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NachDenkSeiten – Die kritische Website
Titel: Leserbriefe zu „Die Brandmauer im Bücherregal“
Datum: 31. Mai 2026 um 16:00 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
Verantwortlich: Redaktion
Paula Messler thematisiert in diesem Beitrag die Distanzierung von 32 Autorinnen und Autoren zum Westend Verlag. Auslöser der aktuellen Kontroverse sei das Buch „Links – Deutsch , Deutsch – Links“ von Julian Reichelt und Pauline Voss gewesen. Mit dessen Veröffentlichung habe der Westend Verlag sein publizistisches Spektrum „bis hin zur extremen Rechten erweitert“ – so der Vorwurf. In einem Offenen Brief werde betont, man habe „im Sinne der Meinungsfreiheit selbstverständlich auch akzeptiert“, dass der Verlag in den vergangenen Jahren sein Portfolio um Autoren wie Wolfgang Kubicki und Ulf Poschardt erweitert habe. Jedoch bereits diese „Großzügigkeit“ herauskehrende Formulierung offenbare eine „gewisse Selbstüberhöhung und den Anspruch moralischer Deutungshoheit“. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir danken für die interessanten Zuschriften, die wir dazu bekommen haben. Hier folgt nun eine Leserbrief-Auswahl, für Sie zusammengestellt von Christian Reimann.
1. Leserbrief
Liebe Leute
Frei nach Das Leben des Brian:
“Brüder, lasst uns ringen gegen den gemeinsamen Feind!”
– “Den Westend Verlag!”
Es naht das Sommerloch…
Liebe Grüße
Michael Besteck
2. Leserbrief
Schön zu wissen, welche bildungspolitischen Kleingeister mir und dem Rest der Welt ihr Faible für Brandmauern und ihr ganz spezielles Verständnis von demokratischen Grundsätzen ins Wohnzimmer tragen wollen. Da weiß man doch, wessen Lektüren man sich ersparen kann.
Schon die Kirchen hatten alsbald nach Erfindung des Buchdruckes dafür sorgen wollen, daß mißliebige Literatur nicht unters gemeine Volk gerät und deshalb Konsumverzicht verordnet mit der Folge, daß nicht nur die verbotenen Bücher, sondern auch ihre Auflistungen zum Renner wurden.
Hier offenbart man nun eine bedenkliche geistige Nähe zu solchen Machenschaften und rafft dabei offenbar nicht, dass man letztlich nur Reklame fabriziert.
Aber, da die Aufklärung ohnehin den Rückwärtsgang eingelegt hat, bliebe dann ja noch eine Neuauflage von Bücherverbrennungen – vielleicht speziell solcher des Westend-Verlages. Bestimmt ließe sich dies als event aufbereiten mit vielen Freiwilligen zum Brennholz sammeln – für einen guten Zweck und gegen Rechts, versteht sich.
MfG
G. Hantke
3. Leserbrief
Sehr geehrte Frau Messler,
Vielen Dank für Ihren Artikel, der alle wesentlichen Aspekte sehr gut beschreibt und denen ich voll und ganz zustimme!
Der Westend Verlag macht genau das, was in den letzten 10 Jahren an Diskussionskultur verloren gegangen ist bzw. kontinuierlich bewusst abgeschafft wurde: eine Plattform bieten für einen offenen Gedankenaustausch mit der Möglichkeit, unterschiedliche, streitbare (nicht umstrittene!) Meinungen und Theorien zu Wort kommen zu lassen. Weiter so!!!
Allerdings bin ich über eine Formulierung gestolpert: Sie schreiben an einigen Stellen von einem „linksliberalen Milieu“. Abgesehen davon, dass ich mit der Einordnung der politischen Begriffe „links“ und „rechts“ zunehmend Schwierigkeiten habe (links = gut und richtig, rechts = böse und falsch?), hat dieses Stürmchen im Wasserglas der besagten Autoren wie auch andere Aktionen, die Sie erwähnen, nichts mit „linksliberal“ zu tun, sondern geht in eine eher totalitäre Denkblase. Kennzeichen dieser Denkblase ist der Verlust (oder Unwille) einer – auch scharfen – Auseinandersetzung mit der Gegenseite, die Unfähigkeit (oder der Unwille), Argumente der Gegenseite als richtig/berechtigt anzuerkennen, eine Entfremdung von der eigenen Bevölkerung bei wesentlichen Themen – und offensichtlich ein Verlust von Humor. Das alles ist weder links noch liberal, schon gar nicht linksliberal.
Wenn doch besagtes, satirisch angelegte Buch „Links – Deutsch, Deutsch – links“ so schlimm ist: wie wäre es mit einer entsprechenden publizistischen Antwort?
Herzliche Grüße
Carsten Linck
4. Leserbrief
Sehr geehrte NachDenk-Redaktion,
zum Thema Westend Verlag fehlt ein fundamentaler Aspekt:
Programm und Zielgruppe sind akzeptiert, aber es gibt eine verborgene Taktik, die in der Debatte nicht angesprochen wurde: Der Westendverlag veröffentlicht nur Bücher von Autoren, deren Name allein die Startauflage garantiert. (Ausnahmen bestätigen die Regel.)
Das Image, an erster Stelle die richtigen Themen zu bedienen, ist falsch. An erster Stelle geht es darum, bequeme Verkäufe zu generieren, indem man die oppositionellen Angebote (NachDenkSeiten, Krass und Konkret etc.) verfolgt und dann Autoren nimmt, die sich, im entscheidenden Moment, selbst verkaufen.
Der Westend Verlag scheut, wie die Mainstream-Verlage, das Risiko, kritische Bücher wegen ihres Inhalts zu veröffentlichen. Vermutlich werden solche Texte im Lektorat nicht einmal gelesen, man liebt es, mit bekannten Autorinnen und Autoren, „Themen zu entwickeln“. Die entsprechenden Namen findet man leicht im Katalog des Verlages und auch in Ihrem Artikel auf NDS.
Rob Kenius, kritlit.de
Mit besten Grüßen
Rob Kenius
5. Leserbrief
Guten Tag zusammen,
auch wenn ich regelmäßiger NDS-Leser bin, fehlt es mir in meiner Dachkammer im Rheinland an Kenntnissen und Hintergrundwissen, um die Aktion der Autoren gegen den Westend Verlag richtig einzuordnen. Deswegen habe ich auf diesen Artikel von Paula Messler – ohne die Dame zu kennen – tatsächlich gewartet!
Ich bin dankbar für diesen Artikel, erscheint er mir doch sachlich und unaufgeregt formuliert und insgesamt für mich als Außenstehender auch ziemlich plausibel und nachvollziehbar.
So ein Artikel konnte nur schwerlich von der NDS-Redaktion kommen, nicht weil ich dem Team das intellektuell nicht zutrauen würde, sondern weil die darauf folgende Auseinandersetzung wegen durchaus nachvollziehbaren Interessenkonflikten zwischen einzelnen Autoren der NDS und dem Westend Verlag die Diskussion vom eigentlichen Problem ablenken würde. Das eigentliche Problem für mich ist – und das hat Frau Messler gut beschrieben – die zunehmende Verweigerung von vermeintlich “linken” Protagonisten, sich den vorhandenen gesellschaftlichen Realitäten in einer ergebnisoffenen Diskussion zu stellen.
Die “Anderen” sind per se “Schmuddelkinder”, mit denen spielt (=redet!) man nicht und moralisch ist man sowieso der richtige (=bessere) Teil der Gesellschaft. Also warum sich die Mühe machen um dann eventuell zu riskieren festzustellen, dass es in der eigenen Argumentation und Logik durchaus auch Schwachstellen und nicht beleuchtete dunkle Gegenden der so pseudo-moralisch entwickelten Gedankenwelt gibt. Die “Intelligenzia” als neue Klasse der (hier meist grün moralisch angehauchten) “Arbeiterbewegung”?) ist bisher ein lausiger Haufen verwirrter Welterklärer und insgesamt intellektuell zumeist armselig.
Dieses überhebliche Auftreten hat die AfD in Deutschland erst stark gemacht. Die sogenannte Brandmauer im Sinne – wir ignorieren die einfach mal – und auch fehlende argumentative “Angebote” lässt immer mehr Bundesbürger bei Umfragen die AfD stärker werden. Die verantwortlichen Politiker aus SPD, CDU und Grünen gießen dann noch Öl ins Feuer der Stimmung in Deutschland indem sie unisono “erklären” dass die Bevölkerung sie nicht verstehen will und große Bevölkerungsteile plump und dumpf als Nazis diskreditiert, was sicherlich auf die wenigsten wirklich zu trifft.
Ich halte diese Art des “linken” Auftretens für narzisstisch gesteuert, gefährlich und dumm. Dies und eine immer mehr auch von linker Seite wachsende “Cancel Culture” ist auf lange Sicht Demokratie gefährdend. Wenn “Die Linke” als Partei nicht aufpasst und sich diesem Trend nicht erfolgreich entzieht wird sie trotz einer hyperaktiven Heidi Reichinnek wahrscheinlich aus dem Bundestag fliegen.
Mit den besten Wünschen und Grüßen an das NDS-Team und an Frau Messler
Claus Hübner
6. Leserbrief
Sehr geehrtes NDS-Team,
ich lese seit Jahren ihre Seite und schreibe nun meinen ersten Leserbrief – aber ausgerechnet mit einer Kritik – die m.E. aber dringend notwendig ist.
Es geht um den Artikel “Brandmauer im Bücherregal” von Paula Messler.
Kurz: Ich bin der Ansicht, dass der Artikel hauptsächlich die Funktion hat, unseriösen Krawalljournalismus, der mit extrem vielen absichtlichen Falschbehauptungen arbeitet, als seriöse Kritik an der Mainsttream-Berichterstattung hinzustellen.
Ich hatte von Anfang an ein komisches Gefühl, dass sich an dieser Stelle im Artikel leider erhärtet hat:
“Tatsächlich lässt sich die journalistische Arbeit von Nius durchaus kritisieren. Viele Beiträge wirken zugespitzt, manche Themenauswahl einseitig. Die konservative Grundhaltung des Portals ist unverkennbar. Doch darin liegt zunächst nichts Illegitimes. Das mediale Auftreten ist bewusst emotionalisiert: reißerische Überschriften, polemische Akzentuierungen und eine oft aufgeregte Inszenierung prägen das Format. Vergleichbare Vorwürfe wurden früher regelmäßig gegen die Bild-Zeitung erhoben — jenes oft verhasste Boulevardmedium, aus dem Julian Reichelt selbst hervorgegangen ist. Trotzdem wurde die Bild über Jahrzehnte hinweg als legitimer Teil der deutschen Medienlandschaft akzeptiert.” (Messler, 2026)
An diesem Absatz ist so viel falsch, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.
Nius arbeitet, genau wie die BILD, mit Falschbehauptungen. Dafür werden sie vom Presserat häufig gerügt und die anschließenden Korrekturen werden so versteckt, dass sie kaum jemand mitbekommt. Diese Falschmeldungen haben dabei fast immer das Ziel, Hass gegen die Schwächsten der Gesellschaft zu schüren, manchmal auch gegen Politiker oder Promis.
Und gerade vom linksliberalen Millieu wurde die BILD eben nicht als legitimer teil der Medienlandschaft betrachtet. Aber hinnehmen musste man den Unfug natürlich, sonst hätte man womöglich die Pressefreiheit einschränken müssen. Und das hätte das rechte lager natürlich zum Anlass genommen, sich über linke Zensur zu beklagen, in diesem hypothetischen Fall vermutlich sogar zu Recht.
Außerdem steht in dem Artikel u.A. noch:
“Gleichzeitig deutet sich gesellschaftlich längst ein Wandel an. Die Zeit nahezu unangefochtener linksliberaler Deutungshoheit scheint ihrem Ende entgegenzugehen.”
Mir war gar nicht klar, dass es eine linksliberale Deutungshoheit gibt, im Mainstream dominiert seit Jahrzehnten das Mär von der gemäßigten Mitte.
Im Artikel sind noch mehr verrückte Ideen und Formulierungen. Ich wollte euch nur ein Beispiel zeigen und darum bitten, einmal zu überprüfen, ob euch da nicht ein rechter Kuckuck ein dickes Ei ins Nest gelegt hat.
Kritische Meinungen abbilden ist wichtig, daher lese euch eure Seite seit Jahren oder Jahrzehnten. Aber wenn man für das Ideal der Meinungsfreiheit und der kritischen Berichterstattung auch besagten rechten Krawalljournalisten eine Plattform bietet, wo sie ihren geistigen Mist verbreiten können, dann seid ihr meiner Meinung nach leider den rechten Hetzern auf den Leim gegangen.
Beste Grüße
Christian Sachse
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