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Titel: Leserbriefe zu „Bedingt winterkriegstauglich“

Datum: 21. Januar 2026 um 16:10 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
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Diese Glosse hat Jens Berger dem Begriff „Winter“ und dem Anspruch, unbedingt kriegstauglich werden zu wollen, gewidmet. Die Deutschen sollten erst einmal an ihrer Einstellung zum Winter arbeiten. Sie würden ab zehn Zentimeter Neuschnee lieber von einem „Schneechaos“ sprechen. Eine positive Fügung der Geschichte sei es, dass unsere Väter und Großväter noch mit ihren Panzern im Schnee vor Stalingrad feststeckten und nun unsere Söhne und Töchter heute schon schwer traumatisiert seien, wenn sie bei zehn Zentimeter Neuschnee die Tiefgaragenausfahrt mit ihrem Audi nicht hochkommen. Ein Volk, das derart hypersensibel geworden sei und die kleinste Abweichung vom Normalzustand als „Katastrophe“ hochjazze, müsse „ja im Kern ein friedfertiges Volk sein – ist Krieg doch die größtmögliche Abweichung vom Normalzustand“. Wir danken für die interessanten Zuschriften hierzu. Die nun folgende Auswahl der Leserbriefe hat Christian Reimann für Sie zusammengestellt.


1. Leserbrief

Eine herrlicher Text, vielen Dank Herr Berger!

Mit anhaltendem Schmunzeln grüßt herzlich

Björn Möhl


2. Leserbrief

Toll geschrieben, dacht auch die ganze Zeit so ähnlich. So wird es jedenfalls nichts mit dem Marsch auf Moskau….

Andreas Klotz


3. Leserbrief

Lieber Herr Berger,

herzlichen Dank für die – wieder mal – gelungene Glosse. Diesmal zum „Winterchaos“. Als Ergänzung zum gelinkten Spot der DB als Anlage das quasi „dazugehörende“ Plakat der DB. 

Das waren noch Zeiten, als die DB damit werben konnte. 

Schöne Grüße und Dank an Sie und die Redaktion für Ihre Arbeit.

Freundliche Grüße
Reinhold Jäger


4. Leserbrief

Lieber Herr Berger,

danke für die Glosse. Ein Lichtblick in diesen (mental) trüben Zeiten.

Besonders irre ist, dass der Merz, untergehakt mit Starmer, einem Bruder im Ungeiste, Russland in der Ukraine und die USA in Grönland gleichzeitig angreifen will. Und was wenn es dort schneit (soll ja in Grönland vorkommen)? Und Sreusalz ist verboten.

10 cm Neuschnee sind im Winter normal und nicht eine “Abweichung vom Normalzustand”. Wenn da Eisen- und Autobahn nicht funktionieren, dann liegt das eben daran, dass in Deutschland alles den Bach runter geht. Das kann auch erklären, warum dieses “hypersensible Volk” sich nicht etwa vor Abweichungen vom Normalzustand fürchtet, denn das sind sie ja nicht, sondern vor jeglicher Veränderung. Dass sind dann die auf Zwangscharakter gepolten, die noch einen Rest an Realität im Unterbewusstsein haben. Während die Narzissten, wie Merz, mit donnerndem Hurra in den Orkus schlittern.

Korrekt ist natürlich, dass vergessen wurde was Winter ist. Ist ja generisches Maskulinum, “der Winter”. Das ist nicht erlaubt. Höchstens wenn er mit einer “Winterin” an der Hand daher kommt.

Herzliche Grüße,
Rolf Henze


5. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger, liebes Nachdenkseitenteam.

Ich musste schon schmunzeln bei der Lektüre Ihres Artikels. Ja der Sturm wurde medial aufgeblasen, kleines Wortspiel am Rande. Von einem “Blizzard” war gar die Rede. Warum man nicht einfach das Deutsche Wort Schneesturm benutzte, erschließt sich wohl nur den Machern solcher “Nachrichten”. Klingt geiler wahrscheinlich, spektakulärer irgendwie, und das ist es natürlich was zählt, Trivialität war gestern, heute muss es entsprechend aufgepeppt werden, möglicherweise damit es überhaupt noch wahrgenommen wird in Zeiten der Superlative. Und da wurde einiges aufgefahren von den Wetterlurchen, von Lebensgafahr war die Rede und davon ja zu Hause zu bleiben. Klingt toll und ist sicher hilfreich für die Millionen, die zur Arbeit mussten. Hätte gern mal die Reaktion von meinem Chef gehört, bei einem entsprechendem Anruf.

Gerade auch der Deutsche Wetterdienst, der ja eigentlich seriös sein möchte, reiht sich ein in die inflationär Warnenden, im regelmässigen Abständen poppen bei meiner Alexa die Warnungen auf, Frost, Wind, Windböen, Sturm, es nimmt gar kein Ende. Ich warte noch auf die Warnung vor Dunkelheit, die kam bisher noch nicht, was aber nichts heißen soll.

Das mit dieser Dauerberieslung u. U. genau das Gegenteil dessen erreicht wird, was man eigentlich erreichen möchte, nämlich die Sensibilisierung für Wetterereignisse, nimmt man meiner Meinung nach billigend in Kauf, es geht schließlich um Klicks und Kohle und nichts sonst!

Hochachtungsvoll, Ulrich Erich.


6. Leserbrief

Hallo Herr Berger,

die große deutsche Nation ist inzwischen eine Nation von Menschen, die nur noch im wohldosiert temperierten Wasser Körperhygiene betreiben kann. Vor einigen Jahren wurde ernsthaft diskutiert, die analogen Uhren abzuschaffen, da die lieben Kleinen Schwierigkeiten hatten auf den Chronometern die Zeit abzulesen. Kürzlich wurde die Studie veröffentlicht, die aufdeckte, dass Menschen in jüngeren Altersklassen Versagensängste haben, wenn es um das Betanken ihrer Fahrzeuge ging. In Rheinland-Pfalz wurden vom Bildungsministerium untersagt an Schulen unangekündigte Tests durchzuführen. Die lieben Kleinen würden hierdurch extrem traumatisiert. Als letztes möchte ich eine Stimme aus einer Befragung zitieren (gesendet im SüdWestRundfunk):

Eine junge Frau, zu ihrer Meinung Wehrpflicht befragt antwortete: “Wehrdienst finde ich gut, Wer diesen absolviert, lernt Wäsche falten und Betten machen.” So erzieht man Helden, dazu muss man doch nicht mehr sagen.

Den Nachdenkseiten kann man nie genug für ihre Arbeit danken.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Weiß


7. Leserbrief

Liebe NDS-Redaktion,

Extremwetter heißen Extremwetter, weil sie selten sind – sonst wäre sie ja Normalwetter. Allerdings bekommt man mehr und mehr den Eindruck, dass mittlerweile jedes “Normalwetter” zum Extremwetter hochstilisiert wird. Man rechnet der Natur vor, wieviele Sonnenstunden ein Monat haben darf, wieviel Niederschlag erlaubt ist, welche Temperaturen nicht überschritten werden dürfen. Bei Abweichungen stimmt dann natürlich etwas mit der Natur nicht. Was aber wäre denn der “richtige” Zustand der Natur? Genauso wenig wie ein Fluss auf einen bestimmten Zustand festgelegt ist, sind es Witterung oder Klima ebenfalls nicht. Frühere Verhältnisse sagen uns auch nicht, wie der Fluss (oder die Witterung, das Klima) seiner Natur nach sein sollte, welcher Zustand “der richtige” ist. Offensichtlich empfinden wir den Naturzustand heute als eine vom Menschen verursachte Aneinanderreihung von Katastrophen. Diese sollen nun vom Steuerzahler ausgeglichen werden, weil Politik die Allgemeinheit im Glauben lässt, sie wäre schuld daran, dass das Wetter so verlief, wie es verlaufen ist. Medial werden Katastrophen ausgeschlachtet, die gar nicht stattgefunden haben.

Viele Grüße
Michael Wrazidlo


8. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger, sehr geehrtes Nachdenkseitenteam

Ja es ist einerseits gut, wie sie schreiben, dass die Deutschen, zumindest viele davon, so hochsensibel geworden sind gegenüber Abweichungen von der gemütlichen Normalität, dass sie dadurch eigentlich nicht mehr kriegstauglich sind, was zumindest einen deutschen Angriffskrieg in naher Zukunft nicht sehr erfolgversprechend erscheinen lässt. Falls unsere Politiker dies auch im Blick haben sollten, wäre dadurch der Frieden generell ein Stück mehr gesichert. Mit so einem Volk lässt sich offensichtlich noch sehr schräge Politik machen aber ein Krieg möglicherweise nicht mehr, zumindest nicht mehr erfolgversprechend.

Andererseits ist diese mangelhafte emotionale Resilienz, die sich ja auch in zunehmenden Depressionszahlen und posttraumatischen Belastungsstörungen zeigt, auch ein Hinweis darauf, dass diese nicht nur medial erzeugte Übersensibilität, auch ein Zeichen von zunehmender Realitätsuntauglichkeit sein könnte.

Es kann aber auch sein, dass die vielfältigen Zumutungen der modernen Welt und die generellen Zumutungen des Lebens, die ungern thematisiert und gerne unter den Teppich gekehrt werden, generell die Resilienz gegenüber allem und jedem stark reduzieren.

Mir scheint aber, dass die hiesigen Menschen eher in einer bildschirminduzierten illusionären Traumwelt leben, in der sie zunehmend mehr den Kontakt zur ersten Realität verlieren und in dieser zunehmend lebensuntauglich und traumatisiert werden, weil sie mit einer unbegrenzten Anspruchshaltung sich gar keine Welt mehr vorstellen wollen, in der sie etwas natürlich Induziertes behindern könnte.

Ich selbst, als leicht desillusionierter Zeitgenosse, bin aber dennoch gelegentlich auch sehr verwundert darüber, dass die Menschen in diesen häufig extrem dunkeln, trüben, nasskalten Wintertagen, die sich ja locker von Anfang November bis Ende Februar hinziehen können, derart munter ihr Tagesgeschäft abwickeln, so als würden sie in der besten aller möglichen Welten leben.

Generell ist, was Kriegstauglichkeit angeht, die deutsche Infrastruktur in keinster Weise kriegstauglich und kann auch überhaupt nicht wirklich  kriegstauglich gemacht werden, wie u.a. der Stromausfall in Berlin auch zuletzt denen deutlich gemacht haben sollte, die mehr entlang faktischen Vorgängen als entlang möglichen realen Risiken denken können oder wollen. Eine notwendige Voraussetzung für Kriegstauglichkeit wäre ein total sicherer Schutzschirm gegen Luftangriffe jeglicher Art, weil die kritische Infrastruktur überhaupt nicht absolut resilient umgebaut werden kann.

Fritz Gerhard


9. Leserbrief

Hallo, liebe Nachdenkliche,

Klasse Artikel von Jens Berger, das Absurde,  die Lachmuskeln anregend , aufs Köstlichste verdeutlicht.

“Made my day”!Einerseits.

Gleichwohl trete ich mal neben mich und sage mir: In der verzweifelten jungen Frau an der Tiefgaragenausfahrt amüsiert uns nun eins der “Ergebnisse” der Entfremdung, die diese Geselloschaft, diese Zeit den Kindern angetan hat. Es ist ja wirklich auch sehr komisch für unsereiner”alte weiße Leute”– Lebenserfahrungshintergrund, die wir noch mit Schlitten in halbvereisten Bächen am Fuße des Rodelabhanges gefallen und  durch die Kälte in nassen Klamotten bibbernd heimgerannt sind und im Sommer an solchen Bächen Frösche fingen und kleine Staudämme oder Wasserräde aus Zweigen und Schnüren bauten,..…

Spotlight auf ursächliche Elemente des zur Normalität gewordenen Wahnsinns. der sich da in der Tiefgaragenausfahrt zeigt. Wir lachen, doch sie erlebt ihr Entsetzen ja echt, aufgrund der Prägung., die ihr die Gesellschaft angetan hat.

Alte Prägungen: Im kalabresischen Dorf meiner angeheirateten Familie weinte einmal damals meine Schwiegermutter bitterlich und fassunsglos über etwas, worüber die deutschen Freunde sich ausschütteten vor Lachen: ich war barfüß durch die Gassen gelaufen! Damit hatte ich die Familie der Gefahr ausgeliefert, Opfer des Monsters Dorfklatsch (“böser Blick, böse Zungen”) zu werden – es bedeutete nämlich nach dortiger Tradition, die Famlie könne mich nicht mit Schuhwerk versorgen.

Neue Prägungen: Was über die Medien, außer dass sie jeden Furz der Natur zur Katastrophe Hochjammern,  ebenfalls seit Langem auf die Hirne wirkt, und damit Wahrnehmungen und Denken – neben anderen ‘Einflüssen – mitprägt, das ist die Illusion, man könne alle Naturphänomene und -elemente total in den Griff bekommen. Ein früherer CEO von Moderna sprach in einem Vortrag von “die Software des Lebens ändern”, für das an den Genen Herumfummeln..Gleichermaßen verkündet man, die “Software” von Klima und Wetter modulieren zu können und zu wollen, auch das (angeblich für jedes Phänomen verantwortliche ) Klimakatastrophische, wenn man nur auf den deutschen paar Quadratzentimeterchen des Globus Nachbarn, Kühe, Pflanzen (und am besten auch Babys durch nicht mehr Gebären) am teuflischen C02-Ausstoßen hinderte und flächendeckend Elektroauto führe.

Zugleich haben junge Leute wie diese Weinende oft von klein auf mittlerweiler Wetter, Wald, Wind, alles sowohl Wunderbare als auch Bedrohliche der Natur mehr zweidimensional über Screens erlebt, weniger mit allen Sinnen, mit Körper und Geist real und mehrdimensional, der für Hirn- und Emotionsentwicklung nötige erlebte Bezug ist schwer gestört.

Unsere Ohnmacht wird verleugnet. Unseren Vorfahren und Urahnen war noch selbstverständlich, dass gegenüber den Naturgesetzen und dem gelegentlichen Toben ihrer Auswirkungen (und auch ihren der menschlichen Erkenntnis und Wissenschaft nie bis ins Letzte entschlüsselbaren Wirkungen) ein gewisser Respekt angebracht ist, dass es Grenzen ihrer Beherrschbarkeit gibt. Das nicht alles machbar ist. Dass alles machbar wäre (bis hin zu Geschlechtsdefinitionen, prothetischem Ersetzen jeglicher Körperteile, Internetanbindung der Gene, künstlichen Gebärmüttern u.v.a.m., und alles, alles durch Digitalisierung lösbar (Boden? Anbau von Essen?) – diese Botschaft prägt jetzt ganze Generationen. Da wird jeder Pups, mit dem ein Naturphänomen einen Tagesplan stört, logischerweise zur bedrohlichen Ohnmachtserfahrung. Nur war die Idiotie schon vorher, bei Anderen als dieser jungen Fraui

Absoloute Ohnmachtserfahrung, also die totale Verhinderung jeglicher Möglichkeit, etwas Hilfreiches selbst zu tun in einem bedrohlichen, schmerzhaften Ereignis, auch in einer länger andauernden solchen Lage – das ist die Definition von Traumatisierung.

Unsere Urahnen fanden Wege aus dem Ur-Trauma von Wehrlosigkeit, Verletzlichkeit gegenüber Raubtieren und Naturgewalten, Ausgeliefertsein an die Unwägbarkeiten der Nahrungsbeschaffung,.Aber über Jahrtausende konnten Menschenkinder immer noch direkt mit allen Sinnen erleben, was man die “Einheit der Widersprüche” nennen kann – dass das, was uns potentiell fressen und vernichten kann, uns zugleich ernährt, wohltun und heilen kann, schützen kann. Und dass es nicht schlimm ist, wenn es unserem Einfluss entzogene Dinge gibt, da lernt man eben (oder nicht) die Möglichkeiten, damit zu leben.

Mein Kichern über den eigentlich begrüßenswerten “Kollateral-Effekt”, dass diese weinende junge Frau von den Kriegstreibern nicht einplanbar, nicht tauglich als Soldatin in einem russischen Winter wäre, erstirbt, wenn mir klar wird, das junge Menschen mit dieser Prägung für einem guten Frieden in gesunder Verbundenheit mit Menschen und Natur, mit Kritik- und Denkfähigkeit und gerne Anpacken in einer teilhabefreundlichen Gesellschaft auch nicht mehr besonders gut gerüstet sind.

Marie-Luise Cavallaro


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