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Titel: Leserbriefe zu „‚Trickkiste der Putin-Freunde‘: Gerhard Schröder provoziert durch Vernunft“
Datum: 31. Januar 2026 um 15:00 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
Verantwortlich: Redaktion
In diesem Artikel kommentiert Tobias Riegel den Inhalt eines Gastbeitrages von Ex-Kanzler Gerhard Schröder in der Berliner Zeitung und die Reaktionen darauf. Schröder habe in dem Zeitungsbeitrag gegen eine langfristige Dämonisierung Russlands und für eine Wiederaufnahme des Energiehandels mit dem Land plädiert. Die scharfen Reaktionen auf diese vernünftigen Positionen aus dem In- und Ausland seien zu erwarten gewesen. Wir haben hierzu interessante Zuschriften erhalten und bedanken uns dafür. Es folgt nun eine Auswahl der Leserbriefe, die Christian Reimann für Sie zusammengestellt hat.
1. Leserbrief
Lieber Herr Riegel, liebe Redaktion,
vielen Dank für diesen Artikel. Ihr Fazit sehe ich genauso.
Frau Tsahkna und Frau Kallas fallen durch fehlende Geschichtskenntnis auf. Sonst wüssten sie, dass der Koreakrieg und Vietnamkrieg besonders grausame Kriege mit jeweils Millionen Toten waren, von den Irakkriegen mit den “Kollateralschäden” in Millionenhöhe nicht zu reden. Dafür schüren sie Feindschaften. Vielleicht sollten sie den Reality-Check mit Maschinengewehr an der Front machen, statt junge Männer in den sicheren Tod zu schicken. Die Zahl der Zivilopfer in den ukrainischen Kriegen (2014-2022)(2022-?) ist bedrückend und schmerzlich, lässt sich aber mit den vorgenannten Kriegen bei weitem nicht vergleichen.
Über solche Leute wie Roth und Konsorten, den ich nicht für nennenswert intelligent halte (persönliche Meinung) brauchen wir nicht zu reden.
Herzliche Grüße, Joachim Seffrin
2. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Riegel,
ich will zu Ihrem Artikel eigentlich nicht viel schreiben.
Richtig und vernünftig sind die Aussagen von Gerhard Schröder natürlich. Er ist halt bei manchen Fehlern in seiner Amtszeit ( hier: Agenda 2010), ein Politiker, der noch über Weitsicht verfügt. Durch seine fundierten Kenntnisse der politischen Zusammenhänge in der Welt, kommt er halt zu solchen Erkenntnissen, wie das deutsche Verhältnis zu Russland sein sollte, von dem dann beide profitieren. Ich erinnere nur an ein Interview von George Friedman (USA) aus dem Jahr 2015. Darin sagte er, dass es immer Politik der USA war, das Deutschland und Russland nicht zusammenkommen dürfen, weil sie vereint die einzige Macht sein würden, die gefährlich für die USA wären. Dieses Ziel hat die USA erreicht. Mitgeholfen haben die sogenannten Transatlantiker. Der von Ihnen genannte Herr Roth ist einer davon. Seine Meinung zu Gerhard Schröders Aüßerungen verwundern mich nicht. Die Herr ist regelrecht zerfressen von seinem Russlandhass. Ich habe ihn mal persönlich erlebt. Eine vernünftige Diskussion über die Beziehung zu Russland ist mit ihm nicht möglich. Zu den Auslassungen der baltischen Politiker braucht man ebenfalls nichts zu sagen. Ohne überheblich zu sein, ist aber festzustellen, dass die Politiker dieser Länder doch einen ziemlich rüpelhaften Ton im politischen Miteinander anschlagen. Diplomatie kennen sie nicht.
Ulrich Kleinecke
3. Leserbrief
Moin,
Gerhard Schröder hat selbst viel Dreck am Stecken:
Die Tatsache, daß er sich für eine Versöhnung mit Rußland ausspricht, kann auch opportunistischer Natur sein, immerhin profitiert er von seiner Verflechtung mit Gazprom. Opportunismus ist einem erfolgreichen Politiker inhärent.
Nichts für ungut, aber wenn einer schweigen sollte, der sehr viel Schaden am deutschen Volk anrichtete, dann er. Laßt mich anstatt Seiner sprechen: Dreht den verdammten Gashahn an der noch intakten Pipeline endlich auf! Wie blöd kann man sein? Wenn ich Schmerzen habe, weil ich ein Messer in meine Haut steche, dann stecke ich es doch nicht noch tiefer hinein! Die EU verbietet russisches Erdgas, gleichwohl, wie es importiert wird, seit 2027. Regen sich dagegen Stimmen? Oder bin ich taub?
Die SPD hat sich ohnehin selbst abgeschafft. Wer -wiederholt!- Kriegskredite finanziert und sich nicht vehement gegen Waffenlieferungen in Kriegs- & Krisengebiete ausspricht, hat in der Regierung nichts verloren. Gut, das schließt natürlich auch alle anderen Parteien ein, die derzeit etwas zu entscheiden haben. Urteil: alle verfassungswidrig! Die SPD sollte sich “PD” umbennen: an ihr ist so viel sozial wie der Mindestlohn menschenwürdig ist (sonst läge er bei mindestens 20€/h).
Ansonsten stimme ich Schröder tatsächlich zu: “Rußland ist nicht das Land der Barbaren.” — Bravo! Endlich wagt es jemand von Rang, der Dämonisierung entgegen zu treten. Wir erinnern uns: Entmenschlichung des “Gegners” ist aller Kriege Anfang. Kriege führen Menschen stets gegen Menschen, nicht gegen Tiere oder irgend etwas anderes; und das immer aus niederen Beweggründen. Vergewaltiger & Mörder sperrt man ein, aber das konsequenzlose Abschießen von Russen ist legitim?
Und ja, “Rußlands Krieg in der Ukraine” IST zu rechtfertigen. Dazu stehe ich nach wie vor. Er ist sogar völkerrechtlich legitim (konträr auch zu Alexander Neu & Oskar Lafontaine), da sich Krim & Donbas offiziell sezessierten, sogar mit Abstimmungen, und ohne ein Schuß in der Krim; die Rußland angedichtete Annektion ist Unfug. Rußland steht lediglich denen Teilen militärisch bei, die sich ihm freiwillig angeschlossen haben — was aufgrund der russischen Ethnie auch nicht verwunderlich ist. Damit dämonisieren sich sämtliche Anti-Schröder-Stimmen selbst: zunächst müßten sie -völlig wertfrei- die aktuelle Situation erkennen, um sie anschließend richtig einordnen zu können. Aber schon beim Erkennen hapert es. Alles Andere sind Folgefehler, die ich hiermit rot anstreiche. Aggressor sind die USA, mitsamt ihrer NATO — nicht Rußland. Wer hat noch gleich für einen neonazistischen Regimechange 5 Milliarden US-Dollar investiert? Rußland? Hust. Die müssen alle mal ganz ruhig bleiben. Sie haben schlicht nicht die Kompetenz, die Klappe aufzureißen. Der “brutalste Krieg seit dem 2. Weltkrieg” (Margus Tahkna) ist aus meiner Sicht übrigens das widerwärtige Aushungern von Palästinensern, während man zeitgleich ihr Zuhause wegbombt und ihnen beim Anstehen für Essen die Köpfe wegschießt, während Deutschlands Unterstützung Israels “Staatsraison” sei. Das aber nur am Rande.
Wo steht noch gleich eine ziemlich große US-Kaserne? Irgendwo im ehemaligen Jugoslawien? War das nicht die Größte außerhalb US-Territoriums? Was haben die hier verloren? Fragen über Fragen…
Mit freundlichen Grüßen,
Michael Schauberger
[1] Bundeswehrpropaganda: dbwv.de/aktuelle-themen/blickpunkt/beitrag/vor-20-jahren-die-nato-fliegt-luftangriffe-gegen-jugoslawien
4. Leserbrief
Hallo Tobias Riegel,
Kosovo-Krieg? Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass der von Ihnen sogenannte Kosovo-Krieg in Wahrheit ein NATO-Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien 1999 zur Herauslösung des Kosovo war. Völkerrechtliche Einordnung: Der Einsatz von 1999 war der erste Krieg, den die NATO ohne UN-Mandat und außerhalb eines Bündnisfalls führte. Gerhard Schröder & Co haben Putin 1999 die Blaupause für dessen völkerrechtswidrigen Überfall der Ukraine 2022 geliefert.
Der von Ihnen laudatierte Bellizist Schröder gehört zu jener (…), die die Welt mit ihren völkerrechtswidrigen Kriegen in Atem hält und zerstört. Er lieferte 1999 mit seiner eifrigen völkerrechtswidrigen Beteiligung der BRD an dem NATO-Überfall auf Jugoslawien die Blaupause für den völkerrechtswidrigen Russland-Überfall der Ukraine 2022.
Gerhard Schröder wurde am 27. September 1998 vom Deutschen Bundestag zum Bundeskanzler gewählt.
Am 16. Oktober 1998 stimmte der Deutsche Bundestag mit 500 Ja-Stimmen, 62 Nein-Stimmen und 18 Enthaltungen für die Beteiligung Deutschlands an den NATO-Krieg gegen Jugoslawien. Die Abstimmung war der erste Kriegseinsatz der Bundeswehr seit ihrer Gründung.
Und Gerhard Schröder war es, der nach Weltkrieg II in Europa wieder Krieg möglich machte. – Ein Novum, das schändlicher nicht sein kann.
Für den Eintritt Deutschlands in den Afghanistankrieg stellte er im Deutschen Bundestag die Vertrauensfrage.
Gerhard Schröder verknüpfte am 16. November 2001 die Abstimmung über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan mit der Vertrauensfrage nach Art. 68 GG. Das war ein politisch außergewöhnlicher Schritt. In der rotgrünen Koalition gab es Abweichler, besonders bei den Grünen. Schröder drohte, ohne eigene Mehrheit dazustehen.
Um die Koalition zu disziplinieren, koppelte er die Zustimmung zum AfghanistanEinsatz an die Vertrauensfrage. Schröder erhielt nur eine knappe Mehrheit von zwei Stimmen.
Schröder stellte die Vertrauensfrage, um den Bundestag zur Zustimmung zum AfghanistanEinsatz zu bewegen – ein machtpolitisch drastisches, aber offensichtlich wirksames Mittel.
Und auch DIE DEUTSCHE MITTÄTERSCHAFT am völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Irak hat stattgefunden.
“Deutschland wird sich nicht am Krieg gegen den Irak beteiligen”, mit dieser Lüge hatte es Bundeskanzler Gerhard Schröder im September 2002 gerade noch einmal geschafft, die Bundestagswahlen zu gewinnen. Seine Anhänger feierten ihn als “Friedenskanzler”.
Doch im krassen Gegensatz zur öffentlich verkündeten Kriegsablehnung stand von Anfang an die praktische Unterstützung, die die Bundesregierung den USA und Großbritannien bei der Vorbereitung und der reibungslosen Durchführung des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges gegen den Irak gewährte.
Z.B. als zentrale logistische Drehscheibe für die US-Kriegsmaschinerie, für die Truppen- und Kriegswaffentransporte in die Golfregion. Wohl wissend, dass die Vorbereitung und die Führung eines Angriffskrieges vom Grundgesetz (Artikel 26) verboten und ein Straftatbestand (§§ 80, 80a StGB) ist, wurde die Nutzung von Flughäfen und Militärstützpunkten erlaubt, wurden Überflugrechte für die US-amerikanischen und britischen Bombenflugzeuge erteilt.
Tobias Riegel, warum unterschlagen Sie uns das alles?
Einen solchen Ratgeber braucht kein Mensch! Der Mann hatte seine Chance. Und auf die Idee, mit Russland endlich Zusammenarbeit zu suchen, sind Gott-sei Dank auch schon andere gekommen.
Beste Grüße
Jürgen Beineke
5. Leserbrief
Lieber Herr Riegel!
Ich halte Gerhard Schröder für einen der besten Kanzler (neben Brandt), die wir bisher hatten. Gerade auch wegen seiner Außenpolitik. Den Jugoslawienkrieg hat er bereut (Interview mit dem Zeitjournalisten Joffe) und den Irakkrieg erst gar nicht angefangen. Ich bin immer noch der Überzeugung, dass der ehemalige Kanzler sich durch sein Umfeld wie Fischer, Scharping, Blair und natürlich auch durch unsere Medien hat in diesen Balkankrieg hineintreiben lassen. Bei seinem Abgang als Kanzler war die SPD noch stark. Aber die Rente mit 67 ( Müntefehring, der heute noch gern von den Medien vorgezeigt wird) und die sich anschließende Kriegspolitik hat die SPD zu ihrem Absturz gebracht, von dem sie sich wohl nicht mehr erholen wird. Die Annäherung zu Russland wird heute in erster Linie von der AfD übernommen, was sicherlich auch zu ihrem (in diesem Zusammenhang verdienten) Erfolg geführt hat. Ich bin froh, wenn sich Gerhard Schröder immer mal wieder meldet, was ja wie jetzt auch, vom Fernsehen kaum beachtet wird und er als Exkanzler auch deshalb so eine Art Schattendasein führt. Er hat durchaus recht, wenn er sagt, dass der Russenhass heute verbreitet ist. Er ist so verbreitet wie der Franzosenhass vor dem Ersten Weltkrieg bei uns. Nur da gab es noch die Erinnerung der Deutschen an die Zerstörungen durch den Sonnenkönig bei uns im Südwesten und an die Einnahme durch Napoleon. Der Russenhass aber wird durch Medien und Parteien wie der CDU und den Grünen regelrecht geschürt. Also ist es gut, wenn sich unser ehemaliger Kanzler meldet, was natürlich nahezu niemandem bei uns gefällt. Dieser Ex-Kanzler hätte einen anderen Umgang verdient.
Mit freundlichem Gruß
Harald Pfleger
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