Startseite - Zurück - Drucken

NachDenkSeiten – Die kritische Website
Titel: Angriff, Gegenangriff, noch mehr Angriffe: Und die Politik setzt auf „weiter so“
Datum: 26. Mai 2026 um 11:00 Uhr
Rubrik: Militäreinsätze/Kriege
Verantwortlich: Marcus Klöckner
Die Abwärtsspirale des Krieges wird gut geschmiert. Als Antwort auf einen Angriff der Ukraine auf das Schülerwohnheim in der Stadt Starobelsk hat Russland die ukrainische Hauptstadt angegriffen. Tod und Zerstörung auf allen Seiten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert „Konsequenzen“, die „EU gibt sich unbeeindruckt“, Bundeskanzler Friedrich Merz spricht von einer „rücksichtslosen Eskalation“, Außenminister Johann Wadephul sagt, der „Raketenterror ist schockierend“, und meint: „Mich bestärkt das, die beim #NATO Außenministertreffen gemachten Vorschläge konsequent weiterzuverfolgen.“ Diese Borniertheit auf allen Seiten zeigt: Der Frieden ist in weiter Ferne. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.
Der Krieg soll weitergehen. Das ist offensichtlich das Motto aller involvierten Parteien. Nicht der Hauch von Einsicht ist sichtbar. Die Bereitschaft, endlich nicht mit halben Herzen, sondern mit voller Kraft zur Diplomatie zu greifen, ist noch immer nicht zu sehen. Immer sichtbarer wird hingegen: ein furchtbares Maß an Zerstörung und Kriegsgewalt – angerichtet von beiden Seiten. Der Teufelskreis aus Aktion, Reaktion und Gegenreaktion, aus Gewalt und noch mehr Gewalt, ist unerbittlich. Nach über vier Jahren Krieg sollte selbst dem Dümmsten unter den „Diplomaten“ klar geworden sein: Ein „Weiter so!“ bedeutet auch: Weiter Zerstörung, weiter menschliches Leid, noch mehr Hass, noch mehr Gewalt und die Gefahr einer noch weiteren Eskalation, die irgendwann ganz Europa in den Abgrund des Krieges reißen wird.
Von russischer Seite heißt es, in der Nacht zum 21. Mai seien durch den ukrainischen Angriff im Wohnheim der pädagogischen Hochschule 21 Jugendliche im Alter von 14 bis 21 Jahren getötet und weitere 65 verletzt worden.
Russland reagierte mit dem Einsatz von Oreshnik-Raketen auf Kiew. Auch dort: Tote und Zerstörung. Russland warnt ausländische Staatsangehörige und Botschaftspersonal, Kiew zu verlassen. Weitere Angriffe drohen.
Die EU spricht von einem „nuklearen Säbelrasseln“, gibt aber vor, „unbeeindruckt“ zu sein.
Eine Politik kommt zum Vorschein, die schwere Schuld trägt. Unabhängig von den Ursachen des Krieges: Eine Friedenspolitik, der es nach über vier Jahren Krieg noch immer nicht gelungen ist, die Konfliktparteien zu trennen, ist keine Friedens-, sondern eine Kriegspolitik. Da gibt es nichts schönzureden.
Titelbild: wikicommons / Mchs.gov.ru / Creative Commons Attribution 4.0
Hauptadresse: http://www.nachdenkseiten.de/
Artikel-Adresse: http://www.nachdenkseiten.de/?p=151013