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Titel: Wenn Mainstreampresse über Bürger die Nase rümpft: „In bestimmten Kreisen …“

Datum: 5. Februar 2026 um 10:00 Uhr
Rubrik: Kampagnen/Tarnworte/Neusprech, Medienkritik
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Es geht um Corona. Die Gesellschaft sei gespalten, heißt es, und die Schuldigen selbstverständlich gefunden. Doch sind das nicht etwa die Akteure, die die immer noch währende Spaltung durch ihr stures Handeln als Entscheidungsträger oder medialer Überbringer verursachen und zementieren; es sollen Bürger sein, die die Politik kritisieren, die unbequeme Fragen stellen, die in dem Spiel „Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen“ nicht (mehr) mitmachen, die aber leider keine Ahnung haben. Doch wäre es längst Zeit für einen Wandel, ein Einsehen, der faire Streit allerseits. So gelänge eine Annäherung, eine Entspannung. Doch bei der herrschenden Politik und den ihr dienenden Medien wird einfach weitergemacht, als wären wir noch im Jahr 2021. „Kritiker? Gehören nicht zu uns“, befinden sie. Beispiele? Zwei Presseartikel zeigen eine Abgehobenheit der politischen und publizistischen Klasse von ihren Wählern und ihren Lesern, den Bürgern. Ein Zwischenruf von Frank Blenz.

Zunächst: Die folgenden Zeilen sind kein Zwischenruf über ein „richtig“ oder „falsch“ medizinischer Erkenntnisse, Lobpreisungen medizinischer Leistungen, Kritiken und Empörungen von Bürgern und Engagement im Bereich der Aufarbeitung der Corona-Jahre. Der Zwischenruf ist ein Protest gegen die teils unsägliche Wortwahl in Medien und das Auftreten in Kommissionen, sich gegen Bürger richtend, welche jedes Recht zur freien Meinungsäußerung, zur Empörung haben. Corona war eine Katastrophe und ist es immer noch.

Erstes Beispiel: Im Tonfall von Nase rümpfenden Besserwissern

Die Sächsische Zeitung aus Dresden, eingebunden ins RedaktionsNetzwerk Deutschland, hat gerade – ebenso wie nicht wenige andere führende Medien – zu einer Art Rundumschlag ausgeholt. Sie können das, weil es sich um ein Netzwerk handelt. Und Handeln scheint nötig angesichts der Fragen, der Empörung im ganzen Land und der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft, weil in Sachen Aufklärung zu Corona allzu wenig vorangeht. Auch macht ein böses Wort weiterhin die Runde: Turbokrebs. Die Deutungshoheit ist in Gefahr, nicht die Versöhnung. Nach einer medialen Ruhephase schlägt der Faktencheck der Sächsischen Zeitung zu. Er klärt auf, heißt es in einem Artikel, dessen Inhalt sich ebenso in vielen anderen Medienbeiträgen kampagnenhaft findet.

Turbokrebs“ durch Corona-Impfung? Was wirklich dahintersteckt

(Quelle: Sächsische Zeitung)

Unabhängig davon, was der Artikel an Informationen hergibt, sind einige Wortkreationen weit weg von einer medialen Dialogbereitschaft: Da geht es lang, tönt es lieber: Faktenchecker klärten auf. Impfgegner warnten vor Turbokrebs als Nebenwirkung der Corona-Impfung. „Angeblich“ darf auch nicht fehlen. Seit der Pandemie kursierten Behauptungen, und eine fragwürdige Studie werde über die sozialen Medien verbreitet, heißt es. Die Sächsische Zeitung fragt: „Kann das stimmen?“ Sie lässt einen Experten zu Wort kommen, der fortan all die Impfgegner und Impfgegnerinnen anspricht, die „frischen Wind in ihre Segel“ bekommen haben sollen durch eine südkoreanische Studie zu ebendiesem Turbokrebs – die sei keine gute.

Weiter formuliert die Sächsische Zeitung abstempelnde Zeilen über Menschen, die hinter dem ganzen Treiben stecken sollen. Beruhigend ist, es seien überwiegend Gesundheitslaien, Amateurinnen und Amateure. Doch halt! Die organisieren sich in sozialen Netzwerken.

Die Akteure hinter medizinischen Fehlinformationen

Wer hinter solchen Behauptungen steckt und was die Verbreiter damit bezwecken wollen, beantwortet der Hamburger Rechtsanwalt Jan-Henning Steeneck in seiner Doktorarbeit „Medizinische Fehlinformationen in den sozialen Medien“ (2025). Als Verfasser der Mythen identifiziert der Jurist überwiegend Gesundheitslaien und Amateurinnen und Amateure, die Inhalte ohne medizinische Qualifikation und redaktionelle Standards erstellen. Steeneck bezeichnet sie als „neue Akteure der Wissenschaftskommunikation“. Sie organisieren sich in sozialen Netzwerken.

Es soll sogar auch Akteure und Akteurinnen geben, die Profit aus ihrem Handeln schlagen:

Dazu kommen Steeneck zufolge Akteure und Akteurinnen, die mit der Verbreitung von Fehlinformationen Geld verdienen oder ideologische und politische Ziele verfolgen, um das Vertrauen in Regierungen, Behörden oder die Wissenschaft zu untergraben.

(Quelle: Sächsische Zeitung)

Zweites Beispiel: Eine „umstrittene“ Künstlerin und ihre „zweifelhaften“ Anhänger

Die Sächsische Zeitung titelte zunächst sachlich: „Klage gegen Corona-Maßnahmen in Sachsen: Niederlage für Sängerin Julia Neigel“. Gemeint ist die Sängerin Julia Neigel, die seit 2021 (!) erfolglos gegen die 2G-Regel protestiert. Und auch das Oberverwaltungsgericht Bautzen sähe keine Grundlage für ein Normenkontrollverfahren. Doch Neigel werde weiterkämpfen, „bis man ihre Klage zulässt und sich Gerichte mit den aus ihrer Sicht rechtswidrigen Einschränkungen in der Corona-Zeit beschäftigen“, erfährt der Leser. Die Sächsische Zeitung zitiert Neigel weiter ebenso wie einen ihrer Mitstreiter:

Es ist so viel Unrecht geschehen“, sagte sie. „Das dürfen wir nicht so stehen lassen.“

Gewerkschafter Marcel Luthe, der das Verfahren zusammen mit Neigel vorantreibt, kritisierte das OVG. „Die erratische Kommunikation der Coronaverordnungen hat viel Vertrauen zerstört, das durch dieses Verfahren hätte wiederhergestellt werden können. Das Gericht setzt aber genau diese Spiegelfechtereien fort und sieht sich deshalb dem Vorwurf der Befangenheit ausgesetzt.“

Dass das Gericht keinen Schritt in Richtung Vertrauensbildung geht, sondern Spiegelfechtereien fortsetzt und damit weiter Vertrauen zerstört, damit beschäftigt sich die Sächsische Zeitung nicht. Aber damit:

Großer Unterstützerkreis für Neigel

In bestimmten Kreisen erfährt Neigel für ihre Klage große Unterstützung. Sie ist für einige Menschen eine Heldin, die als einzige den Staat für das vermeintliche Corona-Unrecht zur Rechenschaft zieht. Als Neigel zuletzt auf Facebook ihre mehr als 55.000 Anhänger dazu aufrief, sie bei der Verhandlung zu unterstützen, erntete sie Herzen und Daumen nach oben aus der Querdenker-Blase.

(Quelle: Sächsische Zeitung)

Da ist sie wieder: eine unsägliche Wortwahl wie „bestimmte Kreise“, „Heldin“, „als einzige im Staat“, „vermeintliches Corona-Unrecht“ und schließlich „Querdenker-Blase“.

Mit nur einem selbstgefälligen wie spöttischen Satz aus einer Redaktion einer Zeitung, die sich bürgernah, lokal, regional volksnah geben möchte, schließt diese Redaktion Menschen, Leser, Bürger aus, statt sie einzubeziehen, Respekt zu zollen, Distanz zu wahren: „Als Neigel zuletzt auf Facebook ihre mehr als 55.000 Anhänger dazu aufrief, sie bei der Verhandlung zu unterstützen, erntete sie Herzen und Daumen nach oben aus der Querdenker-Blase.“

Dafür der Sächsischen Zeitung Daumen nach unten.

Ttielbild: lonndubh / Shutterstock


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