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Titel: Pistorius besucht Rüstungshersteller: „Man spürt den Geist der Erneuerung, der hier herrscht“
Datum: 23. Juli 2026 um 10:00 Uhr
Rubrik: Aufrüstung, Wirtschaftspolitik und Konjunktur
Verantwortlich: Marcus Klöckner
Die Umstellung auf Kriegswirtschaft nimmt Fahrt auf. Die Verzahnung von Automobil- und Rüstungsindustrie findet die „volle Unterstützung“ von Verteidigungsminister Boris Pistorius. Was der Minister auf einer Pressekonferenz beim Besuch des Rüstungsherstellers KNDS sagte, lässt tief blicken. Auf der Plattform X wird ein Ausschnitt der Pressekonferenz mit den Worten kommentiert: „Automechaniker sollen zu Panzermechaniker umgeschult werden.“ Auf ein Szenario dieser Art scheint es tatsächlich hinauszulaufen, wenn man hört, was Pistorius sagt. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.
Anlass des Besuchs von Pistorius am Dienstag bei KNDS in Kassel war die Ausweitung der Produktionskapazitäten für Panzer und Artillerie-Systeme. „Im Mittelpunkt des Besuchs standen“, wie es in einer KNDS-Mitteilung heißt, „die Produktion von Landsystemen und der industrielle Hochlauf.“
„Industrieller Hochlauf“ – das war dann auch das sinngemäße Stichwort, das ein Journalist bei seiner Frage an Pistorius freundlicherweise aufgegriffen hat. Es geht um die Verzahnung von „Rüstungsunternehmen und Autoindustrie“ und der Journalist stellt folgende Frage an Pistorius:
„Sie haben ja immer gefordert, die Rüstungsindustrie müsse dann auch liefern (Pistorius nickt) und in größerem Maßstab. Wie sehen Sie das? Sehen Sie da Chancen?“
Antwort Pistorius:
„Sie geben quasi die Antwort. Also das ist ja in vielfacher Hinsicht eine Situation, von der alle profitieren können. Die Automobilindustrie – wie soll ich sagen? – geht gerade durch schwere Zeiten. Die Rüstungsindustrie hat einen riesigen Bedarf an Aufwuchs, sowohl von Standorten, Arbeitskräften, und, ganz wichtig aus meiner Perspektive, die Autoindustrie hat in den letzten 120 Jahren gezeigt, wie man Produktion skaliert, wie man flexibler wird, wie man schneller wird. Und das heißt, da können dann beide voneinander profitieren. Deswegen stütze ich das ausdrücklich – um der Standorte willen, um des gemeinsamen Anspruchs und Ziels willen, das Fachkräfte gehalten werden müssen, in den Regionen. Klugerweise würde man also dann dort umswitchen in der Produktion von A auf B, um das zu gewährleisten. Von daher findet das meine volle Unterstützung.“
Umswitchen, also: umschalten, von der Produktion ziviler Güter hin zur Produktion von Kriegsgerät – davon spricht Pistorius. Von daher ist die Anmerkung im Internet, dass aus Automechanikern bald Panzermechaniker werden, alles andere als falsch.
Was an der Umstellung von der zivilen auf eine Militärproduktion „klug“ sein soll, wie Pistorius sagt, verstehe, wer will. Arbeitsplätze mögen so erhalten bleiben: Aber erstens, wer möchte schon Blut an seinen Händen haben und Mord- und Tötungsinstrumente produzieren? Und, zweitens: Eine Politik, die sich immer mehr auf Krieg konzentriert und – angeblich – sich nur vorbereiten will, damit es nicht zu einem Krieg kommt, scheint zunehmend genau das zu bedingen, was sie doch vorgibt, verhindern zu wollen. Oder steigt die Gefahr eines Krieges aufgrund einer unverantwortlichen Konfrontationspolitik zwischen der NATO und Russland nicht etwa schon seit Jahren an?
Der Facharbeiter, der aufgrund desaströser politischer und unternehmerischer Weichenstellungen seinen Arbeitsplatz zu verlieren droht und von der staatlich unterstützten Rüstungsindustrie aufgefangen wird, mag im ersten Moment froh sein, weiter ein Einkommen zu haben, um sein Häuschen abbezahlen zu können. Wie es dann aber bei einem Krieg aussieht, daran scheint niemand zu denken.
Wenn Pistorius davon spricht, dass die Rüstungsindustrie einen „riesigen Bedarf“ habe, dann klingt das so, als läge eine Art organische Entwicklung zu Grunde. Die Wahrheit ist: Der „riesige Bedarf“ der Kriegsgerätehersteller ergibt sich aus bewussten und gewollten politischen Entscheidungen.
Dass die Presse in einer solchen Situation dann auch noch Steigbügelhalterfragen stellt, passt zur Gesamtsituation.
Titelbild: Screenshot ARD
Hauptadresse: http://www.nachdenkseiten.de/
Artikel-Adresse: http://www.nachdenkseiten.de/?p=154058