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Titel: Leserbriefe zu „Regisseur Detlev Buck: „Ich bin Kriegsdienstverweigerer. Ich stehe auch dazu, weil ich nicht zur Waffe greife.““

Datum: 5. Juni 2026 um 13:00 Uhr
Rubrik: Leserbriefe
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In diesem Beitrag kommentiert Marcus Klöckner ein Interview, das der Filmemacher Detlev Buck mit dem Online-Format „Hotel Matze“ geführt hat. Darin habe er sich mit starken Worten gegen den Griff zur Waffe, Kriegsbereitschaft und Aufrüstung ausgesprochen. Scharf kritisiert werde Verteidigungsminister Boris Pistorius. Mit seiner Positionierung zeige Buck, der im Gespräch dazu stehe, Kriegsdienstverweigerer zu sein, dass sich mit Mut und Rückgrat einer Politik entgegentreten lasse, die das Land in den Abgrund zu reißen drohe. Außerdem könne das laute, dröhnende Schweigen der Guten durchbrochen werden. Abgedruckte Leserbriefe geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Kürzungen aus redaktionellen Gründen bleiben vorbehalten. Wir danken für die interessanten E-Mails, die wir dazu erhalten haben. Hier folgt nun eine Auswahl der Leserbriefe, die Christian Reimann für Sie zusammengestellt hat.


1. Leserbrief

Die, die schweigen, sind nicht “die Guten“.

Schweigen bedeutet, die Vorbereitung auf den Krieg mitzutragen.

Es bedeutet Angst zu haben, das bequeme intellektuelle Leben unter dem samtenen Mantel der parlamentarischen Demokratiefassade aufzugeben.

Konsequenz des Schweigens in der Kriegsfrage ist die Selbstaufgabe der Intellektuellen.

Mit ihrem Schweigen verraten sie die Menschen, unter denen sie leben.

Wer weiss und schweigt, vergibt sich seiner Redlichkeit als Wissender.

Norbert Hans Georg Frankenstein


2. Leserbrief

Lieber Herr Klöckner,

bin ich ein “Kriegsdienstverweigerer”? Dieses Wort hat einen negativen Beigeschmack, als ob man etwas eigentlich Selbstverständliches verweigert. Umgekehrt ist es richtig: Die anderen sind Friedensverweigerer. Und ich bin ein Mensch.

Das Datum auf meiner Urkunde ist bald 60 Jahre alt. Damals sagte man uns, die Bundeswehr sei doch eine Friedensarmee. Derweil das Gemetzel der USA in Vietnam tobte, zwar nicht mit direkter Deutscher Beteiligung, aber doch mit Unterstützung. Wer nicht an die “Friedensarmee” glaubte, musste sich bei seiner Verweigerungsprüfung als radikaler, weltfremder “Jesus” ausgeben. Dabei hätte doch der Hinweis genügt, dass man Deutscher ist und auf die 60 Millionen Toten im 2. Weltkrieg.

Nicht der “Kriegsdienstverweigerer” ist eine Absonderlichkeit, der sich rechtfertigen muss. Sondern all die Kriegshetzer, die Deutschlands Verantwortung aus der Zeit von 1933 bis 1945 einfach leugnen wollen, sind es. Und besonders pervers ist, dass wieder Russland darunter leiden soll.

Gratulation an Detlev Buck!

Hoffentlich gibt es bald noch viele andere, die Mensch bleiben wollen.

Viele Grüße,
Rolf Henze


3. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Klöckner,

Sie schreiben: “Buck hat seinen Mund aufgemacht. Mögen es ihm viele nachmachen. – oder tragen all die Schauspieler, Regisseure und andere Kulturschaffenden das politische Großvorhaben Kriegstüchtigkeit wirklich mit?”

Ich möchte die Frage wie folgt beantworten, lasse mich aber gerne von etwas anderem überzeugen. Ich nenne das die gesellschaftliche “A-Struktur”.

Jede Gesellschaft besteht zu jeder Zeit aus vier Gruppen, den A-Löchern, A-Geigen, A-Kriechern und Leuten, die sagen, dass der Misthaufen stinkt. Diese grundlegende gesellschaftliche Struktur ist zeitlos und universell. Das war vor 5.000 und vor 2.000 Jahren so, es war im Mittelalter so und es ist auch heute, im 21. Jahrhundert, so. Diese gesellschaftliche Struktur gibt es in Monarchien, in Diktaturen und sogenannten “repräsentativen” und liberalen Demokratien. Es ist so in den USA, in Russland, in China, in Taiwan, Frankreich, in Italien, in Deutschland und so weiter.

Zu den “A-Löchern” (1) gehören diejenigen, die in jedem System ökonomisch und sozial profitieren. Auch in der ehemaligen DDR waren nicht alle gleich. Da gab es “Volksgenossen” mit einer Villa und einem Jagdhaus und die “normalen Volksgenossen” in den Plattenbauten. Im gleichgeschalteten Dritten Reich von 1933 bis 1945 war dies nur noch etwas extremer. In den heutigen real existierenden “freiheitlichen” bzw. “wertewestlichen Demokratien” gibt es den Otto Normalbürger (das “Volk”) und “superreiche” Oligarchen, die in einem gigantischen Vermögen schwimmen und immer noch reicher werden müssen. Warum?

Dann gibt es die “A-Geigen” (2). Das sind diejenigen, die auf ihrer Violine oder Gitarre das Lied der A-Löcher spielen, den A-Löchern Honig um das Maul schmieren, die Opportunisten, die Karrieristen, die neoliberalen Mietmäuler, die Lobbyisten und sogenannten “wissenschaftlichen” Experten, die sich von A-Löchern bezahlen lassen, um Politik für die Interessen der A-Löcher zu machen oder darauf hoffen, irgendwann auch einmal zu den A-Löchern zu gehören.

Die A-Löcher (1) und die A-Geigen (2) bilden zusammen die herrschende Nomenklatura, wie man das bis zur Wende 1989/90 in den sozialistischen Staaten bezeichnete. Man könnte das auch die ökonomische, politische und mediale “Führungsschicht” nennen.

Dann gibt es die große Gruppe der A-Kriecher (3). Andere Bezeichnungen wären Untertanen, Befehlsempfänger, Mitläufer, Duckmäuser. Ihr Motto lautet: The job has to be done. Es sind diejenigen, die nicht nachdenken, sondern das tun, was der Chef sagt und zwar auch dann, wenn sie wissen, dass der Chef Blödsinn redet. Das ungeschriebene Gesetz der A-Kriecher lautet:

Paragraph 1: Der Chef hat immer recht

Paragraph 2: Wenn der Chef einmal nicht recht hat, tritt automatisch Paragraph 1 in Kraft.

In dem 1977er Studioalbum “Animals” der Progressiv-Rockband Pink Floyd sind das die “Sheep” (Schafe). Die A-Löcher entsprechen den “Dogs” (Hunde) und die A-Geigen den “Pigs”. Die “Schweine” sind bei Roger Waters die (Doppel-)Moralapostel, die von anderen fordern, den Gürtel enger zu schnallen und zu “sparen”, sich aber selbst die Taschen voll stopfen und die Taschen der Dogs.

Die Vorlage zu dem oben genannten Musikalbum von Pink Floyd bildet der bekannte Roman “Farm der Tiere” von George Orwell aus dem Jahr 1945, der allerdings differenzierter ist, was die (tierischen) Charaktere angeht und keine Sozialkritik am zügellosen Kapitalismus ist, sondern eine Gesellschaftskritik am real existierenden Sozialismus bzw. Kommunismus/Stalinismus der ehemaligen UDSSR war.

Diese grundlegende gesellschaftliche Struktur gab es demnach schon vor 1983 und der “geistig-moralischen Wende” eines gewissen Dr. Helmut Kohl, vor der Wende 1989/90 und vor der “Zeitenwende” von Olaf Scholz.

Und dann gibt es zu jeder Zeit noch die (4) Kritiker, die Ketzer, die Renegaten, die Querdenker, die Oppositionellen, die Montagsdemonstranten, die Widerstandskämpfer, die sagen, dass der Misthaufen ganz gewaltig stinkt. Dazu gehört offenkundig auch der Schauspieler, Regisseur und Filmproduzent Detlev Buck. Diese Kritiker usw. sind fast immer in der Minderheit und sie haben vor allem nicht die ökonomische und mediale Macht wie die Dogs (A-Löcher) und die Pigs (A-Geigen).

Zuweilen landen aber auch diejenigen, die sagen, dass der Misthaufen stinkt, einen “lucky punch”. Das Grundgesetz von 1949 mit seiner Sozialstaatsklausel (Art. 20 GG), der Presse- und Meinungsfreiheit (Art. 5 GG), der Würde des Menschen (Art. 1 GG), der Gleichheit vor dem Gesetz (Art. 3 Abs. 1 GG), der Sozialbindung des Eigentums (Art 14. Abs. 2 GG) usw. war sicherlich so ein Glückstreffer. Dabei darf man aber etwas ganz Wichtiges nicht vergessen, dass dieses von vielen Politikern in den Sonntagsreden immer hoch gelobte Grundgesetz, das inzwischen aus der Sicht eines objektiven Dritten und bei Lichte betrachtet offenkundig fast so viel wert ist wie Toilettenpapier, nicht wie ein Engel vom Himmel gefallen ist. Es ist das rechtsstaatliche Ergebnis einer gescheiterten Demokratie, der Weimarer Republik, und dem totalitären gleichgeschalteten Dritten Reich inkl. Zweitem Weltkrieg, Holocaust, Euthanasie und den riesigen Trümmerhaufen und vielen Leichenbergen.

An dieser Stelle könnte manch einer sagen, dass die Gesellschaft im Vergleich zum feudalen Mittelalter durchaus sozialer und woker geworden ist. Das ist richtig, heute werden keine kräutersammelnden Frauen mehr als “Hexen” auf dem Scheiterhaufen verbrannt, wenn die Ernte schlecht ausfällt, die vielen Schafe (Bauern) nichts zum Essen haben und die herrschende Klasse (Adel und Klerus bzw. die Dogs und die Pigs) Angst davor haben, dass die Schafe rebellieren und die Kornkammern und Fleischtöpfe des Adels stürmen könnten.

Das grundlegende Prinzip hat sich aber nicht geändert, nur die Methoden und das Niveau sind andere und anders. Wenn heute die ökonomische Entwicklung schlecht läuft, das Wirtschaftswachstum schwächelt, die Mieten und die Preise für Lebensmittel und Energie steigen und die Dogs Angst davor haben, die Schafe könnten vielleicht doch rebellieren, dann finden die Pigs auch heute Sündenböcke, Prügelknaben, Bauernopfer und (russische) Feindbilder, um die Schafe von einer Rebellion abzuhalten, damit sie sich weiterhin scheren oder sogar auf dem Schlachtfeld schlachten zu lassen. 1933 waren die Sündenböcke die Juden und die Bolschewisten im Osten, gegen die die Deutschen 1941 bis nach Stalinggrad marschiert sind, um dann zwei Jahre später wieder in die andere Richtung zu laufen. Viele deutsche Soldaten starben allerdings in Stalingrad und blieben für immer dort.

Manche sagen, das alles läge daran, dass es heute immer noch zu wenige Frauen in der Politik und den Führungs-Etagen der Konzerne und es dort zu viel männliches Testosteron geben würde. Richtig ist, dass 2026 auch Frauen wählen dürfen (das war nicht immer so), Frauen ihre Ehemänner nicht mehr um Erlaubnis fragen müssen, wenn sie einen Beruf ergreifen wollen (auch das war nicht immer so), Frauen in Deutschland sogar Bundeskanzlerin werden, eine hohe Funktion als stracker Housekeeper (Zimmerfrau) bei Parteien wie der FDP und hohe adlige Ämter bei der EU ausüben dürfen. Die Frage ist allerdings ohne sofort in eine rechte oder linke oder welche Ecke auch immer gestellt zu werden: Wurde bzw. wird die Politik dadurch sozialer, ökonomisch gerechter und vor allem friedlicher?

Und jetzt schließt sich der Friedenskreis und wir wären (wieder) bei der “Kriegstüchtigkeit” (siehe oben). Wer hätte sich vorstellen können, dass Mann oder Frau oder Divers 81 Jahre nach dem offiziellen Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland Rückgrat braucht, um für Diplomatie, Friedensverhandlungen und Frieden einzutreten und gegen Aufrüstung und gegen Krieg? Man kann nur hoffen, dass noch mehr Künstlerinnen/Künstler, Politikerinnen/Politiker, Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftler, Journalistinnen/Journalisten und ganz “normale” Bürgerinnen/Bürger dieses Rückgrat finden und wiederfinden und den Mund aufmachen.

Mit freundlichen Grüßen
Detlef Schmiedel

PS: Wofür könnte wohl das “A” stehen? Nein, es steht nicht für das A(-Team), dieser US-amerikanischen Krach-Bumm-Peng-Doppelwumms-Actionserie aus den 1980ern, in der die Protagonisten immer kleinen Leuten helfen und durch einen “genialen” Plan von Colonel Hannibal Smith die Bösewichter besiegen und in die Flucht schlagen. Das “A” steht für eine für die meisten Menschen “unappetitliche Körperöffnung” wie das Volker Pispers, einer der neben Georg Schramm zweifelsohne besten politischen Kabarettisten, die es seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland gegeben hat, einmal formulierte.


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