, liegt das Besondere der aktuellen Schülerproteste darin, dass sie sich nicht – wie frühere Schülerproteste – „gegen eine bestimmte Reform“ richten, sondern gegen allgemeine Missstände: „Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung steht hinter ihr“, berichtet Guillas-Cavan. „Beispiellos“ sei freilich die Repression: „Zum ersten Mal seit 1962 und dem Algerienkrieg“ seien „am 24. Oktober in den meisten französischen Departements Demonstrationen verboten“ worden. Allerdings füge sich die Repression „in eine lange historische Linie“ wachsender staatlicher Unterdrückung von Widerstand in Frankreich ein. Guillas-Cavan hält ein Anschwellen des staatlichen Autoritarismus in Frankreich bis zu einem neuen Bonapartismus „angesichts der Krise des Kapitalismus“ für möglich.
Quelle: German Foreign Policy
dazu auch: Kriegsminister Hegseths Abschiedsbrief an die NATO. Gastbeitrag von Axel Fersen
Vor zwei Wochen hielt Pete Hegseth in Quantico seine „State of the Force“-Rede, den Wortlaut hat das Pentagon veröffentlicht. Autonome Waffen, der Anspruch auf dauerhafte amerikanische Vorherrschaft und religiöse Selbstgewissheit gehen darin ineinander über. Wer militärische Stärke so politisch und moralisch überhöht, macht Widerspruch zum Verdachtsfall.
Die wichtigste Neuerung ist das „Autonomous Warfare Command“ (AutoWarCom), ein neues Kommando auf der Ebene der ranghöchsten US-Befehlshaber (vier Sterne). Es soll dafür sorgen, dass Drohnen, Roboter und andere selbststeuernde Systeme in allen Teilen der Streitkräfte zum Standard werden, wie Military Times berichtet. Hegseth will damit ein Beschaffungssystem überwinden, das mit der Technik nicht Schritt hält, und nennt laut DefenseScoop als Anlass Fortschritte bei Drohnenkrieg und KI-gestützter Zielerfassung. Stehen soll das Kommando bis zum 1. Oktober 2027 (Newsweek). Neben teure Hochleistungswaffen sollen billige Systeme in großer Zahl treten. Wer bei tödlichen Einsätzen entscheidet und welche Grenzen dafür gelten, steht in den ausgewerteten Berichten nicht.
Quelle: Blog der Republik
dazu: Warum Verhandlungen mit Russland jetzt vor allem im Interesse der Ukraine sind
Die Ukraine trägt seit Jahren die Hauptlast dieses Krieges. Eine militärische Entscheidung ist nicht absehbar, die Zerstörungen dauern an und der politische Spielraum wird enger. Gerade deshalb liegt es vor allem in ihrem Interesse, Verhandlungen mit Russland ernsthaft auszuloten. […]
Bemerkenswert ist, dass der ukrainische Präsident diese Initiative mitträgt. Er kann sich kaum allein auf die bisherige Praxis und Rhetorik einiger europäischer Staaten, darunter Deutschland, verlassen, wenn er das Schicksal seines Landes und seiner Bevölkerung im Blick hat. Für eine klare militärische Entscheidung gibt es derzeit keine erkennbare Perspektive. Dass er deshalb auch von Gesprächen mit dem Gegner spricht, könnte ein erstes Zeichen dafür sein, dass Verhandlungen mit Russland wieder ernsthaft in Betracht gezogen werden.
Quelle: World News Monitor
dazu auch: Der Shenzhen-Gipfel als Werbung für eine Außenpolitik der strategischen Autonomie
Der bevorstehende Gipfel der Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC) im chinesischen Shenzhen wirft bereits jetzt seine Schatten voraus. Alleine die Tatsache, dass die Präsidenten Chinas, Russlands und der USA daran teilnehmen, dürfte manchen in Europa nervös machen. Dies und die kürzlich stattgefundenen Gespräche über humanitäre Fragen in der Ortschaft Oleshky/Alyoshki auf dem Südufer des Dnjepr, an denen offenbar auch der Vatikan seinen Anteil hatte, lassen die politisch Verantwortlichen in Brüssel, Paris, Berlin und London befürchten, dass sie bei Verhandlungen über eine mögliche politische Lösung des Konflikts außen vor bleiben könnten. Dazu kommt, dass russische Akademiker schon über ein mögliches Ende des Kriegs orakeln.
Quelle: Ralph Bosshard auf Globalbridge
und: Krieg um die Ukraine: Das doppelte Spiel der Amerikaner
Das Pentagon hat mehrere europäische Nato-Staaten aufgerufen, ihre Rhetorik gegen Russland zu mäßigen. Allzu kriegerische Töne könnten die Friedensbemühungen von US-Präsident Trump stören. Allerdings spielen die Amerikaner selbst ein doppeltes Spiel.
Dies hat ein Bericht im “Atlantic” enthüllt. Demnach setzte die CIA unter Direktor Ratcliffe die Weitergabe von Aufklärungsdaten (darunter Warnungen vor Raketen und Drohnen aus Russland) an die Ukraine auch dann noch fort, als Trump auf Gegenkurs ging.
Quelle: Lost in EUrope
dazu: Verfassungsgericht bleibt blockiert
Polen: Jüngste Eskalation um Richterbesetzung offenbart erneut politische Instrumentalisierung der obersten Judikative. Rechte spielt auf Zeit
Nach den turbulenten Ereignissen vom Freitag und frühen Sonnabend morgen hat sich die Situation um das polnische Verfassungsgericht am Sonntag äußerlich beruhigt. Die Polizei meldete keine besonderen Vorfälle; nach wie vor harren einige hundert PiS-nahe Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude aus.
Von einer politischen Lösung ist der Konflikt allerdings weiterhin weit entfernt. Getrennte Beratungen von Staatspräsident Karol Nawrocki mit den im Parlament vertretenen Parteien am Sonnabend brachten keine Annäherung der politischen Standpunkte. Die regierende »Bürgerkoalition« von Donald Tusk und die »Neue Linke« waren der Einladung Nawrockis ohnehin nicht gefolgt.
Quelle: junge Welt
dazu auch: Recht und Gewalt
Jede juristische Entscheidung ist im Kern ein Gewaltakt. In Polen wird das Verhältnis von Recht und Gewalt gerade auf symbolischer Ebene durchdekliniert. Der Staatspräsident verschafft sich in Begleitung seines Personenschutzes mitten in der Nacht Zugang zum Verfassungsgericht, schubst sich mit Richtern herum, lässt seinen Kanzleichef in der Pförtnerloge nach dem Hauptschlüssel suchen: Es war der Versuch der feindlichen Übernahme einer der höchsten Institutionen des Staates durch Karol Nawrocki, der eine andere dieser obersten Institutionen zu verkörpern glaubt. Der Clinch ist perfekt. Laut Hegel entscheidet zwischen gleichen Rechten die Gewalt – einstweilen, dass Nawrockis Gorillas sich eine Nacht lang aufführen, als gehörte das Verfassungsgericht ihnen, was juristisch genau nicht der Fall ist.
Jede der streitenden Parteien hat Rechtstitel auf ihrer Seite.
Quelle: junge Welt
dazu: China verschärft Ton gegen Merz, kritisiert Aussagen als „frivol“
Während seines Besuchs in Japan hat Bundeskanzler Friedrich Merz Deutschland und Japan als Nachbarn und als „Premium-Partner“ bezeichnet. Für China kommt der Schulterschluss zu einem Zeitpunkt, da sich das Verhältnis zwischen Peking und Tokio eintrübt.
Die staatliche chinesische Global Times attackiert Merz ungewöhnlich heftig. Tatsächlich signalisiere Merz nicht nur engere Beziehungen zu Japan, sondern fordere explizit eine stärkere militärische Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern. Deutschland habe zudem Interesse an einer Beteiligung am Global Combat Air Program bekundet – einer gemeinsamen Initiative von Japan, Großbritannien und Italien. Die Zeitung schreibt: „Die Tatsache, dass zwei im Zweiten Weltkrieg besiegte Nationen so eifrig die militärische Zusammenarbeit vorantreiben, dabei aber selektiv gemeinsame Werte betonen und die Beschränkungen der Nachkriegsordnung für militärische Aktivitäten bewusst umgehen, ist an sich schon Grund genug, die internationale Gemeinschaft zur Wachsamkeit zu mahnen.“
Quelle: World News Monitor
dazu auch: „Ernst zu nehmendes Warnsignal“ – Deutschlands Gasspeicher nur zu 61 Prozent gefüllt
Deutschlands Gasspeicher sind nur zu rund 61,2 Prozent gefüllt, obwohl zum 1. November faktisch 70 Prozent erreicht werden sollen. Der Speicherverband sieht ein „ernst zu nehmendes Warnsignal“. […]
Einer Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums zufolge besteht aktuell jedoch kein Anlass zur Beunruhigung: „Die Gasversorgung in Deutschland ist auch bei den derzeitigen Speicherfüllständen für den kommenden Winter gesichert.“
Nach aktueller Einschätzung sei davon auszugehen, dass Deutschland gut durch den Winter komme. „Entscheidend für die Versorgungssicherheit sind nicht allein die Speicherfüllstände, sondern auch die tatsächliche Ausspeicherung, laufende Gasimporte und weitere Vorsorgemaßnahmen.“
Die Bundesnetzagentur erklärte, die Gasversorgung in Deutschland sei stabil.
Quelle: Welt Online
und: Angriff auf Tanker: Wie teuer Gas in Deutschland werden könnte
Ein LNG-Tanker ist im Persischen Golf von einem Projektil getroffen worden. Sollte der Krieg eskalieren, werden die Gaspreise in Deutschland steigen. Auch Rationierungen sind denkbar.
Quelle: World News Monitor
dazu: Elif Eralps Angst ist kein Skandal – die Doppelmoral in dieser absurden Debatte schon
Die Debatte um Elif Eralp wirft grundsätzliche Fragen auf: nach journalistischer Verantwortung, politischer Doppelmoral und dem Respekt vor demokratischen Wahlergebnissen. Das sage ich als Berlinerin, aber auch darüber hinaus.
Quelle: Der Westen
Anmerkung Christian Reimann: Die vom „Spiegel“ veröffentlichten Notizen sind politisch relevant, denn die potentiell künftige Bürgermeisterin von Berlin hat Angst vor bestimmten Leuten – das sind jedoch Leute, die ihre Partei offensichtlich favorisiert bzw. auch unterstützt haben. Und ist die Linkspartei der Bundeshauptstadt nicht „gegen eine weitere ‚Aufrüstung‘ der Polizei und für eine Verkleinerung“? Ob so z.B. Berlin geschützt und Extremismus bekämpft werden kann, ist eher fragwürdig.
dazu auch: Du bist nie gut genug
Linke, Grüne und SPD sollten sich dem medialen Dauerfeuer beugen und ihre Bemühungen um ein Linksbündnis in Berlin aufgeben. Es ist aussichtslos. […]
Die narzisstische Kränkung, dass die Berliner Wählerinnen und Wähler partout nicht auf sie gehört haben, ist womöglich ein Grund dafür, warum manche Hauptstadt-Journalisten nun einfach noch lauter aufdrehen. […]
Es ist vermutlich kein Zufall, dass sich vor allem solche Journalisten besonders heftig über die Linkspartei empören, die in den vergangenen drei Jahren besonders laut zu Israels Vorgehen im Gazastreifen geschwiegen haben. Ihre lauthals vorgetragene Empörung wirkt deshalb auch ein wenig wie eine Ersatzhandlung.
Quelle: taz
Anmerkung Christian Reimann: Diese „taz“-Kolumne ist interessant. Aber wie sieht es mit dem „Fieber“ auch bei der „taz“ aus, wenn es z.B. um die AfD und das BSW oder um Themen wie Corona, Ukraine-Krieg und Beziehung zu Russland geht? Auch beim China-Bashing ist die Grünen-nahe „taz“ meist eifrig dabei. Und grundsätzlicher stellt sich die Frage, was an Rot-Rot-Grün eigentlich links sein soll – außer der ursprünglichen, inzwischen weichgespülten Forderung, Wohnungen zu enteignen. Bitte lesen Sie dazu auch Willkommen im islamo-kommunistischen Rätekalifat Berlin.
Anmerkung Christian Reimann: Die AfD ist also auch beim Thema Wehrpflicht keine echte Alternative im Vergleich zu den etablierten Parteien.
Hauptadresse: http://www.nachdenkseiten.de/
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