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Titel: Leserbriefe zu „Willkommen im Timmy-Land, dem Land der Verrückten und Heuchler!“

Datum: 2. Mai 2026 um 14:00 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
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In dieser Glosse widmet sich Jens Berger der Rettung des verwirrten kranken Buckelwals, der es trotz hoher Umfragewerte der AfD gewagt habe, an die flachen Ostseestrände Mecklenburg-Vorpommerns zu kommen. Seitdem seien „unsere Medien und anscheinend auch viele unserer Mitbürger aus dem Häuschen“. Der „Karneval der Verrückten“ sei zur vormals beschaulichen Ostseeinsel Poel gezogen: „Timmy soll leben! Rettet Timmy!“. Es wundere, „warum das Schicksal eines sterbenden Wals uns so viel mehr berührt als das Schicksal des ehemals süßen Ferkels auf unserem Mettbrötchen“. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir danken für die interessanten Leserbriefe, die wir dazu von unseren Leserinnen und Lesern bekommen haben. Es folgt nun eine Auswahl. Christian Reimann hat sie für Sie zusammengestellt.


1. Leserbrief

Jens Berger zum Gruße!

Das war gut – das hat gut getan – das war butter bei die fische! Es ging mir uraltem Pauker ganz beschissen – bis JETZT! JETZT nicht mehr!

Danke – ich wollte, ich hätte das auch so hingekriegt!!

Dieter Münch


2. Leserbrief

Treffender geht kaum, wie Jens Berger mit spitzer Feder die Verrücktheit und Heuchelei diverser Leute aus dem Polit- und Medien-Show-Gewerbe hier aufspiesst, insbesondere den Meck-Pomm-Landwirtschaftsminister.

Wenn auch der arme Wal Timmy nicht gerettet werden kann, mein Tag heute ist es, Dank dieser klassen Glosse.

L.G.
Ute Plass


3. Leserbrief

Lieber Herr Berger!

dass der Rummel um den gestrandeten Wal Sie nervt, ist mehr als verständlich. Sich darüber lustig zu machen, aber auch einige treffende Zeitanalysen zu geben, macht dem Schreibendem wie dem Lesenden Spaß. Ernst wird es aber bei Ihren letzten, absolut zutreffenden Worten: “Aber ja, so ist das nun mal in unserem Land zu unserer Zeit. Willkommen auf dem Narrenschiff!” Leider ist nicht nur unser Land so. Die ganze Welt scheint ein Narrenschiff zu sein. Geschlachtet werden nicht nur Tiere, sondern auch Menschen durch Hunger, Armut oder Krieg. Und kein Schwein bzw. die herrschenden Medien interessieren sich wirklich dafür – jedenfalls nicht so wie für den Wal. In was für einer Zeit und auch in was für einem Land leben wir nur? Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte ich mir das nicht vorstellen können. Da war ich wohl ziemlich naiv.

Viele Grüße
Dr. Ulrich Zumdick


4. Leserbrief

Lieber Herr Berger,

“Eine böse Glosse” ?

Nein, wohl eher eine realistische. Und mit den genannten Zahlen zur Schlachtviehindustrie bekommt man eine Gänsehaut.

Moumou, unsere Katze, 13 Jahre alt und seit einer knappen Woche krank, ist gerade auf meinen Schoß gesprungen. Das freut mich, denn schon 5 Tage lang hatte sie sich in der dunkelsten Ecke verkrochen. Tiere ziehen sich zurück, wenn sie krank sind. Und sie merken, wenn sie sterben werden und ziehen sich dann so zurück, dass man sie nicht mehr findet.

Der Wal hat sich wohl mit Absicht auf die Sandbank gelegt, so dass er in seinen letzten Tagen ohne Mühe atmen kann. Angemessen wäre ein Tierarzt gewesen, der feststellt ob eben genannte Vermutung zutrifft. Falls ja, hätte man das Tier in Ruhe lassen sollen.

Aber diesem Karneval der Verrückten ging es ja nicht um den Wal, sondern um Selbstdarstellung. Und der Presse um Ablenkung.

Apropos Mettbrötchen: Eine bekannte Ethnologin wird zu ihrer gerade zu Ende gegangenen Expedition in Afrika interviewt. Sie war in der Sahara und dann im Kongo, im Urwald. Frage des Reporters: “Gibt es da unten noch Menschenfresser?” Antwort: “Nein, den letzten haben wir vor unserer Abreise aufgegessen.”

Herzlichen Gruß,
Rolf Henze


5. Leserbrief

Guten Tag,

natürlich ist die Wal – Story eine willkommene Ablenkung von den tatsächlichen Problemen unser Zeit.

Vortrefflich von Jens Berger beschrieben, die Heuchlerei der betroffenen Akteure und leider auch unserer Gesellschaft. Den Toten und Verletzten, der Zerstörung und dem unermesslichen Leid, der um uns tobenden Kriege, wird dosiert nur einseitige Anteilnahme, die ins Narrativ paßt gewährt.

Wir sind in eine Zeit der medialen Verblödung abgerutscht, die Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit unseren Mitmenschen gegenüber, insbesondere derer, die zu den “Bösen” ernannt worden sind, erzeugt.

Bedauerlicherweise könnte man anstatt Timmy Land, auch Dummy Land, der Heuchler und Verrückten sagen.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Stöbe


6. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Berger,

wieder einmal beweisen Sie ihren tiefgründigen Humor. Danke, und immer wieder gerne mehr davon!

Zum Thema: auch mir gehen diese “Dauerwalsendungen” auf den Senkel. Nicht, weil ich kein Mitgefühl für den Wal hätte, sondern wegen der Torturen, die er aufgrund der menschlichen Eingriffe erleiden muss. Ja, Sie haben richtig gelesen: ich sagte “aufgrund”, nicht “trotz”!

Ist von den selbsternannten Wal- und Weltenrettern schon mal jemand auf die Idee gekommen, dass der Wal zu alt ist um weiterhin die Meere zu durchqueren und sich deshalb zum Sterben zurückgezogen hat? Dass er vielleicht todkrank sein könnte? Dass er sich wie so viele Artgenossen vor ihm eine tödliche “Magenverstimmung”, bestehend aus vielen Kilogramm Plastikabfall, zugezogen hat und er sich deswegen gar nicht mehr ernähren kann? Dass ihn seine Herde aus irgend einem Grund vielleicht ausgestoßen hat? Dass er vielleicht über den Verlust von Kindern trauert, die von Schiffsschrauben in eben jener Gegen geschreddert wurden, in die er immer wieder zurückkehrt? Dass er vielleicht gar nicht fort will?

Es gibt so viele Möglichkeiten, warum der Wal tut, was er tut. Keine davon beinhaltet das dilettantische Eingreifen von Menschen, die glauben, etwas Gutes zu tun und Karmapunkte sammeln zu können. Manchmal sollte der Mensch der Natur einfach nur ihren Lauf lassen, anstatt sich überall einzumischen und mit seinem Wirken nur noch mehr Schaden anzurichten.

Mit freundlichen Grüßen,
Wolfgang Klein


7. Leserbrief

Lieber Herr Berger,

vielen Dank, dass Sie in Ihrem Artikel “Willkommen im Timmy-Land, dem Land der Verrückten und Heuchler!” an das Elend der Nutztiere erinnern. Sie haben schon Recht mit Ihrer Anklage, das immense Interesse an dem Leben des Wals sei eigentlich nur Heuchelei. Ich bin auch erstaunt über den “Hype” um den Wal, aber mein Erstaunen ist positiv. Ja, viele Menschen mögen trotzdem ihr Schweinefleisch essen und das ganze Leid, das wir Menschen den Tieren auf die verschiedensten Arten und Weisen antun, verdrängen. Aber trotzdem – plötzlich sind sich so viele Menschen einig, dass keine Mühen gescheut werden dürfen, um ein Tier zu retten. Das finde ich befremdlich-schön. Normalerweise findet Tierschutz, wie Wildtierrettungen, Tieradoptionen oder das Betreiben von Gnadenhöfen, abseits des öffentlichen Interesses statt. Nur “leicht durchgeknallte Idealisten” machen das. Aber auf einmal ist das Retten eines Tiers “Mainstream” geworden. Das gibt manch einem Tierfreund, wie mir, auch irgendwie Hoffnung.

Einen Wal aus der Ferne, ohne ihn vor Ort untersucht zu haben, zum Tod durch Sprengung zu verurteilen, finde ich schon ein bisschen hart. Wieso sollte das Tier denn todgeweiht sein, nur weil es nicht mehr alleine den Weg ins Meer schafft? Welche tödliche Krankheit hat es denn? Ich bin auch sehr misstrauisch gegenüber den meisten Politikern, auch gegenüber dem Minister Backhaus. Ich finde es auch blöd, dass er Jäger ist und diesen Riesenstall für die Schweine genehmigt hat. Dafür kann ich ihn dann nach der Walrettung wieder verachten. Aber dass er Gefühle für den Wal entwickelt hat, glaube ich ihm sogar. Er ist auch nur ein Mensch, und es macht bestimmt etwas mit einem, diesem gigantischen und doch hilflosen Tier gegenüberzustehen und sein Leiden und seine Angst zu sehen. Vielleicht ist genau das der Grund dafür, dass der Minister Megaställe für Schweine genehmigt: Weil er sie eben nicht besucht und eine Verbindung zu ihnen aufbaut. So bleibt das Leiden abstrakt und berührt ihn nicht.

Den Millionären vorzuwerfen, sie finanzierten die Walrettung nur um in der Öffentlichkeit gut dazustehen (“abseits der Kameras ist Tierschutz weniger sexy”), kann man machen, aber man kann es auch anders sehen. Wissen Sie, was ich glaube, was der Wal für ein Gefühl vermittelt? Dass man etwas tun kann. Das Leid der Mastschweine verdrängen bestimmt viele auch deswegen, weil man sich dagegen einfach machtlos fühlt. Der Wal hingegen vermittelt Hoffnung, und die Millionäre haben vielleicht das Gefühl, hier wirklich etwas schaffen zu können. Sie können ja auch empathisch sein, wenn sie stinkreich sind. Sie sind ja trotzdem noch Menschen wie Sie und ich. Vielleicht fühlen sie sich da wie ich, wenn ich meinen Gartenigeln Futter rausstelle oder weggeworfene Welpen aus Rumänien adoptiere: Den Schweinen kann ich so oder so nicht helfen, ich kann sie höchstens nicht essen, aber bewirke damit gefühlt garnix. Aber diesen Tieren kann ich direkt und konkret mit meinem eigenen Handeln helfen, hier bin ich nicht machtlos. Die Schweine leiden, egal ob man “Timmy” sprengt, sterben lässt oder rettet. Deshalb finde ich es toll, dass Sie an die Schweine erinnern, ich kann nachvollziehen, warum Sie die Sorge um den Wal heuchlerisch finden, und bin doch dafür, alles zu geben, um ihn zu retten.

Liebe Grüße,
Elsa Stöcker


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