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Titel: Leserbriefe zu „Die Tauben müssen aufwachen – bevor es zu spät ist“
Datum: 24. Mai 2026 um 16:00 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
Verantwortlich: Redaktion
In diesem Kommentar weist Jens Berger auf den aktuellen Beitrag von Gert-Ewen Ungar und auf die kippende Stimmung in Russland hin. Hinterfragt wird, ob irgendwer ernsthaft geglaubt habe, dass die immer schriller werdende Rhetorik und die faktisch stattfindende Aufrüstung gegen Russland folgenlos bleibe. Es scheine, als hielten die Falken den eskalierenden Militarismus in der europäischen und insbesondere der deutschen Politik für ein Spiel. Um die Eskalationsdynamik zu unterbrechen, müssten die Tauben wieder die Oberhand gewinnen. Wenn die düstere Perspektive von Gert-Ewen Ungar dazu beitragen kann, diesen Weg zu gehen, habe sie ihr Ziel erreicht. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Von unseren Leserinnen und Lesern haben wir dazu interessante E-Mails erhalten und bedanken uns dafür. Die nun folgende Auswahl der Leserbriefe hat Christian Reimann für Sie zusammengestellt.
1. Leserbrief
Lieber Jens Berger, vielen Dank für Ihren Artikel.
Die Prägekraft des Vorurteils bzw. Feindbildes entwickelt im Laufe der Zeit eine Eigendynamik ( Max Frisch: Der Jude von Andorra ).
Die Artikel in den Nachdenkseiten streuen zum Glück Sand in dieses Getriebe.
Bitte weiter so.
Liebe Grüße Udo und Ulrike Böttcher
2. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Berger!
Die Sie als Falken bezeichnen, sehe ich eher als minderbemittelt an; sowohl emotional als auch intellektuell hier wie auch in Russland. Was ich nicht vestehe ist, wieso sie jeweils in der Bevölkerung diese Beachtung finden. Vielleicht ist es für sie die einzige Möglichkeit, überhaupt wahrgenommen zu werden.
Beste Grüße
Albrecht
3. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Berger,
Ihrem Artikel kann ich nur beipflichten. Wer nur die MSM verfolgt, für den stellt sich die Lage offensichtlich nicht so dramatisch dar. Insofern sind die alternativen Medien ein Segen. Jedoch habe ich Schwierigkeiten in meinem Umfeld die immer größer werdende Gefahr eines Kriegsausbruchs zu verdeutlichen. Unsere MSM tun so, als ob Russland schwach wäre. Auch wird die Weigerung unserer Regierenden mit Russland das Gespräch zu suchen überhaupt nicht thematisiert.
Ich frage mich, ob unsere Regierung nicht mit Absicht die Provokationen betreibt um Russland dazu zu bringen endlich militärisch zu reagieren. Dann könnten sie sagen: “Seht her, wir haben es immer schon gesagt, dass Russland uns angreifen will.” Dies wäre ein Grund um den Spannungsfall auszurufen und ganz im Sinne von Herrn Kiesewetter und Konsorten. In dieser Hinsicht fürchte ich, dass sich viele Menschen nicht darüber im Klaren sind was es bedeuten würde, wenn der Spannungsfall tatsächlich festgestellt wird und viele Grundrechte eingeschränkt werden. Dann wird es für viele ein böses Erwachen geben. Sind im Spannungsfall dann noch Friedensdemonstrationen möglich? Ich habe da so meine Zweifel. Und unsere Regierenden brauchten sich nicht mehr vor der nächsten Wahl zu fürchten, da diese dann vermutlich auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben würde. Dann hilft nur noch beten.
Es grüßt Sie
Ralf Glahn
4. Leserbrief
Lieber Herr Berger, Danke für den Weckruf, hoffentlich kommt er nicht zu spät!
Sie warnen vor einer Äquidistanz — und doch stellen Sie die Falken hier wie dort auf die gleiche Stufe, zumindest klingt es für mich so.
Während aber unsere deutschen Falken Kiesewetter und andere AKTIV den Krieg schüren mit wilden unbelegten Behautungen über den bösen Feind, der uns angeblich demnächst überfallen will, und die in jedes Mikrophon ihren tiefen Hass gegen alles Russische ätzen —
REAGIEREN Russen darauf mit Vorschlägen, wie man die verrückten Deutschen wieder zur Vernunft bringen könnte. Wenn Sie die nun auch als Falken bezeichnen, ändert es nichts daran, dass deren Position eine gänzlich andere ist als die Kiesewetters & Co.
Mit freundlichem Gruß
Bernhard Meyer
Hallo Herr Berger,
ich möchte mich nochmal melden, diesmal mit einem Vorschlag:
Groß-Demos zu organisieren ist saumäßig schwer.
Wer weiter weg wohnt, muss fit sein, um die Strapazen auf sich zu nehmen.
Rückblick auf die Montagsspaziergänge zur Verhinderung der Impfpflicht:
Diese Aktionen hatten offenbar viele Abgeordnete beeindruckt, die Impfpflicht fiel durch.
Warum regt ein einflussreiches Medium wie die NDS sowas nicht an?
Montagsspaziergänge für den Frieden, für eine Wiederannäherung an Russland, jagt die Propaganda-Gespenster zum Teufel, wo sie herkommen,
Was will der „Feind“ eigentlich? Hört endlich mal zu!
Usw. usf.
Mit hoffnungsvollen Grüßen
Bernhard Meyer
5. Leserbrief
NDS lesen “lohnt” fast immer. Insbesondere dann, wenn Artikel wie jener von Ungar, in der Redaktion tiefes Unbehagen auslösen. Wer ihn nicht gelesen hat: Jens Berger empfiehlt!
Ich nähere mich mit meinen 86 so langsam der absoluten Taubheit und so hat der Titel mir doch Unbehagen bereitet. Wir Tauben (und auch die Fasttauben) können Weckrufe nur schwer vernehmen. Laut dem Deutschen Gehörlosenbund sind 0,1% der Gehörlosigkeit unterworfen. 4 Figuren der gegenwärtigen deutschen Politik werden von Jens Berger hier vorgestellt: Merz, Hofreiter, Kiesewetter und der Beliebteste dazu: Pistorius. Er hätte auch die Protagonistin der 360-Grad-Wende präsentieren können, denn die ist seit Beginn ihrer aktiven Politkarriere im Krieg mit Russland. Sie ist schließlich keine Hofreiterin sondern eine Vorreiterin. Er hat das unterlassen und dafür eine Russophobin (meine Wortschöpfung) ins Team genommen. Alle Fünfe sind keine NDS-Leser (obwohl, wer weiß!). Jens Berger ordnet diese unseligen Seelenlosen, den Falken zu. Das wird in der Vogelwelt mit Sicherheit ein Kopfschütteln auslösen!
Die Tauben sind hochintelligente Vögel, die sich durch eine hervorragende Orientierung auszeichnen. Infolge ihrer kognitiven Fähigkeiten können sie gar Gesichter erkennen und bis zu 1200 Bilder in ihrem Langzeitgedächtnis speichern. Es sind also sehr wache Vögel, die keineswegs aufwachen müssen (!).
Was an den fünf genannten Falken falkenhaft sein soll, erschließt sich mir nicht – wenn man davon absieht, dass sie die natürlichen Feinde der Tauben sind. Falken sind schnelle Greifvögel, die ihre Opfer meist in der Luft erschlagen. Unter den menschlichen Gesellschaften haben sich in dieser Beziehung die Regenten der USA zu Oberfalken entwickelt. Erst kürzlich ist es ihnen gelungen rund 170 Schulmädchen samt Lehrkörper aus der Luft ins Jenseits zu bomben.
Gerade war der Oberste dieser Spezies in China und hat versucht, sich dort Vorteile zu verschaffen. Es war eine Reise mit Rückkehr ohne Irgendetwas. Dieser tapsige Greifer ist auf eine Entität getroffen, die nicht der Taubenwelt zugehört, sondern den Rabenvögeln. Es war der vieljährige Präsident – ein Herr Corvus Corax (von Artgenossen kurz XI genannt). Seine Vorfahren Hugin und Munin saßen auf den Schultern von Odin und flößten ihm Weisheit ein. In Europa gibt es keinen Odin mehr. Die Hoffnung lebt, dass Corvus Corax den fünf Unseligen den Marsch blasen wird. Wer einmal beobachtet hat, was mit einem Lufträuber passiert, wenn er von Raben gejagt wird, weiß Bescheid.
Auch ich spüre immer noch Unbehagen, meine aber, das aus meinem Wortgespinst dies exegierbar ist: Der Weg von unilateral zu multilateral ist begehbar – ohne einen MERZ! Das ist die Ausgeburt des Politstolperers.
Dieter Münch
6. Leserbrief
Hallo Herr Berger,
es ist nur noch eine Frage der Zeit. Und sorry, die Tauben können gerade nicht, weil sie Angst vor EU-Sanktionen haben.
Die Wahrnehmung der Russen ist nicht falsch. Es sind gefährliche Leute am Werk. Soll mir doch mal jemand zeigen, wo es zwischen denen heute und den Nazis bezüglich der Vorkriegsrhetorik qualitative Unterschiede gibt. Wenn man mal alles zusammenträgt, was bisher gesagt oder geschrieben worden ist. Das wird spannend.
Hitler wäre nicht ohne Kernwaffen gegen den größten Waffenträger dieser Art angetreten. Er hat auch versucht ein Überraschungsmoment zu erzeugen, NACHDEM die eigene Kriegsbereitschaft hergestellt wurde. Also vom Bild vor dem Krieg aus gesehen war Hitler bezüglich des Themenfelds Kriegsführung wesentlich vernünftiger als die heutigen Schaumschläger und Lautsprecher. Und dies war eine sehr hohe Hürde.
Das liegt tatsächlich daran, dass sie heute keine Angst vor dem Krieg haben. Man ist es gewohnt haushoch in Ganzweitweg zu gewinnen, zumindest gefühlt. Nicht einmal die deutliche Niederlage von USA/Israel gegen den Iran lässt sie aufschrecken, nicht nachdenken, ob das wirklich alles so funktioniert wie sie es sich vorstellen.
Und dabei arbeiten sie vermeidlich im Interesse der Nation, die das sich selbst einmauernde Europa jetzt in der Hand hat und nach Belieben erpresst.
Ich gehe davon aus, dass die USA sich im kommenden Krieg raushalten werden. Damit wäre auch schon mal der „verlorene Posten“ besetzt. Dafür sind so ein paar Ideologiegetriebene, die keinen blassen Dunst von dem haben, was sie lostreten, doch ganz nützlich.
Hätte das britische Empire nach der Niederlage Frankreichs aufgegeben und die Wehrmacht 1941 in der Sowjetunion gewonnen, Hitler würde heute als größter Reichskanzler aller Zeiten in den Geschichtsbüchern stehen.
Sowas streben die Nachfolger nun mit Russland an. Nur halt von vornherein als kompetenzferne und um einiges unbeliebtere Kandidaten.
Was glauben Sie, was diese „Abhängigkeiten“, die heutzutage so gut wie immer im Zusammenhang mit Rohstoffen erwähnt werden, bedeuten sollen? Es würde mich nicht wundern, wenn damit schon das Kriegsziel (neben dem obligatorischen Freiheitskampf, wie damals auch) vorbereitet wird. Mit irgendetwas muss man diese horrenden Ausgaben konkret begründen müssen, außer waffenstarrender „Sicherheit“.
Oder abschließend einmal anders gefragt:
Können Sie mir glaubhaft zusichern, heutzutage könnte sich so etwas, inklusive exzessiver Gewalt gegen Menschen, nicht wiederholen? Dass die Vernunft oder irgendeine juristische Instanz doch noch siegen wird, weil wir heute weiter sind oder unser System so etwas undurchführbar macht? – Irgendetwas davon?
Dann passt der Titel allerdings nicht. Und ich wage es auch zu bezweifeln.
Mit freundlichen Grüßen
Kai P.
7. Leserbrief
Liebe Redaktion, lieber Jens Berger,
kann man in einem laufenden Krieg zum Frieden aufrufen, wenn eine beteiligte Seite nicht zum Frieden bereit ist.
Schon Immanuel Kant legt in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ im Ersten (1.) Artikel fest:
“Es soll kein Friedensschluss für einen solchen gelten, der mit dem geheimen Vorbehalt des Stoffs zu einem künftigen Kriege gemacht worden.“
Die Sprache ist etwas kompliziert, aber im Klartext heißt das für mich: Du kannst nur Frieden mit jemandem halten, der den Frieden auch wirklich will.
Und leider gibt es in der derzeitigen globalen Auseinandersetzung eine Partei (der hegemoniale Westen) die nicht zum Frieden bereit ist. Wenn ein Frieden geschlossen wird dann nur unter Diktatsbedingungen (Serbien, Kosovo) oder mit der Absicht den Krieg zu einem späteren Zeitpunkt neu zu beginnen (Ukraine, Iran). Ansonsten wird eben weiter eskaliert.
Mich wundert, dass Jens Berger die Stimmen in Russland die dieser miesen Taktik und miesen Strategie mit Härte gegenübertreten wollen (Medwedew und Karaganow) mit den Kiesewetters und Hofreiters in einen Topf wirft.
Zitat:
Außenpolitik ist ein System der Wechselwirkungen. Auf jede Aktion erfolgt eine Reaktion. Offenbar scheint den deutschen Falken von Kiesewetter bis Hofreiter nicht wirklich klar zu sein, dass jedes ihrer Worte auch in Russland gehört wird. Oder ihnen ist das sehr wohl bewusst, aber dann müsste man ihnen wohl unterstellen, dass sie in der Tat aktiv auf einen Krieg hinarbeiten; einen Krieg gegen eine Atommacht.
Was für die deutschen Falken gilt, gilt freilich unisono für die russischen Falken, wie den Politikberater Karaganow, …
Ich habe einige Interviews mit Karaganow gelesen und angesehen (z. B. Glen Diesen).
Ist dieser Mann kriegslüstern? Irrational?
Ich hatte nicht den Eindruck.
Seine Argumentation ist einfach: die Europäer, besonders Baltikum, Deutschland und England sind der Diplomatie nicht mehr zugängig und nicht mehr willig. Ihr Friedensvorsatz hielt nur solange, wie eine Revanche nicht möglich war, bzw. der amerikanische Oberaufpasser und Antreiber kein Kommando gegeben hatte. Das hat sich nun geändert und sofort ist der alte Kriegswille, bzw. die Friedensunfähigkeit wieder da.
Der Konflikt läuft ja schon. Wir greifen Russland nicht mit Worten an, sondern mit unseren Drohnen, Zieldaten und sonstiger Unterstützung. Ich glaube nicht, dass Russland unendlich lange Widerstand leisten kann.
Am 8. Mai war ich auf dem 17. Juni bei einer Gedenkveranstaltung am Russischen Ehrenmal. Ein junger Mann sprach mich an, um für weitere Friedensdemos zu werben. Ich sagte ihm, dass ich sein Engagement begrüße, vor allem weil er einer der jüngsten Teilnehmer war. Als ich ihm aber sagte, dass ich keine Chance für Frieden sehe (aus oben genannten Gründen) und dann auf den Rotarmisten auf seinem Denkmal über uns zeigte und sagte: die Rote Arme kam mit Panzern und nicht mit Friedensfahnen, ich glaube so wird es auch diesmal wieder sein. Da wurde der junge Mann zornig und sagte ich würde Angstpropaganda betreiben.
Angstpropaganda oder Friedensillusion. Frag nach in Teheran, in Syrien, in Saigon und Laos und in CUBA.
Der Amerikanischen Administration ist es egal, ob Syrer sterben oder Deutsche.
Das alles hat mit Schlafwandeln wenig zu tun.
Viele Grüße
Stephan Hilleckenbach
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