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Titel: „Ein Russland-Troll an der Spitze“ – O-Töne zu Russland-Politik der AfD
Datum: 18. November 2025 um 12:00 Uhr
Rubrik: AfD, Außen- und Sicherheitspolitik
Verantwortlich: Redaktion
Mit einer von den Regierungsfraktionen initiierten „Aktuellen Stunde“ zur Russland-Politik der AfD haben die „Volksparteien“ eine neue Kampagne gegen die größte Oppositionspartei gestartet. Und mit ihrer Teilnahme an Talkshows in ÖRR-Sendern haben Top-Politiker der AfD letzte Woche neuen Treibstoff für die Debatte geliefert. Zusätzlich angetrieben wurde der Schusswechsel durch Spekulationen um einen möglichen Dissens an der AfD-Spitze hinsichtlich einer Drohnengefahr für die EU und einer baldigen Russlandreise von AfD-Abgeordneten. Eine neue Ausgabe der O-Töne. Von Valeri Schiller.
AfD-Co-Vorsitzender Tino Chrupalla am 11. November 2025
„Ich argumentiere hier als deutscher Politiker. Mir hat er [Putin – Anm. der Red.] nichts getan (…)
Ich sehe keine Gefahr für Deutschland aktuell durch Russland (…)
Jeder hat seinen Kiesewetter, und das [Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew. – Anm. der Red.] ist der Herr Kiesewetter Russlands.
Moderator: Sie vergleichen jetzt Kiesewetter mit Medwedew? Im Ernst jetzt?
Chrupalla: Ja, warum nicht? Natürlich. Das ist genauso Propaganda wie Herr Kiesewetter hier. Er droht hier und er möchte hier den Krieg nach Russland hineintragen.
Moderator: Also Medwedew und Kiesewetter sind für Sie ‚same same‘?
Chrupalla: Die gibt es natürlich auch in Russland. Ich vergleiche es. Man kann alles vergleichen.“
(Quelle: ZDF Heute Nachrichten, ab Minute 3:21 und ab Minute 4:07 und ab Minute 6:16)
CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter am 13. November 2025
„Chrupalla ist jetzt massiv unter Druck in der eigenen AfD. Das heißt, diese Partei merkt, dass sie einen Russland-Troll an der Spitze haben, jemanden, der im Auftrag Putins Propaganda verbreitet und einen frei gewählten Abgeordneten mit einem Kriegsverbrecher vergleicht. Ich glaube, es fällt jetzt dem letzten verqueren AfD-Anhänger auf, dass etwas im Kopf eines Handwerksmeisters aus Görlitz nicht stimmt.“
(Quelle: WELT TV, ab Minute 3:51)
Stellv. AfD-Fraktionschef Markus Frohnmaier / Stellv. CDU-Fraktionschef Norbert Röttgen am 11. November 2025
„Moderatorin: Geht von Putins Russland eine Gefahr für Deutschland aus?
Röttgen: Eindeutig ja.
Frohnmaier: Nein. (…)
Röttgen: Allein diese Aussage jetzt heute Abend ‚Geht von Putins Russland eine Gefahr aus?‘, und die eindeutige Antwort ist ‚Nein‘, zeigt ja schon, dass Sie eindeutig – Sie als Person in besonderer Weise, aber auch die Partei, Sie sind ja der stellvertretende Fraktionsvorsitzende – im Interessenlager Putins stehen. Das ist der Kern Ihrer Außenpolitik – die Interessen Putins in Deutschland zu vertreten.“
(Quelle: Tagesschau, ab Minute 1:33 und ab Minute 2:59)
Irene Mihalic, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, am 5. November 2025
„Die AfD leugnet den hybriden Krieg, den Russland auch gegen Deutschland führt, und Herr Chrupalla nimmt den Aggressor auch noch in Schutz. Drohnenüberflüge, Sabotage in der kritischen Infrastruktur, Cyberangriffe – es ist ganz offensichtlich, meine Damen und Herren, dass Russland es auf unsere Sicherheit abgesehen hat, und die AfD lässt sich als Trojanisches Pferd für die Interessen des Kremls einspannen.“
(Quelle: Deutscher Bundestag, ab Minute 21:36)
CDU-Bundestagsabgeordneter Haiko Hain am 05.11.2025
„Wir haben es mit einer Partei zu tun, die sich von russischen Propaganda-Medien feiern lässt, mit Landtagsabgeordneten, die Geburtstagsfeiern für Putin in der russischen Botschaft besuchen und dabei dem Botschafter zur Weitergabe an den Kreml eine goldene Gedenkmünze mit dem Titel ‚Patriot Wladimir Putin‘ überreichen, und eine Partei, deren Abgeordnete Besuchergruppen in die russische Botschaft geleiten.“
(Quelle: Deutscher Bundestag, ab Minute 1:07:14)
SPD-Abgeordnete Sonja Eichwede am 05. November 2025
„Gerade diese Woche hat doch die AfD-Fraktion wieder entschieden, dass die Abgeordneten Kotré und Rothfuß nach Russland fahren, um Russland-Kontakte wieder zu intensivieren. Und was sagt die Fraktionsführung? Sie sagt, bitte keine Fotos von den Terminen vor Ort zu machen und auch bitte nicht darüber zu reden, was sie denn eigentlich machen, nämlich Deutschlands Sicherheitsinteressen zu unterminieren.“
(Quelle: Deutscher Bundestag, ab Minute 14:42)
AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel am 11. November 2025
„Es ist nur noch ein Abgeordneter aus der Bundestagsfraktion, der nach Sotschi reist. Das ist der Abgeordnete Kotré, Herr Rothfuß wird hierbleiben. Und dementsprechend freuen wir uns auf die Gespräche, die Herr Kotré dort führen wird – wir hoffen, wie versprochen, mit Wirtschaftsvertretern, um sich dort auch ein Bild zu machen. Das alles sage ich in dem Verständnis, dass der Treiber für solche Reisen, der ist, der gut gemeinte Treiber, alle Gesprächskanäle offen zu lassen. Denn ein Frieden, und da stimme ich zu, einen Frieden in Europa wird es nur mit Russland geben und nicht ohne Russland. Man muss miteinander reden. Ob dazu Sotschi, dieser Kongress Sotschi das geeignete Vehikel ist, das lasse ich mal dahingestellt. Ich selbst würde dort nicht hinreisen. Ich würde es auch niemandem empfehlen, weil ich nicht weiß, was letztendlich das Ergebnis sein soll.“
(Quelle: AfD-Fraktion Bundestag, ab Minute 13:05)
AfD-Co-Vorsitzender Tino Chrupalla am 13. November 2025
„Also als Allererstes sind wir uns mit Frau Weidel einig, dass wir auch die Beziehungen gerade auch nach Russland offen halten und auch dort Gespräche suchen. Des Weiteren ist das Treffen in Sotschi ein BRICS-Treffen. Also es ist auch China dabei, Indien dabei, Südafrika dabei, Brasilien. Es geht also um viele wirtschaftliche Fragen. Die Kollegen, die dorthin reisen, haben ihre Reise ordnungsgemäß angemeldet, sie wurde genehmigt.“
(Quelle: ZDF-Morgenmagazin, ab Minute 5:33)
AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel am 22. September 2025
„Ich glaube, dass auch Russland dazu aufgerufen ist, sich deeskalierend zu verhalten und nicht noch zusätzlich den NATO-Luftraum zu verletzen und die Luftabwehrsysteme zu testen. Ich glaube, das hätte absolutes Potenzial zur weiteren Eskalation. Und es würde auch das Verhältnis zwischen Russland und den USA nach den Friedensbemühungen des US-amerikanischen Präsidenten nachhaltig beschädigen. Irgendwo muss sich Putin auch irgendwann bewegen. Und davon haben wir leider bislang zu wenig gesehen.“
(Quelle: WELT Nachrichtensender, ab Minute 1:02)
Bernd Baumann, Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, am 13. November 2025
„Jetzt fährt auch nur noch einer hin [nach Russland. – Anm. der Red.]. Und auch nach außen muss klar sein: die Grundpositionierung der AfD-Bundestagsfraktion – völkerrechtswidriger Angriffskrieg [in der Ukraine. – Anm. der Red.] Ist Russland prinzipiell eine Gefahr für uns? Da wird auch immer spekuliert, wie denken wir darüber. Und da müssen wir sagen: Russland ist das größte Land der Erde mit tausenden Atomwaffen, Raketen, Panzern, Artilleriegeschützen. Das ist potenziell immer eine Gefahr, auf die wir uns einstellen müssen (…)
Wir glauben allerdings nicht, dass Putin 2029 jetzt irgendwie die NATO überfällt, wie Pistorius und andere das manchmal streuen (…)
Dann müssen auch die langfristigen Sicherheitsinteressen nicht nur der Ukraine, sondern auch Russlands gewahrt werden.“
(Quelle: WELT Nachrichtensender, ab Minute 2:08 und ab Minute 2:47 und ab Minute 3:00)
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