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Titel: Leserbriefe zu „Deutsche Journalisten spielen Krieg: „Was, wenn Russland uns angreift?““

Datum: 12. Februar 2026 um 14:00 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
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Tobias Riegel kommentiert hier ein emotionales Szenario, das einen russischen Angriff auf die NATO simulieren soll. Erdacht hätten es die Tageszeitung Welt und die Bundeswehr-Uni mit einigen Politikern und „Experten“ für ein Planspiel. Diese öffentliche Inszenierung richte sich an die Bürger, deren „Kriegstüchtigkeit“ durch solche unseriösen Spektakel noch mehr gesteigert werden soll. Was also „spielerisch“ daherkomme und angeblich nur zu dem Zweck veranstaltet werde, „unsere Schwächen zu erkennen“, das sei nichts weiter als ein weiterer propagandistischer Mosaikstein in der Erziehung der Deutschen zu mehr Kriegswilligkeit. Von unseren Lesern haben wir dazu interessante Leserbriefe erhalten. Dafür bedanken wir uns. Die nun folgende Auswahl hat Christian Reimann für Sie zusammengestellt.


1. Leserbrief

Sehr geehrte Nachdenkseiten,

ein sehr guter Artikel von Tobias Riegel! Der prägnante Schlußsatz zeigt, worum es bei solchen Spielchen tatsächlich geht. „Wir“ ernten heute die Früchte der immensen Forschung in den Sozialwissenschaften im 20. Jahrhundert.

Freundliche Grüße, und weiter so, Wolfgang Blendinger


2. Leserbrief

Liebe Nachdenkseitenredaktion,

schon die erste Annahme der geschilderten Kriegsgedankenspiele ist an sich absurd:

„…im Kanzleramt brennt noch Licht!“

Dieser schmucke Bau gehört wohl eher in eine Zielkategorie, in der im tatsächlichen Angriffsfall nie wieder das Licht angeht. Was für Traumtänzer sind da nur am Werk?

Mit freundlichen Grüßen
Martin Siebert

p.s. von Walter Moers gibt es ein putziges Video, an das ich bei dieser Formulierung zuerst denken musste. Nur brennt da noch Licht im „Föhrerbonker“…


3. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Riegel!

“Viele weniger gut informierte Bürger in Deutschland haben die Angst vor einer „russischen Gefahr“ bereits fest verinnerlicht, obwohl es keine militärisch-politischen Tatsachen gibt, die das rational begründen würden.“

Das gilt nicht nur für Deutschland. Ein ehemaliger Kollege hat mir gegenüber unlängst dieses „Denken“ geäußert. Und ich zähle ihn nicht zu denen, von welchen ich nichts anderes erwartet hätte. Der Kampf um die Deutungshoheit benebelt die Gehirne. Auslassungen, Wiederholungen und manipulatives Wortmaterial (bes. bei adjektivischen Beifügungen) sind vorläufig erfolgreicher als Information, die nicht vom Mainstream kommt. Die Soft-Power ist stärker als das kritische, selbständige Denken. Goebbels hätte seine Freude. Der hatte aber seinerzeit auch nicht die technischen Möglichkeiten.

Ich bin immer wieder überrascht, dass es Menschen – auch Politiker – gibt, die so denken wie sie denken. Das geht so weit, dass ich manchmal denke: Vielleicht liege ich mit meiner Auffassung falsch. Damit bin ich nicht allein.

Gerade deshalb ist es wichtig, u.a. das Werben um Kriegstüchtigkeit gegen die Russen (= Putin) zu hinterfragen. Und darin möchte ich Sie bestärken.

Reinhard Winkler


4. Leserbrief

Hallo Herr Riegel,

vielen Dank, dass Sie einmal mehr eine der albernen Propagandablasen der Mainstream-Presse (Welt) in Ihrem Artikel aufgreifen. Dem fiktiven (und von den Schreiberlingen wohl real herbeigesehnt) Szenario in der “Welt”: Stellen Sie sich vor, es ist Dienstag, der 27.Oktober 2026, 6.47 Uhr, im Bundeskanzleramt in Berlin brennt Licht, russische Truppen stehen an der Grenze zu Litauen, offenbar bereit, in das Nato-Land einzumarschieren, stelle ich mein persönliches Szenario entgegen: Der 27.Oktober ist mein jährlicher Geburtstag, an dem ich in diesem Jahr 65 Jahre alt werde. Ich kann dann sogar in Rente gehen, weil ich zu dem Zeitpunkt bereits über 46! Jahre voll gearbeitet habe. Das ist doch ein Grund zum Feiern! Und als gute europäische Nachbarin würde ich mir wünschen, dass die Russen nicht den Umweg über Litauen machen (was sollen die in dem Miniatur-Nato-Land?), sondern direkt über die Ostsee gen deutschem (Nato-)Hafen Kiel schippern. Dort würde ich mit einer guten Flasche Wodka (na, lieber ein paar mehr) mit dem Besuch aus Russland auf meinen 65zigsten anstoßen. Um den Tag abzurunden, würde ich die Russen zu einer Spritztour nach Berlin einladen, um im Bundeskanzleramt nachzufragen, ob die dort tatsächlich erst um 6.47 Uhr anfangen zu arbeiten?! (Aber vielleicht geht wegen der Gasmangellage in Deutschland -und im Oktober 2026 muss man sich bereits auf den kommenden Winter 2027 einstellen- das Bundeskanzleramt mit gutem Beispiel voran und man arbeitet dort vor 6.47 Uhr aus Sparsamkeit im Dunkeln). Zum Abschluß des “Feier”-Tages würde ich den Russen aus dem Buch “Geliebtes Sibirien” von Traugott von Stackelberg (10.Auflage 1975) vorlesen. Im Umschlag schreibt der Südwestfunk, Baden-Baden wie folgt: “Der große Zauber, der von diesem Buch ausgeht, und das in seiner Art einzigartig sein dürfte, liegt in der Persönlichkeit des Verfassers. In ihm begegnet uns der Typ des wahren Europäers, der die Welt kennt und auf Grund seiner Herzensgüte und seiner wahren Bildung jederzeit Zugang zu den Menschen findet”. Ja, liebe Russen, diese Art Europäer sind heute verschwunden oder verschollen, nicht nur im Bundeskanzleramt. Deswegen an dieser Stelle ein herzliches “Nastrovje”, Prost!

Beste Grüße
Claudia L.


5. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Riegel,

sehr geehrte Redaktion der Nachdenkseiten,

als ich Ihren Artikel las, musste ich unweigerlich schmunzeln und an meine Kindheit denken. Als Kind hatte ich nämlich eine große Sammlung von Modellen sämtlicher in den Sechziger- und Siebzigerjahren in der Bundeswehr gebräuchlichen Panzer und Militärfahrzeuge der Marke Roskopf, passend im Maßstab 1:87 zur Modelleisenbahn der Spurweite H0 (roskopf-modelle.info). Als Jungs spielten wir damit auf dem Fußboden der elterlichen Wohnung und simulierten fiktive „Panzerschlachten“. Genau so kindlich-naiv kommen mir das im Artikel beschriebene „Wargame“ und die beteiligten Politiker wie Peter Tauber, Roderich Kiesewetter oder Michael Roth vor. Sie scheinen aus der kindlichen Trotzphase immer noch nicht herausgekommen zu sein. Als ich im Alter von sechzehn oder siebzehn Jahren beschlossen hatte, den Wehrdienst zu verweigern, schmiss ich meine Panzersammlung in den Mülleimer in der Küche meiner Eltern. So weit sind Tauber, Kiesewetter und Roth anscheinend noch nicht. Stattdessen träumen sie im „Wargame“ spielerisch-kindlich von den politischen Ämtern, die sie gern gehabt hätten und mangels Eignung, Befähigung und Qualifikation niemals erreichen werden.

Übrigens spielten wir als Kinder auch häufig „Cowboy und Indianer“. Dabei waren die (weißen, amerikanischen) Cowboys meistens die „Guten“ und die („wilden“, indigenen) Indianer die „Bösen“. Beides, die Panzermodelle und die Cowboy- und Indianer-Spiele, zeigen, wie sehr wir als Kinder in den Sechzigerjahren von der pro-westlichen, pro-amerikanischen Denkweise und militaristischen Indoktrination durchdrungen waren. So, wie unsere Väter, die uns zum Spiel mit den Modellpanzern motivierten, von der Ideologie der Nazis indiktroniert worden waren. Ich nannte sie deshalb immer „die indoktrinierte Generation“. Das waren die Sechzigerjahre und die Zeit des kalten Krieges. Aber heute? Sind wir schon wieder soweit?

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Reigbert


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