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Titel: „Wenn er das macht, sind wir relativ machtlos“ – O-Töne zu Reaktionen auf Trumps „Grönland-Projekt“
Datum: 20. Januar 2026 um 12:00 Uhr
Rubrik: Außen- und Sicherheitspolitik
Verantwortlich: Redaktion
Mit seinem Ansinnen, sich die dem NATO-Mitgliedsland Dänemark gehörende Insel Grönland einverleiben zu wollen, hat US-Präsident Donald Trump seine europäischen NATO-Partner völlig aus dem Konzept gebracht. Die Ratlosigkeit, mit der die meisten europäischen Spitzenpolitiker darauf reagieren, macht deutlich, wie wackelig die von ihnen gepredigte „regelbasierte Weltordnung“ in Wirklichkeit ist. Eine neue Ausgabe der O-Töne. Von Valeri Schiller.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius am 14. Januar 2026
Moderatorin: „Nun steht die Drohung der USA ja trotzdem weiter im Raum, Grönland besitzen zu wollen. Wenn nun Mitglieder der NATO Grönland vor dem größten NATO-Mitglied, nämlich den USA, schützen müssten, wäre das dann nicht der Anfang vom Ende der NATO?“
Pistorius: „Naja, um es vorsichtig zu formulieren: Das wäre dann ein einzigartiger, historisch einmaliger Vorgang in der Geschichte eines Bündnisses, das so erfolgreich funktioniert hat seit 80 Jahren. Von daher würde ich immer sagen, das ist kaum vorstellbar. Und wir richten uns darauf auch nicht ein, und ich persönlich rechne auch nicht damit. Ich glaube, dass wir es hier mit einem Machtspiel zu tun haben darüber, wer hat welchen Einfluss in Grönland. Aber im Ergebnis geht es immer um dasselbe: Grönland muss gesichert werden vor dem Zugriff anderer und vor dem Einfluss anderer. Und das gilt insbesondere dann noch in größerem Maße für die Arktis, gerade auch mit dem Blick auf den Klimawandel und die zunehmende Präsenz russischer und chinesischer U-Boote.“
(Quelle: Tagesschau, ab Minute 4:06)
Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen am 14. Januar 2026
„Wir, das Königreich Dänemark, sind nach wie vor der Ansicht, dass auch die langfristige Sicherheit Grönlands im derzeitigen Rahmen des Vertrages über die Verteidigung Grönlands von 1951 sowie des NATO-Vertrags gewährleistet werden kann. Für uns sind Ideen, welche die territoriale Integrität des Königreichs Dänemark und das Selbstbestimmungsrecht des grönländischen Volkes nicht respektieren würden, natürlich völlig inakzeptabel. Darin besteht zwischen uns nach wie vor eine grundsätzliche Meinungsverschiedenheit. (…)
Wir haben es nicht geschafft, die amerikanische Position zu ändern. Es ist klar, dass der Präsident diesen Wunsch hat, Grönland zu erobern. Wir haben es sehr deutlich gemacht, dass es nicht im Interesse des Königreichs ist.“
(Quelle: Hook Global, ab Minute 2:37 und ab Minute 13:50)
EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas am 13. Januar 2026
Moderator: „Donald Trump bricht das Völkerrecht aus Ihrer Sicht?“
Kallas: „Ich werde jetzt nicht für ihn sprechen, über das, was er macht oder nicht. Aber es ist klar für uns, dass das Völkerrecht ein Gründungsprinzip der Europäischen Union ist. Das Völkerrecht ist daher auch so wichtig, insbesondere für die kleinen Länder, auch für die Mehrheit der Länder der Welt. Das ist das Instrument, das die kleinen Länder der Welt auch schützt. Ich sagte es ja schon zu Beginn: Die Welt ist einem Wandel unterworfen, und wir müssen das Völkerrecht weiterentwickeln, gemeinsam mit unseren Partnern.“
(Quelle: ZDF heute, ab Minute 8:44)
Polens Ministerpräsident Donald Tusk am 15. Januar 2026
„Wir haben nicht vor, polnische Soldaten nach Grönland zu entsenden. Ich kann nur sagen, was ich schon immer gewusst habe: Leider kann kein Szenario ausgeschlossen werden. Geht man von den bisherigen Aktionen von Trumps Administration aus, ist jedes Szenario denkbar.“
(Quelle: DRM News, ab Minute 0:45)
Maria Sacharowa, Sprecherin des Außenministeriums Russlands, am 15. Januar 2026
„Es ist festzustellen, dass die aktuellen Spannungen rund um die nördliche dänische Autonomie besonders deutlich die Haltlosigkeit der vom Westen angestrebten regelbasierten Weltordnung offenbaren. Auf der Hand liegt die Mangelhaftigkeit der langjährigen Linie Kopenhagens, die auf bedingungslose Unterordnung unter seinen ‚großen Verbündeten‘ – die USA – ausgerichtet war. Vor diesem Hintergrund wirkt der von Dänemark und anderen Mitgliedern der Europäischen Union und der NATO über viele Jahre hinweg eifrig verbreitete Mythos von der ‚russischen Bedrohung‘ besonders widersprüchlich, denn gerade unter diesem ausgedachten Vorwand begann man in Washington, sich um die Zukunft Grönlands Sorgen zu machen.“
(Quelle: Ministry of Foreign Affairs of Russia, ab Minute 43:53)
CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen am 15. Januar 2026
„Amerika ist nicht Russland. Putin kann die Krim besetzen, kann sie staatsrechtlich annektieren und das rechtlich wirksam machen. Das kann der amerikanische Präsident nach dem amerikanischen Verfassungssystem nicht, und jedenfalls bräuchte er den Kongress. Er kann es sowieso nicht, aber den Kongress bräuchte er jedenfalls, und den hat er auch nicht. Was ich nur sagen will, ist: Weil das alles so dramatisch ist, müssen wir auch mal ganz nüchtern bewerten, was kann der eigentlich. Trump hat keine magische Kraft mit seinen Worten.“
(Quelle: ZDF, ab Minute 36:46)
Armin Laschet (CDU), Chef des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, am 14. Januar 2026
„Wir haben heute im Auswärtigen Ausschuss genau dieses Thema gehabt, alle Szenarien einmal erörtert, alles Wissen, was da ist, analysiert. Aber das ändert ja nichts daran, dass, wenn er [US-Präsident Trump – Anm. der Red.] es macht, wir relativ machtlos sind. Das ist ja geschrieben worden von Ihnen, zu Recht. Ich glaube nicht, dass wir dann die militärische Beistandspflicht auslösen würden und Dänemark in einem Krieg gegen die USA beistehen würden. Das ist völlig ausgeschlossen.“
(Quelle: phoenix)
Titelbild: Screenshots Hook Global, Tagesschau, ZDF heute, Ministry of Foreign Affairs of Russia, phoenix, ZDF, DRM News
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