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Titel: Leserbriefe zu „Der Verfall des Journalismus wird besonders deutlich, wenn man in die Vergangenheit schaut“
Datum: 28. März 2026 um 13:00 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
Verantwortlich: Redaktion
Jens Berger diskutiert in diesem Beitrag über die Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen. Die seien früher besser gewesen. Anlass für diese These sei eine alte Fernsehreportage der ARD zu den Geschehnissen rund um die Botschaftsbesetzung in Teheran im Jahre 1979. Man habe sich Zeit gelassen. Die Journalisten hätten Fragen gestellt und den Gefragten den nötigen Raum gegeben, ihre Sicht der Dinge zu transportieren. Die Hintergründe seien dabei möglichst neutral und objektiv erklärt worden. Das Publikum habe sich „wirklich eine eigene Meinung bilden“ können. Heute wirke diese Reportage von 1979 eigenwillig anachronistisch. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Von unseren Leserinnen und Lesern haben wir dazu interessante E-Mails bekommen. Dafür bedanken wir uns. Die nun folgende Auswahl der Leserbriefe hat Christian Reimann für Sie zusammengestellt.
1. Leserbrief
Sehr geehrte Nachdenkseiten,
sehr guter Artikel von Jens Berger!
Wer das Glück hatte, die Siebziger- und Achtzigerjahre bewußt zu erleben, wird mir zustimmen, daß es keine romantische Nostalgie ist, diese Jahre als wesentlich „menschlicher” zu bezeichnen (wenn auch damals schon nicht alles Gold war, was glänzte).
Freundliche Grüße, und weiter so, Wolfgang Blendinger
2. Leserbrief
Lieber Jens Berger,
Ich danke Ihnen für diesen wunderbaren Artikel.
Genau das beobachte ich seit Jahren, und es ist gut, dass Sie als der wesentlich Jüngere das feststellen, meiner Generation wird ja häufig vorgeworfen, das ‚Gestern‘ zu verherrlichen.
Ich bin da ganz Ihrer Meinung – selbstverständlich war nicht alles besser – der Journalismus und mit ihm Frauen und Männer , die diesem Beruf nachgingen, waren allerdings ein anderes Kaliber!
Hach , Wolfgang Korruhn, der es seinen Interviewpartnern alles andere als einfach machte, Joachim Friedrichs, Gerd Ruge, Klaus Bednarz, wie gut, dass es Gabriele Krone-Schmalz noch gibt, die sich weiter unermüdlich einmischt.
Ja, den alten Scholl-Latour hab ich auch wieder aus dem Regal gefischt. Wenn man umfassendes Hintergrundwissen benötigt, bleibt einem auch nichts anderes übrig als auf diese Experten zurückzugreifen.
Ich muss gestehen, ich ertrage diesen „Betroffenheitsjournalismus“ vor allem der Tagesschau/Tagesthemen etc.etc. nicht mehr. Er verursacht Übelkeit und Wut und wie Sie fühl ich mich beleidigt durch dies ‚betreute Denken‘.
Danke, Herr Berger, für Ihr Engagement und ihre offenen Worte, ich wünsche Ihnen alles Gute und dass Sie so weiter arbeiten können!
Herzliche Grüße
Gaby Engel
PS ich bin übrigens neulich im jetzt auf ein altes Interview gestoßen, das Günter Gaus mit Golo Mann führte. Ein Genuss allein durch die gesamte Art der Interviewführung und durch die sprachliche Brillanz. Vermutlich werden das heute nur noch wenige überhaupt verstehen geschweige denn die Geduld aufbringen, sich auf derartige Komplexität einzulassen.
3. Leserbrief
Guten Tag, Herr Berger,
ich bewundere – wundere mich über – Ihren Masochismus, der Ihnen den Konsum des Staatsfunks ermöglicht. Mir reicht es seit Jahrzehnten, die aufgepeppten Püppchen und männlichen Bedeutungsschwangeren reden zu hören. Schon der Tonfall geht einem auf die Nerven – dieser pseudo-suggestive oder gebremst-alarmistische Habitus der Nachrichtenleute und das Unterbrecher-gesteuerte Geschwätz der Talkshows mit ihrem kenntnisarmen und meinungsstarken Kemfertismus und Buyxismus sind Katalysatoren der angestrebten Generalvolksverblödung. Als Journalist müssen Sie sich das antun, als Bürger hat man – noch – die Möglichkeit der Internetauswahl, ohne die die Informationssituation katastrophal wäre.
Freundliche Grüße
Alexander G. Roklum
4. Leserbrief
in der tat, lieber jens, lässt sich de liste der journalisten vom schlage des peter scholl-latour erweitern, wer die jahre nach dem 2. weltkrieg passieren lässt: peter von zahn, peter merseburger, gerd von paczensky, rudolf augstein – die namen laufen alle noch geschmeidig über die zunge. selbst gerhard löwenthal war lange jahre mit seinem zdf-magazin für die altbackene cdu ein gewichtiger und würdiger vertreter beim schwarzfunk. aber ich will journalisten von heute nicht vergessen, die sich um ein differenziertes nachrichtenbild bemühen – etwa: karin leukefeld, charlotte wiedemann und sunsanne kaul für den nahen osten. auch michael lüders, soweit er seinen eigenen podcast bedient. die riege des “freitag” gibt mir wöchentlich, die “junge welt” tagtäglich eine fülle von informationen, die ich anderswo nicht lese. auch die taz hatte früher mal mit ulrike hermann und georg baltissen gestandene journalisten, die dann von den haltungsjournalisten dominik johnson und klaus-helge donath abgelöst wurden. das alte problem “wess’ brot ich ess, dess’ lied ich sind”. nur mut ! albert
5. Leserbrief
Guten Tag,
für wahr, leider ist es so. Breitgefächerter, objektiver und kritischer Journalismus, um nur die wesentlichen Merkmale zu nennen, finden sich mit wenigen Ausnahmen nur noch in der Vergangenheit. Vortrefflich und zutreffend von Jens Berger beschrieben. Auch hier muß Ross und Reiter klar benannt werden. Einer der Hauptversager ist der ÖRR, obwohl durch die Bürger gebührenfinanziert, mit dem Auftrag unabhängig von Regierung und gesellschaftlichen Strömungen objektiv, breitgefächert, kritisch und neutral zu berichten, erfüllen ARD und ZDF diesen Auftrag nicht. Stattdessen, Einseitigkeit, Parteinahme und Indoktrination den Zuschauern gegenüber. Die schreibende Zunft, mit der Boulevardpresse, war wohl gefühlt schon immer so. Medien mit höherem Anspruch, Spiegel und Konsorten, werden diesem Anspruch nicht mehr gerecht. Entlarvend hier auch, die kriklose Übernahme des Narrativs, nebst Einseigkeit.
Schade, dass sich die Mehrheit der Medienkonsumierer immer noch von diesen belämmern läßt.
Die alternativen Medien, bleiben wohl flächendeckend bei den Ü 50 aussen vor. Es dominieren weiterhin, Tagesschau, heute Journal und Co.
Nur gut, dass es You Tube gibt, wo man auch noch ,, Echte ” Reportagen finden kann.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Stöbe
6. Leserbrief
Lieber Herr Berger,
klassische Filme mit Satelliten-Empfänger aufnehmen und dann bei Gelegenheit in Ruhe anschauen. Heute z.B. ein alter Film mit Jean Gabin und Lino Ventura auf Arte. Das mache ich schon seit vielen Jahren so. Tagesschau, dass es die gibt, kenne ich nur noch von Hörensagen. Außerdem bleibe ich von dem ganzen Werbescheiss verschont, den Talkshows, und anderem Theater. Und, oh Gott, oh Gott, zu Weihnachten und Silvester von diesen Gesichtern aus der Regierung, die dann Unerträgliches absondern.
Meine Schwester macht es sich leicht. Gibt es Kritik, dass sagt eben “die Zeiten ändern sich, heute ist eben alles anders”. So hält der Deutsche sich aus allem raus, mindestens seit 1848.
Aber es hat System, was sich in den letzten 40 Jahren geändert hat. Beginnend mit der Ratlosigkeit nach dem freiheitlichen Rülpser zwischen etwas 1968 und 1978, wurde schleichend die Neoliberale Agenda eingeführt. Kohl hat damit angefangen und alle Nachfolger haben brav weiter gemacht. Und die Presse wiederholt im Wesentlichen Merkels Mantra: “Es geht mir gut, es geht mir gut – Keine Ahnung, keine Meinung, kein Konzept und keine Lust um aufzustehn”.
Aber es gibt ja noch die NachDenkSeiten, u.a..
Viele Grüße,
Rolf Henze
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